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31. Jahrgang.

Hulda, Dienstag, den 12. April 1904

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i Zweites Blatt i

selbst zrr erziehen, davon wird es in hohem Grade auch abhängen, wie in Zukunft seine Lage sich gestalten wird.

□ Handwerkerfragen.

Sine genossenschaftliche Gründung auch im Handwerk setzt einen hohen Grad von Gemein- stnn unter den angeschlossenen Mtgliedern vor­aus; er ist das Fundament für jede erfolgreiche Tätigkeit einer Genossenschaft. Die Genoffen- schaft bildet nämlich eine höhere, an den Opfer­mut und die Solidarität größere Anforderungen fbelleude Vereinigung, als eine Innung. In einer Genoffenschaft stoßen sich gerade die rna- teriellen Seiten und Interessen der einzelnen Handwerker. Der besser situierte Meister z.. B., der in einer Kreditgenossenschaft eine größere Anzahl von Anteilscheinen nimmt odn durch Spareinlagen der Genossenschaft Beirrebskapltal zuzuführen sucht, läßt habet Rücksichten der Konkurrenz auf den kleineren Meister fahren, den er durch seine Teilnahme an der Kredit­genossenschaft gerade unterstützt. Die gemeinsame Hebung des Handwerks ohne Rücksicht auf die besonderen mehr oder weniger großen Vorteile der einzelnen Mitglieder ist der leitende Gedanke einer Genossenschaft.

Deshalb wird man im allgemeinen an eine Gründung einer Genossenschaft nur dann Heran­gehen können, wenn man in gut geleiteten und in echtem gemeinnützigem Sinne arbeitenden Innungen bereits einen gewissen Untergrund hat. Fehlen solche, so ist eine Genossenschaft fast immer von vornherein auf losen Sand gebaut. Auch wo in den Innungen Uneinigkeit besteht, oder wo zwar Innungen vorhanden sind, in Urnen aber durch Abhaltung regelmäßiger, gut besuchter Versammlungen mit Erörterung von Standedfragen nicht praktisch gearbeitet wird, wird man nur schwerlich genossenschaftliche Gründun­gen zustande bringen. Hier zeigt sich besonders, daß die besser situierten Meister nicht „mithin" wollen; sie befürchten dadurch, daß durch den genossenschaftlichen Zusammenschluß auch die wirt­schaftlich weniger günstig gestellten Handwerker gestärkt werden, ihnen eine unangenehme Kon­kurrenz entstehen könnte und scheuen sich vielfach nicht, solche eigennützigen, jeden Gemeinfinn ent­behrenden Anschauungen auch offen auszusprechen. Um von vorn herein jeglichem Mißtrauen unter den Handwerkern bei der Gründung einer Ge­nossenschaft zu begegnen, muß auch alles oerurieben werden, was den Anschein erwecken könnte, als erwarteten die die Gründung betreibenden Mei­ster besondere Vorteile für sich. Ueberhaupt muß mit jeglicher Vorsicht bei der Gründung vorge­gangen werden; einen Versuch sollte man im all­gemeinen nur dann unternehmen, wenn man unter der Hand sich auch des wirklichen Zustandekom­mens der Genoffenschaft versichert hat; jeder miß­lungene, in der Oeffentlichkeit unternommene Ver­such drängt erfahrungsgemäß den genosfenschaft-

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Auf Capri.

Skizze von H. v. SchreiberShoseu. ------ (Nachdruck »ertöte» )

UR. Sie lehnte an der niederen Mauer, die den steilen Treppenpfad von Capri nach der matina gründe hinab begrenzte. Ihr schwarzes Haar bauschte sich voll und dicht um das schöne, edel geschnittene Gesicht mit der geraden Nase, dem runden Kinn und den wundervollen dunklen Augen, die ernsthaft aus daS in Abendbeleuch­tung schimmernde Meer hinab sahen.

