Druck trab Verlag bt 8»ldarrActienbn,ck«i in Zulba (Harmonik Zerusprecher Rr.».
Anzeigen: Vie etta spaltige Petitzeile ob« deren Reum ZS Pffl. Reklamen bi« PetitzeU» 25 pfg.; bei wieder- Holungen wirb entfpr Rabatt gewährt.
MEU CrlllAAAt LM X Ul V Uv l
^Verantwortlich« GM W
4chriftletter:Zof.vanL
A. pSiS« hTSobo. Wochenbeilage: „Illustrierte §onntag5zeitung
31. Jahrgang.
KUda, Freitag, den 20. Mai 1904.
Jfä 114.
• Der rvsstsch-Iapaustche Krieg.
Die Kosaken im Rücken der japa« aischen Armee werden den Japanern sehr unbequem. Aus Shanghai meldet die .Agence Havas'am Donnerstag: Kosaken zerstörten die Brücke bei Andschu. schnitten die Telegraphen nördlich von Pjöngjang ab. Die Japaner schicken Verstärkungen nach dem Norden Koreas, um die Verbindungen zwischen ihren Armeen und dem Generalstab herzustellen. ES ist wahrscheinlich, daß die russischen
Truppen in der Gegend von Gensam ziem' lich zahlreich (?) find.
Im Hafen von Dalny, der sich feit Sonntag in den Händen der Japaner befindet, st wie aus Tschifu dort angekommene Flüchtlinge berichten, der Versuch der Ruffen, die Doks und die Molen in die Lust zu sprengen nicht gelungen. Dagegen ist nach einer Mel> düng des Bureaus Reuter die Mole in Talien- wan zerstört worden.
W. London, 20. Mai 1904. Das Reuter- che Bureau meldet ausTschifu, daß nach bett Berichten der dort eingetroffenen Russen aus Dalny an den russischen Konsul keine Seit übrig war, die Mannschaften des Linienschiffes „Schikis chima" zu retten. Das andere Kriegs» chiff, welches auf eine Mine stieß, sei nicht der ,roße Kreuzer „Asama", sondern das Linien M »Fuji".
W. London, 20. Mai 1904. Der »Zentral News' wird aus Tokio gemeldet, daß die Japaner Kaiping eingenommen haben und die Raffen sich in der Richtung nach Taschikiau zurückziehen. Taschikiau liegt 22 Kilometer an >et Einmündung der Bahn von Niutschwaug n die Linie Port Arthur-Mukden. Die ksre- anische Regierung kündigte offiziell die Auf- tebung aller Verträge mit Rußland- b»ie aller an Ruffen erteilten Konzessionen.
W. Tokio, 20. Mai 1904. (Reuter.) Admiral Togo meldet, daß während dichten NebelS am 15. Mai in der Nähe von Port Arthur der Zkrsuzn „Kasuga" den Kreuzer „Noshins" anrannte. Letzterer sank in wenigen Minuten. Nur 90 Mann der Be- ätzung find gerettet worden. An demselben Tage stieß bet Panzer „Hatsu's'e" auf eine unterseeffche ruffische Mine unb sank. 300 Mann deS Panzers find von Torpedoboot« gerettet worden.
W. Tschifu, 20. Mai 1904. DaS Reuter fche Bureau melltet: Nach Aussagen von hier eingetroffenen Ruffen find angeblich am Moutag während -der Beschießung von Port Arthur zwei japanische Kriegsschiffe, dasLiui«- schiff „Schikischima" und der große Kreuzer „Asama" untergegangen. Die „Schiki- schima" soll innerhalb zwei Minuten gesuukeu sein, die „Asama" dagegen, als fie fortbugfiert werden sollte. Die Ruffen behaupten, diese Informationen von dem kommandierenden Offizier von Dalny erhalten zu haben. Russische Torpedoboote gingen auS dem Hasen von Port Arthur, zogen fich aber nach Eintreff« japanisch« Verstärkungen wieder zurück. Die Hafeneinfahrt war vollkommen gesperrt, ist ab« jetzt, nachdem ein von den Japanern
Brennereien erst vom Betriebsjahre 1908/09 ab die Zuweisung eines Kontingents beanspruchen können. Die Fachpreffe der Brenner würde fich ein Verdienst erwerben, wenn fie dafür sorgen wollte, daß die dankenswerten Aufklärungen des Herrn Staatssekretärs in den beteiligten Kreisen möglichst weite Verbreitung finden.
