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Druck und Verlag d« Zuldaer Actiendruckerei in Zulda (Harmonie). Fernsprecher Nr. 9.
zulda, Donnerstag, den 24. März 1904.
31. Jahrgang.
sich bekennt und noch nicht alleS Verständnis für die demokratischen Ideale verloren hat, wird diese Forderungen unre»stützen.
Wir erinnern die heutige Demokratie an die Demokratie von 1848, wo gerade in diesem Sinne die deutsche Nationalversammlung in ihren Grundrechten den Satz ausstellie: „Unterricht zu erteilen und Unterrichtsanstalten zu gründen, steht jedem unbescholtenen Deutschen ft ei." Man hat diese Forderung erweitert und mit Recht die Lehrbefähigung g> fordert, aber an dem Prinzip ist damit nichts geändert.
Die Demokratie von heute hat sich so sehr in „demokratischer" Richtung gemausert, daß sie dem graffesten Despotismus zujauchzt. Den Lärm möchten wir hören, wenn ein ganz katholischer Staat nach den Anschauungen der französisch m Kuliurpauker und deutschen Judendemo, traten Schulpolitik treiben wollte?
Wir erlauben uns die Frage: mit welchem Rechte raiso,.vieren diejenigen über den DeSpo- tismus der Regierung, welche an besten Stelle den Despotismus des Trottoirs, den Despotis- muS der politischen Klubs setzen wollen? Als ob es für das Volk einen wesentlich n Unterschied bedeutet: ob es mit der goldenen Guillotine des Staatsabsolutismus oder der eisernen Guillotine des jüdischen Demokraten-Dtktatoreniums geköpft wird?
Glauben denn diese Herren schon die Zeit gekommen, von welcher einst 1847 Touffenel das prophetische Wort gesprochen: Les Juifs rois de 1’ öpoqae (die Juden die Könige der Zeil). Je nun, dann dürfte es sehr interestant sein, einmal ein Buch zu schreiben nicht bloß wie einst Richard Wagner über das „Jud-ntum in der Music" oder ein Moderner über „das Judentum in der Literatur", sondern auch über „das Judentum in der Kirchenpolitik". Der französische Dreysus- Rummel dürfte genug Material bieten, wie dieses Demagogen«»!» mit wütendem Schimpfen über Klerikalismus die öffentliche Aufmerksamkeit von seinen eigenen dunklen Ehrenmännern und ihrem Treiben abzulenken sucht. Ob das Schluß resultat einer solchen modernen Untersuchung nicht auch das Wort Dingelstedts wäre: „Wohin ihr faßt, ihr werdet Juden fasten — Allüberall das L-eblingsoolk des Herrn. — Geht, sperrt sie wieder in die alten Gaffen, — Eh' sie euch in die Christenvtertel sperr»!"?
Wer sich „Demokrat" nennt und diesem französischen Kulturkämpsertum zujubelt, der zeigt, daß er von allen demokratischen Ideen ab- gefallen ist.
Geradezu komisch aber wirkt es, wenn diese Leute, welche die leidenschaftlichste Kulturkamrf- sprache führen, Krokodilstränen weinen und Stein und Bein klagen über die Zunahme des Antisemitismus. Ja glauben denn diese „Demo traten" dafür, daß sie das Volk in 'einen heiligsten Rechten knechten, noch Anspruch auf eine ^trabelohnung zu haben?
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[) Demokratie einst und jetzt.
Der französische Kulturkampf mit seinen allen demokratischen Anschauungen in unerhörter Weste hohnsprechenden Eingriffen in die Gewissen der Katholiken findet jauchzenden B efall bei der deutschen Judendemokratie. Die .Frankfurter Zeitung' läßt keine Gelegenheit vorbeigehen, ohne ihrer kulturkämpferischen Gesinnung Ausdruck zu geben. Dabei kommt es ihr auf ein bischen mehr oder weniger Ver- drehung und Entstellung gar nicht an. So beliebt sie (Nr. 75 Abendblatt vom 15. März 1904) zu schreiben:
„Ist die Schule eine staatliche oder eine kirchliche Etmichtung? Da« ist die Frage. Ist die Schule eine staatliche Einrichtung. rann hat auch der Staat daS Recht, die Bedingungen cmfmstellen, unter denen gelehrt werden kann. Tie R-pubOk stellt Bedingung,n auf, die für jeden Bürger Dieselben find. Da» ist also da» gemeine R-cht auch auf dem Gebiete des Unterricht». Die Kirche will aber ein Lehrprivileg für ihre Orden, und dar kann die Republik ihr nicht gewähren, ohne ihr Lebensprinzip, die Gleichbtit vor dem Gesetze, zu verletzen. Will die Kirche und wollrn die Orden», leute dem Gesetze sich ntcht fügen, so ist da» lediglich ihre Sache."
