MaerM Zeitung
monatsbcilage: „ZllldaN SeschichtrbMtt".
ewgricnagf» vtcnc** »rLBtjn« jprtit I(k Bthtgerlolpi ui Befiel geld in Suiten«» wwirts 1 «k. te PI«.
verantwortlich«
,.£«.>»» wochmdrüagi:„Illustrierte Sonntagszeitung"
Xeieige«: Vie tüt» spaltige Petitzeile otee fiere» Raum 15 Pf«, «eklawendiepetitzeiie 25 Pf-.; del wieder, betongen wird rntkpr. Bafiatt gewahrt.
Druck Mb Verlag de» HUdaerSetienfiruckerei ie Znlte (Harmonie) tzernsprech« Nr. 9.
M 75.
Zulda, Samstag, den 2. April 1904.
31. Jahrgang
* Zweites Blatt
Wachen-Rundschau.
□ Fulda, 2. April 190*.
Die Nahe der Karwoche macht sich auch tu Wt Solid! geltend usb zwar ganz besonder« in Deutschland. Der Kaiser befindet sich aus der Seift, fier Bnndttrat »nd die Parlam ente find in die Oster- srrtru aeaangen und die Minister erledigen nnr die firi»gendste» Geschäfte; sie alle sammeln neue Kräfte, fieM bald nach Ostern geht die Arbeit wieder loi Mb (« gibt allem Anschein nach recht viell zu tun.
Der Kaiser »eilt an der sonniger. Küste Italiens Aw letzten Sawfitag hatte er in Seap‘l eine Zusammenkunft mit de« Könige von Jtalre« Dreie Monarchenbegegnung hat eine besondere politische Be- fientung «och dadurch genommen, daß da« Fortbe- iehe« de« Dreibünde« al» da» stärkste ollwerk de« Frieden« in Europa in fast e|e*talfb« Weise bei dieser Gelegenheit vor der gan- m Welt dargelegt wurde Die Zusammenkunft de« Kaiser« und de« Königs von Italien — welcher be- Rrnntlich in Bigo die Zusammenkunft mit dem Könige »0» Spanien vorauSging — ist eine neue BekrSfti» |M8 der friedlichen Beziehungen de« deutschen Kaiser» u» den Fürsten und Völkern Europa«, eine neue Stärkung der Zuvrrficht auf die Erhaltung deSFrie- fieu» im europäischen Weltteil. Unter diesem GefichtS- Puukte werten die Monarchen Begegmmge;,, auch wenn dieselben keinen unmittelbaren politischen Zweck ver- »lgten, überall mit großer Freude begrüßt werden, Mch wo «an von optimistischen Auffassungen sich gäuzlich frei fühlt.
Am Dienstag empfing der Kaiser in Gaeta de« Besuch der Königin-Mutter Marguerila von Italien; «« folaenden Tage setzte er die Reise nach Messina rett Weiter sollen noch besucht werde«: Malta, Ka- ta*ie, Brindisi, Bari und Abtezia, wo ein zweitägiger Aufenthalt und eine Zusammenkunft mit Kaiser Franz Joseph vorgesehen sein soll. Tie Rückkehr de« Kaiser» nach Berlin ist auf den 2. Mai festgeletzt.
