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s. N^taTS«. roodtabeoage:„Illustrierte Soimtagrzeitung" Mamt-lxü-g«: „Huldaer GeschtchkbMer".

lesttgex: vle e«* spaltig« petltzeile oder 6m» Rannt 15 Pffc Bcflamea 6it petitzeil« 25 Pf-.; Bei wie-er- Belinge» wird enffpr Labatt gewährt.

druck und Verlag 6 Znldaer Rettend rucket in Zulda (harmonß Zerusprecher Ur.»

31. Jahrgang.

Zsl-G, Dienstag, dw 2L Juni 1904.

M 139.

Scho« jetzt

«eh»e»»llckP»sta«ftalte«,L«»dbriefb»te», Aeit»«gSteZger m»d «ufere Expeditio« ^Harmonie)

Dtßllmßn urf»« 3. «lartil 1904 der »Fuldaer Zeituug' zu« Preise Uo« 1 Mark 50 Pfg. (ohne Bestellgeld und Briugerlohu) eutgegeu.

BPB“ Re« hiuz«treteude Abouueute« erhalten vom Tage der Bestell«»- ab di- Gude Jaui die Zrit«ug «»sonst.

Berlin, den 20. Juni 1904.

0 Die diesjährige Nordlandreise deS Kaisers wird in den ersten Tagen deS Juli von Swinemünde aus ihren Ausgang nehmen; sie soll nach den bisherigen Dispositionen etwa vier Wochen dauern. Nach der Rückkehr des Kaisers von Norwegen wird die kaiserliche Fa­milie zu einem mehrwöchigen Aufenthalt nach Schloß Wilhelmsyöhe bei Kassel überfiedeln.

* Der Vorsitzende der Zentrums, fraktion des Reichstages, Graf Alfred zu Hompesch Rurich, hat am 13. d. M. in aller Stelle sein dreißigjähriges Retchs- tagSjubiläum begangen, indem er seit dem 13. Juni 1874 den rheinischen Wahlkreis Düren-Jülich ununterbrochen im Reichstage vertreten hat. DaS ist im Leben eines Parla­mentariers ein seltenes Ereignis, das gebührend zu feiern die Zentrumspartei des Wahlkreises sich nicht nkhmen lassen wird. Auf eine Anfrage deS WablkomiteeS der Zentrumspartei bei Herrn Grafen Hompesch hat dieser gebeten, von einer Festoersammluvg um den 13. Juli Abstand zu nehmen, da er den in diese Zeit fallenden Todestag seiner Frau Gemahlin in Zurück­gezogenheit verleben möchte. So ist auf den Wunsch deS Herrn Grafen die Festoerfammlung auf den Herbst verschoben worden.

* Der parlamentarisch en Besprechung über die Zustände i« Suarabien möchten, wie am Schluffe der heutigen S tzung des Ab­geordnetenhauses eine Geschästsordnungsdebatte erkennen ließ, sowohl der Handelsmintster Möller wie auch die Nationalliberalen gerne möglichst lange aus weichen. Herr Möller kann das leicht machen, indem er erklärt, er müffe, ehe er die Interpellation deS Abg. Marx beantworten könne.

Ohne Plan unö Siel.

Roman von I. Baierlein.

30 ------ (Nachdruck verboten.)

XIV.

Der grauenhafte Einxuck, den Renatas Srkläung ihres rätselhaften Benehmens auf mich mochte, vergällte mir mehrere Tage lang jede Lebensfreude. Umsonst, daß ich mir vorhielt, das infolge seines Vagabunden- lebens zu phantastischen Vorstellungen geneigte Kird sei daS Opfer eines abergläubichm Wahne« gewesen, dem kein btt nünftiger Mensch irgend welchen Wert beilegen werde. Ich konnte des unbehaglichen Vo- gesühls, daß mir ein schweres Berhängnis drohe, nicht loS werden.

