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Manatsbeilage: „fiuldaer Geschichtsblätter".
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vtitck «nb Verlag M fiuItaerZktienbniM in Zulba (harmoniqs Zernsprecher Nr 9.
Sulöa, Samstag, den 18. Juni 1904.
Jg 137.
31. Jahrgang.
ZweitesBlatt
Wochen-Rundschau.
(Nachdruck verboten.)
D F»lda, 18. Juni 1904.
Der drutsche Reichstag war in de» letzten Lagen noch einmal wieder brichlußsähig und so in der Lag», von seinem riesigen Pensum vor der Vertagung, die bevorsteht, »och einige- aufzuarbeiten. Da» Reblausgesetz fand eir-stimwige Annahme. Dagegen karr» das Münzgesetz al» gescheitert gelte», nach- dem der Reichstag auch tn hättet Lesung aus der A«»prägung von Dreimarkstücken bestanden hat. Die Regierung will nun riimisl keine neuen Taler ein- Mren. Die beiden afrikanische« Eisenbahnen find in zweiter Lesung angenommen. Das Gesetz über die Sausmann-ger-chte hat in zweiter Lesung eine Form erhalten, in der die Regierung es für annehmbar erklärt. Hoffentlich gelingt es den Bestrebungen der Zentrums, in dritter Lesung wenigstens den wichtigsten Bestandteil de» Gesetzes zu retten, um den kaufmännischen Angestellten die so dringend notwendige schnellere Rechtsprechung zu sichern. Ein zur Rettung der Vorlage eingebrcchter Kowpromißantrag, der die Kommisfiousbeschlüffe wieder beseitigen sollte, wurde öen dem Abg. Trtmborn mit überzeugenden Gründen »ttb gutem Humor verteidigt, von Freisinnigen, Sozialdemokraten und Antisemiten mit stolzen Phrasen bekämpft. Da das HauS schlecht besetzt war, gelang es in der zweiten Lesung, den Kompromißantrag zu Falle zu bringen. Dabei halfen auch Abgeordnete, die da» Gesetz überhaupt nicht wollen und ihr Ziel a« besten erreichen zu können glaubten, indem sie die von den Regierungen verworfenen Bestimmungen zur Annshme brachten.
Das preußische Abgeordnetenhaus hat da» AmtSgerichtSdirektoren-Gesetz endgiltig zu Grabe getragen und damit dem niederlagenreichen Justiz- Minister Schönstedt eine neue Niederlage bereitet. In erster Losung wurde die Vorlage wegen Erhöhung de» Kapitals der Seehandlung beraten. Sie fand bei der Mehrbeit günstige Aufnahme. Bei Beratung der Denkschrift über die Reisen von Regierungslom- miffarien zum Studium de» Standes der Gewerbe- sörderung teilte die Regierung auf Anfrage des Abg. Trimborn, der bekanntlich der Hauptanreger dieser Studienreisen gewesen ist, mit, daß in diesem Jahre die Gewerbkverhältniffe in den Bereinigten Staaten und im nächsten Jahre die in Belgien, Holland und Frankreich studiert werden sollen. In zweiter Lesung wurde das Wildschongesetz angenommen Anträge von Zentrumsmitkliedern, im Interesse der Landwirtschaft, die Schonzeiten zu ändern, fanden keine Mehrheit.
Die nationalliberale Fraktion des Abgeordnetenhauses hat, um Mißverständnisse und falsche Auffassung;» zu beteiligen, eine Resolution beschlossen, worin der Schulantrag verteidigt, dann aber so aus- gelegt wird, daß er das Gegenteil von dem bedeutet, wa» darin steht. Tie neue Resolution spricht sich im Prinzip für die Simultanschule aus.
