31. Jahrgang
Zulda, Dienstag, den 22. März 1904
M 67-
Deutsches Reich,
lichkeit zu besprechen. Als ob man nicht in einer Viertelminuke sagen könnte, ob man für odcr aegen die konfessionelle Schule ist. Herr Hacken- berg braucht aber längere Zett, um möglichst viel Wortstaub aufzuwirbeln, in dem dann niemand klar erkennen kann, ob er für oder gegen die Konfessionsschule ist.
Gesunde christliche Anschauungen tn- bezug auf Jugenderziehung und Schule vertrat ohne verwirrende Wortmacherei der konseroatrve Abg. v. Pappenheim. Leider ließ er sich aber über die Beschwerden deS Zentrums nicht aus. Zum Schluß trug der Abg. Stychel die Beschwerden der Polen auf dem Schulgebrete vor. Ihn glaubte der Kultusminister widerlegen zu können, nr«m er sich seinerseits über den Ton des Redners und überhaupt über die Art, wie die Polen ihre Klagen vertreten, be- schwerte.
Am Mtttwoch hofft man mtt dem Kapitel Elementarunterrichtswefen zu Ende zu kommen, um dann ebenfalls tu die Ferien zu gehen.
Berlin, den 21. März 1904.
** Die Aufhebung des g 2 des Jesu iteugesetzes gibt dem,Reichsboten' Anl-ß zu einer „ernsten Mahnung" an die Protestanten, dem Unglauben und der kirchlichen Gleichgiltigkeit entgegenzuwirken, bei den Wahlen auch auf die religiöse und kirchliche Stellung der Kandidaren zu sehen und organisierte kirchliche Arbeit auf alle Gebiete des Volkslebens zu zeigen. — Dagegen haben wir nichts einzuwenden; im Gegenteil, wir haben den gegen „Rom" eifernden Pro testanten schon oft geraten, erst einmal vor der eigenen Tür zu fegen und den Unglauben und Jndifferenlismus im eigenen Lager zu bekämpfen. Wohl hat der Meichsbote' bei seiner Mahnung vor allem im Auge, den Protestantismus stark zu machen zur „Abwehr des Ultramonranismus", aber das soll uns nicht hindern, ferner Mahnung Beifall zu zollen. Frellich wird si: erfolglos bleiben.
§ Der Führer der konservativen Partei Frhr. v. Manteuffel-Krossenveröffentlicht in der »Soangel. Ktrchenztg.' folgende E rklärung: „Das tapfere Auftreten der ,Eoan. Kirchenztg.' gegen die Ausschreitungen gewiffer Wortführer und Organe des Evangelischen Bundes habe ich mit großer Befriedigung verfolgt. Diese Ausschrettungen find nur zu sehr geeignet, den Evangelischen Bund allen gläubigen Eoangel scheu zu entfremden. Dadurch wird dem, was die Hauptaufgabe des Bundes sein sollte — einen Zusammenschluß der gläubigen Evangelischen zu erzielen — entgegengewirkt und an Stelle einet Zentralisation und Kräftigung eine Zersplitterung und Schwächung der evangelischen Christen herbeigeführt. Insonderheit halte ich die satzungswidrigen Ueb ergriffe des Evangelischen Bundes auf das politische Gebiet für verhängnisvoll. Das Preßorgan des Bundes, die .Deutsch-Evangelische Korrespondenz', stellt sich geradezu als ein Kampforgan in den Dienst deS kirchlichen und politischen Liberalismus gegen die konservative Partei, deren Führer und Preffe. Solange aber der Evangelische Bund derartige ausgesprochene liberale Wege wandelt, so lange er ein Organ wie die .Deutsch- Evangelische Korrespondenz unterhält und deren geh ä'sigen Angriffen gegen die konservative Partei keine Schranken setzt — so lange kann ich nur meine kirchlichen und politischen Freunde dringend bitten, den Kampf gegen den Bund, der sein u wirklichen Aufgaben uneingedenk geworden ist, mit aller Entschiedenheit aufzunehmen."