V Alle Beschwerden im Reichstage und Landtage über die Art, wie die Militärverwaltung ihre Pferdeaukättfe besorgt, scheinen vergeblich zu sein. Jmm« wieder wird verlangt und versprochen, daß möglichst direkt vom Züchter gekauft werden soll, aber eS geschieht nicht. Sezenwärtig find die Pferdeankäufe in Ostpreußen in vollem Gang. Die Händler hatten fich längst einen großen Teil des brauchbar« Materials gestchnt. Man erzählt nach der »Danziger Ztg.' von einem Händl«, der etwa 60 Pferde tm Ermland an- gekaufl und mit 250 bis 350 Mk. bezahlt hatte. Die Abnahmekommiifion hat ihm 600 bis 700 Mk. für daS Siück gegeben. In Schlobitten wurden 33 Pferde abgenommen. Leichte Tiere wurden mit 600 bis 800 Mk., solche für Artillerie und schwere Reit« mit 800 bis 1000 Mk. bezahlt. Dazu wird d« »Deutschen Tagesztg.' von hervorragender Seite aus dem Kreise Mohrungen mitgeteilt, daß die Märkte zum Ankauf der Pferde für Südwestafrika trotz des Versprechens des Kriegsministers schon wied« nicht genügend bekannt gemacht worden find und daß d« Ankauf in der Hauptsache wieder vom Händl« geschieht. Im,Mohrunger Kreisblatt' find die in dortiger Gegend abgehaltenen Pferdemärkte nicht bekannt gegeb« worden. Sin and«es Blatt wird aber von den Bauern meist nicht ge- les«.
» Berlin, 19. Mai 1904. Der König von «ng- land wollte, wie die ,Nat. Ztg.' berichtet, bereits im April d. I. den Kaiser Wilhelm in Potsdam ob« Berlin besuchen. Im Hinblick auf die vom Kais« geplante »rholungSfahrt im Mittelländischen Meere mußte jedoch damals auf den vom König Eduard angemeldeten Besuch in Berlin oder Potsdam verzichtet werden. — Der Besuch deS König» von Italien beim Kais« Wilhelm in Potsdam soll, einer ZeitungSmeldnng zufolge, in den letzten Tagen deS August doch stattfinden, da zur selben Zett die Herbstmanöver beginnen, betten der König ans Einladung deS Kaisers berwohnen wird. Der Kats« hat nach der ,Boff. Ztg.' auch den König von Spanten zur Teilnahme an de« Kaisermanövern »wischen dem SardekorpS und dem neunte« Armeekorps eingeladen. Der König hat diese Einladung angenommen. — Der bekannte Major a. D. Endell ist am Mittwoch zum Borfitzenden deS dorttgen landwirtschaftlichen KreiSvereiuS gewählt worden. Der „Fall Endell" scheint somtt alS definttiv erledigt betrachtet zu w«den.
Deutsches Reich.
Berlin, den 19. Mai 1904.
* DerBankiertag, der bekanntl. in den ersten Tag« dieser Woche in Berlin abgehalten wurde, wird von der Börsenpreffe als ein hochbedeutsames, wenn nicht epochemachendes Ereignis gefeiert. Go weit die Zahl der Teilnehmer und die Milliarden an Kapital, welche die letzte« r«räsentieren, in Betracht komm«, war der „Tag" zweifellos eine beachtenswerte. Kundgebung. Aber die Herausstreichung dieser gelb* schwer« Versammlung hat diesmal einen ganz besonderen Zweck: Sie soll d« Börsengesetz- Novelle als Vorspann dienen, die ja auch den ausschließlichen Gegenstand der Verhandlungen bilbete. Die Versammlung hat in dieser Hinsicht auch getan, waS sie konnte, um den in sie gesetzten Erwartungen zu «tsprech«: Sie nahm eine Resolutton an des Inhalts, daß die dem Reichstag vorliegende Novelle geeignet sei, den schlimmsten Mißständen abzuhelfen, wenn fie in noch so und so viel weite« Punkten verbeffert «erbe — v«beffert natürlich im Sinne der En" Bankiers. Ohne Zweifel haben die
n dabei sich von dem G«ndsatz leiten , daß man recht viel forde« müsse, um «was zu erreichen, denn da es so gut wie sicher ist, daß nicht einmal die Regierungsvorlage in ihrem ganz« Umfang Aussicht auf Annahme hat, muß es fast als eine Verwegenheit erscheinen, daß d« Bankiertag, damtt nicht zufrieden, noch weitergebenbe Wünsche äußert. Ab« die Herren würden ja glücklich fein, wenn nur d« Regierungsentwurf Gesetz würde. Jndeß, auch die kleinste Gabe wird mit Dank ang«ommen — wenn fie nur etwas «reich«. Denn wie selbstlos S find, macht das während d« Tagung er» ienene besondere.Tageblatt' mit der V«fiche«ng klar, daß die Banken und Bankiers nicht zu- sammengekommen sei«, um ihre eig«e Vermögensstärke und Verdi«st zu erhöhen, sonde« auS Mitgefühl für die leidende Menschheit: um „die Nation vor ungeschickt« Schädigung des eigmen großen Marktes und vor Beeinträchtigung d« Bewegungsfreiheit — an der Börse natürlich — zu warn«." — Hoffentlich findet diese m«sch«freundliche Abficht die vndimte An«k«nung.
