Zuldaer
Zeitung
31. Jahrgang.
Zulda, Donnerstag, den 28, April 1904
M 96
kommen.
unbeachtet za lassen.
Maria Angela.
Bo« Komtesse de Beaurepaire-Louvagny Genehmigte Uebersetzung aus dem Französischen.
D:r Brie?, welchen Herr Mareskat aus Anraten d«S BikarS Prrval an einen aUen Geschäftsfreund Serichtet hatte, btnb, wie man sich denken konnte, ohne Intworr. 8o ließ er den» Poupee einen letzten
Versuch wacher, und an die ftan ösische Gesandtschaft « BaenoS Aires schreiben.
ünd daun besann wieder diese lange, ermüdende, «sterbende Wartezeit, zu welcher er mit den ©einigen, wie e6 schien, verurteilt war.
I« ihrem kleinen, ärmlichen Haushalt hatte sic ««terdesien nichts geändert, es sei denn, daß Poupee« Aufgabe von Tag zu Tag schwerer wurde. Je writer die Zeit voranschritt, desto mehr häuften sich die Bedürfnisse: eS fehlte nicht m-hc allein an Schuhzeug, auch die Anzüge für Klein-Peter rnd die jüngeren Mädchen wurden zu eng und zu schlecht. Mana-Sn- gelas und Isabellas Kleider sahen abgetragen und Verschlissen aus urd würden nicht lange mehr dienen Dünnen
Trotz strengsten Fleißes konnte Poupee den Anforderungen nicht genügen. Wie würde er im Wi ter gehen, wenn der Frost und die kurzen Tage Kohlen rnr Feuerung, Oel für d e Lampe nötig machten? Sie wagte gar nicht daran zu denken.
Die Unzulänglichkeit der Geldmittel war dessen ungeachtet n cht einmal die größte ihrer Sorgen Der Kummer, der umso schwerer aus allen Gemütern lastete, als sie sich Mühe gaben, ihn nicht laut «erden zu losten, verfolge sein Zerstörungswerk: er verbitterte die C Maklere, untergrub die Gesundh it. Besonders Jsatella schien wie ausgewechselt. Tie »naufhöruche innere Unruhe, die widerwillig ertragenen Entbehrungen hatten selbst ihre Züge, das sanfte,
verschiedenen Zweigen des Eisenbahndienfies tätigen zahlreichen Hilfsbediensteten, Handwerker und 2hbeiter dienen. Bekanntlich gewähren die auf Grund des Krankenverstcherungsgesetzes errichteten Betriebskrankenrassen meistens die Hälfte, in seltenen Fällen bis zu zwei Dritteln des Verdienstes, den der Arbeiter in gesunden Tagen erzielt, in Krankheitsfällen als Krankengeld. Gewährt dazu die Betriebskrankenkaffe auch noch freie ärztliche Behandlung und freie Medizin und Heil- minel, so ist der Ausfall für den erkrankten Arbeiter und seine Familie doch recht fühlbar. Es kann darum, schreibt die ,Nordd. AUg. Ztg.', nicht wunder nehmen, wenn die erwähnten Hilft - bediensteten, Handwerker und Arbeiter der Staatseisenbahnverwaltung das Bestreben habe«, gegen diesen Ausfall sich zu schützen. Das ist ober recht schwierig, vielleicht kaum möglich für alle diejenigen Belriebsarbeiter, die an den Bahnstrecken zerstreut tätig find. Darum hat der Staat ein großes Jmrreffe daran, das Zustandekommen von Kasteneinrichtungev, die diesem Bedürfnis abhelfen, zu erleichtern und sie lebensfähig zu gestalten. Die Hufe des Staates zu der geplanten Verbandseinrtchtung ist als einmalige Zuwendung gedacht; der Kasse soll dadurch die Eigenschaft einer auf Selbsthilfe beruhenden Hilsskasse nicht genommen werden. Dagegen soll die Hergabe einer einmaligen unverzinslichen und nicht rückzahlbaren Zuwendung es der Kasse ermöglrch-n, von Anfang an nicht bloß junge Leute, sondern auch ältere Arbester, die schon lange Jahre im Dienste der Staats- bahnen gestanden haben und tn ihrem vorgerückten Lebensalter die Kaffe stärker belasten, ! ju denselben mäßigen Beitragszahlungen auf» I zunehmen. Für alle Bediensteten, die im Staats- beamtenoerhällnis stehen und die daher während einer Erkrankung ihr volles Dlensteinkommen forlbeziehen, liegt eine gleiche Veranlassung nicht
! vor. Die Zuwendung aus Ltäatemitteln ist daher lediglich für die Hilftbediensteten, Handwerk«
i und Arbeiter in Aussicht genommen.
