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31. JahrgMg.

Sulöa, Samstag, den 4. Juni 1904.

Jfä 125

a. Erinnerungen an das MOjährige Vonisattur-Zubilaum im Jahre 1855.

Im nächsten Jahre wird die Stadt und Diö­zese Fulda den 1150jährigen Gedenktag des glorreichen Martyrertodes des hl. Bonifatius be­gehen können. Schon ist ein halbes Jahrhundert verflossen seit dem 1100jährigen Bonifatius-Ju- biläum, das, wie manche ältere Leser sich noch erinnern werden, im Jahre 1855 mit nie ge­sehenem Glanze gefeiert wurde. Für die jüngere Generation ist es gewiß von Interesse, etwas von dieser seltenen Jubelfeier zu hören. Zu diesem Zwecke wollen wir das Programm der dama­ligen Festlichkeiten, sowie einige Festberichte aus den damals schon bestehenden Zeitungen, des Mainzer Journals', der .Augsburger Postztg.' und des liberalen ,Frankf. Journals' mitteilen:

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druck und Verlag de Zuldaer Aktiendrucke«' in $tttoa (hannonich, Fernsprecher Nr. 9.

viertel- Ml«.ve,ugr»rei, vriugerloh, und »ttrßeLgeldi» Fulda >md <4urwSrtrlMk.50ps--

Verantwortliche»

frr Die 1855 ioi 5. bis 12. Z«lli intL in Der Soniforiti- 61111 Snlöa in beieieniie eilshnnberlsährige Seiet Des MrlyrloSes Des heiligen 8onifatin5, des ßnidaischen JiSeeslNl' und Landespalrons uni Apofteis 6er Zenischen.

Lasset uns loben die berühmten Männer und unsere Borfahren in ihren Geschlechtern.

Jes. Sir. 44, 1.

Se. päpstliche Heiligkeit Pius IX. hat zur würdigen Feier des Andenkens an den Martyr- tod des heiligen Bonifacius einen vollkommenen Jubelablaß vom 27. Mai bis 17. Juni d. I. für die Diöcese Fulda verliehen. Am Vorabende vor Pfingsten, den 26. Mai, wird dieses Jubi­läum durch ein halbstündiges Geläute mit allen Glocken angekündigt und am 17. Juni mit einem Abendgottesdienste, feierlichen Tedeum und Ge­läute aller Glocken geschlossen. Die eigentliche Festfeier beginnt mit dem 5., dem Todestage des Heiligen, und schließt mit dem 12. Juni.

Für diese Feier find folgende Bestimmungen getroffen:

1) Am Vorabende des Feste-, den 4. Juni, wird Nachmittags von 2 bis 3 Uhr eine Stunde lang mit allen Glocken, in Unterbrechungen, das Fest eingeläutet und dasselbe mit Kanonensalven begrüßt. Um 3 Uhr ist Predigt im Dome, darauf feierliche Vorvesper. Des Abends um 7 Uhr wird in der Gruft des heiligen BonifaciuS die herkömmliche Andacht gehalten. Letz­tere Bestimmung gilt für die ganze Octave.

2) Am Festtage selbst, den 5. Juni, wcrden wiederholt alle Glocken der Stadt um 6 Uhr Morgens geläutet und abermals Kanonensalven gegeben. Um 7 Uhr ist feierliches Amt in der genannten Gruft. Um 8 Uhr versammeln sich die anwesenden hochwürdigsten Prälaten in der bischöflichen Curie am Sar ct Michaelr- berge, die übrigen Geistlichen in der Sacristei der Dom­kirche. Bon da ziehen birfe unter Vorlragang des Pontifical - Kreuzes nach dem Michaelsberge und ge­leiten von da die hochwürdigsten Herren in die Cathe- drale zum feierlichen Gottesdienste, und nach geendig­tem Hochamte wieder dahin zurück.

Um 8V2 Uhr beginnt die Frstpredigt, dann Pro- cesfion im Dome mit dem Allerheiligsten, hierauf dar Hochamt. Diese Bestimmungen gelten für die ganze Octav-. Nachmittags um 2 Uhr ist Predigt im Dome, dann feierliche Procesfion durch die Stadt. Der Zug bewegt sich unter dem Geläute der großen Hosanna« Glocke dmch dieselben Straßen, wie bei der feierlichen FrohnleichnamS-Procesfion zum Dome zurück.

