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31. Jahrgang.

Zulda, Dienstag, dm 12. April 1904.

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Kunst und Wissenschaft, Technisches Unlerrichts- wesen und Ltedizmalwesen, und zwar wird bei jedem Kapitel Ordinarium und Extroordinariam erledigt werden.

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wochenbtilage: „Illustrierte Sonntagszeitung

Anzeigen: Vie ei» haltige petitzeil« »der deren Sau« ZS Pf» SrUame« die petitzeil« 25 psg.; bei wieder» Holungen wirb entkpr. Rabatt gewährt.

Druck und Verlag bet Zuldaer ActiendruckrreZ in Zulda (Harmonie-, ßernsprecher Nr. 9.

• Der rLsfisch-jü-aKische Arieg.

Von den Nachrichten vom Kriegsschauplätze ist nur die Tatsache bemerlenswert, daß die Japaner vollkommen Herr über Korea sind. Wie das Bureau Reuter aus Söul meldet, hat der japanische Gesandte Hayaschi dem Aus» wLttigen Amt in Ko-ea mitgeteilr, daß der Rückzug der russischen Truppen über den Jalufluß und die Besetzung der Grenze durch die Japaner Tatsache sei, und richtete an die koreanische Regierm-a daS Ersuchen, ihre Beamten mit Anweisungen zu versehen, daß sie die Anwerbung von Kulis erleichtern und den Bau der Eisenbahn von Söul nach Fusan be­schleunigen sollen.

Von der Schärfe der japanischen Zensur gibt ein Artikel einen Begriff, den die .Münchener N. N' dem ,Kobe Heralü' ent» ne men. In dem Artikel heißt es: „Mr. Hörige erschien heute int Namen seiner Regierung in der Redaktion und warnt; uns bezüglich der Veröffentlichung militärischer Nachrichten. 8s ist uns verboten worden, ohne besondere Er­laubnis solgende Sachen zu drucken: 1. Einzel­heiten oder Berichte von taktischen Bewegungen. 2. Berichte über zukünftige militärrsche Be­wegungen. 3. Formationen von Geschwader» und Torpedoflotillen. 4. Verluste auf japanischen Kriegsschiffen und japanischen Transporten. 5. Tragungsfähigkeit der Geschütze und Angaben über verbrauchte Munition. 6. Position «nd Namen der zur Operalionsbasts benützten Orte 7. Aufenthaltsorte von Schiffen und Transport. 8. Einzelheiten betreffend Kohlen, Zufuhr von frischem Wasser, Munition usw."

Wenig Vertrauen erweckende An­sichten über die russische Flotte hat nach dem ,Berl. Lok.-Anz.' der Ches deS russische» Marinestabes, Admiral RoschdjestwenSky, einem Vertreter des .Petit Parisien' gegenüber geäußert. RoschdjestwenSky soll gesagt haben, die Ostsee­flotte werbe voraussichtlich nicht nach Ostafien abgeben, weil dis September, dem Zeitpunkte, an dem die Flotte dort frühestens erscheine» könnte, die Marine überhaupt ihre Rolle im gegenwärtigen Feldzuge ausgespielt haben würde.. «Jetzt ist," fuhr der Admiral fort, „für beide Marinen die kritische Zeit. Der in gewissen Kreisen Rußlands herrschende Optimismus ist leider ungerechtfertigt. Admiral Togo kann, tollkühn wie er ist, selbst seine große Artillerie riskieren, weil — wir wiffen das genau — Japan sicher ist, sofort Ersatz dafür zu erhalten, ebenso Ersatzartillerie für Korea. Die bisherigen maritimen Verluste Japans sind gleich Null. Der einzige ernstere Schaden, der am Panzer „Ashama", ist repariert. Man hat unsererseits durch den Verzicht auf die Offensive die Japaner von Anbeginn leider allzu übermütig werden taffen."

Niutschwang, die bedeutende Handelsstadt in der chinesischen Provinz Sching-king, am Liau-ho gelegen, ist nunmehr für den Handel geschlossen. Wie nämlich daS Bureau Reuter berichtet, kehrte ein chinesischer Dampfer von Niutschwang zurück und meldete, daß seine Lotsensignale unbeachtet geblieben seien. Zwei englische Schiffe find in der gleichen Lage ge­wesen.

j^che« täglich. «U Arrnahnw der Sm» fitt«tage, viertel»

Mrl.ve,ugrprei« »hne vriognlohn und seftellgeld in Znlda «nd iiuwärti t Mt. 50 psg.

Ausland.

