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31. Jahrgang.

Suita, Dienstag, den 28. Juni 1904.

JS. 145

Deutsches Reich.

Berlin, den 27. Juni 1904.

% Nach der.Preußischen Korrespondenz' wird in angeblich stets gut unterrichteten Kreisen et» zählt, zur Zeit der Entsendung Trothas nach Südwestasrrka habe eine reguläre Kanzler krisi» bestanden. Trotha sollte nicht dem Äus- «ärtigen Amt, sondern dem 6bef des General­stabes unterstellt werden. Graf Bülow erklärte daraufhin, daß ein solches Mißtrauensvotum ihm die fernere Führung der Geschäfte unmöglich machen würde. Drei Tage lang war alles in der Schwebe. Schließlich fand sich ein Ausgleich auf dem mit Recht fo beliebten Wege des Kom- promifses. Die Berantwortung für diese Nach­richt muß selbstverständlich der genannten Sorte« spenden» überlasten bleiben.

]:[ Wegen des Angriffs auf den deutschen Mioisterrefidente» in Port au Prinze wird, rote ein Berichterstatter meldet, nach Haiti ein Kriegsschiff gesandt werden. Nun ja, es ist ja Haiti!

% Nachdem zwischen der deutschen und der englischen Regierung hinsichtlich der deulscheu Inter-Fea itt Ggyvteu gleiche Erklärungen ausgetauscht worden sind rote diejenigen, welche in der englisch - französischen Deklaration vom 8. April d. I. enthalten sind, hat die deutsche Regierung nunmehr ihre Zustimmung zu dem be­kannten Entwurfs eines Khedivial-Dekretes beir. die epyptischen Finanzen erteilt. Die ,Nat.-Ztg.' betont, daß Düsn Vorgang in keinem Zusammen­hang rstit'DÄ Kieler Begegnung steht, wie auch aus der Tatsache hervorgeht, daß die Zustimmung Deutschlands bereits am 24. Juni erfolgt ist, nachdem die wechselseitigen Erklärungen Groß­britanniens und Deutschlands vorangegangen sind. Das Dekret des Khedive gibt der rgyptischen Re­gierung freie Verfügung über die Einnahmen des Landes. Die Funktionen der Kaffe der öffent­lichen Schuld werden beschränkt auf die Erhebung der Einkünfte, die bestimmt sind zur Bezahlung der Koupons. Die Kaffenverwaltung soll nicht mehr das Recht haben, in die allgemeine Ver- waltung des Landes einzugreifen und der Re­servefonds, der sich gegenwärtig auf 5,500.000 Pfund Sterl. beläuft, der egyptischen Regierung überlaffrn werden. Während der letzten Woche hat, ohne daß die Oeffentlichkeit davon erfahren, ein zähes Handeln und Feilschen zwischen der deutschen und der englischen Diplomatie über Deutschlands Beitritt zu den englisch französischen Abmachungen über Egypten stattgefunden. Die Verhandlungen kamen nach einer Mitteilung der

