Einzelbild herunterladen
 

W HMaer

jgSSBL

j.Ä'ä'w«. wochenb<uage:„IlluftrierteSonntagzzeitung"

Zeitung

monatstxUage: „Zultzaer StschichtrbMtt".

S*}ei|en: Vir ttiu ftutitige prtitzrür »-« beten Btxe (S PH- Keflawen die petttzekte 25 Pf-.; bei wieder. Holungen wird erttspr. Rabatt gewährt.

Druck und Verlag der KuIdaerActiendmckerri ie Zulda (Sarwonte) Zernsprecher Rr. 9.

M 79.

Suita, Freitag, den 8. April 1904.

31. Jahrgang.

LanderziehMgsheime.

Im dritten Blatte der letzten Samstags- Kummer (Nr. 75) der -Fuldaer Zeitung brachten wir einen Leitartikel, dec aus Anlaß der Er- richtung eines LanderziehungShe'ms aus Schloß Bieberstein das Wesen dieser Anstalten er­örterte. Wir faßten auf Grund des vom Gründer dieser Anstalten, Henn Dr. Lietz herausgegebenen «Buches „Trnlohstobba, Bilder aus dem Schul leben der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunst" unser Urteil über diese neuen Anstalten zusammen w die SBurte:

»Wie man steht, find dies alles Ideen, die manches Berechtigte in sich tragen und allgemeinere Be­achtung verdienen. Hoffentlich kam mt die Zeit, »o auch die Volksschule den gute» Kern, den diese Einrichtungen in sich trage», in sich aufnumnt. —Ader nie «nd nimmer können wir Katholiken damit em- «rstanden sein, daß jeder Religionsunterricht in diesen Erziehung Sh er men »eg fällt. Darm sind alle gläubigen Protestanten mit uns eins: Die Religion muß der Mittelpunkt und die ganze Grund­lage de« Unterrichts bilden, und so lange dies nicht auch in den „ErziehunMeimen" der Fall ist, müssen mir solchen Anstalten schroff gegenüber« stehen. Was solche Schule» heranziehen und heran ziehen wollen, find moderne Heiden. Daß auch die Leiter und Lehrer dieser Anstalten auf heidnischem Boden stehen und daS Christentum alS längst abgetan betrachten, ist ja selbstverständlich."

Hierzu sendet uns Herr Dr. Lieh unter Berufung auf das Preßgefetz eine Richtigstellung, die wir hier wörtlich zum Abdruck bringen, ob­schon sie über den Rahmen, den § II des Preß- gesetzes den Berichtigungen gibt, htnausgeht. Das Schriftstück lautet:

Richtigstellung.

1) Die im Leitartikel der Nr. 75 der ,Fuld. Ztg/ gebrachte Behauptung, daß der Unterzeich­nete bei der Gründung des Ilsenburger Land- erzichungSheims von Gönnern finanziell unter­stützt worden sei, ist durchaus unzutreffend.

2) Die Schlußsätze des genannten Leitartikels „Ader nie und nimmer können wir Katholiken" (bis zu Ende) behaupten das direkte Gegen­teil des wahren Sachverhaltes; und zwar ist es unwahr, daß in meinen Land- erziehungsHeimen kein Religionsunterricht statt­finde: ist eS unwahr, daß „Leiter und Lehrer dieser Anstalten auf heidnischem Boden stehen und das Christentum als längst abgetan be­trachten"; ist es unwahr, daß in unsere» Schulen „moderne Heiden" herangezogen werden. Die Wahrheit ist, daß :

a) vom ersten Jahre des Bestehens meiner Landerziehungsheime an, jeder Knabe in jeder Woche mehrere Reltgionsstunden erhalten hat;

b) die Leiter meiner Landerziehungsheime aus de« Boden des evangelischen Christentumes stehe«, die Lehrer verschiedenen Konfessionen auch der katholischen angehören, was ebenfalls

e) von den Schülern meiner Anstalten gilt, Ante: denen sich gläubige römisch-, sowie griechisch- kacholtschr Katholiken befinden, die sich in dem bei uns herrschenden christlichen Geiste wohlfühlen.

Hermann Lietz

Lieentiat der Theologie, cand. pro licentia concionandi, Dr. phil.

