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31. Jahrgang,

zuwa, Samstag, den 11. Juni 1904.

Deutsches Reich. i1

Berlin, den 10. Juni 1904. :

* Die„Unentwegtheit"standimReichs« j tage heute einmal wieder auf der Tagesordnung, j Für diese läßt sich mit Worten rresfiich streiten, j Man kann so schön reden von „ManneZmut", I „Prinzipienfestigkeit", „Standhaftigkeit" usw. und ! dem Gegner „SchwLche",„Zaghaftigkeit",„Krikchen unter das Caudinische Joch" vorhalten. Graf PosadowSky hatte gestern mit aller Deutlichkeit erklärt, daß das Gesetz über die Kauf-! maunsgerichte fallen werde, wenn der! Reichstag an den Kommissionsbeschlüffen sest- halte, die den Frauen das aktive Wahl- j recht erteilen und die Altersgrenze für daS passive Wahlrecht vom 30. auf das 25 und für das aktive vom 25 auf das 21. Lebensjahr herabsetzen wollen. Um das Gesetz nicht scheitern zu lasten, war ein Kompromißantrag em- gebracht worden, der die Regierungsvorlage wieder- herstellen^ wollte. Dieser Antrag wurde heute von freisinniger und antisemitischer Seite mit den „unentwegten" Tapferkeitsreden lebhaft an- gegristeo; die Verteidigung blieb ausschb blich dem Abg. Trimborn überlasten. Er erwies sich zwar an Witz und Schlagfertigkeit seinen Gegnern, auch dem scherzenden Abg. Träger über­legen und hatte auch die stärkeren sachlichen Gründe auf seiner Seite, allein nichtdieMebr- heit der Stimmen. Mit Hilfe bei Anti­semiten setzten es nämlich die Freisinnigen und Sozialdemokraten durch, daß überall die Kom- missisnsbefchlüffs aufrecht erhalten wurden. Die Mehrheit war freilich sehr knapp und si-l nur | deshalb der Linken zu, weil das Haus in allen | Teilen sehr schwach besetzt war. In der dritten Lesung können die heutigen Beschlüsse mit Leichtigkeit wieder umge stoßen werden. Nur wirs bk Linke das anscheinend bei beschlutz- unfätzigem Hause nicht geschehen lasten. Setzen die „Unentwegten" ihren Willen durch, so haben die Handlungsgehilfen und Gehilsinnen keines­wegs Grund, ihnen dankbar zu sein. Denn daS ist sicher: fällt das Gesetz jetzt, so wird es sobald nicht wiederkehren. Man weiß ja, mit welchen Schwierigkeiten es bereits im Bundesrate zu kämpfen gehabt hat. An die dewnächstiae Einbringung eines neuen Gesetzes, daS die von der Regierung verworfenen Rom« missumsbeschlüffe enthält, ist unter keinen Umständen zu denken. Der „Erfolg" ist also lediglich, daß den Handlungsangeftelllen ein Gesetz vorenthalten wird, nachdem sie schon lange verlangt haben. Allem Anschein nach

waren unter den freisinnigen Vertretern der Komm-ssionSbeschlüffe verschiedene heimliche Gegner der Vorlage, die sie durch die Annahme dieser Beschlüsse zu Falle bringen wollten. Sicher war

bekämpfen den Kompromißantrag und tadeln di Haltung des Zentrums in dieser Frage.

Abg. Trimborn (Ztr.) vertritt noch einmal sein heutige Behauptung, daß die Aigg. Dove und Mulle' Meiningen Gegner des Gesetzes seien. Die Diskusfioi schließt. Der sozialdemokratisch-freisinnige Antrag wird abgelehnt, ebenso der Kom-

die eine Art Orderwkteid trug und würdevoll zwischm zwei größeren Mädchen einherwanderte.

