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vruck und Verlag d« ZuldaerActiendruckere in Zulda (Harmonie) Zernsprecher Nr. 9.
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Hulda, Donnerstag, den 14. April 1904.
31. Jahrgang.
Naturwiffenschasttiche Rundschau.
Von Dr. Albert Neuburger, Berlin.
------ (Nachdruck nrboteu.)
UR. Die glückliche Rückkehr der deutschen Südpolarexpedition Hal von neuem das Interesse der weitesten Kreise auf die arktischen Regionen und ihre Gefahren gelenkt. Der Unmenge von Bedrängnisien, die den kühnen Forscher dort er- warten, fielen nur wenige Erscheinungen und Ereignisse gegenüber, die geeignet sind, einige Abwechslung in die lange und trostlose Nccht des Polarwinters zu bringen. Unter diesen Erscheinungen steht sowohl seiner Schönheit, wie auch des wissenschaftlichen Interesses wegen, das es darbietet, das Nordlicht obenan. UM di« Art und Weise, wie es entsteht, ist man heute noch ebenso im Unklaren, wie im Jahre 1716, in welchem ein großes und lange andauerndes Nordlicht — wohl das bedeutendste, das jemals beobachtet worden ist — in Deutschland, England, Frankreich und Holland zu sehen war, das die Gelehrten dieser Länder anregte, sich näher mit dem Studium der merkwürdigen Naturerscheinung zu befassen. Damals stellte ter englische Physiker Edmund Halley die erste Theorie des Nordlichtes auf, der seitdem eine ganze Anzahl weiterer gefolgt sind. Halley war es auch, der zuerst in dem genannten Jahre die sehr richtige Beobachtung machte, daß der Bogen des Nordlichtes nicht genau zum Nordpol der Erde hinführe, sondern etwas abweiche und zwar ebenso viel wie die Magnetnadel, die ja bekanntlich ebenfalls nicht genau nach dem Nordpunkte der Erde zeigt, sondern nach einer anderen benachbarten Stelle, nach dem sogenannten magnetischen Nordpol. Aus dieser Beobachtung schloß Halley, daß zwischen den magnetischen Erscheinungen und dem Nordlichte irgend welche Beziehungen obwalten müßten und er stellte die Theorie auf, daß das Nordlicht ein magnetischer Ausfluß sei, der sich um die Erde herum vom Nordpol zum Südpol wendet.
Viel mehr, als damals Halley wußte, wissen wir im Ganzen und Großen genommen auch heute noch n cht über das Nordlicht, doch hat die Wiffenschaft in anderen Disziplinen inzwischen ungeheure Fortschritte gemacht und es ist deshalb intereffant zu erfahren, welche Erklärungen man in jüngster Zeit vom Standpunkte unserer heutigen modernen Erkenntnis aus für die Entstehung des Nordlichtes versucht hat. Es seien deshalb die beiden längsten Theorien über dasselbe, die beide erst wenige Wochen alt. sind, hier wieder gegeben. Die eine derselben rührt von Profesior Dr. I. Sah ulk a in Wien her und bringt das Nordlicht mit der Achsendrehung der Erde in Zusammenhang. Von der schon erwähnten Tatsache ausgehend, daß zwischen Erdmagnetismus und dem Nordlichte vielfach beobachtete Beziehungen bestehen, sucht Proseffor Sahulka zunächst das Zustandekommen des Erdmagnetismus zu erklären. Er tut dies, indem er annimmt, daß bei der Drehung der Erde die obersten Luftschichten sich nicht so schnell drehen, wie die Erde selbst und daher etwas zurück- bleiben. Da diese Luftschichten elektrisch sind und infolge ihres Zurückbleibens eine kreisende Bewegung um die Erde beschreiben, so wirken sie ähnlich auf diese, wie ein elektrischer Strom auf einen Eisenkern wirkt, um .den er herumkreist: ebenso wie der Eisenkern magnetisch wird, so wird es auch die Erde. Dieser Magnetismus der Erde wächst aber nicht ins Unendliche, sondern es findet an den Polen ein stetes Wus- strahlen der magnetischen und elektrischen Ladungen von der Erde nach dem Himmelsraume statt. Diese elektrischen und magnetischen Ausstrahlungen der Erde sind es, die wir nach Professor Sahulkas Annahme .in Form des Nordlichtes bemerken.
