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zulda, Samstag, den 25. Juni 1904

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> €rsks Blatt

flus dem ßindtag

Deutsches Reich.

Berlin, den 24. Juni 1904.

♦— Zum Besuche des König» von Eng­land in Kiel schreibt die,Nordd. Allgew. Ztg.': Bietet dieser Besuch den beiden, in enger Ver- wandtsLaft und herzlicher Freundschaft verbun­denen Monarchen erwünschte Gelegenheit, Tage ungezwungenen, persönlichen Verkehres mit ein­ander zu verleben, so gewinnt er eine weitere schöne Bedeutung durch den Rabmen, in dem er sich abspielt, und den Schauplatz, auf dem er vor sich geht: dem ausblühenden deutschen Segel­sport wird eine auszeichnende Anerkennung seiner Leistungen zu teil, indem das Oberhaupt der englischen Nation seinen Veranstaliungen eine sachkundige Aufmerksamkeit zuwendet, und die junge deutsche Marine ist stolz darauf, den Chef der größten Krieg-flotte der Welt an derHaupt- stätte ihrer Friedensarbeit zu begrüßen. Möge er zur Befestigung der allgemeinen ftiedlichen Tendenzen in den Beziehungen der Nationen dienen, daß die beiden Monarchen sich zu freundschaft­lichem Gedankenaustausch begegnen! Wir ent­bieten Sr. Majestät dem König Eduard unfern ehrerbietigsten Willkommensgruß mit dem Wunsche, daß er von den Kieler Tagen die besten Eindrücke empfangen möge."

* Z« de« Haudelsvertragsverhand- lunge» brachte vor einigen Tagen eine Korre­spondenz die Mitteilung, daß der deutsche Bot­schafter in Petersburg an das Auswärtige Amt in Berlin die Meldung hätte gelangen laffen, der Zar hätte ihn ermächtigt, zu berichten. Rußland wolle die bisherigen Einwände gegen die M i n i m a l z ö l l e fallen laffen. Diese Nach­richt ist, wie der ,Hamb. Korresp.' schreibt und verschiedene andere Blätter bestätigen, in dieser Form nicht richtig. Aber auf Grund des fort­dauernden Meinungsaustausches zwischen beiden Regierungen besteht in Berlin an maßgebender Stelle die beste Hoffnung auf eine befriedigende Einigung über einen neuen Handelsvertrag. Man könne daher vielleicht sagen, daß jene Nachricht jetzt zwar den Tatsachen vorauseile, voraussicht­lich aber in nicht zu ferner Zeit durch sie be­stätigt werde. Nur gegenwärtig treffe sie noch nicht zu. Allzu viele Klarheit wird durch diese Angaben auch nicht geschaffen.

* Der Evangelische B««d soll nach einer Darlegung des Kieler Grneraljuperinten- denten Dr. Kaftan in der .Evangelisch-Lutheri­schen Kirchenzeitung' gegen den Ultramon- tanismus" alles sammeln von der äußersten Rechte« bis zu den Sozialdemokraten einschließlich. Der Bund müffe, so führt er aus, wesentlich eine politische Vereinigung werden, nicht als Begründer eines evangelischen Zentrums oder Schildknappe einer der bestehen-

„DaS Mei", fuhr der Arzt fort, „hat mir Ihre Fra« Schwägerin ungefragt erzählt und damit ein* Bürde von meiner Brust genommen. Denn für den Arzt ist eS stet» eine schmerzliche Ausgabe, einem Patienten sag'« zu müffen: „Bestelle dein HauS, da ich keine Gewähr übernehmen kann, daß der Tod nicht i ld seine Knocherchand nach dir ouSstreckt!" — So a -er hätte ich heute zur Frau OberamtSrichter ge- sr ochen, da die Erscheinungen, die dem Ausbruch eines H--»steberS vorauSgehen, unverkennbar bereits einge- tr:e« find. Ich habe sie trotz ihres Widerspruch» sos rt in» Bett geschickt und ihr mit rückfichtsvollen «- rteu geraten, auch ihre Rechnung mit dem Ewigen ab» schließen, nachdem ihre zeitlichen Angelegenheiten geordnet seien. Ich fürchte rämlich, die uuauSbleib' liche Bewußtlosigkeit wird sich früher einstellen, als Ihre Frau Schwägerin sentt."