Ich freute mich über dar gute Aussehen der Kin­der und über die harmlose Lebenslust, die aus ihren lachenden Gesichtern strahlte. Sie befanden sich ohne Zweifel in einem Heim, in welchem sie weder Mangel an leiblicher Pflege, noch an Büdung des Geister und Herzens litten. Unwillkürlich betrachtete ich das alte Haus, dar sie behergte, etwas näher. Da durch­zuckte mich's plötzlich gleich eir.em elektrischen Schlag Denn die Front des Gebäudes trug die weithin । fichrbare Aufschrift: „Erziehungsanstalt für verwahr­loste Mädchen." . , _ a,.tu.

War dar nicht ein Fingerzeig von oben? Führte mich vielleicht eine höhere Fügung, ein göttliches Walten ohne mein Zutun diesen Weg, um mir ein Asyl zu zeigen, wie ich für Renata ein besseres mcht i wünschen konnte? Wenn eS wir gelang, sie in dieser Anstalt unterzubringen, wie schnell hatten sich dann I alle Schwierigkeiten gelöst» DaS arme Kind besaß | sür die Zeit, wo die Behörden nach rhrer Heimat I forschten, eine passende Unterkunst, sie befand sich unter gleichalterigen Genoffmnen, und wenn sie nut diesen auch nicht italienisch reden konnte, so hatte das gleichwohl d-n Nutzen für fie, daß fie notgedrungene Fortschritte in der deutschen Sprache machen mutzte. Der Hanptvorteil aber lag auf meiner Seite: Renata war vorläufig versorgt, und ich brauchte mich, wie der Konsul fich ausgedrückt hatte, — nicht langer mir ihr h rumzuschleppen. _

Darum bedurfte ich keines langen Besinnens. In wenigen Minuten stand ich vor der Hausmutter der Anstalt, trog ihr die Geschichte der Kleinen vor und bat sie, derselben Aufnahme in dem von ihr geleiteten Ko: Vitt zu gewahren.

Sie zeigte fich nicht abgeneigt.

Doch habe ich Sie auf einrS aufmerksam zu wachen, mein Herr!" sagte fie im Lause der Unter« rtduug. „Unsere Anstatt bezieht die Mittel zu ihrer I Existenz allerdings zum Teil auS den Zinsen von

ein iolch^'K^r 'der nationalliberale Abg. < Dr. (Mer. der sogar für den sozmst'emo- I krattschen Antrag stimmte, der: Fsau^n auch das passive Wahlrecht zu gewähre. Uebrigens wußte i nach Beendigung der umständlichen »dstrmmusg I ein großer, vielleicht der gt ößte Tn! der Adge< ordneten -etbst nicht, waS denn nun eigentlich beschlosst wordrn fei. .

* Die protestantische j

unter d-n Katholiken, wie sie die „Gesell- jellsch ist zur Verbreitung des Eoangeliums be­treibt, war bekanntlich jüngst in der ,?ost ver­urteilt worden. Der Vorsitzende d-s Berlm- Brandenburgischen Zweigverru.s der Gesellschaft, Professor Schultze, sendet nun dem Blatt eme Zuschrift, die er „Richtigstellung" nennt. Er i stellt darin tatsächlich nichts richtig, sondern sucht nur zu bestreiten, daß die Gesellschaft Propa­ganda treibe und die Katholiken von ihrem Glauben abwendig zu machen suche, indem er für diese Dinge allerlei andere Worte gebraucht, die sachlich dasselbe bedeuten. Die .Post' hatte mit Bezugnahme auf Aeußerungen auf der i lctzlen Versammlung der Gesellschaft gesagt, ' damit werde der gleiche Standpunkt eingenommen, j von dem aus die katholische Kirche die allein­seligmachende zu sein behaupte. Herr Schultze entgegnet, auf der Versammlung sei aus d?r Mitte der Vorstandes erklärt worden, man be­haupte keineswegs, daß die evangelische Kirche

I das Kleinod ohne Fehl und Tadel sei, das man unter allen Umständen annehmerr und sich zu | eigen machen müsse. „Unser Schatz ist einfach j

