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,. gS^Ä». wochenbellage: „Illustrierte Sonntagrzeitung"

Zeitung

Mmkbeilage: „Zuldaer Geschichtsblätter".

»zeigt»: vir t-x» faltige Petttzeilr obet deren Haarn 15 pfg. HeName« die petttzeü» 25 pfg.; bei Wieder­holungen wirb trift»?. Rabatt gewährt.

druck und Verlag bet Sulbctr Aetirodnlckere i» Lulda (Q«ewrit> Lernsprecher M. 9.

M 81.

5ulüa, Montag, den 11. April 1904.

31. Jahrgang.

Lin Bündnis gegen das Zentrum.

Mit der „antiultramontanen Wahl­vereinigung" Hal der Eoangeli.che Buns im vorigen Jahre wenig Glück gehabt. Ihr Ein­fluß auf das Wahlergibnis ift gleich Null gewesen. Die Liberalen, b.-nen sie ihre Uutr- stützung zuwandle, haben sogar sehr schlecht ab- geschnitten. Die Wahlvereinigung war aber auch offenbar nur ein vorübergehender Notbehelf gewesen. Die .Tägliche Rundschau' erzählte zur Zeit der Wahlen, es sei die Gründung einer protestantischen Partei als Gegenstück zum Zentrum geplant, ja schon vollständig vorbereitet gewesen, im letzten Augenblick sei es aber friedliebenden Leuten gelungen, die Gefahr von den Katholik» und dem Zentrum abzu­wenden. Wir haben damals gleich gesagt, daß nicht Friedensliebe, sondern lediglich die Furcht vor einem Fiasko die Gründung der protestan­tischen Partei verhindert habe.

Wir sind aber auch keinen Augenblick darüber im Zweifel gewesen, daß die Urheber des Planes nicht endgiltig darauf verzichtet hätten, sondern bei günstiger Gelegenheit darauf zurück- kommen würden. Nach d.r Aufhebung des § 2 des Jesuitengesetzes erscheint nun der Zeitpunkt gekommen, die künstlich geschürte Auf­regung politisch auszunützen. Die »Täg­liche Rundschau' Hut schon neulich in einem langen Artikel zur Verteidigung des Evangelischen Bundes durchblicken lasten, daß ihm als Ziel die Organisierung des protestantischen Volkes als politisch-parlamentarische Macht vor- schwebe. Man glaubt, das Zentrum nur aus seiner Stellung verdrängen zu lönnen, wenn man ihm als angeblich katholische Partei eine pro­testantische gegenüb erstellt.

In der Pfalz soll, wie der .Hannover'sche Kurier' erzähl», nunmehr der Anfang mit ter neuen Gründung gemacht werden. Man nennt sie einstweilen „Sammlung aller anti­ultramontanen Bürger". In Neustadt a. H. soll eine große Versammlung zur Einleitung dieser Sammlung statt finden. Da eine pro­testantische Partei natürlich nicht gegründet werden kann ohne schroffe Hervorkehrung des Gegensatzes zum Katholizismus, so soll die Agitation gegen „Rom" ihr den Boden ebnen. Es wird zwar nicht ausdrücklich gesagt, daß der Evangelische Bund hinter dem ganzen Plane steckt, aber nur bei ihm ist eine derartige Verquickung von Politik und Religion möglich, wie sie hier zutage tritt. Wenn in den Mitteilungen des »Hannoo. Kurier' nicht die „Be­gründung einer Anti-Zentrumliga" erwähnt wurde, würde kein Mensch die geplante Versammlung für etwas anderes, als eine Versammlung des Evangelischen Bundes halten. Es soll da be­raten werden „über die gegen den Mtrawontanis- mus zu ergreifenden Abwehrmaßregeln", zur Aufklärung weiter Kreise sollen Vorträge ge­halten werden über „das wahre Wesen der Ämischen Kirche und ihren grundsätzlichen Gegen­satz zum Werke Jesu; über die „richtigeWertung

des Begriffes Religion", über die Frage, ob das Jesuirengesetz als Ausnahmegesetz betrachtet werden tan;i.