Da die feierliche Procesfion zur Ehre deS Heiligen dienen soll, so werden dabei die in Fulda befindlichen kostbaren Üeberbleibsel deffelben getragen; und zwar getragen von Diaconen der Hirtenstab und die Bücher des heil. BonifacuS; ferner getrogen von Priestern itoei Pyramiden mit Gebeinen des Heiligen, sowie dem Dolche, womit, und einem Theile der Tunicella, worin derselbe ermordet worden; endlich, gleichfalls von Priestern getragen, ein Reliquien-Schrein mit einem Theile des Schädels, dem Gehirn und anderen Reli­quien de« Heiligen.

. Nach der Rückkehr der Zuges in die Domkirche wird der Segen mtt dem Allerheiligsten gegeben und feierliche Vesper gehalten.

Bei beginnender Nacht — Beleuchtung de» Boni« facius-MonumentS, dem Kurfürstlichen Schlosse gegen­über, sowie de» Rathhauses .... Diese Beleuchtung Sbet ebenso am Donnerstage unb Sonntage innerhalb

: Octave statt.

3) Mittwochs. Um die bestimmte Stunde de» Morgens Predigt, Hochamt; Nachmittags um 3 Uhr Predigt, dann BeSper. 4) Donnerstags. Hochamt um 8 Uhr, nach diesem die feierliche FrohnleichnamS- Procesfion durch die Stadt. 5) Freitags wie Mit­wochs. 6) Samstags wie Mittwochs. 7) Sonn­tags. Um 8*/s Uhr Predigt, dann Hochamt; Nach­mittag« 2 Uhr Procesfion mit dem Allerheiligsten auf den Frauenberg; daselbst Predigt, dann solenne Be«per. 8) Montag« wie Mitwochs. 9) Dienstag« wie Mittwoch«. Nachmittag« muh der vesper feierliche« Te Deut und sacramenialischer Segen. Halbstündiger Geläute mtt asten Glocken der Stadt und Kannnen-

Ealven. 10) Durch einen besonder» oberhirtlichen Er­laß find die särnmtlichen Pfarreien der Diöcese etnge- fabeit worden, während der Jubeloctave zum Grabe de» Patrons der Fuldaischen Kirche entweder inPro- cesfionen oder einzeln zu pilgern, ohne jedoch den weit entlegenen Pfarreien irgend eine Vorschrift deshalb zu erteilen. , c ,

Mr auswärtige Besucher deS Festes wird bemerkt, daß für ihr Unterkommen in den Gasthäusern, wie in Privatwohnungen die nötige Vorsorge getroffen ist, und dieselben fich deshalb am hiesigen Rathhause in dem dafür bestimmten Locale avmelden können.

Eine amtliche Bekanntmachung über das Jubiläum bringt öas.Wochenblatt' vom 14. April 1855. Es schreibt:

.Nachdem durch allerhöchste Entschließung Sr. k. H. deS Kurfürsten vom 29. März d. I. genehmigt worden ist, daß der 5. Juni dieses JahreS als der elfte Säcular-Gedächtnißtag des Erzbischof» Boni­facius (Apostels der Deutschen) int Bereich der Stadt FMda in derselben Weise bürgerlich gefeiert werde, wie die übrigen katholischen Festtage der Diöcese Fulda: so wird hierdurch verfügt, daß alle diejenige» Handlungen, deren Verrichtungen an Sonn- und Feiertagen durch die bestehende Gesetzgebung untersagt ist, auch am Dienstag den 5. Juni b. I. nicht vor­genommen werden sollen. Kurfürstliche Regierung. Gez. Heppe."

Den in Mainz erscheinenden .Sonntags­blättern' wurde Mitte Mai aus Fulda ge­schrieben:

