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31. Jahrgang

Zulda, Dienstag, den 29. März 1904

*

i erstes Blatt i

Deutsches Reich.

Berlin, den 28. März 1904.

«scheint tS-Iich, mit Abnahme Ser $<mn= gnb geicrtage. viertel- ßShrl.verugrpreir eint vringerlohn und «eßellgeldinZuldaund 81»w6rt$ l Ml. 50 Pffl.

Hebung von § 1 des Jesuitengesetzes wenden, roorüber bei unS volle Einigkeit besteht und be- tehen muß, weil kein Evangelischer von der Rückkehr der Jesuiten etwas wissen will. Statt dessen entrüstet er sich über die Beseitigung von § 2, iie nicht mehr rückgängig gemacht werden tarn, und überdies gar nicht die Bedeutung hat. >ie ihm zugeschrieben wird. Zum Hetzen und Verleumden aber eignet sich die Stellung der ' Regierung und der konservativen Partei freilich fanz besonders, weil es leicht ist, sie als den ersten Schritt zu kennzeichne», auf den der zweite, ). h. die Aushebung von § 1 unabänderlich olgen müsse und werde. Für diesen Stand« runkt konnte nichts bezeichnender f« in, als die Reden, die auf der L tzten Versammlung in Berlin gehalten worden sind und nicht nur uns mit unerhörten Beschimpfungen überhäuft, sondern auch die Regierung verdächtigt und lächerlich gemacht haben. Man nehme sich nur die Mühe nachzulesen, was u. a. Superirtendent Wegener und Professor Thümmel gesagt haben. Nament- ich der l,tzere schreckt selbst vor den ehren­rührigsten Beschuldigungen nicht zurück. Tut man das als ehrlicher Mann und Christ, wenn man seine Weisheit nicht aus der ,Kreuz Zeitung^ selbst, sondern aus Organen des Evangelischen Bundes oder aus Judenblättern chöpft, die uns jedes Wort im Munde verdrehen? ks gehört zu dem traurigsten Zeichen der Zeit, daß wir zwischen dem einen nnd dem anderen nicht den mindesten Unterschied zu finden vermögen, und daß sich auch die Führer des Bundes, wo es ihren Zwecken dient, nicht scheuen mit Freisinnigen und Sozialdemokraten auf einen Boden zu treten, d. h. sich uns gegenüber der- selben Mittel zu bedienen, die jenen geläufig ind." — Daß alle Protestanten gegen die Aus­übung des 8 i des Jesuitengesetzes seien und deiner von der Rückkehr der Jesuiten etwas wiffen will, ist doch wohl nicht richtig. Wie -Lite denn da oer Zentrumsantrag auf Aus- !-ebung des ganzen Jesuitengesetzes im Reichs­tage wiederholt eine Mehrheit finden können? — Die konservative ,N-ue Wefisäl. Volksztg.' in Bielefeld schreibt im Anschluß an die Rede des Professors Thümmel in der Berliner Bersamm- ung des Evangelischen Bundes am Mittwoch voriger Woche: „Wir fragen: Uebernimmt der Evangelische Bund die Verantwortung sür diese ungerechten, beleidigenden, fanatischen Ausfälle gegen zahlreiche treue evangelische Männer, oder wird er einem solchen Treiben, das zu einer SelbstzerfleischungI'.der deutschen evangelischen Christenheit und zu einem großar­tigen Triumph der Jesuiten führen muß durch ein klares Zeugnis steuern und zwar sehr bald, ehe eS zu spät ist?"

% Die Polizeiverwaltung i» Schroda hat unter dem 17. d. Mts. kund und zu wiffen getan: „Die Polizeibeamten find angewiesen, zu kontrollieren, daß die Polizeistunden genau inne« gehalten werden und Zuwiderhandlungen zur Anzeige zu bringen. Ferner wird darauf auf­merksam gemacht, daß die Verlängerung der Polizeistunde über 10 Uhr hinaus nur sür die

"Maria Angela.