Diese Vorträze werden „hervorragende Gegner der Zentrumspolitik und der Bestrebungen des UltramontaniSmus" übernehmen." Wird jemand dahinter andere Leute suchen können als b:e Größen des Evangelischen Bundes? Damit aber der parteipolitische Zweck nicht verfehlt wird, sollen weiter Vorträge ge­hauen werden über die Frage, ob die Zentrums- Partei als eine nationale Partei zu betrachten ist, über die Entwickelung der parlamentarischen Machtstellung des Zentrums und die von ihm in den letzten Jahren erzielten Erfolge. Endlich sollen dann Mittet und Wege zur Begründung einer Artti Zentrums-Liga beraten und Vor­schläge zur Begründung einer über ganz Deutschland zu verbreitende Gesell­schaft für Volksaufklärung entgegen» genommen werden Diele „Gesellschaft für Volks- ausklärrmg" besteht schon im Evangelischen Bunde, aber da er nicht politisch zu jein be­hauptet, muß er sich für die Politik eine neue Firma zulegen. Wenn man gegen „Rom" und den „UltramontaniSmus" hetzt, nennt man fich Eoangelischer Bund; wenn man in die Partei­politik und die Wahlbewegung eingreift und gegen das Zentrum hetzt, nennt man sich Anti- Zentrums-Liga, wie man sich im vorigen Jahre „antiultramontane Wahloereinigung" nannte.

Ungemein bezeichnend ist, daß man zur Ein­leitung der neuen Agitationsweise beim Bundes­rate und Reichstage die Aufhebung des § 166 des Strafgesetzbuches verlangt. Dieser bedroht außer der Gotteslästerung und dem beschimpfenden Unfug in gottesdienstlichen Gebäuden, die Beschimpfung einer Religions­gesellschaft, und ihre Einrichtungen und Gebräuche mit Strafe. Also man will sich von soruherem Schimpffreiheit sichern. Man hat selbst das Gefühl, daß man die Agitaiion gegen das Zentrum hauptsächlich mit Beschimpfung der katholischen Kirche, ihrer Einrichtungen und Gebräuche betreiben wird. Ungemein schmeichelhaft für die Anti-Zentrums'Liga, die natürlich nach dem Muster des Evangelifchen Bundes nicht unterlaßen wird, fleißig zu ver­sichern, daß sie ungemein friedliebend sei und nichts mehr Haffe als konfessionellen Streit und Fanatismus. (Auch in der hier in Fulda verbreiteten „Denkichrift" zum Kampf gegen Rom, über die wir am Samstag mitteilten, wird als erste Forderung die Aufhebung eines Teiles des § 166 deS Strafgesetzbuches ver­langt: man will die Beschimpfung der Einrichtungen und Gebräuche der katho­lischen Kirche straflos machen. D. Red.)

Eine bestimmte Parteifarbe scheint die neue Liga einstweilen nicht annehmen zu wollen. Der Evangelische Bund hat bekanntlich bisher mit Vorliebe die Nationalliberalen unter­stützt, einerseits weil ihre Kulturkämpferei, ander­seits weil ihre religiöse Gleichgiltigkeit oder Religionslosigkeit ihm am meisten zusagt.

L Deutsch^ Reich .

Die Geistesverwandtschaft hat fich ja auch außer- halb der Wahlzrit mehrfach gezeigt. Wenn die Gründung der Anti-Z-ntturns-Liga Erfolg hat, wird aber sicher auf die Bildung einer ausge­sprochen protestantischen Partei mit antikatholischem Programm hingearbeitet werden. Als Uebergang wird man vielleicht zunächst eine „freie antiultra» montane Vereinigung" aus Mitgliedern ver­schiedener Parteien bilden. Schließlich aber wird man alle Abgeordneten, deren Wahl die Liga in der Hand hat^ nötigen, der pro t« ft antischen Partei beizutreten.

Jndeß ist es wohl noch etwas zu früh, uns mit dieser Zukunft zu beschäftigen. DaS Fiasko der neuen Gründung wirdwohl kaum ans bleiben. Mag es dem Eoange- lischen Banke auch gelingen, zahlreiche Protestanten zu betören und zu verhetzen, in polnisch-parla­mentarischen Leben find doch zu viele andere, konkrete und materielle Aufgaben zu lösen, als daß eine reine konfessionelle, dazu noch eine negative Partei lebensfähig wäre. Schon deshalb macht uns die Anti-Zentrums-Liga nicht die geringste Sorge. Sogar die ,Nat. Ztg.', der es doch an Feindschaft gegen den „Ultra- montanismuS" und das Zentrum nicht fehlt, hat die stärksten Bedenken gegen eine Agitation, „die sich nicht nur mit dem politischen Mtramon- tanismus, sondern auch in polemisierender Weise mit der römischen Kirche beschäftigt." Sie' fürchtet insbesondere, daß „glaubenstreue Katholiken", die heute noch zu vielen Tausenden in unferm politischen Lager stehen, durch eine fanatische Agitation, wie sie gewiffe Leute, besonders in Baden, betreiben, leicht in ihrem religiösen Empfinden beleibigt und dem Zentrum in die Arme getrieben werden". Das ist allerdings lediglich ein parteitaktischer Grund, warum dem Blatte die Liga nicht gefällt. Es deutet aber auch die Zweifel an dem Erfolge des neuen bündkerischen Vorstoßes ausreichend an. Wir würden sogar, von unserem Parteistandpunkt' aus, die Ankündigung der Anti-Zentrums Liga mit ihren katholikenfeindüchen Zielen begrüßen dürfen, wenn uns der konfessionelle Friede nicht zu lieb wäre. .

