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31. Jahrgang
Klwa, Freitag, den 3. Juni 1904
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Ohne plan und Siel
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Sie stockte.
Roma» von I. Baierlein.
------ (Nachdruck verboten.)
Wir roiffen nicht, ob schon jemals ein Jesuit überhaupt den Boden des Fürstentums Reust j. L. betreten hat — jedenfalls hat noch nie einer sich jlängere tZeit dort aufgehalten. So wird es ohne allen Zweifel auch in Zukunst siem. Die biederen Neuster brauchen also gar mcht zu fürchten, daß die bösen Jesuiten dort einbrechen und ihnen daS „Evangelium" rauben. Weit mehr wäre ihre Wachsamkeit angebracht nach einer andern Seite: Die Soziald emokraten haben schon längst das Reichstagsmandat des Ländchens und im Landtage eine erhebliche Anzahl von Sitzen erobert. Religiöse Gleichgültigkeit greift im Lande immer mehr um sich und die Sittlichkeit nimmt wahrlich nicht zu. Warum ruft man nicht nach einer schärferen Wache gegen diese Gefahr?
SchrisÜeUenZos.vanm,
«. ÄÄ«. wochmb-llag-: „Illustrierte Sonntagrreitung
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Verantwortlicher
*. Sie wachen.
Der Landtag des Fürstentums Reust j. L. hat, wie schon kurz gemeldet, am Dienstag eine Petition um Erlaß eines Gesetzes gegen die „Jefuitengefahr" der Regierung überwiesen, indem er zugleich der Ueberzeugung Ausdruck gab, daß jetzt noch kein Grund für ein solches Gesetz vorliege, da die Reichsgesetze ausreichend seien und die Regierung scharf wachen werde. Ohne Zweifel wird die Regierung von Reuß j. L. scharf wachen und wenn sie etwa einschlafen sollte, so gibt es in Thüringen und Umgegend nimmer ruhende „Zionswächter", die sie schon auftütteln würden. Daß man „aus der Wache stehen" müffe gegen „Rom" und seine „Sendlings", das wird ja auf allen Pastorenversammlungen, auf allen Versammlungen des Evangelischen Bundes und in allen Blättern und Blättchen konfessioneller Unduldsamkeit unablässig gepredigt.
Was mögen die Leute, die solche große Worte machen, sich wohl eigentlich dabei denken? In der Regel ohne Zweifel gar nichts. Die Regierung von Reuß j. L. soll nach der Meinung des reußischen Landtages „scharf wachen", daß die „Jesuitengefahr" nicht über ihre paar Quadratmeilen hereinbricht. (Das ganze Fürstentum ist 826 qkm. groß, also nicht viel größer als der Kreis Fulda, der 613 qkm. groß ist.) Wie soll die reußische Regierung die scharfe Wache wohl ausführen? Sie hat nicht das Recht, einen Jesuiten von der Landesgrenze durch Gendarmen zurücktreiben- zu lasten, oder wenn er trotz aller Wachsamkeit hinübergeschlüpft ist, ihn auszuweisen. Die Jesuiten genießen im ganzen Reiche dieselbe Freizügigkeit wie jeder andere Deutsche. Reuß j. L. bildet keine Ausnahme von dem Freizügigkeitsgesetze und seine Regierung könnte nichts dagegen machen, selbst wenn hundert Jesuiten auf seinem geheiligten Boden Wohnsitz nehmen wollten. Die Errichtung von Niederlaffungen und die Ausübung der Seelsorge kann den Jesuiten ja durch den souveränen rrußi- scher Staat untersagt werden. Ebenso kann er ihnen die Errichtung von Schulen und die Erteilung von Unterricht an einer reußischen Staatsanstalt untersagen. Aber man macht sich von vornherein lächerlich mit der Annahme, daß die Jesuiten überhaupt beabsichtigen könnten, eine derartige Gefahr über das thüringische Ländchen zu bringen, und darum ist es eine hohle Phrase zu sagen, die Regierung werde schon „scharf wachen".
Auf Grund des Freizügigkeitsgesetzes siedeln sich immer mehr Katholiken in früher rein protestantischen Gegenden an. Umgekehrt mehren sich in katholischen Gegenden die protestantischen Minderheiten. Kein Katholik ist so einfältig, deswegen über protestantische Propaganda und Vordringen des Luthertums zu schreien und seine Glaubensgenosten aufzufordern, daß sie auf der Wacht stehen und sich gegen die Gefahr wehren sollen. Es findet aber im ganzen Reiche eine fortwährende Verschiebung der Bevölkerung statt, gegen die nichts zu machen ist.
