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MrI.Se, «grprei» «q«e vringerloh, und OesteLgeld in Krida und «urwärtt ( Ml. 50 pfg.

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3. Mitt'Äb«. wochenbeüage: „Illustrierte §onntag5zeitung

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mondsbtuage: „zuldaer Geschichtrblätter".

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Druck und Verlag de» KuldaerAettendruckerei i» $«lbe (Harmonie) Zerniprecher M. 9.

Sutoa, Samstag, de« 30. April 1904.

JS. 98.

erstes Blatt

Deutsches Reich.

Berlin, den 29. April 1904.

* Tas Kaiserpaar ist am Donnerstag, nachmittags 5 Uhr, prograwmäßig in Karls­ruhe elngetroffen. Der Kaiser traf in Straß­burg mit der Kaiserin zusammen; nach kurzem Aufenthalt auf dem Bahnhofe erfolgte die ge­meinsame Weiterfahrt nach Badens Hauptstadt. In Karlsruhe fand großer Empfang statt. Vereine, Studenten und Schulen bildeten auf den Straßen Spalier. Vor dem Rathaus wur­den Kaiser und Kaiserin durch den Stadttat und den Bürgerausschuß begrüßt, Oberbürgermeister Schnetzler richtete an den Kaiser eine An­sprache, in welcher er der Freude über die Ge­sundung des Kaisers Ausdruck gab. Im weiteren streifte er die Ereignisse in Oftafirn und Süd­westafrika und knüpfte daran die Hoffnung, daß die Weisheit und Kraft, welche uns bisher stets vor Fährlichkeiten bewahrten, sich auch für die Zukunft betättgen werde. Die Rede schloß mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den Kaiser.

Der Kaiser antwortete ungefähr mit fol- gendtn Worten:

Mein lieber Herr Oberbürgermeister! Zunächst ist eS Mir eine liebe Pflicht, für den freundlichen Empfang zu danken, der Mir hier zu Teil geworden ist. Ich hätte geglaubt, Meiner Pflicht nicht zu genügen, wenn Ich auf meiner Rückreise hier nicht Einlehr gehalten hätte bei Meinen teueren Verwandten und am zugleich auch den Beweis Meiner vollständigen Hei­lung zu erbringen. Der freundliche Empfang der hieflgen Bevölkerung reiht sich würdig an die vielen schönen Empfänge, die Ich in Italien gefunden habe. Zch habe dort jene schönen Küsten besucht, wo einst die Staufer weilten, deren Andenken noch heute hochge­halten wird Manche an Mich gerichteten Ansprachen «nd Depeschen und manches Denkmal der Kunst ließ vor Meinen Augen die Zeit Friedrichs II. wieder erstehen- Sie haben richtig erwähnt, daß die Aufgabe desdeutschen Volkes eine schwere ist. Denken wir an die ?roße Zeit, die das deutsche Volk zusammengebracht at, an die Kämpfe von Wörth, Weißenburg und Sedan, und denken wir an den Jubelruf, mit welchem der Großherzog von Baden den ersten Deutschen Kaiser be­grüßte! Das wir» in uns die Ueberzeugung festigen, daß Gott uns Helfen wird, auch über den inneren Parteihader hinweg zu kommen. Die Ereignisse, welche die Welt bewegen, sollten dazu führen, den inneren Zwiespalt vergessen zu machen. Ich hoffe, daß unser Friede nicht ge­stört werden wird und daß die Ereigniffe, die wir vor unseren Augen sich abspielen sehen, dazu angetan find, die Geister auf eine Linie zu lenken, das Auge klar zu machen und den Mut zu stählen und uns einig zu finden, wenn es notwendig werden sollte, in die Welt­politik einzugreifen.

Alsdann folgte die Weiterfahrt nach dem Schlosse. Abends um 8 Uhr war daselbst Fa- milien- und Marschalltafel.

