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31. Jahrgang

gulda, Donnerstag, den 5. Mai 1904

102

fahren.

Berlin, den 4. Mai 1904.

(Nachdruck verboten.)

Wcrrict Angela.

von Komtesse de Beaurepaire-Louvagnh Genehmigte Uebersetzung auS dem Französischen.

ersolqt Mitte Mai.

* Die Ergebnisse in den Einnahmen der Betriebsverwaltungen des Reichs während des letztverflossenen Finanzjahres find jetzt be­kannt gegeben. Danach hat im Etats fahre 1903 | die Post- und Telegraphenverwaltung eine Einnahme von 464,916,358Mk. die Reichs- Eisenbahnverwaltung eine solche von 96 943 000 Mk. zu verzeichnen gehabt. .Die Post- verwaltung hat gegenüber dem Jahre 1902 ein Mehr von rund 28 Millionen Mark, die Eisen- bahnoerwaltung ein solches von 7,3 Millionen Mark erzielt. Gegen den Etatsvorschlag beträgt das Plus bei der Eisenbahnverwaltung 9 Mill. Mark, bei der Postverwaltung 8,7 Mill. Mark.

* Das Reichsversicherungsamt ver­öffentlicht, wie alljährlich um diese Zeit, seinen Geschäftsbericht für das abgelaufeve Jahr. Aus der Fülle des Materials heben wir folgendes hervor: Bei den 114 Berufsgenossenschaften und 487 Ausführungsbehörden waren im Berichts­jahre über 19 Millionen Personen gegen Un­fall versichert. Angeweldet wurden 530.421 Un­fälle. Die verausgabten Entschädigungen be­trugen 118 Millionen Mk. gegen 107 Millionen 'm Vorjahre. Die Arbeiterhilfsgesuche, d. h. solche Gesuche von Arbeitern, die außerhalb des

ordentlichen Prozeßverfahrens beim Rrrchsver ficherungssmt eingehen, haben fich wiederum ver mehrt und sind nunmchr auf die Höhe von 2329 angewachsen. Das Reichsoerficherungsamt hat nach Aufklärung des Sachverhalts durch Be- lehrung, Anordnung, Vermittlung usw. für eine fachgemäße Erledigung der Angelegenheiten Sorge getragen. Bemerkenswert ist, daß auch aus dem Gebiete der Krankenversicherung nach rote vor zahlreiche Eingaben an dos Reichsversicherungs­amt gelangten, deren Erledigung natürlich wegen Unzuständigkeit abgelehnt werden mußte. Mu Rücksicht auf die von feiten einzelner Berussge- noffenschaften aufgestellten Wünsche verdreni der- vorgehoben zu werden, daß aus keinem der von den Schiedsgerichten erstatteten Jahresberichte entnommen werden konnte, daß bei der jetzigen Einrichtung der Schiedsgerichte die Beisitzer sich als ungeeignet erwiesen Kälten; dagegen wurde vielfach konstatiert, daß die Biifitzer, obwohl sie nicht mehr aus besonderen Beruftkloffen gewählt werden, sich bewähren. Die Zahl der beim Reichsverficherungsamt anhängig gemachten Re­kurse betrug 15 625 gegen 14 107 im Vorjahre In 30 Proz. der Fälle wurde das schiedsgerrcht- liche Urteil völlig oder teilweise in der Rekurs- instanz abgeändert. — WaS die Invaliden - Versicherung anlangt, so betrug die Summe der im Jahre 1903 an die Versicherten geleisteten Zahlungen an Invaliden-, Kranken-, Alters­renten und Beitragserstattungen 126,2 Mill. MI. Von besonderem Jntereffe ist, doß das Reichs- verstcheruugsamt Gelegenheit hatte, sich mit der Nutzbarmachung des Erbbaur 'chts sür dieSchaffung billiger und gesunder Arbesterwohnungen zu be- schäftigen. In einem Falle wurde die Genehmi­gung zur Bewilligung eines Darlehns auf Erb­baurecht aus Anstaltsmitteln erteilt.