*# In ber , SB art bürg', die sich als .Amtliche Zeitschrift des deutsch evangelischen Bündel für die Or mark' bezeichnet und von dem sattsam bekannten Superintendenten Dr. theol. Meyer in Zwickau herausgegeben wird, liest man folgendes: „Das Vermögen der Jesuiten. Berlin, 15. April. Im Nachlasse des früheren Finanzministers v. Miquel ist eine Aufzeichnung gefunden worden, worin das Gesamtoermögen der Jesuiten in liegenden Gütern und in Wertpapieren auf 16 Millionen Mark geschätzt wird. Heute wird uns bekannt, daß ein großer Teil der Gelder des Jesuitenordens in deutschen Wertpapieren angelegt ist. Die Jesuiten haben diese Kapitalien vorzugsweise bei der Berliner Kommerzienbank, bei verschiedenen großen industriellen Geschäften der Rheinprovinz und auch bei der die Zeitung ,Berl Lokal - Anz.' heraus- gebenden Gesellschaft (Scherl & Ko., .Wachs', .Gartenlaube', -Tag', .Feldpost' sc.) angelegt." (.Elsäff. Jomn.') „Sollten bei der.Kreuzztg.' mit ihren jesuitischen Mitarbeitern die Verhältniffe
------ (Nachdruck verboten.)
11. Kapitel.
finden leider ihre Bestätigung in einer weiteren I Meldung deS die Kolonne Glassnapp begleitenden s Spez-alderichterstattersdes, Lokal-Anzeiger' Hauptmanns a. D. Dannhauer. Danach hat die Truppe seit dem 13. März ds. Js. insgesamt einen Verlust von 63 v. H. ihrer Offiziere und von 35 v. H. der Mannschaften erlitten. Ein von Otjihaenena durch den Heliographen nach Windhuk, von dort durch den Draht weiterbefördertrs Privat - Kabeltelegramm des Lokal-Anzeigers' meldet:
Da bei den schlechten Wafserverhättnissen in Onjatu die Lyphuserkrankungen zunabmen - es starben außer den bereits gemeldeten noch Feldwebel Kamms!» und Eeesoldat Lenz von der 1. Kompagnie, Seesoldat ■ Finger le von der 4. Kompagnie btS Seebataillons und ! die Soldaten der Schutztruppe Rester und Wunsler — so marschierte das Detachement Glasenapp am 21. von Onjatu nach Oljihaenena. wo wir gestern eintrafen. Sofort wurde helwgraphisch die Verbindung mit Oka- handja via Seeis und Windhuk bergestellt. Stabsarzt | Wiemann richtet hier wo die Verhältniffe besonders günstig liegen, ein festes Lazarett ein. Hier erwartet auch das Detachement Ersatz für die durch Gefechte und Krankbeit ausgefallenen Osstziere, Mannschaften und Pferde sowie auch weitere Zufuhr von Proviant und Winterkleidung. Am 13. März früh, vor dem Gefecht bei Owikokorero, war die Kopfstärke des Detachements 22 O'fiziere und 476 Mann; davon fielen acht Offiziere und 56 Mann. Verwundet wurden 4 Offiziere und 18 Mann; an Krankheiten starben 8 Mann. Krankheitshalber wurden zurückgeschickt 2 Offiziere und 62 Mann. Momentan typhuskrank find 44 Mann. Inder letzten Woche sind heftige Regengüffe gefallen; außerdem gab es starke Nachtfröste, die sich in den Biwais sehr fühlbar machten. Heute biwakiert unsere Ostab- ! teilw-g zum 70. Male. Auf dem Marsch hierher war nicht? von Hereros zu bemerken. Für heute abend ist das Eintreffen von zwei Postsendungen aus der Heimat I angesagt.
