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31. Jahrgang.

dm 7. Mai 1904.

Jfä 104

Drittes Blatt

Wochendeiträge seitens der Arbeitgeber habens Doch steht nichts tm Wege und wäre es manch- tnal sehr empfehlenswert, wenn sür ärmere oder zeitweilig zahlungsunfähige Versicherte Angehörige oder Wohltäter, Vmcmz-, Frauen- oder andere wohltätige Vereine, die Beiträge zahlten. So könnte manche notleidende Person eher und icherer Anspruch auf eine feste Rente erlangen und diese geringe Unterstützung wurde später, wenn der Versicherte invalide und ganz erwerbs» unfähig würde, segensreichere Füchte tragen, als wenn sie nur für einen augenblicklichen Notstand gegeben und verbraucht worden wäre.

Die Höhe der Beiträge ist im allgemeinen bei der Seldstoersicherung dieselbe, wie bei der ^wangSversicherung. Die gesetzlich festgesetzten Beiträge der 5 Lobnklafsen haben auch für sie Geltung. Jedoch ist der Selbstoerstcherte nicht an eine bestimmte Lohnkiaste gebunden. Er kann nach Belieben sich die Lohnklaffe wählen und auch die Beiträge der verschiedenen Lohnklasisn ab­wechselnd verwenden. Demnach steht es ihm frei, pro Woche zu zahlen 14—20 biS 24—30

vember v. I. abgehaltene Versammlung in Wies" baden den Beschluß, ein Gaskokes - Syndr^ tat zu bilde«, das sür ganz Deutschland de» Preis festlegt und den Verkauf übernimmt.

An Teer wurden 162,409 kg gewonnen^ der zu einem Preise von 2 Jfc. 60 für den dz ver­kauft werden mußte. Auch die Marktlage für Teer war sehr gedrückt und es hat den Anschein^ als wenn das kommende Jahr sich etwas bester gestalten wird.

Des großen Umbaues wegen, der im vergan­genen Jahre vorgenommen wurde, war es nicht möglich, die gewonnenen Ammoniak - Mengen (193,450 kg) günstig zu verwerten; jedoch ist der Bau einer Fabrik zur Herstellung von schwefel- saurem Ammoniak vorgesehen.

*. Art und höhe der Seitra-sleiftung bei der gesetzlichen Setbswersichermig.

Bei der in dem Jnvalidenoerficherungsgesetze vorgesehenen freiwilligen Selbstve-sicherung sind die Wochenbeiträge im allgemeinen in derselben Weise zu leisten, wie bei der Zwangsversicherung, nämlich durch Einkleben von Marken in Quit tungskarten. Die Quittungskarten für die Selbst Versicherung müffen von grauer Farbe sein und sind alle zwei Jahre umzutauschen. Das Ein- kleben der Marken hat der Versicherte selbst zu besorgen. Dabei sind die Marken derjenigen Versicherungsanstalt zu verwenden, in deren Be- zirk er sich aufhält. Die Marken find bei der Post zu kaufen. .

Es ist zwar nicht erforderlich, daß die Bei­träge jede Woche geleistet bezw. die Marken wöchentlich eingeklebt werden. Sie können in Zwischenräumen in größerer Anzahl zusammen beigebracht werden. Jedoch ist es nicht statthaft, Beiträge nachträglick für eine länger als ein Jahr zurückliegende Zeit zu kleben. Ebenso find die Quittungsmarken ungültig, welche «ach Ein­tritt der dauernden Erwerbsunfähigkeit oder nad einer 26 Wochen dauernden Krankheit eingeklebt werden. Schon aus diesen Gründen ist es rat­sam, die Beiträge möglichst regelmäßig und in nicht zu langen Zwischenräumen beizubringen. Die pünktliche und regelmäßige Beibringung der Wochenbeiträge ist oft auch deshalb dringend zu empfehlen, weil manchen Versichert en die Aus­gabe für viele Marken zugleich zu schwer und allzu sehr fühlbar würde und die Gefahr nicht ausgeschlofien wäre, daß die augenblicklich wegen Geldmangel nicht aufzubringenden Beürags- leistungen überhaupt Unterlasten würden und so vielleicht alle erworbenen Rechte verloren gehen.

