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druck und Verlag des Kuldaer Actiendruckerei in Zulda (Harmonie).
Zernsprecher Nr. 9.
Zulda, Freitag, den 15. April 1904.
31. Jahrgang.
Warna Angsta.
Bon Komtesse de Beaurep aire-Louvagny Genehmigte Uebersetzung aus dem Französischen.
14 ------ (Nachdruck verboten.)
Maria-Angela strahlte vor Freude. Er war aber auch eine seltene Feier, deren alle Tettnehmer sich »och lang; erinnerten. Jeder hatte dam beitragen wolle». Bikar Preval und die Schwestern klopft.» bei opferwilligen Bekannten und Freunden an, Isabella und Maria-Angela plünderten noch einmal ihre Gar- deeobe, um zu dem Feste beizusteuern. Die ganze Familie Radm wurde neu gekleidet, und den jüngeren Gliedern derselben leuchtete ter Stolz aus den Augen über eine solch ungewohnte Pracht.
Herr MareSkat und seine Kinder hatten sich als Paten und Patinnen erboten.
Die Taufkapelle bot an diesem Tage einen malerischen Anblick.
Klein-Peter, der hübsche Knabe mit de« blauen Augen und den blonden Lecke», gekleidet in ein Sanu- kostüm — letztes Merkmal »ergo«'genes Reichtums — hrtete auf dem ersten Platz. Trotz seines kindlichen Alter» fühlte er sich duichdrungen von der Wichtigkeit fernes Amtes und bewahrte eine ernste, würdige -**!e25- Wenn Pepa ihn hätte sehe» können, wie er die xa$e «» der Hand, so fromm daS Glaubens be- Eknvtais ablegte, sie wäre zu Tränen gerührt worden.
Wahrend der Meffe empfingen Justins und zwei chrer Schwestern di- erste hl Kommunion; fie wurden Mw Tische des Herrn begleitet von Later und Mutter Radin, Herrn MareSkat, Isabella, Maria-Angela «nd Margarete.
Als alle auS der Kirche kamen, trat Radin auf Poupee zu, um ihr sein Glück und seine Dankbarkeit auszu'prechrn
„Sehen Sie, Fräulein," sagte er, „ich kenne «ich selbst richt wieder, ich komme wir wie ausgewechselt vor. Man darf es uni armen Leuten aber nicht zu
viel verargen, Wern wir oft unor, nünftig find. Wer da arbeitet und sich quält und doch nicht vorwärts kommt, nicht nenug erwerben kann, um für die vielen Kinder das Nötige herbeizuschaffen, der wird endlich überdrüssig und sucht sein Elend zu vergeffen, wie tr kann. Und wenn kein Brot im Haufe ist, dann trinkt man mal gern ein Gläschen, das ein Kamerad traktiert; am nächsten Zahltag gibt man's wieder
und noch einige dazu. Auf diese Weife kommt die böse Gewohnheit, man wird mit der Zeit schlechter Gatte, schlechter Beter."
„Das ist nun allcS 'vorbei," antwortete Poupce, „Sie kennen ja jetzt das Mittel, Ihren Fehler wieder gut zu machen."
„3fß, Ihnen sei Dank dafür, ich werde es nie bergt ff en. Und da auf die Fürbitte der guten Schwestern mein Fabrilherr mich wieder in Arbeit nehmen will, fo soll man mich nicht mehr in der Wirtschaft sehen. Des Sonntags-Nachmittags will ich lieber in die Küche gehen."
„Der Segen wird nicht ausbleiben. Und wie glücklich wird sich jetzt Ihr Familienleben gestalten. Da Sie sparsam werden, Hal die Not auch ein Ende. Die Schwestern wollen sorgen, dat; Ihre Kinder gut untergebracht werden. Justme ist fleißig und verdient, und auch Ihre zweite Tochter . . . ."
„Auch daS verdanke» wir Ihnen!"
„Was die ander» bktvfft, so werden zwei im nächste» Maimonat, nach ihrer ersten hl. Kommunion in die Lehre treten; so ist den» die schlimmste Zeit sür Sie vorüber."
Dre Zukunft bestätigte diese Boraussage.
I» Maria-AngelaS Leben hatte diese Episode ein wenig Licht und Trost gebracht. Aber trotz der Freude über de» Erfolg ihrer edlen Mühen ließe» sich die Befürchtungen um das Wrhl und Wehe der Ihrige» nicht unttrdrücken, jo, sie träte» jetzt heiliger auf, als je zuvor. Der kleine Notpfennig, in den sie nur mir Schrecken heranging, schmolz rasch zusammen, ungeachtet der größten Sparsamkeit. De Kleider wurden dünn und schäbig und die Stiefel verichliffea. Diejenigen, welche sich praktisch der Armenpflege widmen.
wissen davon zu erzählen, wie das Schnhzeng den Familienmütlern die meiste Sorge macht. Poupee zer- marte't sich den Kopf, um Rat ju schaffen.