* Der französische Ministerpräsident Combes hat wieder einmal eine längere politische Programmrede gehalten. Er und der Justizminister Salta waren am Scnntag in Laon eingetrrffen, um der Einladung zu einem von der Radikalsozielisten-Bereinigung veranstalteten Bankett zu entsprechen. Die Bereinigung hatte sür Ausschmückung der Stadt durch Fahnen gesorgt, da die Stadtver­waltung eine Beteiligung an einem festliche» Empfang abgelehnt hatte. Selbstverständlich bot Combes auch alles auf, um das Verhalten der französischen Regierung gegen die Kongre­gationen mü wenig Witz und viel Behagen z» verteidigen. Die Aushebung deS Kongregation-- unrerrichtS fei notwendig gewesen, um dem ge­waltigen Anschwcllen ter Kongregationen zu be­gegnen. Sodann sprach Combes über die mili­tärische Reform und über die Abänderung des Steuerwesens durch Einführung einer allgemeinen Einkommensteuer. Diese Gegenstände würden in der nächsten Kammer» feffion verhandelt «erden, auch die Frage der Altersversorgung der Arbeiter werde

Berlin, den 11. April 1904.

W tziit Sieg im Kampfe gegen die Hereros! Gouverneur Leutwein meldet aus Okahankja unter dem 11. April:

Ich habe am 9. mit vereinigtet Hsuptabtei ung (Dürr) und Weftabteilung (Sstoiff) die Hauptmacht des Feindes etwa 3(00 Gewebte, vei Onganjira angegriffen. HereroS in starker, kreisförmiger Höhentteuurig, Fro-tt nach Nordwesten. Zurrst feind­licher linker Flügel umfaßt und zurückge­worfen. dann rlngriff gegen Mitte und rechten Flügel. Zwei energische Gegenstöße des letz- teren gegen unseren linken Flügel abgewtesen. Mit Einbruch der Dunkelheit »ach achtstündigem Gefecht f-indliche Steklnug durchbrochen Gegner nach allen Seiten, Kit Haupikräften anscheinend in nordöstlicher und östlicher Richtung, zurückgtgangen. DieSseittge Berlnst«: Tot: Oberleutnant von Estorff, Leutnant von Erffa, 2 Reite'. Schwer verwundet: Leut­nant von Rosenberg, 5 Rester; leicht verwundet: 5 Reiter. Verluste des FeindeS noch nicht fest­gestellt, aber Dank gu.er Rrtilleriewirkung schwer. Von der Ostabteilung (Glasenapp) nichts Neues.

Die genaue Verlustliste in obigem Gefecht meldet nach einem ferneren Telegramm des Gouverneurs:

Gefalle«: 1. Oberleutnant Otto v. Estorff aus Peerßen bet liehen, 2. Leutnant Dr. Burkard Frhr. v. Erffa aus Werneburg, kreiS Pößneck, 3. Gefreiter ttowl der 3. Batterie auS Jagenow, Kreis Kobchin, 4. Gefreiter Heinrich Schroll der 4. Feldkompagnie aus Kaulbach bei Homburg, Heffen.

Ichwerverwuudet r 1. Leutnant Richard von Rosenberg aus Kassel, der 1. Feldkompagnie, früher Sranz-Regiment, Schuß in den Oberkiefer, 2. Sergeant uftao Siebte lrr 4. Feldkompagnie aus Lengen, KreiS Bartenstein, Schuß in den rechte» Ellenbogen, 3. Gefreiter Otto Lucas der 4. Feldkompagnie auS Alt- LandSberg bei Berlin, Schub durch beide Beine, 4. Reiter Heinrich Müller, 4 Feldkompagnie aus Moß- burgwedel b. Hannover, Schuß rechter Unterarm, 5. Serg. Wieland der 1. Feldkompagnie, auS Büchenbronn, KreiS Pforzheim, Brustschutz linkS, 6. Kriegsfreiwilliger von Blanc der 1. Feldkompagnie, aus Berlin, Schuß durch linke» Unterschenkel.

Leichtverwundet: 1. Feldwebel Schladitz der 1. Feldkompagnie, aus Gürzenow, KreiS Lifla, rechter Zeigefinger abgrschoffe». 2. Reiter Rabe, 1. Feld- kompagnie, aus Milos.owa, KreiS Birnbaum, Streif- schuß rechter Unterschenkel, 3. Gefreiter Warnke, 1. Feldkompagnie, aus Eschentin, KreiS Ludwigslust, Ver­lust zweier Finger der linken Hand durch Schuß, 4. Gefreiter Georg Krüger, 1. Feldkompagnie aus Berlin, Streifschuß rechter Oberschenkel, 5. Gefreiter Emil «ff oett, 1. Feldkompagnie, auS Schönlanke, KreiS «zarnikau, Streifschuß rechter Unterarm.