Bon Komtesse de Beaurepaire-Louvagny.

Genehmigte Uebttsetzung au8 dem Französischen.

1 ------ (Nachdruck verboten.)

verantwortlich" rchriftldter:Zos.va«R,

woch«Mllage:„IllustrierteSoimtagrzettung

Anzeigen: Vie du» spaltige Petitzeile »bet Seren Hatten 15 Pffl Heflamen die Petttzeile 25 pfg.; bei wieder- Holungen wird entspr.

Aabatt gewährt.

Druck und Verlag bei Zuldaer Actiendruckere in Zulda (Harmonie)

Zernsprecher Rr. 9.

ogen. befferen Gäste Giltigkeit hat; Personen aus der niederen VolkSklaffe dürfen nur bis 10 1 hr in den Lokalen geduldet werden." Die V Zolizeioerwaltung in Schroda scheint es mir der lekannten feinen Unterscheidung zu halten; wenn einer aus der „befferen" Gesellschaft sich betrinkt, o „ist der Herr vergnügt"; wenn einer aus den „niederen Volksschichten" es lut, so „ist das Schwein besoffen".

* Die überseeische Arrswauderirxg 1903. Nach dem in nächster Zeit erscheinenden Vierteljahrsheft zur Statistik deS Deutschen Reichs 904 I sind im Jahre 1903 36 310 Deutsche über See ausgewandert; das sind 6,2 Aus­wanderer auf 10000 der Gesamtbevölkerung. An sich erscheint diese Ziffer gering, doch ist sie m Vergleich nicht nur zum Vorjahr, wo 32098 f luswanderer (5,6 auf 10000 Einwohner) er­mittelt wurden, sondern auch zu den weiteren Vorjahren bis 1896 zurück wesentlich höher. Von den 36310 deutschen Auswanderern haben 27614 ihren Weg über deutsche Häfen genommen. Zu diefrn 27 614 kommen (fast das Zehnfache) 268227 Fremde, sodaß die Gesamtzahl der über deutsche Häfen beförderten Auswanderer im Jahre 1903 292841 betrug. Gegen 1902 hat sowohl die deutsche wie fremde, über deutsche Häfen erfolgte Auswanderung zugenommen, nämlich um 4084 bezw. 46795, also insgesamt um 50879. Von den 295841 Auswanderern des Jahres 1903 gingen 175320 über Bremen, 120521 über . Hamburg. Das Hauptziel der Auswanderung waren die Vereinigten Staaten von Amerika. Die Rückwanderung konnte reichsstatistisch nicht erfaßt werden; nach dem Bericht des Reichstem- miffars für dos Auswanderungswesen in Hamburg 1902 werden dort Rückwanderer 17315 ange­geben.

• Der russisch-japanische Krieg.

Wie aus dem wiederholten Angriff der Japaner auf Port Arthur in der Nacht zum Sonntag zu ersehen ist, halten die Japaner die Raffen fortwährend in Atem und scheuen keine kosten, um die Besatzung der Festung mürbe zu machen. Bis jetzt ist ihnen dies jedoch nicht ge­lungen. Auch der Angriff in der Sonntags- nacht erfolgte durch Brander, die von Torpedo- booten unterstützt wurden, verlief jedoch, wre wenigstens aus den amtlichen russtschen Berichten hervorgeht, ergebnislos. Die Ruffen fingen die Branderflotille ab, noch ehe der Zweck des An- griffs, die schmale Hafeneinsahrt zu sperren, er- reicht war. Heiß genug muß eS daber her- gegangen sein, auch ist einem russischen Torpedo­boot dabei Übel mitgespirlt worden. Dem Kampf in der Nacht zum Sonntag war eine Auf­klärungsfahrt des russtschm Geschwaders am Samstag voraufgegangen. Vizeadmiral Makarow hatte an den Kaiser folgendes Telegramm au« Port Arthur gesandt: „Ich habe dre Ehre, Euerer Majestät zu melden, daß ich am SamStag mit den Panzerschiffen, Kreuzern und Torpedo- booten ausgelaufen bin, um eine RekognoSzrerung einiger benachbarter Inseln vorzunehmen."

antreten wrrd.

