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’*’r moMWUage: .Luldaer Geschichtsblätter".
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v wochenbellage: „Illustrierte Zonntagrzeitung"
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Druck und Verlag 6( ZuldaerAettendrucke» in Zulda (harmonih Fernsprecher Ita 9.
M 109.
Hulda, Samstag, den 14. Mai 1904.
31. Jahrgang.
> Zweites Blatt ।
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Unpolitische S-itlänfr.
^Nachdruck verholen.)
® Berlin, 12. Mai 1904
Nicht wabr, die Kriegsberichte in den Zer- tunaen sind sehr interessant? Wie angenehm, wenn man stch in aller Behaglichkeit vor die gezuckerte Raffetaffe setzt und die neuesten Neuigkeiten ous Osiafien genießt, explodierende Mme, finkende Schiffe, furchtbare Kanonaden, kühne Borstöße, verzweifelte Bajonettangriffe, so und so viele Hunderte oder lausende von Menschen ertrunken, verstümmelt, geltet! Ach, das kitzelt die Nerven. Ein Schluck «ms der Taffe der von einem stillen Prosit für die Sieger begleitet ist. Wieder ein großartiger Erfolg! Die Kerls verstehen es. Und bald wird es wieder eine Schlacht geben, eine noch größere Entscheidungsschlacht.. Morgen wird der Bericht vielleicht noch intereffan- ter sein.
Ünd wo bleibt das Mitleid für die Opfer des Krieges? O, das wird so nebenbei zwischen zwei Happen des Frühstücks« oder Vesperbrotes abgemacht. Höchstens ein kleines Wort des Bedauerns für die vielen Toten und Verwundete, aber Mitleid im wirklichen Sinne, eine Mitem- pfindung des Leides der Mitmenschen, ist nicht vorhanden; wer wird sich denn durch den Mit- i'chmerz den Appetit verderben lassen! Nein, das Gruseln soll angenehm bleiben. Das flotte Hurrah der Sieger hören wir gern mit beiden Ohren, aber wenn die Verwundeten stöhnen, die Sterbenden ihren letzten Verzweiflimgsschre ausstoßen, dann hält sich der „gebildete Menschmöglichst die Ohren zu.
So ist es, und um er Christen sollte ks anders sein. Wir sollten bei den Kriegsnachnchten uns stets die furchtbare Fülle des Elends und des Jammers gegenwärtig halten, der hinter diesen „interessanten" Depeschen steckt. Was wird da an Menschenglück und Menschenleben vernichtet Wenn das vergaffens Blut zu Haufen käme, so würde es buchstäblich in Strömen fließen. Aus den zerschossenen Gliedmaßen laffen sich Wälle bilben und die Leichen könnten zu langen Halden aufgehäuft werden. Und fast jeder der zahllosen Gefallenen hat Angehörige, die durch sein Schicksal in bitteren Kummer, vielfach sogar in Verzweiflung gestürzt werden. Und in der Gegend, wo die Kciegsfurie haust, wird auch die friedliche Einwohnerschaft auf dem Hurrah-Altar geopfert. Die Saaten und die Häuser, das bischen Besitz, die Gesundheit und die Lebenskraft der Leute — alles fällt dem Sturm zum Opfer, den die menschlichen Leidenschaften enffacht haben.
Wmn der Krieg auf Erden tobt, dann packen mich ganz besonders die Anfangssätze des Kirchengebetes : Sieh an mit den Augen Deiner unendlichen Barmherzigkeit unfein Jammer, unser
Marter Angela.
Bon Komtesse de Beaurepaire-Louvaznh. Genehmigte Übersetzung aus dem Französischen.
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Frau Mareskat ließ sich wie ein Kind leiten; sie schien aus einmal all- Tatkraft etngebüßt zu haben.
Luiseite erinnerte sich, iuß die Fam'lie bei ihrer Ankunft in Paris im Hotel Tsntinental abgestiegen war; dahin führte sie auch jetzt ihre Herrin. Es war zu spät geworden, nm roch irgend etwas zu unternehmen.
Am folgenden Morgen ließ die Kammerzofe sich am Bahnhof das Gepäck autliefern, während Pepa sich zur argentinischen Gessndrschaft begab urd dort den Bureauvorstand abwartete.
Hier war von einem Umzug Herrn MareSkatS nichts bek nnt. Nach einigem Hin- und Hrrfragen erinnerte sich schließlich ein Beamter, daß ein Herr dieses Namens vor ungefähr einem Jahre sich an die Botschaft gewandt.