Die Zustände in Saarabiea wurden durch einen Prozeß in Saarbrücken, der sich gegen einen sozialdemokratischen Flugblätteroerteilir richtete und eine Wiederholung oes Prozesses der Bergwerksdirektio» gegen den Redakteur der katholischen .Neunkircher Ztg.' darsiellte, grell beleiiätet Dem Verteidiger, Re!chrtag«abgeordneler Rechtsanwalt Heine gelang es, in zahlreichen Fällen darzutun, wie katholische Arbeiier von Beamien für ihre ZentrumSireue bestraft worden find. Neugierig darf man sein, wie lange die Regierung es noch duldet, daß ihre Beamten iu der hier zu Tage getretenen Weise Partei- Politik treiben Ist ihnen etwa alles erlaubt, wenn e® zugunsten der Nationalliberalen gesckiebt?
In Württemberg ist das Schulgesetz an dem Wideistande ter Ständekammer gescheitert. Tie Regierung wollt- nicht zugeste! en, daß die Schulaussicht tut Hauptamt lediglich von Geistlichen aukgeübt wird. Die N ltionalliberalen nehmen den Anlaß wahr, gegen die katholische Mehrheit der Stäodekammer Sturm zu laufen und gleichzeitig gegen den kathol.schen Thronfolger zu hegen. —In Baden teilte der Verkehrsminister mit, daß er ein» Betriebsmittelgemein- schaft der deuischen Eisenbahnen für notwendig halte, einer Eisenbohngemeinschaft mit Preußen, wie sie Hessen geschloffen bat, aber ablehnend gegenüberstehe.
In Baden hat der Minister v. Brauer bei der Beratung de» Eisenbahnetats in der Ersten Kammer die Erklärung abgegeben, Baden denke nicht daran, mit P-eußen in eine Eisenbahngemeinschalt einzutreten, wie die- Hessen getan habe. Eine BririebS- gemeiuschaft sei geboten, und in dieser Beziehung habe i» Frankfurt eine vertrauliche Besprechung staitge- funden. Weitere Schritte würden geprüft werden. Auch die Persomma-ifftage sei besprochen worden; hier lägen die Schwier-gleiten bei Baden, welches ungern das Krlomrierdeft aufhebe» wolle und die Einsührung der vierten Wagenklasse zurückweise. Preußen wird das Kilometerheft taohl nicht einsühren und die vierte Wagenklvffe wohl nicht oufgeben. Wenn auch immer wieder versichert wird, Preußen versuche in keiner Weise einen Druck auf die Einzel- ftaaten alszuüoen, um fi» zum Beitritt zu der prenßisch-htssischen Eisenbahngemkin schäft zu bewegen, so erscheint es dock immer fraglicher, ob diese sich aus die Dauer den Beitritt in ihrem eigenen Interesse werden entzi-hen können.
J.i Frankreich spielten in der Kammer „bie Millionen der Kalthäuser* eine grnße Rolle. Der sozialdemokratische Handelsminister Millerand erzählte von Best-chungSversuchen, die in der Karthäuserfrnge gemacht sei-n und die der Ministerpräsident strasto» habe durchgehen lasse». Die schuldige Person soll der jetzige französische AuSstellungSkommissar in St. Som» Lagreve sein. Die Karthäuser stehe» der Sache fern. Eine besondere Kommission wmde beauftragt, die ganze Angelegenheit zu untersuchen. Combes hat übrigen« ein neue» Jakobinergesetz vorgeschlagen. Er will den Richtelstond von „klerikalen* Elementen säubern. De« halb sollen 600 Stiebtet trotz ihrer gesetzlich festgelegte» Unabjetzbarkeit beiseite geschafft werden.