WaS lhr jedoch den meisten Kummer verursachte, war das auffallende Altern des Baiers, daS jeder bemerken mußte. Tie vormals so schlanke, elegante Gestalt war gebückt, sein Haar schneeweiß, die Gesichtsfarbe gelblich, die Wangen eingefallen. Die leblojen Auzen geben ihm beinahe das Ausiehen einer Leiche. Pouvce tarnen die Tränt n, so ost sie ibn betrachtete.
Auch Isabella war nur mehr der Schatten iheer selbst, die herbe Enttäuschung und die lange Krankheit hatten sie vollständig gebrochen. Wie war ihr doch ehemals das Leben so schön erschienen! Sie hatte sich chon im Geiste in Kranz und Schierer gesehen am Sterne des geliebten Mannes, de» sie aller Achtung und Zärtlichkeit würdig glaubte! Ach, der süße Traum hatte ein jähes Ende gesunden! Nichts war geblieben, als die graufawe Wirklichkeit: Arbeit und En sagung. Isabella konnte sich in dieses Dasein nicht schicken, und je länger die PrüfungSzeir sich hinrog, um so geringer wurde ihre Widerstandskraft. Die Mahnungen Maria Angelas nutzten nichts mehr. Mit lebhastem Schmerze sah diese, wie ihre Schwester, scheinbar mit Maleret beschäftigt, stundenlang untätig die Pinsel n der Hand hielt, in trübe Gedanke» verloren. Ihr Arbeitspensum tourte sehr ost nicht erledigt.
Poupee übernahm auch dieses. Sie setzte einige Stunden der Nach: an, schränkte sich im übrigen »och etwas mehr ein . . ., jedoch nicht ohne die geheime Furch», ihren Kräjten zuviel zuzumuten. Wenn diese Angst Lbeihandnahm, dann kniete fie hin vor dem Kreuze, klagte Gott ihre Not und Sorge. Und ge- tärkt erhob sie sich dann wieder zu ihrer schweren üujgabe
Soviel fie jedoch auch selbst litt, dem Vater suchte ie nach Möglichkeit den Kummer zu erleichtern. Seine Blindheit erlaubte de» Kindern manch zartfühlende Täuschung. Poupee beschwor Jsabtlla, ih; darin bei« zustehn. und diese war trotz ihres bedauerliche» Gemütszustandes von denselben edlen Bestrevungen erfüllt.
Man verheimltchte dem Vater die zunehmende
Stimmungsbild aus dem Reichstage.
Im Reichstage belehrte und examinierte heute der Alleswisser und Alleskönner Bebel de« Reichskanzler ll* Stunde» lang, wie man Politik zu treiben hat. Der selbstbewußte Drechs- lermeister in gehobener Lebensstellung scheml sich allmälig auch das Rebenmonopol in feiner Partei aneignen zu wollen. Ec wird aber nicht gerade kurzwelliger, wenn er das Reden gar nicht mehr lassen kann und jrden alten Quak immer wieder breit tritt. ES kostete ihm heute große Mühe, das Haus zu fesseln. Erst wollte es gar nicht gelingen. Hätten nicht seine Freunde zeitweilig durch Beifall und Zwischenrufe für etwas Leben gesorgt, so wäre der größte Teil seiner Rede auf vollftä-dige Teilnahmlostgkeit des HuuseS gestoßen. Mtt besonders ermüdender Weit« fchwerfigkeit verbreitete er sich, nachdem er die übrige auswärtige Politik abgehandrlt hatte, wieder Über die Russenausweifungen. Selbver- ständlich fehlte auch diesmal die Anpreisung der völkerverbindenden Sozialdemokratie nicht. Das beste an der Rede war eine scharfe Abfertigung der Nationalliberalen mit ihrer künstlichen Aufregung über § 2 des Jesuitengefetzes. Hier fand er scherzende und treffende Worte, die auf Kosten der Sattler und Genossen der großen Mehrheit beifällige Heiterkeit abrangen.