0 Der Abg. v. Eyuer« h t bekanntlich im Abgeordnetenhause die Besorgnis geäußert, durch die Aufhebung deS § 2 des Jefuiten- gesetzeS und durch das Entgegenkommen der Regierung gegenüber den Katholcken könnte unserer auswärtigen Politik Schaden erwachsen, könnten insbesondere unsere Beziehungen zu Italien gestört werden. Es ist nun ergötzlich, zu feben, wie die uationalliberale ,Nat-Ztg.' dem .ReichSboren', der etwas ähnliches behauptet hatte, den Text liest. Mit Fug und Recht, sagt daS Blatt, fei die ganze Frage als eine innere Angelegenheit Deutschlands behandelt worden; eS könne sich nur empfehlen, innere Angelegenheiten Deutschlands auch in Zukunft lediglich vom innerpolttifchen Gesichtspunkte aus zu be- handeln. Die ,Nat.-Ztg.' scheint den.Reichs- boten' zu schlagen und Herrn v. Eysern zu meinen.
*. Die Riederlegnvg eine# Kranzes an den Gräbern der Märzgefallenen im
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Verantwortlicher
tchristleiter-öos-Sa»«-
» y«’Ä«. wocheilbtllag«: „Illustrierte Sonntagsjeitung
Adgeordnetenhau».
47. Sitzung vom 21. Mur, 1904. •
Eröffnung 11'/. Uhr.
Am Miwstensch: SultusmirüSer Studt.
Ruit«?etat 2. Lesung. Kapitel evangelische Geistliche und Kirche».
Die Bubgetkommisfion hat einen Fond« wen 15000 Mark eingestellt als StaatSznschuß au bi« Domtirchen- kaffe in Vertin int laufenden Unterh altung bei D»«es und der Aürstengruft.
Friedrichshain, der, wie eine Aufschrift der Schleife besagt, von „Arbeitern der Staats- roeilftfitten in Spandau" gewidmet wurde, wird zu einer Beleidigungs-Klage gegen den Ueberbringer, einen Spandauer Handelsmann, Anlaß geben, drffen Namen von der Berliner Polizei festgestellt worden ist. Die Direktionen der Spandauer Staatswerkstätten haben besondere Ermittelungen darüber angestellt, wer die Arbeiter sind, die den Kranz gestiftet haben. Man glaubt, daß die Arbeiter der MÜttär-Werkstätten in Spandau jener Kranzspende mtt roter Schleife vollkommen fern stehen. Es werden nun die Arbeiter - Ausschüsse zusammentreten, um durch eine Beleidigungs-Klage gegen den Ueberbringer des Kranzes eine Ausklärung des Vorfalles herbeizuführen. Hätte man nicht bester getan, die Sache auf sich beruhen zu lasten? Auf die angestellten Ermittelungen geben wir ebenso wenig wie auf eine Beleidigungs-Klage der Arbeiter-Ausschüsse. Man merkt doch zu sehr den Druck von oben.
* Die zur Reichskaffe gelangte I stein- nähme, abzüglich der Ausfuhrvergütungen ic. und der Verwaltungskosten, beträgt für die Zett vom 1. April 1903 bis Ende Februar d. Js. bei den nachbezeichneten Einnahmen: Zölle 463637424 Mk. (+ 7814191 Mk.), Tabak- steuer 10 433 038 Mk. (— 930915 Mk.), Zuckersteuer und Zuschlag 86369849 Mk. (— 1114858 Mk.), Salzsteuer 46926 302 Mk. (+ 2253185 Mk.), Mmschbotttchsteuer 5378431 Mk. (— 6984086 Mk.), Verbrauchsabgabe von Branntwein und Zuschlag 96313055 Mk. (-3 594568 Mk ), Brennsteuer — 882 658 Mk. (— 4099987 Mk), Schaumweinsteuer (einschl. Nachsteuer) 3511441 Mk. (+ 779423 Mk), Braufleuer und UebergangSabgabe von Bier 26 712811 Mk. (4- 528693 Mk ), Summe 740409 693 Mk. (— 5 346 922Mk.) — Spielkartenstempel 1408398 Mk. (— 34175 Mk.).