.Also ist doch ein Nervenfieber im Anzug? Und so schlimm steht eS um Carlotta?"

.Leider I In vorgerückten Jahren des Patrenten schaut die Sache immer gefährlich aus. Ich kann des­halb die Magd und das italienische Kind nicht in der oberen Wohnung bei der Kranken belasie», sondern «snche Sie, Herr von Büren, dieselben in der Ihrigen aufzunehmen."

„Selbstverständlich, — sehr gerne. Weiß die Magd schon davon?"

„Jawohl! Ich habe ihr schon gesagt, daß sie ausrücken muß, und das ich ungesäumt zwei Kranken, schwrster« zur Pflege Ihrer Frau Schwägerin her­schicke« werde."

„Und Renata?"

Ist außer aller Gefahr- Sie befindet sich r«t- schieden auf dem Wege der Besserung."--

jungen Gründung wohlwollend gegenüber und I die Schule hat schon etwa 20 Schüler. Die Gründung ähnlicher Anstalten ist an anderen Orten geplant. So soll auch Hankau eine solche Schule erhalten.

§ Zum Herero-Aufstaude. Am 2 Juli werden, wie die ,Voff. Ztg.' erfährt, 14 Offiziere und zwei mobile Kompagnien der Eisenbahntruppe nach Swakopmund abgehen. Mct diesem Transport wird zugleich eine beträchtliche Menge an Effenbahnmaterial hinübergeschafft werden. Die Entsendung der Eisenbahntruppen erfolgt auf Wunsch des Gmeralleptnants v. Trotha. Die am Watei- berge vereiniatrn H-reros, die jetzt auf drei Seiten umfaßt sind, sollen, bevor General v. Trotha zu einem entscheidenden Schlage aus­holen will, zuvor auch auf der jetzt noch offenen Nordwestseite umschloffen werden, zu welchem Zweck sich der Ausbau einer neuen Etappkn- i firaße von Karibik nach Outjo als erforderlich I erweist. Karibik und Outjo find jetzt nur durch einen Ochsenpfad verbunden, der unter den gegenwärtigen kriegerischen Verhällniffen sich als ungenügend erweist. Dem am 2. Juli abgehen­den Transport dürste die Aufgabe zufallen, eine Bahnlinie zwischen Karibik und Outjo herzu- stellen.

* Die dentsche Gesellschaft für christ- liche Kunst versendet soeben ihren Bericht über das 11. Vereinsjahr 1903. Nach dem Jahresberichte, der über den Verlauf des Ge- schäftsjahres, über die Publikationen, Aus- sckreibungen, die Generalversammlung u. a. Auskunft gibt, belief fich die Zahl der Mit­glieder um 15. Februar 1904 auf 3756. In der Vorstandsfitzung vom 30. Oktober 1903 wurde beschlossen, unter dem Titel „Die christ­liche Kunst" eine Monatszeitschrift herauszugeben. Sie wird alle Gebiete der christlichen Kunst in Gegenwart und Vergangenheit umfassen, aber auch das gesamte Kunstleben berücksichtigen und unter christlichem Gesichtswinkel betrachten. Die Jahresmappe wird neben der Zeitschrift beibe- hallen werden.

dem Dunstkreise der Armut in tie lrchtr Höhe des Reichtums empor gehoben worden. Das vom Notar übergebene Verzeichnis der einzelnen Nachlaßteile be­zifferte fich nämlich auf eine ungeahnte Summe, da Carlotta seit ihres Mannes Tod nicht einmal die Rente ihres eigenen Vermögens und der liegende« Güter verzehrt, sondern ZinS auf Zinseszins gebäuit und Ue ziemlich betrkichtlicke Pension als Witwe eine» Obrrawtsrichter roch dazu geschlagen hatte. Mit Fug und R-cht durfte sich Robert jetzt als reichen Man«, aller Wahrscheinlichkeit nach selbst für den reichste« Einwohner von M. betrachten.