Was den ersten Punkt dieser Richtigstellung angeht, so mag wohl unter Gewährsmann falsch informiert gewesen sein; zur Sache ist es völlig gleichgiltig, ob Herr Dr. Lietz aus eigenen Mitteln ober von Gönnern finanziell unterstützt die betr. Anstalten gegründet hat. Von grund­sätzlicher Bedeutung aber find die weitere» Punlte. In seinem Buche „Emlohstobba" sagt Herr Dr. Lietz ausdrücklich, daß in dem englischen LanderziehungSheim Adbotsholme, welches er als Muster für alle derartigen Anstalten hinstellt, kein Religionsunterricht erteilt wird. Gr schreibt m. a.: „Innerlich und äußerlich frei und selb­ständig können sich die jungen Bürger im Land- erziehungsheim entfalten." . . . „Das Gefühls­leben der Zöglinge wird geweckt und gestärkt bei jeder stch ungesucht bietenden Gelegenheit, draußen in freier Natur, in der Kapelle bei Anstatt, in der allabendlich die Herze» durch Proben aus den Schätzen der LUeratur, Mofik. Malerei und Bildhauerei erhoben werden." Daß Herr Dr. Lietz für die Landerziehungsheime außer dieser Erhebung der Herzen auch noch einen regelrechten Religionsunterricht für wünschens­wert oder notwendig erachtet, davon steht in dem Buche kein Wort, und wir mußten dem­gemäß annehmen, daß er jene „Musteranftalt" auch in diesem Punkte genau kopiert habe Wenn nun is den von ihm gegründeten Anstalten „jeder Knabe in jeder Woche mehrere Religions­stunden" erhält, so wird das für die Erziehung der jungen Leute gewiß von großem Vorteil sein, da wir doch wohl ooraussetzen dürfen, daß für jede Konfession ein ges ander terReligionS- unterricht von dazu berufenen Lehrern erteilt wird. Das wird doch wohl der Fall sein!

Dir Erklärung des Herrn Dr. Lietz, daß die Leiter und die Lehrer seiner Erziehungsheime auf christlichem Boden stehen, ist erfreulich, — aus „Emlohstobba" mußte man das Gegen- teil annehmen. Die wettere Erklärung, daß „die Schüler der Anstalten, unter denen sich gläubige römisch- sowie griechisch-katholische be­finden, sich in dem bei den Anstalten herrschenden christlichen Geiste wohlfühlen", besagt doch nur wenig und geht um den Kern der Sache herum. Man denkt bei diesem „sich wohlfühletz" unwill­kürlich an das geflügelte Wort von der „Lust, außerhalb deS Schattens der Kirche zu leben". Jedenfalls werden christlich gesinnte und insbe­sondere katholische Eltern ihre Söhne diesen Anstalten nur dann anvertrauen können und dürfen, wenn ihnen völlige Sicherheit geboten wird, daß die religiöse Belehrung und Erziehung neben der sonstigen Geistes- und Körperpflege nicht zu Schaden kommt.

Bemerkt sei noch, daß Herr Dr. Lietz in einem weiteren Schreiben an die Redaktion aus­drücklich erklärt, daß die von der Richtigstellung nicht berührten Ausführungen unseres ersten Artikels tm allgemeinen zutreffend sind.

Wlcrricr Angela.

Bon Komtesse de Beaurepaire-Louvagny Genehmigte Nebersetzung au8 dem Französischen.

» ------ (Nachdruck verboten.)

Dennoch war der Appetit der Ihrigen gering. Drr ptngen Mädchen konnten ihr schmerzliche« Er- ftauwea über «ine solche SBeränbet ung in ihrem Leben nicht verbergen; die furchtsamen Kleinen wagten nicht zu sprechen, sie sahen nsr imm-r Poupre mit starren Augen ait. In d esem geschäftigen ernsten Fräulein tunnten sie die Schwester gar nicht wieder, sie schien ihnen vollständig aujkgewechsett. Aw liebsten hätten sie da« ganze für ei» Spiel angesehen, allein die Trimrig'ett aller, Margaret» und Luisas gerötete Augen strafte» diese Heffnung Lügen.

Herr MareSkat versuchte zu eflen, aber nach dem erste» Bisse» legte er den Löffel nieder.

„Schmeckt ei Dir nicht, Papa?" fragte Maria- Angela mit einem Versuch zu scherze». „M-in Meister­stück ist gewiß mißraten? Habe ich die Suppe bet’ talje» oder vielleicht z>t wenig Gewü-z hinzugetan?"

,,Jm Gegenteil, liebe« Kind, niemals habe ich eure bessere Svpve gegessen. Aber ich dachte an die Mutt« .... Die Erinnerung an sie nimmt mir ißj» Appetit."