«.Die diesjährige Maifeier derfozial- demokratischen Gewerkschaften kann, da der 1. Mai ein Sonntag ist, keine Demonstration durch Arbeitsruhe sein. Aus diesem Grunde herrscht, schreibt der.Vorwärts', in den Berliner Gewerkschaften Meinungsverschiedenheit darüber, ob man in diesem Jahre überhaupt gewerkschaftliche Mai - Versammlungen abhalten solle. Ein Versuch, über die einheitliche Stellung für die diesjährige Maifeier eine Verständigung zwischen den Berliner Leitungen der Zentralverbände herbeizuführen, hotte keinen Erfolg; eS bleibt nunmehr jeder einzelnen Gewerkschaft überlasten, ob sie diesmal am 1. Mai eine Versammlung für ihre Mitglieder veranstalten will oder nicht. Eine gemeinsame Deranstaltuna aller Gewerkschaften findet also am diesjährigen 1. Mai nicht statt.—Uebrigens ist eine Verabredung zwischen der politischen Sozialdemokratie und den Gewerkschaften erfolgt, welche neuerdings deren Zusammengehörigkeit zeigt und festigen soll. Die sozialdemokratischen Vertrauenspersonen Berlins, die Vorstände der sozialdemokratischen Wahivereine Berlins, der Ausschuß der Berliner G.roerkschafts Kommission und der Ausschuß des Berliner Gewerkschafts- Kartells haben ein Abkommen getroffen, wonach Gewerkschafts- und politische Partei-Versammlungen nicht mehr an denselben Tagen statlfinden dürfen, damit die organisierten Arbeiter und Ge> nosten „pflichtgemäß" an beiden teilnehmen können. ~~ . , Berlin, 21. Mär, 1904. Die Mittelmeerfahrt des Kaisers wirb erst in ben letzten Tagen bei Monats April ihr Ende erreichen. Nach den diS jetzt getroffemn Dispositionen geben« der Kaiser am 29. April an Bord der «Hohen,ollern" in Genua ein- zutreffen unb von dort aus sofort die Heimreise mit bei Bahn anzutreten, sodaß feine Ankunft in Berlin am Sonntag, ben 1. Mai, früh ,u erwarten fein bürste. — Die Karserjacht „Hohen,ollern", sowie bei große Ritu,et „Friedrich Karl" werden, sobald der Kaiser Genua verlaffen hat, die Anker lichten, um »ach Kiel brzw. WilhelmShaveu in See zu gehen, wo die Schiffe Mitte Mai wieder eintreffen werde«. — In Berlin tagte heute eine Delegiertenversammlung deutscher Börsen Vorstände zur Beratung der «örsengesetz Novelle. Sie bat eine ganze Reihe von Resoluttonen gegen die Novelle angenommen. — Am Mittwoch, den 23. Mär, 1904, all dem ersten Jahrestage, wird vormittags 9 Uhr in der Maria-Biktoria- Kapel e eine heilige Messe für die Seelenruhe deS Freiherrn Tiemens v. Heereman abgehallen werben.
• ver russisch-japanische Krieg.
Die Nachrichten vom Kriegsschauplatz laufeff nur sehr spärlich ein. Wenn der .Standard Recht hat, dürfte man die erste Schlacht aik Tschöngtschongang nördlich von Andfchu, nordwestlich von der Mündung des JalustuffeS zu erwarten haben. Dort sollen sich je 40 000 Rusten und Japaner gegenüberfiehen.
Bezeichnend für die Zustände in der russische« Armee ist folgender Tagesbefehl, den der Kommandant von Port Arthur nach dem ,9towi Kraj' er lasten hat: „Es ist zu meiner RenntiriB gelangt, d»ß die Osfiziere im Offizierkafino stch mtt Dingen beschäftigen, die sie nicht« angeh«, daß sie die Kriegsereigniste kritisieren und vev- schiedene alberne Gerüchte austauschen. Sache eine« Offizier- ist es, zu überlegen, wie er ferne Pflicht am besten erfüllen könne, aber nicht, die Handlungsweise feiner Vorgesetzten zu kritisiere«; selbstverständlich werde ich sie fernerhin für derartige Vergehen kraft der mir zustehendea Ge- waU bestrafen."
