31. Jahrgang
Kul-a, Mittwoch, dm 18. Mai 1904.
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mir von Monat zu Monat und von Jahr j« Jahr hinfälliger und dürftiger; dabei vertiefte» und ver- qeMgten sich aber die Züge ihre« schönen «ngestchtr in so entzückender »eise, daß nicht nur ich, sondern wer mit ihr in Berührung trat, fie für noch lieb-
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Uber heute in meiner überquellenden Batrrfreude vergaß ich auf da« alle«. Ich gab meinem Bruder telegraphische Sande von dem frohen Ereignis und lad ihn dringend ein, seinen Neffen schnellsten« zu besuche».
Und diesmal km» er auch, kam in seltsam er» regier, weicher und doch hellerer Stimmung. Ja, so ein »ene« Äd» an einen uralten Stammbaum ist doch ein merkwürdig feste« Bindemlltel, da« alle von gleichem Btt.re wieder aneinander fesselt, selbst wenn sie fall zu l rennen schienen.
Karl hielt meine» schönen strammen Jungen über die Taufe, nachdem wir übereingekommen waren, ihm den Namen unsere« seligen Baier« Robert zu gebe». Dann aber Uetz er sich nicht mehr von un« hatte». Er hatte sich nur drei Tage von seinem Amt frei« mache» Bneen; ihn erwarteten uuaufschiebliche Geschäft. Al« er Abschied von uns Beiden gmomme» und deu Saaben wiederholt geküßt hatte, begleitete idi ihn zur Bahn. Bor dem Einsteigen in de» Kurierzug sah er mir noch einmal lange mtt wunderbarem Ausdruck in die Augen, preßte fest mente Hand und sagte mit einer Stimme, in der es wie von gewaltsam unterdrückte» Träne» vibrierte:
„Beb’ wohl, Adalbert l Leb wohl, «ein guter Bruder! vewtchre Dir Dein Glück; Du Kay e« verdient, glücklich zu sein! Uoe — grüße Deine Fran noch einmal herzlich von nur!'
Iw nächst» Moment war er im Innern feine«
Ohne Plan und Siel.
Roman von I. Baierlein.
------ (Nachdruck verboten.)
gutem Gewissen beteuern, daß ich die« aufgewandt habe, was in einer Menschen Sraft liegt, am mir mein Glück zu erhatten. —
__Doch dar Schicksal war mächtiger, al« ich — Der Augenblick, der bestimmt schi«, »och ein wetteret unzerreißbares Baud um mich und Klara zu schling«' entführte mir die Geliebt für immer. — — hatte noch die Kraft, mir unter wehmütig feßge* Lächeln ei» Töchterchen in die Arme zu legen, bau*
„^b^wohh Adalbert, lebe wohl!" — — dann schloß fie dt Augen zum ewig« Schttonm«.
Still, mein Herz'. Bist Du noch immer mcht ausgebrannt, noch immer nicht zur Ruhe getmmuen^ Lockst und zenst Du noch immer in mir, wie m der furchtbaren Stunde, wo ich, in wahnsinnigem Schmerz über b'e Leiche meine« Weibes hingeworsm, d« Fittiche der Berzveifamg um meine Schläfen ranker: härt, — wo ich mit meinem Herrn und Hw hadert?!---
Hwtsetzung folgt )
veutschrr Reich.
Berlin, den 17. Mai 1904.
