Sulöa, Montag, beir 2, Mai 1904.
M ss.
61. Jahrgang.
Berlin, den 30 April 1904.
wärts' bemerkt hierzu mit scheinbarer Unpartei-
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(Nachdruck verboten?.)
VeutscheMeich
trauensleute beauftragt, dieselbe tm .Vorwärts' zu veröffentlichen und in allen Versammlungen
* Die preußische Regierung hat nach dem ,Berl. L. A.' ihre frühere Absicht, ein neues Bereinsgesetz zu schaffen, oder zu dem bestehenden eine Novelle hinzuzvfügen wieder auf' gegeben. Der Anwendung fremder Sprachen, insbesondere der polnischen, soll durch ein ___________________
neues Gesetz vorgebeugt werden, wonach in I Genossen auf, oben bezeichnete'Zeitung weder öffentlichen Versammlungen, in denen politische durch Abonnement, noch durch Einzelkauf zu Angelegenheiten erörtert werden, nur die deutsche unterstützen. Die Vertrauensleute." Der .Vor- Sprache gebraucht w-rden darf. " '
des Kreises zur Abstimmung zu bringen: Die Versammelten erblicken in der Herausgabe einer sozialen Mont agszeitun g durch den Genossen Ed. Bernstein ermn Verstoß gegen die Interessen der Partei. Wir fordern daher die
0 Im Abgeorduetevhause gedenkt man vor Pfingsten noch in erster Lesung folgende Vorlogen zu erledigen: Die Medizinalgebührenordnung, den Gesetzentwurf wegen Errichtung I eines Oberlandssgerichts in Düsseldorf, daL I Kreistierarztgesetz, das Feuerlöschwesengesetz, das Lotteriespielgesetz, das Anfiedelungsgesetz, die Emscherregulierungsvorlage und das Wildschon- gesetz Etwas viel für die kurze Zeit!
* Mainz, 1. Mai 1904. Vom schönsten Wetter begünstigt fand heute mittag die feierliche Eröffnung der neuen Umgehungsbahn Mombach-Kaflel-Bifchofsheim mit der Einweihung der neuen Rheinbrücke bei Mainz statt. Aus eine Begrüßungsansprache des EisenbahnministerS Budde an den Kaiser und den Großherzog antwortete der Kaiser in längerer Rede. Sodann trat der Oberbürgermeister von Mainz, Dr. Gaßner, vor den Kaiser, dankte ihm namens der Stadt für seinen huldvollen Besuch und lud ihn zur Fahrt auf dem Rhein ein, um die Huldigung der Mainzer entgegenzunehmen. Aus den Händen des Oberbürgermeisters nahm der Ka ser eine Schrift über die Festung Mainz entgegen. Um P/2 Uhr begab sich das Kaiserpaar nach Wiesbaden.
Walters, keinen Aufenth llt in der Herberge und das Hin- urd Hergehen Jvkues Es war leicht, aus diesem Manöver eine Schlußfolgerung zu ziehen, welche denn arch mit der Nachricht des „GeschästS- sührerS" übereinstimnüe
Herr Johannes ließ sich bei Frau Mareskat meiden, die ihn sehnsüchtig erwartete.
„Nun?* fragte sie, sobald sich die Tür hinter dem Anwalt ge chlessrn.
„Gnädige Frau, öaC ich mir dachte, ist einze- trvffen. Cordova will die Geschichte hinziehen. Er hat mir durch feinen würdigen Vertreter sage« lasse«, er fei- auf längere Zeit Mückgeholten. Ich weiß aber, daß er sich tm Dorfe, in der Herberge, aufhält."
„Was werden Sie run?"
„Ich weiß es noch nicht. Ich muß erst klarer sehe-', um handeln zu können."
So nahe am Ziele, wo sie glaubte, die Frucht ihrer Mühen unverweilt pflücken zu können, noch wieder hangen und dangen zu müsse»......Pepa
wollte schier verzweifeln. Sie stand wahre Tantalusqualen aus. Wie konnten so viel Formalitäten nötig sein, um fit in den Besitz ihres Eigewums zu setzen?
Immer aufs neue mußte Herr Johannes ihr Erklärungen geben. Sie begriff nicht.
„Da Sie doch dir Vollmacht haben seitens der Regierung", wiederholte sie, „so lassen Sie sich die Bücher einhändigen und übernehmen Sie die Geschästs- leiluvg "
„Dar g-ht richt in Abwesenheit des Verwalters." „Wenn er aber nicht wiederkommt?"