Der Kaiser von Korea beabstchtigt mutz dem »Daily Teleg-avh' einen Sonderae- sandten nach der Rückkehr deS MarquiS Ito nach Japan zu senden, wahrscheinlich den Prinzen Pichivan. Ma qaiS Ito tumfängt heute die Vertreter der »uS wär rißen Mächte.!
[] Stimmungsbild aas dem Abgeordnetenhaus-.
Nachdem der Reichstag in die Ferien gegangen ist, macht fich auch im Abgeordnetenhaufe Die Ferienstimmung stark bemerkbar. Es war heute ebenso schwach besucht wie schlecht aufgelegt zum andächtigen Anhören langer Reden. So war gleich zu Anfang die Privatunterhaltung so laut, daß Der Berichterstatter Über die Forderung von 15000 Mark zur laufenden Unterhaltung des Berliner Domes fein eigenes Wort nicht hören konnte. Der Präsident bat bescheiden nur um soviel Ruhe, daß der Redner wenigstens in den vordersten Bänken verstanden werden könne. GS war aber glücklicherweise auch nur eine begrenzte Neigung zum Hatten vieler und langer Reden vorhanden. So gingen die wichtigen Kopttel BiSiÜmer, Provinzialschulkollegien und Prüsungskommisftonen debattelos vorüber.
Erst beim Kapitel Eleme nt ar unter r ich ts- wes.en setzte eine längere Debatte ein, aber auch hier schied man von vornherein die Fragen der Schulunterhaltungspflicht und der Lehrer- besoldung aus der (Störtetung aus, um sie bei späterer Gelegenheit zu behandeln. Die Debatte wurde eröffnet durch den Zentrums abgeordneten Dr. Dittrich, der ausführte, daß die Schule mehr an der Erziehung der Jugend arbeiten müffe, während bei dem modernen Unterrichtsbetrieb die Lehrtätigkeit ganz einseitig überwiege und die Erziehung hinter der „Bildung" zurück- trete. Er verlangte darum Religionsunterricht auch für die Fortbildungsschulen und den gebührenden Einfluß der Kirche auf die Jugenderziehung, Heranziehung der Geistlichen zur Kreisschulinspektion, von der die katholischen Geistlichen im Gegensatz zu den protestantischen so gut rote ganz ausgeschloffen find, und allgemeine Uebertragung der Ortsschulaufstcht an die Geistlichen, besonders auch in Oberschlefien, selbstverständlich auch konfessionelle Volksschulen. Schließlich führte er Klage, daß es so fetten gelingt, in den protestantischen Gemeinden eine eigene kommunale Konfessionsschule für die katholische Minderheit zu erlangen. Die Ausführungen deS Redners, mit Ausnahme jedoch der letzteren, fanden auch auf der Rechten Beifall.
Ganz anderer Meinung war natürlich der Abg. Ernst (fr. Vgg.) Er schwärmt für die Simultanschule und für die Beseitigung der Geistlichen aus der Schulaufsicht, wofür er allerdings vorsichtig sagte: Schulaufsicht in der Hand von Fachleuten; wenn er „Fachmann" ist, will tr auch einen Geistlichen großmütig als Kreisschulinspektor gelten lasten. Seiner bitteren Klage über die Schulzuftände in den zweisprachigen Gebieten des Ostens stimmte der Abg. ?rbr. o. Zedlitz durchaus zu, jedoch nur aus Rücksicht auf die Deutschen. Echt frei- konseroatio will er die Simultanschule in diesen Gebieten „ausnahmsweise" zulasten, und wenn er auch einen „gewissen Zusammenhang" zwischen Schule und Kirche für wünschenswert hält, so möchte er doch die Kreisschulinspektion nur „Fachmännern" übertragen wissen.
Der Kultusminister Dr. Studt stimmte den grundsätzlichen Ausführungen deS Abg. Dr. Dittrich über die Aufgaben und Mängel der Schule durchaus zu, aber sobald er auf das praktische Gebiet kam, schwenkte er ab. Daß Zurücksetzung der Katholiken in bezug auf Die geistliche Schulaufsicht herrsche, wollte er nicht Mgeben und für die tatsächlich bestehenden Ver- hältniste hatte er allerlei Entschuldigungen, wie «an sie jedes Jahr vom Regierungstische aus hört. Für die konfessionellen Minderheiten versprach er sich Besserung der Verhältnisse von dem Schulunterhaltungsgesetze.
