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Druck und Verlag d« ZuldaerAetiendruckere in gulda (Ifarmotne) gernsprecher Nr. 9.
Suita, Montag, den 18. April 1904.
31. Jahrgang.
Berlin, den 16 April 1904.
* Im Abgeorduetenhuuse soll die dritte Beratung des Etats, wie man annimmt, in dieser Woche bis zum Samstag (25. April) zu Ende geführt werden. Am Montag (27. April) dürfte unter dieser Voraussetzung die erste Beratung der wasserwirtschaftlichen Vorlagen ihren Anfang nehmen. In der Presse ist vom Zusammentritt des Seniorenkonvents behufs Regelung dec Geschäftsführung die Rede gewesen; bisher ist derselbe aber noch nicht einberufen worden. Der Gedanke, im Hochsommer eine Vertagung des Landtages bis zum Herbst eintreten zu lassen, gewinnt im Abgeordnetenhause immer mehr Anhänger, da die Unmöglichkeit, bis tief in den Hochsommer ein beschlußfähigis Haus nach dem Schluffe der Reichstagstagung zusammenzuhalten, stark befürchtet wird.
* DaS neue kkunstgesetz soll, wie die .Germania' aus zuverlässiger Quelle erfahren hat, schon im Mai dem Reichstags zugehen. Eine vorherige Veröffentlichung des Entwurfes, wie bei demPhotographiegesetz, wird nicht beabsichtigt. Die Regierung hat einige hervorragende Künstler der verschiedenen Zweige über ihre Wünsche gehört. Daraus, daß unter diesen sich auch Bau- künstler befanden, kann man jedenfalls entnehmen, daß das neue Kunstgesetz nicht grundsätzlich die Baukunst von jedem Urheberrecht lichen Schutze ausschließen wird, wie es das zurzeit noch geltende Kunstgesetz vom 9. Januar 1876 tut. Den Künstlern, welche von der Regierung befragt worden sind, ist über die Verhandlungen bis auf weiteres Schweigen auferlegt worden. Der Grund hierfür kann nur der sein, daß die Aeußerung von Wünschen aus Künstlerkreisen in einem möglichst bescheidenen Maße gehalten werden soll. Es sind indeffen in den Verbänden der bildenden Künstler und der Kvnstgewerbe- treibenden, sowie der von dem Gesetze nicht minder betroffenen Kunsthändler und Kunstverleger, bereits Vorbereitungen im Gange, um ihre Wünsche noch rechtzeitig zu verlautbaren.
*» Die zur Reichskasse gelangte Jstein- nahme, abzüglich der Ausfuhrvergütungen x. und der Verwaltungskosten, beträgt für die Zeit vom 1. April 1903 bis Ende März 1904 bei den nackbezeichnetenEinnahmen: Zölle 506 916 912 Mk. (+ 10 867 599 Mk.), Tabalsteuer 11 167 453 Mk. (— 920 879 Mk ), Zuckersteuer und Zuschlag 101941311 Mark (+ 3 643 492 Mark), Salzsteuer 52 181 077 Mark (+ 2 891 071 Mark), Maischbotlichsteuer 7 449 363 Mk. (— 6 608 031 Mk ), Verbrauchsabgabe von Branntwein und Zuschlag 103 920 624 Mk. (— 4 242 487 Mk.), Brenn steuer 158 160 Mk. (— 4 334 933 Mk.), Schaumweinsteuer (einschl. Nachsteuer) 3 803 156 Mk. (+ 1 002 247 Mk ), Brausteuer und lieber» gangSabgabe von Bier 29 060 368 M.(-s- 537 257
Mk ), Summe 816 598 423 Mk. (+ 2 835 336 Mark). — Spielkartenstempel 1 574 708 Mark (— 28 658 Mark).
