31. Jahrgang.
§ul-a, Samstag, den 30. April 1904.
Der erwähnte „Führer" gibt insbesondere den Privatlehrerinnen und Erzieherinnen den eindringlichen Rat, es nicht zu versäumen, sich im Jnlande zu versichern und, wenn eben möglich, das Versicherungsverhältnis nicht erlöschrn zu laffen. Dem Rate des gleichen „Führers", sich das Büchlein von Dr. Hitze: „WaL jedermann von der Jnvalioenverficherung wissen muß" au- zuschaffen und es „gründlich zu studieren", können wir uns gleichfalls nur anschließen. Das Büchlein kostet 25 Pfg. und ist durch jede Buchhandlung zu beziehen.
zwei Millionen Franken für Briefmarken ausg e geben hakte. Rach jüngster Schätzung soll sie nun schon vier dis fünf Millionen gekostet Haden — jedenfalls eu schönes Vermögen, das da für farbige Papierstückchen, die, genau genommen, bad) an sich eigentlich so gut wie wertlos find, verausgabt worden!
Kaiser Wilhelm der Zweite ist em überaus eifriger Autogrophensammler. Auch in dieser Hinsicht, getreu feiner militärischen Neigung, bevorzugt er jedoch insbesondere Briefe von großen Heerführern, die in den großen Kriegen hervor» ragendes leisteten. Und wiederum gewährt eS ihm die größte Freude, wenn die betreffenden Schriftstücke Denträler bckden für den Ruhm seines Hauses und das Aufblühen des Vaterlandes Der Kauer begann schon als junger Prmz mit dieser Sammlung; heute soll jre bereits einen Umfang und Wert besitzen, über den Sachverständige, die diesen Schatz näher in Augenschein nehmen durften, geradezu in Erstaunen gerieten. So viel steht fest: von einer Autographensammlung in des Wortes allgemeinem Sinne darf man hier auch keineswegs sprechen. Vielmehr find es zumeist Dokumente von weittragender Wichtigkeit, Quellen, aus denen der Historiker Kunde gewinnt, um vorhandene Lücken zu ergänzen oder cingeschlichene Irrtümer richtig zu stellen.
Gleichfalls auf streng wiffenschaftllcher Grundlage beruht die Sammlung, welcher der junge König von Italien seine Zeit und sein Studium widmet. Er ist nämlich sowohl Münzensammler als auch -Kenner. Den Sinn für Numismatik wecke schon sehr frühzeitig in d*m damals noch jugendlichen Prinzen seine Mutter, die reichge- bdbele Königin Margherita. Sie wies auf die gute Gelegenheit hin, die er als Herrscher Jta- li-ns einst haben würde, gerade auf numisma- tischem Gebiete einen Schatz zusammen zu bringen. Denn hier bedeckt der Erdboden eine tausendjährige Kultur, und fast jede Schicht birgt Reichtümer, die nur gehoben zu werden brauche«. Oft nahm König Viktor Emanuel Grabscheit und Hacke zur Hand und suchte an Stellen, rot einst ein blühendes Anwesen gestanden, nach Münzen. Neuerdings nimmt sowohl an diese« Schatzgräbereien als vornehmlich an den nunnS- matischen Studien auch seine Gemahlin teil, die Königin Jlena. Die Münzensammlung der Königs gehört zu den vollständigsten der Well; ihr großer Wert für die Wiffenschaft wird übrigens erst dann in das rechte Licht gelange« können, wenn der ganz ausführliche Katalog, den der Monarch mit Hilfe seiner Gemahlin verfaß: hat, der Oeffentlichkeit übergeben ist. Man erzählt fich, daß zu der Zeit, da er noch nicht die Krone trug, diese Liebhaberei ihn oft in gar mißliche Kollision mit seinen militärischen Pflichte« brachte, indem er, ohne Urlaub genommen zu haben, Italien verließ, um inkognito einer Münzauktion, die in Pans oder Brüssel stattfand, in aller Eile beizuwohnen.
