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31. Jahrgang

zulda, Dienstag, den 5. April 1904

Deutsches Reich.

vernmr zu bestimmenden Zeitpunkt an die Rupie zu 100 Hellem tretet. Es sollen ausgeprägt werden erstens als Silbermünzen: Zwei-Rupftn Stücke, Ein - Rupien - Stücke, Tinhalb - Rupien- Siücke, EinviertelRupien-Slücke; zweitens als Kupfermünzen: Ein Heller-Stücke- und Emhalb- Heller-Stücke. Eine Rupie soll gleich P/s Mk. sein. Heber die Zusammensetzung und die Ge­stalt der neuen Münzen sowie über die lieber« pangszeit enthält die Verordnung ausführliche Bestimmungen.

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t wochenbeilage: „Illustrierte Zonntagrzettung

• Der russisch-japanische Krieg.

Während vom See - Kriegsschauplätze keine Meldungen von Bedeutung vorliegen über Aktio­nen, die sich nach dem letzten Brander-Angriffe auf Port Arthur ereignet hatten, ist aus Nord­west-Korea ein langsames, aber stetiges Vorrücke« der Japaner nach dem Jalu-Flusse festzustellen. Auf den Zusammenstoß bei Tschöngtschu vom 28. März find weitere Gefechte mit den Kosaken gefolgt, die sich vor demAndrängeu der Japaner immer weiter zurüchiehen mußten.

Zur Sperrung des Hafens von Port Arthur haben die Japaner eine größere An­zahl alter Handelsschiffe (sogen. Brander) ange- kaust. Nach einem Telegramm Petersburger Blätter aus Port Arthur werden dort weitere Ver­suche der Japaner erwartet, den Hafenein­gang durch Versenken von Schiffen zu sperren. Entsprechende Maßnahmen zur Vereitelung solcher Anschläge find getroffen.

In Tschemulpo kamen 5 japanische Trans­portschiffe mit Eisenbahn- und berittenen Genie- Truppen an. Diese sollen die Eisenbahn zwischen Söul und Windschu bauen.

Gegenüber dem letzten Berichte von russischer Seite über das angeblich für die Ruffen sieg­reiche Gefecht bei Tschöngdschu wird hier an den bereits gemeldeten Tatsachen, besonders daran festgehalten, daß die japanischen Verluste die japanischerseitS angegebene Zahl nicht über» schritten haben. In Tokio wird betont, daß von einer Verwirrung der japanischen Truppen nicht die Rede sein könne, da sie Erfolge erzielten, indem sie, wie msfischerseits im ersten Berichte zugegeben wurde, die Ruffen zum Rückzüge nötigten und die Stadt besetzten.

Aus Port Arthur kommt eine amtliche russische Meldung, die die Vernichtung eines japanischen Handelsdampfers durch Ma­karows Geschwader bestätigt. Nur daS Datum der früheren Meldungen war falsch. Die Sache passierte während der ziemlich weit ausgedehnten RekognoszierungSfahrt Makarows am GamStag den 26. März, worüber der russische BesehlS- baber dem Zaren einen amtlichen Bericht als­bald hatte zugehen lasten. Der „Russischen Telegraphen-Agentur" wird aus Port Arthur ge­meldet :

Das »steinigte russische Geschwader verließ em 26. März Port Arthur und nahm Kues auf die Miautu-Jnseln. Dabei wurde vom „Nowik* auS ei« Dampfer bemerkt, der eine chinesische Dschunke schleppte, flht machte erst nach dem zweiten Schuß deS Torpedo­bootes „Bnimaielny" Halt. ®8 war der japanische

stammen 34, aus Westpreußen 17, auS Schlesien *3 und aus Ostpreußen 8 Stipendiaten ec.