•][• ,,Römische Propaganda" in Berlin. Die protestantischen Synoden schein« sich nur mehr als vollziehende Ausschüsse der Evangelischen Bundes zu betracht«. Voriges Jahr resolvi«ten fie eine nach der ander« gegen die Jesuit« nach einem ihn« vom Evangelischen Bunde vorgelegten Schema. Die Mühe, auch nur eine eigene Resolution auSzuarbeiten, gab man fich erst gar nicht. Reist beriet man auch gar nicht erst über die Vorlage, fonbe« nahm fie stumm an. Dieses
Jahr scheint eS wieder so gehen zu sollen. Die Anträge gegen den „Ultramontanismus", gegen die Jesuiten und gegen § 166 des Sirafgesktzbuches, die wir gestern erwähnten, liegen all n Berlin« Synoden vor und - werd« bod flott abgehaspelt. Wahrscheinlich wirb der Evangelische Bund bas Schema auch den Kreis- synod« im Lande „zur Danachachrung" zuge- schickt haben. Am Mittwoch erledigte die Kreissynode Berlin HI die ihr diktierte Aufgabe. Sie glaubte aber damit noch nicht genug gegen Jesuittsmus und MtramontaniSmus geleistet zu haben und behandelte dasselbe Thema nochmals unt« dem Titel „Abwehr römischer Propaganda". Hauptgegenstand d« diesjährigen Verhandlungen der Synode war nämlich ein Vortrag eines Pastors Wuttke über die Frage: „Was muß von Seiten der Gemeind« geschehen, um der römischen Propaganda erfolgreich entgegenzuwirken?" Man senke nur: in Berlin, wo notorisch virle Tausende von Katholiken ihr« Kirche verloren gehen und „Rom" froh wäre, wenn es nur die Möglichkeit hätte, diese fich zu «hatten, will man von „römischer Propaganda" reden! Wie aber steht es mit der protestantischen Propaganba?
* Bei der dritten Lesung des ReichShaus- haltsetats hat der Staatssekretär des Reichs- schatzamts für den nächsten Herbst einen Gesetzentwurf angekündigt, durch den daS bei der Neuveranlagung zum Brenuereikouti«- gent erreichbare Höchstkontingent auf 500 Hektoliter Alkohol beschränkt w.rden soll. Eine entsprechende Vorschrift findet fich schon in dem Branntweinsteuergesetz von 1902, fie bezieht sich aber nur auf die letzte Neukontingentierung, durch welche während oes Betriebsjahres 1902/03 die Kontingente für die Periode 1903 bis 1908 geregelt werden. Der eigentümliche V«lauf der Reichstagsoerhandlungen über bas Gesetz von 1902 hatte eS seinerzeit verhindert, diese zunächst als Notgesetz für 1902/03 gedachte Vorschrift auf die künftigen Neukontingentierungen auszu- dehnen, obwohl in d« Reichs taqSkornmisston keine Meinungsverschiedenheit darüber bestand, daß die später zur Veranlagung komm«den Brennerei« denselbrir Beschränkungen hinsichtlich der Höhe deS Kontingents unt«worsen werd« müßten, wie die im Jahre 1902/03 veranlagt« Betriebe. Im Hinblick hieraus wurde schon damals die Einbringung eines besonderen Ergän- zungSgesetzeS gefordert und von ben RegierungS- v«tret«n zugefagt. Der Staatssekretär hat nunmehr diese Zusage wied«holt und ihre baldige Verwirklichung in Aussicht gestellt. Er hat fich aber hieraus nicht beschränkt, sonde« auch Ver- anlaffung genommen, allen Landwirten, die fich mit dem Gedanken der Vergrößerung oder Neu- errichtung von Brennereien tragen, vor Augen zu führ«, daß sie auS der Unstimmigkeit des geltenden Gesetzes keine Vorteile zu erwarten haben, und daß fie auf ein höheres Kontingent als 500 Hektoliter nicht rechnen dürfen. Wir halt« dafür, schreibt die ,Nordd. Allgem. Ztg.', daß diese Warnung sehr zeitgemäß war, da dem Vernehmen nach schon jetzt Neubauten von Brennereien geplant werben, obwohl diese
Ghne plan und Siel.