König Eduard von England sammelt Stöcke. Er teilt diese Liebhaberei mit Cleveland, dem früheren Präsidenten der Vereinigten Staate« von Nordamerika, dessen Sammlung diejenige des erstgenannten freilich ganz wesentlich in de« Schatten stellen dürfte. Denn während der Herrscher des Dreiinselreiches etwa über 200 Spazierstöcke verfügt, umfaßt Clevelands Sammlung etwa viermal so viel. Dazu gehören vor allem zwei Stöcke, die freilich einzig in ihrer Art sind: der sogen. „Andrew Jackon", in den mit ganz winzigen, aber trotzt» m durchaus lesbaren Buchstaben das vollständige „Vaterunser" eingeschnitzt ist, ferner ein Stock, der reden seinem', künstlerischen Werte noch denjenigen einer absolut eigenartigen Jagdtrophäe in sich birgt. Er besteht nämlrch aus einer Mosaik, zusammengesetzt aus Horn- stücken jeglicher Tierart, die in Texas gejagt wird. Der wertvollste Stock in König Eduards Sammlung soll jener sein, der aus dem Holze eines Pfeilers der alten Londoner Brücke geschnitzt tst. Daran reihen sich Stöcke indischen Ursprunges und weitere, die fich durch künstlerisch hervorragende Elfenbein-Schnitzereien auszeichnen. Bei dieser Gelegenhell sei erwähnt, daß die berden oben beschriebenen Sammlungen, so reichhaltig sie auch sein mögen, noch übertroffen werden von einer dritten, die sich im Besitze einer — Dame befindet. Es ist dres die noch in heiratsfähigem Alter stehende Miß Henriette Kimle zu Rochester in den Vereinigten Staaten. Ihre Sammlung, die eigentlich schon die Bezeichnung „Museumverdient. umfaßt weit über 1000 Stöcke, darunter Kostbarkeiten und Merkwürdigkeiten, die wirkliche Schätze find. So sind zwei dieser Spazierstöcke aus Dem Panzerrücken des Rhinozeros verfertigt und so selten, daß nur Kaiser Wilhelm einen ähnlichen besitzt. Er kaufte ihn um einen sehr hohen Preis von einem Sammler in Hamburg; mit diesem Kaufe kam er übrigen- seinem König!.
aehivdert und durch ihr zügelloses und gewatttattgeS Auftreten die Gemüter certoirct habe. Damit Die Opposition die Gemüter nicht von neuem aufcegen könne, vertagte die Regierung am Montag das Ab- geoibfetenw.14 für einige Zeit. In Zusammenhang mit dem Streik scheinen zwei blutige Vorgänge zu stehen, die stch cm Soim'ag ere gneten In dem Marktflecken Etesd verhinderten Sozialisten M-tgUeder her UrabhärgrgteiiSp-rtei an der Abhaltung einer Versammlung. Ein Sozialist erschoß bei der Gelegenheit einen Gendarmeriewachtmeister. Die G-adarEte gab eine Salve ab, wodurch 25 Personen getötet und gegen. 40 schwer verwundet wurden. In Deorez::: veranlaßten ausständige Arbeiter eine blm ge Rauferei. Militär mußte die Menne auseinander tteiben. In Großward-iu traten am Montag 15,C00 organisierte Arbeiter h den Ausstand uch zwangen di- Ladenbe- fitzer. die Läden zu schlichen. .
Der französische P-ändent Loubet ist in Rom eing troffen, demonstrativ begrüßt von b?<» kirch n ttinvlichen Elementen. D.e T-inlsprüche, die er mit d-w König von Italien aaStauschte, enthalten nichts B-mer?ensa>crtrS. Man jp.icht von der Verwandtschaft und Freundschaft der beiden Nationen und von dem gemeinsamen Wunsch nach po-si schem Frieden und sozialem Fortschritt. Der französische Staatsrat hat d-e Erzbischöfe von Paris, Lyon, Reims und Toulouse, die an die Regleru -g eine Prottstrirgabe gegen die Behandlung der Ko^gr-gat-onen gerichtet haben, wegen Mißbrauch Der Amtsgewalt belangt
In Spanien haben dieAr-archigen einen neuen Anschlag gegen den Minsterpräftden-n versucht. Gleickzenig wird von kuch-nfei» l ch-n Kundgebungen gemeldet.
