Einzelbild herunterladen
 

31. Jahrgang.

Hulda, Samstag, dm 16. April 1904.

K Woaer

ZchristlettrnZosva««

,%6<‘Ä“s3m wochrnbeiiage: „Illustrierte Sonntagzzeitung

Äjjiy J ' »n$eigen: Die ein»

m ■■ W otttn «M!M 1» pfg

M W y W ■ y ■ £ W Reklamen die pelitzeile

äSA M I I II ElO 25 pfg.: bei wieder.

«M W HT A y y y WWWs Holungen wird entspr.

W' W D wW B W WM “ 5^*

Druck und Verlag de» ZuldaerActiendruckerei Msnatsbeilage: „8«ldaer Geschichtrblätter". zttnsprech^Ur. 9?

ZtimmLNgsbild aus dem Aeichrtage.

Ohne, daß mindestens eine Woche darüber geredet wird, scheint jetzt im Reichs­tage kein Einzel-Etat mehr erledigt werden zu können. Heute war der vierte Tag der Debatte über den Etat des Reichskanzlers, aber es war noch nicht der letzte. Der Reichskanzler fand stch erst gute zwei Stunden nach Beginn der Sitzung ein und überließ es bis dahin fernem Stellvertreter, dem Slaatsiekretär für Alles, Graf Poiadowsky, die Kämpfe, nötigenfalls unter Assistenz der Kollegen Freiherr v. Richt- Hofen, o. Köller, Rrrberding u. s. w. auszu­fechten.

Den ersten Kampf hatte Graf Posadowsky mit dem polnischen Abgeordneten v. Miel- zynski zu bestehen, der unter allerlei spitzen persönlichen Bemerkungen gegen den Minister Freiherrn v. Hammerstein, der heute im Herren­hause gegen die Polen streiten mußte, die preußische Polenpolitik, das neue Anstedelungs- gesetz einer verurteilenden Kritik unterzog. Staatssekretär Graf Posadowsky ging der Verteidigung des AnsiedelungSgesetzes mit dem Verweise an das preußische Abgeordnetenhaus auS dem Wegs und nahm sich nur der Be­amtenschaft an, der der polnische Redner Reid, Begehrlichkeit, Korruption und Heuchelei vorge- worfen hatte. Er gab aber zu, daß früher Mißgriffe vorgekommen seren, indem man Be­amte, dir sich anderswo unmöglich gemacht hatten, nack den polnischen Lande« eilen schickte, damit sie sich rehabilitierten. Er habe diese Gepflogenheit immer als schweren Fehler be­zeichnet und jetzt sei man auch ganz davon abge­kommen. Uebrigens betonte er, daß der große Kampf zwischen der slavischen und der deutschen Bevölkerung nicht entschieden werde durch Poli- zeimoßregeln und -Gesetze, sondern der Sieg demjenigen Bevölkerungsteile zufallen werde, der der geschickteste, einsichtigste, sparsamste und wirtschaftlich fähigste sei. Das sollte eine Mahnung an die Deutschen sein, denen der Staatssekretär den Sieg nicht ohne weiteres prophezeie« mag. Mußte er doch anerkennen, daß die Polen seit ihrer Zugehörigkeit zu Preußen eine Intelligenz und eine Sparsamkeit entwickelt haben, die einen großen wirtschaftlichen Aufschwung des Polentums und gleichzeitig einen Rückgang des Deutschtums zur Folge gehabt habe.

Rach dem Polen der „Welfe". Der Abg Graf Bernstorff kam auf die vorgestrige Rede des Ministers Frhr. o. Hammerstein zurück und verbreitete sich sehr ausführlich über die Politik von 1866 und die Haltung der Deutsch- Hannoveraner. Da Frhr. v. Hammerstein nicht zur Stelle war, mußte Graf Posadowsky auch diesen Speer mit seinem Schilde auffangen.

Maria Angela.

Bon Komtesse de Beaurepaire-Louvagny Genehmigte Übersetzung aus dem Französischen.

15 ------ (Nachdruck verboten.)

8. Kapitel.

Wie Pepa es dem Gatten berichtet, hatte die Ueber- fahri einen normalen Verlauf genommen; sie selbst war in guter Verfassung, aber wie sich begreifen läßt, leidlich ungeduldig. In dem Gevanken an die Zurückblerb-ndkn zählte sie die Tage, die Stunden, die Minuten, welche so quälend langsam dahinflossen. Die Untätigkeit an Bord war zudem nicht angetan, die Zeit zu verkürzen. Am liebsten weilte fie auf Deck, und manche Nacht hindurch schaute sie unter dem blauen sternhellen Firmamente voll Sehnsucht in die Ferne, wo ihre Teuren weilten.

