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».ÄX’Ä». wochenbeilage-„Illustnette §onntag;zeitung" monairbellage: „8«ldaer Geschichtsblätter".

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Druck und Verlag de ZuldaerActiendruckeA in Zulda (Harmonik Zernsprecher Ur. 9.

M 119»

Zulda, Freitag, den 27. Mai 1904.

31. Jahrgang.

Deutsches Reich.

Berlin, den 26. Mai 1904.

** Die handelspolitische« Berhavd- L««ge« mit Oesterreich-Ungar« werden in den ersten Tagen der nächsten Woche eingeleitet werden. Es ist zunächst für den 30. und 31. Mai eine vorbereitende Besprechung zwischen den Deutschen und den österreichisch-ungarischen Vertretern in Berlin in Aussicht genommen. Möglicherweise führt, so schreibt die »Süddeutsche Reichskorr.', schon diese erste Aussprache so tief in die Verhandlungen hinein, daß man sie weiter fortsetzen kann, sei es bis zu einer etwa später notwendig werdenden Unterbrechung, sei es schon gleich bis zur Aufstellung des grundlegenden Entwurfes zu dem neuen Handelsverträge. Jeden­falls liegt kein Anlaß vor, die wirtschaftspolitische Verständigung szwischen den beiden verbündeten Kaiserreichen als besonders gefährdet hinzustellen, oder gar die Aussichten, unter denen Deutschland in die Erörterungen eintritt, so verzweifelt zu schildern, wie es den inländischen Gegnern des Reichszolltarifs beliebt.

* DaS Reichstagswahlrecht gefällt be­kanntlich vielen Konservativen und auch anderen Politikern gar nicht. Neuerdings wird nun auch Fürst Bismarck, der doch unser Landtaaswahl- system für das miserabelste von allen'erklärt hat, gegen das Reichstagswahlrecht in's Feld geführt. Das Herrenhausmitglied v. Diest er­zählt in der .Kreuzztg.', er sei als damaliger Regierungspräsident in Wiesbaden und Abgeord­neter für den norddeutschen Reichstag im Sommer 1867 in Ems auf einem Spaziergange mit Bis­marck auf das Reichstagswahlrecht zu sprechen gekommen und habe es für das Verderblichste erklärt, was unserm Volk geboten werden könntet Bismarck sagte darauf, daß dieses Wahlsystem lediglich ein Echachzug gegen Oesterreich gewesen sei; etwas Liberaleres könne Oesterreich nicht bieten. Er, Bismarck, müffe alle Parteien auf seine Seite bringen. Als v. Diest ihm erklärte, daß kein Volk, selbst das kleine Athen nicht, ei» solches Wahlsystem habe ertragen können, und daß er darum mit einem Perikles große Aehnlichkeit habe, nach dessen Tode Athen seinem Verfall entgegenging, da blieb Bismarck stehen und rief erregt: „Was wollen Sie von mir? Wollen Sie mich überhaupt noch der konser­vativen Partei erhalten? Bin aber nicht ich und die Konservativen völlig verloren, wenn ein Wechsel auf dem Thron stattfindet? Sobald unser alter König die Augen schließt, wenn ich dann überhaupt in meinem Amte bleiben will, muß ich der Majorität in den Volksvertretungen sicher sein; diese Majorität aber erlange ich jetzt nur durch ein solches Wshlsystem! In der

Ohne plan und Siel.

Roma» von I. Baierlein.

3 ------ (Nachdruck verböte».)

Ich strich noch mebrrre Tage kreuz und qucr in den Bergen umher und machte dabei allerlei Er­fahrungen. Vor allem fühlte ich, daß der schmerzhafte Druck im Kopfe, der mich manchmal belästigt hatte, infolge des fortgesetzten Aufenthaltes und der Bewegung im Freien rachließ und wohl bald ganz verschwunden sein würde; ferner hatte ich die sichere Empfindung, daß mein in der Stubenluft halb siech gewordener Körper zu neuen Kräften kam, wenn mein Ränzel, das Ich täglich leicht zehn Stunden zu tragen gewähnt, mich dann und wann auch sehr fühlbar drückte. Zu meiner Freude erwies eS sich sodann, daß gewisse quälenbe Zwanasomstellungen, an denen ich gelitten, und die ihre Quelle in unausgesetzter Geistesarbeit und Ueberreizvng der Gehirnnerven hatten, bis auf den letzten Rest verschwunden schienen.

Ich segnete den Doktor, der mir den Rat zu dieser Want erunq im Z'ckzeck gegeben, von der ich, wenn nicht alle Zeichen falsch waren, als ein geheilter, völlig geresrner Mann zu meinen BerufSgeschästen zurück- kehren durste.