Stornos von I. Baierlein.
< ------ (Nachdruck verboten.)
-Schon nächsten Sonntag, — sollte die Frist nicht zu kurz sein? Ich muß mich doch um eine Patin totfeben sür da» kleine Wesen l"
Ihre ohnehin streng« Züge verfinsterten fich noch mehr.
«Äec war Robert'» Pate? fragte fie scharf.
„Du weißt doch, — Dein selig« Storni--"
-Unb warum wurde der Knabe Robert genannt, da meta Gatte doch Kari hieß?"
„4s ist d« Name unsere« «ater»."
„ Dann erbitte ich mich zur Patin für Deine SW«, und wir lassen fie Ulrike taufen, wie Euere Mutr« geheißen hat. — Abgemacht!"
Und ohne die leffeste Frage, ob ich mit ihr« Bemmmnng« einverstand« sei, — daß ich etwa auch «bereWünsihe hab« könnte, schien ihr al» gleichsam gar nicht in den Sinn zu komm«, — setzte sie chre Frag« fori.
. wird e» hier mit der Taufe geholt«, — wird die heilige Handlung in der Wohnung der Sttetn oder in der Kirche dorgeuomnleu?"
3» ,-schicht veidcö.»
„®> wurde Robert getauft?“
„In der Kirche."
,Da» paßt mir nicht; wir taffen den Pfarrer in» Hau» kommen."
»Ich mache Dich aufmerksam, Ärrlotta, daß die» Ausseh« erregen und zu unnötig« vekrittckmg« jähr« würde. Es ist hier Brauch, daß nur die vor- nehmstm Herrschaften ben Taufakt zu Hause vollzieh« tagen. Wir tun daher bester, nicht gegen Sitte und Herkomm-n zu verstoßen, sondern unser kleines Mädchen
nach der Kdche zu bring«. Wir können ja eine Droschke dazu benutzen."
„Habe ich nicht bereit» gesagt, daß e» mit in der Kirche nicht paßt?" «widerte fie mit zusammenge- zogen en Braun«. „WaS ab« Deine Bemerkung in Bezug auf die hiestgm vornehmsten He«fchasten an- belangt, so bemerke ich dagegen, daß die Kleine eine von Bür« ist."
,D«« Bat« eine Stelle al» Lehrer an der Handelsschule inne hat."
„Sle.chvlel. Ich wollte Dir nur noch mitteilen, daß ich die Wiege de» Kinde» und da» Bett der Amme in meinem eigen« flimmer aufstellen ließ. Ich will die Pttson möglichst unt« Aua« haben, bi» ich einmal von ihr« Gewissenhaftigkeit überzeugt bin. Sonst schläft fie die Nächte durch, wie nur Bauern- weid« schlaf« könn«, und läßt da» arme Ding fich zu Tod schrei«, statt ihm Nah'ung zu biet«. — Du weißt also, wo Du Deine Tocht-r zu such« hast, to«n Du fie seh« willst."
Damtt verließ fie mich. —
Es war mir äußerst unangenehm, daß da» Kind im Hause getauft werd« sollte; denn ich verhehlte mir nicht, welche» Gerede die» in d« Stadt geb« würde. Nicht nur alle meine Kolleg«, sogar d« Direktor unser« Schule und die mnsten Beamten der Gerichte und Aenn« in M. schickt« ihre Sprößlinge zu diesem flwecke in die Kirche. Einzig d« Land, «richtspräfivent, der Oberst und Kommamtdeur de» hi« garmsoni««den Infanterie-Regiments und ein paar reiche Kommerzienräte macht« eine Ausnahme von d« allgemein gütig« Regel. Unb dies« Spitzen d« Gesellschaft wollte mit Tariotta durch ihr« Machtsprilch „In der Kirche paßr'S mir nicht" au die Seite stellen. Rein, — da» durste nicht gescheh«! Die Saite sollt« keinen Grund hab«, die Achseln zu zuck« und fich üb« mich lustig zu machen.