Was wurde aus ihrem gelieblen Kranken, aus den herzigen Kindern, verwett diese Planken sie wie in einem Gefängnisse festhielten? Ach, fie hätte Flügel haben mögen!

Mit Genugtuung betrachtete sie das endgültige Verschwinden ^der verschiedenen Gestirne am Horizonte, und groß war ihre Freuce, als fie an einem sonnigen Morgen die Küsten ihres Heimatlandes auftauchen sah. Welche Wonne, welcher Jubel hätte ihr Herz erfüllt, wenn all die Ihrigen an diesem Anblicke teil- genowmen — wenn die Reise die Rückkehr bedeutet hätte, die Vereinigung für immer im t auten Heim!

Leider war der Tag noch fern, der dieses Glück bringen sollte!

Aber Pepa hatte Vertrauen in den Erfolg, in die schnelle Erledigung ihrer Mission, un^ tapfer, voll Hoffnung setzte fie den Fuß auf heimatlichen Boden.

Jedoch veim ersten Schritt schon stieß fie auf ebenso große als unvorhergesehene Schwierigkeiten.

Dec Lotse, welcher den Dampfer in bin Hafen von Buenos-Aires lenken sollte, hatte dem Kapitän

Ec begnügte sich indes mit ein paar kurzen, teils allgemeinen, teils richtiasteUenden Be- meikungen, die wesentlich konzilianter klangen, als die neulichen sä arfen und durch den Ton, in dem sie voroebracht wurden, noch verschärften Erwiderungen des Landmannes der Welfen, von Hammerstein.

Mit unnötiger — das Haus schien das wenigstens durch möglichst viele leere Plätze zum Ausdruck bringen zu wollen — Gründlichkeit er­örterte dann der Volksparteiler Abg. Payer nochmals die Frage der Giltigkeit des Bundes­ratsbeschlusses zum Jssuitengesetze und empfahl den freisinnigen Antrag, der Zweifel und Streit in Zukunft ausschließen soll. Za diesem An­träge war inzwischen ein Atänderungsantrag des Abg. Stockmann eingelaufen, wonach die Zustimmung des Bundesrats zu einem R-ichs- tagsbeschluß erfolgt sein muß „spätestens an dem Tage des Zusammentritts ds neugewählten Reichstags".

Ceterum censeo: Die Handelsverträge sind schleunigst zu kündigen, wiederholte nunmehr der Abg. Graf Kanitz und schilderte in längerer Rede die Notlage der Landwirtschaft, namentlich infolge der Weglockueg ihrer besten und kräftigsten Arbeiter durch die Großindustrie und die Großstädte. Den Reichskanzler, der aber längst wieder verschwunden war, „bat" er in drohendem Tone, das ohnehin stark erschütterte Vertrauen der ländlichen Bevölkerung zur Re­gierung nicht dadurch, daß man den jetzigen heillosen Zustand auch nur einen Augenblick länger als unbedingt nö.ig aufrechterhalte, noch länger aus die Probe zu stellen; es möchten sonst vielleicht recht unliebsame Uederraschuagen für die Regierung beoorstehen." „Wrs für welche?" rief man von links, aber der Redner gab keine Auskunft, sondern versicherte nur, die Landwirt­schaft verlange endlich Taten zu sehen.

Ob es so auf der Rednerliste stand oder ob es zur besonderen Markierung des Gegensatzes geschah: der Abg. v. Gerlach erhielt das Wort, der aus einem Anhänger der Konservativer! zu ihrem schärfsten Gegner geworden ist. Er hätte am liebsten, wenn die bestehenden Handels­verträge auf zehn Jahre verlängert würden. In Bezug auf die Ruffenausweisungen steht er ganz auf dem Standpunkt der Sozialdemo­kraten und vom Jefuitengesetze meinte er, man hätte gleich reinen Tisch machen und das ganze Gesetz in der Versenkung verschwinden lassen sollen. Für den Augenblick wäre der Lärm viel­leicht etwas größer gewesen, aber schon nach einem Jahre hätte niemand mehr davon ge­sprochen. Herr v. Gerlach ist der Ansicht, daß dem Zentrum mit dem Gesetze eins feiner wirk­samsten Agitation?mittel aus der Hand ge- nommen wäre. Auf dec Linken bekundete man durch Beifall, daß man gleicher Ansicht sei.

