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Küda, Donnerstag, den 9. Juni 1904.
31. Jahrgang.
Berlin, den 8. Juni 1904.
V ** Nachdem die Haudelsvertragsver- haudluugen mit Rußland längere Zeil unterbrochen gewesen waren, sind, wie die,Post' meldet, jetzt zwischen der deutschen und russischen Regierung Erklärungen gewechselt worden, um die Aufnahme der noch ausständigen mündlichen Schlußverhandlungen zu ermöglichen. ES stehe zu hoffen, daß der Zusammentritt der beiderseitigen Kommissare in Petersburg in Kürze erfolgen werde und daß dann die Verhandlungen dort ihre endgiltige Erledigung finden werden. Das Gleiche meldet die offiziöse ,Südd. Retchskorrespondenz'. Ferner berichtet die Petersburger.Birsbewiga Wjedomsti', daß die Sei Handlungen über den deutsch- russischen Handelsvertrag in beschleunigtem Tempo geführt werden, und daß in den prinzipiellen Hauptfragen volle Einigkeit erzielt worden sei. Es heiße, Deutschland habe wesentliche Zugeständniffe gemacht, welche Rußland die wirkliche, nicht nur eine angebliche Oeffnung der Grenze für die Produkte der russischen Viehzucht verbürgen.
* Die Standeserhöhrrrrgen waren nach einer Zusammenstellung der ,Voff. Zig.' im Jahre 1903 tu Preußen nicht sehr zahlreich. Der freiherrliche Trtel ist zweimal verliehen worden, den Adelstitel haben 8 Personen erhalten, gegen 14 im Jahre zuvor, 46 im Jahre 1901, 43 im Jahre 1900. Dagegen war die Zahl der Ordensverleihungen in Preußen größer als in einem der Vorjahre und übertraf selbst noch die Zahl des Jahres 1901, in dem die 200jährige Jubelfeier Preußens und die ostasiatische Expedition auf die Verleihung fördernd eingkwirkt haben. Es find 14,258 Orden verliehen worden gegen 12,008 im Jahre zuvor. Außerdem ist 317 Preußen die Genehmigung zur Annahme ausländischer Orden erteilt worden.
§ In der Wandelhalle des Reichstages ist ein großes Gemälde von G. Waltenberger aufgestellt. Es zeigt den Reichstag während einer Rede des Reichskanzlers Grafen Bülow. Doch ist es keineswegs ein Abbild der Wirklichkeit. Der Maler hat sich vielmehr die bekannten Abgeordneten und einige der bekannten Bundesrats-Mitglieder herausgesucht und diese auf der Bundesrats-Estrade, sowie auf den Bänken des Saales so gruppiert, wie sie in der Wirklichkeit niemals im Saale verteilt sind. Die weniger oder gar nicht bekannten Abgeordneten find einfach nicht vorhanden. Wir wollen das indessen nicht tadeln. Es ist ganz natürlich, daß der Maler die hervorragenden Parlamentarier sich ausgesucht hat, zumal da er den Wunsch hegt, der Reichstag möge das Bild erwerben; der Preis soll etwa 6000 *>. betragen. Vielleicht greifen die Ab konterfeiten aus Dankbarkeit für die Ehre, so gut getroffen und „verewigt" zu sein, in die Tasche. Uebrigens handelt es sich nicht um den Reichstag von heute, sondern um den von 1900 oder 1901.
Es find auch die bereits verstorbenen Abgeordneten Dr. Lieber und Rickert, sowie der frühere Reichs-Schatzsekretär Freiherr v. Thiel- mann und der ftühereVizepräsidentDr. v. gteg'e abgebildet.