. Mit der „Verständig«»« in der Schnlfrage", die der ,Nat. Ztg/ einen lauten Jubelruf über die „Ausschaltung des Zentrums- Anlaß gab, scheint es schief zu gehen: jedenfalls ist an einen „Zusammenschluß aller liberalen Parteien- gar nicht zu denken. Daß die Fr ei- sinnig en mit der Festlegung der Konfesfionalität der Volksschulen nicht einverstanden sein würden, lies sich voraussehen. Aber auch in der nationalliberalen Partei selber hapert eS mtt bem Zusammenschluß gar sehr. Zwar haben die Abgeordneten der nationalliberalen Fraktion den Kompromißantrag unterzeichnet, aber in der Partei tm Lande und in der Preffe denkt man ganz anders über den Antrag. Man steht in demselben statt eines Erfolges über Zentrum und Ultramontanismus einen „klerikalen Triumph", eine „Anstachelung der Begehrlichkeit des Zentrums- und eine „neue Auflage des Zedlitzschen Schulgesetzes", lieber diese Wandlung in der nattonalliberalen Auffassung des Antrages ist nian im freikonservativen Lager arg verschnupft. Die freikonservative .Post' liest daher der »Köln. Ztg/, die jene Auffassung vertritt, nicht schlecht den Text. Sie spricht von einem „Unkenrus" der «Köln. Ztg/ und von einer „Extraleistung der großen Wetterfahne am Rheine", die „von einem seltenen Mangel an Sachkenntnis und politischer Einsicht zeuge". In Zentrumskreisen ist man über die Stellungnahme der Nationalliberalen gar nicht int Mindesten überrascht; wir kennen unsere Leute. Wir fürchten nur, daß die Regierung an die Regelung der Schulunterhaltungsfrage nicht herantreten wird, wenn fie nicht sicher ist, daß die Nationalliberalen mittun, well sie eine Wiederholung der leidenschaftlichen Kämpfe von 1892 fürchtet und alles zu vermeiden sucht, waS ein Zusammenarbeiten der vier größeren Parteien, auf die sie sich stützen muß, erschweren könnte. Es wäre sehr zu bedauern, wenn die Sache jetzt wieder lieg« bliebe und die konfesfionelle Schule noch weiterhin der gesetzlichen Unterlage entbehren müßte.
* Da- Abgeordnetenhaus begann heute seine Beratungen bereits um 10 Uhr , matt wollte die erste Lesung der Sekundärbahnvorlage zu Ende führen und hat das auch glücklich erreicht, obschon 92 Namen auf der Rednerliste standen. Einer mehr als sechsstündigen Sitzung bedurfte es freilich dazu und die Redner mußten fich kurz fassen. Hätten alle solange sprechen wollen, wie der Eisenbahnminister, der natürlich nicht auf die „tausend" Wünsche einging, sondern allgemeine Grundsätze der Eisenbahnoerwaltuvg erörterte, so hätte man natürlich nicht fertig werden können. Für unsere Leser verdienen besondere Beachtung die Ausführungen des Abg. Kaute (Zentrum) über die Eisenbahn Fulda-Meiningen. Daß schon jemals in einer
Sitzung soviele Redner ausgetreten seien wie heute, bezweifeln wir, wiewohl wir bei Etfen- bahnvorlagen ja schon Großartiges in diesem Punkte et lebt haben. Wie es schernt, reisten gestern und heute alle Redner sofort, nachdem sie gesprochen hatten, ab. Wenigstens wurde es m Saale von Stunde zu Stunde oder vielmehr von Rede zu Rede lerer. Zum Schluß verkürzte man fich die kostbaren Ferien noch unbegreifllcher- weise durch eine dreioierielstündige Debatte üoer sie Frage, ob man am 7. oder 14. Ium wieder anfangen wolle. Die Mehrheit entschied sich für den 7., an dem bekanntlich auch der Retchstag wieder zusammentritt.
* Truppentransport für Sndweft- afrika. Generaldirektor Ballin von der Hamburg-Amerika-Linie und Direktor Amsinck von der Hamburg. Südamerikanischen Dampf- schiffahrtSgesellschaft hatten, wie berichtet wird, dieser Tage eine Audienz beim Kaiser. Ss handelte sich hierbei um Besprechungen über weitere größere Truppentransporte für Südwestafrika. Außer dem bereits gecharterten Paketfahrtdampfer „Palatia" und dem Dampfer „Montevideo" der Hamburg-Süd- amerika-Linie sollen weitere Schiffe zum Truppen-,, Werde-, Kriegsmaterial- und Provianttransport gechartert werden. Die „Palatia" soll zunächst 450 Pferde und Begleitmannschaften und der „Montevideo" 350 Pferde nebst den entsprechenden Begleitmannschaften befördern. Generalleutnant v. Trotha wird sich an Bord der „Eleonore Wörmann" am 21. d. M. einschiffen. Ein weiterer Wörmann-Dampfer wird etwa 3000 Fäßchen Pulver und sonstiges Material nach Gwakoprnund erpedieren.