Namens der vationalliberalen Minderheit, die für die Aufhebung des § 2 d s Jefuüen- oesctzes gestimmt bat, gab der Abg. Graf Oriola (Katholik) die Erklärung ab, daß sie nach Aushebung des § 2 um so weniger Ver-

bie Nachricht von der Revoluton überbracht, und dieser teilte die fatale Neuigkeit ohne weitere Bemerk­ungen seinen Passagieren mit. Da ihm die politische Ueberz-ugung ber ihn Umgebenden unbekannt war, unterlikß er aus Vorsicht, bie weiteren Folgen dieses Ereignisses, die im Lande herrschenden Unruhen zu berichten. Mochte jeder einzelne die Tatsachen nach seinem Gutdünken beurteilen!

Sobald Pepa ausgeschifft war, wollte sie sich zu dem Freunde fahren lassen, der zur Z it ihre Verbind­ung mit Joseph begünstigt hatte; von diesem erwartete fie freundliche Aufnahme und Hilfe. Unglücklicherweise war dieser Ehrenmann unter den Verdächtigen. Er hatte fich geweigert, den neuen Präsiden'en anzuerken­nen, und wurde insolgedessen scharf überwacht.

Kaum hatte Pepa seinen Namen genannt als sie fich auch schon von einer rohen Soloateska umringt fand. Sie und die t eue Luisette wurden auf die Polizeiwache geführt, wo man sie in ein schlecht er* leuchretes, übel, iechendes Gelaß einsperrte, das schon Vertreter aus allerlei Menschengattung-n beherbergte. Der auf Diebstahl ertappte Neger saß da neben dim gesinnungstreuen Edelmann.

Pepa, im höchsten Grade erstaunt, aber tapfer, suchte zwischen all diesen Gesichtern nach bekannten Zügen. Erst als ihre Augen sich in etwa an die Dunkelheit gewöhnt hatten, bemerkte sie einen Kauf­mann, welcher früher zu ihrer Tante in geschäftlichen Beziehungen gestanden hatte.

Sie bahnte sich einen Weg zu ihm und sprach ihn an.

„WaS geht hier eigentlich vor?"

Der Kaufmann stieß einen Ruf des höchsten Erstauuens aus.

Pepa verständigte ihn mit einigen Worten über den Grund ihrer Reise nach Buenos-Aires.

„Dec Augenblick ist ihrem Unternehmen nicht günstig," erklärte der Geschäftsmann. „Das Land ist durch die Parteien gefpaPen, überall herrscht Streit und Unordnung — ber ft'reg. Was Ihren Verwalter betrifft, ffo hörten wir schon lange nichts von ihm.

aniossung habe, ihr« besonoeren Gründe für ihre Stellungnahme nochmals darzutun, als diese früher wiederholt von den R-dnern aus ihrer Fraktion klargelegt worden feien. Eine schwache Absage an dir Herren Dr. Sattler und Dr. Hieder war das wohl, aber auch vielleicht ein Zeichen, daß die kulimkLmpftrisebe Richtung in der gration jetzt ein strammeres Regiment führt, als es unter der Leitung des Aog. Bassermanu dec Fall war.

Ob ber Abg. Dr. Arendt gerade der be­rufene Mann wat, als Vertreter der Reichs­partei gegen die gestrigen Ausführungen des Abg. Dr. Bachem zu polemisieren, wollen wir dahingestellt fein lassen. Genug er tat es, unter vielem Widerspruch im Zentrum, und zwar ganz im Geiste des Evangelischen Bundes, dessen et sich warm annahm. In vorgerückter Stunde amüsierte die „Elsaß lothringische Volks­partei", vertreten durch den Abg. Dr. Blumen­thal, poch eine gute Weile das Haus durch einen lebhaften Vortrag und eine teils freiwillige teils unfreiwilttge Komik. Herr Blumenthal polemisierte seht umständlich gegen die vorgestrige Rede des Abg. Ricklin, rieb sich auch fleißig am Zentrum, verspottete aber auch nicht ungeschickt die Jrsuilenangst.

Schließlich verbreitete sich Staatssekretär v. Köller ausführlich über die Famecker Kirch­hofsangelegenheit. Er sprach die Hoffnung aus, der Bischof werde sich überzeugen, daß nach Lage der Gesetzgebung vom 3. Januar die Beerdigung eireS Protestanten auf dem Kirchhofe statthaft war, und daß der jetzige Zustand nur den Ka­tholiken zum Schaden gereiche. Morgen wird die Beratung fortgesetzt.