Eine seltsame Beleuchtung, beinahe unheim- lich. Zwischen Capri und JSchia lag ein breiter Streifen von stumpfem Dunkelrst, hellgrün um­säumt; auf der anderen Seite zwischen Maffa und Capri zog sich ein blendend weißer Gürtel längs der Küste hin, die nach und nach dunkel­blau daraus emporwuchS. Iber im übrigen Golf war das Waffer schwarz und wie durch einen Riesenbesen in große Kreise gefegt — doch lag es ganz still da. In und um die Felsen­schluchten der Insel heulte der Wind, schüttelte die Bäume, daß die Enkalyptusblüten zitterten und schwankten, riß dürre Blätter von den Büschen, die an den schroffe» Felshängen wur­zelten, und wirbelte sie hinab in die Tiefe. Die weiße Rauchwolke am Vesuv lag wie eine züngelnde böse Schlange zwischen den beiden Gipfeln, als suche sie nach einem neuen Opfer der Vernichtung. Am Himmel stand schwarzes Gewölk, hier und da gelb gerändert, mit weißen Flocken, die der Wind schnell weiter fegte.

„Der Signor Enrico, der Jnglese, will nachts in die blaue Grotte fahren, ich soll Fackeln mit- nehmen"

Das Mädchen zuckte zusammen und sah mit jähem Erschrecken zu dem Burschen auf, der wie vom Himmel gefallen, plötzlich neben ihr stand. „Signor Enrico?" stammelte sie ftagend.

Sein Blick lief hastig, auslodernd Über ihre schönen Züge, und es huschte wie eine Wetter­wolke über sein Gesicht, dann lachte er auf: „Warum denn nicht? Ts tun's manche, warum er nicht? Um Mitternacht kommt der Mond." Lauernd sah er sie an.

Sie wurde bleich. „Der Wind wird Um­schlagen, sieh den Rauch des Vesuvs."

Er zuckce die Achseln. „Möglich, möglich auch nicht. Er zahlt gut, ich kann's gebrauchen. Warum soll ich sein Geld nicht nehmen?"

„Ec kennt die Wetterzeichen nicht." Ihre Stimme klang ängstlich.

Sein hübsches, braunes Gesicht verdüsterte sich, ein wilder, zorniger Blick leuchtete in seinen schwarzen Augen auf. „Er hat nicht danach gefragt, er hat befohlen, er weiß ja alles am besten. Basta!"

„Aber er verläßt sich auf Dich, Gmo!" Wieder der angstvolle Ton und die stumme Bitte

der Augen, die den Burschen nur noch mehr reizten.

Einen Augenblick hielt er den Atem an, ein neuer ZorneSdlitz fuhr durch seine Augen, dann stieg es wie eine finstere Drohung darin auf. „Auf morgen, Cefira!" Langsam ging er die Stufen zum Strande hinab.

Sie preßte die Hände zusammen, als sie ihm nachsah, ans ihrem Gesichte lag der Ausdruck un­ruhiger Angst, dann plötzlich eine stolze Genug­tuung. Nach einer Weile stieg sie hinaus bis zu einem Häuschen, das zwischen Zitronenbäume« und Feigen dicht am Abgrunde stand. „Secco!" lief sie halblaut.

Ein struppiger Knabenkopf tauchte auf. „Ceceo, lauf hinaus zum Signor Enrico, Du weißt, der Dir gestern 4 Saldi gab, um seinen Kasten zu tragen." Secco grinste und nickte. „Der Dir sagte. Du wärst das schönste Mädchm auf Capri, viel zu schön für einen Capresen?" Sie wurde rot. „Haha, Gino war fuchswild." — Sie holte tief Atem; ihre Hand zuckte, als möchte sieCecco einen derben Denkzettel erteilen, aber sie nahm sich zusammen — jetzt nicht, später vielleicht.

„Lauf hinauf und sage dem Signor Jnglese, er könne nicht in dir grotta aznrra, es sei Sturm zu erwarten."

„Kann morgen wieder gut fein," sagte Secco altklug, „laß ihn fahren!"

„Das verstehst Du nicht. Sage es ihm, aber jetzt gleich. Er wird Dir wieder einen Soldo oder zwei geben." Die schwarzen Kinderaugen blitzten begehrlich auf, und im Nu lief der Junge leichtfüßig die Treppe nach Capri hinauf, indes Cestra dem Straube zuging.

Die schwarzen Kreise auf dem Meere waren größer geworden, der rote Streifen war ver­schwunden, ein fahles Grau zog verhüllend über die Küste und schien langsam, aber unaufhaltsam auf dem Wasser näher zu rücken. Das Heulen des W ndes zwischen den Felsen wurde lauter und hohler. Ganz plötzlich wurde es dunkel, die. Nacht war da.

