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MaerM Zeitung

monatsMoge: „zuldaer Geschichttblätter"

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31. Jahrgang.

8ul-a, Samstag, den 9. April 1904

M 80

zu besteh-n haben, bevor fie in Lhafsa eirziehen können. G spannt darf man sein, wc-S Rußland mut zu der „friedlichen" Expedition sagen wird. Er scheint, ob ob die Engländer trotz des Gcsechtes zunächst ver­suchen wollen, die F knon von der friedlichen Gesandt­schaft aufrechtzuerhalten.

Auf unseren Kolonien in der Süds-e find von den Eingeborenen wieder einige Ausschreitungen begangen worden. Engeborene der Admiralität-» in!eln nahmen den australisch n Dampfer „Will" weg und töteten einen Teil d r Besatzung, unter dem sich jedoch keine Europäer befanden. Die Bestrafung er­folgt durch den Kreuzer „Condor". Auf der Tmour- Insel im Norden von Kaiser Wilhelms-Land wurde die Station der Firma Hernshnm u Co. übet füllen, wobei ein deutscher Händler und zwei Chinesen getötet wurden. Eine Strafe xpedition wird i atürlich auch da folgen.

»scheint täglich, mit lurnahm« der Sonn- md Zeiering«, viertel- jährl. verugrprei« »tzlt vringerlohn uud Bestellgeld in Zulda and NUwärlr \ HU. 50 pfg-

stanti'chen Volke. Man hat sich sogar nicht gescheut, die Person des Kaiser- mit in d-n Sirea zu z eaen. Man wagt e- zwar nicht, die Haltung des Kats'.rs offen zu tadeln, aber man läßt dcch deutlich durch- blicken, daß die scharfen Ausfälle gegen den Reichs kanzler eigentlich auf eine hötzeie Stelle gemünst find.

In F r a n k r e i ch hat die Oppofition in der Kammer nach Erledig-ng d;S Gesetze« wegen Aushebung des KongregationtUnterricht'S einen Ansturm aus den Marireminifter P-lletan unterncmmen, mit dem man zugleich daS ganze Ministerium zu stürzen hoff e. Mit 318 gegen 256 Stimmen (unter letzteren 11 vom Block) wurde jedoch ein Vertrauensvotum für P-lletan angenommen. Allerdinr.s wurde zugleich eine außer« parlamentarische Untersuchung über die Log der Morine und den BerteidigungStustand der Kolonien keschlossen Recht zufiieden ist aber euch die mmi- sterielle Mehrheck mit der Amtsführung PelletanS nicht, allein das kul urkäwpferische Interesse hält fie zusammen; fie will das Ministerium nicht erschüttern lassen, weil es dann auch mit der Kulturkämpferei zu Ende sein könnte. — Die Widersprüche in den Meldungen über den Einspruch der franzöpschen Re­gierung gegen die jüngsten Aeußerungen des Papstes über die Kulturkämpserei des Herrn Eombes finden darin ihre Lösung, daß die Regierung eine recht schark gehaltene Note im Entwurf aufgestellt hatte, der Botschafter beim hl. Stuhl, Nisard, aber t tlächlich nur mündlich und in höflicher Form die Allokulion des Papstes bei dem Kardinalstaatssekretär zur Sprache brachte. Der Umstand, daß gerade in den letzten Tagen zwei neue Botschaftssekretäre beim Balkan ernannt wurden, deutet auch nicht auf die Absicht der Regierung, mit dem hl. Stuhle ganz zu brechen. Es scheint auch, daß Minister Delcasiö fich bei Gelegenheit deS Besuche- Loubets in Rom bemühen wird, die Verschlechterung der Beziehungen zwischen Frankreich und dem hl. Stuhle, die der e.ste Besuch des Ober­hauptes eines katholischen Staate- zur Folge haben müßte, möglichst zu Verbindern. — AuS den Justiz gebäudrn werden jetzt au' Anordnung des Justizmini­sters die Kruzifixe entfernt. Das Kreuz ist den regierenden Freimaurern ein Aergeruis.