* Die Krenzztg? und der Evangel. Bund Schon wieder sieht dis .Kreuzztg/ fich veranlaßt, mit einer Größe des Evangelischen Bundes Abrechnung zu halten. Die bekannte Kundgebung deS deutschen Evangelischen Kirchen- auSschusses ist in dem Märkischen Boten des Gustav-Adolf-Vereins' besprochen worden. Herausgeber dieses Blattes ist der Hofprediger Dr. Rogge, einer der hervorragendsten Führer der. Mittelpartei und der Evangelischen Bundes. Daß dieser Geistliche fich ganz auf den Standpunkt jener Kundgebung stellt, ist verständlich. Bei dieser Gelegenheit hat er die «Kreuzztg/ in derselben Weise verdächtigt, wie das in der vom Evangelischen Bund unterstützten und vom nationalliberalen Herrn SchindowSky herausgegebenen ,Deutsch-evangelischen Korrespondenz' und in der vom Superintendenten Meyer geleiteten .Wartburg' geschieht. Indem die .Kreuzztg.' fich dagegen wehrt, bemerkt fie u. a.: „Noch bedeutsamer als diese Angriffe ist die Kritik, die der »Märkische Bote' dem Zedlitzschen Bolksschul- gesetze zu teil werden läßt. Wenn dieses als „klerikal zugespitzt«, wenn ferner die evangelischen Konservativen, die ihm freundlich gegenüberstanden, als „verblendet" bezeichnet werden, so tritt, wie auch in den übrigen damit in Verbindung stehenden Redewendungen, die mittelparteilichliberale Auffassung mit voller Deutlichkeit in die Erscheinung. Bor allen Dingen werden dadurch die positiven Gruppen unserer Landeskirche schwer verletzt, denn diese haben mit wenigen Ausnahmen damals auf dem Boden deSZedlitz-
WagenabieilS verschwunden, die Lokomotive pfiff, und der Zog dampfte au« der Halle. —
®» sonderbarer Abschied, bei dem daS tröstliche Wort „Auf Wiedersehen l" von .keiner Geste gefallen war! Lebte vielleicht in unseren Herzen damals schon eine dnukle, uns nur nicht znm Bewußtsein kommende Ahnung, daß es ein Abschied für'« Leben gewesen? Ich kann mir heute keine Rechenschaft mehr darüber neben, aber — nach sechs Monaten erhielt ich die Trauernachricht, daß mein Bruder Karl an einem Hirnschlag plötzlich gestvrbm sei. Ich hatte ihm keine» letzten Kuß geben, ihm nicht die Augen zudrücken können. AlS ich aber, in tiefes Leid versirckt, am Grabe stand, dem wir foeben feine irdischen lieben- reste Übergabe», da ttöstete mich wenigstens der Gedanke an die Worte, die wir zuletzt in diesem Leben gewtthlelt. Sie waren mir eine Bürgschaft, daß er ohne Troll gegen mich inS Jensett« himtbergeschieden, und daß, wenn er je wegen meinet Heirat ungehalten gewesen, er durch den Anblick unsere» Eheglück zu richtigeren Anschauungen bekehrt worden war. —
Der unerwartete Tod meine» Bruder» war daerste Weh, welche» seine Schatten über da» heitere Bild rmsoie» gomilienleben« breitete; leider blieb eS nicht vereinzelt. Meine Klara hatte schon fett der Geburt unserer Knabe» z« kränkeln begonnen. Sie war ja nicht eigentlich krank; fie fühtte fich nur matt, apathisch und an alle» Gliedern abgeschlagen, sagte fie, andere Symptome, die auf den Sitz de« Leiden»
Ada. Dr. v. Woyna (frk.) nennt das Borgehen bet Regierung bei Aufstellung der Bahnprojekte die Systemlosigkett der Systemlofigkerten. Ma» müsse planmäßig und nicht sprunghaft vorgehen bei der «er. mehrung und dem Ausbau von Bahnlinien.