* Der Markeuerlös der Alters- und Invalidenversicherung hat im ersten Viertel des laufenden Jahres eine so erheb­liche Steigerung der Einnahme gegenüber dem gleichen Zestraum des Vorjahrs aufzuweise», i wie sie in den letzten vier Jahren nur einmal, I im ersten Quartal des Jahres 1901 za ver­zeichnen war. In den ersten drei Monate» dieses Jahres betrug der Markenerlös der 91 Landesverficherungen Deutschlands ingesamt Mk. 33,641,000 gegen 31,463,000 in denselben Mo- raten des Vorjahrs, 29,3 Millionen in 1902, 28 8 in 1901 und 26,2 in 1900, so daß in de» fünf Jahren eine Steigerung um fast ein Viertel der ^Gesamtsumme eingetreten i|t. Und während früher die Versicherungsanstalten im Osten hm- fichtlich der Steigerung zurückblieben, sind dies ! Mal sämtliche Anstalten ohne Ausnahme daran ; beteiligt. Wenn auch die Anstalten mit rem । städtischen, bezw. vorwiegend industriellem Cha­rakter an der Steigerung nicht in gleichem Maße ; beteiligt sind, so kann das doch die Annahme : nicht erschüttern, daß die erhebliche Vermehrung - der Einnahmen aus dem Markenerlös als er- i freulicher Beweis dafür gelten kann, daß die . wirtschaftliche Lage in beständigem - Aufschwung begriffen ist.___________

* Der Laudwirtschaftsmimster v. Pod- bielsky leidet seit längerer Zeit an Podagra. In den letzten Tagen trat das liebel besonders heftia auf. Trotzdem erschien et am Mittwoch im Reichstage, um das Totalisatorgesetz zu de- gründen; allerdings sah er fich genötigt, durch den Präfidentrn das Haus bitten zu laffen, chm zu gestatten, die Begründung der Vorlage „fitzend" zu geben.

* Durch Allerhöchste Kabinettsordre vom 3. Mai wurde Oberst Dürr, Inspekteur der Marineinfanterie, von der Stellung als Führer des nach Südwestafrika entsandten Marineexpe-

napp Kommandeur des 2. Seebataillons und des nach Südwestafrika entsandten Marine Jn- fanteriebataillons unter Zulassung in diesem Dienstverhältnis mit der Wahrnehmung der Ge­schäfte des Führers des Marineexpeditiorskorps

gewinnen und seiner Niederwerfung fich so schwere I Hindernisse in de» Weg stellen würden. General- leutnant Lothar von Trotha wurde als Sohn des nachmaligen Obersten Thilo von Trotha am 3. Juli 1848 zu Magdeburg geboten und widmete fich zunächst dem Studium I an der Universität in Berlin, das er aber mit dem Waffendienst vertauschte. Am 17. Oktober 1893 zum Oberstleutnant befördert, wurde er unterm 29. Mai 1894 zur Dienstleistung beim Auswärtigen Amte behufs Wahrnehmung der Stellung als Stellvertteter des Gouverneurs von Deutsch-Ostafrika und Kommandeurs der Schutz­truppe kommandiert. In diesem Verhältnis rückte er 1897 zum Obersten auf, wurde am 18. August 1897 von seinem Kommando in Deutsch- Oftafrika enthoben und zum Kommandeur des Infanterie-Regiments Nr. 48 ernannt, am 16. Dezember 1899 mit der Führung der 72. I Jnsanterie-Brigade beauftragt und am 27. Januar 1900 unter Ernennung zum Kommandeur der Brigade zum Generalmajor befördert. Dem I Generalmajor v. Trotha wurde in dem gegen China gerichteten ostastatischen Expeditionskorps das Kommando der 1. ostafiatischen Infanterie- Brigade übertragen. Nach der Rückkehr aus China wurde er am 27. Januar 1902 zum Kommandeur der 16. Jnfanterie-Brigade er- nannt, am 17. Februar 1903 mit der Führung der 16. Division beauftragt. Am 22. März 1903 wurde er zum Generalleutnant befördert.

öe0 lluu, ÖUUWC|.U|1.W ..... -.......... - Für die Teilnahme an Gefechten bei der

ditionrkorps enthoben und der Major v. Glase- Schr-tztruppe in Deutsch-Ostafrika wurde er mit - ■ - - ~ k 1 dem Kronenm den 3. Klasse mit Schwertern und

für die Teilnahme an der China-Expedition mit dem Roien Adlerorden 2. Klasse mit Eichenlaub und Schwertern dekoriert. Er trifft morgen in Berlin ein. Seine Ausreise nach Südwestafrika

„Seien Sie nicht ungehalten," bat sie Herrn Johannes; „ich bin genug gestraft. Ich glaubte, Ihre Ausgabe fördern zu können, einen AnhaUSpunkt zu finden . . ."

