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31. Jahrgaug
Mda, Montag, dm 6. Juni 1904.
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*) Verlag Boa I P. Bachem, Köln. Preis 25 Pfg. (mit Porto 30 Pfg.) gegen vorherige Einsendung in Briefmarken. Parttepreise: 50 St. 11 Mark; 100 St. 19 Mark.
„Man wende nicht ein",schließtRoeren,„daß auch Vereine nicht imstande sein werden, die türmenden Fluten der Unsittlichkeit aufzuhalten und einzudämmen. Gewiß können die Vereine die Sittenlofigkeit nicht aus der Welt verbannen. «Bie vermögen auch nicht, die Jugend sittlich zu erziehen. Dazu find Kirche, Schute und Eltern- zaus berufen. Aber die Vereine können Kirche, Schule und Haus in dieser schweren Aufgabe unterstützen, indem fie Schutz gewähren gegen die Gefahr, daß das, was sorgsame Erziehung aufgebaut, jählings »iedergeriffen wird. Diese Aufgabe haben sich die Lereine gestellt und sie :ann und wird erreicht werden, wenn alle, denen das Heil unserer Jugend am Herzen liegt, sich zusammenschließen und mitarbeiten. Daher zum Schluß d:e Bitte, mit Gott sofort ans Werk zu gehen!" Wir aber fügen den oben schon gebrauchten Satz sinzu: „Auch diejenigen sind nicht rei von Schuld, die Wandel schaffen könnten, aber es nicht wollen."
() Die öffentliche Unstttlichkeit und ihre Bekämpfung
lautet der Titel einer kleinen Broschüre des Abgeordneten, Oberlandesgerichtsrat R o e r e n.*) Bereits ist das 8. Tausend derselben im Buchhandel, aber sie verdient eine ungemessene Verbreitung, kämpft sie doch mit aller Energie gegen das Gift der Unsittlichkeit, die darauf und daran ist, von ihren Kreisen aus, an denen nichts mehr zu verderben ist, sich auf die deutsche Jugend, auf unsere Kinder zu verbreiten. Wer vom Jungen Deutschland eine ehrenvolle Zukunft erhofft, wer seine Kinder lieb hot, der lese, was Roeren auf S. 12 berichtet:
„Vor einiger Zeit fand eine Gerichtsverhandlung statt gegen zwei 15—16jährige Jungen, die sich wegen verschiedener Sittlichkeitsverbrechen zu verantworten hatten. Auf die Frage, was sie denn in so frühem Alter schon auf die Ver- brecherbahn geführt habe, antworteten beide unter Tränen, daß sie im letzten Jahre vor ihrer Schulentlassung von einem Kameraden unzüchtige Bilder erhalten hätten und seitdem der Sünde verfallen seien. Der Hauptschuldige wurde zu 8 Monaten, der zweite Angeklagte zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt. Das Herz tut einem weh wegen der bedauernswerten Jungen. „ Nicht sie, sondern diejenigen haben die verhängte Strafe verdient, die in ihrer Gewissenlosigkeit solche Bilder herstellen und vertreiben und dadurch unschuldige Kinder an Leib und Seele, für Zeit und Ewigkeit vei derben. Aber auch diejenigen sind nicht frei von Schuld, die Wandel schaffen könnten, aber es nicht wollen."
Als im Jahre 1900 dem immer fricher und aufdringlicher werdenden Handel mit unsittlichen Bildern und Schriften schärfer auf den Leib gerückt werden sollte, wußte sich eine ganze Reihe von Männern und Zeitungen gar nicht zu fassen vor Entrüstung über angebliche Unterdrückung der Kunst, über Zurück- schrauben der Kultur. Und heute? Ein völliger Umschwung bereitet sich vor. Damals war eine der erzürntesten Ruferinnen im Streit die Münchener Allg. Ztg.'. Und jetzt schreibt sie: „Es ist geradezu unheimlich, wie tief und rapid der Stand der öffentlichen Anständigkeit in den letzten Jahren gesunken ist. Der Schmutz türmt sich höher und höher; er stinkt zum Himmel; kein Stand, kein Lebensalter ist mehr in- takt . . . Reinheit des Familienlebens, Reinheit der Jugend, Gesundheit der Geschlechter steht auf dem Spiel!"
Das klingt entsetzlich und übertrieben, leider aber kann Roeren den Nachweis liefern, daß es nur zu wahr ist. So beweist die Statistik, daß dis Zahl der in Preußen 1887 wegen Sittlichkeits-Verbrechen und -Vergehen abgeurteilten Personen 7409 betrug, im Jahre 1895 aber — 14769; also noch einmal so viel. Das
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Ohne plan und Ziel.