* Der Bedarf an Angestellten für die Eisen» bahn in Deutsch Südwestafrika ist durch die bei der K lomalabteilung eingelaufenen Anmel­dungen vollständig gedeckt, sodaß weitere Be- Werbungen keine Aussicht auf Erfolg haben dürften.

** Das neue Anfiedlungsgefetz. Der Bericht der Herrenhauskomwisfton zur Vorberatung des neuen ArsiedlungSgefttzes liegt jetzt gedruckt vor. Die Kommission hat bekannt­lich den § 15b (jetzt § 13b), der die Ansied­lung von Polen verhindern soll, auch auf die Provinzen Ostpreußen und Schlesien und die Regierungsbezirke Frankfurt, Stettin und Köslin ausgedehnt. Auch hat sie scheinbar größere Garantien gegen Willkür bei Versagung der An- stedlungsgenehmigung geschaffen. Die Herren» hauSkommisfion konnte nicht umhin, sich zu- nächst mit der Frage der Verfassnngs- mäßigkeit des Gesetzes zu befaffen. Indes ,nur ganz vereinzelt" wurde in der Kommission die Verfassungsmäßigkeit angezweifelt. Die große Mehrheit ließ sich durch den Justizminister leicht überzeugen, daß „nicht das leiseste begründete Bedenken" gegen die VerfaffungSmäßigkeit vor­liege. Keine juristische Spitzfindigkeit kann aber doch die Tatsache aus der Welt schaffen, daß hier ein Ausnahmegesetz gegen die Polen als Polen vorliegt. Ihnen soll die Anficdlungsgenehmigung versagt werden, weil sie Polen sind. Die Kom­mission konnte natürlich auch nicht umhtn, die Bedürfnisfrage zu prüfen. Das ist bei den antipolnischen Gejetzen immer ein heikler Punkt. Denn alle bisherigen Maßnahmen haben nichts genützt, sondern nur daS Polentum gestärkt. Wenn sich sonach woyl das „Bedürfnis", es mit weiteren Maßregeln zu bekämpfen, herausgestellt hat, so kann man doch kau« etwas anführen zum Beweffe, daß gerade die vorgeschlagenen Maßnahmen notwendig sind. Im Gegenteil alles spricht dafür, daß gerade sür diese Maß­nahmen kein „Bedürfnis" vorliegt, eben weil sie keinen Erfolg versprechen. Mußte doch selbst von dem Freunde der Polen-Politik in der Kom­mission zugegeben werden, daß die AnfiedlungS- gesetzgebung die Erwartungen keineswegs erfüllt, vielmehr in nationaler Hinsicht Schaden gestiftet und daS Polentum auf Kosten des Deutschtums nach jeder Richtung htn gestärkt, außerdem eine

exorbitante Steigerung der Bodenpretse zur Folge gehabt habe. "Das neue Gesetz wird ebenso Fiasko machen, wie die ganze hakatistische Poien- Politik. Ueber Jahr und Tag wird man mit einem neuen Ausnahmegesetze kommen und es wieder damit begrü-iden, doß sie bisher nicht nur nichts genützt, sondern das Polentum gefördert yade. Wie lange soll denn diese Torheit, die uns vor der Geschichte blosstellen wird, noch fortgehen?

* Die wasserwirtschaftliche« Vorlage«, fünf an der Zahl, mtt 16 Anlagen und Denk- schnften, werden Dienstag nachmittag im Abge­ordnetenhause zur Verteilung gelangen. Ste setzen sich aus vier Bauentwürfen und einer wafferrechtlichen Vo-lage zusammen; daneben sind nudt in der auf das Hochwasser in Schlesien bezü ilichen Vorlage wafferrechtliche Gesichtspunkte berührt. Der Gesamtkostenanschlag soll sich auf 70 Millionen Mark belaufen.