?? In den ,Prcuß. Jahrb.' macht Bank- direktor Delbrück darauf aufmerksam, daß die privaten Versicherungs-Unternehmungen in Deutschland 1901 eine Prämie«ei«nahme vo« 615 Millionen Mark bezogen und nahezu 200 Millionen Mk. ihren PrämienrLcklagen zuführen. Nur 40 Millionen Mk. indessen waren in deutschen Staatspapieren angelegt. Fast die ganze Rücklage (über 2 Milliarden Mark) war als Hypotheken ausgeliehen. Die englischen Gesellschaften besitzen etwa das Vierfache von dem der deutschen Gesellschaften in eigenen Staatspapieren. Wenn die deutschen Versicherungsgesellschaften größere Posten an Konsols und Reichsanleihen erwerben müßten, würde das auf den Kurs der Reichs, und Staatspapiere entschieden günstig einwirken.
(::) Der Taler wird seine Freunde in erheblich stärkerer Anzahl mobil machen müffen, wenn es ihm gelingen soll, sich als Dreimarkstück in unser Mürzsystem hinüber;uretten. Es gerügt nicht, daß fie im Reichstage ein paar Mann mehr sind als seine Gegner, sie müffen sich so zahlreich einstellen, daß noch einmal ein beschlußfähiges Haus zusammengebracht wird. Heute gelang es bei recht bescheidener Besetzung ja noch, den Kommisfionsantrag, der die Ausprägung von Dreimarkstücken fordert, in zweiter Lesung durchzusetzen. Von freisinniger Seite aber wurde bereits angekündigt, daß man in der dritten Lesung einen gleichen Beschluß nur einem beschlußfähigen Hause gestatten werde. Als erster nahm sich heute des Talers der bayerische Zentrumsabgeordnete Hauptzollamtsoffizial Osel an, der verficherte, daß er sich in Süddeutschland, besonders in Bayern großer Sympathieen erfreue, und dem Einwand, daß er nicht in das Dezimalsystem paffe, keine Bedeutung beizulegen vermochte. Dagegen behauptete der bayerische Bundesratsbevollmächtigte Ministerialdirektor von Burchhardt ebenso zuversichtlich, daß von den bayerischen Sympathien für den Taler „amtlich nichts bekannt" sei und ein Bedürfnis nach ihm erfahrungsgemäß nicht vorliege. Zur Verteidigung des Talers nahmen noch das Wort die Abgg. Kirsch (Ztr.), Raab (Ant), Dr. Arendt (Rp.) und Bertling (natl.). Dagegen fochten die freisinnigen Herren Pachnicke, Gothein und Sartorius mit einer Leidenschaft und einem Heldenmut gegen ihn, als müßten sie das Vaterland gegen die Einführung des Bimetallis- mus verteidigen. Offenbar ist ihnen der Taler in erster Linie deshalb so verhaßt, weil also Bimetallisten für ihn eintreten und weil sie fürchten, ein kleiner Erfolg könne diese immer begehrlicher machen. Es ist sonst wirklich nicht abzusehen, weshalb sie sich wegen einer so harmlosen Angelegenheit aufregen. Vorläufig siegten, wie gesagt, die stärkeren Bataillone ibeS Talers. Nachdem noch eine Resolution des freisinnigen
Ohne plan und Siel.
Roman vo» I. Baierlein.
19 ------ (Nachdruck verböte«.)
IX.
Wie der Holzmüller eS ar geordnet hatte, fo blieb eS. Ich mußte mich und Renata für den Rest dieses Tages und die darauffolgende Nacht als seine Gäste betrachten. Wir wurden mit Aufmerksamkeiten sörm- ' 'ch überschüttet, und am Morgen spannte Herr Stritt zwei starke Pferde vor eine bequeme Halbchaise und l id nnS, nachdem ich von Ferdinand und seiner Mutter n t Dank für die genossene Gastfreundschaft herzlichen Abschied genommen, ein, dar Fuhrwerk zu besteigen.
