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Wochenbeilage:„IllustrierteSonntagrzeitung

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Druck und Verlag de» SuldaerAtttrndruckerei in Saldo (Harmonie)- Sernsprecher Rr. 9.

Zulda, Donnerstag, den 7. April 1904.

31. Jahrgang.

Zur Berufswahl.

Die kurz vor Ostern erfolgte Entlastung der jungen Leute aus der Schule legt vielen Eltern wiederum die Frage vor, welchen Beruf soll der Knabe wählen? Die Berufswahl stellt einen ent­scheidenden Schritt im Leben des jungen Mannes dar, von dem in den meisten Fällen das Glück oder Mißgeschick der Zukunft abhängt. Es ge­nügt nun nicht allein, daß man fragt, welche Aussichten bietet der zukünftige Beruf, sondern es müffen vor allem auch noch Neigung und körperliche und geistige Veranlagung des jungen Mannes in Berücksichtigung gezogen werden. Verleiht die Neigung Arbeitsfreudtgkeit und Ar- beitsqeschick, so ist die Berücksichtigung der körper­lichen Leistungsfähigkeit deshalb besonders not­wendig, weil die einzelnen Berufe an die Körperkraft und Körperbrschaffenheit besondere Anforderungen stellen und zum Teil mit gesund­heitsschädlichen Nachteilen behaftet sind. Bei der Berufswahl der Kinder muß die Eltern vor allem auch die Erwägung leiten, wie stelle ich dauernd die Zukunft sicher. Deshalb sollen die Eltern, wenn sie häusliche Verhältniste nicht un­bedingt zwingen, den Sohn nicht gleich einem sog. ungelernten Berufe zuführen, sondern über­legen, ob für ihn z. B. auch das Handwerk nicht einen pastenden Beruf bietet. Manche Eltern mögen vielleicht darauf verweisen, auch dem Handwerk gehe es unter den modernen Verhält- niffen nicht mehr gut, auch dieses biete keine sichere Zukunft mehr. Für einige Handwrrks- zweige mag das zutreffen, im allgemeinen hat das Handwerk aber noch eine Zukunft. Und diese hängt davon ab, was das Handwerk in Zukunft leistet. Von diesem Gesichtspunkte hat die staatliche Gesetzgebung des letzten Jahrzehnts dem Handwerk eine Reihe von Schutzbestimmungen verliehen, die besonders das Lehrlingswe'en be­treffen und eine tüchtige Lehrlingsautbitdung ge­währleisten sollen. Von diesen Bestimmungen hängt es allerdings nun nicht lediglich ab, welche Ausbildung der Lehrling erfährt und was er in Zukunft leisten wird, sondern dies wird in erster Linie auch von der Wahl des Lehrmeisters be­stimmt. In dieser müffen die Eltern sehr vor­sichtig sein. Sie wenden sich deshalb am besten an die Vorstände der Innungen, eventuell auch an die städtischen Arbeitsnachweise, die stets in der Lage sind, paffende Lehrstellen nachzuweisen. Die Eltern müssen auch besonders darauf achten, ob der Meister sich auch verpflichten und genau darauf achten will, daß der Lehrling die Fort­bildungsschule besucht. Durch diese erfährt die Wrrkstattausbildung eine paffende und unbedingt notwendige Ergänzung und trägt dazu bei, dem Lehrling und zukünjtigen Gesellen das Bestehen der Gesellenprüfung und Meisterprüfung zu er­leichtern. Die Eltern müffen aber auch deshalb in derWahl des Meisters vorsichtig sein,weil es vielfach vorkommt,daß imBauhandwerk(Maurer,Zimmerer Anstreicher rc.). der Knabe als „jugendlicher Arbeiter" eingestellt wird, um ihn den für den Lehrling bestehenden gesetzlichen Bestim­mungen zu entziehen. Davor ist entschieden zu warnen, weil dann der junge Mann auch stets „Arbeiter" bleibt, nicht zur Gesellen- und noch weniger zur Meisterprüfung zuaelaffen wird und entsprechend, falls er selbständig werden will, überall gehindert ist, insbesondere bei Strafe keinen Lehrling anleiten und den Meistertitel nicht führen darf. Es ist daher stets darauf zu achten, daß der junge Mann als Lehrling mit schriftlichem Lehrvertrag eingeführt wird, nicht als „jugendlicher Arbeiter". Vereinigen sich im Sinne dieser Ratschläge Lust und Liebe des jungen Mannes zum Handwerk mit genügender Fürsorge der Eltern, so dürften beide Teile gut dabei fahren, und die Eltern versichert sein, nach bestem Wiffen und Willen für das Wohl der Kinder gesorgt zu haben.

u. r. Klara, Auguste unö Berta.