„Aber eS war ein Franzose," sagte er; „wir konnten nichts für ihn tun und hüben ihn auch nicht wieder gesehen."
Pepa schilderte die entsetzliche Lage, in der sie sowohl als ihr Gatte sich seit Monaten befänden. Man hörte sie mit Teilnahme an, würde ihr aber leider nicht behiflich sein können.
„Wenden Sie sich an die Polizei!" riet man ihr. „Der Kommissär Ihres Viertels wird Ihnen Mittel mnd Wege angeben."
Pepa kehrte k8 Ho'el zurück und verlangte den Direktor zu sprechen.
Da sie eine bedeutend« Summe Geldes bi sich Wirte und den größten Teil davon in der Hotelkasse niedergelegt hatte, so war sie drS weitesten (Entgegen« rawrnen« versichert.
Elend, unsere Not! Ja, unser Unglück, wenn es auch zur Zeit nur in einem ent-egenkn Teile der Welt tobt. Die ganze Menschheit ist von Natur eine einzige Adäwsfamilie und soll eine einzige Christusfämilie sein. Was heute dem einen Glieds passiert, kann morgen dem anderen zustößen. Die Menschheit kann aus dem Krieg nicht herarrikommen, trotz der christlichen Friedens botschaft, die fast 2000 Jahre alt ist, und tioi der vielgepriesenen Kultur, die angeblich mit R esenschritten vorwärts schreitet. Der Maffen- mord unter obrigkeitlicher Führung ist roch immer im Schwung- wie zu den Zeiten Nimrods und Nabuchodonoffors. Das Faustrecht im Kleinen ist ab geschafft; aber en gros wird es um so nachdrücklicher betrieben. Ein feiner Maschinenbetrieb mit tausenden von Pferdekräften, raffiniert angelegt auf die Massenfabrikation von Leichen und Ruinen!
Der Krieg hat zwei Seiten, und man muß sie beide beachten. Zahllose Maler verherrlichen die Hurrah - Seite des Krieges, und unsere Jugend stärkt an den Brldern der Kraft und des Triumphes ihren militärischen Sinn. Das muß auch fein, denn solange das Völker - Faustrecht im Gange ist, muß jede Nation einen wehrhaften Nachwuchs haben, wie in früheren wilden Zeiten jeder Mann Waffen tragen mußte, um sich gegen andere böswillige Waffenträger selbst wehren zu können, was in wilden Gegenden ja jetzt noch eine notwendige Landessttte ist. Ader die dunkle, schaurige Kehrseite des Krieges muß in der Kunst auch zum Ausdruck kommen, und das ist nicht hinreichend der Fall. Der russische Maler Warafchtschagin hatte es sich zur Lebensaufgabe gemacht, denJammer und das Elend des Krieges in wahrheitsgetreuen Bildern der Menschheit vor Augen zu führen, und seine Gemälde, namentlich die Szenen aus dem letzten russisch-türkischen Kriege, sind wahrhaft ergreifend, eine heilsame Aufrüttelung des menschlichen Gefühls ünd des christlichen Gewissens, eine Friedenspredigt der eindringlichsten Art. Und der Kriegsteufel hat an diesem Gegner sich in feiner Art gerächt. Wereschtschagin ging auf den Kriegsschauplatz, um für neue Gemälde von den Schrecken des Krieges mit eigenen Augen Stoff zu sammeln, und der kriegsfeindliche Künstler mußt? nun gerade auf dem „Petropawlowsk" fein, der einer Mine zum Opfer fiel, und mußte mit den 500 russischen Seeleuten in die Fluten des gelben Meeres versinken. Der Krieg vernichtet alles, was ihm in den Weg kommt, ohne Ansehen der Person, Schuldige und Unschuldige.
Was ist dagegen zu tun? Vorderhand kann nicht einmal das internationale Schiedsgericht etwas dabei tun. Dasselbe Schiedsgericht, das auf Veranlassung des Zaren gegründet ist, der jetzt den blutigen Krieg führt, um die von Rußland geraubte Mandschurei gegen den neidischen und ebenfalls blutgierigen Nachbar zu verteidigen. Man kann die Friedensrosen nicht eher pflücken, als bis sie aufgebläht sind, und zu ihrem all- mählrgen Aufblühen trägt nichts sicherer bei, als wenn sich immer weiter, immer eindringlicher das Bewußtsein von der Schrecklichkeit und Ab-
Der Direktor gab ihr ein Empfehlungsschreiben an den ihm persönlich bekannten Kommissär und riet ihr, noch um selben Tage zu ihm zu gehen.