In Italien riefen am Karfreitag die Sozisliste» in Coralo während «iner Prozession Ruhestörungen hervor. Die Polizei nahm mehrere von ihnen fest, um fie vor der empörten Menge zu schützen. Ein Bolkshaufe versuchte das Gefängnis zu stürmen, um fich der Gefangenen zu bemächtigen. Dabei wurden vier Personen verwundet, darunter «ine tötlich. — In Spanien ließen Anarchisten und Republikaner am Karfreitag gleichfalls ihren Haß gegen die Kirch; wieder die Zügel schießen. In Sistao bewarfen fie bei einer Prozession die Priester mit Steinen. Als dir Polizei drei von den Ruhestörern verhaftete und in die Schule e'nsperrtr, gaben fie zahlreiche Schüsse auf daS Schulhaus ab. Weiter verwüsteten fie den Kirchhof und versuchten, die Kirche in Braud zu stecken. Eine Anzahl Personen wurde, zum Teil schwer, verwundet.

Auf dem ostasiatischen Kriegsschauplätze scheint fich in letzter Zeit nichts von größerer Be­deutung zugetragen zu haben. Uebec das Vorposten­gefecht bei Tschöngdschu ist von beiden Seiten noch sine Reihe von Meldungen verbreitet worden, in denen jeber Teil bemüht ist, fich als den Sieger hin« zustellen. Die Russen find zweifellos zum Rückzug genötigt worben, fie behaupten aber, daß die Japaner weitaus die stärksten Verluste gehabt haben; die Japaner versichern dagegen, ihre Verluste seien nur gering gewesen. Eine größere Bedeutung kommt dem Gefechte rffenbar nicht zu. Bon Tschöngdschu find die Japaner inzwischen bi- Sijontschkon. westlich Tschöngdschu vorgerückt, am vorigen Samstag ist eine apanische Patrouille sogar in Wibschu,^ eine Strecke weiter nördlich, eingerückt, da- sie von den Russen verlosse» fand. Bei Widschu fand ein Borposien- gefecht statt, daS danach also zu Ungunsten der Russen ausgefallea zu sein scheint. Nach russischer Meldung ind ferner die Depots in der russischen Ansiedelung siönawpho g-plündert und verbrannt worden. In ASnampho stand eine kleine Abteilung Russen 300 Mann japanischer Infanterie gegenüber. Danach zu chließen, haben die Russen auch h»er eine kleine Schlappe erlitten. Der Ausflug deS russischen Ge- chwaderS in Port Arthur nach den Miat'tan-Jnseln ;at nicht, wie zuerst gemeldet wurde, am 27., sondern am 26. März stattgefunden, also am Tage noch dem letzten Versuche der Japaner, den Hafen zu sperren. Da daS Geschwader aus fünf Linienschiffen bestand, werden der „Retwisan" und der „Z-ssarrwUsch" nicht dabei gewesen sein; die Meldungen, daß diese Sch ffe wieder aftionSsähig seien, wären also falsch gewesen. Bet beiden kriegführenden Parteien macht sich übrigens >ie Geldnot bereits in empfindlicher Weise bemerkbar. Rußland hat fich infolge des Kr ege» bereits zu einer wese-tlichen Einschränkung der übrigen Staatsaur- gaden genötigt gesehen und an dem Budget fast 135 Nlllionen Rubel gestrichen. Japan hat einstweilen die Steuern auf VerbrauchSartikel erhöht.

Die englische Expedition nach Tibet hat nach längerer Ruhepause, zu der sie durch Schnee und Ci­an den Himalaya-Pässen genötigt war, den Vormarsch wieder ausgenommen. Am 31. März kam eS zwischen der Expedition und 1500 Tibetanern, nachdem Oberst DoungvuSband die Führer der Tibetaner vergeblich zum friedlichen Abzüge zu bewegen versucht hatte, btt Guru zu einem scharfen Handgemenge, in dem die Tibetaner, die nur mit Schwertern und einem halben Dutzend Steinschloßflinten bewaffaet waren, unter Btrlnst von 300 Toten und zahlreichen Verwundeten geschlagen wurden und ihr Lager genommen wurde. Die Engländer werden aber noch Wohl wettere Kämpfe

noch einen großen, der andere einen mäßigen, der brüte nur einen kleinen Teil vor sich, aber wenn es auch nur eine winzige Spanne ist, sie genügt, um die irdische Pilgerfahrt zu einem guten Schluß zu bringen.

