31. Jahrgang
zul-a. Samstag, den 21. Mai 1904
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RtÜMitB* nn> Äujeigettteil.
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Drittes Blatt
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die in primitivster Art hergrstellteo Bretterbuden für EinirütSkarten find in Betrieb. Die gesamten Anlagen, welche wohl kaum bis zum Okirber fertig werden können, wenn in der birhenzen Art fortgearbeuet wird, werden kaum ein minderwertiger Abklatsch der Pariser Weltauistellung werden. Dos deutsche Publikum sollte gewarnt werden, die Ausstellung nicht vor dem £ höbet zu besuchen, damit nicht zu viel deutschls Kapital diesem amerikamsch'N Humbug zum Opfer fällt; eS ist unv'ran wörtlich, daß, trotz deutscher Vertreter, vor der Abreise nicht amtlich ge» warnt worden ist."
* Dee englischen Kellner i« Loudon beabsichtigen gegen die ausländischen Kellner in einen erbitterte» Kampf einzutreten. Ein Mitglied de» Parlament» will ihnen dabei behülflich sein. Die Hotelbesitzer und Restaurateure stehen dieser Bewegung der eng» lischen Kellner keinesweg» freundlich gegenüber- Em Hotelier erllärte, daß der englische Kellner in der Tat den Ausländer verdrängen könne, soll» er sich dazu entschließen wollte, frarzöfi ch zu lernen, seine Kleider rein zu halten, da» Rauchen zu unterlaßen, ehe er zum Dienst kommt und seine Hände ran Mi hatten. Sin Slieik der englischen Kellner sei lächerlich, da die Stellen sofort mit Ausländern gefüllt werden könnten. Ein anderer Hotelier erklärte, die englischen Kellner verständen ihr Geschäft überhaupt nicht. Em Eogländer denke, er könne Kellner werden, wenn er zu anderen Dingen nicht zu brauchen sei, während besonders der Deutsche von Grund auf sein Geschäft lerne.
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Lernsprech« Nr. 9
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Verantwortlicher
[] Var 8eft des Geistes.
Wieder ist es gekommen das Hochfest des Kirchenjahres, das Fest der Vermahlung Gottes mit der Menschheit ourch die Ausgießung seines Geistes an die Apostel und an die Kirche.
Unter dem Brausen des Sturmwindes ist der Gottesgeist niedergefahren und in Gestalt von feurigen Zungen. WaS gäbe es auch bessere Sinnbilder, um die Wirkungen dieser Geistessendung anzudeuten als den Sturmwind, der die Luft reinigt von den Miasmen und erstickenden Dünsten, und als das Feuer, den Träger des Lichts und der Wärme?
Ein neues Weltenzeitalter sollte beginnen mit dem ersten Pfingstfest: aus den verfallenen Ruinen sollte neues Leben blühen; die ganze Welt sollte in ihren fittlichen Anschauungen umgewälzt und erneuert werden; die Stickluft, welche das Heidentum in seinen verschiedenen Formen über die Menschheit gelagert, sollte vertrieben werden. So kam der Geist Gottes im Brausen des Sturmwinds, um eine neue, reine Luft, eine „Höhenluft" zur Erde zu bringen, in welcher der Mensch frei aufatmen konnte, befreit von dem entsetzlichen Druck einer Weltanschauung, die, weil ohne Gott und ohne Jenseits, schließlich doch nur zur Verzweiflung führen mußte.
Und Licht sollte eS werden, Licht, daß die Menschheit die Wahrheit erkenne, nach welcher ste hungert und dürstet, die Wahrheit über die letzten Dinge, über Ursprung, Bestimmung und Endziel aller Dinge und nicht zuletzt deS Menschen. ES hat im Laufe der Menschheitsgeschichte nicht an Propheten gefehlt, welche fich erbötig gemacht, die Menschen den Weg der Wahrheit zu führen. Und wo immer der Ruf erschallte, daß ein neuer Prophet aufgestanden, ist ihm viel Volk zugelaufen; aber immer hat der Haufe fich rasch zerstreut mit dem refignierten, schmerzlichen Ausruf: „Ach, daß wir gar nichts wissen können, das will mir schier das Herz verbrennen."