„Dazu werde ich ihn schon zwingen."
„Wenn er jedoch Widerstand leistet und sich verborgen hält?" ....
„Darn allerdings, nachdem alle aef-tzlichen Schritte getan find, kann ich Gewalt enwendev, was gegenwärtig noch nicht angängig ist. Um uns vor weiteren Mißhelligkeiten zu schützen, muß erst der Widerstand Cordovas genügknd bewiesen sein."
„Und während die Zeit vergeht, können die Ergebrisse eine für uns unrünstige W ndung nehmen." (Forts, f.)
Platz einzunehmen und seiner Partei zu unver- fiegltchem Ruhme zu verhelfen." Da nun das immer noch kein Tadel ist, meint das Blatt schließlich, dies Streben dürfe „sich nicht so weit verirren, daß es dazu führe, jede gesetzgeberische Arbeit umzumodeln, daß aus jeder Regierungsvorlage eine Lex Müller (Fulda), ein Gesetz von Zentrums Gnaden werde".
Der Abg. Müller-Fulda nimmt, wie die ganz: Zentrumspartei, nicht jede Vorlage der Verbündeten Regierungen nach Chinesenart auf dem Bauche rutschend entgegen, sondern er gestattet sich mit seinen Parteifreunden, verbesserte Aenderungen an den Gesetzvorlagen vorzuschlagen. 1 Ist das vielleicht ein Verbrechen? Ganz gewiß nicht, dazu sind vielmehr alle Abgeordneten, soweit sie das Zeug dazu haben, verpflichtet. Daß ober der Abg. Müller durch seine Anträge die Gesetzentwürfe zu verschlechtern suche, wagt selbst die angriffsluftige .Nat.-Ztg.' nicht zu behaupten, weil sie fühlt, daß sie dann mit der Wahrheit doch allzu arg in Konflikt geraten würde.
Von dem ganzen Tadel, den das nationalliberüle Blatt unserem Abgeordneten anzuhängen sucht, bleibt also gar nichts, aber auch rein gar nichts tadelnswertes übrig. Einen Tadel aber, der trotz aller Bemühung kein Tadel werden will, könnte man sich ruhig gefallen lassen, wenn nicht die böse Absicht dabei zum Vorschein käme. An dem Verdienst des Abg. Müller-Fulda und an dem Ansehen, das er bei seinen Parteifreunden genießt, kann die nationalliberale Kritik nichts schmälern. Im letzten Grunde entspringt sie j nur dem Aerger darüber, daß das Zentrum! die ausschlaggebende Partei ist. Gelänge einem j Nationalliberalcn die erfolgreiche „Ummodelung" der Gesetze, so würde die ,Nat.-Ztg.' wohl nichts tadelnswertes darin sehen, sondern stolz daraus sein.
Was der Abg. Müller-Fulda dem deutschen Reiche in seiner elfjährigen parlamentarischen Tätigkeit an Verdiensten geleistet hat, steht, trotz aller nätionallib-ralen Nörgelei, in der Akten des Reichstages verzeichnet; das Zentrum freut sich, ihn in seiner Mitte zu haben, und wir | Fuldaer sind stolz darauf, ihn als unseren« Abgeordneten bezeichnen zu dürfen.
Hklcrricr Angela.
Von Komtesse de Beaurepaire-Louvagny Genehmigte Uebersetzung aus dem Französischen.
„Allein?"
„Allein nicht, wenn auch ohne Gemahl," antwortete der Unterverwaltee Josue.
„Erklären Sie sich besser!"
„Nu«, sie kommt in Begleitung irgend eines Ge- richtsmenschcn, der ein regelrecht ausgestelltes Mandat zu besitzen scheint, unterzeichnet von dem Subjekt, das sich noch Gouverneur von San Louis nennt."
„Und das er wohl nicht lange mehr bleiben wird. . . . Aber Sie taten gut daran, mich zu benachrichtigen. Wie die Dinge liegen, müssen wir Zeit gewinne«."
„So dachte ich auch."
„Bor Ihnen nehme ich kein Blatt vor den Mund. Wenn ich Sie in meine Karten sehen lasse, so isi's, weil Sie teilhaben sollen an meinem Gewinn und deshalb allen Grund haben, meinen Vorteil wahrzunehmen."
„Nun, ich meine, daß ich das mit Eifer besorge." „Ja, und mit Klugheit; ich will da« anerkennen." „Wie weit find wir denn eigentlich?"
