Einzelbild herunterladen
 

31. Jahrgang.

Zylda, Freitag, den 1. Juli 1904,

«r^l^ober Mschadigtiein russischer Schiffe nicht '«L&£T dk„L„i..Lt

L^^Wahrheit beruhen.

legen

an-

Schluß •/*5 Uhr.

Deutscher Reich

Berlin, den 30 Juni 1904.

§ In dem Prozeß der Stadt Berlin gegen die Große Berliner Straßenbahn wegen Fortführung der Untergrundbahn vom Potsdamer Platz zum Spittelmarkt ist heute (Donnerstag) das Urteil verkündet worden. Es lauter dahin, daß der Straßenbahn ein Ein- spruchsrecht gegen den Bau jener Bahn nicht zu- steht, auch wurden der Gesellschaft die Kosten auferlegt Ge^en das Urteil will die beklagte Gesellschaft Berufung beim Kammergericht ein« legen.

?? Einen hübschen Beitrag zur Freiwillig­keit der Mirbachspeuden finden wir im .Vorwärts': „Gelegentlich eines Krchenvaues in Homburg wandte sich der dortige Bürgermeister an ewige reiche Leute, legre ihnen nahe, das Portemonnaie möglichst weit zu öffnen — kleine Beiträge „allgemein unbeliebt" ! — und stellte ihnen den baldigen Besuch des Freiherrn von Mirbach in Aussicht. Einer, übrigens ein Jude, gab 25 000 Mk. Ein anderer, ein ans dem Judentum Ausgetretener, antwortete, daß er ab« lehne, einen Beitrag zu geben; er würde seiner­seits die Diskretion über den Schritt des Bürger­meisters wahren und stellte eS dessen Takle an­heim, wie er Herrn v. Mirbach von der Absicht dieses Besuch cs abbringe. Darauf ein neues Schreiben, in dem das Jntereffe des Kaiserraares für Homburg im allgemeinen und gerade für diese Kirche >m speziellen betont wurde; es handle sich um die Freilegung her 'Kirche, denn Bau und Ausstattung feien sicher gestellt; also Herr von Mirbach würde sich doch die Ehre geben. Neue Ablehnung des Homburger Bürgers, er lege ab fvlm Seinen MeH auf Orden und ähnliche Aus­zeichnungen, sähe sich nicht veranlaßt, Gelder für die Zwecke dieser Kirche beizusteuern, und bitte, daß der Besuch des Herrn v. Mirbach unterbleibe. Der dritte Brief des Bürgermeisters teilte da­raufhin in lakonischer Weise mit, wann Herr v. Mirbach sich die Ehre geben würde. Der Homburger antwortete dann, er sei an dem be­treffenden Tage geschäftlich verreist und bitte, Herr v. Mirbach davon zu verständigen." Dir Hartnäckigkeit des Bürgermeisters läßt sich nur durch den Erlaß des Obechofmeifters Frhrn. v. Mirbach an die Oberpräfidenten erklären, der an d.e Laudräte und Bürgermeister weiter gegeben worden ist.

Polen, Zentrum und Freisinn angenommen.

Hie auf wird in 3. Beratung der Gesetzentwurf betr. Abänderung des AusfübrungSgesetzeS ,um Schlachtvieh- und Fleis chbeschaugesetz unver­ändert angenommen.

Die Wahlen der Ab«g. Schachnasjan, Keruth und Münsterderg (fr. Bg«.) werden entsprechend dem Kommisfionsantrag für giltig erklärt.

In 2 und 3. Beratung werden die Gesetzentwürfe betr. die Aenderung von Borschriften über das Kon­solidationsverfahren und die Berichtigung des Grundbuchs während derselben im Regierungs­bezirk Wiesbaden und betr. die Aenderung von Amtsgerichten ar genommen. , .

Die Vorlage über die Hilfeleistung bei Bränden wird, da ein Kowpromißantrag Herold (Zentrum) eingebracht ist, an die Kommission zurück- verwiesen. „ r ,

Hierauf folgt die Beratung des Antrages aus Verragung des Landtages.

Ds knüpft sich hieran eine längere GeschästSord- nungsdebatte. in welcher die Freisinnigen gegen dre Annahme d-s Antrages sind, weil si« erst die Mirbach- Interpellation erledigt rotffe« wollen.