Eine andere Theorie des Nordlichtes hat Professor C. H. Nordmann vor kurzem vor der französischen Akademie der Wissenschaften dargelegt. Beobachtet man das Nordlicht durch einen Spektralapparat, so erhält man dasselbe Bild, wie wenn man sogenannte Kathodenstrahlen beobachtet, die in einer mit verdünnter Last gefüllten Röhre entstehen. Auf Grund dieser Tatsache folgert Nordmann, daß das Nordlicht weiter nichts sei, als eine Erscheinung von Kathodenstrahlen, die am Nordpole auftreten. Seine Theorie enrhält eine Menge geistreicher Ausführungen und sie hat den Vorzug, daß sie wenigstens einigermaßen auf experimenteller Basis beruht, nämlich auf Beobachtungen mit dem
Spektralapparat. Ob aber er, oder ob andere mit ihren Ansichten recht haben, das wird erst durch noch weitere Forschungen aufzuklären sein.
Eine roch ältere naturwissenschaftliche Frage, als die nach der Natur des Nordlicht s ist die nach der Menge des Lichtes, das die Erde von der Sonne empfängt. Mit dieser Frage haben sich schon die Philosophen des alten Griechenlandes beschäftigt und erst heute sind wir durch Vervollkommnung der Lichtmeßapparate so weit, daß wir auf sie eine einigermaßen zuverlässige Antwort zu geben vermögen. Die neuesten Untersuchungen auf diesem Gebiete rühren von dem französischen Forscher Charles Fabry her, der seine Messungen zu Marseille am Niveau des Meeres aussührte, da er sehr richtig annahm, daß die Beobachtungen verschiedener Forscher dann am besten überein- stimmen werden, wenn die Höhe, bei der sie angestellt werden, ein für alle Male die gleiche ist. Aehnlich, wie man für vergleichende Baro- metermesfungen das Meeresniveau benütze, so benützte er es auch als Normalpunki für seine Lichtmeffungen. Zum Vergleich gebrauchte er eine Normalkerze aus Wachs, wie solche nach bestimmten Vorschriften für derartigeLichtmeffungen angefertigt werden. Als Resultat seiner Untersuchungen ergab sich, daß bei mittlerer Entfernung der Sonne von der Erde ein von der Normalkerze ein Meter entfernter Punkt von der Sonne 100 OOOmat so viel Licht empfängt, als von dec Normalkerze oder mit anderen Worten: die Stärke des Sonnenlichtes ist rrotz der weiten Entfernung der Sonne von der Erde, wenn es auf dieser letzteren ankommt, immer noch 100000 mal so groß, als die einer Normalkerze. Berechnet man hieraus die Verhältniffe, wie sie auf der Sonne liegen, so ergibt sich, daß der verhältnismäßig so unendlich kleine Raum von einem Quadratmillimeter der Sonnenoberfläche ebenso viel Licht aus sendet, wie 1800 Kerzen.
Eine Arbeit, die dem oberflächlichen Beobachter wohl kaum auffällt, und deren sich viele wohl überhaupt noch nicht bewußt geworden sind, ist die Arbeit, die die Pflanze leistet. Es ntag auf den ersten Anschein absurd klingen, daß auch die scheinbar so ruhig dahinlebende Pflanze arbeitet. In der Tat aber ist die Arbeit mancher Pflanzen ungeheuer groß, und sie äußert sich wie jede Arbeit in Werten, die durch sie geschaffen werden. Die ganze Sache wird nicht mehr so absurd klingen, wenn wir darauf Hinweisen, was doch wohl niemand leugnen wird, daß das Heben von Wasser eine Arbeit ist, und daß die Befeuchtung der Atmosphäre durch eben dieses Waffer einen in vieler Hinsicht nicht zu unterschätzenden Nutzen darstellt. Wie groß die von manchen Pflanzen vollbrachten derartigen Arbeitsleistungen find, ist erst in jüngster Zeit durch genauere Untersuchungen festgestellt worden. So hebt z. B. eine Eiche von drei Meter Höhe, also von mittlerer Größe, in vierundzwanzig Stunden nicht weniger als IC00 Liter Wasser aus dem Boden, indem sie dieselben heraussaugt. In der Sekunde sind dies zwölf Kubikzentimeter, alfo mehr als ein kleines Weinglas voll. Das angesaugte Waffer verdunstet dann wieder aus den Poren der Blätter und verleiht der Luft einen Teil ihrer Feuchtigkeit. Dieser Feuchtigkeitsgehalt der Luft ist aber wieder von außerordentlichem Einflüsse auf die klimatischen Verhältniffe der einzelnen Länder und in ihm äußert sich der Nutzen, den die Arbeit der Pflanze schafft. Welcher Schäden entsteht, wenn diese Arbeit aushört, das läßt sich am besten an dem Beispiele Schwedens ersehen. Dort sind infolge der großen Zündholzindufirie in ganzen Länderftrecken alle Wälder abgeholzt worden und es hat sich dadurch das Klima dieses Landes derart verändert, daß die Fruchtbarkeit erhebliche Einbuße erlitt, und daß nunmehr von feiten der Regierung für neuen Anbau Sorge getragen werden muß.