Humoreske von Käthe Helmar.

------ (Nachdruck verboten.)

Klara diente in Berlin bei Walters, seit sie verheiratet waren, also schon l1/» Jahre. Sie war einfach ein Juwel. Ein Märchen für alles, buchstäblich für alles. Nicht nur, daß sie es verstand, eine Gans knusprig zu braten und den Hasen mürbe und zugleich saftig mit einer delikaten Sahnenfauce auf den Tisch brachte, sie wusch auch die Wäsche, ohne Chlor zu ge­brauchen und plättete sie so glatt, daß es ein

Vergnügen war, mit der Hand darüber zu streichen.

Als das erste Kind ankam und Frau Walter nicht mehr so viel in der Wirtschaft mithelfen konnte, schlief Klara meist nur die halbe Nacht. Früh um 8 Uhr war die Kinderwäsche schon ausgewaschen, und Klara stand sprungbereit da, um zum Schlächter und zur Gemüsefrau zu laufen; sie besorgte alle Einkäufe im Trab und vergaß auch nicht, den Besenschrank abzuschließen, damit Frau Walter nicht in Versuchung käme. Staub zu wischen.

Eines schönen Tages aber trug das Juwel einen Verlobungsring. Der Schlächtergeselle hatte es ihr angetan. Und nun kam es oft vor, daß sie abends um Urlaub bat, bis sie schließlich ihre Hochzeit für den Oktober festsetzte und Frau Walter genötigt war, sich nach einem neuen Mädchen umzusehen.

Klara hatte sich mit 60 Talern zufrieden er­klärt; doch die neue forderte 70. Dazu mußte alle drei Wochen eine Waschfrau genommen werden, und das. Plätten der Wäsche hielt Au­guste für überflüssig. Die erste Gans brachte sie graufarbig mit heller Brühe auf den Tisch, und wenn die Saucen zum Roastbeef oder Wild mißlungen waren, so gab sie der sauren Sahne die Schuld. Nachdem Herr Walter, der ein Feinschmecker war, öfters bei Tisch das Effen mißbilligt hatte, entpuppte sich Auguste als Emanzipierte und erklärte, daß sie sich von Männern nichts sagen ließe. Sie war über­haupt eine empfindliche Dame. Einmal über­raschte Frau Walter sie dabei, wie sie die Sahne von der rohen Kindermilch für ihren Riesen- Kaffeetopf abschöpfte und machte ihr Vorwürfe. Daraufhin war Auguste unversöhnlich beleidigt und kündigte zum 1. Dezember.

Frau Walter annoncierte, aber es meldete sich keine einzige, die brauchbar gewesen wäre. Schließlich ging sie nach einem großen Ver­mietungs-Bureau. An den Wänden saßen auf Stühlen alte und junge Mädchen, sämtlich mit bunten Hüten, von denen, genau wie es die Mode vorschrieb, am Hinterkopf lang wallende Bänder wrhen. Frau Waller harte des schlechten Wetters wegen ihren alten Matrosenhut aufge­setzt und erschien sich hier ziemlich „außer der Reihe". Eine Vermittlerin empfahl sie dem Wohlwollen der Mädchen; aber diese blieben un­gerührt sitzen, ihr Buch krampfhaft in den Händen hallend. Die eine erklärte es für eine starke Zumutung, nach dem Vorort ziehen zu sollen, die andere fand es rücksichtslos, daß Walters ein kleines Kind hatten, der dritten genügte der Be­ruf des Hausherrn nicht, die vierte fand zwei Treppen zu beschwerlich — kurz, Frau Walter kam sich ganz unwürdig vor und ging beschämt wieder nach Hause.

Am nächsten Tage begleitete ihr Mann sie in ein anderes Bureau und sagte der Vermittlerin einen Taler extra zu, wenn sie ein brauchbares Mädchen schaffte. Dann sprach er seiner Frau Mut zu und ging.

Die Extra-Entschädigung half. Frau Walter zahlte der Frau sieben Mark und mietete dafür ein Mädchen, das eben aus irgend einem ost­preußischen Dorfe gekommen war und sozusagen noch frisch nach dem Stalle roch. Berta konnte nicht nur waschen und kochen, sondern sie ver­stand auch Brot zu backen, zu spinnen und zu weben — alles Dinge, die Frau Walter sehr mponierten. Gegen das ’/< Jahre alte Kind hatte sie nichts einzuwenden, und so trat sie denn am 1. Dezember ihren Dienst an.