„Aber zu Lieser Stunde treffen Sre ihn nicht mehr an," schloß er; „um 6 Uhr abends ist er wieder zur Stelle."
Pepa nahm in aller Eile eine lrichtr Mahlzeit ein und ging dann mit Luisette aus. Sie hatte sich vor- genomrren, Paris zu durchstreifen. Wenn sie selbst jedes Eckchen durchsuchte, meinte sie, müsse sie doch wohl die Ihrigen finden.
Müde vom Laufen kam sie um 6 Uhr auf d-m Polizeibureau an.
Der Kommissär lai den Brief des Direktors und benahm sich sehr höflich gegen die lleberbringerin.
„Ich bedauere," sagte er, nachdem er Frau Mareskat angehört, „daß die Sache mich nicht angeht, sondern meinen Kollegen in der Magdeburg-Straße. In besten Bereich ist die frühere Wohnung Herrn MareSkatS gelegen! Dieser wird Ihne« Ausweis geben!"
Pepa mußte sich zurückziehen. Etwas wie Auf- !ehnung gegen das harte Schicksal wurde in ihr rege. Wurde denn jede überwundene Schwierigkeit durch tausend andere Hindernisse illusorisch gemacht?
E» bedurfte einer gewaltigen Anstrengung, um die träflichrn Gefühle, die über sie Herr wurden, nieder- zuhalten. Sie begriff noch zeitig genug, daß, wen» das Vertrauen auf Gotte» Vorsehung sie verließ, es um ihre Tatkraft, ihren Mut geschehen sei. Tie Verzweiflung würde alle Hoffnungen zu Schanden machen.
Wie ein reuiges Kino fniete sie nieder und bat um Verzeihung.
.O, mein Gott! Wann ünd wie du willst!"
Von dieser Stunde an blieb sie geduldig und ergeben.
Der zweite Komwiffär versprach am folgenden Morgen, das Nötige zu veranlassen.
„Kommen Sie in einigen Tagen wieder!" sagte er.
Au diesem Tage wie auch am nächsten durchirrte Pepa Straßen und Plätze, doch ihr Suchen wie da»
scheulrchkeit deS Krieges verbreitet. Daher ist gewiß die Mahnung berechtigt, daß die zuschauende Welt die Nachrichten vom Kriegsschauplätze nicht als interessanten Unterhaltungsstoff mit Behagen genießen oder sich gar durch lebhafte Parteinahme für den einen Teil zu einer gewiffen Blutgier hinreißen laffen, sondern vielmehr stets an die entsetzlichen Leiden und die furchtbaren Ver- deerungen denken soll. Auch die Jugend, die sich so leicht in den Kriegstaumel versetzen läßt und aus dem Spielplätze oder bei höherem Alter wenigstens in Gedanken fröhliche Kriegsspiele treibt, auch der Jugend soll man die Kehrseite der kriegerischen Herrlichkeit nicht vorenthalten. Sie muß lernen, daß der Krieg notwendig ist, wenn das Vaterland seine Söhne zur Abwehr des Feindes ausruft, aber sie muß auch lernen, daß der Krieg ein Uebel ist, das Christmenschen nach Möglichkeit vermeiden sollen.
Wer sich ohne Schrecken und Mitleid an den spannenden Kriegsnachrichten ergötzt, der kommt mir nicht beffer vor, als der alte Römer, der sich behaglich in den Zkkus setzte und seine helle Freude hatte an den Kämpfen in der Arena, wo die Gladiatoren sich gegenseitig kunstgerecht ab» stachen. Und dabei entrüsten wir uns noch pharisäisch über die Stierkämpfe in Spanien, die doch als ein armseliges Kinderspiel erscheinen, wenn man sie mit dem blutigen Kriegstheater vergleicht.
Ja, es steckt noch viel Roheit in den Geistern und Herzen der Menschen, und wer die Roheit suchen will, soll nicht in die Ferne schweifen, sondern bei sich selbst, auf dem Grunde seines eigenen Denkens ühb Empfindens anfangen und dann feine nähere Umgebung betrachten. Wmn man vom Großen auf das Kleine kommen darf, sy möchte ich auch die neue Schwärmerei für Ringkämpfe in dem Roheits-Kopitel buchen. Und wenn diese groben Balgereien zwischen halbnackten Kraftmenschen auch unter dem „Ehrenprotektorate" von diesem oder jenem Hofbildhauer stehen, ich halte die Schaustellung für häßlich und die Erregung der Zuschauer mehr für bestialisch, als menschlich. Du lieber Himmel, von der Sorte von Leuten, die auf das Niederwürfen, Niederschlagen oder Niederfiechen ihrer Mitmenschen mit Wollust ausgehen, haben wir noch übergenug; wir brauchen wahrlich keine besonderen Veranstaltungen, um das Raubtier, das im Menschen schlummert, von neuem zu erwecken.
