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J& 143.
Sitte, Frettag, deu 24 Juni 1904.
31. JahrgMg.
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Berlin, den 23. Juni 1904.
() Der Arbeitsmarkt im Monat Mai
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c Das »inb widersetzte sich dem nicht. AlS es aber auf den Füßen stand, sahen wir in e'n totblafleS, vom tiefsten Schmerz zerwühltes Gesicht. Die Tränen hatten sich mit dem Siaub des Grabhügels vermischt und schmutzige Spuren zurückjelasien; das schwarte Gewand war von braunen, lehmigen Flecken besudelt
Und dann brach er los av8 dem sonst so schönen letzt so verzerrten Mund, als ob ein Gießbach seine «Medigen^ss^' mit ®elöaIt beS Zwanges zu
»Ö, warum laßt Ihr mich nicht, wo ich bin? Was soll ick zuhause tun? Hierher gehöre ich, wo sie meine Ulrike eingescharrt haben und mein Herz mit ihr. Was wollt Ihr anfangen mit mir, wenn uh doch kein Herz mehr habe? Metta bat eS mit i sich genommen da hinunter in die dunkle Gruft, — , uein, hinauf in den Himmel zum lieben Gott, wo sie mit den Engeln kost, und dort hinauf will auch ich. Ich will zu meiner Ulrika, — zu meiner Ulrika!"
Ihr Jammer erinnerte an den Wehruf eines Lammes, welchem man die Mutter genommen
.Fasse Dich, Renata!" suchte ich zu beschwichtigen. .Dem maßvoller Leid wird Dich sonst überwältigen. Mute daran, welch' unersetzlichen Verlust erst ich zu siÄlagen habe!" 0
.,'0 Du — o Du!" machte sie geringschätzig. .WaS weißt D« davon, wie meine Seele an der ihrirnn hing! Hast Du zugchört, wenn wir stundenlang uns allem umerhiiltei ? H.ch Du die LiebeSworte vernommen, die sie mir ins Ohr flüsterte? Kannst Du die Gebete zäh'en, die wir mit einander für Dich und Roberto, für be Tante und für uns an die Madonna richteten? Sie war besser zu mir, als irgend wer auf der Welt. Sie war zu gut für uns alle. Und j
c. a. Zur römischen zrage.
Sowohl PiuS H. als Leo UH. und PtuS X. haben bezüglich der römischen Frage «n drei Dingen festgehalten: nämlich 1. daß der ' Kirche ihr Besitz durch die italienische Regierung ' « »«rechtmäßiger Weise cn triff en sei, 2. daß der römische Papst nicht die Freiheit, Stcherheü und Unabhängigkeit genießt, welche seiner Würde, seinen Rechten und der Ausübung seiner Pflichten vonnören sei, 3. daß der hl. Stuhl darauf bestehen und fest erwarten muß, daß der Ungerechtigkeit und Unwürdigkett der Verhältnisse wirksam abgeholfen werde.
Bis jetzt ist für die Lösung des Konfliktes keine annehmbare Formel gefunden worden. Sobald der Papst sich überzeugt, daß man dem Statthalter Christi eine annehmbare, wirklich garantierte Freiheit schaffen will und kann, «trd er zu einem Frieden die Hand bieten. Niemand kann aus der Betonung der notwendigen und unveräußerlichen Rechte der Kirche logischerweise den Schluß ziehen, daß der Papst jede» Zollbreit Landes zurückwünsche, oder gar, daß er ein grundsätzlicher Feind der italienischen Einheit sei. Wenn aber der Papst sich in seiner eigenen Residenzstadt nicht frei bewegen kann, wenn man ihn unter ein sog. Garantiegesetz stellen will, daS man jeden Augenblick wieder abschaffen kann; wenn man der Presse und den Parlamenten jeden, auch den niedrigsten Angriff gegen das Oberhaupt der Kirche anstandslos gestattet; wenn man in der Diplomatie rnd der mneren Verwaltung beständig gegen den Papst Jntriguen anstellt; wenn man jeden Erfolg der Kurie mit Eifersucht oder Haß, jeden ihrer Mißerfolge mit Schadenfreude betrachtet; wenn man AEch daS Papsttum zu einer national-italienischen Institution stempeln ober gar es gänzlich ab- schaffen möchte, während es doch in Wahrheit me internationale, weltumfassende Institution ist; wenn mit einem Worte der Papst aushören soll zu wirken wie er will und muß, so kann sich doch nur die Torheit darüber wundern, daß der Papst fortfährt zu protestieren, bis er eine wahre, wirkliche und voll« Souveränität wieder I erlangt hat.