In Ostasien hcb.n sich feine wichtigere Ereignisse zugetragen. Am Ialu st h n fich bie russisch«« uno japanischen Truppen in starken Stellungen gegenüber. In dm letzten Tagen wurde wieder von einer Bcrmitrelung Englands zwischen Rußland und Jap m gesprochen. Diese soll versucht werden, sobald die Ruffm einen größeren Sieg errungen haben Anscheinend wird König Eduar ? noch lang- warten können, ehe er seine s.ied.ichen Absichten betätigen kamt.
Aus Südafrika fernst jetzt e blich eine Nachricht von der Truppe des Majors Glasen, pp. Sie ist ungünstig. Dir Marmschasttn dieses Hee^estriies leiben unter einer Typhusepidemie. D e Truppe hat fich nach der als Lazarett eingerichteten M'sfionS- station Otjihainena zurückgezogen. -
Der wert der Invali-enverfichermg für Dienstmädchen, Erzieherinnen, Lehrerinnen und in ähnlicher Stellung befindliche P rsonen kommt heute noch nicht in wünschenswertem Maße zur Geltung, weil die betreffenden Bestimmungen des Gesetzes den Beteiligten nicht genügend bekannt oder ihre Bedeutung für das Leben nicht genügend gewürdigt wird.
Dienstboten und Arbeiterinnen find kraft Gesetzes vom 16. Lebensjahre an verstcherunzs- pfllchtig. Treten fie dauernd aus dem die Verficherungspflicht begründenden Dienst- bezw. Arbeitsoerhäitnis aus, so haben sie gleichwohl die Möglichkeit, das Versicherungsoerhült is auf- recht zu erhalten, sich weiter zu versichern. Sehr häufig wird aber seitens der D.enstko en und Arbeiterinnen von diesem Recht« kein Gebrauch gemacht. Durch eine Heirat glauben sie für iyr ganzes Leben versorgt und für die Zukunft völlig gesichert zu sein. Sie machen dann vielleicht ihren Anspruch aus Zurückerstattung der Hälfte der von ihnen gezahlten Beiträge geltend, welche in der Regel nur eine bescheidene Summe ausmachen und begeben fich dadurch jeglichen Anspruches auf Rente im späteren Leben. Wie oft kommt es ober vor, daß manche frühere Dienstmädchen und Arbeiterinnen infolge von Krankheit ober des Todes ihres Mannes ober wegen geringen Verdienstes wieder zur Lohnarbeit zurückkeyren müssen. Darum soll es sich eine Dienstmagd oder Arbeiterin, welche beiratet, wohl überlegen, ob sie sich, anstatt dos Ver- stcherungsoerhältnis zu lösen, nicht besser weiter- versichert, zumal die jährlichen Beiträge sehr geringfügig find. Zehn Marken der niedrigsten Lotznklasse, d. i. 1,40 Mk. jährlich ober 12 Pfg. monatlich reichen schon aus, um fich eine Rente für viele Jahre zu fichern, bie vielleicht einem Zinsenbezuge von einem Kapital in ber Höhe von 1000 ober 2000 unb mehr Mark gleichkommt.