In Brom berg hat sich nunmehr ein Komitee gebildet zur Vorbereitung der Gründung eines Deutschen Natioualschatzes für die Ostmark behufs Förderung des Deutschtums,

* In den Vorbereitungen für unsere Ver­handlungen mit Staaten, mit denen Handels- vertrüge abgeschloffen werden sollen, ist inso­fern eine Aenderung eingetreten, als zunächst entsprechende Beratungen mit Belgien und nicht mit Oesterreich-Ungarn in die Wege ge­leitet werden. Die österreichisch ungarische Re­gierung ist noch nicht ganz fertig mit den Vorbereitungen, welche zum Eintritt in die Kon­ferenzen nötig sind, so daß der persönliche Meinungsaustausch der beiderseitigen Delegierten erst nach Beendigung der Verhandlungen mit Belgien wird beginnen können. Daß unserseits nickt mit mehreren Ländern zugleich über Han­delsverträge verhandelt werden kann, findet seinen Grund darin, weil meist dieselben Delegierten sür die Beratungen mit den Vertretern der ein­zelnen Staaten gewählt werden müffen. Nach Beendigung der HandelSvertragSoeryandlungen mit den genannten Regierungen kommt wahr­scheinlich dir Schweiz oder Rußland an die Reihe. Der Grund, weswegen man die bereits früher begonnenen und dann abgebrochenen Be­ratungen mit den schweizerischen Abgeordneten nicht jetzt aufnimmt, ist auf den Umstand zurück- zufübren, daß diese gegenwärtig in Rom an dem Abschluß eines Vertrages mit Italien arbeiten. Die U fachen, weswegen die Konferenzen milder russischen Regierung nicht wieder ausgenommen find, find von un8 bereits erwähnt worden. Pessimistische Anschauungen über den Stand der­selben sind jedenfalls nicht am Platze. Im wesentlichen ist, wie die »Deutsche Warte' von angeblich gut informierter Seite erfährt, eine Einigung über die Höhe der Getreide­zölle tatsächlich erzielt worden und man kann auch annehmen, daß man sich über die Einfuhr russische» Viehs und über russischerfetts zu treffende Maßnahmen gegen Einschleppung von verseuchten Tieren über unsere Grenze gleichfalls verständigen wird. Schließlich würde dann noch eine Zusammenkunft mit D.legierten der ru-

* Wie die,Nordd. Allgem. Ztg/ schreibt, ist dafür Sorge getragen worden, daß unter den jetzt nach Dentsch-Südwestasrika mit den Ver­stärkungs-Transporten ausreisenden Aerzten sich eine größere Anzahl Chirurgen befindet. Geheimrat Prof. Dr. v. Bergmann hat die teraussendung eines seiner besten Asfistenten, des tabsarztks Dr. Frank von der Kaiser-Wilhelm- Akademie, veranlaßt, der mit dem Transport am 7. April die Ausreise in das Schutzgebiet

kleine Pfarrhaus, das gar lieblich aus dichtbelaubten Bäumen und herrlichen Blumen hervor ngte. Die Einweihung der Kirche sowie die Emsührung des Seelsorgers sollte überaus feierlich vor sich gehen.

Der hochwürdige Herr Erzbischof h^tte die Ein­ladung Herrn Mareskats fienndlichst angenommen und versprochen, bei diesem Feste den Vorsitz zu übernehmen.

Man erwartete ihn am kommenden Samstag- Nachmiltag in Begleitung des Paters Alber'.