Die schon so viel erörterte Frage, ob es gesünder sei, Zigarren, Zigaretten oder Pseifen zu rauchen, hat Proseffor Dr. I. Habermann neuerdings wieder zum Gegenstand seiner wissenschaftlichen Untersuchungen gemacht. Es ergab sich aus denselben, daß der Gehalt an Nikotin, das ja einer der schädlichsten Bestandteile des. Rauchens ist, am geringsten bei dem untersuchten Pfeifentabak, sogenanntem „Knaster" war; dann kamen die Zigarren und am meisten Nikotin enthielten die verschiedenen untersuchten Zigarettensorten, bei denen der Nikotingehalt zwischen 2,10 und 3,08 Prozent chwankte. Proseffor Habermann hat seine Untersuchungen auch auf die verfchiedenen Arten der Pfeifen ausgedehnt, und es hat sich hierbei ergeben, daß "die Resultate genau mit dem übereinstimmte, was die praktischen Raucher schon lange behaupteten: je größer nämlich bei einer Pfeife der Waffersack und das Pfeifenrohr ist,
desto geringer wird der Nikotingehalt des Rauches, der in den Mund kommt. Am meisten zu verwerfen sind deshalb die kurzen englischen Pfeifen, deren Rohr kaum Fingerlänge hat, und die gar keinen Wassersack besitzen. Vom gesundheitlichen Standpunkte aus wäre es sicher zu begrüßen, wenn man zu der immer mehr schwindenden Sitte unserer Väter und Großväter, den Tabak aus langen Pfeifen zu rauchen, wieder zmück- kehren würde. Auf einen Punkt lei jedoch noch ganz besonders hingewiesen: Als ein ständiger Bestandteil des Zigaretten- und Zigarrenrauches wurde schon von mehreren Forschern die Blausäure erkannt. Es hat sich nun bei den Untersuchungen Habermanns gezeigt, daß im Gegensätze hierzu der Pfeifenrauch überhaupt keine Blausäure enthält — wieder ein Grund mehr zu der Pfeife, dem Attribute deutscher Gemütlichkeit und Behäbigkeit, zurückzukehren!
[] Jit einem Militärzug durch die Mandschnrei.
Ein englischer Journalist A. Hall ist in einem russischen Militärzug durch die Mandschurei gereist und schildert nun feine Eindrücke und Erlebnisse in dem soeben erschienenen,Wide World Magazine' in fesselnder Weise. Von besonderem Interesse ist eine Schilderung der Zustände auf der mandschurischen Eisenbahn, die jetzt durch den Krieg zu so eminenter Bedeutung gelangt ist.