§ Die Eise«bahndirektiou zu Brom­berg hat bald nach den Landtagswahlen an die ihr unterstellten Behörden und Beamten eine

Maria Angela.

Bon Komtesse de Beaurep aire-Louvagny Genehmigte Uebersetzung aus dem Französischen.

27 ------ (Nachdruck verboten.)

12. Kapitel.

MS Frau Mareskat die Treppe ihres Hauses er- 8eg, erschien auf der Schwelle rin ihr unbekannter lensch von riesiger Gestalt und mit derben GefichtS- zügen.

Er verwehrte ihr den Eiuttitt, indem er groben Tones fragte:

„Was wollen Sie?*

Herr Johannes, der Anwalt, liefe ihr keine Zeit, zu antworten, sondern nahm selbst das Wort.

„Diese Dame ist Frau MareSkat, die Eigentüme­rin des Gutes. Machen Sie Platz, damit sie in ihr Haus eintretea kann."

Der Koloß, dessen Kleidung seine Stellung nicht erraten ließ. sah ihn mit bösem Blicke an.

„Die gleiche Frage könnte ich zurückgeben,* erwiderte Herr Johannes. „9!ber Frau MareSkat hat hier zu befehlen, sie ist müde und krank — also geben Sie die Türe frei! Da sie die Herrin ist, mögen Sie von Ihrer Gegenwart im Hause ihr selbst Rechenschaft ablegen."

„Ich habe keinen anderen Gebieter, als Herrn Cordova, dessen Geschäftsführer ich bin.*

„So holen Sie ihn!*

„Er ist abwesend und kommt erst am Abend zmück.*

Pepa, welche sich auf Luisette stützte, war einer Ohnmacht nahe. So nahm man sie in ihrem eigenen Heim auf; Welch' trübe Aussichten eröffneten sich da!

Traurig wandte sie sich zu Herrn Johannes. Dieser hätte gewünscht, von feinen Machtbefugnissen vorder­hand zu schweigen, um die Uebeltäter besser in ihren eigenen Schlingen zu fangen und dann unschädlich machen zu können.

Verfügung erlassen, in der das Fernbleiben zaW» reicher Beamten von den Urwahlen gerUfl und bestimmt wurde, daß diese Beamren, sofern sie keinen ausreichenden Entschuldigungsgrund beizubringen vermögen, dienstlich zur Ver­antwortung gezogen werden. Jetzt hat die Eisenbahndirektton, vermutlich infolge einer auf Beschwerde ergangenen Anweisung des Mi­nisters, die Verfügung zurückgezogen. Die,Kreuz- teituug' bemerkt in der Sache: „Es ist immer schon ein schlimmes Ding, gegen Beamte, sofern sie sich nicht an einer staatsfeindlichen Agitation beteiligt haben, lediglich wegen ihrer Stimm­abgabe bei öffentlichen Wahlen von Amtswegen einzuschreiten. Davon kann nur bie Rede sein, wenn in der Art der Stimmabgabe eine schwere Verletzung der Dienstpflicht, insbesondere der dem Landesherrn schuldigen Treuepflicht liegt. Wir haben nichts dagegen, daß, sofern die Nicht­beteiligung zum Siege eines staatsfeindlichen Kandioaten führen kann, die Beamten in ange­messener Weise ermahnt werden, ihr Wahlrecht auszuüben. Da aber die Möglichkeit einer selb' ständigen Entscheidung zwischen verschiedenen zur Wahl stehenden Kandidaten von einem gewissen Maße politischen Verständnisses abhängig ist, und da es andererseits bedenllich ist, einen Wähler lediglich auf den Rat anderer zu ver­weisen und ihm demgemäß die Rolle des Stimm­viehs zu geben, so haben wir gegen jede Art des Zwanges zur Stimmabgabe Bedenken."