Abg. Dr. Arendt (fit.) schließt sich dem Bor- redner an und wünscht Maßnahmen, damit nicht nach Berabschiedung der wafferwirtschaftlichen Vorlagen der Nebenbahnbau ins Stocken gerate.
Abg. CahenSly (Zentrum) bittet um den Bauder Strecke von Homburg v. d. H. nach Höchst, um Fort» Ährung der Westerwald qaerdabn und schließt mit dem Wunsche, daß künftig Nassau bester bedacht werbe, albt! her.
Abg. Schmedding (Zentrum) befürwortete den Bau einer direkten Bahnverbindung von Schwerte nach Letmathe.
Ab,. V. Saviguy (Zentrum) wünscht, daß trotz deS Baues des Dortmund-Rheinkanals Paderborn der wirtschaftliche Mittelpunkt der Gegend bleibe unb chlägt zu diesem Zwecke die Kanalifierung der Lippe iber Lippstadt hinaus ober den Bau einer Bahn von Büren über Fürstenberg—Lichtenau nach Scherfelde vor. Es wäre beim «au von Nebenbahnen zu erwägen, ob nicht das Privatkapital den Bau und die Regierung die Zinsgarantie übernehmen könnte, »er Redner empfiehlt zum Schluß die wirtschaftliche Hebung des Fürstentums Waldeck durch Nebenbahnen.
Minister v. vudde protestiert energisch gegen dir Austastung, als ob die Regierung ihre Pflicht, da» Nebenbahn- und Kleinbahnnetz auszubauen, vernäh läsfige. An der Hand von Zahlen legte er dar, daß Preuße« hinsichtlich der Vermehrung seiner «st«- bahnen mehr tue, als die anderen Kulturstaaten. Ma- Habe die Abficht, fich nach jeder Richtung de» «er. ehrkbedülfniffen anzupaffen. Die Nebenbahnen und die Kleinbahnen müßten gleichmäßig gefördert werde«, -öffentlich komme man dahin, daß auf den weben* bahnen ein schnellerer Betrieb - er denke brS S» Kilometer Fahrgeschwindigkeit — für zulässig erklärt werde. Auf den Kleinbahnen werde man am beste» Motorbetrieb einführen. Die Staatsverwaltung wende ihre Aufmerksamkeit auch allen Neuerungen auf be* Gebiete bet Etsenbahntechnik zu; man interessiere sich nicht nur für elektrische Schnellbahnen, sondern auch ür eine besondere Art von elektrischen Bahnen »wischen großen Städten, für sog. Jaterurban-Bahnen. Erfolge habe man mit ben geleislosen Bahnen gehabt. Den Antrag Herold betr. Deckung der Zinsen für di« Grunderwerbszuschüffe durch den 5 Prozent übersteigenden Reingewinn der Nebenbahnen lehnte der Mmister ab. Die Rentabilität der einzelnen Bahnen zu berechnen, würde Millionen kosten, und fchlretzttch 'ei sie doch unausführbar. Auch diene der Antrag den reicherer^ Pegmden, mb nicht ben bedürftigen.
