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31. Jahrgang

8uWa, Donnerstag, den 7. April 1904

(Nachdruck verboten.)

Erscheint tSglich, mit Nurnahme bet Sonn« geb Seiertage. viertel« jShrl. vezngrprelr »|ne vringrrlohn und VeßrSgrld in Fulda und l«»6rts I Ml. 50 Psg-

Wcrricr Angela.

Von Komtesse de Beaurepaire-Louvagny. Genehmigte Nebersetzung aus dem Französischen.

Verantwortlicher

HchristleitenZos-vanm, w

«. wschiibellage: „Illustrierte Sonntagrzertung

Lnzeigen: Vie eM* spalllge Petitzeile ober beten Raum 15 PfS- Refiamen dir petitzeilo 25 Ptg.; bei Witter« Holungen wirb entspr. Rabatt gewähtt.

Druck unb Verlag be.' Fuldaer Aetienbrnckere in Fulda (Harmonie) Fernsprecher Nr. 9.

Deutsches Reich.

Berlin, den 6 April 1904,

* Papst PmS X. uub der «ottsvereiu. Bei der Aaoienz des Zentralkomitees der Ge­neralversammlung der Katholiken Deutschlands beim hl. Vater am Ostermontage, über die rott schon kurz berichtet habm, waren auch die beiden Präsidenten des ^^Esverelns fflt das katholische Deutschland, die Herren Fabrikbesitzer Franz Brandts aus M-Gladbach und Justizrat Karl Trtmborn aus Köln zugeg.-n. Dre , beiden Herren über­reichten dem hl. Vater eme emgehense T-enk- sch^fr über den Volksverem. Herr sranz Brandts hielt dabei folgende Ansprache:

Selliaer Vater! Unter den katbolischen Vereinen, welcke die Generalversammlung der Katholiken Deutsch- Mnds sördert, ragt hervor durch Zahl der Mitali.der und viel verzweigter Tätigkeit der VolkSverem für das katholische Deutschland Wiederholt gesegnet vom Heiligen Vater Leo XIII. hochseligen «nrenkenS, steht er schon im vierzehnten Jahre seiner Tätigkeit und zählt 850,OCO Mitglieder. Zweck desselben rst die Ver­teidigung des heiligen Glaubens und der chr,buchen Gesellschaftsordnung, vor allem gegen dre Angvfse des Sozialismus; zugleich erstrebt er die soziale He^ng aller Stände des Bol es durch zahlrerche ioziale Ern- richtungen. Was er will und was er schon erreicht hat, wollen Eure Heiligkeit aus dieser ergebenst über­reichten Denkschrift ersehen. Für alle seine Mitglieder aber, deren Borfitzende wir find, und für alle unsere Arbeiten erstehen wir angelegentlich den apostolischen Segen.

Der Papst antwortete darauf: „Ich wünsche Euch von Herzen Glück und freue Mich über ein Werk, das im Kampfe gegen die Sozial­demokratie sowohl das zeitliche wie auch das ewiae Wohl des Volkes im Auge hat; wenn dasselbe auch Gegner findet, so wird die Ein tracht alle Hindernisse zum Besseren fügen, und wie Ich Gottes Segen M EuchnflM-ft»soll es auch niemals Meinerseits Euch an Hilfe, Rat und jealicher Mitwirkung mangeln."

* A«s Deutsch-Südweftafriks wird ge­meldet, daß der zweite Transport argentinischer Reittiere mit 547 Pferden und 253 Maultieren am Montag in Swakopmund cingetroffen ist.

[?] Die Zivilprozeßnovelle zur Entlastung des Reichsgerichts wird im Laufe der nächsten Woche dem Bundesrat zugehen und, da unter den Landesregierungen Einverständnis herrschen dürfte, kurze Zit darauf dem Reichstag mitge­teilt werden. Nach der ,Nat. Ztg.' kann es keinem Zweifel unterliegen, daß die in letzter Zeit hercorgetretenen Bemühungen, auf Kesten des unfern Prozeß beherrschenden Prinzips der mündlichen Verhandlung die bisherige Höhe der Revifionssumme vor einer Steigerung zu retten, erfolglos bleiben werden.