Maria Lug« ci Antwort war ein Seufzer. Ach Wii, auch ihr beständiger Gedanke weilte bei der tebenSwerttsten, der zärtlichsten aller Mütter, aber sie fand, e« fei jetzt im Augenblick ganz verfehlt, sich dem Trübsinn hinzugedev. Er hieß zuerst leben, sich erhalten, um die Teure glücklich wtederzusehen. Denn Maria-Angela zweifele teilten Moment an der Rück kehr der Mwtrr. Sie gab ihrer Meinung auch Ausdruck.

.Mir reden noch darüber," schloß sie, „aber jetzt »üsseo wir alle essen."

Um die fürsorgliche Tochter nicht zu betrüben, zwang sich Herr MareSkat, sein Teil zu verzehren.

Tann räumte Maria-Argela mit Hilfe der Schwester« dar Geschirr ab. Sie lass dem Bat» in» Bett, überwachte das Auskleiden der Kinder, öffnete noch einige Minuten die Fenster, damit die Schlafenden bessere Luft atmeten, und setzte sich dann an das Lager Isabellas, nachdem sie derselven die Arznei gereicht und ihre Kiffe» wieder in Ordnung gebracht hatte. Aufmerksam betrachtete sie die starren Züge der Kranken. Bor diesem Anblick schwand die Marke der Fröhlichkeit, welch; sie de» Tag über zur Schau getragen. Träne um Träne rann über ihr bleicher Gesicht.

„O Mutter, liebste Mutter," stöhnte sie, .kommst du nicht bald wieder? Ich fürchte, die Aufgabe, die du mir gestellt, übersteigt meine Kräfte l O Golt, wie bin ich jo müde!"

Sw drückte den Kopf gegen die Kiffe» der kranken Schwester und schluchzte zum Erbarmen. Endlich chloffen sich die nass n Lugen, und überwältigt von der Mattigkeit erlag sie dem Schlafe.

Eine Bewegung Isabellas rüttelte sie auf.

»WaS für eine schlechte Krankenwärterin bin ich roch!" schalt sie sich — „nicht einmal eine Nacht kann ich wachen!"

Sie vergaß, daß sie schon die dritte Nacht außer >ew Bette zubrachte.

Da e» noch nicht Zett war, Isabella die verord­nete Medizi» zu geben, und sie fürchtete, wieder ein« zuschlafe», so beschloß sie, an die Mutter zu chreiben.

Beim trüben Schein der Nachtlampe ließ sie die Feder lange über das Papier gletten.

.Teure Mutter, ich will dir nicht sagen komm! habe Erbarmen mit deinen Kindern, denn ich weiß, wenn du fernbleibst, wenn du nickt schreibst, so ist es, wett eine böhere Macht stärker ist, als dein Wille und dich hindert, nach deinen Wünschen zu handel». Aber für «ns ist eS ein grausame» Schicksal, nichts

Berlin, ben 7. April 1904.

* Der Kaiser ließ gestern, wie aus Palermo gemeldet wird, burch ben Flügelabjutanten Militär-Attache Major v. Ehelius dem 90jäh- rigen Erzbischof von Palermo, welcher krank zu Bett liegt, einen Blumenstrauß über­reichen. Der Erzbischof war über die Aufmerk­samkeit herzlich erfreut. Heule morgen von 9 Uhr ad besichtigte der Kaiser das Museo nationale, sodann den Dom, wo der Kaiser vom Bischo und der gesamten Geistlichkeit feierlich empfangen wurde und eine» Rundgang machte, wobei er auch die Kaiser- gräber sah. Danach promenierte er int präch­tigen Park der Villa Giulia und besuchte ben Botanischen Garten. Hm 12 Uhr empfing der Kaiser an Bord der „Hohenzolleru" die Mit­glieder der deutschen Kolonie unter Führung des Konsuls Springer, hierauf den Erzbischof von Msnreale. — Von Palermo wird der Kaiser vorausfichtlich nach Sagosta, Trajani, Marsala, Porto Jmpedocle, Girgenli, Cotrone. Tarent und vielleicht nach Korfu reifen. Zum Empfang des Kaisers in Korfu werden, wie hiesigen Blättern aus Athen gemeldet wirb, bort eifrig Vorbereitungen getroffen. Griechische Kriegs- schiffe werden dem Kaiser bis 80 Meilen vor Korfu entgegenfahren und während des Aufent­haltes des deutschen Kaisers in Korfu verankert bleiben. Der König von Griechenland wird stch mit Familie dieser Tage von Athen nach Korfu begeben. Nach einer Meldung der .Magdeburgischen Zeitung' aus Paris treten dort neuerdings bestimmte Gerüchte aus über die bevorstehende Begegnung Loubets mit Kaiser Wilhelm II. beim Fürsten von Monaco. Diese Gerüchte erscheinen uns sehr der Bestätigung bedürftig.