In Fulda verspricht die Theilnahme an der be­vorstehenden Jubelfeier eine überaus erfreuliche zu werden. Bis zum 19. Mai haben unter 36 einge- labenen Würdenträgern bloS sechs, theilS wegen Ge­schäfte, theilS wegen Atters oder Kränklichkeit, thellS wegen Entfernung ablehnend geantwortet; dagegen haben schon sehr Biele ihre Theilnahme zugesagt, und was die Zahl Derer, welche bis jetzt noch nicht ge­antwortet haben, betrifft, so weiß man schon von Mehreren, daß ihre Antwort nicht anders, als bejahend auSfallen wird. Unter Denjenigen, welche den heiligen Apostel der Deuffchen mit einer Wallfahrt zu seinem Grabe zu verehren versprochen, stehen obenan Ihre Eminenzen der Cardinal Viale Prela, apostolischer Nuntius zu Wien, welcher mit höchster Genehmigung Seiner Heiligkeit deS Papstes PiuS IX. kommt, und die Cardinäle und Erzbischöfe von Köln und Prag. Unter ihnen wird Seine Eminenz der Nuntius zu Wien schon vor dem 5. Juni hier eintreffen und die ganze Octave hindurch bleiben, und auch Seine Eminenz der Cardinal und Erzbischof von Geissel hat un» Hoffnung gemacht, daß wir Hochdenselben schon vor dem Feste erwarten dürfen. Ferner haben schon zu kommen versprochen: die Hochwürdigsten Herren Erzbischöfe von München-Freising, von Breslau unb Salzburg, die Hochwürbigsten Herren Bischöfe von Mainz, Rottenburg, Würzburg, Eichstädt, Paderborn, Hildes­heim unb bet Hochwürdigste Herr Weihbischof von Paberborn. Die genannten Hochwürbigsten Herren Bischöfe haben fast sämmtlich als Tag ihrer Ankunft den 4. Juni bezeichnet.

liebet den Verlauf der Festfeier berichtet am 26. Mai 1855 die .Augsburger Poftzeitung';

Fnlda, 26. Mai. Ich schreibe Ihnen unter beut Geläute oller Glocken unserer Kirchen, bie eben bas Jubiläum einläuten, baS morgen seinen Anfang nimmt. Heute früh find brei Jesuiten hier eingetroffen, welche in der nächsten WochetöglichbreimalimDomeprebigen werben; unter ihnen befinben fich, wie ich höre, bie PP. Rober unb Pottgeißer. Obgleich noch eine ganze Woche zwischen jetzt unb ber eigentlichen Fest­feier liegt, machen fich bte Zurüstungen zu derselben allenthalben auf das Deutlichste bemerkbar, und heute schon wurden bie Gerüste (Pyramiden) zur Erleuchtung deS Monumentes des hl. Bonifatius auf dem Schloß­platze ausgestellt, von diren Spitzen Flaggen mit den Lander- und Stcdtfarben wehen. — Höchst lobens­wert ist eS, daß die Universität Würzburg in richttger Erwkffung der Bedeutung unserer Festfeier den Be­ginn ber Vorlesungen an ber bayerischen LandeSuni- verfität Würzburg nach den üblichen kurzen Pfingst- ferien noch um fast eine Woche hinausgerückt hat. Sicherlich dürsten wir also bie Lehrer unb viele ber Stubbrenben bieser Hochschule freundlichst zu bewill- kommen haben.

Am 31. Mai schreibt das liberale.Franks. Journal':

Gemäß deS von einem Komitee erlassenen Fest- Programmes waren auch die Zivil- und Militürbe- Jörben dem Festzuge eingereiht, welcher während ber l onifatiusfeier am 5. I. M. stattfinbet. Ein soeben eingegangener Beschluß be» Ministeriums be» Innern untersagt diesen Behörden jede Betelligung daran. Die hiesigen evangelischen Prediger haben höchsten Orts die Genehmigung einer BonffatinSfeier in ihrer hiesigen Gemeinde nachgesucht.

Am 1. Juni weiß dasselbe weiter folgendes mitzuteüen:

TcS Verbot der Beteiligung am Fepzvge bei der BonifatiuSfeier erstreckt sich nicht blos auf da» Militär und die Kollegien, sondern auch auf alle unteren einzelnen Stellen, sodann auch auf daS Gym­nasium, Schullehrerseminar und bie Realschule. Alle einzelnen Mitglieder dieser vehörden und Anstalten, sowie säwttiche Subalternen, katholische wie evan­gelische, haben mit Namertounterschristeu die ihnen gewordene Jnfinuation de« Verbot« bescheinigen müssen. Der Besuch de« Dom« während der Feier wird in dem Mefchbuj de» Minipemum» jedach ausdrücklich