* Protestantische Toleranz in Goburg Ju der .Nürnberger Volkeztg.' liest man:

Am 5. ds. MtS. wurde in Coburg der über 41 Jahre dort im Amt gewesene Stadtpfarrer, geist­licher Rat Joseph Fleischmann zu Trabe ge­tragen. Da die katholische Gemeinde Coburg alS MissionSposten von der Erzdiözese Bamberg aus pastoriert wird und dem erzbischöflichen Dekanate Lichtenfels zugeteilt »st. erschien Herr Dechant Müller von EberSfeld mit Herrn Definiior und eine Reihe an­derer geistlicher Herren des Dekanats, um, wie üblich, die Beerdigung des Amtsbruders vorzunehmeu. Auch die katholischen Pfarrer der benachbarte« MisfionS- pfarreien Sonneberg, Hildburghausen und Meiningen hatten sich eingefunden. Im Psarrhofe wurde von einem Schreiben deS Loburger Ministeriums Kenntnis gegeben, demzufolge auf Ansuchen des Herrn Dechanten Müller die mmiftenrlle Erlaubnis zur Vor­nahme der Beerdigung erteilt (!) werde; jedoch sei es bei dem bisherigen Beerdigungsbrauche zu beiaffen, und müßte der derzeittge geistliche Vertreter der katho­lischen Iiultusgemrinde Coburg für alle weiteren Folgen verantwortlich gemacht (!) werden. Run hatten verschiedene Herren, wie es sonst all­gemeiner Brauch ist, Talar und Cborrock mitgebracht, aber da hieß eS: nur der Herr Dechant und der Herr Pfarrverweser dürften Chorkleidung tragen; die an­deren Herren müßten sich mit dem schwarzen Talar begnügen. Darüber Ueberraschung — doch vor Tor­schluß kam, wie es scheint, aus nochmaltge Anfrage beim Ministerium, die Antwort, man dürfe Chorröcke anziehen, sollte sich aber jeglicher weiteren Funktion, etwa Ansprache usw., enthalten. Um */«4 Uhr ging man zum Friedhof, Herr Dechant und Pfarrverweser Palm mit etwa noch vier biS fünf Herren im Lhorrock — keine Glocke läutete bei der Beerdigung, nicht einmal die Glocken der katholischen Pfarrkirche, wo der Verstorbene über mer Jahrzehnte gewirkt, rührten sich. In der Ausstellungshalle mußte der Herr Decbant laut ministerieller Vorschrift („eShatbei dem bisherigen BeedigungSrituS — bisher deutsch — zu bleiben*) die Beerdigungsgebete deutsch beten und deutsch antwortete der Kirchner. Ohne Gebet ging man ans Grab. Wie gerne hätten die 16 biS 18 an- wesenden KonfratreS ihr De profandiB, ihr Miserere gesungen, wie erhebend hätte am Grabe daS In para- diram und das Benedictas geklungen; allein unS ward der Mund geschloffen! «ine Grabrede unterblieb auf speziellen Wunsch deS Toten, und nachdem uns gestattet war, drei Vaterunser und den Glauben zu beten, ver­ließen wir traurig das Grab. Für den anderen Tag 9 Uhr war der Trauergottesdienst festgesetzt. Herr Geistlicher Rat, Domvikar Wenzel, von Bam­berg, ein Freund deS Verstorbenen, hätte gern daS Requiem in Stellvertretung des am Abend dienstlich wieder abgereisten Herrn Dechanten gehalten!; aber man sagte, den öffentlichen Gottesdienst müsse der der­zeitige Pfarrverweser der katholischen Gemeinde halten, und io las Herr Geistlicher Rat Wenzel '/-8Uhr, Herr Benefiziat Finzel von Kuvferberg um 8 Uhr eine stille Privatmefse und um 9 Uhr Herr Pfarrverweser daS feierliche Requiem, wobei erstgenannte zwei Herren levitterten. In der katholischen Pfarrkirche läutet das ganze Jahr kein Angelus, nicht einmal an den Werktagen läutet es zur hl. Messe; daS ist in Koburg nicht erlaubt; nur am'Sonntag um 8 Uhr das erste, */s9 Uhr das zweite, vor 9 Uhr zusammen, desgleichen zum Nachmittagsgottesdienste. Und da spricht man von protestantischer „Toleranz" und .Kultusfreiheit*! So sollten einmal die Protestanten sich behandeln laffen müffen — daS Geschrei möchten wir hören!