Der Reichstag, der am 12. April wieder zu- stuumeutritt, wird voraussichtlich bi» in den Juni hinein jusammenbleibe« müffen, um der Fülle der »och uurrlevigten Vorlage« einigermaßen gerecht za »»erde». Man erwartet dann, daß die Session nicht geschloffen, sondern da« Hau» über de« Sommer hi«««» vertagt wird. Da» würde mit Rücksicht auf die K»««isfiou»ardeit, die i« anderen Falle verloren ege, zn erfolgen haben. Noch gar nicht beraten » die folgende« Vorlagen: der Eisenbahnbas Dar- MSaalam—Mrogow, die Novelle zum Börsengefetz, fite «endermtg der Münzordnuag, die Srankenfürsorge W» Seeleute, die «enderung der Reichkstempelgesctz- «bung und Bekämpfung der ReblauSgefahr. Die beiden letztgenannten Gesetze, die Bereit» in ter t6ton« *te «ugeküntziIi wurde«, liege» jetzt dem Bundesräte •et «ns man rann annrhmm, daß er wenigstens eine» fivrfklden noch während der Reichstagsferien verabschiedet. Die übrigen Entwürfe sind dem Reichrta« »vrriw zugestellt worden. Außer diese« zu erledige^, fi« Arbeiten bleibt vor allem noch eine Reihe wics- ttxr E.nzele»«.» i« »weiter Lesung und der ganze Mat in dritter Lesung durchzuberatim. Dazu »och eine beträchtliche von Kesolu. ti»«en; iSiot dr» ReiürSamt« de» Inner« «»gerecht unb vorläufig zu ruck gestellt wurden. An- »eßchtS-Weser Berhältnifle kann «an wohl mit Sicher- -hm darauf rechnen, daß nicht alles, wa» auf dem Arograww steht, bi« zur Vertagung erledigt werde« Md. Ma« nimmt a«, daß die Novelle zum Bör- ;|e»gefe| unb die Vorlage über die Kaufmaun«. ,erichte, welche »ur KommisfionSberatungverwies« webe, die»««! nicht zur Berabschtedmrg gelange«.
Der heilige «ater hat au« Anlaß de« Jahrestage« de» Todes Gregor« de« »roßen eine SncyNika «kaffe«, die insbesoudere die Zersetzung der Gesellschaft bei* Beginn de« Papsttum» Gregor« schildert «b deffen reformatorische Tätigkeit auf dem Gebiete de» sszinle« Leben« darlegt. Der Papst erklärt, daß «ch er sich von Gefahren und Feinde» umringt sehe, und daß er sich wie Gregor voll Vertraue» unbesieglich und gefestigt auf de« Gelsen derkirche fühle,die göttliche Versprechungen bchstie. Er berufe die BSlktr W dieser Kirche, die «lebt fier Seit den Friede« sicher« könne, und be- har« auf bet Notwendigkeit de» Einvernehmen« Mischen der geistliche« und weblichen Macht, die ■eite durch Gotte» Willen beständen und bestimmt feie», sich gegenseitig zu «ttersiütze». Fr werde her» W», die unerschütterliche Festigkeit Gregor« er e« sich zu» Vorsatz mache, »w «echte und Vrärogattoe», deren Wächter uud ve- IchEtzrr *or v».'r u«v den Maische» da« Papsttum verteidige». D e grzenwärttge« k^wieriger al« d e zur Zeit Gregor«.
,ttm. «wöbet durch die Anforderungen, »eh», «»«u um Setzerei, sonder» man lege die Axt * die «nrzeln ter vwm«, die die Kirch? bedeuten. Mm fe»8ie da« »trft* Gotte« in der Schöpftma Orten», eib Regier«n, fier Welt ««v die yuifi»’ tot v», Wundern. Daher sei die hisionsche ««e»- SHt auf Irrwege gerate». Die Folge hiervon sei, VM die eine«, verbleutet durch die Eutwickelaug de» Menkchastüchen RfistzmgeS, ihren Slwüen veotter«,
und das andere, die fest im Glauben stehen, die wissen- schastliche Kritik beschuldigen, daß sie den Glaube« untergrabe, wa» ein nicht berechtigtet Borwurf fei. Ter Papst betont da«« die moralischen Folgen, die sich hieran« ergäbe», und setzt auieinander, welche Aufgaben die Bischöfe für ihre Person und bezüglich der Auswahl und der Leitung ihre» Klerus hätten, besonder« hinsichtlich ihrer Lehrtätigkeit und ihre« sozialen Wirken» zu gunsten der Schwaches.
Die französische Depmiertenkowmer hat unter dem Beifall der Linken den Gesetzentwurf betreffend Aufhebung des Unterrichts durch OrdenSmttgliedrr im ganzen mit 316 gegen 269 Stimmen angenommen. Da der Senat ohne Zweifel da» Gesetz gutheißen wird, ist damtt ein weiterer Schritt im Kulturkämpfe zu verzeichnen, auf den die „freie* Republik Frankreich wahrlich nicht stolz fein kam».