So — lediglich um die Bedingungen des Unterrichts handelt es sich? Aber warum verweigert man den Ordensleuten die Unterrichtserlaubnis, obwohl sie die „Bedingungen" aner- kennen wollen?
„Bedingungen", von deren Erfüllung der Staat die Erteilung deS Unterrichts abhängig machen kann, sind doch nur die, daß er ein Bildungs- Minimum fordert, welches die Schule zu er reichen hat und ein Bildungsminimum, welches die Lehrpersonen besitzen wüsten, um das Lehr- diplom zu erhalten. Auch über die hygienischen u. s. w. Einrichtungen kann der Staat „Bedingungen" aufstellen.
Wmn er aber die Schule benutzen will, um den Kindern eine ganz bestimmte Weltanschau ung einzutrichtern — hier also eine antichrill- lidte, — so handtlt es sich nicht mehr um bloße „Bedingungen", sondern um einen Eingriff in die Gewissensfreiheit der Eltern.
Denn wem gehören die Kinder? Dem Staat oder den Eltern? Die Antwort ist doch klar: Den Eltern.
Zwingt der Staat die Eltern, ihre Kmoer in Schulen zu schicken, so hat er die Verpflichtung, den Eltern Garantien zu nisten, daß ihre Kinder nicht in einer Geistesrichtung unterrichtet werden, welche die Eltern niemals billigen können. Will aber der Staat in seinen Schulen eine bestimmte Weltanschauung lehren, so werden die Eltern mit Recht verlangen, daß ihnen die Möglichkeit gegeben werde, ihren Kindern in andern als den Staaisschulen das vom Staate geforderte Bildungsminimum beibringen zu lasten: ob Privat- ober Ordensschulen ist nebensöch'icher A't. Jeder, der zur Demokratie
Iwei Krö innen.
Von Klara Rheinau.
----- (Nachdruck verboten.)
(Schluß.)
.Ich glaube, e» wird mir gut tun, ein wenig fische Luft zu schöpft»," bemerkte H.r- Henderson und war gleich daraus im Garten zu sehen, in verdächtig senrimentaler Weise eint roße» blaue» Taschentuch benutzend. Tenn der Amerikaner hatte ein g" fühlvollek Herz, uni) rin bischen Romantik rüttelte ihn bi» in» Innerste auf, wie er selbst zu sagte ^efl8U» Elly — den Namen behielt sie nun einmal — sich hinreichend erholt hatte, um die beglückende Wahrheit zu fasten, daß Reginald .hr nie die Treue gebrochen, und daß all ihrem Unglück üu e n Mißverständnis zu Grunde gelegen batte, waren auch die Umriffe zur Geschichte hrer Mut. er voll ständig ausgesüllt.
Mit ihrem eigenen Briefe und der Vollmacht aller Parteien bewaffnet, begab sich H-rc Pauly z,> Fräulein Bost ng, um ein nachdrückliches Verhör mi, ihr onzustellen. Nach vielen verschmitzten Um- und Auswegen, die ihre boshafre Selbstsucht entschuldigen sollten, süglte sie sich endlich bewogen, einen genaue, Bericht üver Elly Gram'» Heirat zu geben.
Herr Förster hatte die Baffmg gekannt, ehe sie Frau Gram'» Gesellschafterin wurde. Durch ihr- Bemühungen wurde er als einer von Zlly Gram'« Lehrern nach Westfeld berufen. „Es unterliegt keinem Zweifel," bewertte H-rr Pauly, „daß Re selbst Ab fichten auf ihn hatte und e» Fräulein Gram nie ver gben konnte, daß diese ihre Heiratspläne durch kreuzte."
über unglücklicher Weise fühlten sich Lehrer und Schäle,in zu einander htngezvgm. Frau Gram, törich in ihrem Stolz, den selbst de» Sohnes Verhalle, nicht hatte erschüttern können, bemerkie nicht» vo> allem, roa» vorging. Die Liebenden wußten sehr wohl,
oaß st- der ürtutiei Ei. will-gung tu ih er Vetmndung niemals erhalten würden; so beschlissea fie denn n einer unseligen Stunde, sich hemlich mit einander zu verbinden. Die Tochter gestand leider zuerst der Ge- lellschasterin, was fie getan, dann eist zog fie ihre Mutter inS Vertrauen. Innerhalb einer Woche würd' fie unter dem Borgeben, ein ausländisches Institut besuchen zu sollen, für imm-r von Westfeld verbannt.