I ba§ Wort des lebendigen Gottes, das Eoan- j gelium, das Gr uns anertraut hat. Das müsien wir denen bringen, die es noch nicht haben, selbstverständlich zuerst Lea Ungläubigen bei uns. dann aber auch den Suchenden rnter den Katholiken. Solange man nicht nachweist, daß die katholische Kftche, z B. hier in Berlin, in' genügender Weise die Kenntnis dts Wortes Gottes Verbreiter, durch Bibelstunden, Bibel­gesellschaften, Bibelkolporreure und bergt., müssen wir unsererseits den strikten Befehl zu erfüllen suchen, der uns gegeben ist: „Predigt das Eiüngelium aller Kreatur!" Wer demgegen­über den Vorwurf aufrecht erhalten wolle, daß dadurch jemand in feinem hergebrachten Glauben irre gemacht werden könnte, der mflffe nicht nur die reformatorische Tätigkeit Luthers, sondern auch die gesamte moderne Denk-, Rede- und Preß­freiheit verurteilen. Jedenfalls gäbe es unzählige Katholiken, die längst mit ihrer Kirche gebrochen hätten und nun ohne religiösen Halt verkommen

. müßten, wenn ihnen nicht der feste Halt der evangelischen Wahrheit dargeboten weroe. Dis : Post' hält demgegenüber ihre Ausführungen auf- recht. Sie kenn keinen Unterschied darin finden, Ernenn man den Katholiken „das Evangelium . bringen" will und wenn man „Propaganda" treibt. Und wenn es fich die Eoangkltsstions- Gesellschaft nach ihren Satzungen zur Aufgabe macht, „jeden Evangelischen mit dem Bewußtsein seiner Mitverantwortlichkeit für das Seelenheil der katholischen Brüder und Schwestern zu durch­dringen", so nehmen sie damit einen Standpunkt

promißantrag. _ . ..

§ 11 -Proportionalwahlrecht) rmrb ohne Debatte angenommen, eeenso § 18 nno 14.

Bei § 15 beantragen die Sozialdemokraten die BerufungSsumme von 300 auf 500 Mk. zu erhöhen.

Abg. Müller-Meiningen (fr. Bp.) beantragt, »ach der Regierungsvorlage Rechtsanwälte bei den Kauf» mannsgerichten zuzulaffrn, ebenso der

Abg. Jtschrrt (Ztr.), aber nur der Streitigkeiten aus der Konkurrinzklausel und auS besonderen wichtigen Gründen. Redner begründet seinen Antrag.

Abg. LiPinSki (sozd.) begründet den Antrag ferner

Lachmann (wutsch. Bgg.) spricht sich für den sozialdemokratischen Antrag und gegen der Anträge Müller.Meiningen und Jlschert.

Nach weiterer unwrsenil.cher Debatte wurden tne Kommisfionsbeschlüfse unverändert angenommen, ebenso die S 16 und 17.

s 18, welcher bestimmt, daß die Vorschriften des Gewerbegerichtsgesetzes über Bildung von Vergleichs« kammern oder Brrgleichsämtern auf die Kaufmanns- aerichte sinngemäße Anwendung finden sollen, wird in einer vom Abg. Trimborn (Ztr.) beantragten | Fassung angenommen, ebenso der Rest des Gesetzes.

Sierauf vertagt sich das Haus.

amstag 1 Uhr: Wahlprüfungen und Petitionen. I Schluß >/-6 Uhr.

Stiftm-gSkapitalien, sowie aus Zuwendungen von Wohltätern. Allein dieselben reichen nicht aus zur vollständigen Deckung aller Auslagen. AuS diesem Grur.de müsien entweder die Gemeinden, die uns Kinder zur Erziehung anvertrauen, oder die Angehörigen der < letzteren Geld-uschüsie für den U nterhalt der Zöglinge leisten. Smd dieselben auch nur gering, so können wir doch unmöglich darauf verzichten Wenn ich Sie nun richtig verstanden habe, ist dieses heimatlose Kind auch mittellos und besitzt hier zu Lande weder Fa­milienangehörige, noch andere unterhaltungspflichtige Personen, an die wir uns wegen Zahlung deS Er- zikhungsbeittages wenden könnten. Daß der Italic- Nische Konsul nichts für die Kleine tut, haben Sie bereits erfahren; ebensowenig leistet die Polizei einen Geldzuschuß für dieselbe. Ich fürchte, mein Herr, daß die Ausnahme des Mädchens an diesem Umstand

i scheitern wird."