Im englischen ÜnteiHause sind in den letzten Tagen eine Anzahl von internationalen Frage« zur Sprache gekommen. Der Unterstaatßsekrelär ,m Auswärtigen Amte, Earl Percy, bemertte in Er. widernng auf eine Anfrage, daß er sich bei jedem Ad- kommeo, da« bezüglich Marokko» geht ff en würde, bemühen werte, die Handel» Interessen England» zu wahre». In Beantwortung einet andern Frage sagte Percy, der britische Botschafter in Konstantinopel hat mit dem Großwefir eine längere llntrredung gehabt und darin auf sofortige Annahme de» Reorganisation» Plane» für die mazedonische Gendarmerie gedrungen. Der Sinn bet von der Pforte erteilten Antwort auf die österreichisch-ungarische Note sei, wie man annimmt, im allgemeinen zufriedenstellend. Der Staatssekretär für Indien, Br odrick, berichtete, daß die tibetanische Expedition im Begriffe sei, nach Kalutso vorzurück^n, 200 Meilen von Lhaffa. Oberst DounghuSband werde erst dann mit Was- fengeroolt Vorgehen, wenn er auf seinem Bormarsche Widerstand finde oder seine Berbindungen bedroht werden. Im weiteren Verlause der Debatte über die
Apprvpria1ion»-Vill erklärte UnterstaatSsekretäc Percy tu Erwiderung auf Bemerkungen zu dem geplanten englisch-französischen Vertrage, er könne nicht über Fragen sprechen, die fich im Stadium der Verhandlungen befänden, die, wie jedermann hoffe, zu einem befriedigenden Abschlüsse führen würde«.
Bom ostasiatischen KriegLschauplatze sind »och immer keine wichtigen Meldungen emgetroffen. Rach einer DepesLe de» Reuterschen Bureau» an» Söul v»m Montag verlautete dort, zwischen Andschu und Tschöngdschu habe ein Gefecht stattgefmrden, in welchem 50 Japaner und 100 Kosaken getötet oder verwun det worden seien. Eine Bestätigung d-eser Nachricht fehlt bi« jetzt noch.
Au« A f g h a n i st a n find in letzter Zeit verschiedene Nachrichten gekommen, die auf eine starke Gärung im Lande hindeuten, ohne etwa» Bestimmte» erkennen i» lasten. Bor einigen Tagen hieß e», der regierende Emir Habibullah Khan sei vergiftet worden. Diese» über Russisch-Turkestan kommende Gerücht ist nicht bestätigt worden. Dagegen wurde bald nachher von der indisch-afghanischen Grenze gemeldet, NaSrullah Khan, ein Bruder de» Emir», sei von Mohammed ©$«8 Ti-vrx verwundet wvrden, währens b« selbst wohlauf fei. Diese Nachrichten werfen tt« Licht a»f Familienfchde, wie sie in den astatischen Tespotten.undnicht zum wenigsten in Afghanistan, v-n lchit iibljch find. Emir Habibullah folgte feinen! Bat-r Abdarrahmaa Khan im Oktober 1901 Mohammed Umar, ein Sohn de» alten Emir» von ^ner andern Frau, erhob ebenfall» Ansprüche auf den Tdron; er wmde daher folgerichtig vom regierenden Emir etngesperri. Na-ürlich hat dieser Bruderzwist auch kitten politischen Hintergrund. Da Habibullah wie fein Vorgänger Abourrahman auf englischer Seite sieht, so wird man annehmen können, daß die russische Partei in Afghanistan e» mit Umar Khan hält. Ter regierende Emir hat es an Grausamkeiten gegen feine Widersacher nicht fehlen lassen, ivdaß er jedenfalls Feinde genug im Lande hat. Nun ist Umar vor einiger Zett an« bet Haft entkommen und scheint einen Aufstand verursacht zu habe«; so hat man sich die Nachricht von der Verwundung NaSrullah Khan» vielleicht zu erkläre», denn eine zufällige Begegnung »wischen den Prinzen ist wohl nicht anzunehmen. Wie fich die beide« intere) fierten Großmächte zu diesen Streitigkeiten »erhalten, darüber fehlen Nachrichten, doch hat wohl jetzt niemand ei» Interesse, hier einen ernste« Konflikt heranwachsen zu lassen.