Aehnliches gilt auch für bie Sprachen-, Musik« 2C. Lehrerinnen sowie Erzieherinnen, Stützen rc. Der von kunbiger Seite herausgegebene „Führer" des Marianischen Mäbchenschutzvereins sür Bayern (München, Tegernseestr. 2, Altstabt, Preis mit Porto 20 Pfg.) hebt ausdrücklich hervor, daß die Dotbenanmet Erwerbstätigkeit nachgehenden weiblichen Personen „leider noch viel zu wenig bekannt" sind mit den wichtigsten Bestimmungen unseres Alters- und Jnoalidenyersicherungsgesetzes. Die Lage dieser Personen, soweit fie fick (als Lehrerinnen) nicht in Staatsstellung befinden, ist durchweg keine sehr beneidenswerte, unb es wäre sehr zu wünschen, daß fie fich nicht infolge Unkenntnis der einschlägigen Bestimmungen ansehnlicher Vorteile für ihr späteres Leben begäben.
ohne Brhtgtrtobn m» «esteLgelödlKtlsa«»
Lnzelge«: Die «to fpaltige petitzeile eba beten Raum 15 pfg. Reklamen bie petiyeile 25 Pfg.; bei Wiederholungen wirb entfjrt.
Rabatt gewährt. 4
Druck unb Verlag bet jstUbaer Rctienbrnckerei in $ulba (Harmonie).
Zernfprechet Nr. 9.
ur. Wften als Sammler.
Von Rolf CruciuS.
. ------ (Nachdruck verboten.)
Wir leben im Zeitalter des Sammelns. Fast jeder Knabe hat fein Album, das er mit seltenen Postwertzeichen zu füllen bestrebt ist, während unsere jungen Eoastöchterlein ganze Bände Ansichtskarten anemanderreihen. Was Wunder, wenn auch dir Throngevorenen voll der Sammel- lüft befaßen wurden! Da dieser Sport bekanntlich aber, wenigstens sofern es sich um wertvolle Gegenstände handelt, Geld — unter Umständen sogar recht viel Geld! — kostet, find fie ohne Zweifel am ehesten in der Lage, ihn ohne sonderliche Beschränkung auszuüben. So kam der Herzog von Galliern, ein bekannter Pariser Lebemann und Millionär, urplötzlich auf den Gedanken, fich eine Briefmarkensammlung anzulegen. Das war im Jahre 1870. Er betrieb seine Liebhaberei mit solchem Eifer und so großen Summen, daß er etwa zehn Jahre später bereUS
verantwortlich«
tzchrittleiter:)os.vau» ----
wschmdeiiage: „Illustrierte SonntagMtung
Wochen-Runbschau.
(Nachdruck verboten.)
O Ful Sa, 23. April 1904.
Dec deutsche Kaiser Hit seine Mittelmeerreise um einige Tage früher beendet, als ursprünMch brabfichiigt war. Tie in den letzten Tagen in Italien eingetrttene Verschlechterung des Wetters wird als Veranlassung dazu angegeben; vielleicht hat auch der Besuch des Präfisenten der frayzefischsn Republik in Rom mu dazu beigetragen, di- Kaiser- reife abznkürzrn. Am Donnerstag n-chmittag tst der Kaiser frisch und Wohlbehagen in Kar>srr.he eingetroffen, wo er seinem Oheim, dem G-oßhe.zog von Baoen, einen Besuch abstattere. Am Sonntag wird der Kaiser bekanntlich nach Mainz kommen.
Der deutsche Reichstag hat fich i» den ktzlen Tagen hauptsächlich mit den Etats der Schutzgebiete beschäftigt. Zu Tebatten von größerem Stil ist er dabei nicht gekommen. In Bett! ff der Entschädigung der vom Herero-Aufstand betroffenen Ansiedler ist der Reichstag dem Beschluffe der Kommission brigetteten, wonach nur bie Hül,'«bedürftigen voll entschädigt werden sollen. Am Dienstag begann die «ße Lesung des Dörfer gesrtzeS; am Mittwoch beschäftigte sich ra8 Haus dann mit Wahlprüfungen, wobei u. a. die Mandate der Abgeordneten Blumenthal (südd. Voltsp) und Tr. Braun iür unzülüg erklärt werden. Sodann wurde die Beratung des Börsenzesrtzes fortgesetzt, die dann auch noch den ganzen Rest der Woche in Anspruch nahm Die Stellung der einz-l«e>- Parteien zu den vorgeschlagenen Abänderungen des bestehenden Börsengesetzes find längst bekannt; etwas N-ueS örachlen die Debatten in vieler Hinsicht nicht zutage.