gefttigen Sonntage« celebrierte Se. Eminenz der Car dinalfürsterzbischos Friedrich Fürst v.Schwarzen' berg im Dome das Hochamt, Dem Se. Eminenz der Hochwürdigste Cardinal und Nuntius Viale Prela und sämwlliche hier anwesenden Prallten beiwohnten. WaS ich empfand, als ich den Angehörigen de« Fürstenhauses, das so herrlich in ber Geschichte Deutschlands basteht, ba8 seit den Tagen seines Stammvaters ErkingerS unb SmSheim an bie Jahr­hunderte hindurch nur den Wahlspruch gehabt zu haben scheint: „Für Gott und den Kaiser", von Angesicht zu Angesicht sah, — das vermag ich in diesem kurzen Berichte nicht niederzuschreiben; aber das schreibe ich nieder und muß eS nieder­schreiben, als Fürst Friedrich den Hochhelligen Leib unseres Herrn und Heilandes erhob, da warfen sich die Protestanten, welche vor mir standen, zur Erde nieder, wie die besten und frommsten Katholrken; daS vermag die geheimnißvolle, die unwiderstehliche Macht unseres heiligen Glaubens. — Mittags drei Uhr sand die Procesfion auf den Frauenberg statt, der Primas von Deutschland trug daS Allerheiligste, vor demselben schritten einher der Erzbischof von München-Freising, der Fürstbischof von Breslau, die Bischöfe von Eich­städt, Fulda, Hildesheim, Paderborn (Bischof und Weihbischof), demselben zunächst folgten die beiden Cardinäle. von denen der eine der Stellvertreter un­seres heiligen BaterS, des Oberhauptes der Christen- heit. Neben der Procesfion wogten die Menschen- massen und welche Andacht, welche Ehrerbietung sah man überall, wo der König der Könige erschien, vor dem sich Alles beugte. In dem Presbyterium einer armen Klosterkirche war dann die glänzendste Ver­sammlung vereinigt, die man fich denken konnte, da knieeten vor ihrem Herrn und Hellande die Bischöfe, Prälaten und edlen Herren des deutschen Reicher, wie die alten Geschichtsschreiber fich auSdrücken würden. Pater Roder aus der Gesellschaft Jesu hielt die Festpredigt, dann der Weihbischof von Paderborn im prachtvollen Pluviale die BeSper. ES war 71/» Uhr AbendS, als die Procesfion in die Stadt zurücttehrte. die auch gestern Abend wieder in feenhaftem Lichte strahlte und deren Bürgerschaft den versammelten Prälaten einen glänzenden Fackelzug brachte. Davon im nächsten Briefe; jetzt nur die Nachricht, daß heute Bischof Valentin von Regensburg unb ein Bene- bictiuerprälat hier eingettoffen find.

lieber den Schluß desBonifaciusfestes endlich in Fulda wird dem Mainzer Journal' berichtet:

Fnlda, 13. Juni. Unser herrliches, unvergleich­liches Fest ist vorüber; unter Kanonendonner und Glockengeläute wurde eS gestern beschlossen; eS wird den Bewohnern unserer Stabt, eS wird so vielen Gläubigen, die au8 den verschiedensten Gegenden Deutschlands hierhergckommen waren, gewiß unver­geßlich sein. Am Abende des Sonntages (10. Juni) brachte unsere Bürgerschaft den in der bischöflicher Curie versammelten Kirchenfürsten einen glänzenden Fackelzug; eine Deputatton begab fich zu den Hoch­würdigsten Prälaten und Kaufmann Franz Berta, Vorsteher des Bürgerausschusses unserer Stadt, hielt nachstehende Anrede:

„Eure Eminenz Hochwürdigster, Hochzuverehrender Cardinal und Nuntius! Eure Eminenz Durchlauchtigster, gnädigster Cardinal Fürst-Erzbischof! Hochwürdigste, Hochzuverehrende Oberhirten unserer heiligen Krrche. Es war der Stadt, die im Verborgenen lag, die fast vergessen schien unter den deutschen Städten, die ab« ein kostbares Kleinod, die Gebeine des Apostels Deutsch­lands, des heil. Bonifacius und damit das so überaus kostbare Gut unseres heiligen katholischen Glaubeus treu bewahrte, es war Fulda vorbehalten ein Fest zu feiern, das uns so überzeugend die Größe, und vor Allem die Einheit unserer heiligen Kirche vor Augen führt, das uns an die großen Gottesfeste deS Mittel­alters erinnert, wo das ganze deutsche Volk zu einem Glauben mit vollester Freudigkeit sich bekannte. Hoch­würdigste FürstenunsererheiligenKirche! Die Bürge^ schäft unserer Stadt hat mich, der ich zur Zett die Stelle deS Vorstehers deS Bürgerausschuffes bekleide, ausersehen. Ihnen die Gefühle des tiefsten Dankes, der innigsten Liebe und wahrer Verehrung auSzudrücke», die uns in diesen großen stets unvergeßlichen Tagen erfüllt. Geruhen Sie huldreichst, diesen Dank anzu­nehmen und gewähren Sie die Bitte, unserer Stadl das freundlichste Andenken zu bewahren! Wir haben dieses Fest zu verherrlichen gesucht, so wett eS unsere schwachen Kräfte erlaubten, die gebliebene Unvoll­kommenheit möge die Liebe ergänzen, welche wir für unsere heilige Kirche bei uns tragen, die in unser« Zeit von Tag zu Tag mehr ihre so segenreiche unb heiligende Macht über die Semüther wredergewnmt. Zur Befestigung der Gefinnungen und heiligen Bor­sätze, die diese» Fest in uns hervorrust, bitte ich ®». Eminenz, den Gesandten des heiligen BaterS, deS Oberhauptes der Kirche, nm Gewährung einet Gnade! Ertheilen Ew Eminenz unS und allen Mttbürgern dieser altkatholischen Stadt Ihren heiligen Segen!"