Ich bemerkte, daß der Müller feiertägig gekleidet war, und schloß daraus, daß er sein Versprechen, er totüe unS nach Nürnberg fahre», wörtlich gemeint Hane. Dies schien mir aber doch etwas zu viel der Guten, weshalb ich sagte:
„Herr Stritt, ich kann nicht zuzeben, daß Sie persönlich fahren und unsertwegen e.uen ganzen Tag von Ihrem Anwesen und Geschäft fortbleibe». Lassen Sie doch einen Ihrer Knechte den Kutscherdieast versehen!"
„Dies Verlangen hab' ich vorauSgesehen," entgegnete er, indem er den Bock bestieg und ein selbstgefälliger Lachen hören ließ. „Jedennoch, liebster Herr Brofeffer, nehmen Sie wir'» nicht übel, daß ich Ihnen durchschau'. Ja, ja; Ihre Mucken kenn' ich. Tät' ich jetzt einen Knecht als Kutscher mitschicken, so bekäm' der in Nürnberg von Ihnen so ei» reichliche- Trinkgeld, daß das Fuhrwerk und alles, was drum und dran hänge. weitaus überzahlt wär'. Allein abkad das will ich nicht und leid' ich nicht und darum fahr' ich selber. G'wtffenSbiss' brauchen'- Ihnen aber keine zu machen. Ich versäum' nicht viel dabei."
WaS wollte ich gegenüber einer solchen Hartnäckig
keit, mir Gefälligkeiten zu erweisen, anfangen? Ich mußte die Sache gehen lassen, wie der Müller wollte.
Als wir schon im Wagen saßen, reichte die Müllerin noch ein großes Paket in denselben.
„Wäsch' ist drinnen und auch ein anderer Anzug für die Zigeunerin," erklärte fie; „die arme Dingin wird das Bißl War' schon brauchen können."
Dann ein letzter Händedruck, gewechselt mit den Zurückbleibenden, — ein „AdjeS" von der Müllerin, ein „Auf Wiedersehen rach den Herten" aus dem Munde Ferdinands, — hierauf ein scharfer Peitschenknall, — die Pferde zogen an, das Fuhrwerk schwankte aus dem Hofraum und rollte auf einem schmalen Feldweg der Staatsstraße zu.
Dort begann ein lustiges Fahren. Die wohlgenährten kräftigen Rosse griffen aus und die'leichte Kmsche glitt ohne viel Geraffel und Geräusch wie im Fluge fort über die gut unterhaltene Straße.
Ich konnte Renata an den leuchtenden Augen ablesen, welch' großes Vergnügen ihr die schnelle Fahrt bereitete. Das war freilich ei» anderes Reisen, als ste bisher gewohnt gewesen, im schmutzigen Vagabund en- karren unter einer Schar boshafter Bälge, von denen fie gepufft und geknufft wurde, während ihr die alten Zigeuner das Leben mittelst Schelten und Schlägen sauer machten! Vielleicht stellte Renata selbst diesen Vergleich an und kam dadurch zum Verständnis ihrer völlig zum Besseren veränderten Soge. Wenigstens zeigten ihre Züge einen finnige» Ausdruck und ei» frohes zufriedenes Lächeln verschönerte öfter als ein- mal ihr braunes Gesicht.
War es das Tirilieren der Lerchen, die hoch über unseren Häupter» in der blauen Lust dem Schöpfer ihr Morgenlied sangen und damtt in Renata'- Busen verwandte Laute erweckten, -war el die Lust an der chnellen Fahrt, welche sie himiß, oder jener überwältigende Drang, von dem fie mir gesagt hatte, daß er jeweilen in ihrem Innern ausquelle und fie zwinge, den Mund zmn Gesang z» öffne», — chren roten Lippen entschwebten plötzlich leise süße Töne, wie fie
Abg. Blell, auf den neuen Fünfzigpsennigstücken zur beffeien Unterscheidung von den Fünf- pfennigstücken einen Reichsadler umgeben von einem Eichenkranz anzudringen, abgelehnt worden war. wurde Staatssekretär Frhr. v. Stengel auf seinem Posten am Bundesrats tische durch seinen Kollegen Graf Posadowsky abgelöst und die zweite Lesung des Gesetzes über die Kaufmannsgerichte begonnen. Gleich bei § 1, der besagt, daß Kaufmannsgerichte bei vorhandenem Bedüifnis im Anschluß an die Ge Werbegerichte errichtet werden können, entspann sich eine längere, hitzige Debatte, da die Sozialdemokraten beantragten, die Errichtung obligatorisch zu machen. Diese Debatte griff zum Teil auf die Frage zurück, ob man überhaupt neue Sondergerlchte einführen oder sie nicht wenigstens an die Amtsgerichte angliedern solle. Es blieb schließlich bei der Vorlage. Nach Annahme der vier ersten Paragraphen wurde die Beratung abgebrochen.
