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«fofritrtege. Wartet»

gemixt* 1®-5» Pfo.

31. Jahrgang

KU-a, Mittwoch, den 11. Mai 1904

J£ 107

(Nachdruck Verbote«.)

36

die Rot am

i erstes Blatt ।

DeutscbesjRekb i

,'flus dem Reichstag

Reiches, so wird ohnehin daS Mehr derselben von der Summe abgerechnet und haben die Bundesstaaten nur bett verbleibenden Rest zu zahlen, andernfalls müssen fie natürlich die volle Bedarftfurnme am Schluß des Rechnungsjahres 1904/05 an daS Reich auSzahlen. DaS tst eine der praktischen Folgen der Finanzreform nach den Beschlüßen des Reichstages.

Wege« des Feiertags Christi Himmel­fahrt wird die nächste Nummer uuserer Zeitung erst am Freitag anSgegebe«.

Maria Angela.

8or Komtesse de Beaurepaire-Louvagny. Genehmigte Uebersetzung auS dem Französischen.

lB$ef|ei: Vie et* foaltfge Petttjeile oder deren Saum 15 PsS Uetlamen die Petitzelle 25 pfg.: bei Meder- Holungen wird eollvr Sadatt gewährt.

druck und Verlag öe Kuldaer Sctieudrmlerr in Zulda (Harmonie)

Lernsprecher Ur. 9.

ky e» nooic lui/iy ™ w t» gedacht hätte: zu einer Euttäuslbung kommt man immer früh genug. Sndltch hielt der Wagen vor der bezeichnete» Rümmer. Wie jedes bessere Haus üt der Hauptstadt, hatte auch diese» verschfoffene täten. Einige Minuten zögerte Pepa. Sine resend« Angst ergriff sie tot dem Kommenden, beide Hände drückte fie wider die

hämmernde Brnst. _ .

Ann zog fie za toast <ut der Klingel, ob tat« die Schwme, die sie ehtoem so ost am Arme de»

vorher abgesahren war.

Sim lange Spanne Zeit lag hinter ihr — em ganze» Dasein, wie ihr oorkam, von Gorgen, Mühe«, Drangsalen «nd Fährnissen aller Art. Doch war jetzt nicht die Stunde zum Rückblick in die «ergangenheit — nur vorwärts in den Eilzug nach Pari».

De« Nachmittag, be» fie in der Eisenbahn ver­bringe« mus tr, widmete fie ausschließlich dem Gebete.

Sie erwartete nicht, die Ihrigen «och in der vor­nehme« Behausung anzntteffeu, woselbst fie Satte und Sinder verlassen. Aber fie würde dort ihre mm Adresse erfahre«, und noch am abend all ihre Teuren an daS sehnende Herz drücken. Davon war fie fest überzeugt, mtr die Frage, wie «nd in welcher Ber- faffnng fie die Lieben finde« werde, erfüllte Pepa- Seele mit Bangen. In der Hauptstadt angekommen, »ahm fie fich nicht einmal Zeit, ihr Gepäck zu t ordern. DaS konnte Luisette andern Tage» besorgen! Rur schnell eine« Wagen: — Avenue Heuri Martin! rief fie dem Kutscher zu. «l» sie die Hausnummer an- gegeben, setzte fich daS Gefährt in Bewegung mit jener begaemr« Gleichmütigkeit, die de« Pariser Droschkenkutscher auSzeichmt, und welche einen eiligen Menschen znr Berzweiflung bringen kann. Pepa hätte dem armen, müden Trete Flügel gewünscht. .... . Doch e» trabte ruhig weiter, al» ob e» gedacht hätte:

Sie waren allerdings nicht mehr neu; denn l* der Herrenhaus - Kommission ist dieselbe hals- »recherische Verfaffungs - Interpretation bereits geübt worden. Von welcher schlagenden Be­weiskraft die Argumente des Ministers waren, davon nur ein Beispiel: Eure gewisse Be- chränkung des Eigentums und der AnfiedlungS- reiheit sei notwendig; es habe doch nicht jeder Preuße das Recht, sich auf dem Pariser Platz, in Berlin anzufiedelu. Was der Zentrums­redner ausführlich nachgewieseu hatte und bet Minister nicht widerlegen konnte, davon be hauptete dieser, er habe es unbeachtet gelaffen Und mitten in dem heißen Bemühen um den Nachweis, daß hier kein Ausnahmegesetz vor­liege, setzte er gleichzeitig auseinander, daß ein Ausnahmegesetz gegen die Polen unbedingt not­wendig sei. Den Gipfel erklomm der Minister mit der Erzählung, in Chicago werde der Kern einer polnischen Armee ausgebildet, um als Offiziere und Unteroffiziere bei dem künftige« Aufstande in Preußen zu dienen. Selten hat eine Ministerrede einen größeren Heiterkeitserfolg gehabt, als die heutige des Freiherrn v. Hammer- stein, der fich in immer größere Auftegung hin­einkreischte, je heiterer man im Hause wurde.. Bei der schönen Geschichte aus Chicago aber wälzte man fich im Zentrum förmlich vor Lache« Herr v. PodbielSki ist kein übermäßig ge­schickter Redner. Aber so große Blößen wie der Polizeiminister gab er fich bei der Verteidigung bet Vorlage denn doch nicht. Er wiederholle vor allem, was er in der Herrenhauskommission bereits über bk polnischen Güterschlächtereien unb gegen bie polnischen Anfieblungsbanken ge­sagt hat. Dem Minister v. Hammersteia ließ der Abg. Roer en zum Schluß bie gebührend« Erwiderung zu teil werden. Natürlich wird btt Vorlage angenommen werden. Konservattoe, Freikonservative und Nationalliberale werden dafür stimmen. Sie haben nicht einmal so me Bedenken, wie bie Mehrheit beS Herrenhausri hatte. An ber Frage der Verfaffungsmäßigkei bes Gesetzes brückten fich ihre Redner vorbei.

[] Zahlungsaufschub für die Buntes« staoterr.

Rach bett Reichstagsbeschlüffen zum «tat pro 1904 sollen bie Bundesstaaten anstatt bet im Entwurf vorgesehenen rund 24 Millionen Mark Matrikularbeitrage rund 41 Millionen, also rund 17 Millionen Mark mehr zahlen, damtt bie Zu­schußanleihe gänzlich in Wegfall kommen kann. Die Vertreter vieler BunbeSstaaten haben gegen diese» Beschluß lebhaften Einspruch erhoben, mSbesondere haben die Vertreter von Weimar, Württemberg, Sachsen, Baden und Bayern die Rotlage chrer Finanzen bargelegt unb erklärt, daß diese baburch ganz in Verwirrung gebracht würden, bibem fie bei Aufstellung ihrer Etats nur mit dem Gesamtbedarf von 24 Millionen Mark gerechnet hätten.

Der Reichstag muß selbstverständlich aus dem Standpunkt beharren, daß gemäß § 2 des neuen Finanzreformgesetzes die Bundesstaaten ver­pflichtet find, den Fehlbetrag im ordentlichen Reichshaurhalt zu decken. Wenn auch dieser Fehlbetrag fich vielleicht am Schluffe deS Rechnungsjahres durch Mehreinnahmen bei einzelner? Steuern vermindern dürfte, so ändert dies jetzt an der ZahluugSpflicht nichts, da die etwaige Rückerstattung in solchem Falle ja in § 2 ber Finanzreform vorgesehen ist. Um jeboch für bie augenblickliche Uebergangszett bett Bundesstaaten, welche auf btesen AuSgang ber Sttttsberatung unb bes Finanzreformgesetzes nicht vorbereitet waren, ein Entgegenkommen zu zeigen, .hat das Zentrum folgenden Antrag gestellt:

Der Reichstag wolle beschließen: dem Ent­wurf eines Gesetzes, betreffend die Feststellung des ReichshauShaltS-Etats für das Rechnungs­jahr 1904, als 8 3» einzufügen:

Insoweit die von den Bundesstaaten auf» zubringenden Matrikularbeitrage für das Rech­nungsjahr 1904 den Betrag von 219 650 000 Mark übersteigen, wird der Reichskanzler er« mächttgt, deren Erhebung vorerst für skses Rechnungsjahr auSzusetzen, bis der zur Deckung deS Bedarfs für dasselbe nach den wirklichen Ergebniffen des Reichshaushalts erforderliche Betrag festgestellt ist.

Hierdurch würde den Bundesstaaten für den Mehrbetrag, der ihnen anMatrikularbeiträgen durch den Beschluß des Reichstages euferlegt worden ist (rund 17 Millionen Mark), Zahlungsaufschub bis zum Schluß des Rechnungsjahres 1904/05 gewährt werden. Bessern fich bis dahin bie Steuereinnahmen des

Abg. Bebel hält es für nötig, im .Vor- roätts' „auch eine Wahlbetrachtung" anzustellen. Er untersucht darin, warum bie Sozialdemo­kraten in Sachsen-Altenburg unb in Zschopau- Marienberg bei ben Nachwahlen Unglück gehabt haben. Er finbet alle möglichen Grünbe, nur baß er selbst einen guten Teil ber Schuld trage, kommt den selbstbewußten Herrn natürlich nicht in den Sinn, oder er gesteht es wenigstens nicht. Allerdings gibt er zu, daß „bie Vorgänge bet bet Kanbibatenaufstellung" in Zschopau-Marien­berg „verstimmend auf einen Teil des nicht allzu festen Anhangs gewirkt" haben, aber er schlüpft über diese fatale Sache rasch hinweg — „an anderer Stelle" will er darauf näher eingehen — und sucht eifrig nach anderen Gründen. Das Bemerkenswerteste an dem Artikel ist, daß er überhaupt geschrieben wurde. Man fieht daraus, daß Bebel das Bedürfnis fühlt, fich zu recht- fertigen. Denn einen weiteren Zweck hat der Artikel nicht. Es soll nachgewiesen werden, daß nicht Bebels Auftreten in und nach Dresden und das herrschsüchtige und unduldsame Ge­bähten deS von ihm geleiteten Parteivorstandes den Stimmenrückgang verschuldet haben. Bebel muß also ein schlechtes Gewissen haben, oder er hat aus dem eigenen Parteilager foutete Bor­würfe hören müssen, daß er nicht mehr schweigen zu dürfen glaubte.

§ Stimmungsbild aus dem Abgeord- ueteuhause. Wenn eine schlechte Sache einen schlechten Vertreter hat, so steht es doppelt schlecht um sie. Die schlechte Polen-Politik hat immer das Unglück gehabt, spottschlechte Vertreter zu haben. Einen schlechteren als (den preußischen Minister des Innern, Freiherrn v. Hammer­stein, aber konnte sie schwerlich finden. Heute stand im Abgeordnetenhause das neue Ansiede­lungs-Gesetz zur ersten Beratung, deffen §13b bekanntlich polnische Ansiedelungen verhindern will. Der Zenttums-Abgeordnete Roeren wies mit überzeugender Logik und juristischer Schärfe und Klarhett nach, daß das Gesetz in Wider­sprach steht zur preußischen und zur Reichsver- faffung, unb legte weiter dar, daß es eine Härte und Ungerechtigkeit gegen die Polen sei und über­dies seinen Zweck, daS Deutschtum auf Kosten der Polen zu stärken, nicht erreichen werde. Darauf gab der vielentgleiste Minister Frhr. v. Ham­merstein eine Antwort, die sich durch Grobheit und unfreiwillige Komik gleichermaßen „auSzeich- nete". Herr Roeren, meinte der höfliche Mini­ster, hätte bester getan, wenn er den Mund nicht so voll genommen hätte. Wir wisten nicht, ob jemals im Abgeordnetenhause ein Minister einem Abgeordneten schon etwas derartiges zu sagen gewagt hat. Jedenfalls erregte der Ausfall, den der Aäsident unbeachtet ließ, im Zentrum einen Sturm der Entrüstung. Den Minister schien das höchlich zu verwundern; er nahm aber doch seine Worte zurück. Dann ging er daran, den Zentrums- Redner zu widerlegen, unb er tat das in einer Weise, bk wieder und wieder Mimische Heiter­keit im Zentrum erregte. Besonders seine staats­rechtlichen Ausführungen warm ungemein drollig, eine Bank unb hatte weder acht aus da-, wa» um fie vorging, noch auf bie enteilende Zeit.