*« Prinz Friedrich Leopold von Preuße» ist, wie schon telegraphisch gemeldet, am Diens- tag auf einer Ausfahrt in einem Automobil mit einem Fuhrwerk zusammengestoßen. Der Prinz wurde durch den Anprall auf den Lenker des Automobils geschleudert; die Deichsel des Fuhr­werkes durchbohrte die Außenwand des Sitzes und streifte den Prinzen an der Hüfte und am Unterleib. Sein Adjutant, Major v. Rathe­now, blieb unverletzt. Der Prmz befindet sich in feinem hiesigen Palais in der Wilhelmstraße in der Behandlung des Professors v. Bergmann.

* Der erste Vorsteher des Stenographischen Bureaus des Abgeordnetenhauses, Prof. Dr. Gustav Steinbrink, ist gestern gestorben. Er war am 7. Januar 1847 in Stettin geboren. Nachdem et vorher im Zollparlament und Reichs­tage als Stenograph gearbeitet hatte, wurde er 1867 im Stenographischen Bureau des Abgeord­netenhauses beschäftigt und am 1. Januar 1873 etatsmäßig angestellt. Von 1892 bis 1898 wat

von dir zu hören, nicht zu wisse«, ob der gütige Gott dich Uit8 erhält.

Freilich erklären die Zustände in unserem Lande manches sonst Unerklärlicke, aber eS muß dir doch etwas zuqestoßen sein, da wir feit Monaten vergeblich auf die kleinste Nachricht von dir warten.

Es ist mir unmöglich, dir zu sagen, was wir empfinden. Du wirst euch genug an deiner eigene» Sorge haben. Deine Qualen find sicherlich nicht geringer als die unserigen. Ich tue, was ich kann, geliebte Matter, um mich deine« Vertrauen» und deiner Liebe würdig zu mache». Wo du auch weilen magst, oete, o bete für deine kleine Poupee. Die Last ist Ichwer, fast zu schwer für meine Schultern. Aber >er liebe Gott wird mir helfen, ich will nicht an einer Güte zweifeln. Seine Wege find unerforschlich, mb er allein weiß, was uns frommt. Darum will ch mich ohne Grübeln feiner Fürsorge überlasse», wie du es mich gelehrt hast."

Lange noch schrieb Maria Angela, sie schllderte bet Mutter alle Einzelheiten chreL Lebens, aber merk­lich abzeschwäckt; das Morgenrot täiimerte schon, als sie noch nicht zu Ende war. Aber sie mußte etzr auflören, die Müdigkeit nahm ihr die Feder all- der Hand.

Sie überlegte daher, daß eS ratsam fei, sich etwas der Ruhe zu überlassen, um für den beginnenden Tag neue Kräfte zu sammeln.

„TaS Pofischiff geht erst am nächsten Samstag ab," backte sie indem sie die Blätter zusammenraff e. «Ich habe also noch Zett, die Zeilen zu vervoll- tändigen."

Sie sah noch einmal rach Isabella, reicht« itzr die Medüiu und weckte dann Margarete.

„Liebe- Schwesterchen," sagte fie, „ich muß ein wenig schlafen, sonst bin ich nicht im staube, euch die vöttheu Dienste zu leisten. Du mußt deshalb auf- tehen und auf Isabella acht haben. Wecke mich »ach tret Stunden, um 7 Ahr; du kannst dich dann wieder hinlegen "

er zweüer Vorsteher des Stenographischem Bureaus, 1898 trat er an Dr. Sto merleinS Stelle als 1. Vorsteher und erhielt 1903 den Profefforütel wegen seiner wissenschaftliche» Ar- bHten auf dem Gebiete der Stenographie und Mathematik.