Die ersten Wochen vergingen ganz friedlich. Berta hatte zwar keine Manieren, konnte sich an die Anrede „gnädige Frau" nicht gewöhnen, agte immer noch „Madamche" und klopfte Herrn Walter auf die Schulter, wenn sie bei Tisch ab­räumte und er ihr im Wege saß; aber sie war ehr arbeitsam und sicherlich kinderlieb. Stets and sie zwischen 2 und 3 Uhr Zeit, den Kinder­wagen auszufahren und blieb lieber abends eine Stunde länger auf, damit nur das Baby täglich an die Luft käme.

Einmal entdeckte Frau Walter beim Rein­machen des Kinderwagens einen Zigarrenstummel auf der Matratze, was sie sehr überraschte, da ihr Mann nicht rauchte. Auch Berta begriff nicht, wie so etwas passieren konnte. Man einigte ich darin, daß wahrscheinlich der Portier beim Hinauftragen des Wagens die Zigarre verloren hätte, und Berta war so empört über diese Un­vorsichtigkeit, daß sie den alten Mann von jetzt ab keines Grußes mehr würdigte.

Diesem Haffe gegen den Portier blieb sie treu. Als während des Sommer - Urlaubes aus dem Walter'schen Keller Wein und Himbeersaft gestoh­len worden war, verdächtigte sie ihn; und ob­gleich der Diebstahl durch Versicherung gedeckt worden war, sprach sie bei jeder Gelegenheit von dem Schaden, den der Portier ihrer Herrschaft

zugefügt hatte, bis Herr Walter sie auf das Straf­bare dieser Behauptungen hinwies.

Berta war nun schon ein Jahr in Berlin. Sie sagte nicht mehr „Madamche", scheuerte aber auch nicht mehr auf den Knieen, berlienene ein wenig und gab alles in allem keinen Anlaß zur Unzufriedenheit. Sie hielt noch immer darauf, daß die kleine Hansi viel an die Luft kam und ging täglich mit ihr spazieren.

Ein paar Tage vor Weihnachten schlug Herr Walter vor, dem Kind die christfestlich ausge­putzten Schaufenster zu zeigen. Berta fand zwar, daß das eigentlich ihre Sache gewesen wäre, willigte aber schließlich darein, die Herr­schaft mitzunehmen. Ja der Stadtbahn saß Klein-Hansi neben einem Soldaten, mit dem sie so zutraulich wurde, als ob er ihr täglicher Spielgefährte wäre.

„Da, da", sagte sie und tippte mit ihren Fingerchen auf seine blanken Knöpfe. „Weih­nachtsbaum!" erklärte sie ihrer Mutter mit wich­tigem Kopfnicken, „Hansi artig sein."

Berta wurde rot, und jFrau Walter nickte ihrem Mann lachend zu: „Sie will Soldaten zu Weihnachten haben."

Das Kind suchte jetzt nach den Taschen des Soldaten, so daß alle Mitfahrenden lachten. Berta wurde immer verlegener Über den Eifer ihrer kleinen Nachbarin und war froh, am Pots­damer Platz aussteigen zu können.

Auch auf der Straße zeigte Hansi sich als loyale Staatsbürgerin, stand vor allen Soldaten stramm und versicherte jedem, sie sei artig. Berta mußte sogar mit dem einen, der einen blanken Helm auf dem Kopfe trug, „ei, ei" machen und ihm Kußhände zuwerfen.

Im Februar fuhr Herr Walter alljährlich mit Frau und Kind ein paar Wochen zu seiner Mutter nach Breslau. Dort sollte Hansis Ge­burtstag gefeiert werden. Berta blieb allein in Berlin zurück.

„Ich werde auch die Wohnung gründlich aufräumen; wenn Hansi fort ist, hab' ich am besten Zeit dazu. Gnädige Frau sollen ganz überrascht sein, wie schön sauber Sie die Zimmer vorfinden, wenn Sie wieder da sind."

Die Ueberraschung gelang vollkommen.

Am Tage vor dem Geburtstage erhielt Herr Walter eine geschäftliche Nachricht, die ihn sofort nach Berlin rief; und da seine Frau den Festtag nicht ohne ihn verbringen wollte, so entschloß sie sich, ihn mit Hansi zu begleiten.