„Was ist'- mit jener Mühle?"
„Dort ist nichts zu holen. 68 ist das große Anwesen, worin ich heute bettelte. Die Leute geben nichts. Ihretwegen bin ich so arg geschlagen worden."
„Wir werden dennoch darauf zugehen, da wir mcht betteln, sondern etwas laufen wollen, was den Hunger stillt."
In der Tat nahm der Wald nach etwa zwanzig Winuttu ein Ende, und ich erblickte in einem saftigen Wissengrunde ein stattliches Gehöft, dessen klappernden »oder die gesuchte Mühle verrieten. Ich ergriff die Ha d Renatas, deren Augen einen ängstlichen Aus- drua zeigten, fester und beschritt mit ihr den schmalen, nach der Mühle fübrenden Wiesenpfad.
„Der Hund", flüsterte Renata, „der Hund ist so bisse. Die Leute wollten ihn aus mich hetzen, wenn ich mich nicht augenblicklich fortmachen würde."
„Jetzt bin ich bei Dir, und da darfst Du wegen der Hundes außer Sorge sein."
Je näher wir kamen, desto mehr bewunderte ich dar behäbige Anwesen; die Fenster waren blink und blank, die braune» Läden davor neu gestrichen, das mit Schieferplatten eingedeckte Doch hatte nicht die veinste Lücke, die vergoldete Spitze des darauf befestigten Blitzableiters funkelte im Sonnenlicht, und die große» Stallungen, die wett auSgedehMen Scheunen und Scheuern verkünceten deutlich die Wohlhabenheit, vielleicht den Reichtum des Besitzers
Je näher wir kamen, desto mehr tobte auch ein Lettenhund, der uns gewittert hatte und mit tiefem, Sllendem Anschlag, heulend und kläffend den Müllers- ten die Anwesenheit von Fremden meldete.
Berlin, den 2. Juni 1904.
* Die Meldung, ein zum Kriegsschauplätze in Ostasten kommandierter deutscher Offizier nehme ein ziemlich umfangreiches Haudschreibeu des Kaiser- an den russischen Oberkommandierenden General Kuropatkin mit, wird von der ,Nordd. Allg. 3tg.' als eine fette Ente bezeichnet. Bei dieser Gelegenheit warnt das offiziöse Blatt allgemein vor den Meldungen, mit denen man in der ausländischen Presse Deutschlands Neutralität zu verdächtigen sucht. Beispielsweise hat das «Daily Chronicle' unter der Ueberschrift „Kaiser’s dogs for Russia“ eine Depesche des Bureau Reuter aus St. Petersburg verbreitet, wonach der Kaiser drei in Deutschland ausgebildete Schäferhunde für Wacht- und Ambulanzdienst einer rusfifchen Gesellschaft zu überlaffen befohlen habe, nachdem die deutschen Militärbehörden einem dahin gehenden Gesuch nicht entsprochen hätten. Diese nett klingende Geschichte hat ebenfalls den Fehler, nicht wahr zu sein.
** Bezüglich einer Meldung der,Berl. Polit. Nachr/, die Vermehrung der Oberregie- rungsrats - Stellen und die Geschäftstei- lung der Kirchen- und Schul-Abteilungen der einzelnen Regierungs-Präsidien betreffend, erfährt die «Neue Polit. Korresp.", daß zurzeit eine derartige Aktion nicht schwebt. Vielmehr dürste die stark verfrühte Notiz auf die Schaffung einzelner neuer Oberregierungsrats-Stellen zurückzuführen sein, wie sie z. B. in den Regierungs-Bezirken Arnsberg, Düffeldorf und Oppeln nach Maßgabe des Bedürfnisses bereits eingetreten ist, wo die Präsidial-Abteilungen bereits je zwei Oberregierungsräte haben. In der Finanz-Abteilung hat u. a. auch jetzt schon der Präsident in Bezirken z. B. mit großen Forsten den zuständigen Oberforstmeister als quasi Dezernenten zur Seite. Die Teilung, insbesondere der Kirchen- und Schulabteilung, erweist sich aber zurzeit als ein ganz undurchführbarer Gedanke.
** Schon seit längerer Zeit hat der Umfang einer größeren Anzahl von Regierungsbezirke»
Bevor wir daS Gehöft erreicht batten, erschien unter der Tür des Hauses ein wohlbeleibter Mann mit dickem, rotem Gesicht und kleinen, verschwommenen Auge». Er trug grauleiuene Beinkleider, eine ebensolche bequeme Jacke und gestickte Hausschuhe. Jedenfalls war eS der Müller, der, durch das Lärmen deS Hundes aufmerksam gemacht, sehen wollte, was es gäbe.