* In der Abteilung für Schutzimpfungen gegen Tollwut, welche feit dem Jahre 1898 bei dem Königlichen Institut für Infektions­krankheiten in Berlin besteht, sind bis zum Aus- gang des Jahres 1903 im ganzen 1816 von tollen Tieren gebissenen Personen nach dem von Pasteur angegebenen Schutzimpfungsver­fahren behandelt worden. Von ihnen sind 16 gestorben. Zieht man wie üblich, von diesen Verlusten 3, welche vor Beendigung der Impfung, und weitere 4, welche innerhalb von 14 Tagen nach Beendigung derselben starben, ab, so ver­ringert sich die Zahl der Todesfälle auf 9 gleich 0,49 Prozent der Geimpften. Da von den von tollen Tieren gebissenen und der Schutzimpfung nicht unterzogenen Personen etwa 5 Prozent an Tollwut zu erkranken und diese fast aus­nahmslos auch zu sterben pflegen, fo kann das Ergebnis der Impfungen nur als sehr günstig bezeichnet, und es kann nicht dringend genug angeraten werden, daß niemand, der das Unglück hat von einem tollen Tiere gebissen zu werden, es unterlassen möge, sich unverzüglich der Schutzimpfung in dem Institut für Jnfek- tionskrankheiten zu unterziehen zu lassen. Das unter Leitung des Professor Dr. Robert Koch stehende Institut für Infektionskrankheiten befindet sich in Berlm N. 39 am Nordufer. Personen, welche sich der Schutzimpfung unter­ziehen wollen, tun, schreibt die ,Nordd. Allg. Ztg.' gut, sich vorher schriftlich oder tele­graphisch anmelden zu lassen, und wo­möglich nicht nach 3 Uhr nachmittags im Institut einzutreffen. Sie müssen gebadet, mit der

Deshalb setzte ihn der Zustand Frau Marerkats in einige Verlegenheit.

Er versuchte es noch einmal in Güte.

„Wenn Herr Cordova hier wäre, würde er sie ontoetfrn, Frau MareSkat zu gehorchen. Setzen sie sich nicht seinem Zorne aus, indem sie der rechtmäßigen Herrin Gelegenheit geben, sich zu beklagen."

„Hm! glauben Sie?* lachte der Mann höhnisch.

Herr Johannes sah, daß er auf die Art nicht weiter kam. Er zog also langsam seine Brieftasche und entfaltete einige Papiere. Eines davon hielt er dem sogenannten Geschäftsführer unter die Augen.

„Im Namen des GonvernerrS,* betonte er.

„Des früheren,* entgegnete der Mann.

„Des einzigm, der im Amte ist,* sagte lebhaft Herr Johannes — „überdies sehen Sie hier meinen Gerichtsbefehl.*

Und er nahm ein anderes gestempeltes Papier. Der Geschäftsführer, oder vielmehr der Spießgeselle des schurkischen Cordova überlegte einen Augenblick. ES war doch am Ende nicht ratsam, auf seinen Ver­bündeten den Zorn der Regierung herabzuziehen, die noch vor ihrem Sturz denselben empfindlich strafen konnte.

Verdrießlich gab er nach.

„Herr Cordova wird erfahren, daß ich nur der Gewalt gewichen bin,*

Dabei zog er sich zurück und ließ Frau Mareskat ernteten.

Pepa, noch immer aus LuisetteS Arm gelehnt, begab sich in ihre Zimmer. Hier lag alles wüst durch­einander, die meisten kostbaren Möbel waren ver­schwunden; kaum fand sich ein Sessel, in dem sich die unglückliche Frau niederlassen konnte. Luisette bat Herrn Johannes, einige der alten Diener, deren Namen te nannte, herbeizurufen.