Unpolitische Seillänfe.
(Nachdruck verboten.)
Berlin, den 31. März 1904
Der 1. April kommt diese» Jahr um sein angeftawuntei Recht; am Karfreitage kann man doch nicht Possen treiben. Ernster ist die andere Folge de» frühzeitigen Ostertermine», daß der WohnungSumzugdurch die Feiertage erschwert oder richtiger ausgedrückt: daß die Festruye durch de» Umzugslrubel geschädigt wird. Die Polizei sorgt freilich dafür, daß an den Festtagen selbst die Msibelfuhrm kein Straßenärgerni» geben. Aber »o ist drinnen i» Hause beiden Zugvögel« die Behagl chkeit und Freude? Die eine Familie fitzt im Einpacke«, die andere im AuSpacken, und «»gemütlich, schrecklich ungemütlich ist eS hier »ie dort. Umziehen ist überhaupt ein Malhe»r; gerade zu Ostern umziehen müsse«, ist schon mehr eia Unglück. Wohl dem Seßhaftm f Aber immer stärker schwill dal «rtberne Bl»w»«te»hBn an.
Je größer die Stävle, desto größer der Prozent' satz der Beduinen! Das ist die abscheuliche Hinterfront der Freizügigkeü, der häufige Wechsel der Wohnungen, „das mobile Familienglück" auf der periodischen Wagenachse. „Schmücke Dein Heim", liest der großstädtische Zigeuner an den Schaufenstern; aber hat er benn ein wirkliches Heim? Der Lehrer und das Lesebuch erzählen den Kindern viel schöner vom Vaterhaus; haben denn die Sprößlinge aus den fliegenden Wiegen ein Vaterhaus? Einen zeitwellige» Unterschlupf, in dem weder die Alten noch die Jungen warm werden.
Bedauerlich, wenn jemand häufig umziehen muß; aber tadelnswert, wenn jemand ohne Not umzieht, so zu sagen „veränderungshalbrr", wie der stehende Ausdruck in den Gefindebüchern lautet. Die bisherige Wohnung hatte freilich ihre Mängel, das haben alle Wohnungen, auch die im eigenen Hause. Also die neue Wohnung hat sie auch, und es soll häufig vorkommen, daß der abwechselungslustige Hausvater seine Familie aus dem Regen in die Traufe bringt. Manchmal geben auch die Frauen den Ausschlag für daS Nomadentum; fie haben sich mit den Nachbarn verknurrt oder das alte Heim kommt ihnen auS sonst einem Grunde lästig oder lanpweilig vor. Dann liegt die Diplomatie ihrem Ehrherrn so lange mit Klagen und Verheißungen in den Ohren, bis er kündigt. Sollte der Ehemann trotz alledem hartnäckig bleiben, so ist eS für eine unternehmungslustige Frau gar nicht schwer, eine Kündigung vom Wirte zu veranlassen.
Das Schlimmste ist nun, daß die Umzugslust leicht chronisch wird. Der erste Schritt ist der schwerste; zum zweiten Male geht es schon leichter, und beim dritten Male versteht es fich von selbst; denn „natürlich" war die neue Wohnung jedesmal noch schlechter, als die alte, sobald man fie auSgeprobt hatte, und „natürlich" ist eine bessere Wohnung jeden Augenblick zu haben, wenn man fich nur ernstlich umsteht. Also immer ein neuer Versuch! Nirgends Zufriedenheit, nirgends Ruhe! Diese modernen Zugvögel erhalten ein dauerndes Heim erst auf dem Kirchhofe, wo keine Kündigung mehr gilt, und die Leichenwagen bringen nur und holen nicht.
Man soll daS schmutzige Wasser nicht aus- girßen, ehe man reineS hat. Wenn du mit der alten Wohnung nicht mehr recht zufrieden bist, so denke nicht eher an Kündigung, bis du eine bessere gesichert hast. Und wenn du eine bessere gefunden zu haben glaubst, so sieh' fie dir dreimal gründlich an und überlege die Sache neunmal, und dann — nun, dann bl-ib' wohnen, -^-nn es nicht ganz unh gar unmöglich ist? —.
