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Fuldaer W Zeitung
" Monatsbeilage: „zuldaer Geschichtrblatter'^
31. JahrgMg.
Zulda, Samstag, den 9. April 1904.
80.
Die Antwort der hl. Vaters
aus die Adresse der deutschen Katholiken, die am Ostermontage von einer Deputation im Auftrage der Kölner Generaloersamm- lung der Katholiken Deutschlands dem hl. Vater Überreicht wurde, hatte folgenden Wortlaut:
. „@ebr angenehm ist es uns. Euch zu sehen und zu Euch zu reden, geliebte Söhne, die Ihr Ödem Beschlüsse der letzten Katholikenver-
lung zu Köln aus den weit entlegenen Gegenden Deutschlands nach Rom geeilt feib, um dem Statthalter Christi Eure Huldigung darzubringen. Daher umfassen wir nicht blos Euch die Ihr hier zugegen seid, sondern auch alle Eure Gesinnungsgenossen in der Heimat mit väterlichem Wohlwollen und nehmen gern den Ausdruck Eures Gehorsams und Eurer Lttbe zu unS und dem Apostolischen Stuhle entgegen. Aus Euren Worten und Eurer Anwesenheit leuchtet Glaubenseifer und religiöse Gesinnung hervor, worüber wir von Herzen erfreut sind. Wenn in Eurer Heimat, die seit dreihundert und mehr Jahren durch die Glaubensspaltung zerrifien ist, noch heute der katholische Glaube lebt, wenn im öffentlichen Leben der Katholizismus schwer in die Wagschale fällt, wenn endlich die in manchen Punkten mit den Katholiken wiederhergestellte Eintracht dem ganzen Deutschen Reiche »um Vortest gereicht, so ist dies alles unzweifelhaft ein Erfolg Eurer Glaubensstärke, Festigkeit und Zrebestaten.
Wenn mir hierzu Euch von Herzm Glück wünschen und Gott danken, daß er Euch im Kampfe für die Religion und den angestammten Glauben seinen Beistand geliehen hat, so er« mahnen wir Euch und Eure GefinnungSgenoffen, daß Ihr Euch im Vertrauen auf Gott durch keinerlei böse Hrsahrvngen überwinven oder niederbeugen laßt. Seid überzeugt, daß auch das Böse gegen menschliche Erwartung durch GotteS Hilfe zum Besten der Kirche ausschlägt.
Fahret daher fort, geliebteste Söhne, den im Herzen wurzelnden Glauben, den Ihr bisher standhaft bekannt habt, bis zum letzten Lebens- hamhe unerschütterlich zu bewahren, die Rechte der Kirche zu verteidigen, die soziale Tätigkeit gemäß den schon von unserem Vorgänger erlassenen Weisungen einzurichten, die Liebeswerke zu üben und mit einem Worte zum Wohle Eures Vaterlandes zu arbeiten.
Gebe Gott, daß Eure Tätigkeit gut von statten geht und — was am meisten zu wünschen wär« — die der Kirche feindlich Gesinnten, durch Eure Liebe und gutes Beispiel angelockt, zur Erkenntnis der Göttlichkeit der Kirche gelangen, die religiösen Angelegenheiten Eures Vaterlandes noch immer bester geordnet werden und auch das ruhmreiche Deutsche Reich sich der Segnungen deS Friedens erfreute.
Maria Angela.
Boa Komtesse de Beaurepaire-Louvagny Genehmigte Uebersetzung aus dem Französischen.
10 ------ (Nachdruck verboten.)
«Ich bin noch nicht zu Ende," sprach Poupee »eil«. „Da ich irgend etwas untnnehmen muß, sm nirsern Unterbolt zu verdienen, so kann ich nicht de« ganzen Haushalt allein besorgen. Jeder muß Seifen, du auch, Väterchen."
„Gerne, ab« wie könnte ich?"
,D g wiß, ohne deinen Sessel zu vttlaffen, kannst du recht nützlich fein, indem ou das Porzellan ab» trocknest, das Margarete eb« Luise dir reichen werden."
Sv blieb e» g«egekt.
MS die Ordnung in den Räume« wird« herge- stellt war, mußte Maria-Angela ihre Einkäufe für die Küche machen. ES war dies für sie die unange- nehmste Besorgung. Ab« fir tat es, wie alles andere, «ttt gut« Miene und Freundlichkeit.
Dadurch sicherte sie sich sofort die Zuneigung d« Händlerin, welche im Erdgeschoß der Hauses einen wramladen hielt.