Zwischen Himmelfahrt und Pfingsten follte man eigentlich über schönere Sachen reden. Doch es gibt leider zu viel unschönes in der Welt. Auch im wunderschönen Monat Mai gibt eS gestrenge Herren und schlimme Tage. Mit dem Himmel auf Erden, den uns dir Antichristen gern an die geduldige Wand malen, ist es noch nichts und wird es auch wohl nichts rechtes werden. Daher ist es der beste Trost in dem schweren Kampfe um's irdifche Dasein mit all' seinen Aergernifsen und Enttäuschungen, wenn man voll Glauben und Hoffnung sagen kann: Ostern und Himmelfahrt — Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben, Amen!
der Polizei blieb ohne Ergebnis. ES war ganz unbegreiflich: nicht« führte auf die Spur von Herrn Marerkat ober seiner Töchter. Da diese nur im nötigen Falle aulgingen und ihr Viertel nicht verließen, so konnte Jahr und Tag darüber vergehen, bis man sie emdkckte Wenn doch irgend ein Fingerzeig gewesen, ein Anhaltspunkt, jemand, mit dem fie verkehrt. . . .
Leiber dachte Prpa nicht an den Vikar Preval. Sie hatte ihn stets nur in der Kirche gesehen und konnte nicht ahnen. Laß Maria Angela sich e« ihn gewandt, daß der würdige Priester der Freund, der Schutzengel ihrer Lieben geworden. Man riet ihr, ich an eine dieser Agenturen zu wende», die sich für indiger al» die Polzei ausgeben und behaupten, die chwierigsten Rätsel mit Leichtigkeit zu lösen. Sie tat e-, aber jede Spur, die man zu entdecken glaubte, erwies sich als falsch.
Die arme Pepa empfand es als bitter, daß fie elbst jetzt jeder materiellen Nor sernsiand, während Gatte und Kinder sicherlich an allem Mangel lüte». Bei weiterer Urberleguna kam fie zu der Ansicht, daß sie Ihrigen, um bescheidener leben zu können, wahr- cheinlich eines der Außeuviertel ausgesucht hätte«. In dieser Erwartung hatte fie schon Reuilly, Charonne, Menilmontant und Belle Ville dmchsucht. Jede« Sorin- tagmorgen stellte fie sich von der ersten Messe bis zur letzten an einer der Kirchen dieser Borstädte auf und betrachtete angelegrntlichst jedes G<ficht. Während fie an einer Türe Posten stand, bewachte Luisette den andern AuSzang. Dasselbe wieoerholte sich beim Nachmittags gotteSdiensi Mehrmals schon waren die Kirchendiener aujmerksam aus fie geworden, dann erzählte ihnen Pepa ihre Geschichte in der Hoffnung, etwas zu erfahren. Die einen hielten sie für ta- innig, andere meinten, fie verfolge unter dieser Marke einen unlauteren Zweck. Wäre sie nicht so reich und vornehm gekleidet gewesen, so würde man sie wohl verhaftet habe«.
So verging Woche um Woche in nutzlosem Suchen.
Wie der aufolühsnde Frühling seine kritischen Maitage, so Hai die langsam fortschreitende Gesittung der Men chbeit immer Kulturrückschläge, verderbliche N-chrftöste zu erdulden. Die Kultur geht in gewiffen Aeußerlrchkeiten oft mit Automobil-Eile vorwärts; aber der Kern und Grund, die innere Veredelung des Denkens, Empfindens u«d Handelns dec Menschheit, will fich nur im langsamsten Schneckentempo entwickeln. Was wir an wahren Fortschritten der Bildung und Gesittung noch erleben können, ist jedenfalls verschwindend wenig. Und was wäre nun unser ganzes persönliches Dasein wert, wenn es sich auf die kurze und fruchtlose Fortwurstslei in dem irdischer, Jammertale beschränkte? Dann sollte man jeden Geburtstag mit Trauerkränzen und Totenkerzen feiern! Nein, erst die künftige Himmelfahrt macht die Geburt zu einem freudigen Ereignisse, erst das künftige beffere Leben macht das Leben auf Erden lebenswert! Die winkende Zukunft macht uns bis schwere Gegenwart erträglich. Und wenn Jemand sagt, der -fromme Mensch mit seinen Jensesisgedanken paffe nicht in die irdische Welt, so irrt er sich gewaltig oder er schwindelt böslich. Denn die Hoffnung auf die Himmelfahrt und das beffere Leben lehrt uns nicht, die Hände in den Schoß zu legen, sondern vielmehr beide Hände und das Gehirn und alle Gliedmaßen nach besten Kräften zu gebrauchen, um die hiesige Welt dem Ideal des Jenseits möglichst anzunähern, etwas mehr Himmel auf die Erde zu bringen. Der tücytige Christ ist der beste Mitarbeiter an der Veredelung und Beglückung der Menfchheit, an der wahren Kultur, und zwar besonders deshalb, weil er mit seiner eigenen Veredelung den richtigen Apsang macht.