viel zu kurz sei. Nicht einmal der Umstand, daß I her Handelsvertrags verein die große Güte ge- habt hat, sich mit einer Uebergangsfrist von einem halben Jahre befriedigt zu erklären, findet bei d»r ,Nat. Ztg.' Gnade; fie verlangt das un- bedingt erforderliche volle Jahr. Die,Kreuzztg.' meint, daß Handel und Industrie solange Zeit nicht gebrauchen, um fich auf die neuen Zustände oorzubereiten und einzurichten. Dem widerspreche chon allein die Stellungnahme des Handels- verttagsvereins, und dem widerspreche vor allem das in allen produktiven Kreisen dringend empfundene Bedürfnis, endlich wieder zu einer -andels- und zollpolitischen Stetigkeit zu ge- angen. Es solle aber durch eine möglichst lange lebergangSsrist dem von der Freihandelspreffe besonders begünstigten Hantelszweige, den Im­porteuren, reichlich Gelegenheit gegeben werden, u den alten Tarifsätzen noch Vorräte, namentlich an Getreide, anzusammeln, um die inländischen Preise noch auf lange Zeit hinaus drücken zu önnen. Das Verlangen richte fich alfo ha^pt- Schlich gegen die deutsche Landwirtschaft, der vonözlich noch bis über das Jahr 1907 hinaus die Vorteile der Zollerhöhungen vorenthalten werden sollten, damit „der Handel" auf Kosten der Landwirte sein Schäfchen zu scheren ver­möge. In dieser Hinsicht werde aber unbedingt erwartet werden mäffen, daß die Verbündeten Regierungen fich auf die Seite der deutschen Landwirtschaft stellten. Nach dem »Berl. Tagebl.' hatte d!e deutsche Reichsregierung bei den HandelSvertragsoerbandlungen in Berlin den entschiedenen Wunsch geäußert, daß die Ent­scheidung über die handelspolitische Verständigung zwischen Oesterreich-Ungarn und Deutschland noch vor dem Wiederzusammentritt des Reichs- lages im November getroffen werde. Es werde daher auf eine Beschleunigung der Verhand- lurgen besonderer Wert gelegt. Zu diesem Zwecks hätten bereits in den letzten Tagen auf Grund der Berichte der Unterhändler in den zuständigen österreichisch - ungarischen Reffort» Ministerien eingehende Besprechungen stattge­funden, da unmittelbar nach Beendigung ter Verhandlungen in Rom die zweite Lesung in Berlin beginnen solle.

(?) Im Abgeordaeteahaase hieß es heute, die Vertagung werde erst am Mittwoch nächster Woche eintreten. Wenn das Anfiedlungsgesetz erledigt ist, wird man jedenfalls kein beschluß­fähiges Haus mehr sehen.

Erwartung. t .

„Gleich — gleich l" antwortete er, und in feiner Stimme widerhallte dar Ausjcuchzen eines wonne- ersüllten Herzens. „Als ich die Ti

,Pieuß. Rotr.' anfangs nicht vom Fleck. In London schien man die deutsche Zustimmung als etwas nahezu Selbstverständliches anzuseden. Man >atte, wie int April Caradowna erklärte, die Hoffnung, daß gegen die Inkraftsetzung des Dekretes !eine ernstlichen Schwierigkeiten gemacht werden durch die anderen Mächte, die nur eine kleine Anzahl von Titres der rgyptischen Schuld besitzen. So wurde denn auch schon vor einigen Wochen die Zustimmung Rußlands und anderer Mächte temelbet, und jetzt tritt auch die deutsche Regie­rung bei, nachdem sie, wie die genannte Korre­spondenz mitteilt, das Zugeständnis erreicht hat, daß, während der deutsche Handelsvertrag mit Egypten int Jahre 1912 abläuft, von welchem Termine ab wir auf neue und in ihrem Etgeb- niffe einstweilen kaum berechenbare Vereinbarun­gen mit England angewiesen gewesen wären, dem deutschen Handel Egypten in Zukunft prinzipiell unter denselben Bedingungen wie dem Frankreichs offen stehen soll. Da Frankreichs Vertrag noch etwa 30 Jahre läuft, sind uns auf absehbare Zeit stabile und günstige Handelsbeziehungen zu Egypten gesichert. Die Neber punkte des Abkom­mens betreffen die Anerkennung der deutschen Schulen in Egypten, die Gleichberechtigung der deutschen Funktionäre mit denen der englischen Regierung und anderes. Was die Einzelhesten betrifft, so soll noch eine amtliche Veröffentlichung erfolgen.