* Der Reichstag denkt bereits in der nächsten Woche seine Arbeiten wieder einstellen zu können. Ob er geschloffen oder vertagt werden wird, ist noch immer nicht ausgemacht. Nach den Andeutungen, die Präsident G-.af Ballestrem heute im Seniorenkonvent machte, dürfte Vertagung etwa bis Mitte November erfolgen. Die Regierung erwartet, falls sie in die Vertagung willigen soll, die vorherige Fertigstellung des Reblausgesetzes, des Märzgesetzes, des Entwurfs betr. Kavfmannsgerichte und der Kolonialbahn- oorlagen. Die Erledigung der Kolonialbahnvorlagen vor den Ferien ist eine conditio sine qua non; vielleicht wäre auch noch ein Nachtragsetat für Südwestafrika zu verabschieden. Indessen wird ernstlich bezweifelt, daß dieser jetzt noch kommen werde. Der Prästdent beabsichtigt weiter noch Wahlptüfungen und Petitionen auf die Tagesordnung zu setzen. Nach seiner Rechnung, die auch von anderer Seite als zutreffend anerkannt wurde, könnte das Pensum in der nächsten Woche erledigt werden. Es blieben dann vorläufig unerledigt der Servistarif, das Reichsstempelgesetz, die Totalisatoroorlage, das Börsen- gesetz und die Vorlage bezüglich Entlastung des Reichsgerichts.
* Der Seuioreukoreveut des Abgeordnetenhauses besprach sich heute ebenfalls über die Geschäftslage. Völlig einig war man darüber, daß eine Vertagung wünschenswert sei und zwar spätestens Ende dieses Monats. Die Konservativen erklärten es sogar für durchaus geboten, die Vertagung schon am 25. d. Mts. eintreten zu lassen. Schwierigkeiten wird das machen, da das Herrenhaus erst am 27. d. Mts. wieder Sitzung abhalten will. Es soll aber ersucht werden, das Herrenhaus zu bewegen, früher zusammenzutreten. Erledigt sollen vor der Vertagung die Sekund5rbahnvorlage, der Gesetzentwurf betreffend die Erweiterung des Hafens in Ruhrort und das Kaligesctz werden, von verschiedenen Seiten wurde auch die Erledigung des Anfiedelungsgesetzes gewünscht. Auch die erste Lesung der Vorlage betr. die Erhöhung des Kapitals für die Seehandlung soll vor der
etwa ein au» dem Schlummer gewecktes Bögelein scheu von sich gibt. Doch bald entwickelte die halblaute Weise sich zu einer getragenen Melodie, deren verschleiertes Kolorit a» das sehnsüchtige, tiebeghrenbe Flöten und Schluchze» der Nachtigall erinnerte, tun zu einem Triumphgesang anzuschwellen, dessen rauschender RythmuS von dem Klappern der Pferdehufe und dem Rattern der über Schottersieine hinweghüpfenden Wagenräder begleitet wurde. Ein schmetternder, jauchzender Triller beendigte daS eigentümliche Lied, das dem Munde der kleinen Sängerin nicht als mühsam eingepauktes und eingetrichtertes Bravourstück, sondern als freie Naturgaben entströmt war, als Beweis einer künstlerischen Begabung, mit welcher Gott nur wenige seiner bevorzugtesten G schöpfe begnadigt.