Da riß mich die Abreise meine- So neS, der nun wirklich die Kön'glche Musikschule in München bezog, etwa- aus dem Trubel. Tie Anforderungen, welche seine Ausstattung an mich stellte, nahmen mich der­art in Anspruch, daß da« Schreckgespenst, welche- Renata vor meinem geistigen Auge herausbeschworen hatte, nach und nach verblaßte und vor der mannig­fachen Wirklichkeit deS lägiichen Leben- zurück rat.

Nach Roberts Abreise nahm uns-re Hausordnung ihren ruhigen gereg-ften Gang allgemach wieder an. Ich gab uni e Lektionen, Renata wurde in die Volksschule gesch ck , und Ulrike im Institut der Englischen F.äulein, da- sie seit ihrer Entlastung au» der Schulpflicht wöchentlich frr einige Stunden besuchte, auf den Empiang der heiligen Firmung vorbereitet, denn Ulrike war jetzt vierzehn Jahre alt

Großes B-rgnügen bereitete es mir, Ulrike alle Abende den Katechr-wu- abznhören Sie nahm es ernst mit ihren religiösen Pflchtrn und entwickelte einen so tnrenstveu Lerneifer, daß ich ibr manchmal Muhalt gebiet ea muß e. O, wie süß ist t8 doch für da- Herz eine» Barer», bei so'chen Am äffen Blicke in dre reine Seele leine« geliebten Kindes tun zu Mrfen I

Noch ein zweite- freute mich: da- blühe: de Aus-

das E ngehe« de- Matertal», insbesondere die stevograpätschen Berichte über den Saarbrücker Prozeß und den Wortlaut des Erkenn»,ffe- ab warten. Dem Profidenten v Kt öcher Hot er dos «-freits erklärt. So kommt also möglicherweise die Interpellation vor der Vertagung nicht «ehr zur Verhandlung. Abg. Dr. Friedberg tat so, als glaube er, der Ausgang der Interpellation könne schließlich für das Z-ntrum unangenehm werden und deshalb die Vertagung im Ingresse der Interpellanten liegen. Or er wohl auch glaubt, daß man ihm glaubt, er glaube da»?

** Die Deputation der südwest afrikanische» Farmer »nd Kaufleute >st, wie lchon erwähnt, am 16. d. M. von dem Reichs­kanzler empf mgen worden. G:af Bülsw hat, wie die ,Nordd. Sllg. Ztg.' berichtet in seiner Erwiderung aus die voraetragenen Wünsche zu­gesagt, daß sowohl die Frage der E Höhung der Entschädigungssumme, al« auch d,e Form der Hltseleistung einer erneuten Prüfung unterzogen werden soll. Nach beiden Richtungen wird die durch Verfügung deS Reichskanzlers vom 2. Juni d. I. im Schutzgebiet eingesetzte Kommission, deren Aufgabe es ist. über die Verteilung der bereits bewilligten 2 Millionen Mark Bestimmung zu treffen, bis zum Wiederzusammentreten des Reichstages neues Mateiial liefern. Der Reichs­kanzler glaubte jedoch schon jetzt in AuSstchi stellen zu können, daß in dem im kommenden Herbst dem Rechstage vo'-zulegendru Nachtrags­etat für Südwestcrfrika weitere Mittel auch für Beihilfe an geschädigte Anstedler angefordert werden würden, und daß er bei dieser Gelegen­heit im Reichstage für eine den Wünschen der Ansiedler entsprechende Revision der früheren Beschlüffe über die Form der Entschädigung ein­treten werde. Im Anschluß an die Ent' schädigungsfrage brachte die Deputation einige weitere, sich auf die Organisation der Schutz­gebietsverwaltung beziehenden Wünsche vor, ins­besondere hinsichtlich einer stärkeren Beteiligung der Ansiedler an der Verwaltung, einer fchä seren Abgrenzung zwischen Militär- und Ziviloer- waltung und hinsichtlich gewisser Reformen in der Beamtenlaufbahn. Der Reichskanzler ant­wortete, daß die von der Deputation angeregten VerwaltungSftagen schon seit längerer Zeil Gegenstand seiner ernsten Aufmerksamkeit und eingehender Erwägungen der beteiligten Ressorts seien. Der Reichskanzler erklärte sich schließlich bereit, den Wunsch der Deputation, bei dem Kaiser empfangen zu werden, zu befürworten.