* Der ,Hamburger Korrespondent' teilt mit, die Haadelsvertragsverhaudlunge« mit der Schweiz seien auf gutem Wege, desgleichen böten die Verhandlungen mit Rumänien keine Schwierigkeiten, mit Rußland nähmen die Verhandlungen gleichfalls einen erfreulichen Fort- gang, und auch gegenüber Oesterreich- Ungarn liege kein «rund zu pessimistischen Betrachtungen vor. Der Abschluß des deutsch- italienischen und des deutsch-belgischen Handelsvertrages ist bekanntlich schon gemeldet; danach scheint die Handelsoerlragskampagne zu einem günstigen Abschluffe zu kommen. Die .Kreuzztg/ könne die Mitteilungen des Hamb. Korr.' im großen und ganzen bestätigen, hält jedoch den Stand der Verhandlungen mit Oester» reich-Ungarn noch keineswegs für soweit ge­diehen, daß man schon berechtigt wäre, daraus auf ein nahes günstiges Ergebnis zu schließen. Die .Nalionallib. Korr.' weiß in ihrer neuesten Nummer zu berichten, man glaube in Bundes- ratSkreisen darauf rechnen zu können, daß die neuen Handelsverträge sämtlich dem Reichstage im Laufe des nächsten Winters zugehen, und daß die Wirkung des Inkrafttretens des neuen Zoll» tarifs fich vom 1. Oktober 1905 an werde geltend machen können. Die .Kreuzztg.' hält die in Bundesratskreisen angeblich gehegte Zuversicht doch ein wenig zu optimistisch. Die ,Nat. Zig.' hegt in der Richtigkeit der Angabe über den Zeitpunkt des Inkrafttretens des neuen Tarifs zum 1. Oktober 1905 starken Zweifel, aber sie scheint sie doch für möglich zu halten. Sie spricht sich nämlich ganz entrüstet darüber aus, daß alsdann die Uebergangszeit ron den alten zu den neuen handelspolitischen Verhältnissen

unseres Hauses touxbe. —

Drum fort jetzt mit der Feder! —

hin ein bitterer Tropfen beim Gebauten, baß ich ganz allein stehen würbe, sobald Renata meinem Sohn als Gattin gefolgt war. „ „ ..

Hatte ich dieser betrübenden Vorstellung wider meinen Willen Worte verliehen? Oder hatte ein Seufzer, den ich nicht unterdrücken konnte, fie der Braut verraten? Möglich ist Beide-, aber als Tat­sache konstatiere ich, daß wein- Betrübnis schnell em Ende fand. Denn plötzlich fühlte ich mich umschlungen von Reaatas Armen, die unter Lachen und Wernen

Wege« des Feiertags Peter «vd P-nl wird die nächste Nummer unserer Zeitung erst am Donnerstag ausgegeben.

Küchenschürze ablegen, bevor ich fie vorstellen kann. „Dir Kü—chen—schürze?"

Ich brachte dar Wort kaum heraus, so baff war

ich vor Erstaunen.

Ohne sich näher auszulassen, stürmte er zur Tür hinaus. Als er wieder einttat, ying au seinem Arm Renata, da- holbe Antlitz mit geschämiger Glut über­gossen, feuchten Schimmer in den großen, dunklen Augen.

.Vater!" bat Robert innig, „fegte Deine Kinder!"

Mir fiel’« wie Schuppen von den Augen. Also Renata war die Braut! Und ich hatte nichts davon gemerkt; ich Menschenkenner erster Kloffe war der M inung gewesen, die Beiden könnten einander nicht leiben! „ ,

Freubiger ist wohl noch nie die Einwilligung in eine Verlobung erteilt worben, als ich fie bitfen zwei, mir em nächsten stehenden, schönen Menschen gab. Ich selber hätte mir keine liebere Schwiegertochter eursuchen können. Und dann erfuhr ich, daß fie schon lange einig waren; aber Robert wollte mir seinen Heiratsplan erst eröffnen, wenn er durch beifällige Aufnahme seiner Oper zum Komponisten von Ruf empcrgerückt wäre.

In den Becher meiner greebe fiel jedoch immer-

(Schluß.)

