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Maer M Zeitung

modKttbdiMti .Jüuttricrk Sonntaarzeituna" ***9^1593?* momkbeSare: „Zulixrer GeschichtrbMer".

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wocholbeUages,Illustrierte Sonnlagszeitung"

31. Jahrgang.

Zutta, Donnerstag, den 30. Juni 1904.

Jg 146.

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Deutsches Reich.

Berlin, den 29. Juni 1904.

* Ein Schiff des deutsche» Amerika- Geschwaders ist bereits nach Haiti in See gegangen, um dort die Bestrafung der an der Ver­unglimpfung deutscher Reichsangehöriger Schul­digen durchzusetzen.

Die deutsche Feldpost, die jetzt in Südwestafrika zum dritten Mal fett dem Bestehen des Reiches in Täligkett ist, hat infolge de: Verstärkung der Truppen bereits einen be­trächtlichen Umfang erreicht. Es sind insge­samt 40 Postbeamte in Deutsch Südwestafrika tätig. Die obere Leitung der gesamten Feldpost in der Kolonie hat der Postdirektor Bischof in Windhuk. Der eigentliche Chef der Feldpost ist Ober-Postpraktlkant Thornm, welcher jetzt die Dienstbezeichnung Feld - Oberposisekretär führt. Ihm sind 4 Feldpostsekretäre und 8 Feldpost schaffner zugetetlt. Neuerdings sind 11 Beamte und 3 Schaffner hinzugekommen. Die Poft dient jetzt wohl saft ausschließlich sür die Kriegszwecke, da der bürgerliche Verkehr nur geringen Um­fang bat

* lieber die Angriffe, die Oberbofmester Freiherr v. Mirbach wegen seines neuesten Sammelerlaffes zu Gunsten der Kaifer-Wilhelm- Gedächlniskttche. erfährt, ist die.Kreuzztg/ unge- halleu. Sie meint: „Jeder, der das herrliche Gotteshaus kennt, ein Denkmal, geweiht dem Gedächtnis des großen Kaisers, kann den Ge­danken nur mit Freude und Genugtuung be­grüßen, diese Kirche gerade an dem Tage auch in ihrem Innern würdig vollendet den Kaiser­lichen Herrschaften dargebracht zu sehen." Aber darum handelt es sich ja gar nicht. Getadelt wird doch nur die Art und Weise, wie Frei­herr v. Mirbach für diesen Zweck sammelt. Wenn die ,Kreuzztg/ „hofft" und „gewiß ist", „daß euch diese erneuten Angriffe Herrn v. Mir­bach nicht die Freudigkeit an seinem Wirken für kirchliche Zwecke beeinträchtigen werden", so ist die .Post', die Herrn o. Mirbach in der Pommernbank Angelegenheit so lebhaft verteidigt hat, anderer Ansicht. @:e schreib! mit Bezug auf die freisinnige Interpellation: „Der Um­stand, daß Freiherr ». M rbach sich bei seinen l^trrnrhmungm an die Oberpräsidenten und sonstige staatliche Behörden gewendet und deren Mitwirkung in Anspruch genommen hat, schl eßt die Zuständigkeit der Londesoerlretung zur Er­örterung des Falles in sich, und das Avgeord- «elenhans wird sich daher, selbst wenn es wollte, der Besprechung der freisinnigen Interpellation nicht entziehen können. Man wird dabei, selbst­verständlich unter Zurückweisung Übertriebener Angriffe, doch keinesfalls umhin können, den Bedenk--« offenen Ausdruck zu geben, zu deren die Täligkett des Frecherrn v. Mirbach bei voller Anerkennung der guten Absicht nach verschiedenen Richtungen Veranlassung gibt." TaS Organ Stöckers ,Das Volk' äußert sich: „Man findet tatsächlich im Angesicht solcher Vorkommnisse keine Worte, um seiner innersten Entrüstung Luft zu machen. Bisher rahmen wir an, dap Freiherr v. Mirbach nur zu schwach war, um das ausdringliche, titellüsterne Schmarotzertum energisch genug von sich abzuschütteln; jetzt ist das Bild ein anderes geworden, jetzt steht men, daß er die kleinen Gaden aufrichtiger Liebe ver­schmäht uud nur auf Gaben unter deutlichem Hinweis auf höfliche Belohnungen spekuliert, die man mit vier- bis sechsstelligen Zahlen schreiben muß, und die nur sattester Reichtum zu bieten imstande ist. Und mit diesen schnöden Spenden -aut man dann demselben Heiland prunkende Kirchtnpaiäfte, der vor 2000 Jahren das Witwen: chrrflein höher bewertete als dir den Menschen iwponiereodften Summen üppigen Reichtums." Das .Volk' verlangt kategorisch eine Auskunft, wer die Kreise seien, in denen die Gaben. der Armut „allgemein ar.beliebt" find. Die Beantwortung dieser Frage werde zur Pflicht, „wenn man vermeiden will, daß das christliche und monarchische Gefühl im Volke furchrbaie Einbuße erleidet."