Reichskanzler Graf Bülow machte Herrn Bebel die Freude, ihm sofort auf einiges za antworten, insbesondere in betreff der Russen- ausweifungen und der Neutralität in Ostasien. Dabei kehrte er geschickt den Spieß um und wurde aus dem Angegriffenen zum Angreifer der Sozialdemokratie. Bon allzu großem Belang war allerdings die ganze Auseinandersetzung mit Bebel nicht. Dann kam der Reichskanzler auf die gestrigen Verhandlungen zurück und antwortete auch auf einz-lne Bemerkungen dec Abgeordneten v. Kardorff, Golhein, Rickiin und Graf Revenr- low. Dem Abg. v. Kardorff gegenüber wiederholte er im Wesentlichen das, was er vor einiger Zett bei dem Festmahle des Deutschen Landwirtschaftsrates über feine Stellung zur Land« wirtschaft und über die Handelsverträge gesaat hat. Auf den Zwischenruf des Abg. v. Kardorff, wann denn nun die Handelsverträge gekündigt werden sollten, reagirte er natürlich nicht. Gegenüber dem Abg. Ricklin führte er aus, daß die weitere Ausgestaltung der staatsrechtlichen Auto« nomie Elsaß-Loth ringens nur allmähliz erfolgen könne mit der Stärkung des Reichsgedankens in Len Reichslanden. Recht unsanft sprang er mit dem Grasen Reoenllow um, gegen den er von der Waffe des Spottes reichlich Gebrauch machte. Die Krakehler, denen nichts recht zu machen ist, sind ja leicht zu schlagen mit dec Frage, wie sie selber es denn machen würden.
Schließlich kam Gras Bülow auf die Aufhebung des tz 2 des Jesuitengefetzes zurück, gegen die er von allen Rednern kein einziges fachliches Moment gehört habe. Wmn man glaube, daß die Aushebung heute nicht mehr die
Mehrheit de^ Rrichs-ages für sich habe, so iönne man ja die Probe auf dos Exempel machen mtt einem Anträge auf Wikderberstellurg des § 2. Man habe bie A t und Weise getadelt, wie dir Aushebung erfolgt sei. Aber eS sei doch kein Veifaffungsartikel verletzt und von einer Überrumpelung der Bundesstaaten Iönne doch keine Rede sein, nachoern er vor dreizehn Monaten artgekündigt habe, daß die preußischen S.tmmen für die Aushebung abgegeben werden sollten. Nochmals legte der Reichskanzler dar, daß er nrcht mit einer einzigen Partei gehen könne, sich aber auch dem Zentrum nicht mit Haut und Haar verschrieben habe. Was von Kardorff über die da»kenswerte Mitarbeit des Zentrums an nationalen Fragen gesagt habe unterschreibe er. Dem Adg. von Hkydebrond danke er für die Mahnung an tie protestantische Bevölkerung, sich durch die Erreaung nicht zu einer Haltung drängen zu lassen, die dem Interesse des konfessioneller Friedens und des L rüdes widerspreche. Angesichts mancher schweren Wolken am Horllont dec inneren und äußeren Politik sei die Erhaltung des Friedens unter den Konfession en dringen) nötig.
Daß man das ewige Gezeter Über die Aufhebung des § 2 und über dre ultramontane Gefahr gründlich satt bat, hätte nicht besser illustriert werden können als durch das Verhalten des Hauses gegenüber dem folgenden Redner, dem nationalliberalen Abg. Dr. Hieb er. Dieser Führer des Evangelischen Bundes in Württemberg mutzte feinen Schmerzensschrei in einem fast leeren Saale verhallen lassen. Nur seine engeren Parteigenossen hielten diese Deklamationen aus, dir besser in eine Versammlung des Evangelischen Bundes gepaßt hätten. Selbstverständlich will auch Dr. Hreber den konfessionellen Frieden. Er will die katholische Kirche nicht im mindesten antasten, er hat es nur mit dem Mtramontanismus zu tun. Was er im übrigen ausführte, haben wir in letzter Zeit so oft gehört und gelesen, daß es sich nicht lohnt, hier weiter einzuzeheu.. Bezeugt soll dem Redner übrigens werben, daß er sein übervolles bünd- lerisches Herz ausfchüttete, ohne sich zu groben Ausfällen verleiten zu (offen, die man von feinen Gesinnungsgenossen sonst gewohnt ist. Er wußte eben genau so wie der Abg. Dr. Sattler, daß et damit im Hause nicht den erwünschten Widerhall gefunden hätte.
Der Abg. Stockmann, Konsistorialpräsident von Münster, gab im Gegensatz zu seinem Fraktionsaenossen v. Kardorff seinem Unbehagen Über die Aushebung des § 2 des Jesuitengesetzes Ausdruck Da auch ec die vom Reichskanzler vermißte» sachlichen Gründe gegen die Aufhebung nicht beizubrmgen vermochte, so klagte er vor allem, daß durch die Aufhebung an dem modus vivendi von 1687 gerüttelt worden fei, und behauptete, der Beschluß des Reichstags habe für den Bundesrat nicht mehr maßgebend fein dürfen, da sich inzwischen die Stimmung geändert habe. Sein Beweis für letztere Be
hauptung lief darauf hinaus, daß die pro- tqitanlihüen Synoden und Kirchenbehörden über ba^ Muß der den Kacholikm zu gewährenden Rechte U id Freiheiten zu bestimmen haben sollen.