Nicht nur mir hatte Renata's entzückender Gesang daS Herz bewegt, auch der Müller war bauen ergriffen worden. Er kehrte sich ruf den Kutschbock nach rückwärts, daß er die Kleine in'S Auge fassen konnte, betrachtete sie nie eine Merkwürdigkeit, die er noch niemals zu Gesicht bekommen, nickte ein paar Mal energisch mit dem Kopf und sagte dann:
„Donnerkeil! Dos soll nicht geflucht sein! Aber wenn ich's nicht selber g'hört hält', töt' ich so' wat nicht glauben. Im Hals vo» den Mädel muß ein ganzer Scheck Kanarienvögel stecken." —
Mich dagegen hatte Renata'- Lied (lumm gemacht; mir fehlten die Worte, um die Empfindungen zu schildern, welche mich erfüllten. Dies Verhalten schien fie jedoch zu beunruhigen; denn fie ließ das Köpfchen finken und flüsterte:
„Als ich gestern im Walde sang, da wurdest Du froh und lobtest mich. Heute bist Du traurig geworden. Hat Dir so wenig gefallen, wa- ich jcht gesungen habe? Soll ich e- mit einem anderen Siebe versuchen?"
„Nein, Renata, Du täuschest Dich. Dein Sieb war sehr schön; es war herrlich unb hat mir überaus gefallen."
Pause stattfinden. Was die Kanalkommiffion anlangt, so wurde ar genommen, daß die Hoch- waffervorlagen sämtlich in zweiter Lesung erledigt werden, und daß auch die Generaldis- kussion über die eigentliche Kanalvorlage noch vor der Pause in der Kommiffion staltfindet. Im Seniorenkonvent wurde weiter angeregt, die Hochwafferoorlagen auch im Plenum vor der Vertagung noch zu erledigen, doch sagte man flch, daß damit besser bis nach der Pause gewartet würde, da das Herrenhaus ja sowieso fich jetzt nicht mehr mit diesem Teil der waffer« wirtschaftlichen Vorlage beschäftigen würde. Der Wiederzusammentritt wurde für Mitte oder Anfang Oktober als wünschenswert bezeichnet.
♦.* Berlin, 8. Juni 1904. Der Kaiser wird sich morgen mit der Kaiserin nach Heiligengrabe begebe». Die Ankunft daselbst erfolgt vormittags gegen 1V/i Uhr. In Heiliger grabe findet die Einweihung der restaurierten Bluttapelle statt. — Prinz Leopold von Bayern ist infolge einer Muskelzerrung am Fuß, die er fich gelegentlich der Besichtigung deS 1. schwere» Reiterregiments zugezogen hat, ver hindert, seine BesichtigunpSleise nach Norddeuischlant anzutreten. — Die Prinz?» Georg und Konrat von Bayern treten nächster Tage eine längere AuS landsreise an unb' werden auch die Ausstellung in St LouiS besuchen. — Dem hessischen außerordentliche! Gesandten und bevollmächtigten Minister in Berlin. Wirkt. Geh. Rat Dr. von Neidhardt, sind die Brillanten zum Roten Adlerorden 1. Klaffe verliehen worden. — Die Befferung im Befinde» des Königs von Sachsen hat gestern angehalten. König Georg war den ganzen Tag über schmerzfrei, so daß er Nachmittags den Kronprinzen und den Prinzen Johann Georg empfangen konnte. —Das Staatsministerium trat heute unter dem Borfitz des Grafen Bülow z» einer Sitzung zusammen. — Anstelle des verstorbenen Gesandten Dr. Roth soll zum schweizerischen Gesandte» in Berlin Herr de Claparöde, der bisherige Schweizer Gesandte in Wien, ausersehen sein. — Der LandeS- direktor der Provinz Brandenburg, Frhr. v. Manteuffel-Crossen, der Vorsitzende des WahlvereinS der deutschen Konservativen, soll, wie die ,Frkf. Zig.' gehört haben will, als Nachfolger des Minister» des Innern, Frhr. v. Hammerstein, in Aussicht genommen fein. Frhr. v. Hammerstein werde zum Herbst zurLcktreten.
flus äemAeichskäg
93. Sitzung vom 8. Juni 1904.
Eröffnung 1'/. Uhr.