17. Kapitel.

Nach einer glückliche« Seefahrt traf Fra« MareSkat wieder in le Havre ein, von wo fie 15 Monate

W»hl taten bk Schwestern unb ber Vikar Preval vaS sie konnten, um diesem Elend zu steuern, doch mch chre beschränkten Mittel waren unzureiLeno tiefer immer größer werdenden Not gegenüber. Noch tarn dazu die schlechte Jahreszeit für die vlmnen- «acher: die Aufträge für ben Sommer waren er­ledigt, an die Wintermode dachte man noch nicht. SS «ab weder Rosen «och Flieder mehr zu binden tik bk jungen Mädchen, unb selbst die fleißigen Ringer Josephs mußten feiern.

Seit zwei Wochen waren fie dem Hausmeister gegenüber im Rückstand. Eire» abends erhielt Maria- iyyifa ein Schreiben von ihm mit ter Drohung, daß, falls ihm am nächste« Tage bie bestimmte Zahlung nicht geleistet würde, er die Wohnung räumen lasse. Das war ein fürchterlicher Schlag für die arme Poupee!

Zvm zweitenmal vertrieben i Und dieseSmal würden fie ohne Obdach bleiben, auf die Straße gesetzt l Sein Ksvl, keine Arbeit, kein »rot! Der arme, unglückliche Beter! Sie durfte ihm nicht» sagen, ehe fie nicht alle» versucht hatte, um dieser elende« Zukunft a«S- uuveichen. I« der folgend« Nacht formte fie kein Ange schließ« in der fortwährend« Grübelei, wie daS drohende Unheil abzuw«d« sei. Sie gedachte, fich «och einrnet an ben »ihr, ihr« gütigen Freund, zu wend«, so peinlich e» ihr auch war, d«u fie hatte tagst erkannt, daß b-t eifrige Seelsorger persönliche Opfer brachte, indem er ihr immer wieder zu

Nach dem Mittagessen — um diese Zeit War er em besten zu taffen — schützte fie da» Fehl« einiger faxten 6er. um au,geh« zu »men. Ab«,»Jammer!

Maer W Zeitung

wodtaMiaf t: „Illustrierte Somttagsjdttmg" «wdsMiaae; »Mdaer GeschichtrblAKr".

88. Sitzung vom 10. Mai 1904.

Sröffnungl'/«Uhr. —Fortsetzung der dritte« Lesung deS 6tat8.

Beim «tat deS ReichSamtS de» Inner« nimmt

Abg. Trimdorn (Z) feine neuliche Behauptung, daß zu den BerufSg«off«schastm, welche in ihre Dienstordnung« keine Bor schritt« betr. Pensionsbe­rechtigung ihrer Beamt« und Relittmfürsorge anfge- nomm« hätten, auch die westdeutsche Binnen schifffahriS- berusSgenoss«schast gehöre, zurück. 6r bedauere, daß er durch eine falsche Information irregeführt worb« sei.