Frau Gram wußte in ihrer stolzen Selbstbeherrschung oll'» so zu machen, daß nicht das Geringste in die O ffrittiichkeit drang Spätere peinliche Fragen, die ja unausbleiblich gewesen wären, vereitelte Elly Zörster's früher Tod. Die unversöhnliche Mutter nahm nur insoweit von der Bitte ihrer sterbenden Tochter Notiz, als fie sich erbot, das Kind, ihr NamenSgesährtin, in einer entfernten Gegend erziehen zu taffen,. unter der Bedingung, daß Herr Förster lllen Ansprüchen auf seine Tochter für immer entsage und keinerlei Beziehung zu derselben unterhalte Diese Zustimmung wies er entrüstet zurück, und Canti’ war i Cer wettere Verkehr zwischen ihm und Frau Sfaam für immer abg-hrochen
„Von jener Z-it an, Sie dürfen fich darauf ver laffen," schloß Herr P mly, „hegte Fräulein Basti g ie feste Hoffnung, sich den Löwenanteil von Frau Grams Bermö en zu sichern. Aber jene Hoffnung „urbe zerstört durch das Testam'nt, daS die D me endlich einer natürlichen Regung folgend, auf dem Sterbebett machte." *9 R*
„Aver wie können wir sicher fein," fragte Dr Wiston daß es Fräulein Förster ist, die sie zu ihre, Erbin bestimmte?"
„Aus dem einfach'N Grunde, weil sie gar nicht wußte, daß noch eine andere Enkelin ihren Namen trug," antwortete der Anwalt. „Meiner Namens qesährtin Toralice ichr eb fie, nnd so la en Sie. ®. war die Stimme ihrer Gesellschafter,«, welche „Gram" b ifügte, wie sie mir eben selbst sagte. Und allem nach zu urteilen, ist eint mir, daß Fräulein Baffing bamr eine zweifache Rache ausübte: an der tot n Tochter and der sterbenden Mutter, die ihr Streben nach liiebe und Vermögen durchkreuzt hatten."
Doktor Wilson erinnerte fich sehr wohl de».letzten
)( Der Dolfsveretn auf dem Lande.
Der Volksverein für das katholische Deutschland erfährt auch auf dem Lande immer mehr Anerkennung und Verbreitung. Und das mit Recht! D-nn der Voiksoerein ist nicht nur für die Jndustriebezirke und großen Städte nützlich und notwendig, sondern ebenso sehr für das Land und die kleineren und mittleren Städte. Nach seinen Statuten hat der Volks- verein bekanntlich die Aufgabe, einmal „die Irrtümer und Umsturzbestrebunge» auf sozialem Gebiete" zu bekämpfen, dann aber auch positiv „die christliche Ordnung in der Gesellschaft zu verteidigen. Es braucht hier wohl nicht näher ausgeführt zu werden, daß heute auch die Kleinstadt und das Land gar nicht mehr frei sind von Umsturzbestrebungen auf sozialem Gebiete. Dies kommt daher, daß bei dem starken Hin- und Herfluten unserer Bevölkerung, Teile auch der entlegensten ländliche» Bolksklafsen in das Industriegebiet und die Großstadt durch ihr Arbeitsoerhältnis, ihre Militärpflicht u. dergl. gezogen werde«, daß an bereits sozialistische Lehren in AgitationS- kalendern, Flugblätter«, massenhaft gratis verteilten Zei'ungsexemplaren mit jedem Jahr mehr unter die ländliche Bevölkerung gebracht werden All die Erscheinungen zwingen uns, auf dem Lande der Sozialdemokratie aufklärend vorzuarbeiten, fast genau in der ausgedehnten, ober auch bewährten Weise, wie eS im Industriegebiet seitens des Volksoereins seit Jahren geschieht.