Ich wünschte, ich könnte alle die schonen, ge- müthvollen Worte hier niederschreiben, womit ba Stellvertreter unseres hl. Vaters, Se. Eminenz der Cardinal und Nuntius Viale Prela « längerer Ansprache erwiderte und hierauf bet Deputatton, ihre Bitte gewährend, den Segen ertheitte. Als die Deputirten fich entfernt und in den Kreis der Fackelträger im Vorhofe bet bischöflichen Curie zurückgekehrt waren, rotabe hier beit versammelten Kirchenfürsten ei» begei­stertes dreimaliger Hoch ausgebracht, dann er­schien Se. Eminenz der Cardinal Fürst Schwar­zenberg am Fenster und mtt wahrhaft hin­reißend« vegeistttung redete « in b« edelste» Sprache, und sein« schön«, sonoren Stimme zu den Versammelt«, drei »etthin tönende Hoch 9 folgten bte IWe W W»

als gestattet bezeichnet. — Die Patte» Jesuiten Rober, Pottgeißer unb Ehrberg setzen ihre MisfivN'Unter großem Zulauf fort.

Im »Mainzer Journal' lesen wir unter dem 4. Juni:

Das Fest hat begonnen, eS ist großartig, glänzenb über alles Erwarten. Ter Empfang Sr. Eminenz bes HochwürbizstenKarbinalerzbischosesunb päpstlichen Nuntius seitens unserer Geistlichkeit, den Hochw Herrn Bischof an ber Spitze, machte einen über­wältigenden Einbruch so etwas hat Fulda seit ber großen Zeit ber Ottonen und Friedrich Bcrbarosia'S nicht wehr erlebt Morgen wird Se. Eminenz vaS Hochamt int Dome zelebrieren, die Festpredigt wird, wie ich höre, Herr Domkapitular Dr. Laberenz halten, Pater Haßlacher, ber hier ist, war bazu aus ersehen, aber es hat uns ein Geschick betroffen, über bas wir nicht zu richten haben, sondern es geduldig hinnehmen müssen, doch hat dadurch dos Fest nicht den gettngsten Eintrag erlitten. Se. Gnaden der Hochwürdigste Bischof von Mainz ist soeben hier eingetrvffen und hat Absteigequartier bei Herrn Dom- cnpitular Dr. Lomb genommen, der heute morgen Sr. Eminenz dem Hochwürdigsten Cardinal und Nun­tius mit Jupizrath Otto Hardung aus Köln, Freiherrn v. Kanne aus Wefchhalen unb anberen Herren entgegen­gefahren war unb benf eiben int Namen Sr. Gnaden des hiesigen Herrn Btschofes begrüßte. Auch uns« lieb« Freunb, b« geschätzte Schriftsteller C. Pfaff war ber Deputation als Mitglied beigegeben. An­wesend bis jetzt find auß« den genannten Herren Prälaten die Herren Bischöfe von Eichstädt, Hildesheim und Paderborn (Bischof und Weihbischof), die Dompröpste von Brixen in Tirol und Salzburg. Die Stadt ist keine Stadt mehr, sondern ein Heerlager von Fremden, ihre Sttaßen verwandeln fich in grüne Lauben.

Die PP. Jesuiten dürfen nicht mehr predigen laut gestnu von Kassel eingettoffen« Verfügung. Tief bewegt verkündigte He« Dompfarrer S chmit t heute morgen dem Volke diese Veränderung. Die Leute weinten.