Der plötzliche Umschwung feiner finanziellen Lage, der jede« anderen arme« Jungen sicher berauscht hätte, schien aber meinen Sohn nicht allzusehr anzu­greifen. Eme laute, jub'lnde Freude darüber konnte

I man bei ihm nicht gewahr werden.

AlS i4 ihm deswegen meine Verwunderung auS« sprach, zuckte er die Achseln.

„Was soll mir daS viele Geld?" sagte er melan­cholisch. Wenn ich einmal ein großer Musiker bl«, verdiene ich mir selber mehr, als ich brauche, und dazu noch Ruhm und Lorbeeren. Tausendmal lieber wäre es mir, unsere Ulrike hätte daS ihr längst be­stimmte Erbe antreten körnen, oder die Tante hätte Dir daS große Vermögen hinterlaffen. Zwar kannte sie meines VaterS einzigen Sohn zu genau, um nicht zu wiffen, daß was mein, auch Dein ist. Dennoch —

Ich ließ ihn das angeschlagene Thema abfichtlich nicht aus'pinnen, sondern warf ein:

„Du könntest jetzt als Rentner leben und willst gleichwohl der Mufik treu bleiben?"

„Papa! Die Liebe zur Musik füllt mein ganzer Herz aus."

„Reden wir nicht wei'er darüber! Nur möchte ich Dir Voraussagen, daß sicher noch die Zeit komm« wird, wo Dein Herz auch eine andere Sehnsucht kennen lernt."

„Hast Du da, Tag-bvch ter Tante, da» sie Dir I als einzigen Gegenstand hinterließ, schon durchge-

In kaum einer Stunde kamen die Krankenschwestern an: unmittelbar darauf fand fich der Pfarrer bei Carlotta ein. Martha und Renata waren m meine Wohnung übergefiedelt. Scho« gegen Abend lag meine Schwägerin in einer Betäubung, die sie stumpf gegen die ganze Außenwelt machte. !

Daß ich Robert unter solche« Umständen nicht ab­reisen ließ, obgleich er seine Musikstudien in München gerne ohne nennentwerten Verzug fortgesetzt hätte, brauche ich wohl nicht eigens zu betonen. WaS hätte ich, wenn es wirklich zu einer Katastrophe kam, ohne ihn beginnen sollen bei meiner lächerlichen und gleichwohl traurigen Unbeholfenhest in allen praktischen ^Jch^überg'he den Verlauf von Carlotta'S Krank­heit mit Stillschweigen und teile nur mit, daß am neunten Tage, nachdem der Arzt de Leidende ins Bett gezwungen, ihre irdische Hülle dem Grab über­geben wurde. Mit Robert und der wieder herge- stellten Renata folgte ich tief ergriffen ihrem Sarge.

Meine Trauer beruhte auf keiner heuchlerischen Verstellung; — nein, er war mir wirklich ernst da­mit. Der Tod sühnt ja alles, und in seinem Acht gewinnen auch die unleugbarsten menschlichen Schwachen eine« Schimmer der Verklärung. Angesicht- der mütterlichen Fürsorge, die Carlotta meinen Kindern gewidmet, würde ich mich der Undankbarkeit schuldig gemacht haben, falls ibr Hinscheiden mich gleichgütig und meine Augen trecken geloffen hätte.--

Eine Wocke nach der Beerdigung wurde Carlottas Testament eröffnet. Es brachte manche Ueberraschung. Allgemein wurde angenommen, zu Haoprerbe« wären zwei Schwestern ihrer Mutter bestimmt, zwei sehr bejahrte Damen, die in der Oberpfalz lebten und mit der Erblasserin bis in die jüngste Zeit in r, gern Brief­wechsel standen. Anstatt deffen lautete die in Betracht kommende Stelle ihres notariell beurkundeten letzten Willens: .