In der Regel hat der Selbstoerstcherte für seine Beiträge allein aufzukommen, da nur solche nicht versicherungspflichtige Personen, die vor­übergehende Dienstleistungen für andere gegen Lohn verrichten, unter Umständen einen gewiffen Anspruch auf Zahlung der Hälfe der betreffenden

listige«: Vie ei» haltig« Petit,«»« Itten San« 1« W» ««Hamen die pttttzeKt 25 Pfg.; bei Wieder­holungen wird «inHe.

Rabatt gewährt.

Druck und Verlag *« zuldaerA«ti«ndn»Serä in Zulda (Harmonie) Fernsprecher ltr. H.

SSs ÄUivUvi

Verantwortlicher

g^if1leiter:Zos.v<wM

I. p^eÄ&c wochenbellage: „Illustrierte Sonckagrzettung

Aus dem Jahresberichte der Handels­kammer.

VII.

In dem städtischen Gaswerke zu Fulda wurden im Betriebsjahre 1902/3 an Gas erzeugt: 979,892 cbm, d. s. 8,14% mehr als im Vor­jahre. Hiervon wurden nachweisbar abgegeben 979,342 cbm, wovon 45,328 cbm — 4,64% als Verlust zu rechnen waren.

Da für die von der Saar bezogenen Kohlen ein verhältnismäßig hoher Preis bezahlt werden mußte, kam das Gaswerk um Herabsetzung des Preises bei der Bergwerks - Direktion ein, fand jedoch bei ihr kein Entgegenkommen.

An Koks wurden gewonnen:

2,200,225 kg = 64,44% der vergasten Koh­len. Die Kokes fanden größtenteils Absatz am Orte und in der nächsten Umgegend. Der dafür erzielte Preis betrug im Durchschnitt 2 Jk 20 für den ä«. Die Marktlage für Kokes war immer noch gedrückt, wenn sich auch der Absatz gegen das Vorjahr bedeutend hob. Da einige der größeren Werke Rheinlands und Westfalens aus der ^Wirt­schaftlichen Vereinigung deutscher Gaswerke" aus- getteten warm und darauf ihre lagernden Kokes- mengen für jeden nur annehmbaren Preis los- schlugen, war auch für die anderen Werke ein Festhalten an dem von der „Wirtschaftlichen Ver­einigung deutscher Gaswerke" festgesetzten Preise nicht mehr möglich, weshalb in einer im Februar 1903 nach Frankfurt a. M. einberufenen Ver­sammlung von einem festen Preise Abstand ge­nommen und es den Mitgliedern der Vereini­gung überlassen wurde, Kokes nach ihrem Er­messen, jedoch zu einem möglichst hohen Preise zu verkaufen. Hierdurch wurde es möglich, bte sämtlichen im Vorjahre vorhandenen großen Lager zu räumen. Um jedoch nun wieder zu einem festen Preise zu gelangen und um ein Verschleu- dern der Kokes zu verhindern, faßte eine im No­

oder 36 Pfg.

Da der Selbstoerficherte, um Anspruch auf Invalidenrente machen zu können. 500 Wochen- »eiträge geleistet haben muß, so hat et — vor­ausgesetzt, daß er stets dieselben Beiträge zahlt — wenigstens 500 mal einen der eben aufge- ührten wöchentliche Beiträgen zu verausgaben, al- o 70—100—120--150 oder 180 Mark Falls er verschiedene Beiträge verwendet, wird sich seine ganze Beitragsfumme bis zur Beendigung der Wartezeit mithin jedenfalls zwilchen 70 und 180 Mark belauf-n. Hat der Versicherte seine 500 Wochen beigebracht, so genügt es, um den Stenten« anspruch für alle Zukunft auftecht zu erhalten, wenn er jährlich 20 Marken einer beliebigen Lohnklaffe klebt.' Bei der niedrigsten Lohnklaffe würde das pro Jahr nur die geringe Summe von 20 mal 14 gleich 2,30 Mark ausmachev. Doch ist es ratsam, daß stets möglichst hohe Beiträge gezahlt und oft auch nach Beendigung der Wartezeit möglichst pünktlich weitergeklebt wird, falls es dem Versicherten daran gelegen ist, eine möglichst hohe Rente zu ziehen. Denn nach der Höhe und Zahl der Wochenbeiträge wird die Invalidenrente berechnet. Je höher und zahl­reicher die Beiträge, desto höher die Rente. Um die Altersrente beziehen zu können, sind bei der Selbstversicherung 1200 Beitragswochen erforder­lich, also 1200 mal der Wochenbetrag einer der 5 Lohnklaffen, das macht im ganzen aus 168— 240—288—360 ober 432 Mark, wenn stets dieselben Beiträge verwendet sind, bei Verwendung verschiedener Beiträge zwischen 168 und 432 Mark. Auch hier hängt die Höhe der Jahres­rente von der Höh; der Beiträge ab. Mehr als 1200 Beiträge kommen jedoch bei der Altersrente nicht zur Arrechnung.