Weniger zufrieden war ich mit den Erfahrungen, die ich in Bezug auf Verpflegung und Herberge machen mußte. Ich traf auf keinen zweiten wackeren Einsiedler, dagegen ans mehr oder minder schmutzige Landwirts- Häuser und Gasthöfe, in denen Bequemlichkeit ein un« bekanntes Wort uno frech zudringliche Fliegen die ständigen Gäste waren. Manchmal war das Cffen ungenießbar, manchmal wieder die Betten so schlecht, daß nur hochgradige, rach anstrengendem Tagesmarsch eingetretenr Ermüdung sie erträglich finden konnte.

Doch diese Unannehmlichkeiten nahm ich argesichlS der Tatsache, daß meine Ferienreise ihren Zweck zweifellos erfüllte, gerne mit in den Kauf. Nur war ich, durch mehrmaliges unfteiwilliges Fasten gewitzigt,

Theorie stimme ich Ihren Segengründen voll- ständig bei, und wenn das Wahlsystem in einigen Jahren nicht mehr nötig sein wird, und wenn es mir nicht mehr gefällt, so nehme ich es wieder zurück!" Nach dem Kriege von 1870—71 hatte v. Diest noch einmal ein Gespräch mit Bis­marck. Er konnte Bismarck mitteilen, daß die Konservativen und auch andere Mitglieder des Reichstags für eine Aenderung des Wahlsystems gestimmt seien, und daß wohl eine Aussicht vor­handen sei, die erforderliche Majorität zu er­langen; denn Bismarcks Macht sei so groß, und des Kaisers Macht stehe hinter ihm, eine Zurücknahme des Wahlgesetzes unter 'Ueberein- stimmung aller verbündeten Regierungen erscheine möglicher. Bismarck wollte aber nicht. Herr v. Diest glaubt offenbar mit dieser Erinnerung Stimmung für bte Aenderung des Reichstags­wahlrechtes machen zu können. Er tut aber, wie alle die Leute, die gegenwärtig so eifrig gegen das Wahlrecht reden und schreiben, nur den Sozialdemokraten einen Gefallen.

** Gegen die Sesthaftraach««g vo« Ar­beiter«, wie sie Pastor v. B o d e l s ch w i n g h in seiner vielbesprochenen Reichstags-Rede empfahl, spricht sich sein Parteigenosse Freiherr v. d. Recke in Lübbecke in der ,N. Wests. Volksztg.' aus: Bodelschwinghs Bestreben ist, durch Ansäsfig- machung der Fabrikarbeiter diesen das bisher nur zu sehr vernachlässigte Familienleben wieder­zugeben. „Die eigene Scholle für den auf seiner Hände Arbeit angewiesenen Mann" — das soll nach Bodelschwinghs Idee die Regel sein. Frhr. v. d. Recke will dies nur als Ausnahme gelten lassen. Er erklärt: „Man wolle uns Grund­besitzern nicht verargen, wenn wir in dieser Be­ziehung zur Vorsicht mahnen. Denn wir unter­schätzen die Verantwortung nicht, die uns trifft, wenn wir mit dem uns von Gott anvertrauten (!) Stücke des Staatsgebietes Veränderungen vor­nehmen, die uns und andere später gereuen könn­ten. Zerstückelt oder verbebelt ist ein Gut bald, aber nicht wieder zurecht gebracht." Der „ange- fiedelte Arbeiter" ist Herrn v. d. Recke im höch­sten Grade unsympathisch. Er meint: „Jeder Bauer und Gutsbesitzer hat den bescheidenen Wunsch, sein Gut nach eigenem Willen zu be­wirtschaften. Deshalb müssen seine Arbeiter ihm gehorchen. Wollen sie das nicht, oder tritt, auch abgesehen von der eigentlichen Arbeit, eine Ent­zweiung ein, so muß der Arbeiter sich fügen oder weichen. Oder soll der Arbeitgeber weichen?" In solchen Fällen sei der angesiedelte Arbeiter wirklich, um einen Ausdruck Bodelschwinghs zu gebrauchen, eine „Laus im Pelze", die man nicht los werden könne. — „Und Leute mit solcher Ansicht wundern sich, wenn die Landarbeiter es bei ihnen nicht aushalten mögen!" bemerkt dazu mit Recht ein liberales Blatt.