Ein anderer. Höherer mußte kommen, einer, der von sich selbst sagen konnte: «Ich bin der Weg, die Wahrheit und da» Leben", um der
* Die Besucher der WeltanSstellnug ie St. Louis find in hohem Grade enttäuscht von dem, waS ihnen bisher dort geboten wurde. , So schreibt der .Germania' unter dem 3. Mai ein Baumeister, der in Potsdam Vorstandsmitglied der Stadtverordneten-Versammlung ist, wörtlich folgendes: „Da» einzig Bewunderungswürdige ist die Kühnheit der Eröffnung, weil absolut noch nicht» ausgestellt ist, was eine Besichtigung oder gar eine größere Reise verlohnt. Selbst da» Deutsche Hau» ist noch nicht fertig in feinen baulichen Anlagen, viel weniger mit der Einrichtung. Biele Gebäude find, nach der vorgeschrittenen Arbett zu urteile», kaum 4 Wochen in Arbeit. Der größte Teil der Weg. und Zugänge in der Ausstellung, so wie selbst die ZusahrtSwege, entbehre» jeder Regulierung. Die Verbindungsbahn in der AursteLmg ist noch nicht i» Betrieb. Rur
.Illustrierte Geschichte der katholischen Kirche" von Prof. Dr. I. P. Kirsch und Prof. Dr. 8. Luksch (Allgemeine Verlags-Gesellschaft m. b. H„ München. 25 Lieferungen ä. 1 Mk.) 10. und 11. Lieferung.
Zunächst kommt „Der Anschluß der Papsttum» an da» Fränkische Reich und die wachsende Entfremdung der griechischen und lateinischen Kirche (692— 867)" zur Darstellung. Die damalige Lage de» Papsttums in Italien und die Berhältniffe im Reiche der Franken unter Karl Martell, Karlmann und Pippin beanspruchen daS höchste Interesse. Als Lichtgeftatt taucht der hl. Bonifatius auf. In der Schenkung Pippins an den Papst findet man die rechtliche Grundlage jenes staatlichen Gebildes, welches in späteren Zeiten nach wiederholten beträchtlichen Vermehrungen seines Umsangs alS „Kirchenstaat" unter den Päpsten al» unabhängigen Herrschern (Souveränen) stand. Die Erneuerung deS abendländischen Kaisertums und die Erweiterung des christlichen Gebietes durch Karl de» Großen bilden daS nächste Kapitel. — Einen besonderen Aufschwung nahmen die wiflenschastlichen Bestrebungen im fränkischen Re ch unter Karl dem «roßen, dem Bildung und Gesittung als daS Höchste galt. Diese beiden Lieferungen enthalten 94 Textillustrationen in bekannter mustergülliger Ausführung und an Bollbildern : »Die Goldene Pforte am Dom zu Freiberg in Sachsen" (Mitte deS 13. Jahrhunderts), .Die sächsische Abschwörungs- und Taufgelöbnis - Formel" (um 775 in Fulda entstanden), »DaS jüngste Gericht" von Fra Angelico da Fiesol« (Doppeltafel). Mtt diesem zweiten Teil tritt Prof. Luksch auf den Plan. Die Arbeit deS Prof. Kirsch hat allseits die verdient« Anerkennung gefunden.
Menschheit die Wahrheit zu lehren. Er kam und alS er schied von dieser Erde, hat er seinen Gersi verheißen, „der euch alle Tage Wahrheit lehren wird".
Ist dieses Wort in Erfüllung gegangen? Wer diese Frage verneinen wollte, der müßte keine Ahnung haben von der Geschichte des Christen- tums.
Mit Recht hat daher christlicher Sinn unserer Altvordern über den Eingangspforten der Hochschulen die Herabkunft des hl. Geistes bildnerisch dargestellt und damit die beste Wiverleoung gegeben von dem unsinnigen Gerede der Unvereinbarkeit von gläubigem Sinn und wissenschaftlicher Arbeit.