Also vorwärts den Blick gerichtet, gleich dem Manne, der die Hand an den Pflug gelegt hat.

Die schönste Parabel auf diesem Gebiete ist die Reujahrsgeschichte von Jean Paul. In der Silvesternacht träumt jemand, er sei alt und dem Sterben nahe und müsf; verzweifelnd, auf ein verfehltes Leben zurückdlicken. In Reue, Angst und Not erhebt er die Arme gen Himmel und ruft krampfhaft zum Höchsten empor: Gib mir meine Jugend wieder! Da erwacht er und findet, daß er seine Juzeuv, sein Leben noch hat, daß er noch im Stande rst, die guten Vor­sätze auszusübren. Lerne schätzen, waS du noch hast, und lerne dre Zelt benutzen, die dir noch gegeben ist.

Ja, sagt da der Nörgler, der Rest an Zeft und Kraft, der mir noch verbleibt, ist aber so klein! Nun, sieh' dir mal die beneidete Schaar von Knaben und Mädchen an, in deren Reihe« du wieder eimreten möchtest! Sie stehen in der ersten Jugendblüte, aber ist ihnen ein langer Leben voll Gesundheft und Kraft garantiert? Nein, der Tod hält auch unter ihnen Musterung; einige werden wahrscheinlich sterben, ehe sie auf« gereift sind, und andere werden in d n erst«! Jahren der Kraft und der selbständigen Wirk­samkeit aus dem Leben scheiden müffen. Also mit der einfachen Rückoersetzung in die Reihen der Jungen wäre uns auch noch nicht geholfen. Jeder, der so einen Wunsch hegt, macht dabei noch den Vorbehalt, daß er auch gesund bleiben und recht alt werden will. Das ist aber ein btscheti viel verlangt. Wer wieder jung werden möchte, der muß vernünftiger Weise auch alle Gefahren der Jugend mft in den Kauf nehmen. Und die sind nicht gering, weder für den Leib noch für den Geist. Wer weiß, ob die zivette Auflage unserer Jugend nicht verschlechtert und verkürzt aus fallen würde, während wir uns eine vermehrte und verbesserte Auflage einbilden. Wenn wir jetzt so mit einem blauen Auge durch den Sturm und Drang der Jugend und durch die Lasten und Nöten der Reife hindurch ge­kommen sind, so wollen wir Dank sagen »ud nicht noch einmal das zweifelhafte Glück ver­suchen wollen. Der junge Mensch ist auch des morgigen Tages nicht sicher, und der Mensch in seiner Kraft kann jeden Augenblick vom Blitze des Todes gefällt werden, ebenso gut wie der Greis am Stabe. Wir haben nichts sicher, at$ nur den gegenwärtigen Augenblick, und da­rum lehrt die Weltweisheit ebenso wie die Religion: Tue jetzt, was du tuen sollst, und nutze den heutigen Tag so aus, daß du morgen nicht zu wünschen brauchst, ihn noch einmal zu durch­leben !