* A«S Deutsch ES-Vestafrika. General­leutnant von Trotha telegraphiert aus Oka- handja unter dem 27. Juni: Major von Estorfs hat Osnmbu Karupuka Mkawapuka) am Omuvamba, von der Heyde Okosondusu ohne Kampf erreicht. Zwischen allen drei Abteilungen rst Funkenverdindung hergestellt. Zu Major von Glasenapp, der im Vormärsche auf Otjire ist, geht morgen die neunte Kompanie und der Rest der Malchinergewehrabteilung Dürr ab. auf Patrouillenritt von Epikiru erreichte Oberleutnant von Winkler Otjensondu, Halbwegs zwischen Owikokorero und Okosond-su, wo er angehalten und von der Heyde zugeteilt wurde. Vom Feinde und ron Vieh ist Well-, Nord-, Ostdistrikt und Gobabis bis zum Eisebfluß vollkommen frei. Epikiru, Rietsontein S. O. (Mier) find diesseits noch besetzt. — Das Hauptquartier telegraphiert aus Okahandja: Leutnant Haas, ftüher im 2. nicderschlestschen Infanterieregiment Nr. 47, ist durch einen Unglücksfall am 18. Juni in Out jo verstorben. Reiter Wunderlich, Transport Puder, ist am 25. Juni am Typhus gestorben.

** Der Pommernbank Prozeß ist heute bis zur Urteils»prechung beendet worden. Die Sitzung für die Verkündigung des Urteils ist auf Freitag 9 Uhr anberaumt worden.

Der Beirat für Arbeiterstatistik trat am 20. d. M. zu seiner fünften Sitzung zusammen, die an den beiden folgenden Tagen fortgesetzt wurde. Auf der Tagesordnung stand die münd­liche Vernehmung von Auskunstspersonen des Fleischerpewerbes über die in diesem Gewerbe üblichen Arbeitszeiten. Es wurden 47 Auskunfts­personen und zwar 24 Fleischermeister und 23 Fletschergehilfen gehört, die in verschiedenen Ge­bietsteilen des Reiches tätig sind. Die ver- nommenen Arbeitgeber waren sämtlich vonFleischer- innungev, die Mehrzahl der Arbeitnehmer von Vereinigungen der Fleischergehilfen als ÄuskunstS- Personen in Vorschlag gebracht worden.

*— Darmstadt, 29. Juni 1904. Die Zweite Kammer begann heute die Beratung des Gesetzentwurfes betreffend die Reform des Landtags wahlrechtes. Staatsminister Dr. Rothe erklärte, daß die Regierung, welche mit der Einbringung der Vorlage seinerzeit einem Wunsche der großen Mehrheit der zweiten Kammer entsprochen habe, im allgemeinen auf ihrem früheren Standpunkt beharre. Wenn sie sich auch ihre Stellungnahme zu der von dem Ausschuffe veränderten Vorlage Vorbehalte, so könne er doch schon jetzt erklären, daß sie der von dem Aus­schuffe vorgeschlagenen Vermehrung der Zahl der Abgeordneten von 50 auf 60 nicht zustimmen werden, sondern nur der Vermehrung der städti­schen Abgeordneten um fünf.

NdgrordnetendanS.

90. Ettzuur vom 28 Juni 1904.

Eröffnung: 11'/, Uhr.

Die 2. Beratung deS Ans-edlungsgesetzeS wird fortgesetzt bei der Spezialdebatte.

Die §§ 1- 12 werden debattelos angenommen.

Bei § 13liegen,wripolnischeAbänder«ngs- anträge vor, welche den Zweck haben, die Fälle, in bene« eine Genehmigung zur Ansiedelung nicht erforder­lich ist, zu erweitern. Tie Anträge waren bereits in der Kvmwisstvn gestellt aber abgelehnt worden.