So h e6 nämlch dec Missionär, welcher das Amt eines geistlichen Vater: dieser neuen Gemeinde über­nehmen wollte. r

Joseph hatte mit peinlicher Sorgfalt alle nötigen Anstallen getroffen, um der bevorstehenden Zeremonie einen hohen Glanz zu verleihen, damit dieselbe auf da» noch ziemlich ungebildete aber lebhaste und interessante Völkchen seiner Untergebenen einen bleiben­den Eindruck machte.

War es doch fein größter Wunsch, sich mit über­zeugten und frommen Christen zu-umgeben!

Den Frauen urb jungen Mädchen hatte er zur Feier de» Tages neue Kleider und Tücher in den beliebten grellen Mustern geschenkt, welche die Kupfer- färbe ihrer Haut noch wirksamer hervorhoben

Die männlichen Arbeiter erhielten alle einen gleich­mäßig weißen Anzug; die jüngeren daz» eine blaue, die älteren eine rote Halsbinde.

Kostbare Fahnen und kreuze sowie schön bemalte Heiligenfiguren waren in Buenos Aires eingekavft worben.

Frühzeitig vor der Ankunft bi 8 Erzbischof» stellte die Prozfffion sich auf. Zuerst kamen die blumen- bckränztrn Kinder, in den kleinen Händen Riesen­sträuße haltend, dann die Jungfrauen, von denen je vi«r abwechselnd die Statue der Muttergottes trugen. Die Frauen umringten da» Banner der Ur bi ft ck-en Empfängnis, während die Männer dem Kreuze und der Herz Jesu-Fohue folgten.

Ter Zug bot einen erhebenden und malerischen Anblick, al» er sich nun über die zu beiden Seiten

mit schm tigen Bäumen bepflanzte und in vielen Wind­ungen sich hinziehende Landstraße langsam fortbe­wegte. .

Joseph selbst hatte die Führang übernommen und hielt Ordnung unter der Heinen ungeschulten Truppe, bi« endlich der ersehnte Wagen in Sicht kam und alles, groß und klein, in stürmische Hochrufe ausbrach.

Dann hielt da» Gefährt.

Der Ober Hirte dankte mit freundlichen Worten für den begeisterten Empfang; darauf stellte « den Pater Albert vor und erteilte der Menge den bttchöf- lichen Segen.

Nach dem Beispiele Joseph» kniete«i alle med«.

Und nun toenbde sich der Zug zur Rückkehr, v« Wagen be» Erzbischofs bildete den Schluß, und bald war man in der Farm wieder angelangt.

Am selben Abend war für alle ohne Ausnahme ein fröhliche» Mahl bereitet. Früh am nächst«. Morgen, gegen 6 Uhr, hotte die Prozession den hoch- würdigsten Herrn zur Kirche ab. Dee Zeremouieber Einweihung nahm den größten Teil des BvrnnttogS in Anspruch Zahlreiche Festteilnehmer waren au8 ben umliegenden Besitzungen herbeigeeilt. ,

Die Herrschaft-» und ihre Familien sonne dte versckiedenen Verwalter mit ihren Frauen und Kindern genossen die Gastfreundschaft Herrn Mareskats, während ein eigens erbaute», weites Zelt die Arbeiter und Bediensteten aufnahm. , _ . .

Nach der durch das heiße Klima diese» Lande», bedingten Mittagsruhe vereinigte die Schlußandacht noch einmal sämtliche Anwesende. ®’e Predigt, welche Pater Albert hielt, gewann diesem die Herzen aller u.'d schon jetzt stand seiner priesterlichen Tätigkert ein sicheri r Erfolg in Aussicht. .

Tiefes seltene und schöne Fest hinterlteß ein un­auslöschliches Andenken. Für Joseph sollte es der Anfang eines neuen Lebensabschnittes werden.

Seine Geschäfte riesen ihn am nächsten Tage nach Buenos Aires. „ .

Dort wurde er von einem seiner Handelssreunve,

1.