Wir können nicht wieder jung werden, aber wir können jung bleiben auch in den höheren und höchsten Jahrgängen. Lächerlich find die sog. kosmetischen Mitteln, mft denen man die Runzeln und die grauen Haare und sonstige Nachmittags-Erscheinungen des Lebens fort- schwindeln will. Aber das wahre Verjüngungs­mittel lehrt uns der Volksspruch: Wein'S Herz nur jung bleibt! Und daS Herz bleibt jung, wenn man einen solioen, arbeitsamen, vernünftigen und nützlichen Lebenswandel führt! Wer Lust hat, die aufblühende Jugend neidisch zu betrachten, der möge auch seinen Blick mal in die Rund« schweifen lassen, um unter de» Weißhaarige'! sich die besten Exemplare auszusuchen. Ist di« Großmutter, die aus ihren treuen Augen di­unerschöpfliche Güte ihrer Seele und die Ruht ihres lauteren Gewlffens strahlen läßt, nicht schön in ihrem weißen Ehrer kränze? Und der Patriarch, der grau geworden ist in treuer Pflichterfüllung und erfolgreicher Sorge für kleine und große Kinder und schließlich auch für die Enkel, ist er nicht eine erquickende und erbauliche Erscheinung, schön wie ein Baum in herbstlich gefärbtem Walde? Wenn man solche braven Leute im ehrenvollen und zufriedenen Greisenafter sieht, dann ist gewiß der Wunsch gerechtfertigt: Möge mir auch ein so schöner Lebensabend beschieden sein! — Nun, dm könren wir uns immer noch schmieden, aber daS Eism muß sofort ins Feuer.

Sie kommt nicht mehr, fie kommt nicht wieder; unsere eigene Jugend nämlich. Aber es fehlt nicht an Jugend in der Welt; der Nachwuchs der Menschheit schießt immer von neuem empor. Wer will, der kann mft der Jugend verkehren, für die Jugmd sorgen und wirken, und daS ist ein treffliches Hilfsmittel, um das Herz jung zu erhaltm.

Die Kinder, die ihren Ehrmtag feiern, treten jetzt in den gefährlichsten Abschnitt ihrer

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Unpolitische ZeitlSrrse.

(Nachdruck verboten.)

E) Berlin, 7. April 1304

Am Weißen - Sonntag verspüre ich eine Art Neid, wenn ich die ausblühende Jugend sehe, die in ihrer hoffnungsvollen Unschuld am Tische deS Herrn ihren Eintritt in's Leben feiert. Keine Mißgunst, nein Mitfreude, aber zugleich den Wunsch: Ich möchte auch noch dabei sein! Ich möchte noch einmal diesen Tag begehen, der doch srhließlich der allerschönste Frühlingstag des Lebens ist! Ich möchte wieder jung und schuldlos sei", ich möchte daS Leben mit frischen Kräften noch einmal beginnen, und es sollte sicherlich besser werden!

Ja, so denkt und träumt man in weihe­vollen Stunden. Aber wenn nun ein Wunder geschähe und die Reste der grauen Haare sich in blonde Jugend locken verwandelten, würde dann wirklich die zweite Auflage deS Lebenslaufes besser und glücklicher werden? Ach, bilden wir uns ja nicht ein, daß wir mit den Jahren auch an Weisheit * und Tugend stetig zugenommen hotten und jetzt viel gescheidter und tüchtiger seien, als in unserer „grünen" Jugend oder in der „Blüte" unserer Ernstjahre.' Ss ist nicht so weither mit unserer Selbftoervollkommnung. Im Grunde genommen ist und bleibt es doch ein bescheidenes Fortwursteln. Niemand fährt aus seiner Haut, es mutz denn eine wunderbar begnadete Natur fein; wir gewöhnliche Sterb­lichen schlagen uns mit unseren Schwächen und Fehlern so notdürftig durch bis zum Ende, und müffen schon froh sein, wenn wir den Kopf noch halbwegs oben behalten und nicht so tief fallen, daß das Aufstehen unmöglich wird. Das Ende vom Lebensliede heißt immer: „Gott sei mir armen Sünder gnädig". Und wenn wir das Leben noch einmal durchwachten, so würde der letzte Seufzer auch nicht besser lauten können.