Früher war itil Zusammenstoß zwischen einem hohen Feste und dem Ziehtermin nicht möglich. Da Enäpfur. die weltlichen Termine an die kirchliche Zeitrechnung ün. Jetzt legen wir unsere rechtlichen Termine an den Monats- oder QaartalSwechsel deS bürgerlichen JahreS, und zu dieser starren Mathematik paßt nun schlecht die Beweglichkeit deS Osterfestes und der von ihm abhängigen Ordnung des Kirchenjahres. Auch die Schulordnung hat mit diesen Umständen zu kämpfen, seit man von dem natürlichen Schluß deS Schuljahres mit den großen Ferien abgeganzen ist und die Schuljayrwende auf Ostern verlegt hat. Hier zu Lande habe ich eS jchon erlebt, daß man ABC-Schützen zum 1. April eingeschult hat, um fie dann nach 10 oder 14 Tagen in die Osterferien gehen zu lassen. Der verstorbene Astronom Förster in Berlin hatte vor Jahren schon eine große Agitation für Umgestaltung deS OsterterminS eingeleitet und auch an der entscheidenden Stelle in Rom dafür zu wirken gesucht. Undankbar ist ja eine solche Reform trotz der ehrwürdigen Osterregel von Nicäa nicht; ober wir werden fie nicht mehr erleben. Ich vermute, daß die Frage erst dann ernstlich auf die Tagesordnung der Christenhest kommt, wen» Rußland den verbesserten Kalender annehmen will und damst die Möglichkeit geschaffen wird, einen einheitlichen Öfter tag ftir die ganze christliche Welt zu schaffen.
Wenn unsere Nachkommen Ostern feiern werden, das soll unS weniger Kopfs chme^en machen, als die brennende Frage, rote wir und unsere Kinder es feiern. Ein rechter Christmensch muß sich darüber klar sein, daß Ostern daS Hauptfest, die Sonne am FesteShiumwl ist. Der tüchtige Familienvater muß Vorsorge treffen, daß der Ostersegen einzieht in fein HauS, daß seine Familie auch FlühlingSnahen und AuferstehungS- luft verspürt. Wie feiern wir Ostern red» heilsam? 1. in der Kirche, 2. im Hause, 3. in der erwachenden Frühling-natur?
Ich will darüber keine Laienpredigt schreiben, sondern nur et» Osterei auSbeutm. Da» Osterei, d. h. daS natürliche Ei, steht nicht «ehr in so hob« und allgemeiner Verehrung, wie früher, als bei der strengen Fastenordnung d«S
Ei wie ein lange vermißtes Gericht auf ren Festtisch kam. Trotzdem werden noch recht vid Ostereier, weiße und festlich gefärbte, mit Andacht und Behagen gegessen, und ich wünsche guten Appetft nebst Segen für Leib und Seele dazu. Ich möchte nur den guten Rat geben, sowohl bei den Ostereiern als auch bei dem Osterbraten, der nach den Abstinenztagen besonders gut schmeckt, mehr auf die Qualität, als auf die Masse zu sehen. Er ift eine prosaische Wahrheit, daß zu Ostern sich viele Leute den Magen verderben. Namentlich die Eier find eine verführerische Speise, • weil sie bei ihrer weichen Natur, die Zähne nicht zu scharfer Arbeit zwingend, gar zu leicht die Kehle herunter gehen. Das richtige Eiereffen ist wirklich eine Kunst, die gelernt sein will; man muß diese gehaltreiche Speise mit Bedacht und Langsamkeit genießen, fie recht sorgsam durchkauen, um fie gehörig emzujpeicheln, und möglichst Brot oder eine andere leichte Zutat dabei nehmen. Sonst liegen die herunrerge- schluckten Eier wie Kugeln im Magen und können nicht gut verdaut, nicht richtig ausgenutzt werden
Bei diesem Sierfeste, das uns jetzt bevor- steht, gedenke ich auch mit Hochachtung und Dankbarkeit des kleinen Tieres, das wir oft so stiefmütterlich behandeln, und daS doch sozusagen die zweite Nährmutter deS Menschengeschlechtes bildet. Die erste tierische Nährmutter der Menschen ist nämlich die Kuh, die zweite das Huhn. Was sollte aus den Menschen werden, wie sollten wir den nötigen Nachwuchs groß kriegen, wenn nicht die gute Kuh uns die Milch gäbe, das wahre Lebenselixir für die Nachkommen Adam's. Und was würde aus unserer Küche, auS unserer Bäckerei, aus dem Wohlgeschmack und der Nahrhaftitzkeit unserer Speisen, wenn nicht das kleine bescheidene Huhn in unermüdlicher Einfalt Ei ans Ei in dos Nest legte, damit die Menschen immer wieder ihre räuberischen Hände nach diesen weißen, kleinen und doch so gehaltreichen Konservenbüchsen auSfireckm können!