Der Voiksoerein will aber auch positiv wirken durch die Verteidigung der christ liche« Ordnung in der Gesellschaft. Diese Verteidigung schließt eine positive iozralreformerische und apologetische Wirksamkeit auf dem Lande und in kleinen und mittleren Orten in sich, wie sie umfaffenber nicht gedacht werden kann. Es ist nur zu bekannt, wie bedrängt in wirtschaftlicher Beziehung der Haine und mittlere Bauernstand, das alte ehrsame Handwerk und der kleine Gewerbetreibende, diese vornehmlich auf dem Lande und in kleinen Städten ansässigen Elemente, find. Gerade diesen Volksklaffen will der Voiksoerein auch zu Hilfe eilen, um die wirtschaftliche Selbsthilfe, die allgemeine Kultur und Bildung unter ihnen zu fördern. Auf dem Gebiete der Sozialreform zugunsten des ländlichen und gewerblichen Mittelstandes gibt eS noch große und schwierige Aufgaben zu lösen. Ist in den Industrie gegenden der Volksverein als Verein zur Förderung der Sozialreform mit seinem weiischich- ngen Programm und seiner unaufhörlichen verteidigenden und aufbauenden Arbeit notwendig, so tut er erst recht auf dem Lande not, wo es an Organisationen wie Genossen ichafte«, Handwerkervereinigungen, Fortbildungsschulen u. dgl., die die dem Volksverem eigentümliche« Aufoaben löfe« könnten, vielfach noch fehlt.
klaren Blickes, he« die Sterbende auf ihre Gesellschafterin geheftet unb ihrer s-ltsam zorniaen Angst und ©rreging, - ie ihm damals unverständlich gewesen, die ei aber jetzt vollkommen begreifen konnte.
„Und bitte, woher wußte die lieben» würdige Dame, wo Fräulein Förster zu finden sei?" fragte Herr Henderson gespan t.
„Das kam so," versetzte Herr Pauly: „Fräulein Baffing hat eine Schwester, die in tinem großen Geschäft in Brüflel einr Stelle bekleidet. Diese Dame ist bekannt mit einer Frau Werls, deren Mutter Pförtnerin des Haufe« war, in dem Herr Förster jah elang wohnte. Durch diese Beziehungen war eS Fräulein Baffing möglich, Fräulein Förster im Auge zu behalten."
„A.so," sagte ein tät iger Herr, der mit einem sehr gebräunte , ober saft knabenhaft aussehenden 3ü ging bei dieser Erkär>mg im Speisezimmer von Westfeld anwe-end wat, „also muß ich annehmen, daß die Existenz m-iner Tochter Doralice ihrer (Stoßmutier ganz unbekannt war?"
„Dies, Herr Gram wird F'äulein Baffing auf Jbren Wunsch m t dem Eide Mcäjtigeu,“ war bte Erwiderung des Anwalts
Aber Niemand trug Verlange«: nach diesem Ed 2Le wünschten dringend deren schleunige Entfernung von Westfeld und wa en einstimmig der Ansicht, daß die Schme-zen und B runftattungen, die ihr Unfall nach sich gezogen hatte, eine hinreichende Strafe für tgre boshaften Machenschaften feien.
Wäre Dorallce oder einer ihrer Verwandten streitsüchtig gestimmt gewesen, so bä.te fich Elly» Be ntztgreimng von Westeld nichr so glttt vollziehen könneir. Herr Gram aber klärte fich sofort bereit, >lle Ansprüche an die Tochter feine S nwester abzu treten und diese wollte fich nicht zufrieden geben, ehe -rum ihr erlaube, mit chrer Kusine zu teilen. So ■nufere venn Herr Pauly amtlich und freundschaf'l cb nch nochmol» der Same ann bmen. Westfeld blieb Elly Förster unb der n Erden gesichert, während die Hä.sie de» übrigen Einkommen» für die nächsten
Die praktisch-soziale Arbeit, die der Voiksoerein auf dem Lande und in den kleinen Landorten erstrebt, unb die allen dort ansäisige» Bevölkerungsklaffen zugute kommen soll, bewegt sich in dreifacher Rchlung; sie soll einmal die Erwerbstätigkeit dieser Bevölkerung fördern, sodann ihre Lebenshaltung zu regeln und ihren Lebensgenuß zu steigern und endlich den inneren Menschen in ihr zu veredeln und zu entfalten suchen. Unter den ersteren Punkt fällt die Förderuna des ländlichen und gewerb- lichin Genoffenschafts- und Vereinswesens, bte Abhaltung belehrender Vorträge allgemeiner und fachlicher Natur, die Errichtung von Fortbildungsschulen, Gemeindebibtioiheken, die Bekämpfung des Wuchers, des Borgunwesens rc. Die vom Volksverein angestrebte Fürsorge für die Regelung der Lebenshaltung und Steigerung des Lebensgenusses auch auf dem Lande äußert sich zunächst in einer praküichen WohuungS- refotm; ferner sind hier zu nennen die Haus- wirtschaftliche Ausbildung der Frauen unb Mädchen, die Krankenpflege auf dem Lande durch besonders auSgebtlbete ländliche Krankenpflegerinnen und dergleichen. Ueberzeugt von oent engen Zusammenhang zwischen Fachbildung sowie wirtschaftlicher Tüchtigkeit und allgemeiner geistiger Bildung sucht der Voiksoerein auch diese in jeder Weise zu heben. Hierzu dienen ihm mcht nur der stete Hinweis auf den Nutzen der guten Presse, fondern vor allem auch fein um- fäffendes eigenes Schriftenmaterial, seine Versammlungen, bte in ihnen gehaltenen Vorträge.