wochen-Rundschau.

(Nachdruck verboten.)

□ Fulda, 7. Mal 1904.

Der Kaiser hat em Sonntag bei der Eröff« nung der neuen Rheinbrück: in Mainz eine Rede ge­halten, m der er sagte, er wünsche von Herren, daß der Friede erha ten bleiben mdge; er sei aber auch überzeugt, daß die Brücke, wenn^fie zu ernsterem Transport benutzt werden sollte, sich vollkommen be­währen werde Dies- Worte können beunruhigend ausgelegt werden und in Frankreich haben sie zu mancherlei Kommentaren An'aß gegeben. Gewiß waren die Worte nicht beunruh gend gemeint, aber die Worte de» deutschen Kaisers werden in der ganzen Welt beachtet, und deshalb auf bte Goldwage gelegt, wobei man meist nach einem verborgenen Sinne sucht. U„ch in Karlsruhe hatte der Kaiser bekanntlich ewige Tage vorher die Möglichkeit berührt, daß e« sür uns notwendig werd-, in die Weltpo itik einzu- greisen und dabei die ernste Mahnung ausgesprochen, daß man den innern Zwiespalt und Parretyader vergeflen solle. Auch wenn „die Eceigniffe, die die Welt bewegen", un» nicht zu beunruhigen brauchen, so ist diese Mahnung de» Kaisers jedenfalls sehr an­gebracht und zeitgemäß. Der Kaiser hat dabei wohl in erster Linie an die nichtswürdige Hetze gedockt, die der Evangelische Bund und lerne Gefolgschaft von Pastoren und Profefforen au» Anlaß der Aushebung des § 2 de» Jesuitengesetzes gegen die.Ultramontanen" und Vie Regierung, insbesondere dm Reichskanzler, in'S Werk gesetzt hat. Bei den gewissenlosen Hetzern wird die Mahnung ja nicht den geringsten Erfolg haben, selbst wenn fie mit Rücksicht auf die aus­wärtige Polttik und die Notlage begründet wird. Die Fanatiker sprengen und zerstören ja lieber da» Deutsche Reich, al» daß fie ihrem wilden Haß gegen die Katholiken Zügel anlegten. Aber wir dürfen doch hoffen, daß die große Waffe de» protestantischen BolkeS sich auf die Dauer von einem Häuflein yenchle- rischer Frirdensstörtr nicht belügen und aufregen läßt.

Der deutsche Reichstag hat die Novell- zum «örfengesetz nach mehrtägiger Beratung an eine Kommission verwiesen. Die Börsenkreise werden von den Verhandlungen wenig entzückt sein, denn nicht uur, daß das Börsenregister und da» TermmhandelS- verbot beibehalten wird, ist e» sogar unwahrscheinlich, daß die Novelle überhaupt eine Mehrheit finden wird. Besser als die Börsengesetznovelle wurde die Novelle zum Stempelsteuergesetz ausgenommen, die zunächst an die Budgetkommission verwiesen wurde. Sie hat AuSficht auf Annahme. Der Budgetkommission ist es nunmehr wieder gelungen, die Zuschußanleihe von 591/« Millionen zu beseitigen, indem fie teil» die Ausgaben strich, die Einnahmen erhöhte und außer­dem 17 Millionen als Matrikularbeitrag den Einzel- staaten auferlegte. Die Bemühungen der Vertreter der Bundesstaaten, diesen Betrag dem Reich zuzu­wälzen, scheiterten an dem Widerstand be» Plenums. — Die zw eite Lesung de» Etat» ist im Reichstage am Dienstag glücklich zu Ende gefühlt worden. Am Mittwoch wurde bann daS Totali- fatorgesetz beraten und dann k,m die Vorlage betreffend die Entschädigung für unscknldtg e r l i t t e n e H a f t an die Reihe Hoffentlich kommt bei dieser Beratung etwas Befriedigendes zustande.