„Heute gidts nicht viel neues. Dec Bote, welcher uns Nachricht bringen sollte über den geplanten Angriff auf den alren Präsidenten und feine Truppen, ist noch nicht zurückgetehrt; ein anderer, welcher Sen Fortschritt unserer Parteigefinnunz in meh-eren Dörfern jenftirs San Louis zu ermitteln beauftragt war, bt< hairptet, der General habe sich ohne Kampf zurückgezogen. Das wäre eine angenehme Neuigkeit, wenn sie sich bestätigte."
„Hm! scheint mir unglaubwürdig!"
„Darum ist Vorsicht am Pl?tze. Wenn es aber wahr wäre....."
I lichkeit: „Der Parteivorstand und die Berliner Vertrauensleute haben ihre Ansicht über die neue Zeitungsgrünöung, die auch die Redaktion des .Vorwärts' teilt, in der Erklärung vom 23. v. Mts. geäußert. Danach ist zunächst nur festzustellen, daß Bernsteins Zeitung nicht ein Partei-, sondern ein Privatunternehmen ist. Da die Zeitung Bernsteins nicht als ein Konkurrenzunternehmen gegen andere Parteiblätter j gelten kann, so könnte die Frage, ob die Zeitung parteischädlich ist, nur aus Grund ihres zukünftigen Inhalts aufgeworfen werden."
§ Der Semoreukouvent des Reichstags trat heule zusammen, um die Geschäftslage zu besprechen. Man kam aber noch zu keinem endgiltigen Ergebnis für den Rest der Tagung. Nur das wurde ausgemacht, daß man auch nach Pfingsten noch zusammen kommen wird. Auf wie langte, steht vorläufig dahin. Vor Pfingsten soll der Etat und die kleine Finanzreform noch erledigt werden. Mehr glaubt man nicht schaffen zu können. Dies aber soll geleistet werden und wenn man bis am Mtttwoch vor Pfingsten beisammen bletben müßte. Nach Pfingsten soll in erster Linie das Reblausgesetz und die Münzvorlüge erledigt werden, zu denen man ja kein beschlußfähiges Haus braucht. Was aber mit den anderen Vorlagen werden soll, das weiß man einstweilen nicht. Man rechnet damit, daß der Reichstag nicht geschloffen, sondern bis November vertagt wird, insbesondere wenn das Militärpensionsgesetz noch kommen sollte. Falls Vertagung in Aussicht steht, sollen die Pfiugst- ferien kurz, salls Schluß zu erwarten ist, länger ausfallen; es würde im letzten Falle der Reichstag wohl auch den Versuch machen, etwas länger zu arbeiten, als wenn mit der Vertagung der unerledigten Vorlagen in den nächsten Winter hinüber gerettet werden könnten.
„Nun, waS dann?"
„Dann dürste ich die Maske abwerfen. Habe ich doch das von der Zentral -Leitung in Buenos - Aires unterzeichnete Dokument, das mir in Anerkennung meiner vortrefflichen Dienste sämtliche Güter Herrn Mares ka's üverweist. in der Tasche. Ich könnte dann diesen Befitz eil veröffentlichen und dieses Weib eines gesetzlich verurteilten Rebellen vor die Tür setzen. Ginge sie nicht cutwillig, so könnte sie mit dem Gefängnisse Bekanntschaft machen."
„Ja, ja, zu alledem ist die Genehmigung drsGorr- verukmS vsr« San Louis erforderlich."
„Natürlich! Aber wenn der General besiegt ist, so wird binnen 8 Tagen einer der Unserigen Gouverneur."
„Ist nicht ficher......In San Louis ist die
Strömung gegen uns."
„Das schon; aber vollendete Tatsachen haben eine unwiderstehliche Macht, und im Falle wir Sieger bleiben, haben wir den Widerstand leicht überwunden. Wenigtrens dürste er nicht mehr o^en hervorjreten."
„Er bliebe dennoch gefährlich."
„Für die Zakuuft, da» mag fein. Uns liegt jr rur an der Gegenwart, b's wir uttfete Pläne aue- gesührt Haden. Doch so weit find wir noch nicht, und ich darf nicht cffen handeln, wie ich möchte!"
„WaS beschließen Sie denn?"
„Ich will darüber Nachdenken. „Kommen Sie mit mir."
Die zwei Männer schritten aus die erste, ein wenig abseits liegende Behausung zu, wo sie sicher waren, ihren Meinungsaustausch ungestört foilfitzrn zu können. Es war eine Heine Herberge, deren Besitzer | eine der Kreaturen des ungetreuen Verwalters war.