Berlin, den 15. April 1804.

* Zur Reirhfirravz Reform. Die Ant­wort des Reichsschatzamts auf die zur Bera­tung der Reichsfinanzreform von dem Abge­ordneten Müller-Fulda gestellten Fragen ist dem Reichstage am Donnerstag zugegangen. Das Schatzamt hat eine sorgfältige, fleißige Arbeit geliefert, aber erschöpfend beantwortet find die Fragen keineswegs Das Schatzamt nennt die Antwort deshalb auch nur ein „Material" und stellt wettere mündliche Aufklärung in Aussicht. Eines ergibt sich aber aus dem gelieferten Material schon jetzt, nämlich, daß die Finanzreform in der vorge- schlagenen Weise nur durchgesührt werden könnte, wenn zugleich reue Steuern, und zwar sehr hohe neue Steuern bewilligt würden. Bekanntlich hat die Finanzreform den Zweck, den Reichöhaushalt etwas übersichtlicher zu gestalten, anderseits aber auch, und das ist

San Louis st weit von Buenos-Aires, und Geschäfte macht er keine mehr hier. Außerdem ist die ganze Provinz militärisch besetzt Aber durch welche Partei? Das weiß man nicht genau. Man sagt zwar, durch unsere Freunde, aber wenn dem auch so ist, so muß man jedenfalls, ehe man dahin gelangt, die Gegenden durchreisen, welche die Truppen des neuen Präsidenten mit Schrecken erfüllen. Und das scheint mir unmög­lich, unausführbar."

„Ich muß aber unbedingt aus unsere Besitzung," erwiederte Pepa, „und zwar sobald a s möglich!"

„Wie gesagt, es scheint mir nicht denkbar unter diesen Umständen!"

„Gibt es etwas Unmögliches für eine Mutter, eine Gattin, die sich unter Gott s Schutz stellt?"

„Was an mir liertt, so will ich Ihnen gern nach Kräften bcistehrn — bas heißt, wenn man mich hier fr erläßt."

„Wirb man Sie lange zurückhalten?"

„Ich weiß es nicht."

„Wohin gehen diese Leute, die man der Reihe nach abruft?"

„Man führt fie zum Untersuchungsrichter, der darüber zu beschließen hat, ob fie freizulassen sind oder nicht. Das hängt gan° von den Gesinnungen ab, die jeder Gefangene in Hinficht auf den neuen Präsidenten zeigt. Wehe dem, ber fich einer Beschimpf­ung des Usurpators schuldig gemacht hat! Eine harte Geldstrafe ist die geringfle Ungnade, die ihn treffen kann!"

„Aber das ist ja die reinste Tyrannei!"

„Pst! Solche Ausdrucke find hier verpönt. Es gibt überall Spione, sogar die Wände haben Ohren!"

„Gwßer Gott! Was soll aus mir werden? Und Eile tut not!"

„Seien sie vor allem reckt vorsichtig. Das ist der dringendste Rat, den ich Ihnen geben kann!"

D eser Tag schien endlos zu sein.

Luisette jammerte nicht allein aus Furcht vor dem Gerichtshof, sondern auch weil fie hungrig war. Ter erschöpfte Körper übte einen erschlaffenden Eindruck

ihrem Urheber die Hauptfach?, die Bundes­staaten von allen latjächUchen Leistungen für das Reich, o. h. von ung-deck en Marrikular- beitrügen ganz zu befreien. Zu beweisen, daß letzteres ohne neue Steuern lischt geht, war der Zweck der gestellten Fragen, und dieser Zweck ist bereits“ durch die gegebene Antwort erreicht, obwohl diele unvollständig ist und große Ausgaben, die schon jetzt in der Vorbereitung sind, gar nicht berücksichtiat