Wir haben dem nichts hinzuzufügen!

* Nene Münze« für Dentsch Ostafrika. Der »ReichSanzsiger' veröffentlicht eine Verord­nung, durch die für Deutsch-Ostafrika daS Dezi- n-.almünzsystem eingeführt wird. An Stelle der Rupie zu 64 Pesa soll zu einem vom Gou-

auch in dieser Kundgebung deS Evangelischen Bundes herrscht, befremdet unS nicht mehr, nach-' dem wir die Reden deS ProfefforS Dr. Thümmel und deS Superintendenten Wegener erlebt haben. Es scheinen wirklich viele Evangelische, auch An­gehörige der positiven Richtung in unserer Kirche, in einen ParoxySmuS der Furcht vor den Jesuiten geraten zu sein, und in solchen Zeiten der Panik wird jedes zur Kaltblütigkeit und Be­sonnenheit mahnende Wort ungehört verhallen. Aber bezeugen müffen wir doch, daß eS noch viele evangelische Lhristen und Patrioten gibt, die eS mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren könnten, den Vorwurf der Vaterlandslosig­keit und unchristlichen Gesinnung so ohne Einschränkung gegen ganze katholische Gemein­schaften zu schleudern. B:S in die siebziger Jahre hmein waren die katholischen Orden in vielen deutschen Ländern zugelaffen; eS wäre unmöglich nachzuweisen, daß diese Länder vor 1871 Schaden an vaterländischer und christlicher Gesinnung ge­litten und sich nachher eines Aufblühens nach dieser idealen Seite hin erfreut haben. Ebenso eigenartig berührt eS uns als Evangelischen, daß der Evangelische Bund außer dem Erbe Luthers auch die kostbaren Güter in seinen Schutz nehmen will, die «vir Goethe und Kant verdanken. Die Bedeutung dieser deutschen Geisteshelden liegt doch gewiß nicht auf dem konfessionellen Gebiete, und sie unter den Schutz deS Evangelischen Bundes stellen, heißt einen noch stärkeren Miß­brauch mit ihrem Namen treiben, als eS der so­genannte Goethebund tut. Aber hier tritt wieder einmal die Erinnerung an kirchlich-liberale Wahl­aufrufe in die Erscheinung. Indem man den größten Dichter und den größten Philosophen mit dem größten Religionslehrer und Prediger der Deutschen gleichstellt, verwischt man absichtlich die Grenze —» zwischen Religion, Kunst und Wissenschaft — wahrlich nicht zu Gunsten einer tiefen und festen Religiosität! Die Jesuitenpanik ist eine schonungslose, grausame Krankheit!"

% Die Stipendieufonds-Kommission des deutschen Ostmarken-VereinS hat am 29. März in Berlin ihre FrühjahrS-Sitzung ab­gehalten. Der StipendienfondS hat in Verbin­dung mit der Dr. Ferdinand v. Hanfemann-Stif- tung des Zweck, jungen Deutschen in der Ostmark, den Söhnen von ländlichen Wirten, Kaufleuten, Handwetckern, Gewerbetreibenden, Beamten zc. durch Gewährung von Stipendien den Besuch von Fachschulen und ähnlichen BildungS-Anstalten zu ermöglichen. Die Zahl der einflegtmgenen An­träge hatte sich seit der vorigen Sitzung um 67 vom Hundert vermehrt, so daß alle diejenigen Anträge ohne Berücksichtigung bleiben mußten, die um Gewährung eines Stipendiums zum Be­suche von Universitäten und anderen Hochschulen ersuchten. Immerhin konnten 62 jungen Deut­schen Stipendien im Gesamtbeträge von 4085 Jk gewährt werden. Unter diesen waren 51 an­gehende Volksschullehrer, 2 Kunstschüler, 1 Kunst- gewerbeschüler, 1 Landmesser, 1 Werkmeister, 1 Brenner und 4 angehende Tierärzte ec. Unter diesen 62 Stipendiaten waren 12 katholischer Konfession, also 20 vom Hundert. AuS Posen

Berlin, den 2. April 1904.