„ES nutzt nichts mehr, böse zu fein,“ antwortete Herr Johannes; „aber ich boffr, Sie werden jetzt vorsichtiger. UeberdieS kann das ttagische Abenteuer, auS dem der Himmel Sie gnädig gerettet hat, doch noch den AuSgang haben, den Sie wünschen. Hier bat ein Verbrechen stattgefunden, und der junge Tunichtgut da, den der Tod anscheinend noch nicht I wollte, wird unS als Zeuge bienen. Ich werde ihn schon zum Reden bringen."

In der Tat war Balzola nur ohnmächtig und seine fürchterliche Wunde nicht unbedingt lebens- gefährlich.

Herr Johannes gab Befehl, ihn ins Landhaus zu brinaen und ihn forgfä'tig zu überwachen.

Pepa und Luisette übernahmen es, ihn zu Pflegen und ihn keine Minute allein zu laffen.

Der schnell hetbeigerufene Arzt machte ein ernstes Gesicht: n ö

„Schulterknvchen zersplittert — Lange getroffen, wahrscheinlich nicht mehr zu r-tten . . . •"

„Wird er wieder zur Besinnung kommen?" fragte! Herr Johannes.

„Doch wohl, er kann noch einige Tage leben.

Der Arzt verband die Schulter, was dem Ver­wundeten einige Erleichterung zu verschaffen schien, gab ihm einige stärkende Tropfe» ein und überließ hn der Sorge der beiden Frauen.

Vorsichtshalber oerrtegtte man die äußere Tür der Ankleideraumes, in dem man den Jungen gebettet, so daß mau nur durch das Echlafzimmmer Pepos zu ihm gelangen konnte. Zwei Gewährte Diener hielten fich in den nöchstliegerden Gemächern ans und be­wachten ihre H-rrin. So glaubte man gegen weitere verbrecherische Absichten gefeit zu fein.

Achtuudvierzig Stunden vergingen unter wechseln­den Fieberphantafieu und OhnwachtSaufällen. Ueber I Balzola» Lager gebeugt, tonnten Herr Johannes,

*, Die Kanatoorlage.

Wer aus den bisherigen Verhandlungen über ' die Kanalvorlage ihr Schicksal prophezeien sollte, würde in einige Verlegenheit geraten. Die Parteien, bei denen die Entscheidung liegt, Haven vorläufig weder Nein noch Ja gefegt. Für die Vorlage haben fich nur die National- liberalen und die beiden freisinnigen Parteien klipp und klar ausgesprochen. Daß sie auch noch allerlei zu bemängeln hätten, ins­besondere über die Verstümmelung des Mittel­landkanals sehr verdrießlich waren, hat für ihre Abstimmung nichts zu bedeuten. Zentrum, Konservativen und Reichspartei dagegen haben ihr letztes Wort noch nicht gesprochen. Sie haben sachliche, ja wohlwollende Prüfung versprochen, fich sogar ausdrücklich freundlicher zu diefir Vorlage gestellt, als zu den früher», aber auch eine Menge Ernwürse und Bedenken vorgebracht.

Finanzminister Freiherr v. Rhein­baben war zwar über die Reden vom Diens­tag auch nicht besonders glücklich, aber er glaubte doch b*e Hoffnung daraus schöpfen zu können, daß es schließlich noch zu einer Verständigung kommen werde; habe doch keiner der Redner einen grundsätzlich ablehnenden Standpunkt ein­genommen. Wir unsererseits wollen uns auf das Vermuten und Prophezeien nicht einlaffen. Im Zentrum waren bekanntlich die Anfichten über den Mittellandkanal immer geteilt. Schon im Jahre 1899 zeigten sich in ihm drei Rich- tunge: Kanalfreunde, Kanalgegner und ünertt- schiedene, beten entgiltige Stellungnahme von ber völligen Klärung der Sachlage abhing. So ist es auch heute noch. „Das Zentrum" wird eben weder mit Nein noch mit Ja stimmen, wenn hie Kanalangelegenheit ihren natürlichen Verlaus nimmt und nicht etwas dazwischen kommt, roaS das ganze Zentrum auf die Nein- ober die Ja- Seite bringt.^

