uldaer M Zeitung
31. Jahrgang.
zulLa. Samstag, den 23. April 1904.
M 92
Erstes Blatt ।
Die Erschießung zweier japanische Offiziere wegen Spionage meldet folge« des Telegramm des Generals Kuropaikin an fr« Zaren: “ AllemnLertänigft melde ich @trc. Majestät, daß die japanischen Offiziere Stchew* Jukoka und Teika Oki in der Nähe der Station Turschicha festgenommen wurden^ welche drei Schachteln mit Biekfordscher Zünd* schnür, einen französischen Schraubenschlüssel, Dynamitpatronen, Werkzeuge zur Zerstörung der Bahn, l1/* Pud Pycoxlin, gute Pläne der Mongolei, der Mandschurei und Nordkoreas sowie Notizbücher bei siä- hatten. Sie wurde« von dem zeitweiligen Kriegsgericht in Eharbm am 20. April schuldig befunden, daß sie als zur japanischen, gegen Nußland operierenden Armee gehörig, in der Absicht, zwecks Förderung der Erfolge dieser Armee die russischer: Eisenbahn- und Tele-- graphenbauten zu zerstören oder zu beschädige», mit verschiedenen Gerätschaften zur Beschädigung do« Bauten ausgerüstet heimlich in das Gebiet der Mandschurei eindrangen, wo sie von ruffisch« Stieiswachen 30 Werst südwestlich non der Station Turschicha an der ostchinesische« Eisenbahn festgenommen wurden. Sie trüge» bei ihrer Verhaftung mongolische Kleidung, die sie angelegt hatten, um ihre Nationalität un» ihre Zugehörigkeit zur japanischen Lrm .e zu verbargen. Für die erwähnte Handlung sind Jukoka und Oki laut dem zweiten Teil de
td.'Urorratifches Montags
Bernstein vom 2. Mar i ,NeueS Moutagsdlaitz
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woch«ibeiias-:„dlluftristte5onntagrzeitung"
monatsMiose: „8ul-aer GrfchichtrblStter"
veutsches Reich.
Berlin, den 22. April 1904,
* Der Budgelkorumission des Reichstage» ist eine Zusamw eust-lluna der vorn Reichstage vorgenommeren Abstriche beim ordentlichen Etat zuaegangen. Die betrugen in den Rechnung j-hrrn 1880/1903 bei den fortdauernden Aus.laben 40744 734 Mark, bei den drmtali en Ausoa^n 106 289 335 Mk., zusammen a so über 147 Millionen Mark. Der 20jähriar Durchschnitt der Abstriche beläuft sich von 1884 b s 1903 auf 6,5 M llionen Mark, der lujcfcrtce Durchschnitt v- n 1894/95 bis 1903 auf 8,4 Million n Mark.
* Der Unterrichtsminister hat in einem Erlaß an die höheren Lehranstalten auf die Notwendigkeit der Pflege einer guten und leserlichen Handschrift hirgewiesen. In dieser Verfügung heißt es u a.: ..Weit über die Grenzen der Schule hinaus hat eine unleserliche Handschrift schon oft im privaten und amtlichen Verkehr derartigen Anstoß erregt, daß sie allein dem Fortkommen von Schülern der höheren Lehran- ftalten hindernd im Wege stand. Bei der Durchsicht von Aufsätzen und Reinschriften jeder Art ist regelmäßig auch das Aeußere angemessen zu berücksichtigen. Arbeiten, die schon bei der Einlieferung durch Flüchtigkeit oder Unordentlichkeit der Schrift auffallen, sino zurückzuweifen. F rlan ist allgemein sowohl in die gewöhnlichen Zeugnisse bis zur Obetprrma, als" auch in die Reife zeugniffe ein Urteil über die Handschrift des Schülers aufzunehmen."
** Zur Verhaftung der Direktoren Schultz «ud Romeick wird weiter gemeldet, daß das Gericht beschlossen hat, beide gegen Kaution aus der Untersuchungshaft zu entlassen. Von den Verteidigern der genannten früheren Direktoren der Pommernkmnk war sofort nach der vor, uns gemeldeten Verhaftung ein Antrag auf Haftentlassung gestellt worden, in welchem der Fluchtverdacht als völlig unbegründet dar- gestellt wurde. Die Strafkammer beschloß, de« Haftbefehl bestehen zu lassen, ihn aber aufzuheben, wenn für den.Angeklagten Schultz eine Bürgschaft von 100 000 Mark, für Rom ick eine solche von 30 000 Mark geleistet wird. Die geforderten Summen werden voraussichtlich bis Montag beschafft werden.