Berlin, den 9. April 1904.

* Ans Südwestafrika ist wiederum eine wichtige Nachricht eingetroffen, von der wir unfern städtischen Lesern schon gestern (durch AuShang) Mitteilung machen konnten. Ober­leutnant Tesch o w telegraphiert auS Deutsch- Südwestafrika: DieAbte'lungGlasenapp, im Vormärsche von Owikokorero, hatte am 2. April ein schwereS, aber siegreiches Gefecht bei Okaharni. Der Gegner zog

Wcncia Angela.

Bon Komtesse de Beaurepaire-Louvagny Genehmigte Uebersetzung aus dem Französischen.

11 ------ (Nachdruck verboten.)

6. Kapitel.

Pünktlich am Spätabend nahm eine barmherzige Schwester den Platz am Lager Isabella- an.

Dir Erfahrung dieser geübt« »Pflegerin, die sausten, linden Bewegungen der geschickten Hände übten sofort eine» gürfügen Einfluß auf die Kranke aus. Ihr Jammern hörte beinahe ganz auf, und eine wohltuende Nr he folgte auf da» rastlose Hin und Her der ver- floffeneu Stunden

MS mit dem Morgenlicht Maria-Angela am Bette der Schwester erschien, konnte die Pflegerin ihr hoch- etfreut mitteilen, daß die Nacht eine vorzügliche gewesen sei und die Gefahr gänzlich beseitigt schien.

Beim Aufräumen und Lüften des Zimmers wechftlten die beide einige Worte, und die junge OrdruSstau wurde von dem tugendhaften Wesen und der Glaubensstärke Maria-Angela» ganz eingenommen. Sie versprach im Fortgehen, am Abend wiederzukom­men. Poupee wollte dankend ablehnen.

.Jetzt ist an mir die Reihe," versicherte sie.

Jedoch die Schwester hörte nicht darauf.

„Bis heute abend," sagte sie, und zog behutsam die Türe hinter sich zu.

Maria-Angela näherte fich dem Bette.

Isabella» Augen waren weit geöffnet und ihre erstaunten Blicke musterten dm unbekannten Raum.

„Wo bin ich?" kam eS kaum hörbar von ihren Lippen.

„Bei mir, bei unS allen, die wir dich lieb habm und »ich gern wieder gesund sähen, Schwester," ant­wortete Maria-Angela, indem sie fich so vor ba» Bett stellte, daß ber häßliche Raum so viel al» mög­lich »erde« wurde.

„Das ist keine Antwort," hauchte Isabella utne- geduldig; „ich kenne das Zimmer nicht, eS ist nicht daS meinige, nicht in unserem Haute."

„Das alles will ich dir später erklären; jetzt beruhige dich, bitte; laß mich deine Kissen aufschütteln und versuche noch ein Weilchen zu schlummern."

Doch Isabella wollte davon nicht» wiffen. Man sah, daß ihr Geist arbeitete, daß fie sich zu erinnern suchte.

Maria-Angela hatte den Arm um ihre Schultern gelegt und sprach ihr zärtlich zu.

Doch die Kranke stieß sie mit Ausbietung aller Kraft von sich.

„Warum willst du mich täuschm? Meine Sinne find verwirrt.... ich weiß nichts mehr, warum betrügst du mich?"

„Armer Liebling, e» liegt mir nichts ferner, al» dich zu hintergehm, ich möchte nur, daß xu deinen armen S-pf schonest!"

Isabella hob die Hand an die Stirn.

„Ach mehr Kopf, er schmerzt entsetzlich!"

„Siehst du wohl," fuhr Maria-Angela fort, „daß du n-cht vernünftig bist...... Du darfst dein

Gedächtnis jetzt gar nicht anstr'ngen und dadurch deine Genesung in Frage stellen. Habe Geduld um BaterS willen, der deinetwegen so große Sorge hat. . . . ."

„Warum sprichst du denn nicht von Mama? Wie kommt es, daß sie nicht bei mir ist?"

„Du weißt doch, daß Mama eine Reise unternom­men hall"

„Eine Reffe?"