Staatssekretär Dr. Nieberding wies mit unanfechtbaren juristischen Gründern unterstützt zudem durch eine dreißigjährige Hebung die Ver- faffapgämäßigkett des Bunsesratsbeschluffes nach.
Mtt siegreicher Frische und Schlagfertigkeit ging dann noch der Abg. Dr. Bachem gegen die Herren Hicber und Stockmann vor, deren Saphuttk uno konfessionelle E.njeitigkstt er gründlich bloSLgte. Bewnders hübsch war es, wie tr die von Hreber wieder beliebte Unterscheidung zwischen Katholizismus und Ul ramontanismus ad absurdum führte mit dem Hinweis auf die Verwahrung d'-eseS selben Herrn Hieber gegen dreUnterscheidung zwischen liberalem und positivem Vrotestanttsmus durch den A;g. Dr. Spahn. Tas brachte den tapferen Vorkämpfer des Eoangeltschkn Bundes sichtlich in große Verlegenheit.
DeutachesnRekh
Berlin, den 14. April 1904.
*** In Abgeordnetenhaus ist die Sekrmdärbahn-Borlage eingegangen. Es werden unter anderen gefordert: zur Herstellung einer Eisenbahn von Bausrwitz nach der Reichsgrenze in der Richtung aus Troppau die Summe von 3 255 000 Mk, von Guhruu nach (Blogau 2 730 000 Mk., von Hirschberg i. Schl, nach Lähn 46.0000 Mk., von Paderborn-Nord nach Lippspringe 885 000 Mk., von Brügge-Ob erbrügge nach Wipperfürth und Radevormwald 5143000 Mk., von Overath noch Kalk 4650000 Mk., von Fürstenhausen nach Gr.-Rosseln 2178oco Mk., ferner werden gefordert für Einführung des staatseigenen Betriebes auf der oberschlesifchen Schmalspurbahn und den Erwerb der dem bisherigen Betriebsunternehmer gehörigen Anlagen und Belriebsmütel die Summe von 3 270 000 Mk., zur wetteren Beteiligung des Staates an demUnternehmen des Oberhausener Wasserwerks durch Uebernahme von 72 000 Mk. neuer Aktien die Summe von 108 000 Mk., zur Förderung des Baues von Kleinbahnen 5 000 000 Mk.
** Tie Freisinnigen haben zum Etat des Rrichskanz'ers eine Resolution beantragt, wonach dem Reichstage alsbald ein Gesetzentwurf vor- selegt werden soll, durch welchen Art 5 Abs. 1 der Verfassung des deutschen Reiches dahin et« gänzr wird, daß bie zu einem Reichsgesetze er» orderttche Uevereinftimmung dec Mehrheitsbe- chlüsse des Reichstags und des Bundesrats im Lause einer und derselben Legislatur
periode herbeigeführt werden muß. — Wen» nun aber der Reichstag aufgelöst wird, nachdem et umnittelvat vorher noch wichtige Gesetze, etwa den Erat angenommen hat, wie beulen sich bu Antragsteller bann die Sache? Dem Bundesräte muß doch Zeit gelassen werden, dazu Stellung zu nehmen, ier Antrag null em richtiges Gelegenheitsgesetz, weil den Antragstellern bie Zustimmung des Bundesrats zu d-m Gesetz' entwurf wegen Aufhebung des § 2 des Jesuiten- gesches nicht gefaßt.
§ Die Interpellation bet Zentrumsab-eord« netsn Stötzel und Brust wegen der Stilllegung vou Kohlengruben im Ruhrgebiet hat sofort wieder die Eifersucht der Sozialdemokraten wach gerufen. Sie haben eine Interpellation im Reichstage eingebracht unb der .Vorwärts' bemerkt dazu: „Aus vielfachen Gründen ist bet Reichste g wut mehr zur Behandlung dieser allgemeinen politischen Frage geeignet als das Abgeordnetenhaus." Tie „vielfachen Gründe" schrumpfen tatsächlich auf den einen zusammen, daß es im Abgeordnetenhause keine Sozialdemokraten gibt. Den Landtag geht die Sache an, denn nur bie preußische Regierung kann etwas tun gegen das Stilllegen der Zechen. Das Reich hat kein Aufsichtsrecht über die Bergwerke.