% Zu den deutsch-österreichische« Hau» delsvertragS-Verhaudluuge« wird der ,Nat.- Ztg.' aus Wien gemeldet, daß ungefähr Mitte Mai in Berlin die Konferenzen zwischen den österreichischen und den deutschen Delegierten stattfinden werden, welche die erste Lesung des Ver-1 träges darstellen sollen.
■ * Bei der dritten L-sung des Etats der z
Eisenbahnverwaltung ist von dem Eisenbahnminister im Abg?ordnetenbcmse die Mitteilung gemacht worden, daß die Staatsregierung mit Allerhöchster Ermächtigung in den nächsten Tagen dem Landtage' eine Vorlage machen werde, durch welche die Bereitstellung einer Summe von 3 Millionen Mark zur staatlichen Förderung einer von dem Verbände der Bezirksvereine der Staatseisenbahnbediensteten geplanten Kraukenz«-
I kchnhkasse erbeten wird. Der genannte Verband ist gegründet, um auf dem Wege der Selbsthilfe überall da ergänzende Einrichtungen zur besonderen Fürsorge in Krankheils-, Sterbe- fällen u. s. w. zu schaffen, wo dazu ein Be- I eürfnis oorlbgt, die Kräfte einzelner oder auch I engerer örtlicher Vereine aber hierzu nicht aus- I reichen. Als erste Veranstaltung dieser Art ist eine Krankenzuschußkaffe in Aussicht genommen und bereits in der Vorbereitung begriffen. Die Kaffe soll in erster Reihe zur Versicherung eines j Zuschusses zu dem Krankengelde für die in den
rüchevde Strauß der freundlichen Gemüsehändlerin Den Arbeitstisch zierte, da war wenigstens durch die Außen- wtlt ein Schimmer von Frodfi-n in ihre Herze» gedrungen mid hatte ihre Zuversicht gehoben.
J-tzr aber verdoppelte die Trauer in der Natur und die Unfreundlichkeit um sie her noch die Miß' tzimmung im Innern. Die Räume, welche das späv lich eindringende Dämmerlicht karm erhellte, wäret feucht und kalt kotz des FeuerchenS, das man stunden weise, mehr erlaubte das Heizmaterial nicht, anzündetr
Damit Sie Arbeit nicht unterbrochen würde, brannt die Lampe schon um drei Uhr nachmitttags. oftmal beinahe den ganzen Tag. Dies war eine Mehrausgabe, die den Berdieuft um vieles schmälerte.
Dem trüben November folgte ein bitterkalter Dezember mit EiS und Schnee. Die arme Familie litt grauenvoll darunter, denn keines von ihnen »lsaß warme Kleidungsstücke; die Betten hatten uvr ganz dünne, leichte D-cken. AIS daS Mißgeschick über sie hereinbrach, war es Frühling gewesen; niemand hatte erwartet, daß eS bis über die schöne Jahreszeit brn- aus dauern könnte. Dann mußte grau Mareskat längst zurück sein mit dem Seide, das aller Verlegenheit ein Ende machte.
Es war anders gekommen!
Jetzt lernte Poupee die echte, rechte Not kennen. | Wenn sie gezwungen war, bei diesem SBinterrodut ! die Wäsche' zu besorgen, wenn ihc sonst so feit en Finger, die jetzt von Frostbeulen starrten, in Berührung mit der Seife und dem eisigen Wüster kamen, dann zuck.e sie ost vor Schmerz zusammen und sützue kotz aller Selbstbeherrschung die Tränen über ihre blaffen Wange« rinnen. Aber tapfer kränkte sie diese un- willkurlichrn Zeugen löiperlichen Leids; — sie hatte gern noch mehr «duldet, wenn damit die baldige Rückkehr der geliebten Mutter zu «kaufen gewesen wäre.