Roman von I. Baierlein ------ (Nachdruck verboten.)
Kchriftleiter.Zos.8aum ,
s. KÄ«. woch-Miiage-„Illustrierte Sonntagszeitung
unfern katholischen Mitbürgern wollen n>ir Frieden und fordern wie für uns so für sie schonende Achtung ihrer religiösen Anschauungen, solange sie nicht selbst von ihnen unbefriedigt find.« Natürlich werden diese Mahnungen nichts nützen. Jndeß kann uns das auch ziem- lich gleichgiltig sein, denn wir fürchten die Gesellschaft zur Ausbreitung des Evangeliums sicher nicht.
% Aus der Kreissyuvde Berliu Cöllu Stadt kam am Freicag die von anderen Synoden schon angenommene bekannte Resolution gegen den „Ultramontanismus" zur Verhandlung. Ganz so glatt wie auf den anderen Synoden ging es damit nicht. Konfistorialrat Kritzinger machte eine lange Reihe formeller Bedenken gegen die Faffunq des Antrags geltend und bestritt, daß die katholische Kirche im öffentlichen Leben einen maßgebenden Einfluß besitze und fie erstrebe ihn nur. Die liberale Gruppe, die die Mehrheit in der Synode hat keß erklären, daß sie um der Einigkeit gegen d römische Kirche willen trotz mancher Bedenk« für den Antrag stimmen wolle, jedoch nur unt der Bedingung, daß in dem Satze, der Kam gegen den Ultramontanismus müffe hauptsächli geführt werden durch Pflege des evangelisch Bewußtseins und Gemeindelebens „auf de Grunde des biblischen Glaubens und des Br- kenntniffes der evangelischen Kirche" die Worte „aus dem Grunde usw." gestrichen würden. Die Liberalen wollen also um der Einigkeit willen gegen Rom kämpfen helfen, aber von dem positiven biblischen Glauben wollen sie nichts wissen. Die „positiven" und liberalen Romstreiter einigten sich dann auf die neutrale Fassung „auf dem Grunde der reformatorischen Prinzipien". Da kann sich also jeder denken, was er will. Mich die Resolutionen wegen der Aufhebung des § 2 des Jesuitengesetzes wurden prompt angenommen. Weiter stritl man sich über den Evangelischen Bund und die Stellung der .Krevzztg.' zu dem Bunde herum und nahm schließlich eine Resolution an, worin die Arbeiten des Evangelischen Bundes als für das gedeihliche Leben der evangelischen Kirche unentbehrlich erklärt und die Angriffe der Presse gegen den Bund mit Entrüstung zurückgewiesen werden. Auch der Antrag wegen Abänderung des § 166 des Strafgesetzbuches wurde glatt angenommen. Nebenbei erfuhr man, daß der Gustav-Adolf-Verein in Berlin nur 3000 Mitglieder zählt, die im Ganzen nur 10,000 Mk. aufbringen. Das wurde als „beschämend" und „kläglich" bezeichnet.
* Der.Reichsanzeiger' meldet, daß der Gesandte am serbischen Hof Dr. v. Voigts Rhett von diesem Posten ab beruf en und unter Verleihung des Königlichen Kronenordens zweiter Klaffe feinem Anträge gemäß in den Ruhestand versetzt worden ist.
* Der deutsch belgische Handelsvertrag soll nach dem ,Berl. Tagebl.' heute von den beiderseitigen Bevollmächtigten unterzeichnet worden sein.
(*) Der in Oldenburg versammelte ständige Ausschuß des deutschen Landwirtschaftsrats hat beschloffen, angesichts der schwebenden Verhandlungen über den Abschluß eines neuen Empfindungen wachgerusen, die von meinem früheren Mißmut über die mir widerfahrene Bchandlun« ganz und gar verschieden Awaren.
Unsere Unterhaltung hatte ziemlich lange gedauert denn mittlerweile war schon eine dralle, reinlt gekleidete Magd erschienen, die ein blütenwerfi Tuch über den Tisch breitete, Teller sowie Eßbest« darauflegte, und nachdem sie einen halben Laib ang nehm duftenden Hausbrote» hinzugefiigt, der Müller. Platz machte, welche eine dampfende Bratenschüsser vor mir niedersetzte.