Herr Johannes brauchte zu diesem Zwecke nicht weit zu gehen, beim GareillaS hatte, gleich nachdem er das Gepäck abgetabei, die Stallungen aufgesucht und dorthin die Kunde von der Ankunft der Gebieterin gebracht, welche sich sofort im ganzen Haufe verbreitete.

nötigen Wäsche, Rleibung und den vorschrifts­mäßigen, von der Orrspolizeibehörde auszu­stellenden Ueberweisungspap eren versehen sein und bei der Aufnahme die Kosten für Behand­lung und Verpflegung, welche 60 Mark für einen Erwachsenen und 45 Mark für ein Kind unter 12 Jahren betragen, einzahlen, sowie den Nach­weis führen, daß sie die Mittel zur Rückreise in ihre Heimat besitzen. Am besten lösen sie gleich Rückfahrkarten. Die Behandlung best.cht in Einspritzungen unter der Haut, welche täglich einmc-I vorgenommen werden und gänzlich schmerzlos sind. Zu der Angst und Sorge, mit der ein Teil der Bißverletzten in die Anstalt kommt, liegt daher keine Veranlassung vor.

* Ein Gesetzentwurf betreffend das Urheber­recht au Werke« der Photographie ist 1902, nachdem er mit Sachverständigen beraten war, der Oeffentlschkeit bekannt gegeben. Dem­nächst ist auch der Entwurf eines neuen Kunst­schutzgesetzes aufgestellt und gleichfalls der Beratung mit Sachverständigen unterzogen wor­den. Schließlich find beide Entwürfe, da sie gleichartige Verhältnisse regt In und in der Mehr­zahl der Vorschriften übereinstimmev, nach dem Vorgang ausländischer Gesetzgebungen in einen einheitlichenEntwurf zusammengefaßt worden. Der Entwurf ist nach der ,Berl. Korr/ kürzlich den Bundesregierungen mitgeteilt worden und im .Reichsanzeiqer' famt den dazu gehörigen Erläuterungen veröffentlicht worden, um den be­teiligt en Kreisen Gelegenheit zu bieten, ihre An- schauungen und Wünsche kundzugeben.

*** Ja, Bauer, das ist ganz was anderes! Vor kurzem wurde der eoaugelische Pastor von Hochemmerich von der Strafkammer zu Cleve wegen Sütlrchkeitsverbrechens zu 3 Jahren Zuchrhaus und Ehrverlust auf die gleiche Dauer verurteilt. Wir haben davon keine Mit­teilung gemacht; aber der Fall läßt einen Teil einer gewissen Presse immer noch nicht zur Ruhe kommen. Von dem Wahne befangen, es handele fich um einen katholischen Geistlichen, wird der Fall „entsprechend" behandelt, und dann hagelt es die bekannten Angriffe gegen „KlerikaliSmus", und so weiter. All diesen Hetzern möchten wir zur besonderen Beherzigung folgende Ausführungen, die uns von wohlunter, richteter Seite zugehen, zu Gemüte führen: Wenn schon das Verhältnis mäßig niedrige Straf­maß bei einem Manne von der Stellung und dem Bildungsgrad des Angeklagten zum mindesten auffallend erscheinen mußte, umsomehr, als es sich bei den Opfern des Wüstlings um lauter halo- wüchfige Mädchen handelte, so wirkte geradezu empörend das Gebühren einiger Mitglieder seiner Gemeinde, worunter sich auch der Bürgermeister des Orts und einige Mitglieder deI Presbyteriums befanden, die den Angeklagten nach seiner Ver­urteilung fast ostentativ bis an die Türen des Gefängnisses begleiteten und dort von ihm mit Händedrücken und in einer Weise Abschied nahmen, als hätten sie den Märtyrer für eine gute und gerechte Sache feiern wollen. Wie mag den Eltern der irregeführten jugendlichen Ge-

Herr und Frau Mareskat wurden geachtet und geliebt von iqren Untergebenen, welche unter der rauhen Herrschaft Cordovas viel auSzustehen gehabt hatten. Sie verachtete letzteren außerdem wegen seiner be- ttügerischen Machenschaften, deren Zeugen sie feit langem waren

Mit der Wiederkehr Frau MareSkats, hofften sie, würde alles wieder werden wie ehedem, und sie ver­sammelten fich int Hausflur, um die gute Herrin baldigst zu begrüßen.