** Eine große Kuudgebuug deS Kaisers au die Mariae wird nach dem,Berl. Tagebl/ in Kiel für den 24. Juni erwartet. An diesem Tage treffen in Kiel zur gemeinsamen Feier ihres vor 60 Jahren erfolgten Eintritts in die Marine die Admirale v. Knorr, Kühne und Zirzow sowie Kapitän Jung zusammen. Sie gehörten vor fünfzig Jahren zu dem ersten Stamm von Kadetten, welche in die Marine ein- traten. Der Kaiser dürfte diese Feier zum Anlaß der erwähnten Kundgebung nehmen. Nach anderer Lesart wird die Enthüllung der Büsten des ersten Hohenzollernadmirals, des Prinzen I Adalbert, und des Admirals Brommy, die in der Kieler Woche staitfinden soll, zu dieser kaiserlichen Kundgebung den Anlaß geben. Ob das eine Kundgebung für eine neue Flottenvermehrung fein soll, wird nicht gesagt. Einer solchen wäre ein großer Teil der Wirkung übrigens durch die Cuxhavener Rede im voraus genommen.
Am Pochen meines Herz-nS fühlte ich, baß mir Die Nachricht sehr nahe ging. Ich nahm mir vor, dem SanitätSrat aufzup ssen, wenn er von ber Panentin herabkäme, uns ihn um genaue Aussicht z« bitten. E-r gelang mir auch richtig, ihn obzufangen und zum Zweck einer Unterredung in mein Arbeitszimmer zu führen. Seine Mitteilunoen bämpften zwar meine Angst um Renata, verursachten mir aber Unruhe nach einer anderen Se te bin. —
I *— Eine in der Schlacht bei Jena von den Franzosen genommene und seitdem verschwundene Staadarte ist durch einen glücklichen Zufall in den Besitz des Kaisers gelangt. Vor mehreren Monaten wurde Herrn Friedrichs in Potsdam eine alte seidene Fahne norgelegt, die dessen Interesse erregte, da er Besitzer einer Seidemabrik ist. Er erwarb die Fahne und zeigte sie dem Direktor des Zeughauses, Herrn Major Dr. Ubisch, der sie als eine von Friedrich dem Großen dem Husaren-Regiment Nr. 1 (später v. Schill) verl ehene Standarte erkannte. In der Schlacht bei Jena verlor das Regiment btefe Fahne und seitdem fehlten alle Nachrichten über een Verbleib. Der Direktor riet dem Besitzer, sie dem Kaiser anzubieten. Das geschah, und vor wenigen Tagen kam vom Hosmarschallamt die Mitteilung, daß der Kaiser das Geschenk gern i annähme und befohlen habe, die Fahne dem Zeughause zur Aufbewahrung zu übergeben. Der Kaiser hat hierzu Friedrichs mit einem Schreiben eine kostbare Brillant-Busennadel überreichen I offen.
bei Hamburg, der Hamburgische Verein „Seefahrt" im Seemannshause zu Hamburg, der Raphaelsverein zum Schutze kathol. Auswanderer in Hamburg uns Br emen, Pastor Querl (kath. Pfarrer) in Bremerhafen. Man frage brieflich an, bevor man in der wichtigen Sache etwas unternimmt, bann kann vielem
| wilden und unbändigen Söhnchen zu. Da werden dann von den Ellern 350, 400, ja 500 Mark bezahlt. Und selbst wenn auf vorherige Erkundigung vor dem Handel entschieden gewarnt wurde, gibt man dennoch meist nach, „weil der Junge sich nun einmal daheim nicht fügen und bändigen lassen will und die stramme Disziplin auf dem Schiff ihn hoffentlich bessern wird", zudem sieht dos Bürschchen ein Stück von der Welt! — Nette Geständnisse und Anschauungen das! Bevor solch ein „Schiffsjunge" untergebracht ist, kommt er meistens in lockere Gesellschaft von Kameraden von gl-icher Unbändigkeit, die bereits das Bedürfnis haben sich einmal „auszuleben", nachdem das Leben erst begonnen hat. Religion und Gesittung gehen nun mit dem Gelde der Eltern verloren, weil es dem Jungen an jeglichem äußern Halt in religiös. sittlicher Hinsicht fehlt. Und wie steht es mit den „erst- tlasfigen" Schiffen? Der eine kommt auf ein italienisches Schiff, wo er kein Wort versteht, der andere auf ein dänisches ober norwegisches, wo auch kein Deutsch verstanden wird. Andere wiederum schickt man nach englischen ober irländischen Häsen, wo die Jungen ebenso verwaist dastehen unter nichtdevtscher Mannschaft. Und solche Stellen, wo die Jungen gehörig ausgenützt und meist schlecht verpflegt werden, bezahlen die Eltern mit 350—500 Mark und darüber!