Wenn dasselbe Mittelalter sodann seine Hospitäler zubenannt hat „zum heiligen (Seift“, so hat es damit vortrefflich ausgedrückt, daß Die christliche Nächstenliebe, die fich selbst aufopfernde Charitas, das Werk des hl. Geistes ist. Jene übernatürliche Nächstenliebe, die nicht nach Zufall und Neigung der einen oder andern Persönlichkeit dient, sondern der Gesamtheit der Notleidendenden ohne Ausnahme zu Hilfe eilt, strömt nur hervor aus Herzen, die durchglüht find von dem Feuer, welches der Geist Gottes am ersten Pfingstfest- zur Erde gesandt hat. Es mußte die harte Eiskruste schmelzen, welche die Selbstsucht um die Menschenherzen legt. Die Schranken, hinter welchen die Ichsucht sich absperrt gegen alle charitativen Leistungen an die Mitwelt, welche ihr nichts ist, als ein Ausbeutungs Objekt, mußten niedergelegt, verbrannt werden im Feuer einer alles überwindenden Nächstenliebe. Und daß der Geist Gottes, der in Feuerfiammen vom Himmel niederstieg, das erreicht hat, dessen ist» ein voll- giltiger Beweis die Geschichte der christlichen Charitas, dem die Welt nichts ähnliches an die Seite zu stellen hat. Dieser Geist Gottes hat jene „Uebermenschen" geschaffen, welche diese Bezeichnung in ihrem besten Sinne verdienen, welche nicht die Schwachen niedertreten, sondern mit dem Einsatz ihre» eigenen Ich in seinen Dienst sich stellen: die Helden und Heldinnen der christlichen Nächstenliebe.
Wie not tut doch dieser Geist unserer Zeit, in welcher die Ichsucht wieder zum Herrscher werden will nicht nur in den Kreisen der Be- fitzeaden, auch in den Kreisen derer, welche glauben, eben wegen ihrer Selbstsucht den besitzenden Klaffen die leidenschaftlichsten Vorwürfe machen zu sollen. Ja, wer wollte behaupten, daß, wenn die sozialistische Ordnung heute durchgeführt würde, nicht genau ebenso die Gewalt im Dienste der Selbstsucht mißbraucht würde wie heute. Die Vorgänge innerhalb der Sozialdemokratie reden denn doch eine laute Sprache dahin, daß die Selbstsucht hier in ungebrochener Kraft fich aus- wirkt.
Inmitten einer Zeit, die dem Christentum den Krieg bis aufs Messer erklärt, erwächst den Brkennern desselben die Pflicht, in Wort und Tat dm Nachweis zu erbringen von der unerreichbaren Ueberlegenheit des Christentums. Von den Aposteln heißt es, daß sie nach der Herabkunst des hl. Geistes in feurigen Zungen «zu redm anfinge»" und unermüdlich find fie gewesen in ihrem Zeugnisgeben von der Wahrheit. Für die Bekenner des Christentums in der Gegenwart ist das ein lauter Ruf zur Eutfallung aller Tatkraft, aller im Katholizismus so überreich und unerschöpflich vorhandenen, aber noch nicht entbundener Kräfte. Wenn die Gegner des Christentums den Katholizismus mit dem Felde voll von Totengebeinen vergleichen, welches der Prophet Ezechiel gefchaut hat, so muß es die Aufgabe der Kacholikm fein,Kefen Totengebeinen der Jnteressen- lofigkeit an den großen Aufgaben der Gegenwart neues Leben eivzuhauchen — in bet Kraft des Gottesgeistes des Pfingstfestes.
Sotterdlellftordmmg in Suita.