In den Volksliedern wird sehnsüchtig ge­sungen von der Jugend, die so schön gewesen ist und nicht wieder kommt. Hinter dieser Herzenswallung steckt aber weniger Befferungs- trieb, als vielmehr das Verlangen nach neuem Genüsse. Wir denken sehnsüchtig zurück an das strotzende Gesundheits- und Kraft pefühl, an die Hoffnungsscligkeft und an die ganze frischfröh­liche Lebensfreude, die unS in der Jugend er­füllt haben. Ach, diese Morgen- und Frühlings­luft möchten wir noch einmal durchkosten, nach­dem die Luft der angemeffenen Jahre und Sorgen und Aergerniffe wieder abgestreift ist. Aus diesem Heimweh nach der Jugendlust haben die Völker sich auch das Mährchen vom Jung­brunnen gebildet. Die altersschwachen Männ- lein und Weiblein humpeln an der einen Seite hinein, und auf der anderen Seite kommen frohe Pärchen in Jugendfrische wieder heraus. Dieser Brunnen der leib sichen Wiedergeburt existiert aber bloß in den Lustschlössern der Phantasie. Der wirkliche Jungbrunnen, durch den die Menschheit gehen muß, sieht ganz anders aus. Tod, Grab und Auferstehung bilden den Uebergang zu einem neuen Leben, zu einer neuen Jugend, und sogar zu einer unvergäng­lichen, ewigen Jgzend. An diesen realen Jung­brunnen der Zukunft zu denken, ist jedenfalls praktischer, als sich mit rückblickenden Träume- reien über die unwiderbringliche Vergangenheit die Zeft zu vertreiben.

Hin ist hin, verloren ist verloren. Die ver­flossenen Jahre, die verbrauchten Kräfte lassen sich nicht wieder herbeischaffen. Aber waS schadet's denn? Wir leben ja noch, und so lange der Faden noch nicht durchschnfttin ist, gilt auch vom Leben das Wort: Ende gut, alles gut! Wer jetzt schon ausgewachsen ist, kann den Anfang seines Lebens nicht mehr besser oder schöner machen, als wie er. gewesen ist, und wer schon graue Haare bat, kann an der Mitte seines Lebens auch nichts mehr ändern. Aber einen Teil von unserem irdischen Leben haben wir allzumal noch in der Hand; der eine hat

wochen-Rmdschau.

□ Fulda, 9. April 1904.

Der deutsche Kaiser hat der Osterfest in der sizilianischen Messina zugebracht, wo er am Mittwoch vor Ostern eintraf. An den beiden Feiertagen unter­nahm er ArUflüge in die Umgegend von Messina und fuhr dann am Dienstag rach Palermo. Erzabt Krug, ein geborener Hünfelder, wurde in Neapel vom Kaiser zu einem Diner auf kein Sch ff eingeladen und, wie auch schon früher, durch Gunsterweise aus­gezeichnet. An den Papst sandte der Kaiser ein Be- grüßungitelegramm und dem kranken Erzbischof von Palermo ließ er einen Blumenstrauß überreichen —In Frankreich hat die Begegnur g »wischen dem Kaiser und dem Könige vonJwlien m Neapel, die so kurz vor dem Besuch des Piafidemeu Loubet bei dem Könige er­folgt, vielfach verstimmt. Insbesondere haben die Trinksprüche, in denen die Festigkeit des Dreibundes so entschieden be'vrtt wurde, enttäuscht. Man konnte doch von der Hoffnung nicht lassen, daß die An­näherung zwischen Italien und Frankreich den Drei­bund lockern werde. Die Trinksprüche und die Tele­gramme, die zwischen ten Monarchen au-getauscht wurden, möchte man run fast als eine Demonstration, als eine Warnung an Loubet betrachten, nur ja nicht mit dem Gedanken nich Rom zu kommen, Italien vom Dreibunde adziehen zu körnen. In der ftanzö- fichen Presse werden sogar Sttmm'n laut, die den Ewpsarg Kaiser Wilhelms in Italien geradezu als eine Unhöflichkeit und Be'eid'gung gegen Franke ch bezeichnen. Der Dreibund v-rfolgt friedliche Ziele. Herr Loubet wird auch nicht anders können, als vom Frieden zu reden. Wenn der Di eibund dessen Mitglieder nicht hinvert, gute Beziehungen zu anderen Mächten zu Pflegen, so können ja auch die Franzosen zufrieden fern, falls ihre gern betonte Friedensliebe aufrichtig gemeint ist.