** Der Evangelische Kirchenausschuß. der an der Spitze der vereinigten Landeskirchen stehl, hat bekanntlich vor einiger Zeit Einspruch gegen die Aufhebung des § 2 des Jesuitenae- setzeS erhoben. Jetzt veröffnllicht er ein,'Kundgebung, worin er diesen Einspruch näher „begründet." Sachlich auf diese „Gründe'^ einzugehen, lohnt sich absolut nicht. Dieser Teil der Kundgebung könnte aus jeder beliebigen Wummer des .Reichsboten' oder aus einer beliebigen Rede in der Ve'.sammlung des Goangelischen Bundes einfach übernommen fein. Es sind die alten verleumderischen Anschuldiaungen gegen die Jesuiten, dasselbe Gezeter über die rörn-sche Gefahr, die wachsenden, maßlosen Ansprüche des Ultramon- tanismus und dieselben schönen Friedens Versicherungen, dir man zum, Neberdruß gehört hat. Bemerkenswert daran ist nur, daß eine protestantische Kirchenbehörde einen solchen Ton anschlägt zur Verteidigung etreS gehässigen und verletzenden Ausnahmegesetzes gegen die Katholiken. Zum Schutze der protestantischen Interessen Ausnahmegesetze gegen die Katholiken zu verlangen und über Bevorzugung und Begünstigung der katholischen Kirche zu klagen, wenn dieses Verlangen nicht die gewünschte Beachtung findet, das sollte jeder wahrheitsliebende, den konsessiontllen Frieden erstrebende Mann als unter seiner Würde betrachten. Der Evangelische Kirchevausschuß ist leider nicht der Ansicht, daß so etwas unter feiner Würde fei. In einer Hinsicht aber zstchnet sich die Kundgebung vorteilhaft vor anderen ihrer Art aus. Sie will auch positiv fein und wendet sich deshalb gegen die religiöse Gleichgiltigkeit und Zwietracht im proteftantifchen Lager und mahnt zu einträchtigem Zusammenstehen zu einem „durch Betätigung des Glaubens und Arbeit der Liebe erstarktes, in Treue und Einigkeit fußenden Gemeir.delcben". „N-cht in nutzlosen Klagen und Anklagen, in der Stärkung des Glaubens, der Mehrung des kirchlichen Ehrgefühls, der treten Pflichterfüllung auch im bürgerlichen und staatlichenLeben haben wir die Widerstandskraft gegen mächtige Gegner zu suchen." Daran haben wir im Grunde nichts auszusetzen. Im Gegenteil, wir haben die protestantischen Eiferer immer wieder darauf hin gewiesen, daß sie statt über Jesuiten und römische Gefahr zu jammern, die Staatsgewalt dagegen aufzurufen und jeden Bundesgenöflen willkommen zu heißen, zunächst einmal den Unglauben und Jndifferentismus in der eigenen Kirche bekämpfen sollten. Der Rat wird natürlich nicht befolgt, auch wenn er vom Deutschen Evangelischen Kirchenausschuß gegeben wird. Sobald man Ernst machen will, kommt nämlich nicht eine Stärkung der Eintracht, sondern der Zwietracht heraus.
* lieber den Ausgang des Gefechts bei Okatnmba war in Berlin telegraphischer Bericht bis Sonntag Nachmittag an amtlicher Stelle nicht eingegangen. Das Gefecht schemt nicht glücklich gewesen zu fein. Die bis jetzt
eingelaufene Meldung enthält nur die Verlustliste, welche die Namen von 8 Toten, 8 Schwer- verwundetkn und 5 Leichtverwundeten bezeichnet. Der Kampf war daher ein schwerer und hart- nackiger und dürfte mit dem r-chten Flügel der am 9. April von Oganjira geworfenen Herero stattgefunden haben, der sich nach Katjapia, zurückgezogen habe, etwa 9 Kilometer nordöstlich non C'atumba, zurückgezogen hat. Hauptmann v. Bagenski, der Führer des Verstärkungstransports, dcr am 1. März auf der Lucie Woer- rnann in Swakopmund angekommen war, war an dem Kampfe beteiligt und ist ein Opfer desselben geworden. Auch der von Hauptmann Puder geführte Ergänzungstransport, der am 23. Februar in Swakopmund angekommen ist, scheint an dem Kampfe teilgenommen zu haben. — Ernste Besorgnisse erregt das Ausbleiben jeglicher Nachricht über das Schicksal der Kolonne Glasenapp. Nach dem siegreichen Kampfe der Hauptabteilung unter Leutwein bei Oganjira geriet die Kolonne Glasenapp dadurch in schwierige Sage, daß die in diesem Gefecht zersprengten Herero, die auf mindestens 2000 Gewehre zu schätzen sind, auf den damaligen Standort Gla'enapps abgedränot wurden. Glasenapp dürfte noch über 350 Streuer verfügen. Wenn man auch, was das Nachrichtenwesen betrifft, mit den äußerst schwierigen örtlichen Lerhältniffen zu rechnen hat, so mußte doch das Fehlen jeder Meldung umso mehr Befremden erwecken, als sicherlich die leitenden Männer in Berlin sowohl wie in Südwestafrika alles cufgeboten haben werden, mit Glasenapp in Verbindung zu bleiben. In Berlin war heute Nachmittag das Gerücht verbreitet, die ganze Kolonne Glasenapp fei vernichtet worden.
68. Sitzung vom 16. April 1904.
Eröffnung: If« Uhr.