** Nachdem der Gesetzentwurf betreffend Maß­nahmen zur Regelung der Hochwasser-, Deich nud Vorflutverhaltuisse an der oberen und mittleren Oder am 29. Februar d. I. dem Provinzial-Landtage von Brandenburg und am 25. und 26. März dem Provinzial-Landtage von Schlesien zur Aeußerung vorgelegen hat, ist er zuiammen mit den übrigen wasserwirtschaft­lichen Vorlagen dem Hause der Abgeordneten zur oerfaffungsmäßigen Beschlußsaffung zuyegan- gen. Die Provinzial-Landtage der beteiligten betben Provinzen haben ihre grundsätzliche Zu­stimmung zu dem Gesetzentwürfe ausgesprochen, ihren Zustimmungs-Beschlüssen jedoch noch einige Abänderungs Vorschläge zug-sügt. Während die Vorschläge des Provinzial-Landtages von Bran­denburg hauptsächlich auf eine stärkere Beteili­gung der berufenen Organe dieser Provinz bei der Ausführung des Gesetzes hinzielen, wünscht der Provinzial-Landtag von Schlesien außer einigen Zusätzen zu den §§ 9 und 15 des Entwurfes im wesentlichen die öffentliche Auslegung des Gesamt­planes und der Sonderpläne, eine Veränderung in der Zusammensetzung des Oderstrom Ausschusses und die Streichung der besonderen Bestimmungen für. die Finanzierung des Breslauer Projektes. Zur Vermeidung einer Verzögerung und um die zusammengehörigen wafferwirtschaftlichen Vor­lagen einheitlich einbringen zu können, war die Allerhöchste Ermächtigung zur Vorlegung des Ent­wurfes an dm Landtag bereits erwirkt worden, bevor der Entwurf dem schlesischen Provinzial- Landtage zur Aeußerung zuging. Eine endgiltige Stellungnahme der Staatsregierung zu den Be- schlüffen der beiden Provinzial-Landtage war vor der Einbringung der Vorlage an den Landtag der Monarchie nicht mehr zu ermöglichen. Der Entwurf ist daher dem Landtage in derselben Fassung wie früher den Provinzial - Landtagen zugegangen. Die Staatsregierung wird ober, wie der .Reichsanz/ schreibt, den Wünschen der be­teiligten Provinzen, soweit es angängig ist, tun­lichst bei Gelegenheit der Verhandlungen im Land­tage Rechnung trogen können. Namentlich ist zu erwarten, daß der Wunsch des schlesischen Pro­vinzial-Landtages, die besondere Bestimmung über die Kostenverteilung sür das Breslauer Projekt aus dem Entwürfe zu streichen, wird Berücksichti­gung finden können. Es würden alsdann die allgemeinen für die Aufbringung der Kosten im Entwürfe gegebenen Vorschriften auch sür die Arbeiten bei Breslau zur Anwendung kommen.

* Im Reichsamte des Innern findet heute und morgen eine Konferenz von 76 Vertretern der Wissenschaft und des Buchhandels statt, welche über die Jntereffen beraten soll, die von der Tätigkeit des BörfenvereinS deS deutschen Buchhandels berührt werden. Den Ausgangspunkt bet Kontroverse bildet bekannt­lich die voriges Jahr erschienene Schrift deS Leipziger Professors Dr. Bücher über den Buch­handel und die Gründung des akademischen Schutzvereins gegen (angebliche oder wirkliche) Heberoorteilung der Wissenschaft und des Publi­kums durch ben Verlagsbuchhandel. 31 Teil­nehmer der Konferenz find vom Börsenverem der deutschen Buchhändler vorgeschlagen worden. Außer dem Verlags- ist auch der Sortim«!tS- und Antiquariatsbuchhandel berücksichtigt.

* Die nächste Sitzung des Reichstage- findet morgen, Dienstag, nachmittags 2 Uhr statt. Auf der Tagesordnung steht die erste und eoent zweite Beratung des Entwurfs eines Gesetzes, betreffend Aenderung des MünzgesetzeS vom 9. Juli 1873, sowie die Fortsetzung der zwettm Beratung des ReichShauShaltSetats.

*„ Die erste Sitzung des Abgeordneten­hauses nach ben Osterferien beginnt morgen, Dienstag, um 11 Uhr. Die Beratung deS KultuSetatS wird fortgesetzt. Zunächst soll das Kapitel Universitäten zu Ende beraten werden, bann beabsichtigt der Präsident, in folgender Reihenfolge zu verhandeln: Höhere Lehranstalten,

::: Die konMonelle hrtze sängt a-l, selbst den Nationalliberalen un­bequem zu werden. Wir erwähnten schort, daß die ,Nat. Ztg.' sich gegen die in bet Pfalz ge­plante Gründung einer Anti Zentrums-Ltga aus­spreche, weil die noch dem Programm ber Gründungsoersammlung beabsichtigten Angriffe auf dis katholische Küche liberale Katholiken kopfscheu machen müßten. Sie wandte sich dabei besonders gegen die „fanatische Agitation gc- wiffer L-u'.e tn Baden". Wie sie nachträglich ausdrücklich sagt, hat sie dabei an ben famosen Professor Boehtlingk gedacht, beffen wüste Hetzerei gegen KleruS und Klöster bisher mich von den Nalionalliöeralen in Baden gar nicht so unangenehm empfunden zu werden schien.