Unter der Ueberschrift: „Aus dem Lager der einzigen sittlich erlaubten Parier" veröffent­licht der .Vorwärts' einen langen Artikel, der große Sensation zu versprechen scheint. Ihm

»Ich schicke dann einen Möbelhänd ec her, der einen anständigen Preis für das noch Entbehrliche gibt.'

Damit drückte der gutherzige Vikar nochmals die Hand der Blinden und empkadl fick.

Der A-zt, Herr Mauge, stellte sich bald ein. 4sabellaS Zustand erklärte er als äußerst bedenklich und verordnete gute Pflege und vollständige Ruhe neben energischen Arzneimitteln. Er würde morgen wieder Nachsehen. , , v

Das geschah auch in den 'olgenden Tagen Aber die Krankheit wollte nicht weick'n; Jsab>lla blieb vollMdig besinnungslos — vielleicht ein Glück für sk, denn viele Qualen blieben ihr dadurch erspart.

Die fürchterl che Woche war darüber zu Ende gegangen, der nächste Morgen sollte der letzte unter diese» Dacke sein. Ehe die Nacht nrch einmal ihren Schleier über die Welt breitete, mußten sie die Stätte räumen.

Der Möbelhändler war gekommen und harte fick tianlk6 menschlich gozeiqt. Uebercies h.tte Maria- Angela energisch ihre Jnteresien verteidigt. Nachdem die Köchm abgelrhnt und dir erst- Mi-tsraie der zu­künftigen engen Wohnung bezahlt war, blieben in ihren Hände« einige Hunderisraukenscheine und ein wenig Gold. Mit etlichen kleinen Münzen ihr ganzes Hab und Gut! ,

Die arme Kleine zitterte rm Gedanken an die Zukunft.

Sie war nur reich an Hoffnungen, reich an Mut, und Siebe!

Am 9. Februar sind die ersten Schüsse zwischen Rußland und Japan gewechselt worden uno noch immer ist kein einziger bedeutsamer

Weitungen hinsichtlich der Fürsorge für die Lager­halter und deren Faniien alles zu wünschen übrig. Es wurde behauptet, daß manche Vereine die Lagerhalter mit 90 Mark Monatsgehalt be- chäfiigrn und dabei oei langen, daß Mann und Frau für den Verein arbeiten. Die Mittel der Vereine sind dabei in keiner Weise t>-schränkt, )enn es werden Dividenden bis zu 18 Prozent gewährt. Die wöch nlliche s-'chäftszeit ist zum Test weit über das vernünftige Maß hinaus ausgedehnt. So kommen Geschäftszeiten von 75, 80 uud 90 Stunden vor. — Dis Klagen ind nicht neu, daß sie immer wieder erhoben werden müssen, ist ungemein bezeichnend.

* Tie Gleichberechtigung der Ober- realschnlabiturieutrn mtt Len Gymnasial- unb Realxymnastalabilurknten ist nun auch für den Beruf der Landwirtschastslehrer in Preußen durchgefl'hct werden. Der .Reichsan- zeigrr' veröffentlicht eine Miniflerialversügung olgenden Inhalts: „B e Erlangung der An- tellungsfahigkeit im Lehramt für Landwirtschaft an Landwwschast^schulen werden bei Erfüllung der sonstigen Bedingungen auch solche Kandidaten zugelussen, welche das Abiturientenexamen an einer Oberreaischule bestanden haben; im vor- letzenden Falle weiden somit Gymnasien, Real­gymnasien und Oderrealichulen als gleichwertig angesehen "