DaS preußische Sbgordnetenbau» hat die Hochwasservorlagen einer Kommission überwiesen. Gegenwärtig beschäftigt fich das HauS mit der Kanal- Vorlage. Die Aufnahme, die diese Vorlage bei den Mehrheitsparteien gefunden bat, war ziemlich kühler Art, trotzdem hegt die Regierung die Hoffnung, daß etwa- zustande kommen wird. Jedenfalls wird die Sache erst im nächsten Winter erledigt.

In Sachsen hat die zweite Kammer fich gegen die m der Denkschrift der Regierung enthaltenen Wahlreformvorschläge ausgesprochen um fich mit den Vorschlägen des Wahlrechtsausschusses, die in der Hauptsache auf die Einführung be» Pluralwahlsystems hiaauSgehen, einverstanden erklärt. Die Regierung g< i die Bereitwilligkeit zu erkennen, auf Grund dieser Bo-schlüge einen neuen Gesetzmtwmf auszuarbeiten.

In Oesterreich dauert der parlamentarische Jammer an. Noch immer wird die Arbeit deS Ab- geo dnetenhauseS durch Obstruktionsanträge usw. auf» geh lten.

Ser Besuch de» Präsidenten Loubet beim SSitig von Italien endet- am Freitag Abend in Neapel. Die Begeisterung der Italiener für Herrn Loubet scheint doch weit weniger überschwänglich ge­wesen zu sein, als die ersten Berichte zu melden wußten. Loubet persönlich soll gewünscht haben, auch im Vatikan empfangen zu werden, aber einerseits ge­statteten ihm das seine französischen Gebieter nicht, anderseits hätte der Papst seinen Besuch auch nicht angenommen

In Sachsen-Altenburg ist die Ersatzwahl zu Ungunsten der Sozialdemokraten ausgefallen. An­der Wahl find die Konservativen als Sieger bervor- gegangen. Es ist die» der zweite schmerzliche Verlust, den die Sozialdemokraten rach ven Juniwahlea zu verzeichnen haben. Sie haben es wahrscheinlich nicht an Energie fehlen lassen, den Wahlkreis zu behaupten, aber trotz aller Energie hat nicht nur die Zahl der bürgerlichen Wahlfiin-men zugenommen, sondern auch die der sozialdemokratischen abgenommen. DaS Haupt-

Zul-a, Samstag, organ der Sozialdemokratie meint, «S bie» ju kinstkr Beachtung cuf, u.d g-bi den Sarteifubmn zu verstehen daß fie mit ihrer Dresdener Akuon sonne mit den Nörgeleien Braune und Göhre der Partei geichadet haben. Wahrscheinlich stehl ben Soz al- demoktattn auch in Frankfurt-Lebus em Verlust bevor, wo fich die bürgerlichen Paneten auf den früheren Abgeordneten Basserrnann geg'nubec bem Kandidaten der Sozialdemokratie Dr. Vraun g einig naben Bezeichnend für die Taktik von Bebel un Gen. sowie für die Auffassung, die bte Sozialdemo­kraten von bet freien Meinungsäußerung Haden, ist er, daß man von Parteiwegen ben Entschluß fltW hat, die .Montagszeitung', die Berrsttin herausgib, zu boykottieren. ., .