Minister Frhr. v Hammerstei« erklärt nochmals, daß er noch mcht in der Lage fei, anzugeben, warn er die Zn «rpellatio» beantworten könne. Er habe das Material schon vor der Interpellation von dem Obeipräsiderten sich eingefordert, es sei aber erst dte

In name-tlicker Abstimmung wurde derVI mit 203 gegen 109 Stimmen abgelehnt. ' Alsdann wird da? Gesetz im ganze

treten, und es möge die weibliche Jugend seine Dienste fleißig in Anspruch nehmen. Alles, was mitgeteilt wird, ist wahr. Aber ebenso wahr ist, daß es auch auf katholischer Seite eine Mädchenschutz - Organisation gibt, die in gleicher Weift segensreich wirkt. Wir haben seit 1897 einen „Internationalen Verband der katholischen Mädchensch-utzvrreine« mit dem Sitz in Freiburg in der Schweiz (tue de Romont 28). Landesverbände (Nationalkow.itees) bestehen für Belgien, Frankreich, G>oßbritannien, Holland. Spanien, Italien und die Schweiz; für Deutschland ist zur Zusammenfassung der be­stehenden Ei.nzelkomitees und Landesverbände in einen Reichsrerband eine Kommission tätig. Voll­ständig organisiert ist in Deutschland der Mädchen- schütz in ganz Boyern unb für dis Diözese Straßburg. Mädchenschutzvereme finden sich dann noch in Frei­burg Km lsruhe, Mannheim, Da'mstadt, Aachen, Berlin. Breslau, Frankfurt a M„ Köln, St. Johann, Saarbrücken. Katholische Bahnhöfnnssion ist tätig in Aachen, Augsburg, Bamberg, Berlin, BreSla', Brüssel, Dortmund, Düffeldorf, Frei- bürg i. Br., Herbesthal, Mailand, Marseille, München, Luzern, Ostende, Reg-nsburg, Turin, Veroiers, Würzburg. Alle katholischen Mä^chen- schutzeinrtchtnngen sind an gelb - weißer Farbe kenntlich (Schleifen, Plakate, bas Hanbbuch, der „Führer" -c.). So lobenswert die Bestrebungen des protestantischen Internationalen Vereins der Freundinnen junger Mädchen sind, und so gerne die gleichgearteten katholischen Bestrebungen mit jenen Hand in Hard gehen, so glauben wir doch nachdrücklichst immer wieder auf die katholischen Einrichtungen aufmerksam mache« zu müffen, weil sie "die katholischen Mädchen den katholischen Heimen zuführen, ihnen Stellen bei Katholiken vermitteln, kurz den Bedürf­nissen der Katholiken sicher bester gerecht werden können, als der genannte Protestant,sche Verein.

Wer sich über die katholischen Mädchenfchutzbe- strebungen näher unterrichten will, findet Angaben tut „Sozialen Adreßbuch" Zentralstelle des BolkSvereinS), im „Führer" (München. Tegernseerstraße 2) und in Dr. Liefes „Handbuch des MädchenschutzeS" (CharitaS- druckerri).

• Der mWch'WMsche Reisg.

Mit großer Bestimmtheit tritt die Nachricht auf, daß das russische Wladiwostok-Ge­schwader am Donnerstag vor Gens,an er­schienen sei und die Stadt angegriffen habe.

Nach einer Lloydsmeldung aus Kobe ist das japanische Transportschiff „Sadu Maru" flott gemacht und gibt nach Nagasaki in Dock.

Fünfzig Europäer, die Port Arthur am 23. Juni verlassen hatten, kamen heute in Tschifu von der Pigenon-Bai an, wo sie sich auf einer Dschunke am 28. Juni einzeschifft hatten. Sie erzählen, daß in der Seeschlacht am 23. Juni die „Sewastrpol" leichte Havarie gehabt hätte, die in 15 Tagen wieder tn Ordnung gebracht sein würde. Der Streuminerdampftr „Amur" wäre ziemlich schwer beschädigt. Die Europäer hörten nichts über ein Nach gesicht, in welchem die Japaner, wie sie behaupten, ein russisches Linienschiff zum Sinken gebracht hätten.

Aus Niutschwang meldet das Reuter'sche Bureau: Die Ankunft des Torpedobootszerstörers „Bukaroff- rief unter den Eingeborenen große Erregung hervor. Eine zahlreiche Menschen­menge war am Ufer versammelt. Die Offiziere des Schiffes erklärten den Bericht des Admirals Togo über die Niederlage der ruffischen Flotte am 23. Juni für übertrieben. In der Mand­schurei herrsche heftiger Regen, welcher die Wege unpaffierbar mache.