Kr. > inen klassischen Beweis von „Boranssetzungslkfigkeit" li serr das.Leipziger Tageblatt' in Nr. 184. Es schreibt:
„Sinen Artikel über die Jrjütten von einem t?atholi!en wünschen wir uns für unsere Leser. ftmmer wieder be> geanet in katholischer Rede unS der Vorwurf der ttn- wiffenheit in ka.holiichen Dingen, des mangelnden Ber- ftändniffes für katholische Eigrnarl. Nun möchten wir gern unseren Lesern ein reckt klares und richtige:'; Bild von den Jesuiten geben und fordern daher die .Trierische Landeszeilung' oder die .Germania" oder die .Kölmsche Bolkszeitung' auf, den besten und begeistertsten katholischen Schriftsteller zu ersuchen, uns mit oder ohne seinen Namen die glänzendste, klarste Schilderung der Prinzipien, der Organisation und der Arbeit drS Ordens der Gesellschaft Jesu zu schreiben. Wir verpflichten mm?, nichts davon noch dazu zu tun. Wir werden in der Besprechung des Artikels nur aus den in ihm selbst entwickelten Gedanken und Tatsachen nachwersen, warum wir Gegner der Jesuiten sind und bleiben müssen".
Also das .Leipziger Tageblatt' weiß schon, ehe der Artikel überhaupt geschrieben ist, daß es „Gegner der Jesuiten" ist und das nennt man „voraussetzungslos". Interessant ist ferner, rote das Blatt in ein und demselben Satze „mangelndes Verständnis für katholische Eigenart" zugibt und dennoch sich ein abfälliges Urteil erlauben will.
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* Gin f»j • blatt will ab unter dem £
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-tzermchm« öa le» .yjÄStiertage. viertel- Mck.V«rn«»p»el» äjftt vringerlod« und Bestellgeld in Mda und ^Aiwärtrl Mk. 50 psg.
verantwortlicher
heraus geben. T - utt soll sich nicht nur durch seine Tendenz, -v'-v n auch durch verschiedene
Ln,eigen: Vie ei» spaltige Petitzeile oder deren H<mm 15 psg. Stflamen die petitzev« 25 psg.; bei Dieder- Holungen wird entspr.
Rabatt gewährt. ,
Druck und v«lag de» ZuIdaerAetiendruckerri in 8»lda (tzarwouiel Zerusprecher M. 4.
pro Liter erhoben und die Einfuhr nur bis zu einel gewissen Grenze gest- tttt lln Gewehren erhielten dii schwarzen nur Steinschloßgewehre. Diese Waffe sei weniger gefährlich als ein vergifteter Pferl.
Ädg. Dasbach (8) fordert ein völlige? Verbot der Ginfuhr von Spirituosen. Was nutzte ^die ganze Kulturarbeit in unseren Ko'or.ien, wenn die Schwarzen durch das schlechte Beispitt vieler Weißen und durch die Branntweinpest verdorben würden.
Der Etat für Kamerun wird bewilligt; ebenso der Mat für Togo.
ES folgt die Beratung des Etats für sudwcst- afrika in Verbindung mit den durch den Krieg geye» die Hereros notwendig gewordenen Nachtrags» e l a t s.
Abg. Besrl (Soz.) erklärt. er wolle heute auf die Vorgänge in Südwestafcika nicht me;r eingehen. Bis zur 3. Lesung werde dre Kolanialverwaltung wohl mehr tatsächliches Material vorlegen können.
Abg. Frhr. v. Nichthofe« skons.) versichert der Regierung die weitgehendste Unrerstätzung zur Niederwerfung der Hereros.
Ministerialdirektor Stüde! spricht seinen Dan! für diese lKrklärung aus.
In einer längeren Dittussion wird hierauf über die R forwoedürstigken der formalen Gestaltung de§ Kolon-aletats gesprochen.