[*] Bekanntlich ist der freisinnige Reichstags- abgkordnete Schrader im vorigen Jahre mit Hilfe konservativer Stimmen gegen einen sorialdewokratischen Gegenkandidaten in den Reichstag gewählt worden. Jetzt schließt er sich der Barth'schen Parole an, daß der Liberalismus de» Kampf nach links aufzugeben habe, um mit allen Kräften den Kampf »ach rechts aufzunshmen. Ec schreibt in den Mitteilungen des liberalen Wahlvereins u. «.: „Der Liberalismus kann, wen» er sich nicht rnd- giltig vernichten will, nicht anders, als den Kampf nach rechts mit allen Kräften ausnehmen, eS ist sein Kampf, denn er verteidigt feine Idee», die eigentlichen Grundlagen seiner Berechtigung, wenn er stch gegen den Klerikalismus, wirt- schastliche und gewerbliche Unfreiheit, Ungerechtig- teil im Steuerwesen wehrt, für Bildung und politische Freiheit eintritt. Wenn die Sozial­demokraten dabei helfen, so schadet das dem Liberalismus gewiß nicht; sozialdemokratische Be­strebungen nimmt er dadurch nicht auf; nach wie vor muß er in öieser Beziehung ihr Gegner bleiben, aber jetzt ist kein- Zeit, den Handschuh hinzuwerfen. Die stärkste Förderung würde aber die Sozialdemokratie erfahren, besonders auch in den höhere» Schichten der Gesellschaft, wenn der Liberalismus stch zurückhalten, ihr die Führer- schäft in diesem Kampfe überlassen würde." Dir .Kreuzztg/ bemerkt dazu: „Wir haben bei der Wahl Schraders unsere Parteizenoffen in Dessau aufgefordert, ihn gegen den Sozialdemokraten zu unterstützen. Wir werdrn uns aber nicht wundern, wen» immer mehr konseroatioe Männer »ach solchen Kundgebungen freisinniger Führer es n«ht mehr über sich gewinnen können, Kandidaten der Freisinnigen Vereinigung gegen die Sozialdemo­kratie zu Hilfe zu kommen. Was das für die parlamentarische Zukunft jenes FraktiönchenS be­deuten wird, deffen Mandate vielfach von kon­servativen Stimmen abhängen, brauchen wir nicht weiter auszuführen."

** Der Präsident deS Abgeordneten­hauses beabsichtigt, nach den Osterferien zu­nächst die zweite Beratung des Etats un­unterbrochen zu Ende zu führen, darauf den Fraktionen einen Tag zur Vorberatung der wasserwirtschaftlichen Vorlagen frei zu lassen, dann die dritte Etatsberatung zu erledigen und hierauf die erste Lesung der wafferwirttchaftlichen Vorlage vorzunehmen. Diese Vorlagen werden vorausfichtlich beim Mederzusammentritt des HauseS vorliegen.

* Haftpflichtverfichernng. Nach längeren Vorverhandlungen ist am 19. März d. I. vom Kaiserlichen Aufsichtsamte für Prioatoersicherung die Gründung eines Haftpflichtverbandes der deutschen Eisen- und Stahlindustrie genehmigt worden, welcher bte Mitglieder der dem Verband Deutscher Eisen- und Stahl-Berufsgenoffen-

Ohne sich auSzukleidea nahm sie bann Margareten» Platz auf der Matratze em. Doch schon um halb sieden erwachte sie toub-.r; eine kalte Waschung ver­trieb den Rest von Schlaf.

MS Herr Marerkat und die Kinder ihre Toilette beenoet hatten, die kleinen mit Hilfe oer große», stand eine Kanne mit dünner Wafferchoiolade auf dem Tische. Für den Baker brachte Maria-Angela eine Taffe M'.lch, fein gewohnte» Frühstück. Sie wollte nickt, daß er zu viel entbehren sollte.

Nach dem Morgenimbiß versammelte Poupee ihr« Pfleglinge um sich und wandte sich dann an den Bat»

„Papa," fing fie an, „dn willst doch nicht, baß unsere Kleinen im Lernen ganz zurückbleiben sollen?"

„Gott behüte!" tief Herr MareSkat, „aber leider können wir jetzt fcine Lehrer bezahlen.....und

fie in die Volksschule schicken ....?"

„O nein, da- geht nicht; ich weiß aber etwas bessere»."

„Nun?"

„Zwar verbiete« bi: deine Auge» momentan das Lesen, aber da du ein vorzügliche» Gedächtnis hast, könntest bu ganz gut selbst ben Unterricht in ie Hand nehmen. Margarete kann z B. eine Seite Geschichte vorlesen, bte bu dann erklärst und erläuterst; ebenso l iefce ei sich mit der Geographie, der Grammatik und dem Katechismus machen."

„Ja, aber die Bücher?"

„Die gäbe ich reiten können."

„Sorglames Töchterchen! Du denkst an alle»!'

„Was dir Diktate avbetrifft, fo erinnerst du dich icker einiger Gedichte oder Prvsastücke, r.S!iaer.sallS ei findest du leicht passende» Suff. Wen» Isabella wieder munter ist, werden wir zwei fie nachsehe» und die Lektionen abhören können."

Herr MareSkat empfand ein Gefühl inniger Dank­barkeit gegen ben Allgütigen.

„H rr!" rief er an-, „wie dürfte ich nricb über mein Schicksal beklagen, da b« mit eine solche Tochter geschentt hast!" (F. f.)