* Vom sozialistische« Bruderkriege. Der Genosse Franz Mehring beklagt sich in der ,Leipz. Volksztg.' darüber, daß einige sozial­demokratische Parteiblätter sich in Schmähungen über ihn als „ewigen Hetzer" Ergehen, allen voran der sozialdemokratische Reichstagsabgeord-

so vorsichtig geworden, jeden Morgen etwas Proviant in mein Ränzel zu packen. Sonst mußte ich, — wie dies schon ö'ter geschehen, — riskieren, daß in der erste» Ortschaft, die ich um die Mittagszeit erreichte, noch nichts gekocht und in der zweiten alles schon verzehrt war. In beiden Fällen aber bekam ich dann nichts zu essen.

Heute war es mir einmal über Erwarten geglückt. Nicht nur war das Bett leidlich gewesen, so daß ich gut geschlafen hatte, es zeigte sich sogar die Wirtin bereit, mir einen Vorrat von Eßwaren abzulassen, an denen ich iwch auf dem Wege laben konnte. Ich erstand daher ein gebratenes Huhn, ein Stuck geräucherte Mettwurst und einen halben Leib Roggenbrot, und schlug diese schönen Dinge sorgsam in einige Bogen reines Papier ein. Hätte ich eine Ahnung gehabt, welcher Bestimmung ich die Leckerbissen cntg-grntragen sollte, würde ich wohl weniger freundlich dretngeschaut haben, als in dem Augenblick, wo ich sie schmunzelnd in meiner Reisetasche versorgte. —

Wie ich mir's während der ganzen Reise zur Regel gemacht, hatte ich auch heute meine Wander­schaft wieder am frühen Morgen angetreten. Ich marschie te den Rand ein:# dicht bestockten Fichten- und Föhrenwaldes entlang; die Sonne verstreute durch die im Morgenwind sich wiegend en Gipfel goldene Ringel auf den mit Nadeln und Samenzapfen be­deckten, von Moos und Farrenkräutem durchwachsenen Rasen. Scharlachrote weißbetupfte Fliegenpilze leuch­teten aus dem dunklen Grün hervor, zahlreiche kreis« runde Kolonien von gelben Eierfchwämmen bildeten einen farbigen Gegensatz zu blauen Glockenblumen und den Blüten des braunen Haidekrauies. Ein durch meine Schritte vom Boden aufgeschreckteS Eichhorn Kelterte in furchtsamer Eile auf den nächsten besten Baumstamm, und em unfern des Weges äsender Hirsch boa den schlanken Hals, um mich mit neu­gierig großen Augen zu betrachten. Nachdem er sich überzeugt hatte, daß nur ein harmloser Wanderer durch daS stille Waldgebiet zog, suchte er ruhia weiter nach Futter. Aus schwindelnder Höhe gellte der

nete Edmund Fischer im ,Armen Teufel', deffen beklagenswerte Leser nach Ansicht Mehrings nachgerade an dem in diesem Blatt immer gleich halbdutzendspaltenweise aufgerührten Schmutz sticken müßten. Mehring verwahrt sich dagegen, daß er ein rachsüchtiger Mensch sei. Wäre er rachsüchtig, so schreibt er, so würde selbst ein überreichliches Maß an rachsüchtiger Gesinnung gekühlt worden sein durch das Schauspiel, wie seine sozialdemokraiischen Angreifer sich „von einem Subjekt wie Harden auf öffentlichem Markt traktieren ließen, ohne seine wiederholten Herausforderungen zu gerichtlicher Klage anzu­nehmen." Mehring versichert, daß er die Ver- ttauenskundgebung der sozialistischen Vertrauens­männer in Leipzig für ihn nicht angeregt habe, fügt aber hinzu, daß er den Wunsch ausge­sprochen habe, durch eine Bekundung des Ver­trauens der Mühe Überhoden zu werden, sich mit Leuten herumzuschlagen, die das Urteil des Par­teischiedsgerichts in verleumderischer Weise aus­beulen. Dieser Wunsch sei erfüllt worden. „Nun mögen", schreibt Mehring, „die Kläffer ganz nach ihrem Belieben kläffen, ich antworte auf ihre Verdächtigungen nicht." Man sieht, die Genesung der Sozialdemokratie von der Dres­dener Krankheit macht rapide Fortschritte. Daß von der ,Leipz. Volksztg.' ein Teil der Partei- blätter der Unterschlagung und des Stänkerns und der »Vorwärts' der Fälschung beschuldigt wird, sei nur nebenbei erwähnt. Die »Leipziger Volksztg.' behauptet, daß die Berichterstattung über das Schiedsgericht in gewissen Parteiblättern, worunter besonders auch der.Vorwärts' verstan­den ist, ein Parteiskandal ist, fast so groß wie die Konspiration des Hardenklüngels."

* Der mMch-japavische Krieg.