DaS Herdfeuer hatte das gesunde Gesicht der Frau noch mehr gerötet, und ein paar Schweißperlen an der Stirn verrieten, daß fie fich wacker getummelt batte, um den unerwarteten hungrigen Fremden, der ihr, wie vom Wind heraeweht, ins HauS gefallen war, schnellstens zu befriedigen.
„So, Herr Brofessor!" sagte sie. he Anordnung der Tisches mit einem prüfenden Blick überschauend, „lassen Sie'- Ihnen schmecken und sein'S halt zuftieden mit dem, was ich in der EU' hab' fertig bi ingen können. Gleich wird mein Mann kommen; er ist nur in den Keller 'nunter g'stiegen, wo et 'was zum Trinken holt für Ihnen. Gedulden'S Ihnen nur noch einen Augenblick. Ich aber muß derweil (unter- dessen) wieder in die Küchel z'rvck, damit ich das Zigeunermädel satt wach'. Du lieber Gott! Das arme Hascherl ziert fich (benimmt fich) ja, g'iad als wenn's schon acht Tag' keinen Biffen mehr tm Leib 'kriegt härt'. Zum Erbarmen isfs, — g'wiß zum Erbarmen, wenn einer sieht, was das Kind für einen Wolfshunger hat." —
„Apropos, Mütterchen, von diesem Mädchen will ich Dir bodi gleich das berichten, waS mir soeben der Herr Professor erzählt hat", wandte der junge Schntt sich an die Müllerin. „Da wi st Du nvht Augen machen! Aber dazu Begleite ich.Dich in die Küche."--
(Smctfetzun; folgt.)
„Doch nicht", entgegnete er eifrig; „denn so sehr die Umstände dagegen sprechen, bedarf Ihre Ansicht vou dem Verhalten meines lieben Väterchens dennoch dir Richtigstellung. Hören Sie also: Wo immer Sir fich im Umkreis von zwanzig Stunden, von hier aui gerechnet, nach dem Besitzer der Holzmühle erkundigen wollten, dort würde man Ihnen sagen, daß derselbe nicht nur ein wohlhabender, sondern auch rin überaus wohltätiger Mann ist. Und in der Tat, mein Vater übt eine fast unbeschränkte Wohltätigkeit aus; die Armen und Kranken, die von unverschuldeter Not oder plötzlichen schweren SchickialSschlägen heim- gesuchten Jnsaffeu des Dorfes, in welches die Holzmühle eingeweinde: ist, wiffen davon zu erzählen. Hunderte haben schon mit schwerem Herzen und leichten Taschen an di« Tür meines Elternhauses gepocht und hechen es leichten Herzens, aber mit schweren Taschen wieder verlassen. Und damit der Ueberfloß, den unser Besitztum abwirft, nicht nur den Armen des Dorfes allein, sondern auch weiteren Kreisen zu- gute komme, hat mein Vater eS durchgesetzt, daß im Dorf eine BerpflegungSstation für arme wandernde Handwerker und andere Reisende errichtet wurde, die dort unentgeltlich ein Abendeffen, ein Nachtlager und eine Morzensvppe finden. Freilich muß mein Vater die Kosten dieser sehr bt Anspruch genommenen Station fast ganz auS der eigenen Tasche bestreiten; den» die Zuschüsse von Gemeinde und KreiS find verschwindend Kear — Nun scheint mit dieser Aufzählung von meines Vaters Wohltaten der Empfang, den heute Morgen die keine Renata und vorhin Sie, Herr Professor, fanden, allerdings nicht zu stimmen.
Traurigste aber ist, daß diese entsetzliche Steigerung zum großen Teil auf Rechnung der jugendlichen Personen kommt. Weiter wurde von medizinischen Sachverständigen 1902 in München fefigestellt, daß von allen denen, die in Deutschland wegen unanständiger Krankheiten sich in ärztliche Behandlung begeben mußten, ein Viertel auf die studierende Jugend fallt. Wie groß die Gesamtzahl dieser Art Kranke sein muß, läßt sich daraus schließen, daß deren am 1. Januar 1900 in Preußen 40900 f e st - gestellt wurden. Wie viele tausend mögen aber den Krankheitsstoff heimlich weiter mit sich schleppen..^er tr-gt bie ursächliche Schuld an dieser zunehmenden Sittenpest? Die „ungeheuer- liehe Verbreitung der unsittlichen Schriften und Bilder. Die schamlosen Ausstellungen in den Schaufenstern" und anderes mehr, wie Roeren in seiner Schrift fchlagend nachweist. Und nicht blos Roeren, den man als ernsten Katholiken vielleicht der Schwarzseherei zeihen könnte, sagt das, sondern in gleicher Schärfe auch Fachblätier wie' das .Börsenblatt für den Buchhandel' und liberale Zeitungen wie das .Neue Wiener Tage- blatt', die Münchener Allg. Zeitung', das ,Ber- liner Tageblatt' u. s. w. Es sieht also schlimm!