Einen bedeutenden kriegerischen Erfolg haben die Japaner jedenfalls nicht errungen, falls sich die Nachricht bestätigen sollte, daß sie drei Forts von Port Arthur eingenommen hätten. Wichtige Punkte wären zweifellos viel erbittertet von russischer Seite verteidigt worden und die beKerseingen Verlustlisten hätten fich auch ganz anders gestellt. Wahrscheinllch werden r.ur einige russische Außenposten aufgehoben worden fein, auf deren dauernden Besitz die Rusten selbst keinen Wert legten.

W. Loudon, 1. Juli 1904. Wie der .Standard' aus Tientsin und .Daily Tele­graph' aus Tokio übereinstimmend melden, fand am 25. Juni bei Kaiping ein heftiges Gefecht statt, infolgedeffen der Ort am 26. Juni besetzt wurde.

W. London, 1. Juli 1904. Dem Bureau Reuter wird ans Peters bürg gemeldet: Der in Niatschwang angekommene Torpedobootzer- stö:er berichtet, daß die Gerüchte vom Sinken

M 147

—ZW. Li-mjang, 1. Juli 1904. (Reuter.) Die Japaner erzwangen den Uebergang über den Motienpaß und rückten auf der Oststraße auf Liaujang vor. Eine russische Streitmacht unter dem General Grafen Keller hält eine befestigte Position besetzt, welche die Straße auf dieser Seite des Passes beherrscht. Die Japaner beabsichtigen die russischen Verbindungen nördlich Liaujang abzuschneiden, während Kuropatkin mit bet Gesamtmacht bei Haitschoeng operiert.

W. Tokio, 1. Juli 1904. (Reuter) Ein Telegramm aus Gensan berichtet, baß gestern das russische Wladiwostokgeschwader vor Gensan erschiemn sei und die Stadt an­gegriffen habe. Nach einer amtlichen Meldung besteht bas vor Gensan erschienene Wladiwostok­geschwader aus 3 Kreuzern, 10 Torpedobooten und Torpedobootzerstörern. Es feuerte 180 Schuß auf die japanische Niederlassung ab.

Anzeigen: Die em- fpaltige petitzelle ober- bereit Raum 15 Pf- Reklamen bie petitzelle 25 pfg.; bei Wieben Holungen wirb entfp?

Rabatt gewährt.

Druck unb Verlag b# ZulbaerActienbruckeck in Zulba (Harmonik

Zernsprecher Nr. 9=

eg xuiouer

Verantwortliche, Br

ShrtstleitenZof.V««

s.Ä?Ä«. wochenb-ll-M „Illustrierte Soinnagrzeltung"

* Eine „Pücklrr Versammln«^, bie «m Mttwoch abend in Berlin ftattfanb, wurde polizeilich aufgelöst. Graf Pückler sprach über das Thema „Wucherjuden". Er schilderte zu­nächst daS Treiben der Mädchenkändsir und meinte schließlich, die Berliner sollien auf die Juden J.igb machen und sie erschoßen wi- bie Hasen und Kaninchen. Der überwachende Polizei- leutnant löste darauf, nachdem Graf Pückler etwa eine Viertelstunde gesprochen hatte, die Ver­sammlung aif.

% Der .Konfektionär^ berichtet über eine Versammlung in Halle a. S.. in der Herr Kommerzienrat Lissauer über das Thema „Das Warenhaus: eine Gefahr für Handel und Wandel, für Gemeinde, Staat und Volks­leben" sprach. Er bezeichnete dir Warenhäuser als Auswüchse der Gewerbefreiheit, bie zahlreiche Existenzen vernichten uvd bie durch Preisschleu- beteten, durch Lockartikel und sogenannte Hausterer- manieren außergewöhnliche Maßnahmen gegen sich verursacht hätten, (»io!) Die Warenhaus- feuche würde erst beseitigt wr'den, wenn statt vier Warenhausgruppen deren zwölf eingefüdrt würben und die Steuer dis 8 v. H. erhöht würbe. Der .Konfektionär' begleitet diese For- beruua mit der Bemerkung: „Das sagte derselbe Herr Lissauer, der ftüher beaeifterter Freund der Warenhäuser war und im Pariser .Louvre' sein Ideal sah. “ ES scheint also selbst in den Reihen der jüdischen Geschäftsleute allmählich zu däm­mern, wohin bie Gewerbefreiheit und daS Waren- hausweM führt.