Nach langem Harren traf endlich eine Antwort I der französischen Botschaft ein; diese war aber nicht I danach angetan, die Besorgnisse der unglücklichen Familie zu heben. Im Gegenteil öffnete sie dm schlimmsten ! Befürchtungen Tür und Tor. (5- f)
Ueberroeifungen und Matrikularumlagen bleiben bestehen, wenn auch nicht in dem bisherigen Imfange. Da das Geld zumeist doch nur auf dem Papier hin- und hergeschoben und nicht etwa die Ueberweisungssteuern den Bundesstaaten in »ar ausgezahlt wurden noch anderseits die Bundesstaaten die vollen etatsmäßigen Matrikular- Umlagen bat an die Reichskaffe zahlten, wohl aber Zinsoerluste für die vorschußweise zu leistenden Matrikala, umlagen zu tragen hatten, so wird mit der Neuregelung eine Vereinfachung und größere Klarheit in unserem Finanzwesen erzielt, ohne daß grundsätzlich etwas daran geändert wird. Die Bestimmung bet Regierungsvorlage, wonach die Bundesstaaten tn der Regel nicht mehr an Matrikularumlagen zahlen sollten, als sie in den fünf Vorjahren an lebetroeifungen erhalten hatten, war der Anfang einer grundsätzlichen Umwälzung des R.ichtfiuanz- wesens und die Vorbereitung neuer hoher R'ichs- teuern. Sie wurde aber tn der Kommission
monatsbcilage: „ßuldaer Geschichkblätter"
t wochenbeiiage:„Illustrierte Sonntagrzettung"
Dir Bedeutung dieses Gesetzes ist kurz folgende. Die Frankeasteinsche Klausel, wonach die" Einnahmen aus den Zöllen, der Tabaksteuer, der Branntweinoerbrauchsabaabe und der Reichs emprlsteuer bi» auf. 130 Millionen den Bundesstaaten zu überweisen sind, wird für die Zölle und die Tabaksteuer aufgehoben. Alle Einnahmen aus diesen verbleiben also künftig dem Reiche. Als Ueberwetsungssteuern bleiben bestehen 1) die Stempelabgaben mit etwa 80 Millionen. 2) die Branntweiiwerbrüuchs- ebgabe mit etwa 106 Millionen; es tritt nun hinzu 3) die Matschbotttchsteuer mit 14 Mill, jährlich, die bisher dem Reiche verblieben. Die Üeberweisungen sollen also künftig rvnd 200 Millionen betragen. Die Regierungsvorlage »ollte bekanntlich nur die Branntweinverbrauchr- abgabe mit 106 Millionen als Urberweisungs- fiewr beibehatten. Der Kommisfionsbefchluß hat den Betrag also wesentlich erhöht und damit das Budgeirecht des Reichstags in höherem Maße gesichert und zugleich den Einfluß der Bundesstaaten auf die Finanzpolitik erhalten, ohne ihre Klagen über allzu beschwerliche Haftung für Ausfälle bei Ueberwersungssteue-n und über das Schwanken in den Anforderungen des Reiches
3n$tigen: Vie eht« fpotfige petttzeii« »der bereit Hau« 15 psg. Reklamen diepetlftelle 25 Psg.; bei wieder- i?Ölungen wirb entfpr Heben gewährt.
druck und Verlag de ZuldaerArttendruckere in Zulda (^armowie)
zernfprecher Ur. 9.
einstimmig abgelehnt. Die Bundesstaaten sind somit nach wie vor haftbar für Fehlbeträge im Reichshaushalte und können angehalten werden, sie durch Siatriturlarumlagen zu decken.
Angenommen ist mit dem Gesetzentwürfe der Kommission endlich der Vorschlag des Regierungs- entwurss, etwaige Ueberschüffe aus den Vorjahren, soweit im Etatsgesetze nicht anders bestimmt wird, zur Deckung gemeinschaftlicher außerordentlicher Ausgaben, b. h. zur Schuldentilgung oder zur Ermäßwung der Anleche zu verwenden. Daneben bleibt noch de Bestimmung des Schuldentilgungs- gesetzes von 1903 bestehen, wonach die das Etatssoll übersteigenden Uebetroeif ungen zur Tilgung der Zuschußanleihe zu verwenden find. Die Regierungsvorlage wollte diese Bestimmung aufoeben, weil nach Einschränkung der Franken> stein'schen Klausel auf erhebliche Ueberschüffe bei den Üeberweisungen nicht mehr zu rechnen fei. Wir haben also noch zwei Arten der Verwen. „bvng von 8eb?rschüffen: Die -Ueberschüffe bei Ten Ägenen Einnahmen des Reiches sollen zur Schuldentilgung ober Herabsetzung der Anleihe, ; die Ueberschüffe bei den Üeberweisungen sollen i zur Beseitigung der Zuschußanleihe verwendet werden. Uebrigens werden die Ueberschüffe im eigenen Haushalt des Reichs von vornherein i schon dadurch eingeschränkt, daß zunächst etwaige , ungedeckte Matrikularumlagen daraus erstattet ! werden sollen. Man will also die Bundes- > stauten möglichst davor bewahren, daß sie wehr ! Matrikularumlagen zahlen müffen, als eigentlich . notwendig gewesen wäre. Solange wir in der . Defizit-Periode leben, wird das freilich nicht oor-
)( Vie Reichsfinanzresorm.