AIS er uns zu Gesicht bekam, spreizte er die Beine breitspurig auseinander und verschränkte die Arme auf der mit einem groben Hemd bedeckten Brust.
„Guten Tag!" begrüßte Renata den Mann.
Er gab keine Antwort, musterte dagegen zuerst mich, dann Renata vom Kopf zum Fuß.
„Eie find gewiß der Herr dieser Mühle?" fuhr ich fort.
„Wird schon so sein", sagte er in phlegmatischem Tone.
„Es freut mich, gleich Sie selbst angetroffen zu haben. Mit dem Herrn deS Hauses kommt man stets schneller zu einer Verständigung. Ich möchte mich nämlich mit einer Bitte au Sie wende». Zweifellos baden Sie für ein paar hungrige Wanderer etwas Eßbares im Haufe. Vielleicht können Sie uns auch mit einem Lohnftibrwerk auk helfen, damit wir bald in die nächste Ortschaft gelange»; denn meine kleine Begleiterin hat einen wunden Fuß."
Ter Müller betrachtete nachdenklich fein großes Anwesen und die dazu gehörigen Ställe und Speicher, als müffe er vor allem genau überlegen, ob er in dec Tat über einige Bissen Speise, sowie über ein Pferd und einen Wagen verfüge. Als Ergebnis seines NachfinnenS kam dann die lässige Antwort:
„Kann schon sein, daß 'waS z'essen da ist, und ein Zeugt (Lohnkusiche) hab' ich natürlich auch. Jedoch für Euch gibt'S nichts in meiner Mühle!"
„Aber, bester Mann," erwiderte ich, „wir verlangen ja nichts geschenkt. Ich werde alles, WaS Sie uns verechreichen, gerne bezahlen."
Maer
Zeitung
Monakbellage: „SlllbdCt GeschlchtZbMer".
und die Zunahme der Geschäfte in ihnen dazu genötigt, in der Präsidialabteilung neben dem Vertreter des Präsidenten einen zweiten OberregierungSrat anzustellen. Ebenso hat der Umfang der Gkfchäfte mehrfach dazu genötigt, die Finanzabteilung in solche für Domänen und Forsten und für die direkten Steuern zu teilen. Neuerdings dürfte voraussichtlich infolge des zunehmenden Umfanges der Geschäfte, welche dir Leitung der schwierigsten Schulabteilungen durch einen Oberregierungsrat mehr und mehr unmöglich macht, auch dazu überzugehen fein, die Schul- und Unterrichtsabteilungen wenigstens in den umfangreichsten und schwierigsten Bezirken zu teilen. Man wird alsdann dazu gelanoen, daß dem Regierungspräsidenten in der Regierung selbst sechs Oberregierungsräle unterstellt sind und daß die Bezirksregierung abgesehen von der mit zwei Oberregierungsräten ausgestatteten Prästdialabteilung, statt der zwei in der Regierungsinstruktion vorgesehenen Abteilungen deren vier zählen wird. Erwägt man ferner, daß in den größten Bezirken auch die Tätigkeit der Vorsitzenden des Schiedsgerichts ein Oberregierungsrat za betrauen fein wird, so gelangt man, wie offiziös betont wird, zu dem Schluffe, daß die Geschäfte der allgemeinen Landesverwaltung in den größeren Regierungsbezirken einen solchen Umfang und eine solche Vielgestaltigkeit erlangt haben, daß fie durch den Präsidenten nicht mehr voll übersehen werden können und daß demzufolge dem Ehef der Behörde eine Verantwortung auferlegt wird, die er tatsächlich nicht mehr voll tragen kann. Es liege daher auf der Hand, daß eine Abhilfe dringend nötig ist.