Mit Revolvern und schrecklich aussehenden Püffen bewaffnet, so erzählt Hall, kamen wir in Mandschurijo, der 1. Station des mandschurischen Zweiges der sibirischen Eisenbahn. Hier herrschte große Verwirrung; die Stationsgebäude waren voller Soldaten und viele lagerten noch draußen. Nach einer fünfzehnstöndigen Verspätung — das ist für ru'stsche Verhältniffe nicht viel — war der Zug zur Abfahrt bereit, und das Gereiße um bte Sitze begann schon. Wir befanden uns in einem TranSportzug, der Hunderte von Soldaten nach Wladiwostok und Port Arthur brachte. Die Offizier? besetzten die abgeteilten Viehwagen, die für diejenigen reserviert worden waren, die für einige Rubel extra die Annehmlichkeit einer „zweiten Klaffe" genießen wollten. Der Zug bestand meistens aus offenen Wagen, die so besetzt waren, daß nur wenige Soldaten gleichzeitig sitzen konnten. Ein weiß bemalter Wagen mit einem roten Kreuz enthielt ein halbes Dutzend Betten und Raum für zwei Pflegerinnen.
Merkwürdige Erfahrungen machte ich, als ich einige Tage später eine Gruppe Kulis photographierte. Ein Polizeibeamter, der die letzten paar hundert Meilen mit uns gefahren war, beobachtete mich scharf. Nach einer Stunde forderte mir ein Offizier streng memen Paß ab, und nach einiger Zeit erschien er wieder mit einem wütend aus- sehenden General. „Sie haben photographiert, das ist streng verboten, geben Sie mir Ihren Apparat und Ihre photographischen Artikel." Zu meinem Glück erschien ein Eisenbahndirektor, mit dem ich durch eine Skizze, die ich von ihm angefertigt hatte, in freundschaftliche Beziehungen ge-reten war und erklärte, daß ich ein harmloses Jndividium wäre. So kam ich mit einer Verwarnung davon, nicht zu photographieren, so lange wir in Rußland waren. „Aber wo endet Rußland," sagte ich und breitete eine Karte aus. „Hier," antwortete lächelnd einer der Offiziere und zeigte auf eine Stelle nicht weit von Peking. Vor der Tür des Erfrischungsraumes bewachte indessen ein Kosak meine photographischen Artikel, darunter auch einen Schwamm, Seife, Zahn- und Nagelbürsten, die er augenschnnlich auch für photographische Artikel oder' jedenfalls für gefährliche Waffen hielt. Auf ein Wort des Generals wurde alles zusammengepackt, und wir setzten unsere Reise in Frieden fort.
Der Eisenbahnfahrplan ist eine in der Mandschurei noch unbekannte Segnung der Zivilisation. Ein einflußreicher Reis, »der kann den Zug zu jeder Zeit und ans jedem Grunde zum Anhalten bringen, und das Weiterfahren des Zuges hängt zum großen Teil von den Eß- und Trinkfähig- keilen der Elite-Paffagiere ab. Es ist nicht ungewöhnlich, daß auf einer unwichtigen Station der Zug ein paar Stunden anhält, bis die Offiziere ihre ausgetrockneten Kehlen an allem Wein, den sie auftreiben können, genügend gelabt haben. Auf einer Station belustigte der General sich derart an den Poffen eines mandschurischen Sängers, der Lieder vortrug und tanzte, daß der Zug "längere Zeit warten mußte. Die Lieder bezogen sich, wie man uns sagte, auf den letzten chinesischen Krieg, und die begleitenden Tänze sollten eine Art Handgemenge vorstelleu. Ein heftiges Zusammentreffen mit einem eingebildeten Feind versetzte den Sänger in einen Zustand wahnwitziger Erregung, die ihren Höhepunkt erreichte, als die Verbündeten anscheinend in einem
letzten verzweifelten Kampf besiegt und vom Schlachtfelde vertrieben wurden. Immer wieder mußte er die Vorstellung wiederholen, bis er schließlich einen halben Silberrubel erhielt, worauf er mit einem überraschten und dankbaren Blick auf feinen Wohltäter auf die Knie fiel, die Stirn in den Schmutz preßte und in dieser Stellung blieb, bis der Zug entschwand. Sin anderes Mal wurde ein Zug zum Stehen gebracht, weil ein eingeborener chinesischer Magnat mit einem Maultierwagen quer über der Strecke hielt. Er machte keinen Versuch, bei Annäherung des Zuges aus dem Wege zu gehen, und als der Zug hielt, stieg er mit Hilfe eines halben Dutzends Diener gravitätisch aus, wählte ein passendes Koupee, stieg mit ruhiger Würde ein und schlummerte zwei Tage lang auf seinem Platz.