Cordova galt als geheimer Anführer der revolutionären Partei in der Provinz San L^uis. j In eben diesem WirtShause pflegte er seine Zusammen- lünste zu hatten; hier übernachteten seine Berichterstatter und Agenten. Dem Gouverneur war diele Tatsache nicht unbekannt, und er hatte die Polizei an- I gewiesen, das verdächtige Lokal scharf zu üverwachen. j Schon mehr als ein finsterer Plan war an dieser |
Maßregel gescheitert. Cordova hatte sich in dem entlegensten Teile d-S Hauses ein Zimmer Vorbehalten, wo er oftmals dir Nacht seiner unsauberen Geschäfte wegen zubrachte.
Dahin ging er jetzt mit Josue!
Nach einer langen Unterredung schloß er:
„Also so wollen wir es machen. Da wir Zeit gewinnen müssen, werde ich hier bleiben und erst I dann wieder zum Vorschein fcmmeff, wenn ich als Gebieter austreten kann. Sagen Sie Frau Mareskat, ich hätte einen Eilboten gesandt mit der Nachricht, daß ich auf unbestimmte Zeit zürückgebaliea würde. Wohl oder übel muß sie dann aus Rechnungsablage .naiten." *
„Und wenn dieser gewisse Johannes ihr raten sollte, vorzugehen, und wenn derselbe kraft seines Auf- träger die Bücher unb die flüssigen Gelder wir Beschlag belegt?"
„Die Bücher werden Sie mir diese Nacht bringen. WaS die Kapitalien anbelangt, so find dieselben auf memen Namen in einer mir br kannten Bank unter« gebracht. Ter wäre schlau, der die Hand darauf legte!"
„Sie haben sich gut vorgesehen!"
„DaS glaube i* auch. Meine Berechnungen haben sich bis jetzt alle als richtig erwiesen, und ich sehe den Folgen zuversichtlich entgegen,"
Nach dieser Verabredung entfernte sich Josue, um dir Bücher «nd die gefährlichen Briefschaften fori« zuschoffen. D-S andern Tags fitzte er Herrn Johannes von der längeren Abwesenheit Cordovas in Kenmnis. \
Diese Mitteilung war für den Anwalt keine Neuigkeit. Als er Frau Mareskat tags vorher ver» j lassen batte, war er noch in das Dorf gegangen. Dort besaß Cordova keinen einzigen Freund. Im Gegenteil erbot sich jeder, über das Tun und Treiben | desien, den man als Volksfeind betrachtete, nähere Auskunft zu geben. Auch hatte der Anwalt noch mft mehreren Polizi Agenten gesprochen und sich ihnen als Bevollmächtigter der Regierung zu erkennen ge- g'ben. Bon ihnen erfuhr er die Rückkehr des Ver-1
** Nach Südwestafrika sollen neue Truppenverstärkungen gesandt werden. Das wird schon deshalb nötig, weil die Kolonne Glasenapp aus der Zahl der operationsfähigen Truppen ausscheidet. Auch wird die unerwartet lange Dauer des Feldzuges wohl dazu zwingen, die Stationen im Süden des Gebiete- stärker zu besetzen. Die von kolonialen Kreisen, angeregte Idee, einen General nach Südwestafrika zu senden, um ihm den Oberbefehl über die gesamten Truppenkräfte zu übertragen, während Oberst Leutweins Tätigkeit sich auf die Gouvernements - Geschäfte beschränken sollte, ist fallen gelassen worden. Man ist der Meinung, daß dem Oberst Leutwein zu- | nächst die Gelegenheit geboten werden muß, mit denjenigen Mitteln, welche von ihm als notwendig und auch als ausreichend angesehen werden, Ruhe und Ordnung in der Kolonie wiederherzustellen. Seine Abberufung würde höchst wahrscheinlich auch einen Abfall Witbois und damit weitere Storungen in der friedlichen Abwickelung der Kolonie zur Folge haben. Deshalb wird das Oberkommando zunächst in seinen Händen konzentriert bleiben. Für seine militärischen Maßnahmen wird ihm volle Selbständigkeit gewährt und an Truppenverstärkungen und sonstigem Kriegsmaterial so viel zur Verfügung gestellt werden, wie ihm wünschenswert erscheint.
* Bo« der Freiheit der Meinungsäußerung bei der Sozialdemokratie erhält der Genosse Bernstein immer stärkere Proben. Der .Vorwärts' veröffentlicht neuerlich folgenden Ukas: „In einer Zusammenkunft der Vertrauensleute, des Wahlvereinsoorstandes unter Hinzuziehung der Gruppen- und Bezirksführer des vierten Berliner Wahlkreises (Ost) wurde nachfolgende Resolution beschloffen und die Ver-
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o Gin mißlungener Angriff aus den Abg. Mller-Zulda.