Auch darüber bin ich int Unklaren, ob er noch immer nicht an seine Verheiratung denkt. Robert ist doch schon 29 Jahre vorbei, ein schöner Mann, — dar muß bet Neid ihm lassen, — und könnte doch wahrhaftig eine Frau ernähren. Mache ich aber eine derartige Anspielung, so lacht er nur eigentümlich geheimnirvoll, sieht mich verschmitzt an und erwidert:

„Mir eilt er nicht, Papa! Aber habe nur Ge­duld; er kommt schon noch eine Zeit, wo Du Enkel au- den Knieen schaukeln darfst. Halte Dich nur mu ter bis dahin l"

Roberts spärliche Besuche find nicht die einzigen Svunenblicke, welche meine Einsamkeit erhellen. Nein, ich habe noch ein Wesen nm mich, das mich liebt, als wäre es mein eigenes Kind, das mir alle Wünsche von den Augen abliest und die Hände unter meine Füße legte, wenn ich'» verlangen würde: Renata.

WaS? höre ich den Leser fragen, ist denn die Meine Renata noch immer um die Wege? Ja, sie weilt noch immer bei mir, aber — klein ist fie, btt Gott, nicht mehr! Sie ist im Gegenteil eine Dame geworden von wunderbarer Schönheit, für die schon mancher junge Mann lichterloh brannte. Allein fie hat jedem, der um fie freite, ein zierlicher Körbchen geflochten. Wie fie als Kind mir hundertmal be­teuerte, |o sagt fie auch heute noch: „Ich bleibe bet Dir. Ich gehe nicht fort von Dir." Und ich bin egoistisch g'nug, mich darüber zu freuen. Denn wie traurig würde mein Leben werden ohne meinen Aug­apfel Ren eia? Sie hat mich in Grund und Boden hinein verhätschelt und verzogen. Die einzige Mage, die ich Üver fie führen konnte, besteht darin, daß fie sich mit meinem berühmten stolzen Sohn nicht ver-

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Anrekge»: Me eök spatti-e P-tttzM- obe­reren Hex» 15 Pf-, «eklamen die p tttzeN« 25 Pf-.; bei Äieber. Holungen wirb cntspp Rabatt -ernährt.

Druck und Verlar de

Ohne Plan und Ziel.

Roman von I. Baierleiu.

------ (Nachdruck verboten.)

tragen kann. So oft Robert einmal he mkommt, Breiten fich die Zwei herum wie Hund und kotze. Ich weiß nicht, weshalb fie ihm ihre Abneigung gar so deutlich zu erkennen gibt: Robert ist doch kem Ekel.

Wie er kam, daß fie noch immer bei mir ist? Ganz einfach. Die amtlichen Nachforschungen nach Renatas Heimat scheinen zu keinem Ergebnis geführt zu haben, wenigstens verlautete nichts darüber, ob­wohl die Behörden wußten, daß das Kind von Car- lotta nach M. gebracht worden war. Und auch ich hatte keinen Grund, die Nachforschungen neuerbingi in Fluß zu bringen; ich behielt Renata bei mir und ließ fie, als fie aus der Schule entlcffen war, in ctn vorzüglicher Pensionat für höhere Töchter aufnehmen Einesteils traute ich mir nämlich die Fähigkeit nicht zu, ohne weiblichen Beistand ein Mädchen zu erzieh«', andernteils hätte ich mir ein Gewissen daran, ge» macht, Renatas entzückende Stimme und seltenes (Sefangitalent nicht regelrecht ausbilden zu loffen.

Sie verließ das Institut als vollendete Dame. Kein Mensch würde eine Italienerin in ihr vermuten; denn fie spricht ein korrektes Deutsch, und wenn ich nicht entschieden darauf dränge, mit mir in ihrer Muttersprache zu reden, hätte fie dieselbe wohl ver- gcffen. Und erst ihr Gesang--— ,

Ich werde unterbrochen, — der Depeschenbote Überbringt mir ein Telegramm. Hastig reifee ich eS auf:

„Meine Oper „La Trovatella („Tas Findel­kind') von Intendanz Berliner Hoftheater accrptiert und gestern als Premiere ausgeführt, hat Furore gemacht. Bin sechzehnmal hervorgerufen worden. Morgen komme heim und stelle Dir meine Braut vor. Hurra! Hurra! und noch einmal Hurra! — Robert."