Dir Beratung des Etats des Reichskanzlers wird fortgesetzt.
Abg. Dr. Bachem (Ztr.) legte in längerer Ausführung die rechtliche Grundlage in der Fameckange- legenheit dar. Auf Grund derselben kam er zu der Auffassung, daß der Ursprung des Streites nicht auf die Metzer Bischöfe zurückzusühren sei, sondern aus einen Ministerialerlaß aus dem Jahre 1877, der es verbiete, daß die konfessionellen Kirchhöfe für die einzelnen Konfessionen besondere Abteile enthielten. Dem Abg. Blumenthal verglich er, weil er diese rechtliche Lage außer Acht gelaffen habe, mit einem Winkeladvokaten.
Abg. Wetterte (Els.) verlangte die Gewährung der staatsrechtlichen Autonomie an Elsaß-Lothrmgen.
Abg. v. Oldenburg (kons.) wmf dem Reichskanzler vor, daß er für die Landwirtschaft nur leere Worte habe und zog zwischen Grafen Bülow und dem Fürsten Bismarck ein parallele, bei welcher ersterer schlecht wcgkam.
Abg. Singer (sozd.) sprach sein Bedauern aus über die Nichtachtung, welche der Bundesrat Initiativ- antiägen und Beschlüssen des Reichstags an den Tag lege.
Staatssekretär Graf Posadowsky erwiderte, daß daran vielfach die Schwierigkeit der Materie schuld sei.
Maria Angela.
Von Komtesse de Beaurepaire-Louvagny Genehmigte Uebersetzung aus dem Französischen.
16 ------ (Nachdruck verboten.)
Pepa erinnerte sich an den Rat des Kaufmanns und nahm sich vor, recht geduldig, recht vorsichtig zu sein. Sie bat Gott innerlich um Erleuchtung, damit er ihr die richtigen Antworten eingebe.
»Woher kommen Sie?“ fragte endlich der Kom- miffär.
»Au« Frankreich!" antwortete P-pa höflich.
„Wer ist diese Frau?" Er zeigte auf Luisette.
„Meine Kammerzofe."
„Wa« tun Sie hier?"
„Ich habe nicht die Absicht, mich hier aufzuhalten; ich reise in GefchSstsangelegenheiten auf meine Besitzung."
„So sind Sie Witwe?"
„Nein! Mein Gatte, Herr Wareskat, ein Franzose, wellt in Paris. Er ist krank, beinahe blind!"
„Wie kommen Sie dazu, gerade in diesem Augenblicke in Buenos-Aires einzutreffen?"
„Als ich Frankreich verließ, war dort von den Ereigniflen hier nichts bekannt!"
„Was denken Sie denn von diesen Ereignissen, und was sagt Ihr Gemahl dazu?"
„Ich wiederhole, daß Herr Mareskat keine Ahnung davon hatte."
„Und Sie?"
„Eine Frau hat doch keine Meinung über Politik. Und, wie gesagt, ist mein Gatte Franzose, und ich bin infolgedessen Französin."
„SEB e kam es denn, daß Ihr erstes.Wort hier eine Nachfrage nach einem Rebellen war, wo Sie doch aus der stanzöfischen Boftchaft jede gewünschte Auskunft erhalten konnten?" — Wir wissen, daß Herr Mareskat sich so in seine zweite Heimat eingelebt,
daß er sich kaum seiner wirklichen National itä erinnerte und nie Gelegenheit gefunden hatte, sich als Ausländer zu betätigen.
Die Frage des Kommiffärszeigte Pepa den Vorteil, den sie aus dieser Eigenschaft ziehen konnte
„Mir kann wohl zur Entschuldigung dienen, daß ich, weil in Frankreich wohnend, sehr wenig Leute in Buenos Aires kenne. Ich nannte den ersten besten Namen, desien ich mich erinnerte, um mich bei dem Herrn nach der Adreffe unserer Botschaft zu erkundigen."
„Es wäre einfacher gewesen, gleich dahin zu fahren."
„Das gebe ich zu, doch bin ich sehr unerfahren in solchen Dingen; ich habe ni-mals allein eine Reise gemacht und würde auch jetzt nicht hier fein, wenn die Krankheit meines Gatten nicht dazu zwange."
Der Kommissär drehte an seinem Schnurrbart.
„Aber," su' r Pepa fort, die anfing ungeduldig zu werden, „die Auskunft, welche ich da suchen wollte, können Sie mir ebensogut geben. Ich bin Französin, habe mit der Politik dieses Landes nichts zu schaffen. Soffen Sie mich auf die französische Gesandtschaft führen!"