Die mandschurische Eisenbahn ist sehr schnell fertiggestellt worden; täglich wurde eine Strecke von etwa 5 Kilometer hergestellt; deshalb ist es kaum überraschend, daß die Lokomotive so häufig aus den Schienen springt und fast täglich eine Verkehrsunterbrechung vvrkvmmt. Nachdem wir die Höhe des Chingangebirges erreicht unv nach dem Fahrplan von Jrtusk 70 Stunden Verspätung hatten, schien der Zug das nun einholen zu wollen. Plötzlich gab es einen schrecklichen Krach. Der Reisende mir gegenüber fiel mir in die Arme, während er mit dem Kopf gegen das Holzwerk stieß. Unser Sitz war durch das Herabfallen einer schweren Holzk'.ste zerbrochen, und der Fußboden war mit ihrem Inhalt bedeckt. Der andere Paffagier, der geschlafen hatte, befand sich nun halb darunter begraben auf dem Fußboden. Er rettete sich aus den Trümmern und war mit einigen Quetschungen glücklich davongekommen, während dem ersten Passagier zwei Zähne aus- gebrochen waren und die Lippen gespalten. Zum Glück war niemand schwer verletzt, und der Verwundeten nahmen sich der Arzt und die Pflegerinnen an (,Freis. Ztg.')
* Schreibmaschine «nd anonyme Bries«. Die lichtscheuen Persönlichkeiten, die dem lieben Nächsten durch anonyme Briefe AergerniS zu bereiten geneigt sind, glaubten wohl in der Schreibmaschine ein sicheres Mittel gegen Entdeckung ihrer Miffelaten gefunden zu haben. Glücklicherweise scheint diese Hoffnung eitel gewesen zu sein. Ein Verleumder in Dünkirchen hatte, wie die .Köln. Ztg/ mttteilt, seine Schreibmaschine zur Anfertigung von Briefen gedachter Art benutzt. Der Zufall wollte, daß man diese Briefe mit anderen von derselben Maschine vergleichen konnte, und da ergab sich, daß diese zwei ausgeprägte und sich in der Schrift stets wiederholende Fehler hatte. Die Schreibmaschine wurde darauf beschlagnahmt und ihr Eigentümer mußte vor dem Untersuchungsrichter von neuem mit ihr eine Schreibprobe machen, wodurch die erwähnten Mängel nochmals bestätigt wurden. Nunmehr wurde der Vorsteher des tachygra« phischen Bureaus der Kammer als Sachverständiger zugezogen. Er konnte mit Leichtigkeit feststellen, daß die ihm vorgelegten verschiedenen Briefe von einerund derselben Person geschrieben waren, da sie insgesamt dieselben Flüchtigkeitsfehler und sonstigen kleinen Nachlässigkeiten aufwiesen, die den einen Maschinenschreiber vom andern unterscheiden. Da die Zeugenaussagen und übrigen Umstänte gleichfalls für die Schuld des Angeklagten sprachen, verurteilte die Straf'ammer diesen zu einem Monat Gefängnis, 200 Franken Geldbuße und 3000 Franken Schadenersatz. Die Verhandlungen ergaben, daß fast alle Schreibmaschinen Eigentümlichkeiten haben, die sich in der von ihnen gelieferten Schrift nachweisen laffen.
Entstehung und Wesen der gegenwärtige« braun- - scktmiaischen Regentschaft, von Dr. jur. Götz Werbrun. Verlag von Struppe und Winckler ' ' 7" in Berlin; Preis 1,60 Mark.
^Der Magdeburg!scheu Zeitung' entnehmen wir über diese Schrift folgendes: Die in letzter Zeit viel besprochene beabsichtigte Verlobung des Kronprinzen mit der Tochter des Herzogs von Cumberland wird von der welsischen Presse selbstverständlich als Gelegenheit benutzt, der Hoffnung auf die Wiederherstellung des Königreichs Hannover Ausdruck zu geben. Wir wollen hierbei nicht versäumen, auf obengenannte jüngst erschienene Schrift binzuweisen. Dieselbe enthält u. a. eine treffende Darstellung der Doppelrolle, die der Herzog von Cumberland einerseits als Fortsetzer des idealen Kriegszustandes mit Preußen, andererseits als landesfürstlicher Präsident spielt.
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