Zwar beruhigte mich einigermaßen der Gedanke, daß sie während Ihres Landfahrer lebens noch ganz andere Leiden erduldet hatte, ohne Schade» an der Gesundheit zu nehmen, — allein der plötzliche Hin- gang meines Töchterleins machte mich mißtrauisch j gegen diesen Trostgrund.
Ich drang neuerding? in sie, di- Heimkehr zu beeilen, und fand dabei Unterstützung im Klappern der Schlüssel, die der Wärter heftig schüttelte zum Zeichen, daß es di- höchste Z-it wäre, das Portal zu versperren. Renata widerstrebte nicht länger, sondern machte sich endlich, von mir und Robert gestützt, auf den Weg nach Hause. —
Hat jemand den Mut, mir wegen der Geständ- wssrt zu zürnen, daß Renata infolge chrer Arhäng- lichkell an rte verklärte Ulrike meinem Herzen noch tmrir ward? Gemeinsames Leid schmiedet ja die! Menschen fester zusammen, als eiserne Reifen.
schon andern Tags sollte ich die Probe auf dieS Exempel machen.
Als ich früh morgens in meine Bücherei ging, etwas na-hzulchlagen, bemerkte ich Martha, die, völlig zum Ausgang gerüstet, den Korridor entlang ritte. Da dies nicht die gewöhnliche Stunde für ihre Einkäufe war, fragte ich:
»WaS treibt Sie schon so zeitig hinaus auf die Straße?"
„3a, wissen'-, Herr Brofesser", gab sie zur Antwort, „g'rad den Dokter muß ich g'schwind holen. Das kleine Mädel hat einen brennheißen Kopf und so vicl Durst. Ich glaub', ti wird etwa nur ein •
ihrem schon seit drei Tcgen überaus leidenden Aussehen, verkünden mir nichts Gutes."
„WaS meinen Sie, Herr Doktor?"
»Ich meine, daß wir täglich, ja stündlich den Ausbruch eines — NcrvenfieberS zu gewärtigen haben."
„Eines Necvenfiebers?" rief ich erschrocken.
„Wenn in diesem Fell mein Wissen unzulänglich, und daS Urteil, welches ich mir über Frau von Bürens $rar.Ii,,tit bildete, irrig wäre, würde ich selbst mich am meisten freuen. Allein--"
„Aber dann stünde auch Anstckung zu befürchtend"
„Die von der ärztlrchen Wissenschaft verlangten BorsichtSwaßregeln dürfen freilich nicht verabsäumt werden. Ich warte, um ganz sicher zu gehen, nur noch den morgigen Tag ab. Bestätigt sich bis dahin meine Ansicht von der Krankheit, bann werde rch ohne Verzug die nötigen Anordnungen treffen."
„Doch wie sollte Carlot! a zu einem Nervenfieber gekommen fein?*
„Dabei ist nichts Wunderbares. Die Dame hat die Jugend hinter sich und di- Höhe des Lebens schon zieml ch lang überschritten. In solchem Alter ist man empfindlicher, nicht nur gegen körperliche Beschwerden sondern auch gegen selische Aufregungen. Und nun, Herr von Büren, denken Sie an die hochgradige Aufregung, die Ihre Frau Schwägerin Überfällen mußte, als man ihr plötzlich di- liebe Ulrike, an ber sie dock mit mütterlicher ZSrÜichkeit gehangen, tot heimtrug. — an die unausgesitz'e übermäßige Anspannung oll ihrer Geistes- und Körpeckräfte während der traurigen Vorbereiturgen des Begräbnisses, — an den bitteren Schmerz, den sie litt, und dann fragen Sie nock einmal, wie ein Mensch zu einem Hrnfieber kommen kann! Memen Auge -, den Augen beS Praktikers, entging e» schon am Firmungstage nicht, daß daS schreckliche Ereignis der alten Dame einen tüchtigen Knacks v-r- setzt hatte. Seitdem beobachtete ich sie, ohne m.r etwas merken zu lassen, genauer, und ich fand Gründe genug, ihr die Betei! igung ander gestrigen Beerdigung allen Ernste« und auss strengste zu untersagen. Sie wollte zwar nicht gehorchen, allein ich verstand e»
zeigt nach dem .Reichs-Arbeitsblatt' folgendes Bild: Nach der kräftigen Aufwärtsbewegung, welche der gewerbliche Arbeitsmurkt in den beiden
Unheil vorgebeugt und mancher junge Mann an Leib und Seele gerettet werden. Auffällig und bemerkenswert ist eS, daß gerade aus katholisch en Kreisen so manche Jungen dem gerügten Unwesen ins Garn laufen! (Raphaelsver.)