In der Türkei geht er Wieder, oder »och immer, recht bunt zu. Ein Teil der mazedonisch- bulgarischen „KomitatschiS" kann noch immer nicht zur Ruhe kommen. Allerlei Ausschreitungen werden bald hier bald da begangen. Auch mit Tynamit wird wieder „gearbeitet*. In einem Gepäckwagen de» Anschlußzuges der Orientbahn explodierte z. B. jüngst in der Station Strumitza eine Höllenmaschine, die ein Bulgare durch einen Juden soll eingeschmuggelt haben. Dte Komitatichi» erheben wieder gegen die türkische» Truppen den Vorwurf grausamer Aus- fchreitungeu. Bei dem gegenseitige» Mißtraue» zwischen Türke» und Bulgaren will die Zurücksührung geflüchtet-r Bulgaren in ihre mazedonische Heimat natürlich nicht^glatt von Statten gehen. In Armenien herrschen Unruhen. Nach türkischer Darstellung Wäre eine Revolution ouSgebrochen, die mit großer Anstrengung niedergeworsen werten müsse. Nach anderer Darstellung handelt es sich um eine neue Verfolgung der Armenier durch die Muhamedaver. In Serbien feierte man am Montag den Jahrestag der glorreichen Thronbesteiguna König PeierS.
Vom ostasiatischen Kriegsschauplätze kommen zwar fortgesetzt allerlet Nachrichten über Kämpfe, ober die wenigsten find zuverlässig. Wiederholte Meldungen von einer Seeschlacht bei Port Arthur, in der so und so viele Schiffe untergegangen sein sollten, haben sich nicht bestätigt; ebenso wenig Nachrichten von einem mißglückte» Sturm auf Port Arthur. Am 8. Juni erschien ein größeres japanische» Geschwader an der Westküste der Liautung- Halbinsel und bombardierte die russischen Stellungen bei Kaitschou und Seniatschvu, richteten aber keinen giößnen Schaden an. Niutschwang wurde von den Russen geräumt. Vorher sollen die Raffen bei Singhai 800 Mann verloren haben. In der Gegend von Föngwangtschöng haben wiederum mehrere Gefecht», namentlich auf der Straße nach Lianjang stattgefunden. Eine Nachricht von russischer Seite über das Vorrücken der russischen Truppen gegen die Joprner bei Fönghwangtschöng besagte am Schluß, daß die Russen sich vor den überlegenen japanischen Streitkräften zurückzögen. In der Tat scheinen es die Japaner zu fein, die aus verschiedenen Straßen wenn auch langsam vorrücken; am 7. Juni besetzten sie nach ziemlich lebhaften Gefechten Smmatfi im Norden und am 8. Juni Hfiuyen im Westen von Föngwangtschöng. Die Kosaken, die auf dem Wege »ach letzterer Stadt einen Paß besetzt hatten, wurden nach erbittertem Kampfe, in dem vor allem die Artillerie eine Rolle spielte, teil» mit Gewalt au» ihrer Stellung vertrieben, teils durch eine Umgehungsdewegung der Japaner zum Rückzüge genötigt.
Unpolitische Zeitkäufe.
(Nachdruck verboten.)
® Berlin, 16. Juni 1904.
Scheußliche Mordtaten, erschütternde Selbstmorde, furchtbare Ungtücksfälle und große Schadenfeuer. Das ist der Stoff für den lokalen und vermischten Teil der Zeitungen, und gerade jetzt, wo die sommerliche Herrlichkeit der Natur in üppiger Blüte steht, werden wir fort und fort zu unserm Entsetzen daran erinnert, daß die Erde ein Jammertal ist und trotz aller Kulturfortschritte dis zum jüngsten Tage ein Jammertal bleiben wird.