Diese- Wort eiwirtte ihre Freiheit. Der Richter sah ein, daß er feiner Regierung die größten Unannehmlichkeiten zuziehen könne, wenn er die Fremde länger zurückhielte.
„Ich kann Ihnen keinen Führer mitgeben " sagte er. „UebrigenS ist es zu spät, und die Hnreaux der Gesandtschaft sind geschloffen. Gehen Sie ins Hotel; morgen früh wird jedermann Ihnen den Weg zeigen können."
Pepas Koffer befanden sich noch aus dem Zollamt, aber auch dort waren die Dierststunden längst vorüber. Sie mußte also bis zum nächsten Tage warten.
Die Nacht lag längst Über der Stadt, als die müden Reifenden sich endlich in einem Dasthause zur Ruhe legen konnten. Ganze zwölf Stunden hatte sie stehend mit Warten zugebrachd, ohne einen Bissen ge
nießen zu können. Dieser Anfang ihrer Mission war enttäuschend und versprach nichts gutes; Pepa war entmutigt und hätte kaum etwas zur Stärkung zu sich genommen, wenn Luisette nicht entschieden darauf bestanden hätte. In dieser Nacht schloß sie jedoch kein Auge.
In aller Frühe erhob sie sich des nächsten Morgens, ließ sich ihr Gepäck ausfolgen und begab sich dann auf die französische Botschaft.
Hier erwarteten sie neue Schwierigkeiten. Man kannte sie nicht; der Name Mareskat fand sich nicht einmal verzeichnet.
Wie sollte sie sich aultoeifen?
Sie nannte mehrere Familien, mit denen sie früher in Beziehung gewesen, auch den Kaufwann, den sie auf der Wache getroffen und der ihr seinen Beistand versprochen hatte.
Man versprach, Nachfrage zu halten, und entließ sie.
Beinahe verzweifelt kehrte sie ins Hotel zurück. Luiset'e hatte indessen die Zeit gut benutzt, nämlich eine Verwandte ausgesucht, die sich ehedem als Putzmacherin in Buenos-Aires etabliert. Zwar war ihr die Adresse der Koufine vollständig unbekannt, doch traf es sich zum Glück, daß letztere In ihrem Geschäft rasch vorwärts gekommen war und ihr Laden einen ausgedehnten Kundenkreis hatte. So erfuhr die Kammerfrau bald, wohin sie sich wenden mußte, und nach kurzem Umweg befand sie sich vor dem Putzgeschäst der Frau gueile.
H-er wurde sie sehr sreundschaselich aufgerommee und erhielt Auskunft über mancherlei, was momentan für chre Herrin von größter Wichtigkeit war, besonders über die Art und Weise, wie Frau Mareskat sich am besten einrichte, wenn sie auf ihrem Vorhaben beharre, in die Provinz San LouiS zu reifen.
„DaS steht außer allerFeage!" versicherte Luisette.
„In diesem Falle weiß ich Rat", fuhr die Putzmacherin fort; „ich kenne nämlich einen Fuhrmann, der gerade jetzt Dort Geschäfte zu besorgen hat, und euch gern gegen geringe Entschädigung lis zur Be-
Abg, Gröber (Z.) kam auf die Ausweisung va' Ordensleuten aus Elfaß-Loihringen zu sprechen, drück! seine Befriedigung darüber aus, daß der Skaatssekretär für Elsaß-Lothringen erllärr habe, ältere Ordensleute und solche, die früher die deutsche Staatsangehörigkeit gehabt gälten, sollten von der Auswe.sung nicht betroffen werden, bemerkte ober dazu, daß die tatsächlichen Ausweisungen hierzu in Widerspruch ständen. AIS ein nobile officium würde er es betrachtet haben, wenn die Behörden die Ordensleute darüber aufgeklärt hätten, daß fie durch einen Antrag auf Wiederaufnahme in das deutsche Staatsbürgerrecht die Ausweisung hätten abwenden können. Er bat den Staatssekretär dafür zu sorgen, daß bei den Unteibeamten derselbe Gerechtigkeitssinn Platz greife wie bei ihm, dem Staatssekretär. Im weiteren beschwerte er sich darüber, daß dem katholischen Volksverein durch dos BezirkSpräsidium die Benutzung von Lokalen verboten worden sei.
Geheimrat Halley erwiderte, er sei über die einzelnen Fälle nicht orientiert, eine generelle Verfügung, daß dem VolkSrerein diese Gemeinde', äuser nicht zur Verfügung gestellt werden dürfen, bestehe nicht, wohl aber eine solche, daß sie für politische Zwecke nicht benutzt werden sollen.