Der August nahte sich seinem Ende; heiß b annte bie NachmittagSsonne hernieder und deshalb beeilten sich die wenigen Spaziergänger auf den breiten Boule­vard», in bie kühleren, schattigen Nebenstraßen einzu- biegei.

Einige derselben traten in das nahegelegene AuktiouSloÄrl, um nachzusehen, ob nicht ngend ein kostbavsr Gegenstand für geringen Preis zu erwerben wäre.

Zwkr sind diese guten Gelegenheiten im Sommer selten, bfitn wirkliche Wertsachen werden meist nur bann emsgeboten, wenn „ganz Paris' zu Haufe ist.

Heute gab es indessen eine Ausnahme, ein seines, Mdiegmes Mobiliar sollte versteigert werden.

Und deshalb bemerkten die Neugierigen gleich Seim Eintritt in den glasüberdeckten Hof eine ganze Reihe ' weißlaKerter Bettladen von verschiedener Größe, aber ebenmäßig ausgestattet. Die schneeigen Seidengaroinen, sowie dte gleichfalls weißen Atlesdecken schienen so : fremd an diesem Orte, in diesem Durcheinander, baß der -Beschauer unwillkürlich daran denken wußte: „Auf Dwckche Weise sind wohl diele Mübel hierhergeraten?' ♦ Ihn dies zu erfahren, müssen mir dreiß g Jahre in unsrer Erzählung zuvückgreifen.

Um diese Zeit, welche schon weit hinter un» liegt, ; faßte Joseph MareSkat, ein alleinstehender junger * Wau», dem alle näheren Angehörigen gestorben waren, • 4>en Entschluß, in» Ausland.;» gehen. Er war 19 Jahr- ^tt, begabt und ehrgeizig. Mit seinen bescheiöemn MÄleln — er besaß ein Vermögen von Zwanzig- . -tofetb Franken — .gedachte er zu arbeiten und sich

MaerW Zeitung

“ monaisbeiiag«: „Fuldaer Gcschichttblätter".

mänifchen Regierung behufs Erzielung etnes ’ Hanbelsübereinkommens nötig fein.

* Angesichts der Wahlniederlage der Sozialdemokraten in Zschopau-Marie»- berg kann auch der.Vorwärts' nicht gut wehr umhin, nach den Gründen für den Rückgang der sozialdemokratischen Stimmen zu forschen. In einer Zusck rist aus dem Wahlkreise wird baS Unglück hauptsächlich auf den Wohnungswechsel vieler Arbeiter zurückzesührt, die von der Wahl- urne zurückgewiesen worden feien, weil sie seit der Aufstellung der Wählerlisten im Apn vorigen Jahre« in einen anderen Wahlbezirk verzogen waren. Sodann wird auf die mangel­hafte Organisation der Sozialdemokratie und auf den Hochdruck und die Rücksicht!lostgkeit der antisemitischen Agitation hlngewiesen. Auf diese beiden Punkte legt auch der.Vorwärts' Gewicht, wiewohl doch die Sozialdemokratie eS inbezug auf Organisation und Wahlagitation mit jeder Partei aufnimmt. Schließlich bekennt denn auch das sozialdemokratische Hauptorgan, daß „noch andere Momente mitgespielt haben müffen" und bemerkt: „Es läßt sich nicht leugnen, daß in der letzten Zeit unsere Partei allzusehr mit Personen­ragen überlastet worden ist, die gewiffe Ver­stimmungen hervorgerufen haben und der Be- zeisterung für die Sache nicht gerade förderlich zewesen sind." Warum so diplomatisch und un» bestimmt? Der .Vorwärts' liebt doch sonst eine deutliche Sprache. Er hatte nur offen heraus­sagen sollen: Genoffe Bebel hat uns die Suppe eingerührt, indem er auf dem Dresdener Partei­tage und nachher seine eigene Person und An­schauung so diktatorisch in den Vordergrund drängte, Skandal über Skandal provozierte und schließlich auch noch seine Rache an dem „be- siegten" Genoffen Göhre kühlen wollten, indem er ihn zwang, von der Kandidatur in Zschopau- Marienberg zurückmtreten. Der.Vorwärts', 6er so mutig gegen Minister. Könige und Kaiser aus­tritt, sollte auch einmal den Mut zeigen, dem Genossen Bebel offen und deutlich seine Meinung zu sagen. Aber vor dem Parteigewaltigen drückt er sich scheu.