Die Konservativen und Freikonserva­tiven find offenbar auch nicht von vornherein entschlossen, die Vorlage abzulehnen. Sie haben das selbstverständliche Bestreben, die leidige Kanal­frage endlich einmal aus der Welt zu fchaffen und würden froh sein, wenn das durch eine Ver­ständigung erreicht werden könnte. Einen recht seltsamen Standpunkt nehmen die Freikonser­vativen ein, wenn die .Post' in ihrem Namen spricht. Sie hält ein positives Ergebnis für ziem­lich sicher, meint aber, die Verständigung würde ganz wesentlich dadurch erleichtert werden, daß vor der Entscheidung die Handelsoertragsoer- handlungen zu einem befriedigenden Abschlüsse gebracht seien ober durch die Kündigung wenigstens des einen ober anderen Vertrages, insbesondere des argentinischen, eine solche befriedigende Er-

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ebiqung angebahnt fei. Di« .Deutsche Tageszt. erbebt entschieden Einspruch gegen einen solchen

Kuhhandel" und diese Verzwtckung der Kanal- tage mit politischen Fragen unterer Art

Die Kommission wird ohne Zwrtfil recht lange mit der wasserwirtschaftlichen Vorlage, ins­besondere ber Kanalvorlage zu tun haben. Aber wie die Sache werden wird, darüber laßt sich heute noch nichts sicheres sagen. Vermutlich wer- ben wir das erst im nächsten Winter er»

Heute kam Balzola, so hieß der Junge, mit ben Zeichen größter Unterwürfigkeit unb rührender Ver­ehrung auf sie zu. Ja, eine Träne blinkte an feinen Wimpern, al8 er auslief:

„Gott sei gelobt, die gute Dame ist wiedergekom­men I Jetzt wird Großmutter nicht mehr meinen . . . t5ie hat täglich um die Gnade gebetet, Sie vor ihrem Tibe noch einmal sehen zu können!"

„Ist beim Deine Großmutter kränker al8 sonst?" fragte Pepa.

„Sie liegt im Sterben, morgen früh ist sie nicht W-Hr!" Sie will Ihnen ein Geheimnis anvertrauen, das zu wissen Ihnen sehr nützlich fein wirb."

Pepa hatte bie Vertrauensseligkeit ber Großmütigen. 6ie hatte bie atme Sieche früher so oft besucht und fo reich beschenkt, baß sie nicht anbei» glaubte, als diese wolle fich jetzt erkenntlich zeigen. Am Ende war sie den Schlichen EordovaS auf bie Spur gekommen unb wollte sie ihrer Wohltäterin betraten.

Da» würde bie Aufgabe beS Anwaltes wesentlich erleichtern. Vielleicht gab ihm ein Ausschluß daS ge­setzliche Mittel an bie Hand, gegen ben Schurken vor- zugehen.

Sen solchen Erwägungen gt hieben, beschloß grau Mateskat, dem Jungen zu folgen.

Lust tte wagte einen Einwand:

„Gnädige Frau find nicht vorsichtig, Herr Johan­nes wirb zürnen."

„Ach, wir brauchen nicht durch da» Gehölz zu gehe», um zu BalzolaS Hütte zu gelange». Er ist ja nicht weit"

„Ich würbe eS doch für ratsamer hecken, zuerst Herrn Johanne» zu fragen . . . ."

Pepa und Luisette auS den abgerissene-, Worten be» B-rwundettn die Bestätigung ihres Verdachte» ent­nehmen. Josue hatte dem nichtsnutzigen Junge» Gelb gegeben, und ihm noch mehr versprochen, wen» er Frau MateSkat an ben Ort lockte, wo sie der Tod treffen sollte. .

Diese Enthüllungen genügten ,-doch bem Anwalt nicht. Zwar konnte man daraufhin Josue verhafte» lassen, aber der Verwalter Cordova routbe dadurch nicht belastet.

Auch mußte man warten, bis Balzola zur Be- finnm g kam unb vor Zeugen aussagte.

Herr Johannes bat ben Arzt, ein kräftige» Au- regurg«mittel zu verordnen, was dieser mtt Bereit» Willigkeit tat

Der dritte Tag girg eben zu Ende, al» der Verwundete unter dem Einfluß der belebenden Arznm die Augen öffnete.

ES war gerade Essenszeit.

Man benachrichtigte den Anwalt, der seine Mahl­zeiten im Dorfe einvahm. Sr ließ alle» stehen und eilte herbei.

Doch kaum hatte er seine erste Frage gestellt, a* fich ein ungewohnter Lärm im Hause erhob.

Erzählen wir kurz, wo« fich zugetrage».