* Der Ausschluss von Geistliche« bei sozialdemokratischen Begräbnissen soll künftighin streng durchgefährt werden. In einer Versammlung des sozialdemokratischen Wahl« Vereins für den 4 Berliner Reichstags Wahlkreis wurde beschlossen, den verstorbenen Mitgliedern nur dann einen Kranz mit roter Schleife z» widmen, wenn kein Geistlicher bei der Be> etbigung milw-rkc. Wir betont wurde, soll di< Anwesenheit der Gcrstt'.chen bei diesen Begräbnissen öfters zu Störungen Anlaß gegeben Huben. Dir andern sozialdemokratischen Vereine werden ähnliche Beschlüsse süssen, in einigen sind derartige Anträge schon angenommen.
* Au Rrichsmürrzeu wurden ausgeprägt im Monat März tüt 7 533 000 Mk. Doppel- kronen, 745 470 Mk Kronen, 6 872 310 Mk. Fünfmarkstücke, 3 277 256 Mk. Zweimarkstücke, 68 600,95 Mk. Fünfpfennigstücke, 23 197,81 Mk. Einpfennigstücke.
* Regensburg, 14. April 1904. Die Vorbereitungen zu der diesjährigen Genetalver. fammlung der Katholiken Deutschlands sind in bestem Gange. Die Baukommisston hat den Vertrag zum Ausbau einer eigenen Festhalle abgeschlossen. Die Halle wird eine Länge von 80 und eine Breite von 40 Meter erhalten, so baß im Parterre allein 6000 Sitzplätze vorhanden fein werden. Für die geschloffenen Versammlungen unb Festlichkeiten stnb die Lokale beschafft. Für die Presse wird in ausgezeichneter Weise gefolgt werden. Man braucht auch keine Sorge um Wohnungen zu gaben, denn die Gastfreundschaft Regensburgs ist bekannt. Bedenkt man dabei bie schöne Lage der alten Donaustadt, die vorzüglichen Verbindungen der central
Slrmui, ja »och mehr, man erheuchelte «inen größeren Arbttttauftrag, befferen Veeb-rnft, um ihm eine b«fiere Nahrung bieien zu dürfen. Die beiden aßen bafui etwas weniger. Für Isabella war es kaum ei» Opfer, fie nahm überhaupt so wenig zu fich, auö Pflicht< gesühl gerade genug, um sich am Leben zu erhalten. Anders Poupee! Sie stand als die erste aus, ging zuletzt zu Bett, hatte beit Tag über harte Arbeit — ihr hätte ordentliche Nahrung not getan. Aber in diesem einen Punkte süiidigte fie gegen bie Wahrheit: bei jed-r Mahlzeit versicherte sie, keine» Hunger zu haben, und verteilte ihre halbe Portion unter bie jüngeren Geschwister.
Ihre Angst, ob sie ein solches Darben lange aus- halten würde, war nur zu begründet. Was fie allein aufrecht erhielt, war die Hrffaung auf Gott, der Glaube an seine Vorsehung.
An schmerzlichen Ueberraschungen fehlte (8 trotzdem nicht. Wenn fie dachte: — Ich muß die- oder jenes kaufe», hieß es gleich mit einem Seufzer: „Wenn ich kann!" Sie, die im LvxuS aufgewachse» war, fühlte doch eine Regung von Ungeduld, wen» fie z B. dem kleine» Pet>r nicht einmal ei» paar Schuhe siebe» konnte, die er doch so dringend nötig hatte. Aber diese Augenblicke der Empörung gingen schnell vorüber. Ei» Blick auf das Kruzifix gab ihrer Seele die ergebungSvolle Ruhe zurück.
Herr MareSkat ließ sich aber nicht bintergehen. Ohne eS zu wollen, in der besten Absicht fügte MariwAngela einen weiteren Dorn denen bei, welche schon sein Herz zermarterten. Er begriff alles, und wenn er fich eine Zeitlang zufriedenstellte mit den Erklärungen, so geschah dies nur, um dem edelmütigen Mädchen den Schmerz der Enttäuschung zu ersparen. Er empfand wirkliche Hochachtung und Betounderung vor dem Heroismus dieses sechszehnjährigen Kindes, Mit welcher Zärtlichkeit schloß er Poupee in sein Arme! Und wie rührend unterhielt er fich mit ehr über die fernweilende Mutter! Alle Hoffnungen, aber auch alle Besorgnisse bereinigten fich in dem Gedanken um die Verlorene. Was war in diesen endlosen Moniten iuä ihr geworden? (F. s.)