Dort fand fie der Anwalt.

Sie bezeigten erfurchtrvoll ihre Freude Frau Mareskat wiederzusehen, aber auch chr Erstaunen, daß fie die Reise allein unter so schwierigen Verhältnissen unternommen.

Pepa gab fteundliche Auskunft, fragte dann ihrer­seits und erfuhr ganz erstaunliche Dinge.

Herr Johannes war bei dieser Unterredung zu­gegen und horchte achtsam, wiewohl er fich äußerlich sehr gleichgültig verhielt. Während er sich den An­schein gab, in seinen Papieren zu suchen, machte er sich insgeheim Notizen. Als Frau Mareskat einige Befehle gegeben und die Dienerschaft entlassen hatte, blieb der Anwalt noch bei ihr.

„Gnädige Frau,* sagte er, „ich möchte Ihnen noch einmal wiederholen, was man Ihnen schon geraten hat: bleiben Sie niemals allein. Wenn die Kammer­frau Sie zeitweilig verlassen muß, so lassen Sie einen Diener, dem Sie oerttauen können, in Ihrer Nähe weilen."

„Was befürchten Sie denn?* fragte Pepa.

„MeS! Ter Mensch, welcher uns empfangen hat, sieht aus wie ein Bandit; er ist im Solde Cordovas und wird von feine® Verbrechen zurückscheuen, wenn es gilt, seinem Auftraggeber die Früchte des Verrates zu sichern.*

„Sie meinen doch nicht, er würde mich töten!* schrie Pepa nun wirklich bestürzt, denn fie dachte an den Gatten und die Kinder, denen fie nicht fehlen duifie. '

»Ich sage das nicht, um Sie zu ängstigen,*

31. Jahrgang.

schöpfe da wohl zu Mute gewesen sein, die zu* fällig dieser Verabschiedung beiwohnen mußte»? Wir hörten kurz darauf Leute aus ter Gemeinde des Verurteilten ihrer heüen Entrüstung über diese Abschirdsszenen drastischen Ausdruck geben und ihr lebhaftes Bedauern darüber aussprechen, daß das Gericht gerade in dem vorliegenden Falle nicht ein ganz anderes Exempel statuiert hätte. Man kann diesen Leuten kaum Unrecht geben. Das Geschrei haben wir ja wieder in der antikatholischen Presse erlebt, da man glaubte, ein katholischer Geistlicher sei der Unmensch ge­wesen. Wie mußte das „Scheusal in Menschen­gestalt* gerade^ Spteßruten laufen, wie wurde von Beichtstuhl, Jesuitenmoral und dergleichen salbadert — es ist kaum zum Aurdenken. Und dann stellte fich heraus, daß der Verurteilte kein Katholik war! Darauf plötzliches Verstummen im ganzen Blätterwaide. Ja, Bauer —