V Berlin, 6. Ap il 1904, Der Kaiser unter­nahm heute, wie auS Palermo gemeldet wird, von dort aus mit seinem Gefolge eine Wagenfahrt nach Monreale, wo der Kaiser den Dom eingehend ve- fichtigie. Alsdann wurde ein längerer Spackergang durch den Park, den Tiergarten und die Anlagen des Grafen Tasca urternommcn. Daran schloß sich ein Besuch der berühmten Eapclla Palatina im norman­nischen Palazzo reale. DaZ Publikum begrüßte den Kaiser allenthalben auf das herzlichste. — Der Kaiser wild am 1. Mai nach Mainz reisen, um der Sm- weihung der neuen Rheinbrücke beizuwoknen. — für den heute abreifenden Verstärkung StranS- port für Südwestafrika bestimmten Offiziere find heule Mittag von der Kaiserin im Beisein des Gou- rerneue?. Generalobersten v. Hahnke, und deS Kom­mandanten, Generalmajors o. Herpfer, im Schlöffe Bellevue empfangen worden. — Der .Reichsanzeiger" meldet, daß der Prinz Friedrich Heinrich v«, Preußen nach ÄnhSrung Ws Kapitels und auf Bor- schlag Les Herrenmeisters Prinzen Älbrecht vor! Preuße» zum Ehrenritter des Johanniterordens ernannt worden rst. - Die Fürstin Sophie zur Lippe, geborene Prinzessin von Baden, ist beute Morgen um 4 U6t in Karlsruhe gestorben. (Fürstin Sophie war am <■ Slugust 1834 zu Karlsruhe als die älteste Tochter des Vrinzen Wilhelm, des «ruders des Großherzogs von Baden, geboren. Seit dem 9. November 1858 war sie mit dem Prinzen, späteren Fürsten Waldemar zm Lippe vermählt. Nachdem dieser am 20. März 1~9» gestorben war, hat Fürstin Sophie das Lrppeland nicht mehr betreten.» — Heute und in den folgenden Tagen findet im Reichseifenbahnamt die zweite Lesung der neuen Eisenbabnbau- und Betriebsordnung statt, in der die Bestimmungen der bisherigen Normen für den Bau und die Ausrüstung der Haupteisenbahnen- der Betriebsordnung für die Haupteisrnbahnkn und der Bahnordnung für die Nebeneisenbahnen vereinigt wer* den sollen. An den Beratunzen nehmen 36 Regierung»- kommissare teil. ______

des Betriebsjabres 1902/03. Die Branntwein- Erzeugung imBetriebsjahre 1902/03 war wesent­lich geringer als im Vorjahre. Im ganzen wur­den erzeugt 3,382,935 bl Alkohol, also gegen die vorjährige Erzeugung (4,238,908 hl) 855.973 hl oder rund 20 o. H. weniger. In den Kmtofftl- brennereien wurden insgesamt 2,649,952 hl Alkohol (3 519,171 hl) erzeugt; verarbeitet wur­den 2 367,175 t Kartoffeln (3,088,308 t). Die Ursachen der Mir derer zeugung sind in dem schlech ­ten Ausfall der Karioffelernte infolge früh und plötzlich eingetretenen Frostes und in derBetriebs- Emschränkung der Brenne'.eien zu such.n, welche zur Zentrale für Spiritus-Verwertung gehören. Der Branntwein-Verbrauch im Betr-ebs- jahre 1902/03 berechnet sich im ganzen auf 3 631,565 hl ----- 6,2 1 auf den Kopf (1901/02: 3,509,233 hl ----- 6,1 auf den Kopf), wovon 2,352,853 hl ---- 4,0 1 auf den Kopf nach Ver­steuerung bezw. Verzollung in den freien Verkehr gesetzt und 1,278.712 hl = 2,2 1 auf den Kopf zu gewerblichen rc. Zwecken steuerfrei abgelaffen worden find. Die Ausfuhr von Branntwein und Branntwein - Fabrrkaten betrug 407,290 hl Alkohol gegen 242 644 hl im Dorlahre. Der Reinertrag an Branntwein - Steuer belief sich im ganzen auf 141,079,862 Jt. (153,901,976 Jt), wovon 10,342,125 .< auf die Mai chbottich Steuer, 126,726 881 Jfc. auf Verbrauchs-Abgabe unb Zu­schlag und 4,010,841 Jb. auf den Ueberschuß an Brennsteuer fallen.