Sollen die Menschen fich nach der tierischen Seite entwickeln oder nach der Seite der Engel hin? Das ist die große Frage. Je mehr die We't an die Himmelfahrt denkt, desto mehr überwindet fie die tierifche Roheit.
Römischer wochenbries.
[**] Rom, 11. Mai 1504.
Das Verhältnis Frankreichs zum Vatikan wird natürlicherweise jetzt, nachdem Präsident Loubet wieder nach Paris zurückgekehrt ist, auch hier in Rom mit größtem Interesse betrachtet. Die Protest - Note, welche der Pariser Nuntius Lorenzelli der französische« Regierung übergab, wurde von dieser abgelehnt. Es hat den Anschein, als ob Co mb es die Kurie durch dieses Vorgehen zum Abbruch der diplomati- schen Beziehungen zwingen wolle, denn dies würde den französischen Kirchenstürmern außerordentlich gelegen kommen. Mit einer Abberufung des Pariser Nuntius wäre auch die Tätigkeit des hiesigen französischen Botschafters beim apostolischen Stuhle beendet und es existierten keinerlei diplomatische Beziehungen mehr zwischen beiden Mächten. Das Konkordat scheint nur noch zu bestehen, um der französischen Regierung Waffen gegen die Institutionen der katholischen Kirche in die Hand zu
Suifetten« frühere Befürchtungen um de» Verstand ihrer guten Herrin kehrten begründeter a!S je zurück. Es war ein Wunder, daß Pepa's geistige Kräfte dieser unaufhörlichen Anspannung, diesen sich stet- wiederholten Mißerfolgen Stand hielten.
Eine« Morgens wurde die treu« Zofe angenehm überrascht, da sie bemerkte, daß die Züge der Herrin weniger abgemattet aursahen als gewöhnlich.
1 Pepa war in der Nacht eine neue Idee gekommen! so betrübend im Grunde dieser Gedanke war, so gii er doch möglicherweise einen Anknüpfungspunkt.
Wenn Maria Angela in ihrer Not auf die Mildtätigkeit anderer, aus daS Almosen angewiesen wäre.
„Ach!" dachte die gequälte Mutter, „ich wußte wohl, daß fie arm waren; daß kS aber dahin komme« könnte, so weit ging meine Befürchtung nichr. Und doch . . . dann Haden sie fich an die Schwestern gewandt, welche Povpre verehrte, wie die Engel do» Himmels. Darin finde ich sie durch die Schwester« wieder. Morgen will ich zur General-Oberin gehen, i)ie mir sicherlich gern helfen wird."
Dieser glückliche Gedanke verschaffte ihr einige Stunden lang entbehrten ruhigen Schlafe». Viel rischer konnte fie fich erbebe». Um einen befriedigenden klusgang dieser neuen Bemühungen zu erflehe», wollte re zuerst eine hl Mtffe anhöre« «nd blieb noch eine Weile in Andacht verfunken vor dem Altäre.
Da es nun inzwischen 11 Uhr geworden, vermeinte sie, ihren Besuch b sser auf den nachmittag zu verschieben, da fie vermutlich zur EffevSzeit der Schwestern ankäme und stören würde.
Semit ging sie e:st selbst frühstücken und verfügte ich dann in die Rue vu Bae, in das Mutterhaus der Rncenz-Schwestern.
Die Gk»eral.Obenn, eine ebenso würdige als feine, geistvolle Dame, hörte Pepas Bericht mit innigem Mitgefühl an und war sofort bereit, ihrer Bitte ;u w llfadren.
„Aber," sagte fie, „eS ist keine kleine Arbeit, die da nötig ist. Unsere Niederlassungen find zahlreich r»