Welche Freude! Welche Fr ende! Dcr Junge ist ja ganz außer Rand uni Band! Er hat auch Grund dazu; und mich verdroß eS nicht, daß er Musiker wurde

Aber ein Heimtücker ist er doch. Hai der Schlinge! eine Braut und fast feinem alten Vater nicht eher etwas davon, als bis er fie ihm ins Haus führt. —

Abg. V. Strombeck (Ztr.) hegt bte Befürchtung daß die Seeoandlung fich in kaufmännische Unter» nehmet ein lasten werde und andere Betwaltungen diese« Beispiel folgen könnten.

Nachdem Minister Frhr. v. Rheinbaben diese Befürchtung als unbegründet zurückgewiesen, wird der Gesetzentwurf angenommen

Es folgt die 2. Beratung deS AnfiedlungS» g e f e tz e S.

Auf Antrag R o er e n (Ztr.) beginnt die Beratung mit den wichtigsten Paragraphen dem § 13 d. An diesen Paragraphen knüpfte auch die Generaldiskusfion an.

Gin Antrag der P o l e n, die Vorlage an die Kom­mission zurück,uoerweisen, weil die Kommission nach verschiedenen Richtungen dieZganze Materie noch nicht I genügend geklärt habe, wm de nach längerer Geschäfts» ordnungsdebatte gegen die Stimmen des Zentrums, der Freisinnigen und der Polen abgelehnt. Man beschloß, die Generaldebatte an den § 13 b, der bekanntlich daS Verbot polnischer Anstedlungen enthält, ar zuknüpfen.,

Abg. Roereu (Ztr.) wies in ebenso kurzen wie treffenden Ausführungen nach, daß von aU' den Ein­wendungen, die er bei der 1. Lesung gegen das Gesetz erhoben habe, auch nicht eine einzige widerlegt sei. Das Gesetz stehe im Geg-nsatz zu dem Naturrechi, daß jeder Mensch sich eine Heimstätte in seiner Heimat schaffen dürfe. Außerdem widerspreche es der preußi- schm Verfassung sowohl wie der Reichsverfastung. Gr wies auch hin auf den lebhaften Widerspruch, der sich neuerdings in den deutsch-agrarischen Kreisen des OstenS gegen die Vorlage erhebt und warnte davor, eine so wichtige Maßnahme, wie sie hier geplant werde, in dem Moment, wo das HauS sich vertagen wolle, durchzupeitschen. Namens der Zentrumsfraktic-n forderte er, daß man zum mindesten sich an die Bestimmung der Verfassung halte, wonach Gesetze, die eine Ber- saffungSänderung in sich schließen, nach 21 Tagen noch­mals zur Abstimmung gebracht werden muffen.

Abg. Glatze! (null.) erklärte, seine politischen Freunde seien nach sorgfältiger Beratung zu der lleber- zeugung gekommen, daß die Vorlage mit der Ver fassung nicht im Widerspruch stehe. Inzwischen gelangten tat Hause die von den Polen gestellten Abänderungsan­träge — 13 an der Zahl — zur Verteilung.

Ab«, v. TziemboWSki, der namens der polnischen Fraktion sprach, betonte, fie beabsichtigten rocht Ob­struktion zu treiben, sondern bezweckten mit ihren An­trägen lediglich eine gründliche und der Bedeutung der Sache entiprechende parlamentarische Behandlung der Vorlage. Im übrigen betonte er, ein Gesetz, das auS dem Haß geboren sei, könne nur Haß schaffen.

Abg. Frhr. v. Zedlitz (fit) entrüstet sich nicht wenig über die Berschleppungsversuche der Polen. Man werde die Abänderungs-Anträge kurzerhand abtun.