* Die Abschaffung der ersten Wagen- kl«sss auf der Eisenbahn macht weitere Fortschritte, und wird jetzt bei den preußischen Bahnen, insbesondere im Berliner Verkehr, in Angriff genommen. Für eine Reihe von Per­son enziigen der Strecke Berlia-Halle-We ßenfels ufro. hat der erste Entwurf für den Sommer« sahrpla» noch alle vier Klaffen der preußischen Staatsbahn vorgesehen. In der soeben fettig« aefteöien endgültigen Fassung des Sowmerfahr- p'ans ist die erste Klasse bei diesen Zügen gestrichen. Auch bei anderen Strecken der preußi- schen Sraatsöatn ist die erste Klasse bei einzelnen Prlffonenstigen zwar im ersten Entwurf roch vorgeÄen gewesen, j hr aber verschwunten, so zwischen SanserShausin mnd Halle, Breslau und Liegnitz, Breslau und Görlitz. Auch im Westen der Monarchie ist bei deinen Personenzügen die erste Klasse im endgültigen Entwurf des Sommersalrrplanes gefallen. Auch die bayerische Staatsbahn hatte im ersten Entwurf des Sommerfahrplanes die erste Klaffe noch für zahlreiche Personrnzüge vorgesehen. Erst der soeben fertiggestellte endgültige Fahrplan beseitigt sie auf allen Strecken. Nur die Schnellzüge be­halten sie bei, abgesehen von verschiedenen Aus­nahmen, wo ein besonderes Bedürfnis für die erste Klaffe auch bei Personenzügen vorausgesetzt wird. Die württembergischen Eisenbahnen haben schon seit Jahren die erste Klaffe auf allen weniger wichtigen Linim abgeschafft.

* Die Mißstände in den sozialdemokrati­schen Konsumvereinen bildeten den Gegen­stand lebhafter Beschwerde« bei der Konferenz der Lagerhalter der Provinz Brandenburg. Nach be=t dort erstatteten Berichten lassen die Ver- ectlegte, so enthielt er sich nicht der Mahnungen, welae unter solchen Umständen di- Klugheit diktierte.

Aber vor dem freimütigen Eller und der helden­haften Liebe der kleinen Poupee mußte er auf weiteres Zureden verzichten.

„Nun, dann lcssin wir sie 'br.n Opfermut be­tätige."^ schloß er. .Gott wiro so viel Anhänglich­keit segnen und vielleicht ein Wunder tun “

So besorgte denn der Herr Vikar e neu Kra ken- wagen, unb man bettete Jsavillr, die bei jeder starken Bewegung einen schmerzlich-n Laut auefiuß, sorg­fältig hinein.

Darm lelud men e'ne Hand'arre mit eimgen Belten und drei Koffern welche die nötigsten Kleid­ungsstücke bargen. Der Vikar überwachte feilst diese Annolten. Der Arbeiter war überdies einer feiner Schützlinge, dem er volle» Vertrauen schrnkeu konnte.

Zuletzt, nach d°n anderen wollte er das Haus verlassen uub Jiabella begleiten, denn wenn die Kranke einträfe, maßte doch ein Lager für sie bereit sein. Maria-Angela nahm den Arm teS Vaters und liefe dtt Kinder vor sich b rgehen. Die armen Kleinen, er st und traurig, wußten nicht, wie ihnen geschah.

Denn stiegen alle in den Omnibus nach la Ville,te bis n:r Rue C ichy und stiegen von da zu Futz in das abseits g legene Viertel Batignolle?.

Sie kamen gleich-eilig m.t dem Krankenwagen an. A!S Maria-Angela die Tür ilres ärmlicken neuen Heims gffckloffen und Isabella sanft in das Bett eener ttr enttaffereu Diene'innen gelegt hotte, ea-pfänd sie ein Gefühl der Dankbarkeit gegen die gütige Vorsehung, welche die Schwester vor den Ein­drücken dieser Stunde bewahrte.