Auf b-m ostasiatischen Kriegsschauplätze hat nun ouck zu Land- da» Mißqeschtck der Russen begonnen. Nach süaslägigen Kämpf n uxb mehrfachen Versuchen ober Scheinversucheu der Japaner, b-n Jaln zu überschreiten, hat am Sonntag (1 Mae) bte erste japanische Armee unter General Kuroki ben Uebergang über den F uß oberhalb Wibscku er­zwungen, und bie Russen ans Kinlientschena. da» als Schlüssel ihrer Stellung galt, vertrieben. Die Russen, bie nach japanischer Angabe Mr 800 Mann, 28 Schnellseueigeschütze, 8 MaschiWgewehre unb viele Gewehre und Munition, sowie eine große Anzahl Gefangener verloren, zogen fich, nachdem fie Amung aufgegeben unb in Brand gesteckt hatten, nach Fong- wang-tschöng zurück. Me Japaner machten fich sofort energisch an ihre Verfolgung Die Russen selbst geben zu, daß fie schwere Verluste gehabt haben, suchen eS aber so barzustellen, al» ob fie ihre Stellung eigentlich sreiwrllig g-räumt hätten. DaS ist oder offenbar nicht wahr; ihr Rückga'g war flucht­artig. Die Japaner wollen ungefähr 800 Mann verloren haben. — In bet Nacht zum 3 Mai machten bie Japaner einen neuen vergeblichen Versuch, ben Eingang zum Hafen von Port Artdur durch Brander zu sperren. Dmch den Mißerfolg li'ßen Me Japaner fich nicht abschreckea, und bei dem erneuten Versuche gelang ihnen ihr Plan vollständig. Ist ber javanischen Hauptstadt Tokio herrichte großer Jude , als am Mittwoch bekannt wurde, daß der Hafen von Port Arthur völlig gesperrt sei. Weniger Glück Latten die Japaner an einer andern Stelle. DaS Wladiwostok- geschwader, das am 25. April unvermutet in bet Bucht von Gensan erschien, hat dort auch einen japanischen TruppentravSportdampfer in den Grund gebohrt. Ein Test der japanischen Mannschaft wurde gefangen genommen, ein anderer wollte fich nicht ergeben, sondern leistete bewaffneten Widerstand und fand seinen Tod. Inzwischen ist da» rusfischr Geschwader nach Wladiwostok zmückgrkehrt. , . ,

In Südwestafrika stehen bie Dmge so, daß nock große Verstärkungen borthin nachgesanbt werde» müssen. Oberst Lrutwein ist vom Oberkommando ent­fernt worden, well man seine Leistungen nicht genügend sand. Generalleutnant v. Trotha würbe jum Dber= lommanbierenben ernannt. Ob er mehr leistet, mutz man abwarten. Die Kolonne Glasenapps scher, et einstweilen ganz aus bet Reihe der Kämpfer au?, ba bekanntlich bei ihr der Typhu» wütet.

♦ Zum Schutze der heimischen Vogel­welt hat daS Landwirtschaftsministerium jetzt Anleitungen herausgegeben, die in vieler Hinsicht beachtenswert find. U a. heißt eS darin: „Die heimische Vogelwelt ist nicht nur für die Land- und Forstwirtschaft sehr nützlich, sondern erhöht auch den Nfturgenuß. Der allgemein beob­achtete Rückgang der Vogelwelt ist deshalb zw beklagen. Gesetzgeberische Maßnahmen allem vermögen ohne die Mithilfe der Bevölkerung dem weiteren Rückgang der Vögel nicht norgu» beugen. Wie dieser nicht das Werk eines ein­zelnen Menschen oder die Folge des Vorhanden­seins nur eines ungünstigen Umstandes ist, su kann auch ihr Schutz und ihre Zunahme nur durch das tatkräftige Einsreifen der Gesamtheit gewährleistet werden. Siu jeder helfe deshal an seinem Teile und schütze Sie Vögel l" Ji einzelnen wird nun aufgesührt, welche Mas nahmen zweckentsprechend sind, um irnfe heimischen Vögel vor Nachstellung zu schützt und Verständnis und Liebe für die nützlich« Sänger zu erwecken.