Diese hatte am Tage vorh« den Einzug beobachtet: den Handkarren, die eleganten Reisekoff«, setzte Ueb«bleibsel geschwundenen Wohlstände», welche -R so grellem Gegensatz standen zu dem tannenen Küchenschrank und den einfachen Stühlen. Sie hatte de» Herrn in den besten Jahre» bemalt, dessen edle» Gesicht und feine Haltung sympathisch berührten. Die liebevolle Aufmerksamkeit, mit welch« Maria-Angela den sichtlich Leidenden umgab, gewann ihr gleich das Herz ba alten Biktvrine Philippeane MS «st gar der Krankenwagen vor der Tur hi lt mit der fiebernden Aabella, da wurde sie ganz gerührt.
Biktvrine mutmaßte ein geheime» verschämtes «end und nahm fick vor, dem Drama nachzuspüren,
r Deutsches Reich,
Und damit dieses alles Euren Wünschen entsprechend zu Stande kommt, erteilen wir Euch, geliebte Söhne, und Euren Familien, allen, die Ihr hier Deutetet, ganz besonders aber Euren Oberhirten, sowie dem gesamten Klerus und Volke aus innigstem Herzen den Apostolischen Segen mit der Bitte, Gott möge allen den Reichtum seiner himmlischen Güter zu Teil werden lasten"
Berlin, den 8. April 1904.
♦ Wie manchmal fürstliche Perfoueu von ihren katholikenfeindlichen Hospredrgetn und ähnlichen Leuten ihrer Umgebung „beraten" werden mögen, davon liefert die .Post' ein hübsches Beispiel. Die Erörterungen der Zeitungen über die Errichtung einer Nuntiatur in Berlin erinnern einen Mitarbeiter der ,Post' an die wiederholte^ Erörterung der gleichen Angelegenheit unter Kaiser Wilhelm I. Unter Berufung auf den ehemaligen Oberhofprediger Dr. Hoffmann erzählt er, der Kaiserin Augusta sei im Interesse des friedlichen Einvernehmens zwischen Staat und Kirche der Plan sympathisch gewesen. Hoffmann al« „genauer Kenner der päpstlichen diplomatischen Künste" habe sich viele Mühe gegeben, sie anderen Sinnes zu machen. Der Einwand, daß mon der Errichtung einer Nuntiatur eine Verstärkung der ultramontanen Einflüsse zu befürchten sei, erzielte aber bei der Kaiserin keinen Eindruck. Darauf fing er es ünders an. Er wies, so erzählt der Gewährsmann der.Post', auf die Folgen hin, welche die Errichtung einer Nuntiatur in Berlin aus die Hofetikette haben würde, wie der Nuntius herkömmlicherweise den Anspruch erhöbe, an der Spitze des gesamten diplomatischen KorpS zu stehen, wie er in seinem ganzen Auftreten geradr in dem protestantischen Berlin sich mit einem möglichst auffallenden Glanze umgeben würde. „Wenn Eure Majestäten," so sagte er der Kaiserin, „bei feierlicher Auffahrt vierspännig fahren, wenn Sie sechs Pferde anspannen kaffen, überbietet er Sie mit acht." Auf den Hofbällen und offiziellen Hoffestlichkeiten, so stellte er der Majestät weiter vor, wird der Nuntius stets nächst den Majestäten den ersten Platz und be- sondere Aufmerksamkeiten beanspruchen. Wenn er während eines Hofdallrs die Festräume be» tritt, verlangt er, daß im Augenblick seines Ec- scheinens jede Musik schweigt. Der Hinweis auf diese und ähnliche Konsequenzen, welche die Anwesenheit des Vertreters einer Macht, welche die erste in der Welt zu fein beansprucht, am Hofe eines vorwiegend protestantischen Staates haben würde, verfehlte nicht, Eindruck zu machen, und di Kaiserin hatte seitdem nicht die geringste Sympathie mehr für die Errichtung einer Nuntiatur gezeigt."
nicht ou» bloß« Neugierde, sondern mit dem lobenswerten Borsatze, zu helfen, sowett ihre bescheidenen Mittel dies zuließen. Doch wollte sie mit Zartgefühl vvrgeben und nichts üb«eilen.