Zar Haupt erbin meines beweglichen und «nbe- „weglichm Vermögens, — letzteres bestehend aus

„d-m von meinem seligen Vater hinterlaffenen „Hüttenwerk und Hammergut Reulergbausen —, „hatte ich von jeher meine liebe Nichte Ulrike von „Büren, Tochter veS HandelSfchullehrers Adalbert „von Büren zu M, die zugleich mein Patenkind „war, in Aussicht gevommen. Da aber d'e ge- „nannte Ulrike vor mir gestorben ist und keiner „irdischen Güter mehr bedarf, setzte ich zum Haupt- „erben meines gesamten Nachlasses ein ihren Bruder „Robert von Büren, zur Zeit Zögling an der Kgl. „Musikschule in München."

Dem Haupterben war nur die Auflage gemacht, einige Legate weozunchten. Für UNS waren dabei von Belang 500 Mark, welche jeder Magd auSgesetzt wurden, die bei ihr und bei mir im Laufe der letzten vierzehn Jahre gedient hatte. Darin also, im Ver­sprechen, ihrer im Testament zu gedenken, war das Geheimnis gelegen, weshalb alle Mägde der jetzt Ver­storbenen stets willig gehorchten und nur selten an einen Stellenwechsel dachten. Die zwei vberpfälzischen Tante» CarlottaS erhielten Legate von je 5000 Mark. Auch Renata war bedacht worden: ihr hatte der Erbe,; wenn sie bis zu ihrer Mündigkeit in meiner Familie blieb, 1000 Marl zu bezahlen und sämtliche Mobil,en, Wäschestücke und Kleider der Erblasserin als Eigen­tum cuszuhändigen. Soll.e die Italienerin aber nicht dis zum angegebenen Zeitpunkt tn meiner Familie verweilen können, sondern auf Grund der eingeleiteten Nachforschungen in ihre Heimat zuri ckzebracht werden, dann war ihr nur ein Legat in barem Gelbe be­stimm^, da fich ein so weiter Transport der Mobilien i nicht auStrug. Die Summe stieg jedoch im letzteren

Falle von 1000 auf 1500 Mari.

Auch ich w'r im Testament nicht vergessen; denn einesteils bez-ichnete mich dasselbe bis zur Mündigkri, Roberts, der erst neunzehn Jahre zählte, als deffen zum Genuffe d-r Zinsen berechtigten Berwögensoer- walter, anderteilS verwachte mir Carlotta ihr--

Tagckmch.

I Dadurch war mein Sohn mit einem Schlage aus

* vrr rkMch'jspMchr Arieg.

Das Vorrücken der Japaner in der Mandschurei kennzeichnet folgendes Telegramm des Generals Kuropalkin an den Zaren vom Mittwoch: Die japanische Armee, welche von Kimschou vorrückt, setzt ihren Vormarsch nach Norden allmählich fort. Dre Armee Kurokis hat ibren Vormarsch von Ssiujan eingestellt, an­scheinend, um die Vorhut-Abteilungen der beiden Armeen in eine Linie zu bringen. Dre vor- rückenden Streitkräfte der feindlichen Vorhut be­tragen in der Umgegend von Sfiujan ungefähr eine Division mit mehreren Eskadrons und mr Süden 9 Eskadron?, die durch eine zahlreiche Infanteriekolonne verstärkt werden. Oestlrchvon Ssaimalsi errichten die Japaner auf dem Wege nach Kuandianstan Befestigungen und haben da­selbst gegen 18 Geschütze aufgestellt. Fttner hält eine starke feindliche Feldwache das Dorf I Sopingai, 40 Werst (etwa 37 Kilometer) rord- I östlich von Ssaimatfi, besetzt, das durch Schanzen befestigt worden ist. _ , ra