In feinen Heften, Flugblättern unb Versammlungen. in ber Presse sowie den Kreisen seiner Geschäftsführer unb Vertrauensmänner vat der Voiksoerein unermüdlich seit seinem Bestehen auf die Notwendigkeit unb den hohen Nutzen praktisch sozialer Arbeit auf bem Lande bingero efen. Er hat unausgesetzt den Gedanken der Bauernvereine, der Genoffenschnften der Handwerkerorganisation des ländlichen Bilbungs- wesens populär zu machen und auch praktisch zu verwirklichen gesucht. Der Voiksoerein wendet sich an die Masse der Bevölkerung, um in dieser eine breitere Basis für feine Organisationsarbeit zu gewinnen. In seinen Geschäftsführern unb Vertrauensmännern sucht er jedoch speziell die Leute heranzubilde«, die die wirklichen, peisön- lichen Träger praktisch sozialer Reformarbeit auf bem Lande fein sollen. Möge deshalb kein Ort auch auf dem Lande aus irgend welchen Rücksichten sich zurückhalten von bem Anschluß an die Zentralstelle des Volksvereins für das katholische Deutschland zu M.-Gladbach. So wird sich zuletzt erreichen taffen, daß überall unter dem Einfluß der anregende« und ausklärenden Tätigkeit des Volksvereins der Sinn für bje praktisch soziale Tätigkeit auf bem Lande geweckt wirb unb Organisationen entstehen, welche baS wirtschaftliche unb geistige Wohl ber Lanbbe- völkerung z« fördern geeignet sind.
zwanzig Jahre zu Doralice ©tarn'» Verfügung stehen mufee.;
I-, Begleitung ihre» VaterS stattete diese erste Doralice noch einen Besuch in Frau Stirlings ärmlicher Pütte ab. Die arme Frau war so schwach geworden, dafe fie zu ih em größte« Kummer sich nicht erbeben konnte, um bem vornehmen Schwiegersohn ihre „Reverenz" zu wachen. Ihr runzettge» Gesicht strahlte vor Freude, al» ihr dies r v n seiner Fra« erzählte, „der besten, die e» je gegeben" und fie verzieh „dem „Herrn" gern cen Stolz, der ihr fo viele schwere Stunden bereitet hatte.
Wenige Tage später war die gute Alte zur ewig.n Ruhe eingegangen, ohne daß jemand, außer den wenigen Eingeweihten, eine Ahnung erhielt von den Beziehungen, die sie mit der Familie Gram verbanden.
So 6erringen zwei Monme, während welcher Z'it die beiden Koufinen eine warme, innige Freundschaft mi einander sch offen. Und an einem klaren November« morgen, al» G'ück unö L ebe wieder Rosen aus Elly» W->ng n gezaubert hatten, erklangen die «irchenglrcken von Brückheim zu einer dopp-lten Hochzeitsfe-er. Wenige Tage darauf schiffte fich Doralice Bcyd mit ihrem Schott-n na» der alten Heimat ein, nach der fie fich stri» rni Ged-imen geiehnr hat e, wah end ein Moiiut später Elly Ravenstein nach Westfeld >wÜck- kchrte, gerade rechizeiiig, um mit ih en liebsten Freunden, Fröu ein Oswald und den Henderson», ihr erste» deutsche» Weihnachtrfest zu feiern.
„Meine kleine Gnädige," nennt fie Doktor Wilson ste'S, stolz auf die allgemeine Beliebtheit, deren seine junge Schwägerin fich erfreut.
„Meine Schwägerin, Frau Ravenstein von Westfeld", sagt Frau Wilson noch immer, in einer gewiss-n Scheu vor Elly, die so hochherzig Verzeihung gewäatt hatte für das unbefugte Eirm scheu, da» ihrem Glücke beinahe verhängnitvill geworden wäre.
Aber für Regwald Ravenstein ist fie „meine Elly" und wird es bleiben bis zum Ende ber Zeiten, obschon bas schöne Heim, dar fie dem Gauen zugebracht hri, kraft ihrer anderen NamenS Doralice ihr Eigentum wurde.