* In der Frage der Schulpssichtigkeit der Kinder preußischer Staatsangehöriger hat der Strafsenat des Kammergerichts neuerdings einen beachtenswerten Rechtsgrund­satz ausgesprochen: „Mit Recht, so heißt es in dem Erkenntnis, hat der Vorderrichter ange­nommen, daß noch dem heute noch gilligen und durch die neuere Gesetzgebung nicht beseitigten Bestimmungen deS allgemeinen Landrechts der für die schulpflichtigen Kinder preußischer Staats-

sehen meine« Töchterchens. Da war N'chtS zu ent­decken, was dem Wahngebild Renata» Grund unter­gelegt hätte. Die Augen sprühten vor lauterer Lebens- last, die zarten Wangen waren rofig gefärbt, und um den kleinen Mund lagerte jetzt stets ein frohfinniger Lächeln.

„Ulrike*, fragte ich fie, „glaubst Du, die Strapazen der langen Firmung-- Feierlichkeiten ertragen zu können?"

„War sollen denn für große Strapazen dabei sein, Väterchen?" entgegnete fie leich hin. „Wir brauchen nicht einmal nüchtern in die Kerwe zu gecen. Denn weißt Du, die heilige Kommunion empfangen wir schon Tags vorher. Ach, wie sehne ich mich nach dem Backenstretch, den mir der Bischof geben wird! Er soll aber gar nicht weh tun, ve> sichern mich die Mädckrn, die be-.eitS g>firmt wu-den."

„Stein, Ulrike, er schmerzt nicht Er soll auch nur ein Z ichen fein, daß Du für Deinen Glauben Leiden und Beschwerden dulden müßttst, wenn eS Dir so be- schieden fein sollte."

„Und denke Dir nur', setzte sie ihre zutrauliche Plauderei fort, .Mamatante läßt mir ein nmeS weißes Kleid machen mit einem langen, lang n Schleier, der bis auf meine Füße hcrabsällt Sie hat mir'S schon versprochen. AnS dem andern Kleid bin ich nämlich tüchtig herauSgewachien. Ich kann's kaum glauben, daß ich vor zwei Jahren ein so kleiner Knirps war. Der alte Anzug paßt höchsten- noch für Renata, und ich werde ihr denselben schenken. Dann kamt steau ch mit in die Kirche, um den Bischof zu sehen.'

„Wie steht eS denn mit Deinem lästigen Kopfweh liebe- Kind?"

„O, in litzt-r Zeit Hst e- bedeutend nachgelassen, und w-nn eS sich auch dann und wann wieder ein- stellt, find die Anfälle doch bei weitem nicht mehr so heftig'

„Da» freut mich außerordentlich. Und Herz­klopfen?"

„Spüre ich gar nicht mehr.'

„So fühlst Du Dich allo ganz gesund?'

„Der Fisch hn Wasser kann nicht gesünder sein." Derartige wiederholte Berfichernngen beruhigten