Das preußische Abgeordnetenhaus hot die Era'.Sberatung glücklich zu Ende geführt; cs ist also diesmal dem Reichstage zuvorgekommen. Beim Kultuserai kam es zu einer längeren Auseinandersetzung über die Ostmarkenzulage an die Lehrer. D»e Mehrheit bewilligte noch eine Extrasumme von 50000 Mk. für diejenigen Lehrer in Oberschlefim, die im Deutschen besondere Erfolge erzielen. Das Zentrum erklärte stch entschieden gegen da? System der widerruf! chen Zulagen. Im übikat boten die Debatten wenig Bemerkenswertes. Am Donnerstag begann das Haus mit der Beratung der wasserwict« fchaftlichen Vorlagen mit Ausschluß der Kanalsorlage.
Die Budgetkommission des Reichstages hit die kleine ReichSfinanzreiorm zum Teil angenommen. Fortan werden danach die Zölle und die Tabaksteuer nicht mehr an das Reich überwiesen. Die geforderte Bestimmung, daß bte Matti- kularbeitrage den Durchschnitt der Ueberwessungen an die Bundesstaaten während der letzten 5 Jchre nicht übersteigen solle, ist fallen gelassen. Wahrend man fich so bemüht, Ordnung in die Reicksfinanzwirtschaft zu bringen, treibt der deutsche Flottenverein Propaganda fiir die Schaffung eines brüten Geschwaders bis 1912. Die Kosi n würden 1 Milliarde betragen. Der Reichstag läßt fich auf solche phrn- tastische Pläne natürlich nicht ein.
Im österreichischen Abgeordnetenhause gab eS dieser Tage wieder einmal Sturmszenen wüster Art, indem die radikalen Tschechen durch gewalttätige Opposition und Obstruktion die Delegiertenwablen verhindern wollten. Trotz alles Lärmes und Tumultes kamen bie Wahlen aber dock zu Grande. — In Ungarn hat der am Dienstag voriger Woche plötz- üch auSaebrochene Streik der Eifendahnangestelltin den Verkehr auf den Staatsbahnen mehrere Tage hindurch fast völlig zum Stillstand gebracht und große Verwirrung hervorgerufen. D r Streik war bekanntlich veranlagt worden durch die Gefitzesvorlage über die Gehaltsregelung der Erfenbahnangestellten, mit der die Angestellten, bie seit dreißig Jahren keine Ausbesserung erhalt n haben, nicht zusrieden find, und durch Verbot eines Kongresses, der über die Vorlage verhandeln sollte. Daß die Regierung die Angestellten, bte trotz des Verbotes beS Kongresses nach Budapest kc men, zu vielen Hunderten verhütten ließ, goß nur Oft ins Feuer unb verstärkte die Streitlust. Im Ab- geocdnetenhause traten die Minister zuerst sehr ent« sch eben unb unerbittlich auf, als ob ft? sich auf nichts ein assen würben, sondern unbedingte Unterwerfung der Streikenden verlangten. Bald wurden die Zu« stär de indes so bedenklich, daß man fich doch zu Ber- hanslungen veranlaßt sah und den Streikenden allgemeine Amnestie und die Erlaubnis zur Abhaltung von Versammlungen, in denen über bie Geha tsfrage verhandelt werben sollte, unb zur Bildung einer Eisenbahner-Verbandes anbot. Damit war daS Streikkomitee indeß nicht zufrieden, es verlangte vor allem Hinaufietzung der Gehälter. Nun zog die Regierung daS Angebot einer allgemeinen Amnestie zurück und verweigerte diese sür die.Mitglieder des Streikkomitees. Um den Verkehr einigermaßen aufrecht zu erhalten, mobilisierte fie da» Ettenbahnregimenr unb tief die Reservisten, die im Eisendahndienst stehen, zur Dienstleistung ein. DaS biach bie Kraft der Ausstandes. Zahlreich meldeten die Angestellten fich zur Wiederaufitahme de» Dienstes unb am Montag sah fich dar Streikkomi'e! genötigt, den Streik für beendet zu erklären. Die Regierung schreibt die Schuld an dem Ausstand? zum großen Teile der Obstruktion zu, die eine frühere Durchführung der GehaltSausbess-iung