* Mädchenschutz. Häufig begegnet uns in der Presse aller Kchottierungeu, katholische Blätter nicht ausgenommen, ein ausführlicher Bericht über den „Internationalen Verein der Freundinnen junger Mädchen." Es wird die Art 'eines Berkens auf den Bahnhöfen, in den Heimen rc. des In- und.Auslandes aus­führlich barg eh gt und gezeigt, wie er über eße Weltteile ein v<etz der Füriorge fSr reiftnbe Mädchen breitet; schließlich wird urfgefeebert, 's möchten möglichst viele Damen dem Verein bei

Abgeordnetenhaus.

91. Sitzung vom 30. Juni 1904.

Eröffnung 10’/» Uhr.

Das Anderen an daS vcrstorbene Mitglied Dr. Goebel wird in der üblichen Weise geehrt.

Interpellation Traeger (fr. Bp.) betr. die Mir buch.Sammlung.

Aus Anfrage deS Präsidenten erklärt

Minister Frhr. v. Hammerstei«: Ich bin bereit, die Interpellation so bald rote möglich zu beantworten. rG-lächter linls ) Ich bedauere aber, den Tag der Beantwortung heute nicht angeben zu können. (Hört! hört! Gelächter und Unruhe links), da die beieils van mir vor Mitteilung der Interpellation angeordneteu und schleunigen Erhebungen noch nicht haben zum Abschluß gebracht werden können und daS in kurzem zu erwartende Ergebnis dieser tatsächlichen Fest­stellungen noch nicht vvrliegt.

Präsident v. Kröcher: Damit ist dieser Gegen­stand erledigt, (ge teilt.) . -

Es folgt die dritte Beratung desAnfredelungs- gesetzes.

ES liegt eine Reihe polnischer Abänderungs­anträge vor. ,

«bg. Dr. Mizerökt (Pole) hält eine drerorertel- stündige Rede gegen das Gesetz. Bei der im Haufe herrschenden Unruhe bleiben die Ausführungen völlig unverständlich. , , . , „

«bg. Dr. Bachem (Ztr.) faßt- noch emmal alle Bedenken gegen die Vorlage zusammen, insbesondere wies er mit großem Nachdruck darauf hin, daß die Vorlage ganz zweifellos eine Verletzung deS Artikels in der Preußischen Verfassung darstelle. Wenn man hier die" Rechte der kleinen Ansiedler polnischer Zunge an­taste, so schaffe man einen schlimmeren 2 rsiedenzlall, falls es sich einmal um das Eigentum der Großgrund­besitzer handeln sollte. Wenn auch die Regierung be­wußt und absichtlich mit der Vorlage eine Zurück- drängung des Katholizismus in den Ostprovirzen nicht erstrebe, so würde daS doch die naturnotroendige Folge des ganzen Gesetzes sein. .

Die Minister Freiherr v Hammerstei» und Schön­stedt traten diesen Ausführungen entgegen. Justiz- Minister Schönstedt bemerke, die Regierung erkläre, um dte Bedenken gegen d»e Vorlage zu zerstreuen, aus­drücklich, daß auch polnische Ansiedelungen genehmigt werden rollten. — Durch einen Schlußantrag wurde hierauf die allgemeine Besprechung geschloffen.

Zur Spezialberatung hatten die Polen ihre Anträge aus zweiter Lesung zum Teil wieder emge- bracht, so vor allem den Antrag, daß das Gesetz auf Erblettung keine Anwendung finden und daß eS keine rückwirkende Kraft haben solle.

An der Debatte über diese Anträge beteiligten sich vom Znttrum u. A. die Abgg. Falti» und Dr. Hkipug. DaS Ergebnis war überall, daß nach kurzer Begrüskung der Annage Schlußanträge angenommen und ote .AbänderungsantrSge abgelehnt wurden.

Nach Beendiaung der Eperrarberaturlgfi.llten rienr r um und Polen einen Antrag, die Abstimmung über das Gesetz nach 2l Trgen zu wiederholrn. Da daS Grietz eine BersaffunzkSudeiung bedeu.e.

Hälfte tingegangen.

Der VertagungSantrag wird hrerauf genommen Schlußsitzung unbestimmt.

Herrenhaus.

23. Sitzung vom 30. Juni.

Eröffnung 21/« Uhr. . ,

Eingegangen ist der Antrag der Regierung aus Vertagung bis 18. Oktober.