§§ Die Wiederznlafsnng der Mariani« scher» Kovgregationeu an den höheren Lehr­anstalten wird jetzt sogar in der ,Nat.-Ztg.' verteidigt. Eine ihr „von beachtenswerter Seite" zugehende Zuschrift wendet fich vom pädagogischen Standpunkt aus gegen den vom Avg. Hacken­berg ausgestellten Satz, daß Schülervereive über­haupt uupädagogifch seien, Die Schüler, so wird amg fü;rt, hatten tn jedem Atter das Bedürf- viS, Freundschaft zu schließen, und freuten fich, wenn pe auch außerhalb der Klaffe in eine ge« wifse Gemeinsamkeit treten könnten zu ihren Altersgenossen. Würden die Knaben zu Jüng­lingen, so hätten sie, besonders wenn sie fern vom Elternhause weilten, das Bedürfnis, diesem Gtselligkettstriebe durch Begründung von Ver­einen gerecht zu werden. Auch bie Freude, stch selbst zu regieren, komme hinzu. Turn- und Audervereine, Musikoereine und literarische Ver­eine schüfen an manchen Gymnastalortea Gutes und hätten groß-n pädagogischen Wert. In ihnen lerne der Lehrer bie Schüler von ganz anderer, recht eft vorteilhafter Seite kennen. Meist komme da ber treffliche Charakter mehr zur Geltung ber „Streber" trete zurück. Lasse man Verein« vertrauensvoll zu, so freuten fich die Schüler, erwiderten Verträum mit Vertrauen und hielte» sich von verbotenen Verbindungen fern. Gegen religiöse Vereine könnten allerdings gewisse Be­denken geltend gemacht werden (Förderung der Ueberhebung und S-lbstgerechligkeit, ober der religiösen Sentimentalität, auch des konfessionellen Zwiespalts). Biele Eltern würden deshalb aus anderen Gründen ihren Kindern den Eintritt in solche Vereine verbieten. Aber es gebe doch auch Eltern, die geistlicher und geistiger Stütze noch in weitem Umfange bedürften. Und es gebe Geistliche, die meinen, diesem größeren Bedürf­nisse müsse die Schule entgegenkommen. Solle die Schule solche Vereine verbieten? Wenn nun Eltern fich an das Verbot nicht kehrten und Geistliche die Hond zur Uebertretung böten? Solle die Schule da mit rauher Hand etngreife«, in die stillen Stätten eindringen, wo sich die jungen Leute in religiöser Unterhaltung und Uebung zusawme» fänden? Das würbe ihrer Würde und ihrer Vertrauensstellung zur Jugend nicht entsprechen. Andererseits vertrage stch die stillschweigende Duldung des verbotenen auch nicht mit ihrer Auwrttät und Würde und mit der Wahrheit, die zwischen Haus und Schule herrschen solle. Deshalb habe die Unrerrichts- oerwallung mit feinem pädagogischen Takte die vornehm. Stellung eingenommen, die ihr am besten anftihr, und die Marianiscben Kongre-

aus auf Geist und Gemüt. Dennoch tat fie ihr Möglichstes. de Herrin nicht noch mehr zu ängstigen, welche beinahe vor Ungeduld verging.

„Wann werde ich reisen körrien?" fragte fie ei* mal über das andere.

Sie erfuhr durch ihren Schicksalsgenossen, daß f*f alle ihre Bekannten Buenos-Aires verlassen hatte*; die einen waren auf dem Lande, andere, die jüngeren, hatten sich den Verteidigungstrvppen zugesellt, und ihre Angehörigen wurden deshalb argwöhnisch über­wacht. In den Provinzen standen, wie schon erwähnt, die Sachen noch schlimmer.

Pepa merkte, daß ihr Weg über ungeahnte Hinder­nisse führen würde, und sie fragte sich, wie fie dieselben üderwinden könne, und wie lange die Reise wohl bauere.

„Utib währendcessen," dachte fie, „lüden und dar­ben mein Gatte und meine Kinder I"

Endlich wurde der Kaufmann abgeruf.'n.

Noch mehrere Stunden mußten Pepa und Luisette an diesem ekelhaften Orte zubringen. Langsam leerte fich die Zelle — auch sie kamen an die Reihe.

Man führte fie in ein enger Gemach, ba8 als Mobilar nur einen Tisch und zwei Sessel auswies Die Sitze wurden vom Richier und seinem Schreiber benützt. Der Richte^, oder vielmehr der Stellver­treter der neuen Regierung, ein Mann von sehr ge­wöhnlichem Neuß' ren, trug militärisch' Uniform.

Er musterte Pepa in zudringlicher Weise. Fra* Maretkat war noch immer eine vollendet schöne Dame von schlankem, ebenmäßigem Wüchse, mit schwarze», glänzendem Haar und p-achtvollen dunklen Augen. I« diesem Aagenbl ck war fie auffallend blaß, richtete fich aber unter dem Bl ck des KommiffärS stolz aus trab ließ keinerlei Verlegenheit merken.

Sie well' e sprechen, jedoch der Richter machte eine Bewegung.

„Watten Sie, bis Sie gefragt werden!" suhr er fie grob an.

Dann machte er eine lange Pause, als ob er dr« Qual der ernten Frau möglichst in die Länge ziehen wellte. (Ff