Schon als ich das HauS betrat, hatte ich mir I vorgenommen, nötigen FalleS ein Opfer zu bringen, vorausgesetzt, daß es meine bescheidenen Mittel nicht übersteigen würde.

So fragte ich denn entschlossen:

„Wie hoch beläuft fich der Beitrag, der jeweilen für ein Kind verlangt wird?"

„Fünfzehn Mar! monatlich. Sie werden zuqestehen, daß er schon sehr niedrig bemeffen ist; es treffen auf den Tag nur fünfzehn Pfennig."

„Genügt is, wenn ich eine Zahlung für zwei Monate im Borans entrichte?"

„Vollkommen."

„Sollten die Nachforschungen nach Renatas Hnmat bis dorthin noch zu keinem Ergebnis geführt naben, so bin ich bereit, den ErziehungSzuschuß noch sür kurze Zeir Wetter zu bcstretten. Ich übergebe Ihnen zu dieiem Zwecke hiermit meine Adreffe und ersuche Sie, sich gegebevensalles briiflich an mich zu wenden."

„Ich danke, mein Herr! — Doch tote steht es I mit der Leibwäsche der Kleinen? So, wie fie geht ! und steht, ist cs doch wcht möglich, sie auszunchmen."

*, beschlösse find materiell durchaus gerechtfertigt. Wenn wir aber der Kommission folgen würden, fo wurde die ganze Vorlage fallen, deshalb habe ich gestern gesagt: „Lehnen Sie ab, was die Kommission beschloffen hat. Die Äbag. Müller Meiningin und Dove können leicht den tapferen Anwalt der Frauen spielen, da sie in» Herzen Gegner der ganzen Vorlage find, wie sie in der Kommisston und auf dem deutschen HanbeiStage gezeigt haben. Der Kompromißantrag bedeutet allerdings Konzessionen gegenüber den Verbündeten Regierungen, aber auch diese hat Konzessionen gemacht. Der StaatS- sekietär har sich klar ausgesprochen: Wenn die Rom» missionsbeschlüfle in diesen Punkten mcht beseitigt werden, fällt die ganz« Vorlage. Und ich me.ne: Fällt daS Gesetz jetzt, dann werden wir es wahr­scheinlich nie wieder bekommen. Es werden aber auch die kaufmännischen Gehilfinnen das Gesetz für einen

ein, der fich von dem Anspruch der römisch- katholischen Kirche, „die allein seligmachende" zu sein, in nichts mehr unterscheidet.

* Der N.chtragsetat für Sudweft- afrika soll nach dem ,Berl. Tagebl.' anfangs nächster Woche an den Reichstag gelangen. Im Reichstage war heute das Gerücht verbreitet, in der nächsten Woche werde der Schluß der Session, nicht die Vertagung erfolgen. Die Wahrheit dieses Gerüchtes wurde aber bestritten. Anscheinend ist noch nichts entschieden.

* Im Monat April d. Is. ftnb auf

deutschen leisen! ahn en ausschliefili^ et . ctg uuiTBiainiiiajtn usegupniien wh'? i“" —

bäuerischen und der Bahnen Mit weniger ats Fortschritt halten, wenn sie auch nicht alles auf dem 50 km Berriebslänge — 17 Entgleisungen Gebiete deS Wahlrechts erreicht baden. Die Zukunft auf freier Bahn (oavon 12 bei Personenzügen), wird es lehren daß unser Weg der richtige ist. (Lebh. W Entgleisungen in Stationen (oa°on keine bei afstat^^tretä“®taf Posadowöky: Ich ka»n die Personenzügtn), 1 Zusammenstoß auf freier yngr^e aUf das Kompromiß nicht veistehen. Die Re. Rahn (bei Güterzügen) und 6 Zusammenstöße in Gerung hat doch auch in nnz- luen Punkten nach. S»,i°°.n 2 d-i P.,s°»-Nj«g<r> M<b«.