angehörtger obligatorische Schulunterricht diesen nur an einer inländischen, preußischen Schule (Mieil werden soll, und daß der Unterricht an einer ausländischen Schule nur dann geeignet ist, diesen Unterricht zu ersetzen, wenn die Schulauffichisbehörde, weil fie den Unterricht im AuSlande für g'eichweriig erachtet, zu dem Be­such der ausländischen Schule iore Genehmigung erteilt hat. Rach den Feststellungen hat der in 5. wodnhafle Angeklagte seinen Sohn, der, da er au» der von ihm besuchten Vo ksfchule in T. noch nicht entlassen war, noch schulpflichtig war, in einer ausländischen, in Galizien (telegenen Erziehnngs- und Unterrichtsanstalt untergebracht, ohne hiervon der Schulbehörde Überhaupt eine Anzeige gemacht zu haben. Er hat hierdurch, da er bewußt seinen Sohn in einer ausländi­schen Erziehungsanstalt untergebracht hat. die ihm obliegende Pflicht, für den regelmäßigen Besuch einer inländischen Schule seitens seines schulpflichtigen Sohnes Sorge zu tragen, vorsätz­lich vernachlässigt. Seme Bestrafung auf ®ru»ö der Regierungsverordnung vom 4. April 1900, die int § 2 d e ohne einen genügenden Grund erfolgte Versäumnis der Schule unter Strafe stellt, unterliegt daher keinem Bedenken."

)(Der Vorstand des deutsche« Gartner- Verbandes hat an den Landtag eine Petition gerichtet mit der dringenden Bitte, dem „Ent­wurf eines Gesetzes betr. die Erschwerung des Vertragsbruches landwirtschaftlicher Arbeiter und des Gesindes' die Zustimmung zu versagen.

«bgeordNetenhan».

86. Sitzung vom 20. Juni 1904.

Eröffnung 11'/- Uhr.

Erster Gegenstand der Tagesordnung ist dre 2. Beratung des Gesetzentwurfs betr. Berbess'rung der Borflut in der unteren Oder, Havel und Spree.

Die Kommisfion Hai den Gesetzentwurf auSge- dehnt auf die Lausitzer Neiße und den Soler. Sie empfiehlt ferner die Annahme einer Resolution, die Regierung zu ersuchen, baldmöglichst im Mündungs­gebiete deS OderstromeS vom Damm'fcheu See aus die für die Regulierung der Hochwaffer und Borflut- verhältniffe nötige« Maßregeln zu triff en.

Nach kurzer Debatte wird das Gesetz in derKom- misfionSsaffung angenommen, ebenso die Resolution der Kommisfion.

SS folgt die 2. Beratung des Gesetzentwurfs betr. Maßnahmen zur Verhütung von Hoch- wassergefahren in der Provinz Branden­burg und im Havelgebiete der Provinz Sachsen.

Die Kommission empfiehlt die unveränderte An­nahme des Gesetzes.

Die Borlage wird debattelos angenommen.

SS folgt die 3. Lesung deS Gesetzentwurfs betr. daS Spiel in außerpreußifchen Lotterten.

Abg. Tonruean (Zentrum) sprach die Zustimmung der Mehrheit der ZeutrumSfraktion zu dem Gesetzent­würfe aus.

meine Aengstlichkeit üver den Gesundheitszustand Ulrike-.

So verstrich langsam der Winter, der sich schon bald nach Allerheiligen, einige Wocken nach Robert- Abreise, eingestellt hafte. Der Frühling zog wieder in» Land, der Mai zierte die im grünen LenzeSschmuck prangende Erve mit duftigen Blüten urb brachte auch da- Pstngfifest.

Einige Tage vor demselben traf der Bischof in M. ein Um den geistlichen Oberhirten zu begrüßen, waren die Mitglieder de» Landklerus von Nah und Fern, die Priester und Laienbrüder der Orden und Kongregationen und die Nonnen au8 allen Klöstern der Nacht-atfchaft in unserer Stadt zusammengefirömt. Die Firmung veriprach sich recht festlich und zu einem großartigeit kirchlichen Gepränge zu entfalten.

Ulrike sah rezent» aus in ihrem weißen duftigen Kleid, mit dem jungfräulichen Kranz im Haar und dem lang herabwallmden Schleier. Da Carlotta ihre Taukpatin war, hafte ich keinen Einspruch erheben wollen, daß fie auch da- Festkleid für die jetz'ge Hand lang beschaffte.