Die zweite Beratung des Münzgesetzes wird fortgesetzt.
Die A^g. Blell (frf. Bp.) und Dr. Eickhoff haben eine Resolution eingebracht, wonach das neue auszuprägende 50 Psg.-Stückzur beffeien Unterscheidung auf der Rückseite mit einem kleinen Reichsadler, umgeben von einem Eichenkranz, versehen werden soll. Außerdem beantragt Abg. Blell, die von der Kommission in das Gesetz eingefügte Ausprägung von Dreimarkstücken zu streichen.
Abg. Ofcl (Z) verteidigt den Kommissionsbeschluß, insbesondere unter Hinweis auf die Beliebtheit, deren sich das Dreimarkstück im Süden erfreue.
Bayerischer Ministerialdirektor v. Burkhardt bestreitet, daß sich der Taler in Bayern einer besonderen Beliebheit erfreue. Die bayerische Regierung werde lieber auf das neue 50 Pfg.-Stück verzichte», als fich eine Maßnahme aufdrängen lasse» würde, deren Notwendigkeit in keiner Weise nachgewiesen worden ist.
„O," ritf fie freudig, „dann ist alles gut. Unb wenn es Dir Vergnügen macht, sollst Du mich recht oft hören. Ich gehe ja mit Dir und verlasse Dich niemals wieder. Du brauchst mit daher nur zu befehlen und falls Du es wünschest, will ich Dir täglich stundenlang vorfingen."
Das arme Kind hatte sich derart auf die Idee versteift, für immer bei mir zu bleiben, baß eS gran- sam gewesen wäre, fie schon fitzt mit der Mitteiluns zu betrüben, daß unser Zusammensein schon recht ball ein Ende nehmen würde. Hiezu war eS immer noö Zeit, wenn ich fie morgen dem Schr tze des italienische: Konsuls übergab; denn heute dieses Geschäft noch vor zunehmen, mochte wegen vorgeschrittener TageSstund doch kaum mehr angehen. Der Weg nach Nürnberg war weit, und so rüstig die Braunen des Holzmüllers auch trabten, im nämlichen Tempo durste er dieselbe» nicht abhetzen und eine Pause zur Rast und Fütterung mußte er ihnen unterwegs gleichfalls gönnen. Wir konnten daher frühestens in den ersten NachmittagS- punden in Nürnberg eintreffen, also zu einer Zett, wo die AmtSkanzleien der Konsuln in der Regel geschloffen find.
In bet Tat hatte es schon zwei Uhr geschlagen, als wir in Nürnberg durch daS Frauentor einfuhre». Der Müller stellte fein Fuhrwerk in einem an der Ludwigsstraße gelegenen Gasthaus ein, und da fich darin auch für mich und Renata eine reichliche, bequeme Unterkunft bot, beschloß ich, dort zu nächtige».
Der alte Stritt gönnte fich kaum Zeit, ein Mittagessen einzunehmen. Sobald seine Pferde gefressen hatten, ließ et wieder einspannen und kehrte nach ber Holzmühle zurück. Daraus ersah ich deutlich, baß et sich trotz ber gegenteiligen Versicherung, durch bte et mich em Morgen hatte beruhigen wollen, zu Hause für unentbehrlich hielt, und daß der persönliche Dienst, den er mir geleistet, eben doch ein persönliches Opfer gewesen war.
(Fortsetzung folgt)