kommen. Dabet wurde eine fremoe Person ge- W bte At \0 ^r die wiiblichen HandlungS- tötet, 1 Reifender und 4 Bahnbedienftetrn ver-1 ’eMifinJ,en eintüttn, für diese erreicht V Ich bitte S», wenn Sie wirklich den Volkskreisen, für tue das Gesetz

* ®»t Staatsanzeiger' veröffentlicht jetzt das gemacht wird, helfen wollen, das Kompromiß anzu Gesetz, betreffend die Weckselprotestftuuden. nehm»^ Lipinski (sozd.), Böckler (A«tis.s Danach dürfen Wechselproteste nur von 9 Uhr $01)C (.r Vug.) und Dr. Müller-Meiningen (fr. Bp vormittags dis 6 Uhr abends, zu einer früheren - - “ --------------

ober späteren Tageszeit über nur mit Ein­willigung des Protestaten erhoben werden. Die Einwilligung muß ausdrücklich erklärt sein: fie ist in dem Protest zu beurkunden.

Ohne plan und Ziel. |

Roman von I. Bai erlern.

22 ------ (Nachdruck Verbote» )

(Fortsetzung aus dem zwetten Blatt.)

Ich stellte mir vor, wie man die Kleine, die bisher stets in freier Luft lebte und wie ein Vöglein fingend utb trillernd durch Gottes schöne, weite Welt flatterte, in eire dumpf lick!lose Keuche sperrte, — wie fie keine gleichalterige Gesellschaft hätte, ja r-cht einmal eine solche, mit der fie sich in ihrer Soroche unterhalten konnte, — wie des seiner Freiheit b-raubte Kind an Leib und Seele verkümmerte und woarend der langen Wochen, welche oie Feststellung bei Heimat und StaatsangeLöriükett notwendig in Ar prnch nahm, unter tausend Seelee quälen hinfiechte. Um kam ick zum Schluffe: nein, die Polizei soll! mr -ie Renata nicht bekommen, werigstenS nicht ihre Pe-son wenn fie fick auch mit ihren Angelegenheiten beschäftigen muß. Die Polizei hat viel zu rauhe Hände, um ein solches Kind zu pflegen, und kann daS nicht bieten, wonach die Berlaffene am sehnsuch- tigsten begehrt, die werktätige Lieve.

Aber wenn nicht zur Polizei, wohin dann mit der Kleinen? Wo finde ich eine paffende Unterkunft f Während ich sinnend und grübelnd, mtt Renate an der Hrvd, obn- viel auf den Weg zu achten, durch die Straßen hinschlenderte, wurden unsere schritte durch einen Zug paarweise marschierender Mädchen aehemmt, die aus einem altertümlichen, hochgiedeligeu Gebäude herauskamrn und lebhaft plaudernd, lachend urch seherzevd, jedoch in guter Ordnung, uns ent- aeoentrtppetten

Es mochten ungefähr zwei Dutzend Mädchen sein, m»d ick hielt dieselben sür Zöglinge einer JnstttMS, die ihren täglichen Spaziergang wacht«', umsomehr, de ich in der letz'eu Reihe eine «usichrrin wahrnahw,

95. Sitzung vom 10. Juni 1904.

Eröffnung 1*1* Uhr. — Fortsetzung der zweiten Beratung des Gesetzentwurfs betr. Kaufmannsgerichte.

In § 9a hat die Kommission die Altersgrenze sur, das passive Wahlrecht vom 30. auf das 25. Lebensjahr herabgesetzt und beschloffen, den Frauen das passive Wahlrecht nicht zuzugestehen.

In 8 12 hat die Kommission die Altersgrenze für das pasfive Wahlrecht vom 30. auf das 25. Lebensjahr herabgesetzt und beschloffen, den Frauen das pasfive Wahlrecht nicht zuzugestehen.