«-»«tag, 22. Mai. (Pfingstsonntag.) Dom. 5, 6 Rxt 7 Uh- hu »essen, 6 Uhr Pfarramt und Predigt, '/>10tthr Bischöfl. Hochamt, 12 Uhr hl. Mess«. 1'/. Uhr Andacht, 4 Uhr Bischöfliche BeSper. - «tabt» rarrkirche. 5 Uhr heil. Reffe und Predigt, 6 und Uhr hl. Meffrn, 8 Uhr Amt und Predigt, 9»/, Uhr Hochamt mit Diakonium und Shorgrsang, 2 Uhr Festpredigt und Andacht, 71/« Uhr Maiandacht. — W«n> kirche »n« heil, «eiste. (TUularsest.) '/.7 Uhr Früh- meffe; vor und «ach derselben wird die heil. Kommunion auSgeteilt, 8 Uhr Amt mtt Diakonium und Predigt, 5 Uhr Andacht mit Segen. — Wranendera. Hl. Reffe« um 5 Uhr (mtt Maiandacht), */»6 und */i7 Uhr; 8 Uhr Rosenkranzmefle; 9 Uhr feierlicher Militär-GotteSdienst mtt Aussetzung, 2 Uhr Festpredtgt und Andacht mtt Umgang für dir Fmlf-Wunbru-Brude» fchast.
Montag, 28. Mai. (Pfingstmontag.) Do«, v, 6 und 7 Uhr hl. Meffen, 8 Uhr Pfarramt und Predigt, i/,10 Uhr hl. Reffe; nach derselbe» Predigt und Firmung, 12 Uhr hl. Messe, !*/• Uhr Andacht, 4 Uhr Abendandacht — «tadtpfarrkirche. 5 Uhr hl. Messe und Predigt, 6 und 7 Uhr hl. Reffen, 8 Uhr hl. Meffe und Predig:, 9*/t Uhr Amt und Predigt, 8 Uhr An- dacht, 7*/i Uhr Maiandacht. — Pfarrkirche »nm Weit Geiste. 8 Uhr Hochamt mtt Predigt, 5 Uhr Andacht mit Gegen. — J. 8. 2 Uhr Mutterhaus. — Kra»««- bera. Hl. Meffen um 5 Uhr (mit Maiandacht), um i/i6 und */»7 Uhr; 8 Uhr BruderschaftSmeffe; 9 Uhr feier!. Amt, 2 Uhr feirrl. VeSper mtt sakram. Segen.
wochen-Rundschau.
(Nachdruck verboten.)
□ Fulda, 21. Mai 1904.
Da» Pfingstfest bringt regelmäßig eine gewisse Ruhe i« das Geiriebe der hohen Politik. Der Reichstag bat schon am SrwStag der vorige» Woche seine Pfir,gsteren avgetreten, die bi» zum 7. Juni dauern. Biele Sitzungen wird er überhaupt wohl nicht mebr abhalten können, da die ohnchin bei ihm längst chronisch gewordene Beschlußunfäh gk«it erfahrungsgemäß nach Pfingsten fich derart zu verschlimmern pflegt, baß die Zahl der anwesenden Abgeordneten schließlich verichwendend klein wird. Wahrscheinlich wird der Reichstag gar bald nach seinem Wicderzusammenttetcn bis zum Herbste vertagt werden. DoS preußische Abgeordnetenhaus hat in dieser Woche noch zwei Sitzungen abgehalto. Nachdem das neue An- fiedlungSgesetz an eine Kommission verwiesen war und in erster Lesung da» Lotteriesptelgesetz und daS KreiS- Üerarztgefetz nebst einigen kleinen Vorlagen erledigt waren, beschäftigte sich da» Hau» in den beiden letzten Sitzungen mit der Sekundärbahuvorlage, bei der zahlreiche Abgeordnete in üblicher Weise die lokalen Wünsche ihrer Wahlkreise vorbrachten, worauf der Lisenbahnmimster in woblwollendea Worten erwiderte. Am Dienstag ist da» Abgeordnetenhaus dann ebenfalls in die Ferien gegangen, die wie beim Reichstage bi» zum 7. Juni dauer».