Zur Firmpatin hotte Ulrike jene Gattin eines meiner Kollegen gewonnen, die ich schon gerne zu ihrer Taufe beigezogen hätte, wenn mir Cartotta nicht durch ihr bestimmtes Aneibie en, da- keine Ablehnung duldete, zuvor gekommen wäre. Ich selbst mußte aber auch mit in Pie Kirche; denn der Dnek.or unserer Handelsschule hatte mich gebeten, Patenstelle bei seinem Sohne zu vertreten. Solche Ersuchen dar? man be- kanntlrch nicht verweigern. Mir 'stand da» umso weniger zu, als der Direttor mein Vorgesetzter war.

3<ir bestimmten Stunde begaben wir urt» m die Kirche.

Ehe Ulrike mit ihrer Patin dorthin ausbrach, rahm fie rnick tür einen Augenblick auf die Sette.

„Bälerchen!" sagte fie innig, „ich möchte die Firrn- gnabe mit ganz reinem, oorwurstfceiem Herzen em­pfangen. Deshalb bitte ich um Verzeihung, wenn ich Dich jemals beleidigt und betrübt haben sollte."

„Nein, mein geliebte- Kind; Du bedarfst derselben nicht. Ich habe Dir nicht- zu vergeben. Von jeder tast Du mir nur Friude bereitet. Weißt Du nicht, daß Du der Trost meiner Augen bist?"

«bg. Pietz (Zentrum) erklärte, er stimme al- grundsätzltch'r Gegner jeder Lotterie für da» Gesetz nur in ve> Erwartung, em größeres Nebel durch ein kleineres zu ersetzen.

Damit schließt dir allgemeine Besprechung.

In der Spezlaldirkusfion wird § 1 debattel»? an­genommen.

Zu 8 2 macht

. Abg Kirsch (Zentrum) auf die mannigfachen praktische» Schwierigkeiten aufmerksam, die sich aus dem Absatz 8 dieses Paragraphen (fortgesetzte Handlung) ergebe«.

Ei» RegternngSkommissar erklärt, dieser Zusatz habe nicht umgangen werden können, da die Üiihaltbarkett des bisherigen Gesetzes gerade auf der zu weiten Umgrenzung des Begriffes des fortgesetzten Delitts beruht Hase.

§ 2 wird unverändert angenommen, ebenso drbaueloS bei Rest deS Gesetzes.

ES folgt die 2. Beratung deS Ges-tzentwurfs betr. Erhöhung des Grundkapitals der See- Handlung.

Die Kommission hat die RegierungsantrSge unverändert angenommen, aber als § 1 die Bestim­mung ringe fügt, daß der Name „Generaldirektion der Seehandlung« fozietäft in „Seehandlung, Königlich Preußische Staatebant" geändert werden soll.

Die Abgg Frhr. v. Zedlitz (freit) und Genossen beantragen, den Namen so zu formulieren: „Königliche Seehandlung (Preußische Staatsbank)'.

D-r Gesetzentwurf wird nach kurzer Debatte mit dem Anträge Zedlitz angenommen.

Es folgt die 2 Beratung des Antrags bei Abg. Dr. Arendt (fit.) u. Gen auf Annahme eines Gesetzentwurfs betreffend die Gewährung von Beihilfen an ehemalige Angehörige deS preußischen HeereS und der Marine, die an dem Kriege gegen Dänemark 1864 teilge­nommen haben.

§ 1 laute noch den Beschlössen der Kommission: „Die ehemaligen Angehörigen deS ReichSheeieSund der Marine vom Feldwebel abwärts, welche an dem Kriege gegen Dänemark 18(4 teil genommen haben, erhalten eine jährliche Beihilfe von 1 0 Mark, wenn fie unbe­scholten find und einschließlich der Reichsbeihilfe und der sonstigen Bezüge auS öffentlichen Mitteln weniger als 600 Mark Iahreseinkon men haben."