** Gegen den Evangelische» Bund und feine Hetzerei schreibt die .Kreuz-Zeitung' in ihrer Wochenrundschau: „Noch bedenklicher als die parteipolitischen Bestrebungen droht sich die konfessionelle Verhetzung zu gestalten, wie sie vom Evangelischen Bunde und seinen Mitläufern auSgeht. Rom, das dabei an­scheinend gemeint ist, w rd sie nichts schaden, weil sie die Kräfte der Eoangelischen nicht sammelt, sondern zersplittert. Umsomehr aber schadet sie unserer eigenen Kirche, deren Grund­lagen sie zu Gunsten eines halb- und un­gläubigen Liberalismus unterwühlt, um ihren Hintermännern die äußere Herrschaft über dieselbe zu sichern. Und hat sich darüber schon längst kein halbweg« Kundiger täuschen können, so zeigt die gegenwärtige Agitationsmethode des Bundes vollends, wohin die Reise geht. Wenn eS ihnen wirklich darum zu tun wäre, alle Evangelischen zum Kampfe gegen römische lieber- griffe zu sammeln, würde er sich gegen die Auf- bäTGlück dienstlich zu machen, freilich nur auf recht- schaffene Weise.

Da er vermeinte, baß die neue Welt einen er­giebigeren Boden für leine Unternehmungen biete, als daS Vaterland, io war er nach la Plata aus ge­wandert. Hier gab e» noch weite unbebaute Land­striche leicht und billig zu enterben. Um dort binnen kurzem ein geachteter und vermögender Landwirt und Viehzüchter zu werden bedurfte eS ehrt kräftigen Gesundhet, einer tüchtigen Dosis Mut, gepaart mit der nötigen Intelligenz und «ul dauer. .

Joseph besaß dieses alles, und bat um konnte bei Erfolg nicht auSbleiben. Noch ehe er fein 25. Jahr errtiOjt hatte, erwarb er in der Provinz San-Louis ein Gut, das sich mehrere Meilen in ter Runde aus­dehnte und welche» unzählige Viehherden ernährte.

Ein prächtiges, Wohle «gerichtetes Wohnhaus in« mitt.« der Farm erwartete die Königin dieses idyllischen Besitzes. Herr MareSkat hatte noch keine Gaittn gewählt, aber er hoffte, daß die Vorsehung ihm bald eine würdige Gefährtin zuführen werde. Er sehnte sich nach einem traulichen Heim, belebt durch das Walten des geliebten WeibeS, durch die Zärtlichkeit froher Kinder. In dieser Erwartung hatte er alle Vorbereitungen getrrffen.

RingS um die hübsche Villa gruppierten sich die Behausungen der Arbeiter, deren es eine ganze Anzahl zur Bewirlunz des Gutes benötigte.

Der spitze Turm einer kleinen Kirche überragte die Dächer der Ansiedlung und gab Zeugnis von dem Glauben ihrer Bewohner.

Treu den christlichen Gewohnheiten seiner Jugend, war der gkückiiche Eigentümer diese» lieblichen Erden- winkel» darauf bedacht, sich selbst sowohl als seinen Untergebenen den Trost und die Unterwei'ungen der Religion zu sichern. Und darum war e» ihm auch ein Herzensbedürfnis gewesen, einen Missionär für fein Dönche», ein so reiches Arbeitsfeld für einen eifrigen Priester, zu gewinnen.

Eben legte man die letzte Hand an das schmucke