DaS Ei ist ein poetisches Symbol, aber eS ist auch ein sehr reelles Nahrungsmittel, ein tzrund- und Eckstein des menschlichen Wohlbefindens. Darum sollte man zu Ostern auch der Hühner gedenken, und alle die Gelegenheit dazu haben, sollten fich die Pflege der Hühnerzucht angedeihen lassen. Ein Zkönig von Frankreich hat mal jeden seiner Untertanen ein sonntägliches Huhn in den Topf verschaffen wollen. Ich möchte wünschen, daß jede Famiüe etliche Hühner in chrrm Gärtchen hatten könnten. Das wäre auch ein Bollwerk gegen den Zukunftsstaat.
* Empfindungen im N«terseeb»»t. Anläßlich de» Unterganges de» englischen UvtrrseebootrS gibt ein englischer Seemann, der an einer Probefahrt iw Unterseeboot Nr. 2 der englischen Flotte in der Stolt» Bay teilnahm, «re i. tmffade tzchsidrrnng ferner Erfahrungen dabei: „Da« Gefühl, da» man beim Untertauchen d-r Boote» hat", erzädlt er, ist sehr eigentümlich. Man fühlt deutlich den verstärkten Druck, der durch da» Urtertauchen verursacht wird. Licht gibt e» dabei in Menge; durch die Gla»lnk« im Komwalidoturm stiehlt sich eine Art grünliche» Dämmerlicht herein m einer Tiefe von zwei Faden Man tarnt, wenn man durch eine dieser Pfortenöffnungen hinaniblickt, fagen, od der Himmel bewölkt ist, oder ob die Sonne auf die Meeresoberfläche scheint. DaS erste Gefühl, dar matt tretet W aff er hat, ist eine Art Betäubung; fie wird durch da« Gefühl der völligen Hilflostqtett hervorgebracht, da» ten befällt, der fich in diesem beengten Kannte befindet Die Bewegungen deS Boote» sind nicht wahrnehmbar, selbst wenn e» mit seiner vollen U»terseegeschwtodtg» tot von sieben Knoten fährt. Da» Gefühl der Stille ist sehr stark. Ohreuklingen belästigte mich »nd ebenso em schreckliche» Gesühl von Seetrankhett. Alle, die in den Unterseebooten find, »erben bald sehr bleich Da» ist, wie ich meine, eine Folge ter schienen Gerüche, die sich dort erzeugen."
tUHawen» und Anzeigenteil.
Butterlck’s Hoden-Revue let «S»‘ ballebteste u. «ernshnwte Heden- ». fnuwjee**«, ■onei LI Heft mit Grats«-Peta: II—nebei.AbeTWssneryrertf tat IleatschLti. Oestarr -Bae. jtinrL M.7^-,vierteijatalJL L71 14-A.n«!iad 1L &-,««► ÜI- «aklbar he >b«— t.
J«d. Poeten« L, Buchhdlc.». Stibeeiol's Agc. •*. dto«M d. na« Acflen-GeMlIschaftflr Betteriek'sVerlag.Bertta VM Probeheft natts ner 4tzek:i»reh en*.- Bettertefc^Setutftl- —itinlnddl« Ma«>.nniliai«ria. - Te*fcwM«m
Firma A. Freese in Falsa.