Herr Marerkat, gebrochen unter der Last seiner Nutzlosigkeit, saß unbeweglich auf einem Stuhle; er fürcktete, Poupee in der Enllaltnng ihrer Tätigkeit zu stören

ist ein vertrauliches Schrewen des Pfarrers Dr. Stephan in Berlin an seine Amtsbrüder in die Hände gefallen, das die finanziellen Schwierigkeiten des Arbeiterherms Hospiz" in Berlin in eindringlichen Worten schil­dert. Man erfährt aus dieser neuesten „Tmhül- lung" des ,Vorwärts' nur die längst bekannte Tatsache, daß das Leohospiz ein in geschäftl'cher Beziehung mißglücktes Unternehmen war unb noch heute mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. To sehr der.Vorwärts sich auch bemüht, aus dieser Sache eine Sensation und einen Skan­dal zu machen, es will mit dem besten Willen nicht gelingen. Wenn das Blatt mit demselben E'fer sich an die rückhaltlose Schilderung d-r Korruption im sozialdemokratischen Lager, z. V. in Charlottendurg, macht, so würde die Sensations­lust feiner Leser weitaus mehr befriebigt werden; aber an solchen Dingen drückt sich das in großen Phrasen von der sozialdemokratischen Tugend und von der Verkommenheit der übrigen Welt schwel­gende Organ ebenso vorsichtig wie hartnäckig vorbei.

*# Nach dem amtlichen Verzeichnis der nu- erledigten Vorlage» stehen im Abgeord­neten Hause noch zur zweiten Beratung aus vom Kultusetat: Unioerfiiäten, höhere Lehran- statten. Kurst- uni) Wissenschaft, technisches Unter« richtsweftn, Medizinalwesen, ferner Zentralge- noffenschastskaffe, Mineralbrunnenf'age, EtaakZ- fdmlben Verwaltung, An siedlmrgs kommis sion,di: ekle und indirrkre Steuern, Lotterie, Finanzministerium, allgemeine Finanzoerwaltung, kleine Etats, Etats- gesetz, sodann die dritte Beiatung des ganzen Etats. Außerdem liegen 24 Regierungsvorlagen, 43 Jnüiatioantrüge, 4 Berichte der Wohlprüsungs' kommrsston und vier Kommisfionsberichte Über Petitionen vor.

** Dem Abgeordnetenhause ist ein Gefitzt entwurf. betreffend die Bestrafung des SpielK in außerpreustischrn Lotterie» und kos Vertcieves von Losen außerpreußischer Lotterien, zuaeaangen.

(*) Konkursstatistik. Nach der im ersten H-ste der Vierteljahrshefte zur Statistik des Deutschen Reichs, Zahrgang 1904, enthaltenen vorläufigen Mitteilung vltz Kaiserlichen Statisti­schen Amts zur Konkursstatistik gelangten im IV. Vierteljahre 1903 im Deutschen Reiche 2402 neue Konkurse zur Zählung, gegen 2416 im IV. Vierteljahr 1902. Es wurden 363 Anträge auf Konkurseröffnung wegen Mangels eines auch nur die Kosten des Verfahrens deckenden Massebe- traaes abgewi-sen und 2039 Konkursverfahren eröffnet; von letzteren hatte der Gemeinschuldner in 1270 Fällen ausschließlich die Konkurseröff­nung beantragt. Beendet wurden im IV. Viertkl jahr 1903: 2277 (IV. Vierteljahr 1902: 2239) Konkursverfahren, und zwar durch Schlußver­teilung 1569, durch Zwangsvergleich 495, in­folge allgemeiner Einwilliaung 45 und wegen Masftmangels 168. In 926 beendeten Konkurs­verfahren war ein Gläubigeraus schuß bestellt.

* Bronrttrveinbrersnerei. Das erste Heft der Virrteljahrs-Heste zur Statistik des Deutschen Reiches (Jahrgang 1904) bringt u. a. die Statistik über die Branntweinbrennerei und «Besteuerung im deutschen Branntweinsteuer-Gebiete während

Für de-, Augknblick nahm die tränte Schwester all ihr Sinnen uns Denken In Anspruch. Was sollte man nut derselben beginnen?

Der A-zt sprach vom Hospital. Aber Maria- Angela ließ ihn gar nicht am reden.