Die Köchin, eine ihrer Herrin ttett ergebene Perso». bereitete auch die Mahlzeiten för ben „Geschäftsführer' Josue. An diesem Abend, als verschiedene Töpfe auf dem Herde brodelten, mußte sie einige Miu»w» in die nebenanligenbe Vorratskammer gehen, um etae dort lagernde Flüssigkeit in Flaschen zu füllen. Hint» einem Fasse verborgen konnte sie, selbst uugefebe», ihre Küche überwachen. Eo beschäftigt, wurde thr« Aufmerisamkeit durch einen leisen Schritt erregt.

Mißtrauisch, wie sie al» Indianerin war, zog sie fich noch weiter in» Dunkel zurück, spähte aber scharf in ibr kle'weS Reich hinüber. Sie sah einen Marnt, ber vorsichtig nach allen Setten Umschau hielt. •» war ein ihr wohlbekannter Alter, den man i» ber Gegend den „Hexenmeister" nannte, weil er i» der I Pflanzenkunde bewandert war, und in allen möglich«

beauftragt. , 1

)( lieber das Ergebnis der Konferenz, die ber Kaiser am Dienstag mit dem Reichs kanzler, dem Chef des Generalstabes, dem Krregs- minister unb dem Direktor der Kolonialabteilung hatte, wird jetzt mitgeteilt, daß beschlossen worden ist, die von Oberst Leut wein erbetenen Ver- iärkungen nach Südwestafrika zu schicken. Die Leitung der militärischen Operationen tn Südwestafrika soll an Generalleutnant von Trotha übertragen werden, während Oberst Leutwein die Befugnisse als Gouverneur bei­behält. Der »Berliner Lokalanzeiger' wußte das chon heute Morgen zu melden, während der offiziöse Telegraph die Nachricht erst heute nach­mittag verbreitete. Generalleutnant v. Trotha, der zuletzt Kommandeur der 16. Diviston war und in Trier wohnte, erhielt die Nachricht von seiner Ernennung zum Oberbefehlshaber für Südwestafrika vom Kaiser direkt. Bereits im Januar ds. Js. hatte der Kaiser ihn für die Leitung der Operationen im Hererogebiete in Aussicht genommen. Herr v. Trotha wurde da mals nach Berlin berufen, man nahm aber schließlich von feiner Entsendung Abstand, da man noch nicht voraussehen konnte, daß der Aufstand der Herero eine so große Ausdehnung

Aber Balzola hatte sich schon auf den Weg gemacht unb P'p i folgte ihm.

Luisette staub einen Augenblick unschlüssig, bann wandte sie fich plötzlich und lief in der Richtung be« LanbhauseS davon.

Einen Kilometer weit zog fich ber Pfad am Waldes­säume hin. Frau MareSkat kannte fich nicht mehr au».

„Wohnt denn deine Großmutter nicht mehr in der­selben Hütte?"

„O dock! Die gute Dame erinnert fich gewiß nickt mehr!"

Pepa begann unruhig zu werden.

Ihr «ar, al» sähe sie zwischen ben Zweigen schatten­hafte Wesen, bald ihr folgend, balo fich hinter ben hohen Sträuchern verbergend. Sie vermeinte zu füh­len, wie man jeden ihrer Schritte, jede ihrer Bewe­gungen aufmerksam beobachtete.

Eine namenlose Angst ergriff sie. Sieblieb stehen. ] Da--ein Lichtschein blitzte zwischen ben

Blättern. Unbewußt warf sie fich zu Boben, um fich zu schützen

Gleichzeitig knallte ein Schuß, bem sofort ein zweiter folgte. Der Junge stürzte neben ihr nieder.

Pepa hatte fich in ihrem Entsetzen noch nicht gerührt, als ein Mann mit gehobener Flinte an­dern Gebüsch trat, wahrscheinlich in ber Absicht, in nächster Nähe noch einmal auf sie zu zielen.

Aber ein große» Geschrei erscholl plötzlich in kurzer Entfernung, unb ber Mensch mit bem breit­randigen Hute verschwand Im Dunkel deS Forstes.

Herr Johannes, begleitet von zwei seiner Agenten in «rbetterkleidung, kam eben noch rechtzeitig. Durch Luisette benachrichtigt, war er eilends der Unvor­sichtigen gefolgt, denn er fürchtete einen schlimmen Streich Josue».

Während ber Anwalt und die noch vom Laufen atemlose Dienerin fich um Pepa bemühten, durch­suchten die Polizeiagenten da» Gebüsch. Doch ver­geben», — Josue kannte alle Verstecke. Nachdem Frau MareSkat fich ein wenig erholt, nahm sie jverfi da» Wort:

Zeitung

monatsbtilage: „Zuldaer Seschichttblätttt".

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