* Der Gesundheitszustand des Kaisers ist nach der.Norddeutschen Allgemeinen Zeitung' andauernd vorzüglich und eröffnet jede Aussicht auf vollen Erfolg der Erholungsreise. Wenn einzelne ausländische Preßorgane sich trotz- dem in gegenteiligen Offenbarungen gefallen, so wird deren Wahrheitsgehalt durch den Auf­putz mit allerhand sensationellen Angaben nicht gerade erhöht.

** In einem Leitartikel in Nr. 153 der Liosfischen Zeitung' mit der Ueberschrist „Pari tit oder Imparität in Preschen" ist mit« geteilt, nach dem ,Reichsboten' habe der Justiz­minister im Jahre 1902 an die Staatsanwälte einen Erlaß gerichtet, wonach sie gegen einen katholischen Geistlichen erst dann vorgehen sollten, wenn sie vorher vom Minister selbst dazu die Erlaubnis eingeholt hätten. Die an diese Mit­teilung geknüpften Betrachtungen deS Artikels erledigen sich, bemerkt dazu die ,Nordd. Allg. .Ztg.', da an der Mitteilung selbst kein wahres Wort ist. Der Justizminister hat weder eine solche noch eine ähnliche Verfügung erlaffen.

** Der Karfreitag wird in Berlin immer »och zu Ausschreitungen benutzt, wenn auch nicht mehr in dem Grade wie früher. DaS zeigt fol­gende Ze'tungSmeldung: „Neunzehn Sistierungen wurden am Karfreitag auf dem Spandauer Bock »orgenommen, 11 weniger als im Vorjahre. Der Besuch der beiden Lokale war verhältnis­mäßig schwach und ganz besonders hielten sich diesmal die zweifelhaften Elemente fern, welche zumeist die Ausschreitungen verursachen. Zu gröberen Exzessen kam eS fast gar nicht und nur m zwei Fällen, in denen eS zu Schlägereien vor de» Lokalen kam, war die Polizei genötigt, ener- gffch einzuschreiten "

P] Der Vorstand deS Greifswalder ZweigoereinS des Evangelischen Bandes veröffentlicht folgenden Aufruf: „Evangelische Mitbürger! Der ß 2 deS Jesuitengesetzes ist ausgehoben! Die jesuitischen „Marianischen Kongregationen" haben an den Schulen wieder Einlaß erlangt! Dämme, die unser deutsches Volk vor dem verderbliche» Einflüsse eines vaierlandSlosen und unchristlichsn Geiste- schützen sollte», find durchbrochen. — Mehr als je tritt heute an jchm echt christlichen und echt parteiischen Mann gebieterisch die Pflicht heran, seine ganze Kraft einzusetzen für die Behauptung der kostbaren Güter, die wir einem Luther, einem Goethe, einem Kant verdanken. Darum schließt Euch dem Evangelischen Bunde an, der eS als seine Aufgabe anfieht, die Verteidigung und den Kampf gegen UltramontaniSwuS und JestirttSmuS zu organifieren. In der Einigkeit liegt die Straft!* Dazu bemerkt die ,Kreuz° ztg': „Die Leidenschaftlichkeit deS Tones, die

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monatsbdtage: „gulöaer GeschWsbMer". gerwfprtdiir Nr. 9.

Maria Angela.

Bo« Komtesse de Beaurep aire-Louvagny Genehmigte Uebersetzung auS dem Französischen.

6 ------ (Nachdruck verboten.)

Herr MareSkat dachte einen Augenblick daran, das MoSNar zu veräußern. Aber tote diel würde er baffer er halten'? Leider nicht genug, denn fo elegant die etejdnen Stücke auch waren, besonders wertvolles sand sich nicht darunter.