Da» Herrenhaus ist am Montag nun auch mit der Beratung de» Etat» fertig geworden, so daß der Etat, der gesetzlich vor Ostern fertig sein soll, noch eben vor Pfingsten abgeschlossen ist. Tas Herrenhaus darf brkanmlich Aenderungen am Etat nicht vornehmen, sondern muß ihn so, wir er vom Abgeordnetenhause komm', entweder genehmigen oder ablehnen. Diesmal führten die Etatsberatungen im Herrenhause zu politischen Debatten im großen Stile. Gleich bei Beginn der Beratungen sprachen Graf Aork von Wartenbnrg und Professor Löhning über den § 2 be» Jefuitengesetzc» und die Marianischen Kongregationen, well ste unter der Leitung der Jesuiten stände». Se. Eminenz Kardinal Kopp trat den beiden mit Klugheit entgegen und suchte namentlich durch Richtigst-llung ihrer Ansichten über die Kongregationen die Besorgnisse zu zerstreuen. Wenn er die Gegner wohl auch nicht ganz überzeugt hat, so machten seine Ausführungen doch stchtlichm Eindruck und trugen wesentlich zur Beruhigung bei. Ueberhaupt ist zu bemerken, daß auch die beiden genannte» Redner fich bemüht hatten, ruhig und sachlich zu sprechen und eine gehässige Tonart zu vermeiden.
Die Mehrheit be» Hause» verspürte offenbar keine Neigung, den Hetzereien de» Evangelischen Bunde» Nahrung zu liefern oder fich von lhm beeinflussen zu lassen. Frhr. v. Manteuffel und Graf Mirbach erhoben sodann die üblichen Klagen über die Nichtkündigung der Handelsverträge und die Siwäche der Regierung gegenüber der Sozialdemokratie. Ministerpräsident Graf Bülow verteidigte fich ziemlich scharf, indem er in Bezug auf die Handelsverträge die So- ädemokraten und sein Verhalten gegenüber der Par- entarischen Mehrheit früher Gesagtes im wesentlichen wiederholte, und beklagte sich, daß dir Konservativen in einer Weise gegen die Regierung Sturm liefen, die nicht mehr al» konservativ bezeichnet werden könne, und durch Erregung der Reichrverdroflenheit und Unzufriedenheit zur Vermehrung der sozialdemokratischen Stimmzettel beitrügen. Man hat in letzter Zeit allerlei gemunkelt von einer Kanzlerkrifi»; man hat auch in der HerrenhauSrede dcS Reichskanzlers allerlei Anzeichen sehen wollen dafür, daß seine Stellung erschüttert sei. Wir müssen da» dahingestellt sein lassen. Die beiden Angreifer Beeilten sich jedenfalls, Verwahrung dagegen einzulegen, daß die Konservativen gegen die Regierung Sturm liefen. WaS fie daun aber eigentlich wolle», ist nicht recht erfichtlich. Man hat in der Tat den Eindruck, daß die .Herren" manchmal recht gedankenlos drauf losreden und fich der Tragweite ihrer Worte gar nicht recht bewußt »erden.
Da» deutsche Kaiserpaar hat in der vorig« Woche Straßburg und Metz besucht. Bevor ie» in letztgenannter Stadt eintraf, hatte Bischof Benzler dem Kaiser schriftlich Mitteilung gemacht von der Aufhebung des über den Kirchhof von Fameck verhängten Interdikt». Am Samstag traf da» Kaiserpaar in Saarbrücken—St. Johann ein. In der Erwiderung einer Ansprache de» Saarbrücker Bürgermeister» erinnerte der Kaiser a» die kriegerischen Ereignisse von 1870 und sprach die Hoffnung au», daß niemals wieder ein Krieg die Gegend verwüsten md e» ihm mtt Gotte» HUfe gelinge« werde, den Friede» zu erhalten. Er habe da» felsenfeste Vertraue», daß, da Gott wisse, daß wir ei« gute» Gewisse» hätten uad nirgendwo Händel suchte», er un» auch beistehen werde» fall» jemals mtt feindlicher Gewalt in unsere Friedfertigkeit eingegriffen werden sollte. Da» ist nun sckon binnen wenig Wochen da» dritte Mal, daß der Kaffer warnende Worte über die Grenze hinauSschickt. Im Herreuhaufe sprach Graf Bülow neulich davon, daß am Horizonte unserer inner« und äußeren Polittk manche ernste Zeichen ständ«. Der in die Geheimnisse der Diplomatie nicht Eingeweihte ist nicht im stände, dm tieferen «tan solcher «orte zu ermess« Mm muß aber
annehmen, daß der Kaiser und bet Reichskanzler wichtige Gründe habe», wen» fie so spreche».