Die Budgetkommission des Reichstags hat «n Mittwoch die Beratung der Finanzreform »orlage beendet. Das Ergebnis ist folgender auf Antrag der Zentrumsabgeordneten Müller- Fulda und Speck mit erheblichen Mehrheiten Geschloffener Gesetzentwurf:
§ i.
Die Vorschriften über die Ucberweisunq eines LeileS des Ertrags der Zölle und her Tabaksteu^c an die Bundesstaaten (§ 8 des durch die Bekanntmachung »om 24. Mai 1885, Rechs Gesetz«. D. Ill, veröffent- üchten Zolltarifgesetzesi werden aufgehoben.
Der 8t einer trag der Maischbottichsteuer und Ma. terialsteuer ist den einzelnen Bundesstaaten nach Maßgabe der matrikularmäßigeu Bevölkerung, mtt welcher sie zum Gebiete der Brauntweinfieuergerneinschaft ge- hören, zu überweisen.
§ 2.
Artikel 70 der Verfassung erhält folgende Faffung: Artikel 70.
qut Bestreitung aller gemeinschaftlichen Ausgaben »jenen zunächst die aus den -Zöllen und gemeinsamen Steuern, aus dem Eisenbahn-, Post- und Telegraphen- mesen, sowie aus den übrigen Berwaltungszweigen stiebenden gemeinschaftlichen Einnahmen. Insoweit die Ausgaben durch diese Einnahmen nicht gedeckt werden, sind sie durch Beiträge der einzelnen Bundesstaaten nach Maßgabe ihrer Bevölkerung aufzubringen, welche in Höbe deS budgetmäßigen Betrages durch den Reichskanzler ausgeschrieben werden. Insoweit diese Beiträge tn den Urberweisunzen keine Deckung finden, sind sie den Bundesstaaten vor JahreSschluß in dem Maße zu erstatten, als die übrigen ordentlichen Einnahmen deS Reiches dessen Bedarf übersteigen.
Etwaige Ueberschüffe aus den Vorjahren dienen, »soweit durch das Gesetz über den ReichshauShalts- rtat nicht ein anderes bestimmt wird, zur Deckung Gemeinschaftlicher außerordentlicher Ausgaben."
§ 3-
Das Gesetz tritt mit Wirkung vom 1. April 1904 in Kraft.
Deutsches Reich
Berlin, den 27. April 1904.
* Die Verluste bei der Kolouue Glase- uapft Die Besorgnisse, welche die Nachrichten von dem Ausbruch einer Tpphusepibemie bei unseren Truppen in Südwestarrtka erreat haben, reine Ooal ihres Gesichtes entstell-. Die dunkel um
ränderten Augen blickten düster, der vergrämte Mund schien sich stets zum Schluchzen verziehen zu wollen. A.ich ihre sonst so schlanke Figur beugte sich m rklich, und ein trockener, scharfer Husten krampfte ost b.e Brust zusammen. Der stets aufmerksame Doktor sprach von Bleichsucht.....