Ihre Gedanken weilten noch bei d« neuen Nachbarschaft, als Maria-Angela sich zum ersten Male bei ihr zeigte, um einzukausen. Die Händlerin fand ihre Vermutung bestätigt. Die ganze Erscheinung des jungen Mädchens, ihre Redeweise, ihre Unkenntnis der Preise, a^es die» bewies zur Gmüge, daß sie beff«e Tage gesehen.
Bei den unteren Klassen äuß«t sich das Gefühl v«armten Reichen gegenüber auf zweierlei Weise; entwed« durch leine große Gttingschätzung, gepaart mit ein« gewissen befriedigten Rachsucht, ob« durch ehrerbietiges Mitleid. Dies hängt ganz von der Er- ziehungsmt des einzelnen ab.
Maria-Angela begegnete hi« zum Gluck emer der guten Seelen, welche mit dem Glauben an Gott die Siebe zum Nächsten bewahrt und gehegt haben.
Als sie am folgenden Morgen wied« ,n den Laben kam, bot ihr die Händlttin ihre bescheidenen Dienste an. ~
Maria Angela dankte gerührt für bie Freundlich- lichkeit und vttsprack, gegebenenfalls gerne ihren Rat und Beistand anzunehwen. Sie fühlte, daß ein Abschlagen, wenn auch noch so höflich, Biktvrine beleidigt hatte. , „ .,
Bon nun an hatte sie eine ergebene Freundin.
„Wie geht es denn heute morgen dem kranken Fräulein?" wagte die Krämerin zu fragen, indem sie die frischesten Gemüse Üt Poupee auSiuchte.
„Mir scheint, daß es mit mein« Schwester nicht schlimmer ist, ihr Kopf ist nicht mehr so brennend beifc." „ ,. ,,
„Desto besser! Unb d« arme Herr leibet wohl an den Augen?" .
„Ach, mein guter Vater ist noch nicht ganz blind, aber fein Augenlicht nimmt täglich ab."
„Das ist sehr traurig!"
* Der schweizerische Gesandte in Berlin, | Minister und Oberst Dr. Roth, ist nach kurzem Krankenlager im Alter von -68 Jahren an Lungenentzündung hier gestorben Er war seit Anfang 1877 am Berliner Hose beglaubigt. Der ,Reichs- avzeiger' schreibt über ihn: „Die Kaiserliche ! Regierung und der große Kreis persönlicher freunde des Entschlafenen beklagen mit der Schweiz aufrichtig den Heimgang dieses hervorragen o en Mannes, der es sich stets hat angelegen ein lassen, die guten Beziehungen zwischen dem Deutschen Reiche und seinem Heimatlande zu pflegen, und der es wahrend seiner langjährigen üenstlichen Tätigkeit hier selbst verstanden hat, ich die Verehrung und Achtung aller zu erwerben, >ie ihm amtlich oder außeramtlich nahe getreten ind."
■ Nach einer Bestimmung deS Kaisers sollen in diesem Jahre freiwillige Dienstübnngea »«aktiver Offiziere in wettgehendem Maße jeftattet werden. Um aber den voraussichtlich arken Andrang etwas abzuschwächen, find Hieriber folgende Anordnungen getroffen worden. Freiwillige Dienstleistungen inaktiver Offiziere bei Linien-Truppenteilen und der Fußartillerie- Schießschule bi» zur Dauer von acht Wochen können unter Gewährung der destimmungs-1 mäßigen Gebührniffe von den General Kom-1 mandos und obersten Waffen-Behörden genehmigt werden, sofern diese Offiziere für den Mobil- machnngsfall zu Kompagnie- usw. Führern in Aussicht genommen find. Ebenso können BezirkS- osfiziere, die für den Mobilmachungsfall als Bataillons- usw. oder Kompagnie- usw. Führern in Aussicht genommen sind, sofern sie dem ,taktischen Dienst schon eine Reihe von Jahren erngeftanben haben, zu derartigen Dienst-1 eistunaen zugelaffen werden. In Fällen, wo es besonders wünschenswert ist, können auch inaktive Stabsoffiziere oder Hauptkeute, die für den Mobilmachungssall als Bataillons- oder Äb- eilungs-Kommandeuce in Aussicht genommen ind, zu solchen freiwilligen Dienstleistungen zu- (elaffen werden, nicht aber Offiziere in Regiments- Kommandeursstellung. Ferner sind Offiziere des Beurlaubtenstandes, die für den Fall emer Mobilmachung zur Verwendung bei einem Be- leidungsamt vorgemerkt sind und bei solchen bereits geübt haben, zu freiwilligen Truppen- ibungen nicht heranzuziehen.