„Was würde Mutter dazu sagen? Sie hat mir Jsabkll- avbesohle-.,, ich darf ne richt v-rlaffen I“

„Wer J)r Fräulein Schwester wäre im Hospital viel drffer gepflegt als selbst von Ihnen."

„Da« ist möglich. Ich w-ll jedoch, daß Isabella bci uns bleibt. Ich werde Tag und Nacht bei ihr wachen und sie dem Tode entreißen."

„Es ist zuviel Anstren uvg für Sie I" „Gott wird mir die nötige Kraft geben " „Unb die Medikamente find so kostspiettg " „Wenn ich auch betteln sollte, so wird t8 der Aermsten an nichts fehlen."

Herr Mareskat schwieg zu der Diskuffion. In der Furcht, daß seine älteste Tochter im kranken- hause, fern von ihm sterben könnte, zog sich sein Herz schmerzhaft zusammen.

War jedoch anderseits Maria-Angela dieser auf­reibenden Pflege gewacksen? Würde sie nicht zu- sammenbreryen? Er konnte und dürfte zwischen den zwei Kindern nicht wählen. Ach, warum kam Pepa nicht zurück? Was konnte ihr zugestoßen sei«? Lebte sie noch, oder patte ein hartes Geschick sie den Ihrigen entrifien? Diese Ungewißheit war fürchterlich! Tics und immer tiefer sank ver Kopf des aru en Mannes auf seine Brust, dicke Tränen rannen ihm Über die Wangen. •

Zum Glück war Poup-e zu sehr in ibrer Er­örterung mir dem Doktor vertieft; so sah sie mcht, was ihr zärtliches Kirderherz ergnffen hätte.

Bald darauf traf der Herr Vikar ein. Ter würdige Priester wollte feine Schutzbefohlenen auf ihrem Kreuzwege begleiten, ihnen Ermutigung und Hilfe bringen.

Da man ihm die Frage betreffs der Kranken

zuldaerW Zeitung

» Monaub-iiage: „Fuldaer Geschichisblättrr".

Seine demütige, -rgebeue Haltung bot einen herzbetr übenden Anblick-

Es war Velperzelt. Das Frühstück war heute kärglick gewesen, und Klein-Peter verlangte zu effen.

Margarete, Sinja und Carmeliia hatten belettigte Mienen aufgesetzt: Therese und Johanna klaren ebenfa s über Hunger Dazwischen hörte man das leise Wimarein der Kranken. Maria-Angela begriff, daß hier nur ein wenig Strenge helfen konnte. Gleichzeilig hieß es auch, die Eigenliebe der älteien Mädchen zu wecken.

„Liebe Kinder," sagte sie, „soll ich denn nun glauben, ihr hättet weder Herz noch Bernuvst ? Unsere jetz ge Lage ist, so hrffe ich, nur vorübergehend. Und wenn sie es nicht wäre, so müßtet rhr dennoch mehr guten W llen zeigen. Tu, Margarete, drst der- nahe dreizehn Jahre alt, Luisa bald zwölf — m dem Alter wird man verständig. Ihr dürst fttzl mchr mehr eigensinnig sein und nur verlangen, ohne etwas dafür zu lefien. Ich rechne darauf, daß rhr nrtt zur Hand geht, denn ich kann unmöglich alle» allein besorge«. Jede muß ein Amt übernehmen, wir muffen alle dazu beitragen, unser Brot zu verdienen.

„Was soll ich denn tun?" fragte Margarete em wenig beschämt. n ,r c.

„Ich will dir gerne gehorchen," setzte Luffa hm- iU.

„Seht ihr, daß ihr doch gute Kinder seid ' tobte Maria-Angela. „Aber nicht mir sollt ihr gehorchen, sondern (Sott und der Mui:er."

Peter weinte noch immer.

„Ich bin hungrig!"

Poupee suchte nach einem Stück Brot, das »cm Frühstück übrig geblieben.

„Da, mein Junge!"

Klein-He er machte ein böses Gesicht.

„Gib mir Chokolabel" forderte et.

Maria-Angela nahm ihn auf ten Schoß und streichelte ihn.