Abg. Dr. v. Tzi-mbowSkt (Pole) begrünbet die Anträge unter großer Unruhe des HaufeS und spricht sein Bedauern darüber aus, daß lein Minister zu­gegen sei.

Abg. v. Htyking (koris.) erklärt, seine polrtrschen Freunde würden die Anträge ablehnen

Abg. Dr. Bachem (Ztr.) befürwortet die Anträge und führt Klage darüber, daß eS dem Begründer der­selben nicht möglich gewesen sei, wegen der Unruhe deS HaufeS sich verständlich zu machen. 68 scheine, als ob die Mehrheitsparteien sich den vorgebrachten Grün­den mit Absicht verschließen wolle. (Zustimmung). Ich konstatiere, daß mir auch von der Rechten „Siebt richtig l" zugerufen wird, die Herren also Gründe nicht mehr hören wollen. (Hört! Hört! - Zuruf von rechts: .Wir haben sie schon hundertmal gehört!) Redner befürwortete insbesondere den Antrag, wonach eine AnfiedluugSgenehmigung nicht erforderlich sei» soll, wenn gesetzlrche Erben ein Gut unter sich teilen.

«S gelangt hierauf ein Schluß antrag zur An­nahme.

Gegen das Gesetz waren «och gemeldet Abg. Korfantp (Pole) und Dr. Heisig (Ztr.l.

DieAuträgederPolen werden gegen Zentrum, Polen und Freisinn abgelehnt und § 13 unver­ändert angenommen.

Bei § 13a wird ebenfalls ein polnischer Ab- Lnd erungSanrrag einzebracht. nach kurzer Debatte ein Schlußantrag angenommen, der Antrag abge- lehul und § 13a unverändert angenommen.

ES folgt die Abstimmung über de« bereits gestern diskutierten § 13 b. wonach für die AufiedrlungS- genehmiguug eine Bescheinigung deS RegierungSpiäsi- deuten notwendig ist. ,

DieAbstrmmung ist eine namentliche (auf An- tra, Herold sZtrs); sie ergibt die Annahme deS § 13 b mit 207 gegen 105 Stimmen. Der konservativ« Abg. v. Oldenburg enthält sich der Abstimmung.

Die §§ 14 und 15 werden ohne erhebliche Dis­kussion angenommen. „ t

§ 15 a bestimmt, daß der Bergwerksbefitzer daS Recht hat, gegen Ansiedlungen über dem Bergwerks­betrieb Einspruch zu erheben, und der KreiSauSfchuß dem Rechnung zu tragen hat, wenn die wirtschaftliche Bedeutung deS uneingeschränkten Abbaues der Rme- ralien die der Ansiedelung überwiegt.

Rach längerer Debatte wird § 15a nnoetänbett angenommen.

Der Rest deS Gesetzes wird ebenfalls und zwar unter Annahme von Schlußanträgeu und Ab­lehnung von AbäntzerungSauträgen unver- ändert anaenommen.

Sodann wird eine Resolution der Kommis­sion angenommen, welche die Regierung auffordert, zur Förderung der inneren Kolonisation im nächsten Etat Mittel bereit zu stellen, welche iw Sinne deS 1902 angenommenen Antrags auf Bildung kleinster Renten­güter Verwendung finden sollen.

SS folgt die erste Beratung deS Antrages Are»berg und Rewoldt (kauf.) bett. daS Verbot von Nachuntersuchungen des einmal tierärztlich untersuchten frischen Fleisches.

Abg. Rewoldt (fit.) führt zur Begründung auS, daß diese Unlerfuchurg in d^n Schlachthäusern nach der neulich zutage getretenen Auffaffung der Mehr- heitsparteieu unzulässig sei und daß dies im preußischen Fleischbefchaugesetz durch eine Deklaration klar zum Aus­druck gebracht werden müffe.

Abg. Fischbeck (fr. Vp.) behauptet demgegenüber, daß die Nachuntersuchung nach den Motiven zum Reichsgesetz statthaft sei. Auf jeden Fall müffe eine Kommfffionsberatung stattfinden.