Plötzlich stieß fie einen lauten Schrei aus.

„Ach! jetzt erinnere ich mich," jammerte fie. lind die Trännen begannen zn fließen.

Den Kopf an Poupees Schultern gelehnt, überließ fie sich ihren trostlosen Gefühlen.

Moria-Angela schwieg; fie empfand e», daß hier jede» Wort vergeblich sei. Ünd ihr HerzenStakt wußte stets das richtige zu treffen; noch und nach hörte Isabella aus zu schluchzen, die Mattigkeit überwältigte sie und schloß ihre Augen.

Maria-Angela bettete den Kopf der Schwester sanft auf das Polster, schob die Decke zurecht und ver­ließ geräuschlos das Zimmer. Als die Kranke nach einigen Stunden stärkenden Schlafes erwachte, war fie der Unterredung und dem Tröste em wenig zu­gänglicher. Poupee hatte unterbeffen versucht, der ärmlichen Stube ein wohnliches Aussehen zu geben. Verschiedene kleine, der Schwester bekannte und liebe Gegenstände hatte fie so aufgestellt, daß die Augen der Leidenden gleich darauf fallen mußten, und dies erwie» fich als ttesfliche Fürsorge.

„Ich bin hungrig!" sagte Isabella.

Maria-Angela lächelte.

DaS war ein erfreuliche» Wort! „Aber ich darf Dir leider nicht» geben, ehe der Arzt eS gestattet, e» wäre vielleicht schädlich."

Der Arzt erschien bald und zeigte fich sehr zu­frieden.

Da» junge Mädchen war gerettet!

„Dennoch dürfen wir nicht zu schnell gehen," be­tonte er. „Gin wenig Fleischbrühe, — am besten Hühnersuppe — iS alles, was ich für den Anfang er­lauben kann. Später, in zw i bi» drei Tagen, ein weiche» Ui und ein Stückchen Fisch . . ."

Poupee entfernte sich sofort. Sie hatte erfahren, daß Vlttorine Philippeau für ihre Kunden kräftige Fleischbrühe feil hielt. Sie ließ sich für einige Münzen davon geben.

Nun hatte die wohltätige Krämerin Gelegenheit, ihren guten Borsatz zur Ausführung zu bringen.

.Der Zustand de» Fräu ein» ist also befriedigen­der?" (regte fie.

„Danke, ja, meine Schwester ist auf brr Visie­rung."

„Dann wirb fie vorläufig sehr leichte Nahrung nötig hab« ?"

„3a; Hühnersuppe, Mer, Fisch . . ."

Maria-Angela »«mochte beim Gedanken an die Auslagen, welche diese Dinge «heisch'.«, einen ®«feer nicht zu unterdrücken.

Biktvrine begriff.

in nordöstlicher Richtung ob. Bei diesem Ge­fecht find gefallen: Leutnant der Reserve Nörr und 31 Mann. Verw undet find der Leutnant Hildebrand und 15 Mann. Der Feind hatte 92 Tote.

* Die neueste Nummer der ,Kokonial-Zeit« schrift' vom 31. März enthält einen Artikel zum Herero Aufstand in Deutsch Südweflafrika, worin es am Schluß heißt: „Wie war es z. B. möglich, daß ein Mann, gegen den bte schwersten Beschuldigungen Vorlagen, wieder in der Kolonie erscheinen konnte als hoher Beamter, bevor er offizi-ll und öffentlich von jedem Vorwurf ge­reinigt war? Glaubt man solche Sachen tot­schweigen zu können?" Gemerkt ist offenbar der Finanzdirektor Pohl, welcher seit 1889 im Kolonialdienst steht und feit etwa fünf Jahren in Südwestafrika wirkt. Gegen ihn waren, währeno er in Berlin auf Heimaturlaub weilte, eine Reihe von Beschuldigungen erhoben worben, welche einer Untersuchung unterzogen worden find. Diese Untersuchung bat, wie die ,Nordd. Allg. Ztg.' witteilt, ergeben, daß nicht der geringste Anlaß vorlaz, den genannten Beamten seiner Stellung zu entheben, in der er fich große Ber- dterste erworben hat und für die er fich beson­ders eignet.

Goethebünde. Bekanntlich wurde zur Zeit der Beratung der lex Heinze (zur Bekäm­pfung der schmutzigen Bücher, Bilder re.) ein „Goerhebund" gegründet, der mächtig gegen diese Gesetzesvorlage ins Zeug ging, weil man in der Bekämpfung der unsittlichen Literatur eine Ge­fahr für Kunst und Wiffenschaft befürchtete. Es haben fich bann, in mehreren Städten solche Bünde gebildet, von denen man aber in letzter Zeit nichts mehr gehört hat. In der vorigen Woche haben nun die Vertreter der verschiedenen Goethebünde in Dresden eine Versammlung abgebalten, über die in verschiedenen Blättern ziemlich ausführlich berichtet wird.