Aba. LiPiuS» (So,.) wünscht wettere gesetzliche Maßnahme« znaunst« der Handlungsgehilfen insbe­sondere die Sinführung deS Achtnhrlad«schlusieS.

Abg. v. Riepenhanfen (t) führte Klage 66er tow TerroriSmuS und Anmaßung sozialdemokr arischer Arbeiter.

leidmdm Gatt«, gefolgt von der fröhlich« Kind« schar, überfchrttt« hatte.

„Herr MareSkat?' fragte fie die Türhüterin „Den tarne ich nicht", antwortete diese.

In der Tat war da» Gesicht der Frau auch Pep« gänzlich unbekannt, also eine neue Pförtnerin.

„Gr hat ober früher hier gewohnt", fuhr Frau MareSkat fort.

„Da» mag schon sei«; ich bin erst seit drei Monat« im Hause, und habe ihn nicht gesehen."

„Dann wird er beim Umzug seine Adresse, zurück gelaffen hab«/

„Möglich, rneinBorgänger hat fie mir nicht mit geteilt

Die» war allerdings richtig. Herr MareSkat hatte mtt Rückficht auf etwa einlaufende Briefe feinet Gattin ben Nam« und die Nummer der Straße, wohin er fich zu flüchten gezwung« war, schriftlich hinterlegt. Der Pförtner harte die Karie ochtto» in eine Schublade geworfen unb nicht mehr daran ge­dacht. Wer erinnert fich gefallener Größen? In fein« Augm warm die MareSkat» die richtig« Hoch- stadler, die Abreise der Madame eine feie gespielte Komödie, um die Leute besser betrüg« zu form« Also unnütz, fich Wetter darin« z« bekümmern.

Pepa ließ fich nicht abweis«. So nahe am Ziele sollte fie »och auf gehalten werd«? Sie mehrte, die Türhüterin habe vielleicht vergess«. . . . Wenn fie gefälligst ein wenig nachdenken wolle. .... Da Kam fie schlecht an; die Fra« wurde grob.

„Ich habe keine Zett, mich aufzuhalten. Sassen Sie mich in Ruhe und geh« Sie!*

Trostlos kehrte Pepa um, auf der Straße Hieb fie noch lange vor der geschlossen« Tür steh«, mtt starrem Blick, ohne Tränen, tetnefl Worte» mächtig

Erst al» Luisette ihr tröstend zusprach, erleichterte ein Tränenstrom ihre gequälte Seele.

„Gnädige Frau mäfitn fich aritruhrn!" ritt die besorgte Dienerin.

„Fa, wa» soll ich in?*

"3ni Hotel gefeit. Morgen könne» wir San« überleg«" Worts, folgt.) .

Berlin, den 10. Mai 1904.

♦ Zentt««Spresse und Arbeiterfrage. Am Montag tagte in Köln die Generalversamm- lung des AugustinuSoereins. Nach ein­gehender Beratung wurde einstimmig folgende Resolution gefaßt:

Die ®«eraloerfammlung deS AugnstiunS-BereinS zu Köln, vom 9. Mai 1904, beschließt unter Bekräftigung ihrer früheren Stellungnahme in dies« Frag«:

SS ist Pflicht der ZentrumSpresse, ««■ zweid eutig und entschreden einzutreten

1. für d« Abschluß von Tarisgemeinschafteu ?wisch« Unternehmern und Arbeite«;

Ür die Wahrung der KoalitionSfrerhert der Arbeiter; ,

3. für das Recht der katholisch« Arbeiter, fich m christlichen int erkonfessionelle nSewerk- schäften zu organisier«.