Bei der ReichStag-ersatzwahl i» Frankfurt- Lrbu» werben bie Sozia'bemokraten wahffcheinllch ihr dritte» Mandat verli.re», da mit Sicherheit anzu- rehme» ist, daß aus der Stichwahl zwischen Dr. Braun und dem nationalliberalen Kandidaten Bassermann Unterer al» Sieger hervorgehen wird.
Eine Bergarbeiterkonferenz tm rhewisch- westsälifchen Kohlenrevier beriet am Himmelfahrtstage über die Stilllegung der Zechen und wiederholte die Forderungen der Bergleute auf Koalition»- und Versammlungsfreiheit, Arbeit? än ter, Arbeil-zeit n. s. w.
In Oesterreich vertagte die R-gierung infolge b°r dauernden Obstruktion der Tschechen den Reichsrat. Eine Gesundung der parlamentarischen Zustände wird fich wohl nur durch eine Aendermrg der Geschäftsordnung herbeiführen lassen.
JrFrankreich haben die Gemeinderatswahlen den Ministeriell« eine beben»ente Mehrheit gebracht. Dotz der A rchenfemdlichk-it will aber bie Regierung das freundschaftliche Verhältnis zum hl. Stuhle nicht ganz auf geben. — Der Arnstrnd der Handelsmarine ist beendet.
In Spanien ist der König noch immer auf der Reise durch da» Land begriffen. Gegenwärtig befindet er fich im Süden. Er scheint überall sehr freundlich, wenn nicht begeistert ausgenommen zu weiden. Gelegentlich gibt eS aber republikanische Kundgebungen, wie eS bei Beginn der Reise in Katalonim der Fall gewesen war. In Sevilla kam eS wiederholt zu einem Zusammenstoß »wischen monarchischen und republikanischen Studenten. Liberale Blätter behaupten, an selchen Vorfälle« sei der Ministerpräsident Maura schuld. Wo der König ohne ih« reife, werde er überall gefeiert. Wenn fich aber der verhaßte Ministerpräfident einfinde, komme e» zu republikanischen und anderen feindlichen Kundgebungen. Natürlich: Wir find monarchisch gefinnt, aber wenn der Monarch und die Regierung nicht tun, waS wir wolle«, so kehre« wir be« Republikaner heraus unb machen Spektakel; da» ist liberal.
Auf bet Balkanhalbinsel habe«, beut Beispiel der europäischen Groß« folgeub, bet König von Serbien unb der Fürst von Bulgarien eine Zusammen« kunft in Risch gehabt, dir hoffentlich ihr Teil zur friedlichen Gestaltung der Berhältniffe in den unruhigen Ländern beitrag« wird.
In Südwestafrika hab« neuerdirig» wieder ein paar kleine Gefechte stattgefnnde», in denen die Hetero» den Kürze« zog«. Bon besonderer Bedeutung find fie schwerlich und Herr Trotha wird noch reichliche Arbeit bekomme«. Gouverneur Leutwein hat fich übrig«» mtt seiner Enthebung vom Oberkommando abgefunden. Er wird nicht zurück-
In Ostas'ien rücken bie Japaner unaufhaltsam weiter, unb bie Ruff« weichen zurück. Port Arthur ist vollstäubig von dm Japanern auf der Landsette eingeschloffe«. Ein japanischer Aviso und ein Torpedoboot gingen infolge Auflaufens auf eine feindliche Mine in die Lust.
MaerW Zeitung
Monatrbeilage: GeschlchtZblüÜer".