Dem .Franks. Journal' entnehmen wir fol­gende Mitteilungen:

Für ben Abend des 5. Juni, an welchem Tage ber große Festzug stattfindet, ist eine Illumination ber Stabt vorbereitet; nach einem Beschlüsse des Ministeriums ist jedoch die Beleuchtung d« Staats­gebäude ausdrücklich untnfagt worden.

Gestern war das Militär in der Kaserne confignirt, unb zwar wegen ber ganz grundlosen Befürchtung, daß der Befehl zur Einstellung der Predigten und etwa nöthiges Einschreiten Anlaß zu Unordnungen geben könnte. — Vorgestern Abends, alsbald nach dem Eingang deS Verbot» b« Misfionspredigte«, find von hieraus zwei Mitglieder des Domcapitel» nach Kassel abgereist, um doriselbst Mittel und Wege zu finden, damit jenes V«dot zurückgenommen werde. Dies ist denn, nach gestern eingetroffener Nachricht, geschehen und heute hat Pater Haßlacher die Fest­predigt gebalten, dem, erst gestern angekommene, von d« Polizei alsbald da» gleiche Verbot wie ben übrigen Jesuiten insinuirt worden war.

Gestern, als an dem Hauptfesttage, fand der große Umzug mit ben Reliquien beS heil. Bonifacius statt. Den Zug führte ber Carbinal und päpstliche Legat Biala Prela, gefolgt von sechs Bischöfen und einer Anzahl anderer auswärtiger Prälaten. DeS Abends hat eine wahrhaft glänzende Beleuchtung d« ganzen Stabt unb ber BonifaciuSflatue flattgefunden. Von ben StaatSgebäuben war nicht ein einziges er­leuchtet. Die Bitte ber evangelischen Geistlichkeit um Gestattung ein« Bonisaeiussei« in ber evangelischen Kirche war hohen Orts nicht genehmigt worben.

lieber den weiteren Verlauf berichtet das Mainzer Journal' wie folgt:

Fnlda, 8. Juni. Eine glänzenbere Frohnleich- namSprrcesfion als die vorgestern abgehaltene hat Fulba noch nicht gesehen; Se. Eminenz b« Nuntiu» trug baS Allerheiligste; bie Herren Bischöfe von Hil- deSheim, Paderborn, Eichstätt, Mainz, Fulda be­gleiteten bie Procesfion, ferner ber Dompropst von Brixen, ber Dombechant von Linz, Dowcapitular Sch önke von Pelplin (Culm), ein Prior d« Cist«- ciens« aus Steyermark unb ein regulirt« Chorherr aus Stift St. Florian in Oesterreich; die Pracht, welche entfaltet wurde, die Ordnung, in welcher Alles vor fich ging, mehr aber als alles Dieses die Andacht, welche man überall wahrnahm, ist nicht zu schildern. Fünf westphälische Edelleute, Geistliche und Laien, waren bei der Procesfion. Das Hochamt im Dome hielt der Hochwürbigste Bischof von Mainz, gestern hat eS ber Hochwürbigste Bischof von Paderborn, heute b« Hochwürdixfie Bischof von Hildesheim ge­halten. Das Wett« lis heute ftüh unv«gleichlich.

Fulda, 11. Juni. Damit Sie nicht ohne Nach­richten über die Feierlichketten sm gestrigen und heutigen Tage bleiben, folgende Mitteilungen. Nach­dem Sonnabend 9. Juri Abends noch der PrimaS ber beutschen Bischöfe, b« Fürsterzbischof von Salz­burg, Maximilian Freiherr v. Tarnoczy und b« Hochwürbigste Erzbischof von München Earl August Graf v. Reifach, sowie ba Hochwürbigste Fürst­bischof von BreSlau Dr. Förster unb b« Weih­bischos von Paberborn Dr. FreuSberg hier ein­getrvffen waren, auch baS Zuströme» ber Fremben von Neuem begann unb namentlich noch viele Geist­liche hier eingettoffen finb, fo baß fast keine Diöcese Dentschlanb» unöerbeten geblieben ist, schien «ch am gestrigen Tage »ieber unfern Stabt der heiterste Himmel zu entern Feste, wie Fnlda nie eine» gesehen, kaum ein» Wiedersehen wird. Am e»r*iNte«e bei

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Drittes Blatt ■