Die Isolierung der Festung Port Arthur nach der Land- und Seessite legt den Gedanken nahe, von wie außerordentlicher Wichtigkeit in einer solchen Lage das Vorhandensein einer funtentelegraphischen Station ist, und

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Druck und Verlag S< ZuldaerActiendrucker» in Zulda (Harmonie

Zernsprecher Nr. S°

WV XUlVUtl

verantwortlicher

Schriftleiter-Z»s.v<m»

wochenb-uager „Illustrierte Sonutagrzeitung

Ohne plan und Ziel.

Stoma» von I. Baierlein. ------ (Nachdruck verboten, j

Herrenhaus.

19. Sitzung vom 24. Juni.

Eröffnung 2 ’/« Uhr.

Erster Gegenstand der Tagesordnung ist dre Be­ratung des aus dem Abgeordnetenhause in veränderte" Form zurückgekommenen Wildschongesetz es.

Die Kommission — Berichterstatter Graf Mirbach - beantragt, den Gesetzentwurf in der Fassung des Abgeordnetenhauses anzunehmen, und emeP-tition der Landwirtschaftskammer zu M ünster i. W. um den Lrlaß deS Verbots deS Ein- sammelns, FeilbieienS und Verkaufs von Kiebitzeiern durch die Beschlußfassung über das Gesetz für erledigt zu erklären. . ...

DaS Haus tritt debatteloS dem KommisfionSbe schluffe bei.__

den Parteien, sondern als Förderer der religiös-1 j ittlichen und evangelisch-kirchlichen Interesse in । allen nichtullramontanen Parteien bis zur Frei- 1 Innigen Volke Partei hin. Ja, anch die sozial- । demokratische Partei möchte er nicht ausschließen, । wenn sie nicht Religionsfeindschvft mit polinfch- wirtschaftlichen Zielen verquicke. — Wenn so und so oft von bündlerischer Seite gefügt worden , ist: Lieber rot als schwarz, und wenn mWürttem- ,erg ein rabiater evangelischer Bündler erklärte: jeder den Teufel als einen Katholiken wählen: warum soll da der Bund nicht auch versuchen, mit den Genoffen geradezu einen Pakt gegen die „Ullramontanen" zu schließen. Die Reli- gionSfeindschaft der Sozialdemokraten läßt fich doch leicht wegdeuteln und wenn sie bereit sind, gegen die katholische Kirche zu streiten, so ist das iberhaupt schon ein Beweis, daß sie gar nicht religionsfeindlich find. Die.Tägliche Rundschau' gibt freudig ihren Segen zu der Anregung des Dr. Kaftan. Sie habe es ja schon immer ge­sagt, daß der Bund politisch wirken und nament­lich bei den Wahlen alles gegen die Ultramon­tanen vereinigen müffe.

* Gegen die Scharfmacherei haben sich die Arbeitgeber-Beisitzer des Berliner Gewerbe­gerichts erklärt und ebenso hat fich bei der Berliner Handelskammer einigessozialpolsti- sches Verständnis kundgegeben. Im Anschluß an einen Vortrag über: „Arbeitsvertrag und Tarif­vertrag" hob Gewerbegerichts-Beisitzer Bernhard in einer Versammlung der Arbeitgeber-Beisitzer die günstige Wirkung der Tarifverträge zwischen Arbeitern und Arbeitgebern hervor. In den Gewerben und Branchen, wo solche Verträge eingeführt find, hätten fie den Frieden und die Einigkeit gefördert und der Allgemeinheit gedient. Die Schlichtungskommisfionen funktionierten aus­gezeichnet und es sei deshalb die Schaffung sol­cher Tarifoerträge erstrebenswert. Ferner wurde mitgeteilt, daß die Berliner Handelskammer be­antragt hat, bei Submissionen die Bedingung ! zu stellen, nur solche Unternehmer zuzulaffen, die sich verpflichten, die Löhne zu zahlen, die in den Tarifverträgen der betreffenden Branche fest- gelegt find. Man darf neugierig fein, ob die Berliner Stadtverwaltung, die fonst alles Empfindens bar ist, dem jetzt-vi der amtlichen Organisation der Kaufleute kommenden Vor­schläge Verständnis entgegenbringen wird.