Hier und da stammten Lichter auf, von jen­seits des Meeres schimmerte das elektrische Licht Neapels durch die Finsternis, als ein blendend glänzender Streifen, der das Dunkel oben und unten noch tiefer erscheinen ließ. Die Uhren in Capri schlugen ....

„Es ist Zeit, Gino. Hast Du alles? Die Fackeln — so, vorwärts. Das Wetter ist schön, der Wind günstig. Der dumme Bengel, der Secco, aus dem Hause unter den Zitronen, meinte, ich sollte nicht fahren, es könne um­schlagen."

Gino knirschte mit den Zähnen, seine Augen hatten einen bösen Blick, er murmelte eine Ver­wünschung. indem er zugleich eine zum Ein­steigen aufsordernde Handhewezung machte.

Das winzige Boot schoß hinaus auf das dunkle Waffer. Für einen Ungeübten war es sehr finster, doch Ginos Augen sahen nachts so gut wie am Tage. Tr ruderte stetig und schnell. Das Waffer war unruhig, doch Signor Enrico bemerkte es kaum. Es handelte sich um eine

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lichen Gedanken auf Jahre zurück und ist nur zu leicht geeignet, das Genossenschaftswesen über­haupt zu mißkreditieren. Wo die Genoffenschaft jedoch am rechten Platze ist, wo sie vor allem vom Gemeinsinn getragen und tüchtig geleitet wird, wird sie, wie Beispiele zeigen, ohne Zweifel den angeschloffenen Handwerkern vielen Nutzen bringen und neben den materiellen Vorteilen auch ideale gewähren.

Viele Handwerker sehen den Nutzen der Ge- noffenschasten wohl ein, wollen jedoch deshalb nicht an eine Gründung Herangehen, well sie selbst vielleicht schon zu alt sind und für sich keine direkten Vorteile mehr erwarten ; sie setzen alle Erwartungen in dieser Hinsicht auf den Nach­wuchs, wie sie überhaupt von dessen Resor mar beit eine Hebung des Handwerkes in Zukunft erwar­ten. Diese abwartende Stellung ist ein Fehler. Gewiß sollen gerade am Nachwuchs im Hand­werk durch eine allseitige geistige und sachliche Bildung die Fehler verhütet werden, welche man ftüher gemacht hat und die den Großbetrieb so weit haben aufkommen laffen. Aber dem Nach­wuchs diese Reformarbeit allein überlaffen, heißt, dieselbe auf Jahre hinausschieben, bis der Nach­wuchs einmal herangewachsen und zu eigener Ar­beit befähigt worden ist. Ob dann das Hand­werk nicht noch mehr Terrain verloren haben, wird? Deshalb müssen auch die älteren Hand­werker „mittun". Ihnen steht größere Erfahrung und Besonnenheit zur Seite. Jugendliche Initiative und Tatkraft müssen sich mit der Erfahrung und Bedächttgkeit des Alters auch in Handwerkerfragen vereinigen. Wo sollen zudem die jungen Gesellen und Meister die Leitung von Innungen, von Ge- noffenschasten rc. lernen, wenn sie nicht an älte­ren, in solchen Dingen erprobten Meistern eine Führung haben? . ,

Ein in der allseitig durchgesührten Orgams ation des Handwerks zum Ausdruck kommender Ge­meinsinn ist die Grundbedingung für die Zukunft des Handwerks. Das gilt sowohl bezüglich der Stellung des Handwerks der öffentlichen Meinung, wie auch den Gemeinde- und Staatsbehölden gegenüber. Bei letzteren ist ohne Zweifel tm allgemeinen viel Wohlwollen für das Handwerk vorhanden. Damit dieses sich auch praktisch botumentiexen kann, ist es notwendig, daß die Handwerker in allen ihren Reformvorschlägen sich einig find. Es genügt nicht einfach, daß vielleicht die Handwerker in der Bekämpfung der Warenhäuser, der Konsumvereine u. bergt sich einig sind, sondern sie müffen diese Ei'i- müttgkeit auch in vraktischer Arbeit, wie sie in Innungen und Genossenschaften znm Aus­druck kommt, bekunden und hier kleinliche Kon­kurrenzrückfichten bei Seite stellen. Erft eine zu voller Konsequenz ausgebildete Einigkeit im Handwerk wird diesem die Sympathie des Staates und der Gemeinden erwerben und Er- folge sichern Dagegen schadet jede Aeußerung des Konkurrknzneides unter den Handwerkern der allgemeinen berechtigten Sache des Handwerks ganz gewaltig. Wie weit es dem Handwerk ge­lingen wird, sich nach diesen Richtungen hin

Wcrricr Angela.