)( Das vom Bureaudirektor Rechnungsrat Plate angelegte Verzeichnis der ««- erledigte« Vorlagen im Abgeordnetenhaufe weist auf 29 Gesetzentwürfe der Staatsregierung, 2 Gesetzentwürfe der Staatsregierung, die dem Herrenhaufe vom Abgeordnetenhaufe zugegangen sind, 1 Gesetzentwurf, der dem Herrenhause von der Staatsregierung zugegangen ist, 1 Gesetzentwurf, der aus Antrag von Mitgliedern des Abgeordnetenhauses beschlossen worden ist und dem Herrenhause vorliegt, außerdem 4 von Mitgliedern beantragte Gesetzentwürfe (Anträge Oeser-Kopsch und Dr. Hitze- Schmedding betr. Erhöhung des Wohmmgszu- schuffes der Beamten, Dr. Eckels betr. Novelle zum Gesetze über die Enteignung von Grundeigentum vom 11. Juni 1874, Dr. Jderhosf betr. das christliche Volksschulwesen in Hannover, Dr. Arendt betr. Gewährung von Beihilfen an ehemalige Angehörige des preußischen Heeres und der Marine, die am Kriege gegen Dänemark 1864 teilgenommen haben), zusammen 37 Gesetzentwürfe, ferner 6 Denkschriften, die dem Abgeordnetenhaufe vorliegen, eine Denkschrift, die deut Herrenhaufe vorliegt, eine Interpellation Kroeth-v. Staudy betr. den Ausbau ■ es masurischen Kanals, 13 zur Plenarberatung stehende, 18 an Kommissionen verwiesene Anträge von Mitgliedern (einschließlich der vier genannten, in Gesetzentwürfe eingekleideten Anträge), 9 Wahlprüfungen, 40 Berichte über Petitionen. Von den 29 Gesetzentwürfen der Staatsregierung, die
Jetzt wurde der Mühlentesitzer barsch.
„Merkt Euch ein für allemal, daß ich für Leute Eures Gleichen kein bester Mann bin!" schrie er erbost; „so 'waS töt’ mir g'rad noch einfallen! Und was es für eine Bewandtnis mit der Zahlung hat, die so ein Vagabund verspricht, das weiß man ja eh'!"
„Sie werden mich doch für keinen Vagabunden, — für keinen Landstreicher halten?" rief ich und fühlte, tote mir die Beschuldigung des ungefälligen Mannes die Röte der Empörung in's Gesicht trieb. Doch dieser ließ sich nicht beirren. In fein früheres Phlegma zmückfallend, entgegnete er mit einem leisen Anflug von Spott:
„Ihr müßt schon früher aufstehn, wenn Ihr den Müller von der Holzmühl für einen heurigen Hasen kaufen wollt! Glaubt'S Ihr denn, ich kenn'dies Mädel da nimmer? Zu den Vagabunden ghört'S, die eben auf der Landstraß'n vorbeig'fahren find! Und betteln hat's wollen in meinem Haus! Well's aber nichts 'kriegt hat, — denn solchem Bagantenvolk geb' ich prinzipiell nichts, — d'rurn ist der Balg wieder z'rückg'lansen zu seiner Bande und hat jetzt Euch mtt- dracht. Aber mir seid Ihr alle Zwei nicht zu schlau Ich laß Euch nicht hinein in meine Mühl! Ihr möchtet nur gern die Gelegenheit ausspionieren, wie Ihr am leichtesten 'was kripsen upd stehlen könntet. Jawohl, so ist es; ich kenn' diese Schlich' schon lang'. Und deshalb rat' ich Euch in allem Ernst: Macht, daß Ihr Euch in Gutem sortpacki, eh' ich den TyraS von der Ketten loSlaff'. Der ist auf solches Gesinde' dressiert, und eS könnt' schon fein, daß daS Mädel alsdann eine böse Hexen erwischt', wenn der Hund fie zwischen die Zähn' bekommt. Jetzt fehlt ihr ja eh' nich'S. Ihr Hinken ist nur Verstellung, damit ich Euch lieber in mein Haus hinein lassen soll. Denn vorhin, wie fie da gebettelt hat, ist ihr Fuß noch ganz g'sunv g'weseu."
Nachdem daS Gespräch einmal bis zu diesem Punkte gediehen war, hätte niemand Voraussagen können,
dem Abgeordnetenhaufe vorliegen, sind 4 noch gar nicht beraten; 23 Gesetzentwürfe sind noch n zweiter und dritter Beratung; 2 noch in dritter Beratung zu erledigen.
** fcine seltsame Geschichte aus Tud. Westafrika wird in einem Briese einet < Hannoveraner» aus Swakopmund vom 29. April erzählt. Es heißt darin: Am 23. April seiet von den mit dem Reichspostdampfer „Markgraft und dem Postdampfer „Eatrerios" angekommenen Pferden etwa 400 gelandet. Am 24. April würde in Swakopmund ein Fest gefeiert. 3fn der Nacht, während man sich den Festesfreuden überließ, feien dreizehn Hereros, die bei einer deutschen Agentur als Arbeiter bedienstet waren, geflohen und hätten die 400 Pferde mitgenommen! Als man am nächsten Morgen den Diebstahl bemerkte, seien sofort 15 berittene Soldaten unter Führung eines Offiziers nachgesandt worden, um die Bande gefangen zu nehmen, die Patrouille ei abends mit 90 Pferden, die von den Hereros als unbrauchbar laufen gelassen waren, zurück- gekehrt. Die übrigen 310 Pferde seien dann wahrscheinlich den feindlichen Hereros zugeführt worden. Demgegenüber berichtet der Transport» ührer der mit dem Dampfer „Entrerios" am 21. April in Swakopmund eingetroffenen Pferde, Hauptmann Stahl, die Pferde — übrigens 350 — seien nicht gestohlen, sondern in ihrer Freude, endlich den Schiffstransport überstanden zu haben, durchgebrannt. Bis zum Abgang des Brieses seien sie bis auf 50 wieder eingefange« worden. — Die Geschichte klingt auch in diesei Fassung höchst sonderbar.