^'Akg- Raute (Ztr.): In der diesjährigen Gisenbah» Vorlage ist die Provinz Heffen-Nafsau leider nicht berücksichtigt worden. Zu denjenigen Steifen, beten Gedeihen von dem Bau von Bahnen in besonderem Maße abhängig ist, gehört in erster Linie der Krei» GerSfeld, wo die Zahl der Bevölkern»« wegen bet ungünstig wirtschaftlichen Lage, bie bnrch Beflerung bet BerkehrSwege gehoben werben könne, feit Iahten in langsamer, aber stetiger Abnahme begriffe« ist. Hilfe, und zwar schleunige Hilfe tut hier dringend Rot! Sie kann gewährt werden durch be* Ausbau einer feit Jahren in Aussicht genommenen Bahnverbinbung zwischen Fnlba nnb Meiningen. Der Herr Minister steht, wie bekannt, bem Projekte frennblich gegenüber, aber damit find bie Schwierigkeiten, welche dem Zustandekommen desselben fich barbieten, noch keineswegs beseitigt, ba auch bie Stellungnahme bet mitbeteiligten Staaten, Meiningen und Weimar, i* Frage kommt. Da es sich um eine MeliorattonSbahn handelt, von welcher eine normale Verzinsung deS Anlagekapitels nicht erwartet werden kann, so muß selbstverständlich Preuße« von Meiningen und Weinmr für de« Bau dieser Bahn in ihn« Gebieten eine äuge* «offene Entschädigung verlangen. Fall» die v er Handlungen hierüber zu einet unerwünschten BerzögernuG
So wenig äußere Freude» ich damals suchte und sand, so wenig entbehrte ich dieselbe». Mir gmügtt der faße Frieden meiner Häuslichkeit, da» hohe Glück, da» mit Klara durch ihre unwandelbare Liebe bot, tfe Freude, welche mir daS erfichlliche Gedeihe« meiste Robert bereitete, der mm in sei» sechstes Ja^ em- trat und bald seinen ersten Taselravjen in bie Schutt tragen sollte.
„Bewahre Dir Dein Glück, Adalbert! Du hast a verdient, glücklich zu sein", so hatten die Abschied«- Worte meines seligen Bruder» gelautet, und insofern» ich an jene von der Erinnerung verklärte Zett z»«k-
Aus dem Landtag.
«bgenrdnetenhanS.
76. Sitzung vom 17. Mai 1904.
Eröffnung 10'/« Uhr.
Fortsetzung der l.Lesung ber Sekundär- bahnvorlage.
kicher und anmutiger hielt, al» in den Tage» ihrer vollen Gesundheit. ,
So fing für mich von der Geburt meine» Sohne» eine Zeit voll schwere» Kummers an, der um so mehr drückte, al» ich ibn, um Klara nicht zu beäug- fügen, sorgfältig vor ihr verbergen mußte, und da derselbe schließlich auch In materiellen Bedrängnissen seine Berschärftrng fand. , u ,
Wir waren nur kurze Zeit verheiratet, al» daß wir bereit« erhebliche Ersparnisse hätte« zurücklegen können. War meine Frau in dieser Hinsicht früher au» ihrem Wirtschaftsgeld geleistet, war schon längst für Arzt und Arzneien daraufgegangen. Hierzu kam noch, daß ein zweites Mädchen gemietet werden mußte, da Klara in ihrem geschwächten Zustande die Last der Haushaltung und die Pflege de« Jungen mtt einer einzige« Magd nicht mehr zu bewältigen im Stande war. Die Bedürfnisse wuchsen also, während die Einnahmen nicht gleichen Schritt mit chne» hielten: denn auf eine Erhöhung meine» Schal- te» durfte ich noch lange nicht hoffen.
Scho« damals befaß ich mich, mit Nebenvetdren t zu verschaffen, und e» gelang mir «der Erwarten. Ich schrich in meinen Freistunden handelswiffenschast- liche Artikel für Fachblätter und wurde besser dafür honoriert al» ich gedacht hatte. Es wurde mir möglich, die Rot von meiner Familie fernzuhalten; ihr harter Knöchel pochte niemals an unsere Tüt.