Rach taw< lieber legung beschloß uh, Tariotta noch heute Borstellung« zu machen und ihr ein für
alle Mal zu erklär«, daß au» d« laufe in unser« Wohnung absolut nicht» w«d« körnte. Nötigenfalls wollte ich ihr mein« Willen entschied« kundgebm. kurz und mit dürr« Worten! —
Als ich in dies« Absicht da» flimrna verließ und mich auf d« Weg nach dw von mein« Schwägerin belegten flimmern machte, hörte ich im Hausflur fremde Stimmen und ein ungewöhnliches G«äusch. Ich blieb im Korridor flehen unb wartete, waS e» gäbe. Da sah ich zu meiner maßlosen B«wund«ung, wie uns«e zwei Mägde in Gesellschaft zwei« Gärtnerburschen Die Treppe herauf, die auS dem Erdgeschoß zu uns«« Wohnung führte, große hölzerne Kübel mtt grünen flittpflonz« schleppt«. Soviel ich ta d« bereits etngetreta« Dämmerung erkennen konnte, war« e» Oleanderbäumchen, Dracen«, Lorbeerbüsche, Zwerg» palmm und ähnliche Pflanz« mehr. Die Leute schlug« mtt ihr« Lasten die Rich'ung nach dem Salon rin, dessen Tür bereit- off« stand.
„Christine!" rief ich d« Magd zu, die al» Letzte üb« die Treppe heroufleucktt-
Sie ließ den schwer« OleaadeMbel, d« fie heg, langsam an» d« Arm« auf die obWßr Stufe gleiten; bann kam fie auf «ich zu.
„Herr Professor--sagte fie in fragendem
Tone.
„Wa» hat da» zu bedeut«? Wa» habt Ihr vor mit diesem Grünzeug?"
„Na", antwortete fie, ,wffs« Sie » denn net? Mr hab« doch KindStaus übermorgen ta d« Fruah, am Sonntag nach dem Hochamt, und weil'» morgen Sam»tag ist, und schon eh g'nua z'tua gibt, im HauShatt, d'rum wttd der Satang halt heint noch herg'richtt. Die G'wachs« da »hören dazu»; wir hab«'» g'schwind geholt beim Gärta« brühen über der Straß«."
„flu wa» soll der Salon hergerichtet werd«?" „flu ein« HanSkap-ll'o."
„Zn einer HauSkoprlle?! — Aber um de» Himmel» willen, wer hat beim da» besohl« ?"
„Na, w« denn sonst al» die Fran Baronin'" Mir stand d« Verstand still.
„Die Ba—ro—nin?" fragte ich fassungslos. „Bet ist denn da»?"
Die Reihe, verblüfft zu tonben, tarn jetzt an die Magd. Sie glotzte mich an mtt groß« rund« Ang«, als zweifle fie an mein« Zurechnungsfähig» kett; dann erwiderte fie nach ein« klein« Pause:
„Na, hall die gnädige Frau OberamtSriebter. Aber," fuhr fie, b« «Übel wieder aufnehmend fori, „ich muß mich tummeln, daß ich net zflang hdtter den andern knmm', sonst schimpft f mich heint gW zum dritten Mal."
Und fort war sie. —
Nun war ich frellich orientiert, ab« auf eine Weise, wie ich fie mir unangenehm« kaum hätte betten Wen«. Mein Sott, welche Frau ist doch meine Schwägerin! Mtt welch« RücksichtSlofigkett Öt fie gegen mich vor! Ich vied«holle im Geiste
i kurze Gespräch, bas ich vor ein« halb« Stande mit ihr gepflogen, unb wurde zu meta« Beschämung inne, daß ich während de»selb« kein einzige» Mal Ja oder Rein sagte. Sie hotte mir einfach ihr« eigen« Willen aufgedrungen, ohne fich im Geringst« um meine Wünsche zu kümmern, ja im Grunde ohne fich um dieselben zu erkundig«. Denn fie hatte mir nur vollendete Totsach« mitgeteilt. Daß sie mtt Unterstützung de» SanitälSrate», der in meta« Familie die Funktion de» Hausärzte» bekleidete, eine Amme gedungen und bereu Bett wie de» «inbe» Wiege in ihre Gemächer hatte bringen lassen, konnte ich, w«n ich g«echt sein wollte, nicht tadeln. Da ich selbst infolge mein« träumerisch« Apathie (eine Anordn «g« getroffen, war fie gewissermaßen dazu gezwungen; ihr Borgehen nach dies« Richtung war Umsicht und keine RßckfichtSlofigkett.
Dagegen ihre Bestimmungen weg« b« Taufe —. Daß fie Pate Waben und dasKinb schon am Sonntag auf den Namen Ulrike getauft werd« sollte,