Koloniaidirektor Stübel erkennt an, daß eme Aenderung notwendig fei.
Das Haus beschließt hierauf, seinerseits von e uer Aenderung der Bestimmungen über die Reservefonds, die von der Kommission vorgeschlagen waren, abzu» sehen.
Äbg. Rogalla von Bieberflei« (tonf.) beklagt ich, daß bei den Ankäufen ostvreußischer Pferde für den Krieg gegen die HereroS be bäuerlichen Besitzer in unerhörter Werse durch die jüdischen Händler übervorteilt seien. D.cse hätten Wind von den beab- ichtigten Pferdear-käufen bekommen und den Bauern dann' unter der Vorspiegelung, es handele sich «r Käufe für Bergwerke, für billiges Geld die Pferde aw dem Stalle geholt und an die Heeresverwalkung »ei E^Solomaldirrkto: Stübel stellte in Aussicht, daß d< Kriegsminister sich zu dieser Geschichte bei der dritte Lesung Satze! n werde.
Hierauf wurde di« „Entschädrgungsfrage" «l geschnitten. Die Kommission bat bekanntlich den Äus- druck .Eatschädigungeu" beseitigt. Sie will die beantragten 2 Millionen nur bewilligen zu Darlehen <® Geschädigte, sow-e zu Hilfeleistungen an Bedürftige aus Anlaß der Verluste infolge des SmgefcoienenaMfc standes.
Abg. v. Staudy (kons.) beantragt, den Fonds zu verwende« »zu Darlehen, sowie zur Hrlfele-stunz von Personen, welche aus Anlaß des EingeboroNenauf- staudeS geschädigt worden oder hilfsbedürftig geworden, find".
Kolonialdirektor Dr. Stübel bittet, diese« Antrag anzunehmen. „ _
Abg. Dr. Paasche (ntlb.) und Abg. Gras «reiw (Rp.) treten für den Antrag Staudy ein, der vom Abg. Payer (südd. Bp.) bekämpft wurde.
Abg. Gröber -Zentrum) trat mit großer Eut- schiedenheit für die Aufrechterhaltung des KommisfionS- bescklufles ein. Die Er.tschäSigurigen, die hier gefordert würden, müßten durch indirekte Steuern »ms Leute» aufgebracht werden, die sich vielfach auch nicht in glänzenden Berhältniffen befänden; es gebe nicht an,, auch Leuten, die es gar nicht nötig hätten, Schenkungen aus diesem Fonds zu machen, einfach aus dem Grunde, weil sie durch den Aufstand geschädigt worden seren. Wenn in Deutschland elementare Unglücksfälle, z. B.. Ueberschwewmunge» vorkäwen, sei man auch nicht so freigebig, und bet früheren kleineren Ausständen in de«. Kolonieen sei von derartigen weitgehenden Entschädigungsansprüchen auf keine Rede gewesen.
Auf eine Anfrage des Ab«. Ledebour (@.) teilte Kolonialdirektor Dr. Stübel noch wir, daß rat Aufstandsgebiete 526 entschädigungsberechtigte Weche (314 Farmer, 168 Kaufleute und 44 Missionarei ansässig ^seien, so daß auf den Kopf zirka 4000 Mk. entfallen würden. .....
Der Kommissionsantrag wurde schließlich angenommen. ,
Morgen: Fortsetzung der Etatsderatung und «ev. lausgesetz.
ass:
ricen- Rubriken von den zurzeit in Berlm vrr- öffenrltcht-n Monmpsdlättern unierichetden.
K C, dies« Weisheit! DaS .Brrlwer Tageblatt' mbi seinen Lesern in Nr 29 des .Weitspiegel' einige „JesuttendilÄer" zunr Besten und Inster sich dabei in dem dea-ertenden Arukec folgenaen hochwerien Satz: „ittarürttch wird je er Schultag (!!) mit Gebet in der Schul- kapellr begonr-en und geschloffen, sonst (!!) unterscheidet sich der -Unterricht kau a von dem in anderen von Geistlichen geleiteten Jnflilu en." — Daß jeder Christ fe il Tagewerk mit vüebet d ginnen und schueßen soll, einerlei ob Schultag oder Sonntag ist, scheine dem jüdifcken Blatte etwas ganz imbetrnnteS zu sein, ebenso daß das «ememfckaflllche Morgen- und Adendaebel auch in „anderen een Geist icken geleiteten Instituten Brauch ist. Ei geht doch nichts über ene „gründliche" Kenntnis!