(:) Der KriegSkorrespondent zu Hause. Bo», einem Kriegskorrespondentev, der im Lande blieb und sich redlich nährte, plaudert Srnest Blum in seinem letzten I .Journal d'un Baudevilliftett .Ich erinnere mich, ba> während des Krtmkrieges mich eines TageS ehe Freund von mir besuchte, um mir seine Abreise aus den Kriegsschauplatz anzulündigen. „Ich bin sehr froh," sagte er, „bie Zeitung, deren Mitarbeiter ich bin, hat mich mit der Berichterstattung über bte kriegerischen Ereignisse dort betraut, und bewilligte mir zu diesem Zweck ein sehr hübsches Gehalt. Ich muß gestehen," fügte er lachend hinzu, „ich würde dieses Seh alt lieber hur verzehren. Ich habe schon lange nicht mehr so viel Seid in Händen gehabt." .Natürlich," fügte ich sentenziöS hinzu. Etwa vierzehn Tage darauf speiste ich in einem Restaurant, unb es w ar mir plötzlich, alS ob der Schatten eines Menschen über bie Treppe glitt; und eS schien mir sogar, alS ob dieser Schatten der meines Freunde», deS Kriegskorrespondenten, war, der auf ben Kriegs­schauplatz geschickt wurde. .Es ist unmöglich," sagte ich mir, „er ist noch am selben Abend, an dem ich ihn sah, in die Nähe von Sebastopol gereift, und fein Chef, ben ich traf, sagte mir, baß et bereits zwei biS brei Briefe von ihm von bort bekommen habe. Durch eine Sorte, bie ich durch ben Kellner zu dem rätselhaften Doppel­gänger hinschickte, bekam ich bie Gewißheit, baß «8 wirklich mein Freund war! Ich ging in bas Zimmer in bem er speiste, unb konnte mich nicht enthalten, ihm zu sagen, wie verblüfft ich wäre, ihn hier zu setzen^ währenb alle, bet Direktor bet Zeitung unb ich einbe­griffen, ihn auf bem Kriegsschauplatz glaubten. „Aber ich bin bort,“ erwiderte er, „ich bin bort, nur oh« selbst ba zu sein." „Hast Du einen Stellvertreter h» (geschickt?" „O nein, ich verfasse meine KotresvoudA elbst, unb sehr gewissenhaft, baS kannst Du mir wW

I lich glauben." „Aber — rote benn?" „Nun, steh: 9 I Augenblick bet Abreise überlegte ich mit, baß bie Kr» boch etwas weit wäre, und daß ich dort wahtscheinln nicht Gelegenheit haben würde, mich zu amüsieren ni auf geeignete Weise das schöne Geld anSzugeben, de. mir auSgesetzt war — und da bin ich nicht abgereüV-

| „Ah!" „Das hindert mich übrigens nicht, meinet Zeiwnx aenhast ben genauen und streng wahrheitsgetreue»

t bet Einzelheiten bet Belagerung zu senden, — 1 erst die Pflicht!" „Aber wie machst Du baS?" „Ich paraphrasiere eiusach, waS ich in ben Zeitungen und offiziellen Telegrammen lese, wobei ich einige kleine Nachrichten eigener Phantasie hinzusüge" „Ah!" „Und da ich «in SlückSkind bin, so hat sich ergeben, daß »eine kleine Nachrichten bis jetzt fich immer bestätigt haben, was ein Beweis dafür ist, daß die, welche die Aufklärung der Mafien im Schweiße ihreS Angesichts betreiben, völlig Unrecht haben; man beurteilt die Dinge falsch, die man zu sehr in der Nähe sieht." Ich füge noch hinzu, daß von allen KtiegSkorrespondente», bie auf ben Kriegsschauplatz geschickt würben, die Be­richte meines Freundes am meisten gelesen unb für die wahrheitsgetreuesten erklär." wurden. Am Ende des ! Krieges glaubte sein Ches, ihm sogar noch alS Zeichen der Dankbarkell eine Gratifikation aussetzen zu müssen»

□ Eine originelle Bekanntmachung ist eS jeden­falls, waS dieser Tag« der Bürgermeister eines hessischen Dorfes dmch die Schelle verkünde« ! ließ. Der Ukas deS Gemeind loberhaupteS lautete: „Gtz wird hierdurch bekannt gegeben, daß bem Berkans des hier von auswärtigen Juden erworbenen Gutes »ex mir nichts entgegengesetzt wird. Doch wünsche ich^doß diese Käufer bte Sense, den Dreschflegel und die Mist­gabel selbst in bie Hände nehmen müffen.'