Über bas Thema: „Die neue lex Heinze" berichtet« danach ein Dr. Soldstein au» Königsberg. Erführt» au», daß im Reichstage die Neigung sei, eine neue les He nze zu schaffe«. Besonders auf natioualliberaler und konservattoer Seite komme man solchen Bestrebungen mit großer Liebe entgegen. SS fei fraglich, ob der Reichskanzler den verbündeten Klerikal-Konservativen gegenüber die nötige Widerstandskraft habe. Bekannt­lich ist in neuerer Zeit gerade von nicht-„klerikaler" Seite besonders eifrig zum Kampfe gegen den sittlich«, Schmutz aufgerufen worden. Das Zentrum hat fich schon deshalb mehr zurückhalten müffen, weil erfahrungsge­mäß seine Vorschläge sofort mit allen Mttteln ange­feindet werden; e« der Sache also nur schaden könnte, wenn eS die Initiative ergriffe. UebrigenS hat biS jetzt außerhalb der Goethebünde niemand etwas davon ge­wußt, daß bereits eine „neue lex Heinze" in Gicht sei. Dr. Goldstein ist auch der Ansicht, daß die unsittliche Literatur, unsittlichen Ansick ISkarten, Photographien nach dem Leben u. s. w. unterdrückt werde» müßten aber er meint, eS gebe schon jetzt Schutzmittel genug gegen wirklich unsittliche Werke. Leider ver­gaß er, diese Mittel anzugeben. Bekanntttch ist die allgemeine Klage, auch bayerische Minister h-ben sie noch vor kurzem ausgesprochen, daß eS eben keine wirk­samen Mittel gibt und deshalb eben verlangt man Ver­schärfung der Gesetze. In der Debatte verurteilten alle Redner entschieden die Schmutzliteratur, aber wie man

„Das ttifft fich aber gerade . . ." sagte fie, „ich habe da ein Huhn, tote geschaffen für Ihren augm- blicklichen Bedarf. SS ist gestern geschlachtet und würde verderben, wenn ich eS noch länger liegen ließe. Des­halb will ich e» Ihnen zu zwei Franken laffeu. Jetzt ist'» noch sehr gut; wenn Sie es einige Stunden lang mit Salz und Gemüse kochen laffeu, so hab« Sie eine vorzügliche Brühe und ein kräftige»Fleischgericht."

Das Huhn war vier Frauken wert.

Maria-Angela war ganz erfreut über den ver­meintlich günstigen Zufall.

Isabella trank mit Begierde eire Taffe Bouillon und schlief bann wieder ein.

Maria-Angela holte ihr Malg«ät hervor.

Bon dies« Stunde an machte Isabellen» Genesung rasche Fortschritte. Sobald es anging, half fie ihrer Schwester beim Kolorieren. Ts war auch hohe Zeit, baß fie ihrerseits etwas zum Haushalte beitrug. Lange g^nvg hatte ble gute Händlerin frische Sier für sie in Reserve gehalten, barm und warnt einen besonders schönen Fisch besorgt, stet» unbemerkt zu halbem Preise .... ab« sie zählte selbst mit kargen Mitteln, und trotz dieser Unterstützung hatte Maria- Angel«» Geldbeutel zu Vitt herhalten müffen.

<Der festgesetzte Plan wurde genau durchgefühkt. Während H«r KareSkat die Riebet belehrte, be­schäftigten fich Isabella und Maria-Angela mtt ihrer Malern. Nach dem Unten ichie «ahmen Margarete, Luisa und Tarmeltta eine Handarbett und zeigten such Therese mtb Johanna die Anfangs gründe derselben. Klein-Peter blätter! e in einem Bll verbuche.

De» Sonntags hel'e Poupee die besten Kleider Herdor; alle petzten sich und gingen gemeinsam in die Kirche. Da auch der Gesundheit Rechuusg zu "tragen war, nnternvhmen fie nachmittag» einen Spaziergang

Das Erscheinen brr Familie auf der Straße erregte natürlich die Neugierde der Nachbarschaft, nicht attern durch ihr vornehme» Auftreten, sondern auch Wege» der eleganten Kleidung.

Man pellte sich an Fenster und Tüten, um diese „lebendigen Rätsel" zu betrachten und zv kritisieren.