* „Goethe »«d das Je'uiteagesetz". Unter dreier Ueberschrift veröffentlicht die,Kreuz- zrg.' folgende Zuschrift aus dem Herzogtum Gotha: Zn „Dichtung und Wahrheit" Buch 9 (Eattasche Ausgabe Band 11 Seite 134) kommt Goethe auf die Ausroeisur-a der Jefmten aus Straßburg zu sprechen. Nachdem er da§ Behagen, das die Protestanten bei ihrem At-zug empfanden, geschildet hat, fügt er d-nzu: „Wie froh sind die Menschen, wenn sie einen W der- facher, ja nur einen Hüter los sind, und sie Heerde bedenkt nicht, daß da, wo der Rade fehlt, sie den Wölfen ausgesetzt ist " A.,s diesen Watten Goethes ergibt sich unzaseid utig, welche Stellung er heute zu der Erregung, die sich cn die Aufhebung von § 2 des Jesuitengesetzes ge knüpft hat, eincenornmen haben würde. Zs kann demgegenüber nicht verfangen, wenn man Goethes nationalen Standpunkt anzweifelst Denn seine Worte beziehen sich auf d:e Jesuiten in Frankreich, weit Dtraßdurg damals französisch war. Nicht um Goethes nationalen Standpunkt, sondern um seinen Kulturftandpankt handelt es sich hier. Wenn man darin von ihm lernen will, d2nn muß man endlich aufhören zu meinen, düß maa durch Jahrhunderte gehenden geistigen BewcgunLM mit den Machttniürln des StaLteZ beisonmm könne. Religiöse, kirchliche, geistige und kulturelle Fragen lasten sich nicht durch Gesetz?.-Paragraphen lösen. Hier lag der Fehler des KulkmkaMpfes, um besten willen es verloren gehen mußte. Hat unser Geschlecht feine Lehre wieder vergessen?
[*] Der März hat, wie auch der Bericht des ,Rerchsarbeitsbl/ bestätigt, eine wettere Hebung der an sich nicht ungünstigen Arbeitslage gebracht, die mit der vollen Wiederaufnahme der Bautätigkeit und der erhöhten Tätigkett in der Bekleld mgsbranche anläßlich des Osterfestes in Zusammenhang steht und alljährlich in ähnlicher Weise einzutreten pflegt. Im Vergleich mit dem März des Vorjahres war die Lage deZ Arbeüs- marktks nicht unerheblch günstiger. In der Rch- eisenindustrie hat die Flanhttt der letzten Monate einem flotteren Geschäftsgang Platz gemacht. Die übrige Eisenindustrie und die Maschinenindustrie hat in den meisten Branchen genügende Be- sckästigung. Im Kühlenbe: gbau ist die leichte Abschwächung der Konjunktur noch nicht vorüber; der günstige Beichäftigungsgrad der letzten Monate des 'Vorjahres ist bisher nicht wieder erreicht. Unverändert günstig war der Arbeitsmarkt in der elektrischen Industrie. Die Textilindustrie war auch im März wieder heftigen Sckwankungen ausgesetzt; ohne daß jedoch die Schwan.ungen zur Zeit auf die Beschäftigung der Arbeiter einen Einfluß ausgeübt hätten. Die Beschäfttgungs- ziffer auf Grund der Nachroeisungen der Kranken- kaffen stieg im März um 91.794 Personen. Die Berichte und dis Vermirtelungseraebniffe der Arbeitsnachweise laffen eine normale Entwickelung der Arbritslage erkennen. Bei den Fachoerbändrn, welche an das kaiserliche statistische Amt berichten, waren am 31. März nur 1,9 Prozent der Mit' glieder arbeitslos. Die Einnahmen aus dem Güterverkehr der deutschm Eisenbahnen waren im März dieses Jahres um 8.555.208 Mk. höher als im März 1903, das sind 160 Mark oder 7,29 Prozent mehr auf den Kilometer.