ca Zur Lothringer Mrchhofssrage
teilen die .Gazette Ls Lorraine', die.Schief. Ztg.' (Nr. 265) und andere Blätter mir, daß nicht nur in Fameck, sondern auch an anderen Orten die Kirchhöfe „interdiziert" find. So sehe in Brulange der katholische Pfarrer seit 7 Jahren nicht mehr auf den Kirchhof, weil dort ein protestantisches Kind begraben worden sei. „Auch die Kirchhöfe zu Hemig und Langenberg sind von Bischof Benzler mit dem Banne belegt worden." Hierzu sei folgendes festgestellt: 1. Im Jahre 1897 wurde in dem katholischen Teile des Friedhofs zu Brülingen (Brnlange) ein Kind beerdigt, das nicht getauft worden war. Dis Mutter des Kindes war vom Katholizismus zum Alikathoiizismus abgefallen. Vom Vater konnte damals nicht festaestellt werden, ob er protestantisch oder allkatholisch sei. Es hieß damals in Zabern, dem Wohnort der Ei ern: „S;e haben mcht einmal ihr Kind taufen lassen, das gleicht ihnen!" Trotzdem in dem K rchhof: zu Brülingen eine sehr anständige Grabstätte für Nicht kathcliken und eine solche für ungetanste Kinder besteht (rechts und links vom Emoange) wurde ba& Kind doch in der katholischen Abteilung beerdigt. Unter diesen Umständen und infolge des durch die Eltern gegebenen öffentlichen Aergernisses verbot Bischof Fleck die Vornahme kirchlicher Funktionen auf dem Kirchhofe. Alle Versuche der Gemeinde, die Sache gut zu machen, scheiterten bisher an dem Widerstande des Bürgermeisters, der Großvater des Kindes und „altkatholisch" ist. — 2) Der Fall inHeming (nicht Hemig) ist dem Falle Finneck ähnlich. Er ereignete sich jedoch, ebenso wie die Fälle Brülingen und Langenberg während der Amtstätigkeit des Bischofs Fleck. — 3) In Langenberg hat bei Anlegung des neuen Kirchhofes die Gemeinde die Anlage einer Abteilung für Nichtkatholiken verweigert. Der Friedhof wurde aber nicht interdiziert, sondern Bischof Fleck verweigerte die Ermächtigung, ihn kirchlich einzuweihen.
Es liegt dieser ganzen Lothringer Kirchhofs - frage, wie fie in der kirchenfeindlichen Presse seit einiger Zeit erörtert wird, eine systematische Agitation gegen Bischof Benzler zu Grunde. Die früheren Bischöfe von Metz haben gradeso und noch strenger nach den kirchlichen Dorsch-iften gehandelt wie der jetzige Oberhirt. Der nächste Anlaß zu der Hetze gegen Bischof Benzler war dessen Hirtenbrief über die Presse. Dieser Hirtenbrief, der in 40,000 Exemplaren verteilt wurde, sollte zuerst im Landesausschvsse herhallen, als jedoch die Regierung Kenntnis von dem Briefe genommen hatte, sah fie ein, daß man deshalb dem Bischöfe nichts anhaben kann. Alsdann wurde in den Kreisen liberaler Abgeordneten und gleichgesinnter Herren beschlossen, eine öffentliche Aktion gegen den Bischof zu unternehmen und mit Fameck anzufangen. Der Hirtenbrief war, ro e gesagt, nur der nächste Anlaß zur Hetze, denn Bischof Benzler ist längst bei den liberalen Herren verhaßt wegen seines energischen Eintretens für das Zentrum und den Volksverein.