§ Zu der Meldung, der Gouverneur Oberst Leutwei« sei entschlossen, sogleich nach Ueber- gabe der Geschäfte an den Generalleutnant von Trotha nach Deutschland zurückzukehren, bemerkt die ,Nordd. Allgem. Z'g.: „Wir halten diese Meldung für durchaus falsch; denn fie steht in unlösbarem Widerspruch mit Erklärungen, die Oberst Leutwein aus freien Stücken seinen vor­gesetzten Behörden abgegeben hat.- Das ist ein sehr zahmes Dementi. Es ist aber doch zu ver­muten, daß der Berichterstatter des ,Berl. Lok.- Anz/ in Windhuk über die Abfichten Leutweins auch nicht schlecht unterrichtet sei. Vielleicht ver­zichtet dieser aber bei eifrigem Zureden auf seine Rücktrittsabfichten. Den amtlichen Stellen in Berlin käme sein Rücktritt offenbar sehr unge­legen. Das kann man nicht allein aus der,Nordd. Allg. Ztg/, sondern auch aus den Lobsprüchen ersehen, die ihm am Montag vom BundeSrats- tische im Reichstage aus gespendet wurden.

—* Die Zahl ber berittene» Trappe« i« Tüdwestafrika soll einem Berliner Blatte zufolge um etwa 2000 Mann erhöht werden. Das Pferdematerial soll ausschließlich aus Ost­preußen bezogen werden.

§ Der Eertiorerrkimvertt des Reichstags besprach heute wieder die Geschäftslage, kam aber noch zu keiner Einigung. Wahrscheinlich wird man am Ende dieser Woche in diePfingst- ferten gehen, die bis zum 7. Juni dauern sollen. Die Frage, ob eine Vertagung bis zum Herbst eintreten wird, ist noch unentschreden, da der Reichskanzler dem abwesenden Kaiser darüber noch nicht Vortrag halten könne.

ihr Weg war vergeb«» gewesen. Der Bikar hatte TagS vorher eine Reise zu seinem sterb«ben Baier unternommen.

Ponpee hielt bei dieser Nachricht nur mtt Mühe ihre tränen zurück WaS nun?

Schwankende« Schrittes trat fie in bie nahe­gelegene Kirche und schüttete tot dem Altäre ihr tief» betrübtes Herz au».

„Hilf mir, liebe Muttergottes", betete fie, „er­leuchte mich, zeige mir, wa» ich tun soll! Sott! er­barme dich meines gutm BaterS, meiner teuren Mutter! O, wa» soll au» un« werd«!"

So weinte und flehte fie lange. Langsam kehrte die Zuverficht in ihre gläubige Seele zurück; fie schatt fich sogar ob ihrer Zighastigkeit. Wie hatte fie doch nur fürcht« können, Gott würde fie verlass«? Wenn er fie nur nicht strafte wegen diese» Mangel» an

® erträum!

Die Erinnerung an den Sturm auf dem Meere unb da« Schiff Petri zog durch ihr« Sinn. „Wmn

~ ' ____ größten, ist Gotte» Hllse am nächsten",

so suchte fie sich Mut zu mache«

Plötzlich kam ihr ein Gedanke. Vielleicht würde der Kunsthändler, für den fie die Bildchm tolorierte, e« nicht abschlage«, eine kleine Summe vorzustreck«, die fie schleunig abverdienen wollte. Warum war ihr da» nicht eher ringe allen?

Sie «achte schnell da» kreuzzeichm unb richtete ihre Schritte nach der Rue de Sevre».

ES war weit von Paffy bis dorthin; auch brannte die Iuttfonue glühend vom Himmel herunter. Doch Maria-Angela beachtete e» nicht, Unverdrossen eilte fie weiter. Unb das Ergebnis? Ach, der Kaufmann hatte fich eine kurze AuS'pannnng gegönnt und war bi« zum nächst« Montag verreist! Heute war erst Dienstag.....Also eine ganze Woche «och!

Mmia-Augela war so niedergeschlagen unb ab­gespannt, daß fie nicht einmal mehr denk« konnte. Ohne Ziel, unbewußt lief fie weiter, durchquerte mehrere Straßen, passierte eine Brücke, unb getagte in den Tuileriwgari». Hier finck fie ermattet auf