* Die neuen Fünfzigpfeouigftrirke. Die 9. Kommission des Reichstages verbandelte dieser Tage über die Novelle vom 9. Juli 1873.
Daz« lagen der Kommission einige Anträge vor. Die Zentrumsabgeordneten Grzberger, Watlendorff, Osel und Schwarze (Lippstadt) beantragten, die .Drei- Markstücke" (den Taler) wieder in unser Münzsystem auszuvehmen und die dementsprechenden Aendernngen der Münznoorlle zn treffe«: 1. von allen bereits her- gestellten und noch vorhandenen Probestückeuneuer Fünfzigpfennigstücke der Komnttsstvn einige Stücke zur Ansicht zu überweisen. 2. einen Satz aller zur Zeit gütigen Scheidemünzen der Deutschland benachbarren Staaten, die zu Verwechslungen mit den jetzigen oder zukünftigen Fünfzigpfennigstücke« V>- laß geben könnten, der Komwisfion tu überweisen, 3. die probeweise Ausprägung eines Fü«spsennigstückrs mit enrem Dnrchmeffer »sw etwa 22'/, Millimeter, in
** Ein telegraphischer Hast- bezw. Vsrsüh- rungs-Befehl gegen den Grafen Pückler- Klein-Tschirne, der gegenwärtig in Berlin weilt, wurde am Donnerstag aus Antrag der Staatsanwaltschaft von der Strafkammer des Landgerichtes in Glogau erlaffen. Vor diesem berichte sollte sich Graf Pückler wegen öffentlicher Beleidigung des Stationsvorstehers in Kl.-Tschirne verantworten. In dieser Sache stand bereits vor 8 Tagen Termin an, der jedoch vertagt werden mußte, weil der Angeklagte nicht erschienen war. Da Graf Pückler auch in der erneut angesetzten .Verhandlung trotz ordnungsmäßig erfolgter Ladung au-ott« >, wurde ttne Verhaftung und Vorfüh- e Verhaftung erfolgte heute Bristol
73. Sitzung vom 22. April 1904.
Eröffnung l1,« Uhr.
Der Etat des Reichsmilitärgerichts wird dedattelos genehmigt.
Eine Rerbe von Petitionen der bei den höheren Reichsbeüördenangestellte» expedierenden Sekretäre und Kalkulatoren wird der Regierung zur Berückstchtignug überwiesen.
Ohne Debaite wird dann die erste Rate für die Tttegraphenlluie Tambora-St. Michael Marassa bewillig:.
Hierauf tritt das Haus in die 2. Lrsunz des Etats für die Schutzgebiete ein.
Ohne Debatte wird der Etat für Südwestafrika bewilligt.
Bttm Etat „Kamera«" schneidet
Abg. Graf Arnim >Rp.) die Frage der Einfuhr vrn Eprrttuosen und Gewebren inunserenKolonien an.
Lolonraldirektor Stabet erklärt, ein völliges Verbot der Einfuhr von Spirituose« sei mit Rücksicht auf die Jntereffe« des deutschen Haudcls nicht durchführbar. Es «erde aber ein Zull »on 75 Pfennigen
zwei Legierung'«, zu 600= und 750tausendflel fein, ver- antoff n zu wollen und Probostiick^: der Kommission zu- geben zu laffen. Staatssekretär ft. hr. v. Stengel führte aus, der Reichstag habe nicht über die Form zu entscheiden, er solle nur die Aenderung im Feingehalt guthe ßen. Die probew -ise Aukpräguna würde zu mel Zeit erfordern. Ab«. Dr. Arendt (Rercksp.) betont die No'.wendrgkeit, vor allem hand-reifl cke Unterscheidungen zu schaffen; dre P.ägungsunterschiede 'eien allein nicht ausreichend. Dir kleinen Lewe müßten so geschützt werden, duß jede Verwechslung, feteft im Dunkeln, unn öglich sei. Der Unierschied muffe daher in der Form gesucht werden. D u r ch! o ch t e R ckelmünzen würden am besten helfe«, sie seien in Belgien duichgesührt. Abg. Wurm (sozd.) erklärte gleichfalls eine durchgreifende Ael de.ung d r Form für »ringend nötig; die Regierung solle Probemäuze» her- stellen. Gegen die Durchlochung bade er Bedenken; eine M lliarde