Morgen (am Freitag, den 17. Juni) findet das Automobil-Weltwettfahren um den Gordon- Bennet-Preis statt. Alle Kunst und Macht Haden sich vereint, um daraus ein großartiges Fest zu machen. Der Anfang wird auch gewiß lauter Pracht und Freude sein. Aber das Ende? Die Leser werden ja schon die Telegramme vorfinden. Ich fürchte sehr, daß die Sache nicht ohne schwere Ungtücksfälle aolaufen wird. Vorsorgltcherweise hat man ja auch längs der Bahn zahlreiche Hilfsstationen errichtet, wo Aerzte mit allen Hilfsmitteln zur schnellsten Fahrt an die Unglücksstätte bereit stehen. Wer gewinnen will, muß wagen; aber man hat doch de» Eindruck, daß bei diesem Wettrennen in höchster Eilzuggeschwindigkeit auf gewundenen Landstraßen zu viel gewagt wird, mehr als die Sache wert ist. — Nach meiner Ansicht sollte man ein internationales Gesetz für die ganze Kulturwelt machen, daß nur solche Kraftwagen gebaut werden dürfen, die nicht imstande sind, eine höhere Geschwindigkeit als etwa 50 Kilometer in der Stunde zu entwickeln. Wer durchaus schneller fahren will, mag sich einer Eisen- bah» Lokomotive bediene». Die roilb dahir- saufenden Automobile sind eine himmelschreiende
Belästigung und Gefährdung für das Volk, und das Volk hat wahrlich nicht nötig, unter dem Sport einiger wenigen Leute zu leiden, die ihr Geld und ihre Zeit an ganz unnütze Geschwindigkeits-Künste setzen wollen.
Gehen denn nicht schon genug Menschenleben verloren? Vom Kriege und feinen furchtbaren Opfern braucht man gar nicht zu sprechen; schon der gewöhnliche Verkehr bringt es auf dreistellige Verlustz'ffern. Herzzerreißend ist die frische Kunde von dem Schiffsbrand bei New-Aork. Ein Vergnügungsdampfer, der mit 1600 Personen besetzt war, meist Angehörige einer dortigen deutsch-eoangel. Gemeinde mit zahlreichen Kindern, geriet auf den Gewässern zwischen dortigen Riesenstädten in Flammen; die schlechten Einrichtungen und die Kopflosigkeit der Führung wirkten zusammen, um die Zahl der Opfer des Feuers und des Wassers auf wenigstens 1000 zu bringen. Welche Qual! welchen Jammer!
Man wird sagen, das sei auf die amerikanischen Verhältnisse zurückzv führen. Amerika sei das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, wo Sorglosigkeit und Willkür zu Hause seien usw. Ich halte es für töricht und gefährlich, wenn man in solchen Dingen Pharisäismus treibt und so tut, als ob bei uns derartiges gar nicht möglich wäre. Ueberfüllte Schiffe ohne gehörige Sicherheitsvorkehrungen gibt eS in Europa leider auch genug. Was haben wir z. B. nicht schon an über füllten Fähren erlebt! Auf unseren einheimischen Sewäffern mögen wohl keine Vergnügungs-Kolosse schwimmen, die gleich 1600 Personen aufnehmen. Aber wenn man mit einigen hundert Personen auf einem gefüllten Ausflugsdampfer fährt und sich fragt, was denn nun werden sollte, wenn plötzlich Flammen her- vorbrächen, und eine allgemeine Panik entstände und die einzige Rettungsmöglichkeit in dem Auslaufen an dem nächsten Ufer bestände — bann kann man wohl auch feine Haare zum Sträuben bringen. Berlin ist ja keine große Seestadt; aber auf der Spree und der Havel verkehren hier im Sommer zahlreiche Dampfer, auf denen sich für den Fall der Not nichts weiter befindet, als ein paar zweifelhafte Rettungsringe.