* Oberrealschule und Seekadetten. Del „Deutschen Zeitung' wird geschrieben: Daß Abi mrienten der Oberrealschule, denen die letzte». Jahre weitere Berechtigungen gebracht haben, die von mancher Seite auf fie gesetzten Erwartungen erfüllen, möge durch ein besonderes Beispiel belegt werden. Bei der diesjährigen Beförderung der Seekadetten zu Fähnerichen war zum ersten Male die Möglichkeit gegeben, daß auch Abiturienten der Oberrealschulen zu Fähnerichen zur See ernannt wurden. Don den etwa 140 Beförderten hat, wie jetzt amtlich bekannt wird, ein Abiturient der Oberrealschule in Kassel von Ostern 1903 die beste Prüfung bestanden. Er wurde daher in der für das Dienstalter maßgebenden Reihenfolge an erste Stelle gesetzt. Er war zugleich der einzige, der eine „Allerhöchste Belobigung für die bei der Prüfung dargelegten vorzüglichen Kenntnisse" erhalten hat.
(V) Kunstausstellung der Deutsche» Gesellschaft für christliche Kunst. Anläßlich der nächsten General-Versammlung der Katholiken Deutschlands findet in Regensburg vom 14. August bis anfang September eine größere Ausstellung für christliche Kunst statt. Die Aus- stellungs - Arbeiten übernimmt die Deutsche Ge» sellschaft für christliche Kunst; die Ausstellungs- Kommission bezw. die Jury bildet sich aus den diesjährigen Juroren der Gesellschaft. Die Ausstellung wird ein anregendes und umfassendes Bild des gegenwärtigen christlichen Kunsttebens bieten, zumal sich nicht allein die Künstler der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst, son- welche peinlichen Austritte eS etwa noch zur Folge haben würde. Doch bekam ich unversehens Hilfe von einer Seite, woher ich fie ficher nicht erwartet hatte. Denn hinter dem Müller zeigte sich plötzlich das Gesicht eines jungen Mannes, der die kräftige, die Türi versperrende Gestalt des Ersteren ohne viel Federlesen! beiseite drängte, rasch auf mich zueilte und, mir beide Hände entgegenstreckend, mit der Miene der freudigste» Ueberrafchung auSrief:
„Jst'S möglich? Täuschen mich meine Augen nicht? Sie find'-, Herr Professor von Büren? O, entschul- digen Sie doch gütigst das bedauerliche, aber leicht begreifliche Mißverständnis, dem mein Vater zum Opfer geworden ist; Sie find uns Allen herzlichst willkommen!" —
VII.
Damit hatte die unerquickliche Sage, in der ich mich dem Müller gegenüber befunden, eine sehr erwünschte Wendung zum Besseren erfahren. Denn ich erkannte in meinen» unerwarteten Nothelfer einen der begabtesten Zöglinge unserer Handelsschule, der von mir Unterricht in de« netteren Sprachen erhalten hatte, und dessen Fortschritte darin sowie in allen anderen Lehrgegenständen zu de» schönste» Hoffnungen berechtigten. Hatte ich mich um die Privatverhältnisse dieser Schülers auch nicht eigens bekümmert, so wußte ich doch, daß er der Sohn eines reichen Mühlenbe» fitzers aus der Umgebung von Nürnberg war, und diese Wissenschaft, verbunden mtt dem Umstand, daß er von einem Mißverständnis seines Vaters sprach, ließen mich schließen, daß eine gütige Fügung mich und meine Begleiterin zum Eüeinhause eines sehr guten Bekannten geführt hatte.
Ma» wird mir daher aui'S Wort glauben, daß ich über dies unvermutete Zusammentreffen nicht weniger erfreut war, als btr junge Mann, umsomehr, als mir Renatas verletzter Fuß Besorgnis einflößte.
(Fortsetzung folgt.)
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