Es blieb nichts übrig, al« zu warten. Warten! Welcher Jammer, wenn da« Herz vricht, wenn der Kopf sich verwirrt! Wa« Wunder, wenn der Zustand M«r«katS sich tagtäglich verschlimmerte! Trotz aller Mühe, die er sich gab, gegen den St«m seiner Ge­fühle anzukämpsen, drohte er zu unterliegen; eS wurde totaler dnnkel vor seinen Augen!

Isabella und Maria-Angtta verzweifelten beinahe vor der AuSfichMvfigkeit, ihren Vater zu träftrn.

WaS war aus der Mutter geworden? Wann wükde sie wiederkommen?

Auf diese Frage gab e« keine Antwort.

Sine andere Sorge nahm sie überdies in Anspruch.

drei Monaten war die Mutter jetzt fort; die Kupons der brasilianischen Rente, mit denen sie zu rechne« hatten, wurde« wegen der Unruhen da drüben «sst auSgezahtt, und mentanb konnte sagen, wie lange ■um daraus warte» mußte. Da« gab in Bälde eine leere Kaffe! Und wa« dann? Endlich kam ein «ries w« Pepi und brachte für einige Stunden wieder Profi in die gequälren Gemüter.

«fierding» war da« Schreiben schon zwei Momtte alt und trug die Spiren amtlicher Oeffnung.

Bq», sprach von der glücklichen Uebrrsehrt, die sie nicht im geringsten angegriffen Hütte. Sie sei S«$ gesund und danke Gott, der ihre Stätte bewahrt be für ihr fernere« Unternehmen. Durch die Xn-

ruhe» im Lande sei allerdings da« Vordringen einiger­maßen erschwert.

„Ich habe mir", fuhr sie fort, „durch die fran­zösische Gesandtschaft einen Paß besorgen laffen, der mir den Weg öffnen wird. ES heißt — sicher weiß ich eS nicht — daß unsere Provinz durch die Truppen der früheren Gouverneurs besetzt ist. Wie dem aber auch sein mag, ob ich diese antreffe, oder ob ich ten neuen Befehlshabern begegne, mein Paß wird mich ohne Schwierigkeiten hindurchführen. Fürchtet also nicht» für mich, für meine persönliche Sicherheit ist gesorgt.

Macht Euch auch keine Sorge, wenn meine Briefe unregelmäßig ankommen.

Mich bekümmert eS fteilich, daß ich nicht weiß, wie ich von Euch Nachricht erhalten soll. Schreibt mir jedoch mit jeder überseeischen Post unter der Adresse der Gesandtschaft. Man hat mir dort ver­sprochen, mir alle», wenn eben möglich, nachzusenden.

Wann werdet Ihr diese Zeilen erhalten? Während ich noch durch allerlei Formalitäten, durch die jüngsten Ereigniffe bedingt, hier zurückgehatten wurde, ist der nächste Anschluß nach Europa versäumt worden. lUnb nun ist ei fraglich, wann wieder eine Gelegenheit lammt, da unter den Unruhen naturgemäß auch der Verkehr leidet.

Steigen reise ich nach San Lorn» ab. W e wird die Fahrt sein?

Nun, ich baue, wie für alle« andere, auf die gött­liche Vorsehung!"

Da» Schreiben enthielt zum Schluß noch zärtliche Ermahnungen zur Geduld, zum Bertrauen auf Gotte» allweffe Fügungen.

Zehn-, zwauzigmal wurde dieser Brief gelesen und besprochen, die Unterschrift war beinahe verwischt unter den Lüffen der Kinder.

Und doch waren diese Mittelluage« im Grunde wenig ttöplich. Wie viele» konnte mau zwischen den Zeilen leien! Line» stand jetzt schon fest: eine außer» mchenlliche Verzögerung war nn-nSbleLlich.

Am folgenden Tage ließ Herr MareSkat seinen Rententtiel verkaufen. Ach mit wieviel Verlust! Und dann begann man wieder zu warten und zu sorgen.