der Stücke »ei im Verkehr, eine Dezimierung kostspielig, sonst würde man fie schon wieder abgeschufft haben. Man berese in Belgien di:Turch- lochung längst; sie sei ein Schmutzfänger. Abg. Raab (Wirtsch. Vgg ) wü sch'e erhebt c; geänderte Fünfzig' Pfennigstücke, sonst eine Durchlochung der Sttdermünze. Abg. Dr. Arendt <Reichsp.) Ip-ach die Ueberzeugung auS, daß für unsere Münzstätten die ümprägung einer Milliarde kene besonders große Leistung sei; die Kosten seren durch Verminderung des N ckttgrdaltes auszugleichen; der Schmutz sammele sich auch bei andern Münzen «bg. Osel (Z'.r.) bezeichnere oie Durchlockung als gesundhei-kgefätzrlich. Abg. Wattendolff (Ztr.) empfahl Durchlochung der NickelmLnzen. Münzen mit scharfer Prägung sammelten auch Bazillen. Stack §- sek'.elär Frhr. v. Srengel bat um Annahme der Vorlage. Äbg. Kern (Hosp, der Kons.) trat für Durchlochung und eine deuiestfprecher.de Refolutwn ent. Abg. Dr. Böliger (natl.) verwarf die Durchlockung, empfahl aber die vorgefchlagen; Prägurg. Abg. Tßiele ssozd.): Die Schwierigkeiten und dir Kosten der Um« Prägung bei einet Lockung würden ihn nichl schrecken, d e'e fe> aber ein Rückschritt und gesundheitZschädliLy. Auf Antrag des Abg. Dr. Arend (Reichsp.) wurde von einer Reschlußfassung abgesehen und der Schatzsekretär ersucht, b § zur nächsten Sitzung Ärovestücks anfertigen zu lassen. Der Rerchsschatz- feireiär Frbt. v. Stenzel erklärte sich bereit, etwaige präzisierte Vorschläge auszuführen.
* lieber die Gefangenen Sanr«rclLraus- pvrte auf Eisenbahnen hat der Minister des Innern im Einvernehmen mit den beteiligten Reffort - Ministern neue allgemeine Vorschriften, die mit dem 1. Mai d. I. in Kraft treten, erlassen. Hiernach hat der Sammeltransport von Gefangenen aus den Eisenbahnen durch besondere Zeüenwagen, die nach Maßgabe der von den zuständigen Eisenbahn-Behörden sestgestellten Fahrpläne in dte'Eisenbrhnzsigs eingestellt werden, zu erfolgen. Es wird angestrebt, durch derartige, regelmäßig laufende Gefangenenwagen sämtliche Straf-Anstalten und größeren Gerichte der Monarchie, zwischen denen sich erfahrungsgemäß die überwiegende Mehrzahl aller Transporte bewegt, miteinander in Verbindung zu setzen. Grund- sätziich können mit Sammeltransporten befördert werden: Strafgefangene, Untersuchungs-Gefangene, sowie Personen, die sich in Korrektionshast oder in polizeilicher Schutzhaft befinden, oder von der Polizei auf Grund eines Haftbefehles verhaftet oder vorläufig sestgenomwen find. Auch sind die Sammeltransporte für die auszuweifenden oder heimzuschaffenden Personen und alle sonstigen Zroangsbeiörderungen, sowie für Militär - Gefangene bestimmt. Im übrigen bat die Transport-Behörde bei jedem einzelnen Transporte, der das Sammeltransport-System berührt, sorgfältig zu prüfen, ob der Sammettransport oder der EinzellranSport nach Lage des besonderen Falles den Vorzug verdient. Bei den nicht mit Zuchthaus oder mit Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte bestraften Personen ist hierbei auf die Persönlichkeit und die Lebensstellung der Transportierten, sowie auf die Art der Straftat Rücksicht zu nehmen. Jeder Transportwagen enthält 11 Zellen, mehr als 24 Personen dürfen nicht aufgenommen werden. Ein Verkehr männlicher und weiblrcher Transportierten in dem Wagen ist ausgeschlossen. Jeder Transportwagen wird von einem Gesängnis-Beamten begleitet.