Allerlei Versuche werben gemacht, dem graffen Uebel zu wehren: Man meint durch Aufklärung entgegenwirken zu können, man ruft nach schäferem Eingreifen der Polizei, man verlangt strengere Gefetze u. s. w. Roeren er- wartet davon wenig Hilfe, einesteils wei» die Feinfühligkeit in sittlichen Dingen in weitesten Kreisen verloren gegangen, andernteils weil tausende von Interessenten, die ein gutes Geschäft mit dem indirekten Untergraben der Sittlichkeit machen, dagegen wirken.
Allerdings weist Roeren darauf hin, daß so- wohl die sog. lex Heintze wie auch der § 184 des Strafgesetzbuches immerhin gegen die schlimmsten Ausschreitungen wirksam sind, aber — der Einzelne hat weder Zeit noch Lust, den Wächter und Ankläger zu spielen. Hier kann nur eine Vereinigung helfen.
Der Kölner Männerverein wirkt mdieser Richtung und mit sichtlichem Erfolge, feine Maßregeln sind verschiedener Art, deren Anwendung und Ergebnisse in Roeren's Schrift besprochen werden. Nachahmung hat der Kölner Verein gefunden, aber viel zu wenig. Das Uebel ist aber kein lokales, sondern ein nationales, muß also von der Gesamtheit ernst denkender Männer bekämpft werden. Nur eine solche Vereinigung ist fähig, die breite Masfe aus der Gleichgiltigkeit aufzurütteln, den Ausschreitungen in der Literatur und sogen. Kunst entqegenzutreten, die öffentliche Meinung zu gewinnen und den Behörden bei schärfster Anwendung der Gesetze mit Hilfe der letzteren den Rücken zu decken. Auf evangelischer Seite erstrebt man das mit rührigem Eifer, auf katholischer Seite darf man nicht nachhinken. Man lese Roerens Broschüre und wird uns Recht geben. Um weitere Vereinsgründungen zu erleichtern, hat der Verfasser seinem Schriftchen die Statuten des Kölner Vereins beigefügt.
Allem, verehrtester Herr von Büren, zu diesem Verhallen zwingt uns dir bitter« Notwendigkeit. Wir wohnen auf der Einöde: dir Holzmühl« ist vom Dorf« gegen zwei Wegstunden durch den Waid entfernt, btS mm nächsten W:iler find es sogar drei Stunden Dagegen führt die Landstraße von da nach Nürnberg in nächster Nähe von vnferem einsamen Anwesen vorüber, und wer heutzutage, wo-die Eisenbahn fast von einer HolzkrechtShütte zur anderen fährt, noch auf der Stckatsstraße wandert, das ist ja ohnehin allgemein bekannt. Zumeist find «S nur Fechtbrüder, denen die Pfennige für eine Etsenbahniahrt nicht mehr langten, fremde ProseffionSbettler, die aller Arbeit wett aus dem Weg gehen, und. ficherhettSgefahrlrcheS landfahrendes Gesindel. Allen diesen Leuten aber erscheint unser zwar nahe an dec Staatsstraße, aber abseits von nachbarlicher Hilfe gelegenes Besitztum döchst bequem, um auf di« unverschämteste Weffe auS- gebeutet zu werden. Ich w«ll Sie nicht ermüden mit der Schilderung jener maßlosen Anforderungen, die täglich an meine Eltern gestellt werden, — mitunter unter schwerer Bedrohung. Würde man da nur einigen der zudringlichen Bittsteller willfahren, so hätte man bald daS ganze Pack auf dem Halse ; denn bekanntlich besteht unter dem fahrenden Volk ein« Art Freimaurertum: ein Vagabund teilt dem andern mit, wo eS etwas zu holen und ergattern gibt. Drum müssen meine Eltern in ihrer geschlossenen Lage — wie man fegt — Hoare au* den Zähnen haben und jedem fremden Bettler mit eiserner Strenge auch das geringste Almosen verweigern. Die Holzmühle muß der allen Landfahrern, dir nach der großen Handelsstadt Nürnberg ziehen oder von dorther kommen, als ein ungastliches Nest verschrieen kein, wo keiner von ihnen nichts holen kann. Von dieser Notwendigkeit bin auch ich so voll'ommen überzeugt, daß ich mich heute Morgen um das ron meinem Baler abgewielere Betteikind gar richt kümmerte. Ich nahm auch feine Notiz von ihm, als er später
Berlin, den 4. Juni 1904.