Von Komtesse de Beaurepaire-Louvagny Genehmigte Uebersetzung aus dem Französischen.

12 ------ (Nachdruck verboten.)

Während der ersten Wochen ihres Hierseins hatte sie diese Mühe einer von Biktorme empfohlener Per­son überlassen, jedoch die Ebbe in ihrer Börse zwang sie, von diesem Luxus, wie sie es nannte, abzustrhen.

Sie erhob sich also de» Samttags sehr zeitig, um an dieses kritische Geschäft zu gehen. Da sie an dem zum Waschen bestimmten Ort nicht allein blieb, mußte sie manch leichtfertiges Wort, manche Klatscherei an­hören. Jedoch ihre Jugend - sie war dabei klein für chr Alter — ihr gefälliges Wesen, ihre einfache Höflichkeit hatten nicht gelitten, daß jemand der .kleinen Mutter", wie sie Poupee im Scherz nann­ten, zu nahe getreten wäre.

Darum wagte Justine Radin auch nicht, sie per­sönlich anzugreifen. Aber Isabella sollte dafür her­halten, denn auf irgend eine Man er mußte sie ihrer Eifersucht Lust schaffen. Daß jede der übrigen Arbeiterinnen Maria-Angela behilflich war. ihr den besten Platz überließ und zuweilen eine Handreichung leistete, ärgerte Justine. Ueberdies beneidete sie die hübsche Fremde um d r feinen, mit Spitzen und Ettckereien besetzten Wäschestücke, welche hier sonst unbekamtte Dinge waren.

Eiurs Samstag» war ihre Wut aufs höchste ge­stiegen. Der Vater hatte sie geschlagen, anstatt ihr das geforderte Brot zu geben. Sie mußte ihren Ar ger an jemand auslassen.

.Ich möchte aber doch wissen," rief sie, „was dies kleine Geschöpf hier am Waschfaß tut. Als wenn die Prinzessin Schwester, die feine große Dame, nützt ebensogut von ihrer Höhe heradsteigen könnte; wenn sie überhaupt die Schwest« ist. ... . Diese gehört sicherlich nicht zur Familie, sonst wär'» doch eine Schande....."

Die Frauen geboten ihr Stillschweigen, damit Maria-Angela nichts höre.

Dieser aber war kein Wort entgangen. Nur ihre plötzliche Bläffe zeigte die Erregung, sie äußerte keine Silbe.

Einige Tage später hörte sie gegen Abend einen fürchterlichen Lärm. Die Familie Mareskat kannte schon die wüsten Manieren de» Arbetter», wenn er betrunken nach Hause kam, und man wunderte sich nicht mehr.

Jetzt aber wurde eine Tür heftig aus- und zuge- schlagen, man vernahm Fluchen und Schelten, dann einen harten Fall und einen erschütternden Schrei.

„Das hat ein Unglück gegeben," sagte Maria- Angela, und mutig und mitleidsvoll lief sie auf den ^Justine Radin lag auf der Treppe mit blutender Stirn.

Poupee beugte sich nieder.

„Können Sie aufstehen?"

Justine sah sie böse an.

„Wa» wollen Sie?" knurrte sie.

„Ihnen behilflich fein, wenn ich kann."

„Sie?"

„Ja, ich."

Justme, die einen erneuten Angriff ihres Vaters befürchtete, versuchte, sich zu erheben. E» schien ihr Schwierigkeiten zu machm. Poupee ries Isabella herbei. Wir wiffen, daß diese äußerst gutmütig war. Sie kam sofort, und vereint unterstützten die Schwestern die B-rwundete und brachten sie in ihre eigene Behausung deren Türe sie hinter sich verrammelten, denn alle waren bange vor dem brutalen Radin.

Als Justine auf einem Stuhle saß, holte Isabella ein Waschbecken und Poupee wusch die blutende Stirn mit frischem Waffer. Es sand sich eine tiefe Wunde; offenbar hatte ein mit Wucht geschleuderter Hammer oa» Mädchen getroffen; es hätte den Tod davontra­gen können.

Maria-Angela kühtte vorerst die Stirn, dann fügte sie die Wimdränder zusammen und leg'e eine

Binde v"n Leinenstreifen um den Kopf, aller mit größter Vorsicht und Behutfamkeit.