Die fürchterlichen Theaterbrände haben jedesmal Anlaß gegeben, die Sicherheitsvorkehrungen in den Schau- und Verfammlungshäufern zwangsweise zu verbessern. Ich möchte hoffe», daß die fürchterliche Katastrophe von New-Aork auch die Polizei und im Bedarfsfälle die Gesetzgebung veranlaßt, die Schiffe für den Personenverkehr auf unseren Binnengewässern einer schärferen Aufsicht zu unterstellen. Auf den Seeschiffen ist tatsächlich für die Sicherheit der Fahrgäste beffer gesorgt, als auf den Flußschiffen. Man denkt da, die Leute bleiben ja nur kurze Zeit aus dem Schiffe und letzteres ist stets in der Nähe des Landes. Le Erfahrung zeigt aber doch, daß auch bei Wem kleinen Ausflüge in der Nähe des Ufers die Mehrzahl der Schiffsinsaffen einem grausigen Tode geweiht sein können.__________
Was nun die Schadenfeuer auf bem Lande angeht, so haben wir in der Umgegend von Berlin große Waldbrände gehabt, und auf einem Bahnhofe in der Stadt eine riesige Feuersbrunst in aufgestapelten Schwellen. Dabei sind keine Menschen verbrannt, aber eine Reihe von Feuerwehrmänner durch die fürchterliche Hitze angesengt und durch die Gase in bedenklicher Weise vergiftet worden. Man nimmt an, daß die aus- fliegenden Funken der Lokomotive die Entzündungen herbeigeführt haben; das ist bei dieser argen Dürre sehr wahrscheinlich. Auf der Bahnstrecke, die ich kürzlich befahren mußte, sind die Böschungen an der Bahn fortlaufend mit Brandflecken bedeckt; die große Gefährlichkeit der Lokomotiv- Funken ist mit Händen zu greifen. Warum verlegen sich die Techniker, die so viel Luxus - Erfindungen machen, nicht auf die Herstellung eines brauchbaren Funkenfanges für die Lokomotiven? In den Zeiten großer Hitze und Dürre ist ja tatsächlich die ganze Nachbarschaft der Eisenbahn bei Tag und bei Nacht ihres Besitzes und teilweise auch ihres Lebens nicht sicher.
Wenn ich Eisen bahnminister wäre, würde ich aus allen Kräften auf eine Radikalkur hinarbeiten, d. h. auf die Einführung des elektrischen Betriebes. Nicht blos wegen der Feuerflcher- heit, sondern auch wegen der Gesundheit. Wenn wir hören, wie unsere Vorfahren in ganz engen und schmutzigen Straßen gelebt haben, so fragen wir erstaunt, wie die Leute damals die schlechte Luft vertcagen konnten. Unsere Nachkommen werden mit demselben Recht sich darüber w»ndern, daß wir die scheußliche Eisenbahnlust so lange mit Ergebenheit ertragen haben. An den heißen Sommertagen merkt man so recht, was für ein liebliches Gemisch von Staub, Ruß und Stein- kshlenoxyd man ia den Eisenbahnwagen schlucken
muß. Die Fenster find auf beiden Seiten auf; von der einen Seite schlägt der Wind den aufgewirbelten Staub hinein, von der anderen Seite kommt der Schwaden hereingekrochen, der von der Lokomotive ausgestoßen wird, wenn nicht gerade ein besonders günstiger Seltenwind weht, der an der einen Seite des eilenden Zuges sich entlang schlängelt. Man macht sich bei der Eisenbahnfahrt nicht blos die Hände und das Gesicht schmutzig, sondern auch die Lunge. Wer die gute Angewohnheit hat, bei geschloffenem Munde durch die Nase zu atmen, der soll bei einer Eisenbahnfahrt erst recht diese Vorsicht üben, und dann kann er zum Schluffe mal recht kräftig fein weißes Taschentuch gebrauchen. Dann wird er zu feinem Erstaunen sehen, welch eine Menge von schwarzem Unrat er eingeaimet hat.