Für die verleumderische Art, mit der die ohne prinzipiellen Vorbehalt an der Seite des Evangelische« B««deS kämpfende Presse die .Kreuz-Zeitung' befehdet, liefert, so schreibt »ie .Kreuzztg.', der.Hannoversche Kurier' wieder ein recht nettes Beispiel. Das konservative Blatt hatte den „freien Theologen", die das Bekenntnis der evangelischen Kirche für falsch halten, den Rat gegeben, aus dieser Kirche auszutreten und auf ihrem Bekenntnisse eine neue zu gründen. Diese sehr klare, ganz unmißverständliche Aeuße- rung der .Kreuzztg.' nimmt im »Hannov. Kurier' folgende Fassung an: „Die .Kreuz-Zeitung' er- kennt natürlich nur die evangelische Kirche an, in der ihre Gesinnungsgenossen herrschen und die Arm in Arm mit Zentrum und Jesuiten jede
hatte. Jedes hatte ei« Heft vor sich und schrieb nach dem Diktat eine von Herrn Mareskat erfundene Erzählung. Ktein-Peter wachte Striche auf die Tafel, während Maria-Angela, eine Näharbeit in ben Händen, durch die angelehnte Türe die Bewegungen Isabellas überwachte. , u
Der Blumenstrauß der Gemüsesrau stand mitten auf dem Tisch und vttbreitete sützen Dust.
Der Priester konnte sich nicht genug wundern über die Saubttkett und Ordnung, üb« den Schrmm« von Frohsinn, den Poupee in die elende Manfarden- Wohnung hmeingezaubert hatte.
Aber « sah auch die bleichen Wangen deS lungert Mädchens, und diese weckten seine Besorgnis.
„Sie wird es nicht aushalten, wenn man da nicht eingreift," dachte «. ,. „
Indessen hatte Poupee die kleine Margarete zv Jsabella geschickt, damit d« Lärm die Leidende nicht störe. Dann schloß sie die Zwischentüre und bot dem geistlichen He«n einen Stuhl an.
„Ich bringe Ihnen eine angenehme Nachricht, sagte dies« nach getauschtem Gruße, „ich habe Arbeit für Sie gefunden." _ _ ... ,.
„Nichts könnte mir in d« Tat nwünschttt fern-
„Sie verstehen sich ja darauf, Blldchen auSiumalen ;
Sie können deren bekommen, so v:el Sie wollen.
„O, besten Dank, H«r Vikar; *
„Ab« Sie müssen Maß halten und sich nrch omcck die Arbeit zu Grunde ttchten. Zu all««st müssen Sie die Nachtwachen ausgeben."
„Isabella kann ab« nicht allein bleiben I
„Darum habe ich Vorsorge gettoffen, das ette barmherzige Schwester jeden Abend kommt und sie ersetzt" , u ,
„Ich bin Ihnen dafür sehr terbunden," nahm Herr Mareskat das Wort. „Wo, sollte au» ms werden, wenn Maria-Angela auch krank wü'.dt DaS Kind ist unsere Vorsehung."
„Sie wird darum auch vernünftig fein und sich | etwas schonen," entgegnete der Geistliche.
„Es ist schrecklich." , , t
„Sehen Sie, Fräuleinchen, da hat mir heute morgen der Gärtner einen Strauß mitgebracht. Ich will ihn in Ihren Korb legen; zwar find e» nur Rosen und Reseda, aber vielleicht ist d« Dust dem Herrn angemhm, und Sie können sich an den frischen Farben estreuen. „ .
Maria-Angela nahm ohne Zög«n, was ihr in so einfach liebenswürdig« Weife angeboten wurde.
Sie dankte freundlich und beeilte sich, die sechs Treppen zu ersteigen.
Gnade tarn der Arzt. Dieser batte dem Bilar Preval vnsprochen, Isabella nicht zu vnlaffen, solange sie seine» Beistandes bedürfe. Al» guter Christ hätte « sich übrigens ein Gewissen daraus gemacht, anbet» zu handeln, obgleich He« Mange fichttlich nicht zu seinem Bttgnügen allem die Heilkunst ausübte und auch «och kein „gewachter Manu" war. Ab« das persönliche Jnteresft kam für chn nicht imm« in erst« Linie.
Der Doktor fand die Kranke in merklich befl«em Zustand. DaS Fieber hatte nachgelassen, der Kopf war etwa» klarer.