Als die Droschke vor ihrem Hause hielt, be­merkte sie, daß der Salon erleuchtet war.

„Das arme Mädel arbeitet sicher noch", meinte die junge grau. Sie ist zu gewiffenhaft."

Ihr Mann klirrte beim Oeffnen der Entreetür mit den Schlüffeln, und plötzlich tönte ihnen ein lautes Hurra entgegen.

„Hoch soll sie leben, hoch soll sie leben, sie lebe hoch!" —

Es waren Männer- und Frauenstimmen, die begeistert diese Worte sangen.

Hansi klatschte vergnügt in die Hände. Walters sahen sich verblüfft an. Im ersten Augenblick dachten sie an irgend eine verrückte Idee von Berta, die sie feierlich empfangen wollte. Aber da fiel ihnen ein, daß sie ja gar nichts von ihrer verfrühten Wiederkehr wußte.

Und schon kam aus der angelehnten Salontür ein Soldat zum Vorschein.

„Weihnachtsmann", sagte Hansi und suchte seine Taschen.

Er sperrte aber den Mund auf, glotzte die drei verständnislos an und rief schließlich ins Zimmer: „S' is nich 's Bertche!"

Walters folgten ihm schleunigst, und nun bot sich ihnen ein wirklich Überraschender An­blick. Rund um den Tisch saßen vier Soldaten und drei Mädchen. Die geröteten Gesichter be­wiesen, daß man schon lange beisammen war. Auf dem Teppich lagen Zigarrenasche und Kuchenkcümel. Sin paar frischgebackene Pfann­kuchen lagen auf dem Damastgedeck, und vor jedem glänzte ein gefüllter Römer.

„Offenbar ein Verein der Ostpreußen," sagte Herr Walter, der auch jetzt nicht den Humor verlor.

Kaum hatten die Gäste aber begriffen, wer der unerwartete Besuch war, als sie sich durch die Tür drängten und den Ausgang suchten. Nur Hansis Soldat war so starr vor Schreck, daß er sich nicht rührte.

„Wollen Sie mir nicht erklären, was das bedeutet?" fragte Herr Walter energisch.

„'S Berlche mot wat hole vor Punsch," ent­gegne! e d ieser- Es war die einzige Antwort, die ihm einfiel. Dann griff er nach seiner Mütze und drückte sich, indem er auf der Treppe gegen Berta rannte, so daß sie reichlich die Rum- und Rotweinflaschen, mit denen sie aus dem Keller h-raufkeachte, fallen ließ.

Als ft» ihre Herrschaft erblickte, war ihr so­fort die Situation klar.

„Schämen Sie sich nicht, unser Vertrauen so zu mißbrauchen?" fuhr Herr Walter sie an.

„Nee," antwortete sie frech, „wat kann ick denn davor, wenn Se schonst zurick sind?"

„Das nennen Sie rein machen?"

„Ick hätt' schonst allens in Ordnung gebracht, bat Se nischt gemerkt hätten," behauptete sie selbstbewußt.

„Und unseren Wein sehen Sie den Kerls vor!" Herr Walter sah auf dem Etikette, daß es der 93er war, der Stolz seines Kellers.

„Sie kriegen ihn ja ersetzt," tröstete Berta.

Jetzt ging der jungen Frau ein Licht auf.

»Und Sie haben den Portier verdächtigt! Und der Zigarrenstummel im Wagen;--

und Hansi mit ihrer Vorliebe für Soldaten!" stöhnte sie.

„Raus mit Ihnen!" schrie der Hausherr, „packen Sie sofort Ihre Sachen." Damit nahm er die gastfreie Berta an dem Kragen und führte sie in ihr Zimmer.

Nach einer Stunde verließ sie ohne Abschied die Stätte ihres Wirkens.

Die kleine Hansi hatte sich unterdeffen mit den Pfannkuchen befreundet.

„Sie hat ganz recht, wir wollen auch was von der Sache haben," meinte Herr Walterund kostete einen Kuchen. „Donnerwetter," rief er und reichte seiner Frau, die von der Aufregung ganz schwach war, ebenfalls einen, „so viel Butter spendierst Du nie. Die schmecken ja famos!"

Nachdem aber Hansi zu Bett gebracht worden war, brauten ihre schwergeprüften Eltern sich von den Weinresten einen tnhaltschweren Punsch und tranken ihn befriedigt mit dem Vorsatz aus, von nun an ohne Grazien zu wirtschaften.