Zunächst werden Rechnungsfachen debattelos erledigt. , x

Darauf folgt die Beratung deS GefetzentrourfS betr. Erhöktzng des Grundkapitals der See» h andlung.

DaS Gesetz wird, dem Beschluffe der Kommission entsprechend, nach längerer Debatte in der vom Abge­ordnetenhause beschlossenen Faffung angenommen.

Damit ist die Tagesordnung erledigt.

Freitag: Kleinere Vorlagen, Petitionen, BertagungS- antrag, Initiativantrag betr. Uebetlaffuug des Militär- grsangbuchS. ' >»

Schluß 5 Uhr.

M Zeitung

Monatrbeüage: „zuldaer SeschichtrbMer".

* Das englische Oberhaus rahm in seiner Sitzung vom Dienstag bezüglich Verleihung des Rechtes, Mitglieder des Graffchafts- rates zu werden, eine ausgesprochen ablehnende Stellung ein. Der Lordkanzler, Lorb Hals- bury, bezeichnete den Antrag als nichts weiter, als einen Teil der Agitation, bie darauf aus­gehe, ben Frauen eine gleiche Stellung zu geben wie den Männern. „Ich hoffe aus persönlichen Gründen, baß dieser Antrag abgelehnt wirb", fügte er hinzu. Lord Tweed mouth führte zwar als Entschuldigung für ben Antrags ins Feld, daß die Frauen doch auch bas Recht hätten, für bie genannte Behörde zu wählen, aber Lord James os Hereford erklärte dagegen, baß derartige Rechte bie Frauen lediglich in den politischen Kamps einführen würben, unb baß die Teilnahme der Frau an dem politischen Leben nicht nur den Staat, sondern auch bas ganze häusliche Leben in Gefahr bringe. Der Earl von Portsmouth wollte gar nichts von politischen Frauen wissen. Die Frau, so meinte er, dürfe nur eine Politik haben, unb bas sei bie Politik ihres Mannes. Der Antrag wurde mit 57 gegen 38 Stimmen abgelehrtt.

* Beim italienischen Postmirrifterirrm find, wie eine Revision ergeben Haden soll, ähn­liche Unterschleife unb Veruntreuungen vorgekommen, wie in dem Kultusministerium unter Nasi, und baß die Unregelmäßigkeiten im Postministeriiim nicht einen so großen Umfang wie bei Nasi angenommen haben. Eine Unter­suchung ist bereits eingeleitet.

* In Lissabon zirkulierte nach den Münch. N. N' am Dienstag das irrige G-rücht daß der König an Berd seiner Jacht „Donna Amelie" p'ötzlich g eflorben sei. Dieses Gerücht scheint dadurch entstände« zu fein, daß der König in erhitztem Zustande zwei Glas kalten Bieres genossen unb gleich darauf infolge des heftigen Blutandranges nach dem Kopfe eine Zeit lang das Bewußtsein verloren batte. Sein Zustand soll jetzt jebocd wieder b-friedigend sein.

Den Regierungstruppe» Uruguays sollen nach glaudwürdtgen Depeschen aus Bago (Brasilien) die Rebellen in einer zweitägigen Schlacht eine große Niederlage beigrbracht haben.

Geheimrat Dr. Eduard Goebel f.

Schon wieder hat der unerbittliche Tob einen Mann aus unserer Mitte hinweggerafft, der in allen Kreisen der Bürgerschaft unserer Stabt und unseres Kreises unb weit über dessen Grenzen hinaus sich der allgemeinenHochachtung und Ver­ehrung erfreute: Unser Landtags-Abgeordneter, der Ehrenb üiger unserer Stadt, der langjährige Direktor des hiesigen König!. Gpmnastums, Herr Geh.Regierungsrat Dr. Eduard Goebel, ist gestern früh in ein besseres Jenseits abberufen worben. Geboren am 1. März 1831 in Hilles­heim (Eifel) wandte er fich nach Absolvierung der Gymnasial-Studren dem Studium der klassi­schen Philologie zu und war dann als Gymna­sial-Lehrer in Attendorn (Westfalen) und Ko! ; am Rh. tätig. Durch seine umfassende @e^hr= femteit unb insbesondere durch feine hohe Be­fähigung als praktischer Schulmann wurde >r bald in ben weitesten Kreisen bekannt unb io kam rS, daß er schon im Jahre 1863, kaum