Zwei Bediente waren bereits verabschiedet; Maria-Angela machte jetzt auch die Kammerzofe ent­behrlich, da sie alle Arbeit selbst übernahm; sie hielt die Zimmer in Ordnung, glättete und flickte.

Aber allem Sp wen zum Trotz ging der Geldvor­rat zur Neige. Auch der Leibdiener de» Vater» wußte entlaffen werden, so daß allein noch die Köchin zur Hilfeleistung übrig blieb.

Derartige Maßregeln taffen sich nicht treffen, ohne den lieben Nächsten in Erstaunen zu setzen. So wußte auch bald die ganze Nachbarschaft, too» im Hanse „der Fremden" vorging.

Isabellen» Verlobter hatte sich schon tüte Weile nicht sehen laffen. Das junge Mädchen wunderte sich über diese scheinbare Bernachlässigung.

Aber Herr MareSkat äußerte nicht»; er fürchtete zu verstehen.

Woche um Woche verging, von Pepa hörte man nicht».

Die Lage wurde unhaltbar; die letzten Münzen giuaen fort, der Kredit versagte. Gerade bann, wenn Unglückliche de» Vertrauen» ihrer Mitmenschen be- dürfen, schwindet dasselbe.

D«i Versicherungen Herrn MareSkat», daß er reich sei, daß seine Gattin eine Rd'se auf ihr Befitz- tum mache und in Bälde Gelder senden würde, wollte uikwand Glauben schenken.

An wen sollte er sich um Hilfe wenden? Auge- hörige hatte er keine mehr.

Die Landsleute, mit denen er in Dari» verkehrt hatte, waren bei Ausbruch der Revolution schleunigst nach Argentinien abgereifi.

Auf der Gesandtschaft war alle» in Unordnung. Wa» den Bräutigam Isabellen» auairg, so sollte »au bald den Bert seiner Liebe und die Noblesse feine» Charakter» kennen lernen. Seit eine« Monate war er nicht mehr erschienen, und seine Berlodte fühlte sich schmerzlich berührt.

Ai» eine» Morgen» Pouper in das Zimmer chrer Schwester trat, sand sie dieselbe ohnmächtig vor ihre« Bette; ein zerknitterter Papier lag unweit aus dem Fußboden.

Maria-Angela sprang erschrocken hinzu, hob dem Kops der Kranken, lehnte ihn gegen die Kiffe« uxb holte frische» Wasser, mit welchem sie die SchWm Jsabellm» wusch, indem sie ihr sanft und eindringlich zuredete.

Erst nach langen Bemühungen schlug die Schwester die Augen aus, aber um sofort in ein heftige» Weinen auszubrechen.

„Wa» ist geschehen?" fragte Maria-Angela. And liebreich wie eine Mutter drückte sie Jsabcklan» Köpfchen an ihre Brust.

.Da lieS!"

Und sie zeigte aus den zerknüllte« Bries.

Poupee nahm da» Papier aus und suchte die Zellen zu entziffern.

Da» Schreiben kam vom Marquis de Lottinville

„Mein Fräulein! Unvorhergesehene Eraiguve zwingen »ich, Pari» zu »etlaffen und Ihnen Lebe­wohl zu sagen. Ich sehe »ich unter den obwatteubem Umständen leider verpflichtet. Ihnen Ihre Freiheit znrückzugebeu, denn e» ist mir fernerhin nicht «ihr erlaubt, an die Verbindung zu denken, die wir geplant hatten......."

Maria-Angela zuckte verächtlich die Schulte«;.

.Aber, Liebste darum weinst du? Au bei«« Stelle würde ich mich sreueu und Gott danken, daß er mich vor der Heirat mit so einem elenden Mensche« hi Gnaden bewabrt. Da stehst du docki deutlich, daß er Beine Mitgift liebte und nicht dich!*

„Ich bin doch auch jetzt noch reich!"

„Er glaubt e» nicht, — und übrigen» glaubt e» niovaud mehr!"

„•» ist aber wahr'."

„Set weiß?"

„Sa« sagst du, Schwester?"