* Gegen die „Gesellschaft zur Ausbreitung des EvaugeliumS", die fich be- kaunllich die Aufgabe gestellt hat, „den Katholiken das Evangelium zu bringen," wendet sich entschieden eine Zuschrift an die freikonservative ,Post'. Gerade um der vom Protestantismus vertretenen Grundsätze willen müffe gegen das Bestreben der Gesellschaft mit aller Entschiedenheit Verwahrung eingelegt werden. Es habe seine volle Berechtigung, wenn in rein katholischen Ländern Eoangelisationsarbeit betrieben werde, wo das „Evangelium" überhaupt unbekannt sei. Wenn sich aber die Gesellschaft eine solche Tätigkeit auch unter den inmitten prote- stantischer Umgebung lebenden Katholiken zur Aufgabe mache, so mache sie sich derselben propagandistischen Umtriebe schuldig, die von evangelischer Seite den Katholiken zum Vorwurf gemacht würden. Insbesondere wendet sich das Blatt dann gegen Aeußerungen, die auf der jüngst in Berlin abgehaltenen Jahresversammlung der Gesellschaft gefallen sind, so gegen die Bemerkung des Hauptredners, es sei Pflicht, Misfionsarbeit zu treiben, „um der Seelen der katholischen Brüder willen". Man könne sich nicht wundern, wönn die katholische Preffe sich gegen solche Zudringlichkeit wehre und den Herren rate, doch zunächst für die fozialdemo- kratischen Wähler Berlins zu sorgen. Es gebe keinen Katholken, der bei uns nicht Gelegenheit hätte, sich selbständig mit dem Protestantismus bekannt zu machen. Es bedürfe dazu auch keiner besonderen Gesellschaft. Religiöse Propaganda, bei der man darauf ausgehe, andere überhaupt an ihrer Kirche irre zu machen, sei verwerflich, und was man andern zum Vorwurs mache, solle man nicht selbst nachtun. „Mit mit Ihnen zurückkehrte, da ich, ebenso wie wem Vater, ibren Begleiter für ein Mitglied der Zigeunerbande hielt, die kurz zuvor dem Wald «ntge- gengefahren waren. Erst Ihre Stimm« machte mich auf das draußen geführt« Gespräch aufmerksam: ich warf einen Blick durch da« Fenster, erkannte in Ihnen sofort zu meiner größten Freude, aber auch zu meiner namenlosen Überraschung unfern Herrn Professor von Büren und — — das Uebrige wissen fie ja selbst. Der Zweck dieser langen Auseinandersetzung ist jedoch der, daß ich einerseits gerne den üblen Eindruck verwische« möchte, den der Empfang vor meinem Elternhause Ihnen bereitet haben muß, während mir anderseits v-el daran liegt, meinen guten Vater auch von Ihnen richtig und verdienter Maßen beurteilt zu wissen."
Die Art, wie dieser warm suhlende Junglmg sich die Rechtfertigung seiner Eltern, vornehmlich seines Vaters angelegen sein ließ, tat meinem Herzen wohl, und im Geheimen segnete ich wiederholt meine Reise ohne Plan und Ziel, die mich mit einem unserer Zöglinge, diesmal außerhalb des Lehrsaals, zusammen- geführt und mir bie Möglichkeit geboten hatte, einen tiefen Blick zu tun in das unverdorbene Gemüt eines mit liebender Achtung zu seinen Eltern ausickauenden Sohnes. Wäre ich Gast, des feinsten Hotels m Nürnberg gewesen, würde mir ein so' seltener, hocherwünschter Seelengenuß wohl schwerlich zu Teil geworden sew. , t ,
Laut aber versichert« ich dem jungen Mann, daß ich die Handlungsweise seines Vater» und das demselben hinsichtlich meiner Person unterlaufene Mißstände durchaus begreiflich fände, und daß ich an seiner Stelle mich wahrscheinlich ebenso benommen hätte. Er sollte also keinen Zweifel hegen, daß ich seine brave« Ettern nach Verdienst Hochschatze. Diese Versicherung war auch keine Phrase; die Lodrede, die Ferdinand seinem Vater mit au Begeisterung streifendem Nachdruck gehalten, hatte in mir wirtlich
Maer
Zeitung
Monatrbeiiage: „gulboer Geschichtsblätter".
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