Die Bleich uchkl Ist sie n.cht die Vorläuferin der Auszehrung, dieses ,chrecklichrn Nebels. das unter der Pariser Arbeiterbevölkerung iah; ans jahrein Tagende von Ops in h nwegraff»? Poupee wußte dies glücklich rweise nicht, aber der erfahrene Arzt beklagte sein Unvermögen, hie- nicht wirksam htt'en zu könnrn. Die nötigen Heilmittel, ausreichende Pflege, die angewandt werden mußten, konnten die Mareska s nicht bestreiten. Es war ihm auch nicht vergönnt, so ost, wie er gewollt hätte, diese Kranke zu besuchen, da er auf feine Zeit und sei > Säuren für den eigenen Unterhalt angewiesen war. Wie oft hatte er schon bedauert, daß er nicht reich sei; er hätte so gern seine ganze Kunst den Armen und Elenden gewidmet, ihnen für Gottes Lehn in ihren Schmerzen uno Leiden beigestanden.
Er tat für Isabella, was er konnte, und diefts Wenige wurde dankbar an-rkannt.
Las Gleiche galt für den Vikar Prtval
Aber Not und Mangel macken scharfsichtig: Maria-Angela hatte, feinfühlig, wie sie von Natur aus schon war, bald entdeckt, daß der fromme Pr-ester in seiner Mildtätigkeit oftmals seine Mittel überstieg, und di-fe Wahrnehmung tat ihrer bisherigen Offenherzigkeit Abbruch. Es hätte ja auch einer zu großen Summe bedurft, um alles Ersvrderltche herbeizu'chas- sen. Das Uebel, daS sich bei Isabella in so auffallender Weise zeigte, drohte nicht mntoer den Klemen Peter und die Mädchen waren im Alter deS Wackiens und die mangelhafte Ernährung konnte aua, ihnen äußerst verhängmSaoll werden; Maria Angela verhehlte es sich nicht. Herr Mareskat nahm täglich mehr ab.
Poupee selbst wurde durch ihr Gottoertrauen, ihren stählernen Mut aufrecht erhalten, wenn anch ihr Körper
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Verantwortlicher «tzriftteiter:Zos.vau«,
unter dec L'st der Arbeit und unter der Unzulänglichkeit der Nahrung viel ausstehen müß e. Sie zeigte sich stets heiter und gut gtlatr t, so schwer es ihr auch ost wurde, und suckke auch len anderen Vertrauen und Ergebung einzuflößen.
Unsägliche Mühe gab sie sich um Isabella, deren körperliche- @tfd>!um der tratkr Geist verschuldete.
.Liebe Schwester," pflegte sie des Abends zu sagen, wenn die übrigen sich zm Ruhe begehen hatten und auch ihr Tagewerk beendet war, „du avr.st nicht, wie t- au rn tu mich machst nut deiner N edergeschlagenheit, deiner Verzweiflung. Denke doch, was unsere gute Mutter fühlen wild, wenn sie dich so leioend an- trifft..... Zu all' ihrer Mühe uno Sorge wird
dieses einen neuen Kummer hinzusügen."
„Mutter kommt nicht wieder I" antwortete Isabella
„O still, still! Sage so etwas nicht .... Gott könnte dich straten!"
„Wozu soll ich mir Illusionen machen?"
.Das find keine Illusionen. Ich fühle eS in meinem Herzen, eS ist Wahrheit, wir werden sie Wiedersehen . - . .*
„Desto bester für lick! Mag dieses eingebildete Vertrauen dir helfen, weiter zu leben! Ich kann es nicht teilen."
„ES wäre schrecklich, wenn du recht hättest. Aber ich bin überzeugt, wenn die Mutier gestorben wäre, so Härte mein H-rz er mich empfinden last n. Ihre Seele hätte die meinige nach sich gezogen. Ich »ühle jedoch, sie lebt, sie kommt wi der, und darum habe ich | Hoffnung und Vertrauen!" Jabllla schwieg; sie ließ sich nicht überreden. Der W-nter fian» vor der Tür. Schon bedeckren die Blätter der großen Kastanie' - bäume den Booen der Lustgärten und der bre ten Älleerstraßen. Die letzten Rosen beugten die Köpfe und welkten in der rauhen Lust, die bleiche Sonne verschwand tagelang hinter einem dichten Nebelschleier.
Nichts erheiterte daS Elner-ei deS mühevollen Ds- feinS in der ärmlichen B-Hausung.
Als bei ihrem Einzüge das toatxie, sonnige Licht I durch die kleinen Fenster schien, als der bunte, wohl-