Nach wetteier Debatte, in welcher Abg. Herold (Zentrum) betont, daß das Zentrum keine einseitige Jatereffenpolttik treibe, sondern gerade die einseitige Jntereffenpolitik bekämpfe, wird von einer Kommisstons- beratung abgesehen und der Antrag sogleich in zweiter Beratung angenommen. Dafür stimmten die kon­servativen Parteien, das Zentrum und ein Teil der Nationalliberalen.

Darauf wird ohne Debatte daS Kreistierarzt­gesetz in 2. Beratung angenommen und gleich darauf auch in dritter Beratung.

Donnerstag 10 Uhr: Interpellation bett, die Mirbachsammlungen, Ausiedelungs» gesetz, kleinere Vorlagen, BertagungSan- trag der Regierung.

Schluß '/.6 Uhr.

HerreuhauS.

22. Sitzung vom 28. Juni.

Eröffnung 2’/« Uhr. — Erster Gegenstand ist bie Beratung bri Gesetzentwurfs betreffend die Ver­besserung der Borflut an der unteren Oder- Havel und Spree.

Das Gesetz wird angenommen mit einer Resolution von der Osten, die Regierung zu er­suchen. baidtunlichstim Mündungsgebiet des Oderstroms vom Deminschen See an abwärts die zur Regulierung der Hochwasser- und BorflutverhäUniffe nötigen Maß­nahmen zu treffen.

Hierauf wird das Gesetz bett. Maßnahmen zur Verhütung von Hochwassergefahren in der Provinz Brandenburg und im Havelge­biet der Provinz Sachsen debattelos angenom­men; desgleichenwirddas Gesetz zur Abänderung des Gesetzes bet reffend die ärztlichen Ehren­gerichte, das Umlagerecht und die Kassen der Aerztekammern angenommen.

Die Gesetzentwürfe betreffend die Erhebung von Kirchensteuern in den Kirchengemeinden und Parochialverbänden der evangelischen Landeskirche der älteren Provinzen der Monarchie und in den katholischen Kirchen­gemeinden und Gesamtverbänden werden von der Tagesordnung abgesetzt, da schriftlich über diese Gesetzentwürfe berichtet werden soll.

Der Präsident meint, daß sie dann wohl in dieser Tagung nicht mehr verabschiedet werden könnten.

Der Bericht über die Nachweisung über die auf Grund der Gesetze vom 3 Juni 1896 und vom 8. Juni 1897 bis Ende Dezember 1903 zur Errichtung land wirtschaftlicher Tetreidelagerhäuser bewilligten und verwendeten Beträge sowie über den Fortgang und den Stand dieser Bauten wird durch Kenntnisnahme erledigt.

Eine Petition um Ausdehnung der Ar- beiterfahrkarten sür das EichSseld auf eine Entfernung von 100Kilometer wird durch „m otivierte Tagesordnung" erledigt.

Donnerstag 2 Uhr: Rechnungssachen und Gesetz­entwurf betreffend Erhöhung des Grundkapitals der Seehandlung.

Schluß 3»/< Uhr.

• Der Wieg.

Drei im südöstlichen Teile der VerteidigungS- werke von Port Arthur gelegene Forts find, rote ein beute vorliegendes Telegramm meldet, am Sonntag von den Japanern einge­nommen worden. Die näheren Einzelheiten sind noch unbekannt.

Ein weiteres russisches Schlacht­schiff soll nach einer Drahtnachricht ans Tokio, die der ,Doff. Ztg.' aus London übermittelt wird, auf der Höhe deS Tiperfelsens gestrandet sein. Mutmaßlich verunglückte eS bei seiner Rückkehr nach Pott Arthur noch dem jüngsten ©rem ff en. Die Nachricht klingt schon insofern sehr unwahrscheinlich, als die Ruffen, wenn allen dicLbezügiichen Meldungen Glauben ge­schenkt werden dürfte, vor Port Arthur schon mehr Schiffe eingrbüßt hätten, als sie dort besaßen.

Das ruffische Wladiwostok-Geschwader soll nach einer Meldung des ,Berl. Tageblatts' schon wieder eine den Japanern verhängnis­

volle Fahrt unternommen haben. Das Ge­schwader benutzt die Reparatur der japanischen Schlachtschiffe zu einem Ausfluge nach Okischina. Die Raffen versenkten zwei bis drei japanische Transportschiffe und beschaffen die Forts. Sehr zuverlässig llinat diese Nachricht gerade nicht.