Abg. Träger (fr. Bv ) stellte sich der Vorlage ent» schieden ablehnend gegenüber und veranlaßte den

Minister des Innern v. Hammerstein, nochmals für die Vorlage einzutreten. Dabei nahm er sich be­sonders das Zentrum aufs Korn. Er meinte, wre die Katholiken 1870 sich nicht daran gestoßen hätten, daß es sich um einen Krieg gegen eine katholische Macht gehandelt habe, dürften fie fich auch heute nicht ab­halten lassen, gegen die Polen mitzutun, weil es Ka­tholiken seien. Der Regierung liege nichts ferner, als ein Vorstoß gegen die katholische Kirche.

Abg. Dr. Heifig (Zentrum) erwiderte, für das Zentrum seien bei der Stellungnahme gegen das Gesetz keine religiösen, sondern nur wirtschaftliche und politische Bedenken maßgebend.

Justizminister Schönstedt trat nochmals für die Verfassungsmäßigkeit der Vorlage ein.

Nachdem auch noch die Abgg. Paliaske (kons) und Sie« (ntlb.) die Annahme des § 13b befürwortet hatten, wurde ein Antrag der konservativ national- liberalen Mehrheit auf Schluß der Debatte an­genommen und die Weiterberatung auf Dienstag 1 E Auf der Tagesordnung vom Dienstag steht außer- l dem der Antrag bett, die Nachuntersuchungen von Fleisch und die 2. Lesung des Kreisarztgesetzes.

aus rief:

„O Du guter, törichter Papa! Wie kannst Du tut denken, daß ich Dich verlaffe? Habe ich nicht von erfüllten Herzens. „Als ich bie Treppe herausfli-g, I jeher versprochen, daß ich bei Dir bleibe und nicht M** mw **» .«*

nämlich wissen, Baker, dafe ich meinen künftigen Wohn­fitz hierher verlege; die Stelle in K. habe ich bereits brieflich gekündigt. Ich kaufe dies Haus, in dem meine Mutter ujib Tante gestorben sind, au§ dem man unsere Ulrike auf den Kirchhof hinausführte, und in welchem ich meine liebe Renata kennen lernte. Ich Icffe dasselbe neu Herrichten und bestimme eS samt meinem Hüttenwerk und Himmergut Neuberzhaufen sowie meinem gesamten Bai vermögen zu einem Ma­jorat der Familie Den Büren. Damit glaube ich, auch den Plänen der Tante gemäß zu handeln, bte auch in den Besitz ihres riesigen Vermögens fetzte. J-tzt aber, Renata, bring’ Wein herbei, wir wollen Beilobunz feiern I Und unser feierlichster Toast gelte dem ersten MajoratSherrn desFamilien-FideikowmiffeS, unserem herzliebsten Vater, Adalbert von Büren! — Meine Geschichte hat ihr Ende erreicht. Denn ich brauche wohl nicht erst hoch und teuer zu fdjtoörep, daß ich jetzt vollkommen glücklich bm, und daß ich und Robert meine Reise ohne Plan und Ziel segnen, in deren Folge Renata, unser Beider Herzblatt, von Earlotta ausgenommen nnd so zu einem Mitglied

AbgeordnetenhanS.

89. Eitzuntz vom 29. Juni 1904.

Eröffnung: 12'/» Uhr.

Wegen des Ansiedelungsgesetzes wird der erste Gegenstand der Tagesordnung, welcher aus Rechnungssachen besteht, von der Tagesordnung abgesetzt

ES folgt die 3. Beratung deS Gesetzentwurfs bett, die Erhöhung des Grundkapitals der Seehandlung.

Am andern Tag kam Robert an. Mäqtig erregt fiel er mir, nachdem wir unS die Hände geschüttelt, um den Hals.

„Ich kann mir nicht helfen, Papa!" jubelte er; „ich muß Dich umarmen. Denn ich bin ein Kind deS Glücks; alle meine Wünsche find erfüllt. Jetzt bin ich eingereiht iu die kleine Schar jener Fürsten auf dem Gebiete der Mufik, die für die Ewigkeit kom­poniert haben!" , ,

„Und Deine Brant?" fragte ich voll hochgthender

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