In § 12 hat die Kommission die Altersgrenze für daS aktive Wahlrecht vom 25. auf das 21. Jahr herab- ] gesetzt und es, im Gegensatz zur Regierungsvorlage, auch den Frauen zugebilligt.

Ein Kompromißantrag Beck-Heidelberg (natl.) — Henning (kous.) — Trimborn (Ztr.) will in den ge­nannten Puniteii die Regierungsvorlage wiederher- j stellen, während die

! Abgg Auer u. Gen. (sozd.) und Dr. Müller- Meiningen (fr. Bp.) beantragen, den Frauen auch das passioe Wahlrecht zu gewähren.

I Abg. Träger (.fr. Bo.): Die Versagung des Stimm­rechtes sei eine Ungerechtigkeit gegen die Frauen, da i/5 bis ’/« der Handlungkgehilfen weiblichen Geschlechts ! seien, ja die weiblichen Handlungsgehilfen in manchen Branchen die Mehrheit hätten. Der Widerstand ein­zelner laufmännischer Vereine gegen die Gewährung des Frauenstimmrechts hat seinen Grund in Konkurrenz­neid und Konkurrenzsurcht- Deutschland sei auf diesem Gebiete in höchstem Grade rückständig.

Abg. Trimborn (Zentrum): Der Abg. Trager hat den Versuch gemacht, mich vollständig zu vernichten; aber es isi ihm wohl nicht gelungen. Die Kommisfions-

Avgeorduerenhans.

79. Sitzung oom 10. Juni 1904.

Eröffnung: 2'/« Uhr.

Die Vorlage bett, die Aenderung der preußischen Grenze zwischen Braunschweig unv der Provinz Han­nover wird nach kurzer Debatte der Lgrarkommrssion

Wie segnete ick in tiefster Seele die msid!ätige Müllerin, die dmck ibr Geschenk auch diesen Sieii des Anstoßes aus dem Wege geräumt hatie. Sons hätte ich noch einmal in den Beutel greifen und aud für die Ausstattung der Italienerin auffommv müssen. Nun konnte ih aber getrost die Auskunft geben, daß Renata nicht nur einen zweiien Anzug, sINdern auch Leibwäsche in genügender Menge besaß, um für zwei Monate ru?zureichen.

„Dann ist nur noch ein Punkt zu erledigen, fuhr die Hausmutter in ihren Auseinandersetzungen fort. „Wir sind verpflichtet, der Polizei Nachricht von der Aufnahme dicses fremden Mädchen? au geben, umsomehr, da fie ocne die geringsten Arsweis- schriften in unserer Anstalt untergebracht werden soll."

„Ich erbiete mich, dieses Geschäft selbst zu be­sorgen und Ihnen eine B scheinigung darüber einzu- i händigen," sagte ich. „Renata muß mich ohnehin i aufs Amt begleiten, damit sie sich dort vorstelle." —

Vor dem Polizeirat erzählte ich die Geschichte des Jtalienermädchens heute schon zum dritten male. Zuerst hatte sie der Konsul anhören muffen, dann die Hausmutter der Erziehungsanstalt; jetzt beglückt^ ich damit den Polizeibeamten.

Allein der Letztere zeigte fich nicht sehr erbaut davon, benahm sich vielmehr gegen mich wie eb bärbeißiger Wüterich.

„Herr!" fuhr er mich -m, „wer hat Ihnen besohle- eine so kolossale Dummheit zu machen? Hätten Li daS braunr Ding sortgejazt, als es Ihnen auf offene Landstraße begegnete, so hätten Sie fich selbst unk der Polizei eine Mei ge Sckeerercien erspart. ES ist doch unerhört, mit nickt? dir nichts ein fremdes Kind avfzvpscken, nur damit die Behörden noch mchr Arbeit bekommen. Jetzt dars ich nach allen vier Himmelsrichtungen hiuaurschreiben, bis festgestellt ist, wo dar Mädel die Heimat hat. WaS ist Ihnen denn durch den Kopf ge ähren, daß Sie ein so hirnver«

I brannte? Hirichauerstückl gemacht haben?"

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