Mft Mühe und Not ist es der Budgetkommission des Reichstages rach langen Beratungen gelungen, dem ReichLhaushalts- etat eine ziemlich allgemein befriedigende Gestatt zu geben, ohne das von der Regierung vorgeschlagene, höchst bedenkliche Mittel einer Zufchutzanleibe anwenden zu müffen. Daß man dieses erfreuliche Resultat erzielt, ist wesentlich der eifrigen Tätigkeit der Zentrumsmitglieder der Kommiffion zu verdanken und insbesondere unserem Abgeordneten Müller- Fulda. Unsere Gegner ärgert es, daß gerade daS Zentrum einen solchen Erfolg aufzuweisen hat; besonders die Nationalliberalen erfüllt es mit blassem Neide, daß es gerade einer von der bei ihnen verhaßten Zentrumspartei sein muß, der so hervorragende Leistungen in der Finanzpolitik aufzuweisen hat.
Die .Nationalzeitung' macht daher in der Samstagsnummer ihrem gequälten Herzen Luft und sucht dem Abgeordneten Müller-Fulda am Zeug zu flicken. Aber auch hier zeigt sich die alte Erfahrung, daß der Aerger ein fchlechter Ratgeber ist, denn beim „besten Willen" weiß selbst die.Nationalzeitung' nichts besonderes an der Tätigkeit des Herrn Müller auszufetzen. Sie muß anerkennen, daß er mit einer Sachkenntnis m finanziellen Fragen ausgestattet ist, wie sie nicht leicht ein zweiter Abgeordneter besitzt. Der Abg. Müller-Fulda hat allerdings schon wiederholt einigen Großkapitalisten stark das Rezept verdorben. Wir erinnern nur daran, wie er sestgestellt hat, daß die Firma Krupp die Panzerplatten den ausländischen Staaten bedeutend billiger lieferte als dem deutschen Reiche, daß dieselbe Firma bei ihrer Umwandlung in eine Aktiengesellschaft den Stempel von 8' 2 Millionen Mark durch geschickte Manipulationen einfach zu umgehen gewußt hat. Aber solche Dinge aufzudecken, ist doch kein Verbrechen für einen Volksvertreter; wir sehen vielmehr in dieser Tätigkeit ein großes Verdienst, und das deutsche Volk darf sich nur gratulieren, daß es einen so gewiegten Finanzmann unter seinen Vertretern im Reichstage hat.
Die ,Nat.-Zeitung' muß ferner über den Abg. Müller-Fulda zugestehen: „Mit Glücksgütern reichlich gesegnet, dabei von größter Bedürfnis- und Anspruchslosigkeit, frei von jeglichem Strebertum in bezug auf äußere Karriere oder Orden und Ehrentitel, nach jeder Richtung in einer so unabhängigen Position, wie es für einen Volksvertreter nur irgend gewünscht werden kann." Nach diesem Lod kann sie ihren Tadel nicht mehr anbringen, ohne, wie sie selber gesteht, paradox zu werden. Sie möchte ihm „brennenden Ehrgeiz" unterschieben, aber auch dos wagt sie angesichts seiner persönlichen Selbstlosigkeit nicht, und so kommt sie zu dem „emsigen und wahrlich nicht tadelnswerten Streben, in den Annalen der deutschen Parlamentsgeschichte einen ehrenvollen
* Dec Schriftwechsel zur Vorbereitung von Handelsvertrags Verhandlungen zwischen dem Deutschen Reich und Oesterreich- Ungarn ist beendet. Es läßt sich, der ,Südd. Reichskorresp. zufolge, zwar nicht genau übersehen, wieviel Zeit die beidersettige Prüfung der nunmehr als Grundlage für die mündllchen Verhandlungen ausgetauschten umfangreichen Vorschläge in Anspruch nehmen wird, doch dürfte bald nach Anfang Mai diese Verhandlungen eröffnet werden; ob in Berlin oder Wien, steht noch nicht fest. Es könnte auch an einem zwischen beiden Hauptstädten gelegenen Ort, vielleicht an Breslau gedacht werden. Die dertsch-belgischen Verhandlungen, die zurzeit in Brüffel geführt werden, gehen ihrem Abschluß entgegen.
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Monatzheilage: „Sulbaer Geschichlrblätter". Zent sprechet: Hr. 9.