• Keine Verschärfung der preußische« Warenhaussteuer? Der schreibt: Ganz authentischen neuesten Nachrichten zufolge wird die Regierung, selbst wenn Herren- und Abgeordnetenhaus neue Verschärfungsanträge zum Warenhaussteuergesetz annehmen sollten, nicht für eine weitere „Reform" dieses Ge­setzes zu haben sein. Die Regierung dürfte allem Drängen und allen Forderungen der „Mittelstandspolitiker" gegenüber feftbleiben und sich nicht bewegen lassen, das Warenhaussteuer- gesetz umzugestalten. Man ist regierungsseüig der Anficht, daß man mit dem Gesetz schon bis zur äußersten erreichbaren Grenze gegangen ist, und vermag eine weitere Belastung der Waren­häuser, die sich auch kaum mit dem Prinzip der Gewerbefreiheit vereinen lassen würde, nicht zu vertreten. Die Regierung ist ebenfalls davon überzeugt, daß wettergehrr.de Steuerbelastungen nur dazu führen könnten, die Warenhäuser zu erdrosseln und zu vernichten. Und diesen Er« drosselungsbestrebungen, die ja die Warenhaus­gegner offen zur Schau tragen, irgend wie nach­zugeben, dazu liegt für die Regierung keinerlei Veranlassung vor, sie will auch die moralische Verantwortung sür die Untergrabung bet Existenz zdhlreicher Geschäftsbetriebe nicht über­nehmen. Auch die sonstigen Konsecsuenzen bet Warenhaussteuer-Berschärfung scheut bie Regie­rung, so daß man es als sicher annehmen darf, daß in absehbarer Zeit an dem bisherigen Z>- stande nichts geändert wird.

* A«S Gübwestafrika. Die versammelte» Ansiedler aus Swakopmund, Karibib, Oka- handja, Ontjo und Windhuk haben an den Reichs­tag telegraphisch die Bitte gerichtet, bei der drit­ten Lesung des Ergänzungs-Etats die Ent­schädigungs-Vorlage der Reichsregierung ohne Einschränkung anzunehmen oder die brüte Lesung bis zu dem Ende Mai bevorstehenden Eintreffen einer Abordnung von Ansiedlern z« vertagen. Mit Darlehen für unverschuldeten Ver­lust sei den noch mit schweren Verpflichtungen kämpfenden Ansiedlern nicht geholfen. Bei der Stimmung, die bisher im Reichstage herrschte, hat die Bitte wenig Aussicht auf Berücksichtigung.

erwiderte Herr Johames, „ich wache ja auch über Sie. Aber die Lag», in welcher Sie fich befinbi», ist eine so außergewöhnliche, daß fie die umfassendste Vorficht erheischt. Ich werde mir jetzt ein Zimmer geben lassen, indem ich mich auf mein Mandat berufe, — die Elenden sollen wissen, daß Sie unter be» Schutze der Regierung stehen, und daß ich eigens da­zu hter bin, den Befehlen des Gouverneurs Achtung zu verschaffen."

„Ach Gott!* klagte P-pa, immer von dem einen Gedanken gequält, „wie lange wirr dieses alles bau'tn ?*

„Wir werden so schnell machen, als möglich. Ich habe Eile, dies Gefindel zu überführen und Ihnen Gerechtigkeit zu ver,chafftn. Doch müssen wir gesetz­mäßig vorgehen und dürfen keinen unüberlegten Schritt tun."

„Diese Verzögerungen sind eine Qual!*

„Morgen wird Cordova zmück sein. Wir wollen hoffen, daß er fich dem Machtsprnche fügt.*

Luisette ttat wieder ein, und der Anwalt empfahl fich.

Frau Mareskat war übermüdet; fie nah« ein wenig Speise zu fich und legte fich nieder in der festen Zuverficht, daß der nächste Tag alles in Richtigkeit bringen würde. Sie hätte wohl kein Ange z«getan, wenn fie Zeugin der Unterredung gewesen wäre, die wenig« Schritte von ihr zwischen Cordova «nd seinem Helfershelfer stattfand.

Soda d der letztere nämlich Frau Mareskat in Kren Zimmern verschwinden sah, hatte er seine Schreibstube fest verschlossen und war dem Verwalter entaegengeeilt, welcher jeden Augenblick einteeffea wußte. Am Eingänge des Dorfes stieß tr mit qm zusammen. Hier aus freiem Felde konnte niemand sie belauschen.

„Frau Mareskat ist soeben eiucetrcffen,* stieß et ohne weitere Einleitung hervor. Corbora schrak zu­sammen. In seinen Pupillen blitzte er raubtier- artig auf.

(Fortsetzung folgt.)