„ ..Die englische Marine folgt einem deutsche« ® r!?}*1! Nach jahrelangem Stränden hat sich die englische Admiralität entschlofsen, b«m Beispiele Deutsch­lands folgend, den traditionellen Schiffszwieback, der m seiner fossilen Härte bis auf den heutigen Lag noch die Nahrung des britischen Matrosen darstellt, durch frischgebackenes Brot zu e-setzen, und zu diesem - zuerst nur versuchsweise freilich — auf dem ®d)Iadjtfdjiffe Edward VII. und dem Panzerkreuzer „Suffol - Backöfen rc. aufstellen zu lasten. Ist da8 Resultat em befriedigendes, so werden auch die übrigen Schiffe der englischen Flotte allmähltg mit Backöfen versehen werden. Bisher war trotz aller Klagen von Offizieren wie Mannschaften das Brotbacken an Bord abgelehnt, weil man das zu Nelsons Zeiten auch nicht gekannt habe, und die Besatzung, falls feindliche Ge­schosse rc. den Backofen außer Lätigkeit setzten, brotlos sein würde, man also gezwungen wäre, neben dem Mehl doch noch Vorräte von Zwieback für solche Fälle mitzuführen. Diese aber würden meist unverbraucht bleiben, also weggeworfen werden, und überdies das ganze mehr Platz als bisher erfordern Platz aber habe man für solche „Nebendinge« nicht übrig! Aber auch da scheint schließlich doch der gesunde Fortschritt über den Zopf gesiegt zu haben.

* Der Millionär alS Dieb. In BtncenneS (Frankreich) wurde ein Herr verhaftet, welcher die beneidenswerten Qualitäten in sich vereint, der einzige Sohn eines reichen Pariser Kaufmannes, der einzige Erbe eines mehrere Millionen reichen Onkels und selbst Eigentümer in Chantilly und mehreren anderen Ort­schaften zu sein. Der 32 Jahre alte Mann scheint nicht ganz bei Verstände zu sein, sonst wäre es ihm schwerlich eingefallen, einen Diebstahl zu be zehen, der ihm nicht mehr als lumpige zehn Franken einbringen sollte. Er ist übrigens schon mehrfach vorbestraft; er stahl nämlich in Saint-Mande das Pferd und den Wagen eines Milchhändlers, während dieser sich im Hause eines Kunden befand und verkaufte die Beute für ganze zehn Franken

* Die Gefahren für Militärärzte im Kriege. Hebet die Gefahren, die den Militärärzten im Kriege drohen, bringt eine italienische medizinische Zeitschrift eine interessante Untersuchung. Danach scheint es, daß wenigstens im russischen Heere die Aerzte ebenso viel Gefahr laufen wie die Kämpfenden selbst. Während des Krimkrieges starben von 2889 Beschäftigten 834 russische Aerzte. Während des rassisch - türkischen Krieges starben 531 russische Aerzte in den Kranken­häusern und Lazaretten, die mit dem Heere verbunden waren. Ein Feldzug, wie der gegen Japan in den von ansteckenden Krankheiten bedrohten Gegenden Asiens vermehrt natürlich die Gefahren für die Aerzte.

* Folgen einer Verwechslung. Ein amerika­nisches Blatt har zwei treue Abonnenten verloren, und zwar auf folgende Weise: Ein Vater von Zwillingen wünscht zu wissen, wie er diese am besten durch die Zeit deS Zahnens bringen kann, und ein anderer Abonnent, wie er seinen Obstgarten von Heuschrecken säubern kann. Infolge der Verwechslung der Namen erhält der Besitzer von Zwillingen die Antwort: „Be­decken Sie sie sorgfältig mit Stroh, zünden Sie sie an und Sie werden die Quälgeister schnell los fein." Der mit Heuschrecken Geplagte erhielt den Rat: „Reichen Sie ihnen ein wenig Kastoröl und reiben Sie die Kinn­lade sanft mit einem Elfenbeinstäbchen."

* Der Pantoffelheld. Richter (zum Gatten, der in einem Prozeß gegen seine Ehehälfte als Zeuge fungiert): „Ich mache. Sie darauf ausdrücklich auf­merksam, daß Sie nicht verpflichtet sind, gegen Ihre Gattin Zeugnis abzulegen l" — Gatte: „Ra, verzechen Sie, während unserer zwanzigjährigen Ehe darf ich jetzt zum ersten Mal in Gegenwart meiner Frau mit­reden, da werd' ich doch auf mein Recht nicht ver­zichten !'