Uebergangl (schnell verlaufendes bedeutungsloses Fi-ber) sein; aber die gnä' Frau Baronin meint halt, sie möcht' nichts versäumen. Gut, sagte sie, wär'
Wie gesagt, ist eine andere Formel möglich als diese: „Wiederherstellung des status quo ante", so liegt gar kein Grund vor, warum der Papst nicht dafür gewonnen werden könnte. Ueber diese Dinge muß das katholische Volk sich klar werden, sonst ist Gefahr vorhanden, daß man den Papst entweder für einen reaktionären, in unmöglichen Theorien verbohrten, unpraktrschen Doktrinär, oder für eigensinnig anfieht. Wer an die Mission der Kirche glaubt, der muß auch an die absolute Aktionsfreiheit ihres Oberhauptes festfalten. Wer nicht an die Mission der Kirche glaubt, mit dem ist über unseren Gegenstand eben nicht zu reden. Ein Katholik muß jeden- falls für die volle Unabhängigkeit und Souoer- ämtät des Papstes eintreten.
Wir Haven noch nie vernommen, daß die Päpste seit 1870 sich einen Staat gewünscht!
I hätten, |u dessen Verteidigung ein riesiges Heer und eine große Flotte nölig wären. Wir haben auch noch nie gehört, daß San Marino die Einheit Italien- gefährde oder daß der Fürst von Mona» oder der Fürst von Lichtenstein in ihren Ländchen weniger souverän seien als etwa der Zar in seinem weiten Reiche. Wir wissen im Gegenteil, daß die Souveränität darin besteht, daß man in seiner eigenen Sphäre frei und ur.» behindert herrscht. Wir haben freilich gehört, daß die Beraubung des hl. Stuhles ein Umecht und eine Tat der Revolution gewesen ist, aber ein Unrecht kann in sehr verschiedener Weise wieder gut gemacht und ausgeglichen werden.
Nicht die Päpste find es, welche die Lösung der sog. römischen Frage verhindern, sondern diejenigen, welche diese gtoge in ihrer wahren Bedeutung vei kennen, ihre Tragweite nicht sehen ! wollen, oder den Kernpunkt der Frage anderswo suchen als dort, wo er nach der Erklärung der Päpste selbst steckt. Die Regierung, welche die loyalen Ansprüche des Papstes nicht anerkennen maa, versucht eben mit geschickter Taktik, dem hl. Stuhle Projekte unterzuschieben, die er niemals erdacht hat. Nur auf diese Weise hat der kirchenfeindliche Liberalismus es erreichen können, daß der Papst von so vielen als der Feind wahrer patriotischer Gefinnung und politischen Fortschritts angesehen wird.
Im Vatikan wird man zwar an maßgebender Stelle niemals die Umwertung der Begriffe Gerechtigkeit, Gesetzlichkeit, Autorität und Freiheit anerkennen; man wird stets gegen das Unrecht, die Gewaltsamkeit und die H'nterlist protestieren, aber man ist in Wort und Tat weit gemäßigter als es die Gegner sind, deren Absichten und Vorschläge immer einen radikalen Charakter tragen.
. e . Mädchens machte gut, aber besser «st besser, und darum hat's mich nach
*n® Renata hatte, tote meine Lchwägenn diesem SangidütSrat g'schickt." W W
und die D<enstmagd behaupteten, schon tag-lang nichts ~ "" ' ' 8 - ------
mehr gegessen. Jetzt war fie bis ,pät in die Nacht hinein auf ber taufeuchten Erde gelegen, gemartert von überwältigendem See-enschmerz. Wenn fie einen Nachteil bWontrug?
deshalb hat die Madonna sie als Heilige ausgenommen. Und ich — ich will zu meuter Heilig-n — zu meiner Ulrika!"
Ohne plan und Ziel.
Roma» von I. Baterlein. ------ (Nachdruck verboten.)