Abg. Stockmann (frk.) beantragt einen Zusatz, daß diese Bestimmung auch auf die Teilnehmer an früheren preußischen Feldzügen sowie auf die früheren Ange­hörigen der schlerwig-holstein'schen Armee ausgedehnt werden soll.

Der Antrag Arendt (frk.) wird mit dem Zusatzantrag Stockmann (frk.) mit großer Mehr­heit angenommen.

Ein Antrag auf Vertagung wird abgelehnt.

ES folgt die Interpellation Trimbor» (Z.) betreffend den Zeitpunkt der Jnkrafttretung der neuen Klasseneinteilung der Orte für die preußischen Empfänger von WohnungS- geldzuschüssen.

Abg. Dr Bachem IZ.sbegründet die Interpellation. Sowie beim Servikklaffcngesrtz der Reichstag unter Zustimmung der Regierung dem Gesetz für Wohnung-» geldzuschüffe für Reichsbeamte rückwirkende Kraft vom 1. April 1904 ab gegeben habe, so solle eS auch in Preußen fein.

Finanzminister Freiherr v. Rheinbaben gibt tut« wohlwollende Zusage.

Damit ist die Tagesordnung erledigt.

Nächste Sitzung: Dienstag 11 Uhr: Kleinere Vor­lagen sowie die Interpellation betreffend nochmalig« Untersuchung vonFleischindenstädtischenUntersuchungS- anfialten.

Schluß nach 5 Uhr.

Meine Küsse verschlossen ihr den süßen Mund. Dadurch ganz zufrieden g st^llt, entwand fir sich meinen Armen, trat lächelnd vor mich hin und fragte mit unschuldiger Mi^e:

„Gefalle ich Dir denn beute, mein liebe- Väterchen ?'

Ack, wie entzückend schön war fie in chrem Staat! Ihr Antlitz war verklärt von heiliger F eude; in ihre» frommen Augen leuchtete das fünfte Feuer der Gottes- und Nächstenliebe!

Gewiß hätte ich — entgegen allen pädagogische Regeln — meiner Bewunderung lauten Ausdruck ge­geben, wenn nicht eben G ockenton erschallt wäre. Man gab daS letzte Zeichen zum Beginn der Feier­lichkeit. Beim Erklingen keS Geläutes kehrte Ulrike fich eilig von mir weg. Ehe fie aus dem Zimmer schwebte, warf fie mir noch unter der Tür eine Kuß­hand zu. —

Die Pfarrkirche liegt nicht sehr weit von unserer Wohnung entfernt. Sie ist ein ziemlich geräumige- Gotteshaus Heute aber reichten ihre weiten Halle» nicht hin, die Schaden der Andächtigen zu fasse», die der Firmung wegen fich herbeidrängten.

Die Kirche war zum Erdrücken voll von Menschen. Trotz der noch kühlen Jchreszett herrschte in ihr in­folge deS Be sammenfeins so vieler, eng aneinander gepreßter Leute eine unangenehme Hitze. Die Luft war erfüllt vom schweren Duft unzähliger Blumen­kränze und Guirlandkn, vom Dunst deS Weihrauchs und vom Dampf der Wachskerzen, die man habet verbrannt hatte. D^s alles gab ein Gemisch von rn= definierbaren Gerüchen, denen man getrost jede Aehn- lidjteit mit Rule»wasser absprechen durste. Sie ruhten gleich einer Wo ke de äubender Stickluft über dir Versammlung —

Im Cbor brr Pfarrkirche batten d e Geistlichen, Mönche, Laienbrüd r und Nonnen Platz gesunden; ka8 ganze Schiff des Gebäudes mar den Firmlinge» Vorbehalten. Auf der Epistelseite standen die Knaben, auf der Evangelienseite die Mädchen in Reihen, hinter ihnen die Paten und Pttinnen. In den Betstühle» saßen, standen und knieten die übrigen Gläubige».

Fortsetzung folgt)