Diese Mahnung zur Einführung des elektrische» Betriebes wird den Eisenbahnminister schwerlich gleich in Galopp bringen. Praktischer würde es schon fein, wenn wir uns selber klar machen, was wir angesichts der erhöhten Feuersgefahr im Sommer zu tun und zu lassen haben. Die Wälder und das sonstige leicht entzündliche Holz sind nicht blos auf Lokomoiivfunken, sondern auch durch weggeworsene glimmende Zigarrenendchen und Streichhölzer gefährdet. Damit ist mit Recht das Rauche» in den Wäldern verbeten. Die Spaziergänger sollten allzumal dieses Verbot respektieren, und niemand sollte sich für einen solchen Ausbund von Vorsicht halten, daß er für seine werte Person eine Ausnahme machen dürfe. Auch wenn du selbst genügend vorsichtig wärest, so würdest du durch dein schlechtes Beispiel andere zum gefährlichen Spiel mit Feuer verlocken.
Uebrigens darf man die erwähnten Vorsichtsmaßregeln durchaus nicht auf den sommerlichen Wald beschränken. Das Wegwerfen von Streich- holzresten sofort nach dem Gebrauch hat schon manchen verhängnisvollen Hausbrand entfacht. Man sollte sich selbst und besonders auch den Kindern zur strengen Regel machen, daß ein gebrauchtes Streichholz niemals auf den Fußboden oder in de» Kohlenkasten rc., sondern immer nur in ein dazu bestimmtes feuersicheres Behältnis geworfen werde, und daß man überall da, wo kein solches Behältnis vorhanden ist, also namentlich im Freien, das gebrauchte Streichholz erst ausbläst und dann so lange in den Fingern hält, bis es vollständig tot ist und auch daS Glimmen in der Zündkuppe vollständig aufgehört hat. Am besten ist es, in einem solchen Falle das Streichbolz mit den Fingern gründlich auszudrücken; die kleine Schwärzung ist leicht zu beseitigen.
Diese Tage war ich in der Zentrale für Spiritusverwertung und erfuhr dorr, daß der Gebrauch von Spirituskocher», Spirituslampen und Spiritusbügeleisen fortwährend stark zunimmt. Das ist sehr schön; aber der Brenn- fpirituS ist ein feuergefährliches Ding, das mit Vorsicht behandelt sein will. Je mehr er gebraucht wird, desto eindringlicher muß man die Mahnungen wiederholen: Niemals aufgießen, wenn eine offene Flamme ober ein Feuer in der Nähe ist! Mil besonderer Vorsicht ist das Umfallen der Apparate verhüten: den Vorrat an einer Stelle aufbewahren, wo kein Feuer und keine Hitze herankommen kann! Immer gut verkorkt oder sonst sicher geschlossen halten! Wer klug ist, der gießt nicht einfach aus dem vollen Halse der Flasche rach, sondern beschafft sich einen Eingußpsropfen mit Röhrchen, der das gefährliche Uebergießen einschränkt (ich glaube, er kostet 20 Pf ). Und sollte es doch ein Unglück geben und vielleicht gar die Kleider in Brand geraten, bann nicht wahnsinnig taufen, sondern gleich das Feuer zu ersticken suchen durch Decken, Hinwerfen, Wälzen:c. Namentlich die Frauen mfiffen vorher sich klar gemacht haben, was sie in der Not tun sollen.
Konfumoereine und DetaMsten.
VI. (Schluß.)
Sein Urteil über den Wert der Einrichtung faßt der Bericht des Magdeburger Rabattsparvereins in die recht bemerkenswerten Worte: „Der vorliegende Bericht ist wohl geeignet, Zeugnis dafür abzulece», daß die Mahnung an den geschäftstreibenden Mittelstand, er möge sich selbst zu helfen versuchen, eine tiefberichtigte ist. Mit Genugtuung blicken wir auf dar beendete Geschäftsjahr zurück, und dürfen es offen aussprechen, daß die Ergebnisse unsere anfänglichen Wartungen bei weitem übertroffen haben.*
Schon die vorhin kurz zusamrnengefoßten Vorteile der Rabattsparvereine zeige», daß diese nicht nur in der Steigerung des Umsatzes und gleichzeitigen Schnöchung der Konsumvereine und ähulicher Großgeschäste beruhen. Ein sehr wesent»