„Jetzt legen Sie sich hier auf die Matratze, die ich schon sonst selbst benütze, Sie können nicht heim­gehen," sagte sie.

Justine antwortete:

„Ich bin hungrig, ich habe nicht zu Abend gegessen."

„Bei uns ist zum Glück noch etwas Suppe übrig geblieben; warten Sie nur solange, bi? ich dieselbe aufgewärmt habe."

Poupee verriet nicht, daß der Rest für den morgigen Tag aufbewahrt war. Selbstlos opferte sie ihre Portion, die sie durch ein Stück Brot zu ersetzen gedachte. Am anderen Morgen erwachte Ju­stine mit schwerem, schmerzendem Kops; sie litt sicht­lich unter dem Wundfieber.

„Ich will jetzt hinübergehen," sagte sie; „der Vater ist gewiß fort, und Mutter weiß nicht, wo ich bleibe."

„Tann will ich Sie begleiten," erbot sich Maria- Angela; Sie fühlen sich noch nicht stark genug, und vielleicht könnte ich noch nützlich fein." So kam Poupee zum ersten Mal in die Arbeiter Wohnung.

Eine widerliche Lust herrschte in dem halbdunklen Raume; Marrn-Angela fürchtete zu ersticken, doch ging sie tapfer voran, Justine am Arm geleitend.

Frau Radin empfing sie mit Schmähungen.

Aha, Sie find es, eie meine nichtsnutzige Tochter in ihrer Faulheit und Widerspenstigkeit unterstützt? Ihr Vater hat sie gezüchtigt. . . . Recht ist ihr geschehen, das sage ich, ihre Mutter. Wenn die Faulenzerin effen will, mag sie auch schaffen!"

„Ich bin nicht hergekommen, um irgend ein Unrecht Ihrer Tochter zu entschuldigen", antwortete Maria- Ang;la mit fünfter Festigkeit. „Sie war verwundet, und ich habe sie gepflegt. Noch jetzt ist sie krank..."

Krank?" höhnte die Mutter.

*3a, krank; ich kann Re nicht bei uu» behalten, da jedes von uns seine Arbeit hat; sie wollte auch

gern zu Ihnen zurückkehren. Ich werde sie bierver- vinden."

„Da» heißt, wenn ich Sie eintaffe!“

„Sie werden mir doch nicht den Eintritt ver­wehren, da Ihre Tochter dringend der Pflege bedarf ?" „Dann mag sie ins Hospttal gehen!"

„Es wird auch vielleicht nötig fein. Indessen möchte ich davon abrate«, denn sie müßte bann erzählen, tote das Unglück gekommen ist, und . . .“

Diese Andeutung hals. Die Alte verhinderte jetzt nicht mehr, daß Maria-Angela sich Justinens annahm, die vor Fieber zitterte.

„Sie müffen sich hinlegen", sagte Poupee, »e ist Ihr Bett?"

„O, hier sieht es anders au», als bei Ihnen", entgegnete Justine, deren Reid bei dieser einfachen Frage wieder aufloderte. „Hier gibt'» keine Matratzen. Da hinten schlafe ich mit meinen Geschwistern?"

Dabei zeigte sie auf einen Haufen Lumpen im Winkel, welcher noch die Abdrücke der Körper auf- wies.

Maria-Angela überlief es kalt. ES gab also menschliche Wesen, die aui solch schmutziger Lagerstatt die Nächte zubrachten. Ihr Herz krampfte sich zu­sammen im Gefühle ihrer Ohnmacht. Wenn sie doch nock'reich wäre!

Aber was konnte sie wollen in Anbetracht ihr« eigenen traurigen Lage?

Sie half Justine und deckte sie mit einem allen Tuchlappen zu.

„Der Schlag ist sehr hart gewesen", meinte ’fk bann; „man müßte die Wunde mtt Arnika kühlen. Da ich gerade nicht» zu Hanse habe, will ich etwa» holen."

Schnell stieg sie hinunter und erkundigte sich bei Billorine, der sie den Unfall mitteilte, nach der nächsten Apotheke.

„Sie find viel zu gut, Fräulein", sagte Mkwrine. „Erwärmen Sie nitt die Natt« an Ihre» 8ef#n! Die Leute taugen nicht»."

(Fortsetzung folgt.)