Die neuesten Nachrichten vom Kriegsschau­plätze melden eine Wiederaufnahme der japani­schen Angriffspläne zu Wasser und zu Lande. Die erste japanische Armee unter dem Oberbefehl des Generals Kuroki hat nach einer Meldung des Bureaus Reuter aus Mukden vom Mittwoch den Vormarsch wieder begonnen. Gegenwärtig gehen mehrere Kolonnen vor, ob­wohl der größte Teil dieser Armee sich noch in der Nähe von Fönghwangtschöng befindet. —Im Nordosten von Mukden haben sich kleine japani­sche Aufklärungstruppen gezeigt. Sie hielten sich aber in beträchtlicher Entfernung von der Stadt. Größere feindllche Truppenmengen sind nicht bemerkt worden.

Aus dem russischen Hauptquartier inLiaujanghat der Oberstkommandierende Kuropatfin an den Zaren am Mittwoch folgendes Telegramm gesandt: In der Gesamt­lage sind um Fönghwangtschöng und an der Küste des Golfes von Liaotung keine Verände­rungen eingetreten, lieber die Stellung des Feindes ist folgendes festgestellt worden: Bei Fönghwangtschöng sind gegen 40,000 Mann japanischer Truppenzusammengezogen, bei Pyamyn 4 Linienregimenter mit 50 Geschützen. Kleine

schrille einsilbige Schrei eines von Horst ziehenden Geiers, — sonst war alles still, nicht einmal die Grillen zirpten noch ihr eintöniges Lied. Süße Zauber der Waldeinsamkeit umwoben mich und be­flügelten meinen Fuß, daß ich ohne zu ermüden bis um die Mittagszeit eine ziemliche Strecke zurücklegte und eben, als es in der Ferne daS AngrluS läutete, die nach Nürnberg führende Landstraße erreichte.

Nach dem Glockenklang zu schließen, mußte das Dorf oder der Marktflecken, in dem man läutete, — eine größere Stadt befand sich meines Wissens über­haupt nicht in der Nähe, — noch ziemlich weit ent­fernt sein. Um wegen meines Mittagsmahles keine Enttäuschung zu erleben, verzichtete ich daher freitoiHig auf ein solches, wogegen ich mir vornabm, mir an meinen im Ränzel mitgetragenen Eßvorräten eine Güte zu tun.

Gedacht, getan. — Ich sand zu meinem Vorhaben gerade auch ein wunderschönes passendes Ruheplätzchen. Unter einem Ebereschenbaum, dessen halbreife Beeren­büschel goldgelb au« zackigem Blättergrün hervor­lachten, und der herrlichen Schatten spendete, war eine Rasendank angebracht. Wahrscheinlich hatten die Straßenwärter sie in ihren Freistunden errichtet, um daraus die kurze Zeit der Muße zu verträumen, die des Dienstes stets gleich gepellte Uhr ihnen als Er­holungspause gestattete.

Aus dieser Bank ließ ich mich nieder, packte dar gebratene Huhn und die Mettwurst aus, legte das Brot daneben und holte aus der Tasche meines Beinkleides da« Messer, um das Brot in Stücke und die Wmst in Scheiben zu zerschneiden

Ei, welch schöne braune Farbe hatte der knusperig gebratene Vogel! Wie angenehm kräftig roch das erst gestern aus dem Backofen gekommene Brot! Wie lecker duftete die stark gewürzte Mettwurst! Und alle diese Herrlichkeiten hatte ich so billig erworben, — nicht ganz zwei Mark hatten sie gekostet. In Nürnbeeg hätte ich sicher daS Doppelt- dafür bezahlen müssen. —

Da« Bewußtsein, billig eingelauft zu haben, er­freute mich so sehr, daß ich spürte, wie mein Appettt

Abteilungen japanischer Truppen rücken von Fönghwangtschöng nach Ssiujan vor. Dieser Vormarsch vollzieht sich äußerst langsam und unter großen Vorsichtsmaßnahmen. Auf dem linken Ufer des Tajangho nahm ein Teil dieser Truppen, nämlich 3Ö00 Mann Linien- und Gardeinfanterie und drei Eskadrons Garde- kaoallerie, am 22. Mai staffelförmige Aufstellung zwischen Ssediachoge und Salidsaipudsa auf dem Wege nach Ssiujan. Gleichzeitig wurde festge­stellt, daß der Gegner auch von Fönghwangt- fchöng und Pyamyn nach dem Unterlaufe des Tajangho in der Richtung auf Luanmiau vor­rückt. Stellungen seiner Vorhut sind auf das rechte Ufer des Tajangho übergesetzt und am 22. Mai besetzte eine dieser Abteilungen, die etwa drei Kompagnien und eine Eskadron stark war, den Liaulin-Paß, vierzehn Werst südlich von Ssiujan, auf dem nach Takuschan führenden Wege, sowie die benachbarten Dörfer Ualaffy und Kuanchapfu. Außerdem besetzte eine aus etwa einem Bataillon Infanterie und einer Es­kadron Kavallerie bestehende Abteilung am 22. Mai Pchemiao auf dem rechten Ufer des Tajangho auf dem Wege nach Takuschan, zehn Werst von Laidsapudsa.