„Wenn sie wird« zu sich kommt, muß sehr vor-1 sichtig zu Werke gegangen werden", mahnte «. „Eine ] zu starke Erregung könnte sie töten."
Da» befürchtete Maria-Angela schon lang«, und deshalb bangte ihr vor dem Erwachen, so sehr sie e» anderseits herbeisehnte.
Nachmittag« stellte sich d« gute Bikar Preval ein. SS verlangte ihn zu sehen, wie seine Schütz - linge diese «ste Nacht zugebracht hatten, diese« An- fang etne» Dasein», welches so wenig chren bisherigen Gewohnheiten entsprach.
DaS Bild, da» sich ihm beim Eintritte bot, war ganz ander», al» « e» sich vvrgestellt. ES erfreute und erbaute ihn r ...
Nach dem von Maria-Angela ausgestellten Programme saßen die Kind« um den Tisch, den man a,z der Küche !n das vordere Zimm« getragen
geistige Frechett bekämpft. Die anderen Eounge- tischen fordert sie jetzt auf, eine eigene kirchliche Gemeinschäst zu gründen — wohl, damit bi* orthodox-ultramontane Union sich leichter und ohne jeden Widttspruch vollziehe." Darauf antwortet die.Kreuzztg.': „Zur Kennzeichnung dieser Kampfesweise brauchen wir nur daran zu erinnern, daß die ,Kreuz-Zeitung' stets Leu Kamps gegen die katholische Kirche mit allem Nachdruck geführt hat. Solange es eine katholische und eine evangelische Kirche gibt, kam dieser Kampf nicht aushören. Aber er muß auf dem Boden des Bekenntnisses geführt werden, sonst wird die katholische Kirche stets des Sieges sicher fein. Mit der bloßen Negation und mit staatlichen Einschränkungen ihrer Wirksamkett ist der ka holischen Küche nicht beiz»kommen, vielmehr leidet.darunter die evangelische Kirche auf die Dauer mehr als sie Darum wäre uns das Ausscheiden der vom evangelischen Bekenntnisse abgefallenen Theologen aus unserer Kirche allerdings wertvoll, insofern denn unsere Kirche zum Kamps gegen Rom geschickter und stärker wäre. Wir geben ihnen aber mehr in ihrem eigenen Interesse den Rat, auszutreten aus ein« Kirche, der sie innerlich als Gegner gegenüberstehen. Es ist nicht anständig, im Dienste einer Gemeinschaft zu stehen, deren Grundlagen man negiert. Oder ist der ,Hann. Kurier' anberer Ansicht?"
0 Der „Internationale Verein zur Reinhaltung der Flüsse, des BodenS und der Luft" hat zur baldigsten Beschaffung eines Reichs- finßschntzgesetzeS einen dringenden Antrag an den Reichstag gerichtet.
* Das Spiel in auswärtigen Lotterie« soll nunmehr durch ein neues Gesetz verboten werden. Nach diesem wird mit Geldstrafe bis zu 600 Mark bestraft, wer in einer außerpreußi- schen Lotterie spielt. Mtt Geldstrafe bis zu 1000 Mark wird bestraft, wer auswärtige Lose, Los- abschnitte oder Anteile verkauft, anbietet oder fett hält oder dabei als Mittelsperson mitronlt Ist die Zuwiderhandlung durch einen gewerbsmäßigen Losehändler begangen, ober ist sie durch öffentliches Auslegen oder Versenden eines Loses, eine« Angebots, einer Anzeige, eines LotterieplanS usw . oder durch Einrücken eines Angebotes, eines Planes usw. in einer Zeitung erfolgt, so tritt Geldstrafe von 1000 bis zu 1500 Mark ein I Im Wiederholungsfälle erhöht sich die ©träfe für den einfacheen Verkauf usw. auf 100 bis 1500, für den gewerbsmäßigen auf 200 bis 2000 Mark. Jeder fernere Rückfall zieht Geldstrafe« von 300 bis 3000 Mark nach sich. Die Ver- öffentlichung von Gewinnlisten wird mit Geld- strafe bis zu 50 Mark bedroht unb wenn sie durch gewerbsmäßige Lofehändler erfolgt, mit 100 bis 600 Mark.
*e I» Krimmitschauer Ausstande find auch einer vorläufigen Berechnung an Unter« stützungsgeldern und sonstigen Kosten über eine Million Mark verbraucht worden. Noch jetzt erhalten gegen 300 Personen, die bisher keine Arbeit gesunden haben, regelmäßige Unterstützungen.