Der hl. Vater hat am Ostermontage eine Abord­nung der deutschenKatbolikenempfangen, die von der Kölner Generalversammlung der Katholiken Deutschlands beauftragt worden war, dem neuen Papste die Huldigung der deutschen Katholiken dar- zubringen und ihm die Gefühle ihrer kindlichen Ver­ehrung, unwandelbarer Treue und unverbrüchlichen Gehorsams zu versichern. Die Abordnung bestand aus dem Zentralkomitee zur Vorbereitung der Gene­ralversammlung n der Katholiken Deutschlands unter Führung des Grafen Droste-Bischering, denen sich not, verschiedene Parlamentarier, Geistliche und Jour­nalisten angeschlossen hatten. Graf Droste-Bischering verlas eine Ergebenheitsadresse, ia der u. a. ver­sprochen touroe, daß die deutschen Katholiken mit derselben Entschlossenheit wie bisher die Rechte der Kirche zu vei leidigen, die soziale Altion gemäß den Weisungen von höchster kirchlicher Stelle und den gleichen Elfer in Ausübung der Lieberwerke such in Zukunft betätigen würden. Der hl. Vater dankte den deutschen Katholiken für ihre Ergebenheit gegen­über der Kirche un» betonte tie freundliche Gesinnung des deutschen Kaisers und der Regierung gegen seine Person und die Kirche. Dabei hob er auch das Verdienst der Z-nttumSfraktion des Reichstags her­vor. Za der Abordnung gehörten auch die Vor­sitzenden des BonifatiusvereinS Propst Racke aus Pade-born und deS katholischen BottSvereinS, Fabrik­besitzer Brandts aus München-Gladbach. Diese beiden Herren richteten ebenfalls kurz- Adressen an den hl. Baker und wurden von ihm mit besonderer Ansprache beehrt, in der der Po pst diesen Vereinen seine volle Anerkennung auSsprach und ihren eine weitere seaenSrliche Wirksamkeit wünschte. In eisern Teil der Presse ist auS dieser Deputation der deut­schen Katholiken eine Zentrumsdeputation g-mackt worden, der man alle möglichen politischen Zwecke unterschob.

Die Hetzerei der Evangelischen Bunde» wegen der Aufhebung des § 2 deS Jesuitengesetzes hat auch in den Ostertagennicht geruht. Der Geburts­tag deS Fürsten Bismarck, btr diesmal auf den Rar« frei'ag fiel, bot den Hetzern, die zugleich BiSwarck- schwärmer find, willkommenen Anlaß, in Festreden And Festartikeln ihrer Sehnsucht nach einer strammen bfttmkämpferischen Regierung an Stelle der jetzigen, die angeblich nur Schwäche und Nachgiebigkeit gegen „Rom" und das Zentrum zeigen soll, Ausdruck zu geben. Daß Bismarck fich von der fanatischen Kultur- käwpserei Fall schen Stiles schon in den 80« Jahren abgewandt hatte und, wenn er heute noch am Ruder wäre, wahrscheinlich längst das ganze Jesuitengesetz über Bord geworfen hätte, kümmert die Fanatiker natürlich nidjt. Uebrigens fangen einzelne der H-iß- ftwrne an, für den Evangelischen Bund eine Verlegen- httt zu werden. Die „HauSvätervereinigvug" einer Dresdener Kirchen gemeinde hat zwei rabiate Refo- tatumen gefaßt, die von Beleidigungen gegen den Reichskanzler strotzen und seine Beseitigung fordern. Selbst der Serlmer Moniteur deS Bunde-, die ,Tägl. Rundschau', bekam einen Schreck und verurteilte die Resolutionen. Aber to-r hat sie verschuldet? Die konservattve Pr-sse, inib.-fonbere die .Kreuzztg.', lehnt eS trotz aller Angriffe und Schmähunge- standhaft ab, mit dem Bunde g-memfame Sacke zu machen. Zwar machte der Bund und feine Presse wett mehr Lärm, ÄS die friedliebenden Protestanren und chre Press-, aber glücklicherweise find die Friedensfreunde gegenüber den Fanatikern doch in der Mehrheit beim prvte-