W. London, 27. Mai 1904. Dem,Cen- tral-News' wird aus Tokio von heute gemeldet: Die kürzliche gewaltsame Rekognoszierung nach Kaiping zu ergab, daß die Russen diese Stellung geräumt haben; man glaubt, daß ein Angriff auf die russischen Linien bei Kint- schau bevorstehe oder bereits begonnen habe. Die Japaner haben schwerste Artillerie auf­gestellt. Japanische Spione stellten fest, daß die Russen ihrerseits bei Kintschau 30 schwere Ge­schütze außer kleineren Geschützen haben, zahl­reiche Minen gelegt und Stacheldraht gezogen haben, wo der japanische Angriff erwartet wird.

Dem .Central - News' wird ferner aus Petersburg berichtet, daß nach einer Depesche aus Liaojang eine von Dagushan kommende Sotnre Kosaken am Abend des 20. Mai drei Schwadronen Japaner traf. Letztere retirierten und lockten dabei die Kosaken zu einem Hügel, hinter welchem eine starke Abteilung ja­panischer Infanterie verborgen war. Die Kosaken gerieten so zwischen zwei Feuer. Der Kommandant der Kosaken wurde getötet. Alle Offiziere derselben wurden getötet oder verwundet oder werden vermißt. Außerdem wurden 30 Mann getötet.

W. Tokio, 27. Mai 1904. (Reuter. General Kuroki berichtet vom 25. Mai: Nach einem Gefecht bei Togu nahm die russische Kavallerie Stellung bei Pataoshi. Die Japaner griffen an und schlugen sie. Einge­borene erzählen, drei Ruffen seien gefallen, 18 wuchs, weshalb ich mich mit Eifer daran machte, mir's schmecken zu lassen. Ich säbelte einen Schenkel des gebratenen Huhnes und ein großes Stück Brot herab, und wollte gerade den ersten Bissen zum Mund führen, da--

--»Hü! Hott!" ertönte eS plötzlich in einem tiefere Hohlweg, der genau meiner Ruhebank gegen­über auf die Landstraße auSmünbete. Raube Stimmen erschallten, Geschrei von Weibern und Kindern, die sich in einer fremden Sprache unterhielten, welche ich nicht verstand, — dazwischen Peitschenknallen und das heilere Gekläff eines Hundes, kurz ein lautet Lärm, der das Ohr beleidigte und unangenehm gegen die feierliche Stille abstach, die bisher im Walde ge­herrscht halte.

Jedoch der Lärm kam immer näher; unter die rauhen Männerstimmen und das Gekreisch der Weiber mischte sich das Klappern von Hufen, bereits unter­schied ich auch das Knarren von Rädern und jetzt —

Jetzt schwenkte den Hohlweg herauf eines jener allbekannten Fuhrwerke, die man kühn als einen vor- sündflutlichen Hebenest, der in unsere moderne Zeit gleich einem schmutzigen Ungetüm hereinragt, bezeichnen darf.

ES war em verlotterter Zigeunerwagen, dec aus­sah wie eine auf vier morsche Räder gesetzte, ihrem gänzlichen Verfall nahe Bretterhütte. Das Dach der- selben bestand nur aus einigen Fetzen Leinwandtuch, in denen es mehr Löcher a's Flicken gab; das GlcS in den Fenstern auf beiden Wagenseiten war erblindet und starrte von Staub und Schmutz; die Tür, durch die man hinten in den Wagen einsteigen konnte, hing nur mehr in einer einzigen Angel und schlotterte des- bald hin und her. UeberoC, wo eS Raum gab, an den Bretterwänden, an der Tür und am primitiven hölzernen Kutschbock, waren große und kleine «Siebe aufgehängt, Drahtgeflechte, Maus- und Rattenfallen; auf dem Leinwanddach lagen blecherne Schüsseln, Seiher und Kochgeschirre; unter dem Wagen aber schaukelten bunt angestrichene Stangen und Pfosten, wie sie die JahrmarktSgaukler benützen, um ihre Draht­seile darüber zu spannen. (F. f.)