(*) Dentsche Sprache in China. Es soll anscheinend künftig etwas mehr getan werden ais bisher, um in China der deutschen Sprache gegenüber der englischen zur Geltung zu verhelfen. Wenigstens geschieht jetzt einiges, um den Gebrauch der deutschen Sprache unter den Chinesen selbst zu fördern. Schulen für diesen Zweck gab es ja bereits, so in Jtschang, Nanking und Schanghai. Es mögen aber bis heute in China kaum einige Hundert Deutsch redende Chinesen exiffieren. Nun hat, wie die Mitteilungen des Allg. Deutschen Schuloereins' berichten, unlängst in Kiayingtschou bei Swatou der Missionar Lindenmeyer eine Schule errichtet, um den Chinesen die Erlernung des Deutschen zu ermöglichen. Die Behörden stehen der

______________31. Jahrgang.

Graf Mirbach begründet eine von 'hm rigebrachte Resolution, den Landwi tschaWmw'Üer zu ersuchmi, de,seibe wolle im allgemeinen Jntereffe dle Jördeiung der niedere» Jagd anordnen, daß l^rnS der Tt-atS- forstoerwaftung der Königlichen Forstschutzbeamten an gemeflene Prämien für erlegtes Raubzeug gewährt "^Ministerialdirektor Oberlandforstmeifier Wrse«er tritt namenS der Regierung der Resolutron entgegen.

Die Resolution wird nach kurzer weiterer

Debatte angenommen. f»

Es folgt die Beratung des Tesetzentwur fS betr. die Verpflichtung zum.-besuche länd- licher Fortbildungsschulen tn der Provinz

Die Kommission beantragt m Absatz 3 des Ge- seyentwurfs statt der vom Äbgeordneler.hauie ve- schlossenerr Faffung: „An Sonntagen darf Unterttchl nicht erteilt werden" unter Wiederherstellung der Re­gierungsvorlage zu setzen: „An Sonntagen da. s während der Stunden des Hauptgottes- dier.stes Unterricht nicht erteilt werden.

Der Kommissionsantrag wird nach kurzer Debatte abgelehnl. Es bleibt also bei der Fassung deS Abgeordnetenhauses.

EinI°Petitio»^um Einrichtung eines Vorortverrehi? für die Strecke Breslan-D. Liffa beantragt die Kom­mission zur Erwägung zu überweisen und zugleich „v Regierung ,u Erwägungen über di« Einrichtung des Vorortverkehrs für Großstädte rm Allgememen aus»«- I ^^Re'g.-Komm. Oberreg.-Rat v. d.Leye bemerkte, dre Eisenbahnverwaltung sei von jeher bestrebt gewe,<m, durch Einführung von Sonntagskarten, Arberterkarttm und Monatskarten den Bedürfnissen der- Großstädte gerecht zu werden: einer weiteren Ausdehnung o Vorortsverkehrs nachdem Muster deS Berliner ständen finanzielle und volkswirtschaftliche Bedenken entgegen.

Graf v. Schliebe« meinte, was Berlin recht ser, sei auch anderen Großstädten billig; mit der Zunahm des Verkehrs würden auch die Einnahme» wachsen.

Die Petition wird zur Erwägung überwiesen.

Nächste Sitzung: Samstag 1 Uhr (Kleinere Vorlagen und Petitionen).

Schluß 5 Uhr.