Abg. Schrader (frei!. Vzg.) beklagte sich über zrr große Nachgiebigkeit der Regierung dem Zentrum gegenüber.
Reichskanzler Graf Bülow bemerkte dem Abg. v. Oldenburg gegenüber, daß der Zolltarif ein Beweis dafür sei, daß er nicht nur leere Worte für die Landwirtschaft habe. Geschmacklos würde eS fein, wenn sich ein Politiker mit Bismarck vergleichen würde; aber das habe er von Bismarck gelernt, daß man nur dem Erreichbaren nachjagen solle.
Nachdem noch Abg. Gröber dem Abg. Schrader eine Abfertigung hatte zuteil werden lassen, schloß die Diskussion. (Graf Ballestrem rief nachträglich den Abg. Bachem wegen des Ausdruckes „Winkeladvokat" zur Ordnung).
Die Resolution Müller-Stockmann wurtr gegen die Stimmen des Zentrums angenommen.
Die zum Etat vorliegenden Resolutionen sollen au Montag beraten werden.
Abgeordnetenhaus.
61. Sitzung vom 16. April 1904
Eröffnung: ll1/« Uhr.
Erster Gegenstand der Tagesordnung ist die Interpellation der Abgg. Stötze! (Ztr.) und Brust (Ztr.) betreffend die Behandlung der kleinen Zechen im Ruhrrevier durch das Kohlensyndikat. Die Interpellation lautet:
1. Ist der königlichen Staatsregierung bekannt, daß infolge der Zuteilung der Fördermengen feiten? des Kohlensyndikats an die einzelnen Zechen (Gewerkschaften) die kleineren imRuhrrevier angekauft und stillgelegt werden, um deren Förderquantum zu übernehmen?
2. Was gedenkt die königliche StaatSregierung gegen diese, die betroffenen Gemeiuden und deren Einwohner, insbesondere die Bergleute und Gewerbetreibenden, in bedenklicher Weise schädigende Praktik zu tun?
Handelsminister Möller erklärt sich bereit, die Interpellation sofort zu beantworten.
Zur Begründung der Interpellation erhält das Wort
Abg.Stötze! (Ztr.): Er wies auf die hochgradige Erregung hin, weiche durch das Bekanntwerden der Absicht verfebiedener Gewerkschaften, eine Reiye kleiner Zechen im südlichen Ruhirevier still zu legen, um dadurch für größere Werke einen stärkeren Anteil an der Förderung durch das Syndikat zu erlangen, bei der Bevölkerung des Ruhrreviers hervorgerufen hat. In der dortigen Gegend seien die Gemeinden in ihrem
sitzuvg bringen wird, da er sonst mit leerem Wager fahren würde."
„Kann man sich auf den Mann verlasscn?"
„Ich verbürge mich für ibn."
„Wann will et denn fort?"
„Eigentlich schon morgen. Jedoch glaube ich, daß er sich bereden läßt, noch zwei oder drei Tage zu warten, wenn Ihr noch nicht bereit seid."
„O! eS kommt Frau Mareskat nur darauf an, schnell abzureisen."
„Ich glaube eS schon. Jndess n muß sie zum Verlassen der Stadt einen Erlaubnisschein haben, wenn sie nicht riskieren will, von der ersten Patrouille, die ihr in den Weg kommt, arge halten zu werden. Vorgestern ist bhfer Befehl bekannt gemacht worden; man will damit die befleren Familien verhindern, zu flüchten oder zur Armee der früheren Präsidenten zu stoßen."
„Ja, Frau Mareskat hat so etwas erfahren und ist auf der französischen Botschaft, um sich die nötigen Papiere zu verschaffen."
„Dann ist eS gut. Komme also diesen Abend wieder und bringe mir Bescheid."
Die beiden Frauen wechselten herzliche Grüße und trennten sich.
Diesmal fand sich Luisette leichter zurecht. Allein die Straße war voll von mehr oder minder wüsten Soldaten, und sie mußte mehrmals Namen und Wohnung an geben, ehe sie dar Hotel erreichte.
Frau Mareskat erwartete sie mit Ungeduld, umsomehr, als die Kammerzofe sich stets durch Püntt- lichkeet und Sorglichkeit für ihre Herrin auSzeichuete. Pepa fürchtete deshalb schon, es sei ihr ein UnfaA zugefioßen, und sie seufzte erleichtert auf, als die Tür sich endlich öffnete und Luisette erschien.
„(Sott sei Dank, daß Tu wieder da bist!" rief sie, „warst Du denn?"
Luiletie erzählte ihr Abenteuer, de« Besuch bei ihrer Verwandten und den Vorschlag der letzteren.
Frau Mareskat war erfreut.