I Ist nun die erste Reise zu Ende — sie dauert oft keine 3 Monate —, dann schlägt der Agent wieder ein neues Engageme it vor und das kostet selbstverständlich wieder neues Geld. Noch unlängst hat der .Apenrader Anzeiger' und die »Hamb, Nachr.' vor dem Unfug gewarnt. — Nicht jeder Junge, der Lust zum Seemanns- dienst hat, ist auch schon fähig dazu. Er muß einen gesunden, fehlerfreien, kräftigen Körperbau haben, volle Seh« und Gehörschärfe, sowie ein vollkommenes Farbenunterscheidungsvermögen besitzen und frei von sprachlichen Fehlern sein. Wenn ein solcher zum Seemannsdienst befähigter Junge nun durchaus Seemann werden will, dann sollten sich die Eltern, die immerhin einige hundert Mark opfern müssen, nicht an Vermittler und Agenten wenden, sondern an einwandsfreie Asreffen als da sind: Der Norddeutsche Lloyd in Bremen, der Schulschiff Verein in
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»Wegen des Mädchens haben Eie nicht das Geringste zu befürchten", ließ er sich vornehmen. „Bei ihm ist nur ein Parker Schnupfen im Anzug. Kein Wunder, w-nn die Kleine, wie mir Ihre Frau Schwägerin erzählte, so unb-sonnene Streiche macht. Ist sie doch gestern stundenlang bis in die finkende Nacht auf ber in diesem Monat noch immer feuchten ! Erde gelegen! Doch — wie gesagt, — gefährlich ist ihr Zustand nicht. Ich verordnete ihr nur etwas Fliedertee; darauf wird fie schwitzen, und in ein paar Tagen baden wir fie wieder auf dem Damm. Könnte ich nur bei Frau von Büren eine ähnliche günstige Prognose stellen!"
„Sie wollen doch nicht sagen, daß meme Schwägerin krank >st?" fragte ich überrascht.
„Leider!"
„DaS e-ste Wort, das ich davon höre!"
„Was febr begreiflich erscheint, Herr von Büren! Denn vor Kurzem war Ihre Frau Schwägerin in der Tat noch gesund, uud £tm einziges Symptom liefe auf einen raschen Umschwung schließen. Sie will auch nicht zugeben, daß sie krank sei, und klagt nur im allgemeinen über Eingenommenbeit des Kopfes, ein Hämmern und Stechen in den Schläfen und Mattig keit in allen Gliedern. Nichtsdestoweniger kann ich mich einer schweren Sorge nicht entschlagen. Denn die Anzeichen, worüber fie sich beklagt, verbunden mit
* Der neue deutsch belgische Handelsvertrag ist am Mittwoch in Brüssel von dem deutschen Gesandten Grafen Wallwitz und dem Minister Baron Favereau unterzeichnet worden.
§ Das verfassungswidrige Aufiedeluugs- gesetz, das jetzt noch mit Automodilgefchwinbig- feit in den Hasen bugsiert werden soll, während z. B. die Interpellation über die Zustände in Saarab'en von dem doch vermutlich nicht einmal in Kiel unentbehrlichen Handelsminister Möller bis zum Herbst zu verschleppen gesucht wird, kann noch im Abgeordnetenhause verunglücken, wenn die Hakatisten am Montag nicht in beschlußfähiger Zahl zur Stelle find. Es ist gar nicht einmal nötig, daß Obstruktion getrieben werde, eine namentliche Abstimmung kann alles vereiteln. Darum beschwört die «Post' die Kon- seroatioen und Nattonalliberalen, sich doch am Montag ja einzufinden. Nun, das Blatt braucht wohl keine Augst zu haben; wo es gilt, ein Unrecht gegen die Polen zu vollziehen, da wissen auch die lässigsten Abgeordneten, was ihre „Pflicht" ist. Sie werden an Pflichteifer doch j nicht hinter den Ministern zurückleiben wollen, die sogar sooiel Opferfinn bekunden, daß fie auf , , ... ________ ...
die Beteiligung an den Kieler Festen verzichten Oldenburg, die Seemannsschule in Waltershos wollen, wenn es gilt, daß Deutschtum zu stärken
| im Kampfe gegen das Polentum. Daß sie freilich in schwacher Stunde den Schein erweckt haben, als hätten fie soviel Opserstnn doch nicht, das kann den Ministern selbst die,Post' noch immer nicht recht verzeihen. Sie mahnt fie daher eindringlich, es nicht wieder zu tun. Hoffentlich werden fie auch durch forsches Auftreten gegen die Polen den üblen Eindruck ihrer momentanen Schwäche zu verwischen bestrebt fei«.
ca. „Schiffsjungen gesucht aus erstklassige Segelschiffe". Unter dieser Ueber- schrift erscheinen oft Inserate in akatholischen und katholischen Tagesslättern und Zeitschriften. Viele katholische Eltern gehen darauf ein und führen den inserierenden Agenten ihre etwas!