Jetzt aber hat ihm sogar der jungliberale Verein in Mannheim ben Stuhl förmlich und feierlich vor die Tür gestellt. Der Verein hat es nämlich abgelehnt, eine von dem Professor in Umlauf gesetzte Petition gegen die geistlichen Lehranstalten und die Lehrtätigkeit von Ordensmitgliedern zu unterschreiben. Dem Be­schluß ging eine sehr lebhafte und eingehende Erörterung voraus, worin betont wurde, büß man sich zwar mit dem Inhalte der Petition im großen ganzen einoerstanden erklären könne, aber eS wurde Herrn Boehtlingk der Vorwurf ge­macht, er mache geflissentlich keinen Unterschied zwischen Ultromontanismus und Katholizismus und führe ben Kampf in einer Weift, die attch die Gefühle liberaler Katholiken Der» letze» müsse. Die nationalliderale Partei habe allen Anlaß, von Professor Boehtlinck deut­lich adzurücken, da er em Eigendrödler sei. dem die unerläßlichsten Eiger schuften des Politikers, Disziplin und Selbstzucht fehlen. Eine politische Partei könne sich solche Quer­treibereien auf die Dauer nicht gefallen taffen, ohne ihren Bestand ernstlich zu gefährden. Wie der Mannheimer General-Anzeiger' berichtet, verschlossen sich auch die wenigen engeren An­hänger deS ProfefforS Boehtlingk dem Gewichte dieser Gründe nicht und so wurde es mit allen gegen eine Stimme abgelehnt, dieBoehtlingk'sche Petition von VereinSwrgen zu unterzeichnen.

Folgende ebenfalls mit allen gegen eine Stimme und zwei Enthaltungen gefaßte Resolution brachte die Anschauungen deS Vereins zum Aus­druck: „Der Jungliberale Verein Mannheim steht selbstverständlich auf dem Standpunkt, daß die Schule ausschließlich Sache des Staates ist; er ist auch vollkommen überzeugt von der allge­meinen Notwendigkeit, im Kampfe für die Freiheit des Geistes und der Bildung nicht nachzutafsen, hält aber den Professor Boehtlingk sür einen ungeeigneten Führer in diesem Kampf, denn B. beschränkt sich in einseitiger Weise auf den Kampf gegen ultramontane Unduldsamkeit und Herrschsucht, er läßt feinen Kampf gegen den UltramontaniSmus aus arten in konfessionelle Verhetzung und er setzt seine antiklerikalen Vorstöße zu oft gerade dann in Szene, wenn andere, auch hochwichtige politische Fragen im Vordergründe stehen, die infolge davon unliebsam durchkreuzt und zurückgedrängt werden." Die »Rat. Ztg.' freut sich aufrichtig, daß gerade aus dem jungliberalen Lager Badens eine solche Stimme ertönt, wo feit Jahren durch Boehtlingk und Genossen die unheilvollste konfessionelle Ver­hetzung systematisch betrieben wird. Die Jung- liberalen Mannheims haben mit ihrem Beschluß, den sie gerade in einer Zeit, in der die steigende Erregung gegen den UltramontaniSmus zu leicht, namentlich bei der Jugend, Entgleisungen auf daS konfessionelle Gebiet befürchten läßt, ein hohes Maß von politischer Einsicht bekundet"

Für den rabiaten Herrn Boehtlingk muß es sehr schmerzlich sein, sogar von den Jung- Hberalen, die doch so töpfer gegen den „Ultra» montanismuS" kämpfen, schnöbe verleugnet Pi werden. Natürlich lassen wir unS über die w ahreBedeutung dernalionalliberalenAbneigung gegen die konfessionelle Hetze nicht einen Augen­blick täuschen. Jungliberale und ?Jtat. Ztg.' Sben ja auch mit dankenswerter Offenheit an, H sie lediglich aus Furcht vor Schädi­gung ihres ParteiintereffeS handeln. Die Unterscheidung zwischen Katholizismus und UltramontaniSmus kennen wir auch genügend. Ein gutes Zeichen ist eS aber doch, daß sogar die Nationalltberalen sich gegen die konfessionelle Hetze zu erklären für gut befinden. ES beweist, daß man im Volke von der Hetze nichts wiffen mag.