Aber schon damals begann ich, ohne Erholung zu arbeiten; jede Stunde, die der Lehrberuf mir gönnte, brachte ich hinter dem Schreibtische zu. Ich vennich möAichst jeden Verkehr mit meinen Kollegen und Standergenvssen, au» Furcht, dadurch etwa zu unnötigen GeldanSgabe« verleitet zu werde», und »ach kurzem lebte ich mitten in meiner Familie, mitten in der volkreichen Stadt fast wie ein Einsiedler.
schen Entwurfes gestanden. Es jhat eine Zeit gegeben, in der positive Kreise dem „Gustav- Adolf-Verein" ziemlich kühl gegenüberstanden. Das wurde anders mit dem Augenblick, in dem dieser Verein fich unter Fernhaltung aller kirchen- politischenNebenzwrcke lediglich seinem evangelischen Aebeswerk widmete. Dr. Rogge scheint aber jetzt gewillt zu sein, den positiven Kreisen bte Teilnahme an dem Verein zu verleiden. Das wird ihm gelingen, wenn nicht sein Vorgehen von der Zentralleitung des Vereins in unzweideutiger Form gemißbilligt wird. Wir würden uns heuen, wenn eine derartige Mißbilligung bald erfolgte und auf diese Weise dem Verein die Erhaltung eines Stammes treuer Mitarbeiter an seinem Liebeswerke gesichert würde."
* Die Kommission zur Neform des Strafprozesses nahm ihre Beratung am Manag wieder auf. Die Beratung der letzten Tagung wurde abgebrochen in dem Abschnitt über die Abgrenzung der sachlichen Zuständigkeit der Gerichte. Die Kommission hat sich schlüssig zu machen über die Abgrenzung der Zuständig- leit der Strafkammer und des Schwurgerichts, >ezw. der sogenannten mittleren und großen Schöffengerichte. Sodann ist die Frage der Einführung der Berufung zu entscheiden. Für die erste Lesung steht dann noch aus der Ab- chnitt Revision, sodaß anzunehmen ist, daß in der Julitagung die Beratung der ersten Lesung zu Ende geführt werden kann. Es würde dann im Herbst die zweite Lesung beginnen können.
In einer heute im Kaiserhof abgehaltenen Versammlung gewerblicher Verbände wurde einstimmig beschloffen, eine .»Freie Bereinigung von Arbeitgeberverbänden" zu begründen. Die „Freie Vereinigung" will die aus eine Gesamtorganisation der Arbeitgeber gerichteten Bestrebungen unterstützen, indem sie für die sJht« glieder einen gemeinsamen Kartellvertrag mit der „Hauptstelle deutscher Arbeitgeberverbände" abzu- schließen sucht. Die vorläufige Geschäftsführung ist dem „Gesamtoerband deutscher Metallrn- dustrielkr" übertragen worden.
??: Diü sozialdemokratifche Fraktion hat, wie der .Vorwärts' mitteilt, sechs auf sie ent- fallenden von der Hamburg-Amerika-Linie geschenkten Fahrkarten zu einer Nordlandsreise ohne weiteres zurückgegeben.
»erlitt, 17. Mai 1904. DaS preußische Staatsministerin« trat heute nachmittag tot Abgeordnetenhause zu einer Sitzung unter bem Vorsitz beS Ministerpräsidenten Grafen Bülow zusammen. — Dem Staatssekretär Freiherrn v. Stengel ist bet Rronenotben erster Klaffe verliehen worben. — DaS Gesetz übet Abänderung bet SeemannSotb- n u « g und beS HanbelSgesetzbuchS (Ktankenfütfotge für Seeleute) wirb tm Reichsgefetzblatt veröffentlicht. — Amtlicher Nachweisung zufolge hat bie Entnahme an Wechselstempelsteuet im Deutschen Reiche während des Monats April 1081730,60 Mark oder 38854,70 Mark mehr alS im gleichen Monate deS Vorjahres betragen.
MaerM Zeitung
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