In der Mandschurei rücken die japani­schen Armeen der Vereintgung immer näher. Die Südarmee geht, wie durch ruffische Rekog­noszierungen festgestellt worden ist, in nordöst­licher Richtung vor, um sich mit der Armee Kurokis zu vereinige«. Nach russischen An­gaben erlitten die Russen, welche die vor- rückenden Japaner an mehreren Stellen auf­halten wollten, nach erbitterten Kämpfen Nieder­lagen. Die russischen Truppen wurden Überall zurückgedrängt.

W. Tokio, 30. Juni 1904. (Reutermel­dung.) Ein hier eingegangener nichtamtlicher Bericht besagte: Die drei Port Arthur- Forts Chikwanfhan, Chitanshan und Sochushan wurden am Sonntag nach einem den ganzen Tag dauernden Gefecht einge­nommen. Es begann mit einem Artillerie- gefecht. Sochushan wurde zuerst genommen, dann die anderen. Di- Russen zogen sich west­lich zurück und hinterließen 40 Tote. Die Zahl der Verwundeten ist unermiitelt. Die japanische Streitmacht bestand aus allen Waffengattungen. Die Japaner verloren 3 Offiziere und 100 Mann tot und verwundet. Zwei Geschütze der Russen nebst Munition wurden erbeutet.

W. Tientsin, 30. Juni 1904. (Reuter.) Wie verlautet, erlitten die Russen vorgestern 25 Werst östlich von Haiischeng eine Nieder­lage. Wegen des raschen VorrLckens der Japaner ziehen sich die Russen bei Taschitschiao schnell nach Norden zurück, da sie befürchten, daß sie abgejchnitten würden.

* Bei Waterloo i« Belgien fand am Dienstag die Einweihung des dort zur Er­innerung an die von Waterloo gefallenen fron- zösischen Soldaten errichteten Denkmals statt. Der französische Gesandte ©ererb wohnte der Zeremonie bei, zu der sich auch zahlreiche sran- zöfislde und belgische Offiziere sowie Abordnungen von Gesellschaften mit Fahnen eingefunden hatten. Während und nach der Enthüllung spielte die Musik militärische Weisen und den Trauermarsch von Beethoven. Nach der Feier defilierte die zahlreich herbeigeströmte Menge vor dem Denkmal.

* In der französischen Depntierten- kammer unterbreitete derMarineminister Pellet an eine Nachtrags k r editforderung von 9851000 Fr., um das ostasiatische Ge­schwader nut einer Abteilung Torpedojäger auszustatten, Kohlenlager in Saigon und Diego Suarez zu errichten, Munition nach Saigon und Biserta zu senden und die Häfen mit Torpedos auszurüsten.

B. Rom, 28. Juni 1904. Die Angelegen­heiten in Frankreich nehmen selbstverständlich das ganze Jnieresse des Vatikans in Anspruch und man fängt an, mit einer bereinigen Trennung zwischen Staat und Kirche daselbst zu rechnen und auf alle Eventualitäten sich gefaßt zu machen. Der Vatikan hat daher bei den französischen Bischöfen Schritte unternommen, um dieselben zu oeranlaffen, rechtzeitig dafür zu sorgen, daß die einzelnen Pfarreien und die vielen andere« kirchlichen Institutionen im Falle der Streichunz des Kultusbudgets nicht Mangel leiden. Im Großen und Ganzen glaubt man hier, daß die reichen französischen Katholiken große Opfer bringen werden, und daS der Ausfall für die katholifche Kilche Frankreichs nicht sehr groß sein wird. — Die hier jetzt sehr fühlbare Hitze der letzten Tage hat die letzten Fremden von Rom oettrieben. Eines der sichersten Zeichen davon ist der Schluß des großen am Corse gelegenen Cass di Roma, wo viele Fremde zu Abend zu speisen pflegen. Eine besonders starke Hitze ent» ro.ckelt sich in der Umgebung des Vatikan, welcher ziemlich geschützt liegt, und nur an den höheren Stellen von den Meerwinden erreicht wird. Dader leibet auch der Papst gegenwärtig s.hr unter dec ungewöhnlichen Hitze. Die Spaziercänq- im vatikanischen-Garten gewähren nur roe u Erfrischung und der hl. Vater vermißt auster- ordentlich seine gewohnten Spaziergänge auf r<m venetianischen Lido. Um kühler zu schlafen ver­legte der neue Papst sein Schlafzimmer aus der