AIS radikaler Gegner der Anschauungen »eS Abg. Dittrich trat der Abg Wolgast (fr. Bp.) auf, der selbst Lehrer ist. Er schwärmt für die Stmullanschule und für die Fachaufficht durch Laien. „Dem Lehrer geht einer feiner gkößten Menschenrechte verloren, wenn er nicht von Seinesgleichen beurteilt wird." Die tüchtigsten BolkSschullehrer will er zum Universttätsstudium »gelassen wiffen. Der Redner glaubte seinen Abführungen durch möglichst viel Stimmaufwand Nachdruck geben zu müsten, wiewohl die paar Mann, die sie anhörten, durchaus nicht un- nchig waren. Der nal-lib. Abg. Dr. Hacken berg juchte in seiner gffchmeidigen Weise mit wohlklingenden, aber nicht allzu faßbaren Wendungen den protestantischen Geisttichen und den liberalen Politiker in Uebereinstimmung zu bringen. Daher viele schöne Worte über Religion, Religionsunterricht unb Erziehung, über Verwerfung der geistliche« Schulaufstckt. Auf die Frage der Konfesfionalttät der Volksschule wollte er heute rttcht eingehen mtt Rücksicht auf die Geschäftslage, da es unmöglich fet, in fünf Minuten eine so schwerwiegende Frage mtt der nötigen Gründ
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Nachdem bei Berichterstatter, Abg. Winckler (t> die Stellung bei Kommission dargelegt, wurde dieser Titel genehmigt, ebenso debatteloS der Rest deS Kapitels unb die Kapitel »Bistümer", „Provtazialschulkollegien" und .Prüfungskommissionen'.
Beim Kapitel .SlemkntarunterrichtSwesen' wurde die Frage der Schulunteihaltungkpfli cht und der Lehrerbesoldung doi läufig auf gefdjieben; beide Fragen sollen, alS im engsten Zusammenhang stehend, bet Beratung beS Antrags Zebittz bett. SchulunterhaltnngSpflicht be* sonbei S beraten werben.
Abg. Dittrich (Z.) betonte unter Hinweis ans btt zunehmende Verwahrlosung bet Jugend die Notwendigkeit, bas erziehliche Moment in ben Sorbergntnb beS Schulunterrichts zu stellen. Die Schule müsse ans einer einseitigen Bilbnngspätte roieber mehr zu einer Er- ziehnngsanstalt gemacht werben. Auch in ben Fort- bilbuntzsschn.m n üffe bet erziehlichen Tätigkeit der Schule, unb zwar durch Einführung des Religionsunterrichts, mehr Raum gegeben werden. AlS Trägerin der Religio« müffe ferner bei Kirche durch bie geistliche Schulaufsicht ben ihr zukommenden Einfluß auf bie Schule gewahrt weiden; leider bestehe auf diesem Gebiete immer noch eine schreiende Ungleichheit zu im» gunsten der katholischen Geistliche». Mit großer Schärfe wandte fich Redner bei dieser Gelegenheit gegen die leider anch in den Kreisen katholischer Lehrer hervor- ttetende Agitation gegen die geistliche Schulaufsicht. Weiter forderte er, daß in Uebereinstimmung mtt der Verfassung der konfessionelle Charakter der Volksschule aufrechierhalten werde. Leider bedeute die neuere Entwickelung der Dinge auf diesem Gebiete - in ben Jahren 1886—1901 haben bie Stmultanschnlen trat 56% angenommen, während die Zahl der Schüler nur um 8% gestiegen ist — eine Abschwächung des lot»» fesfionellen und damit des christlichen und erziehlichen Charakter- bei Volksschule. An bei Hand eine? reichhaltigen statistischen Materials wieS Redner endlich nach, wie bei der Einrichtung von Schulen für kov- fesfionelle Minderheiten die Katholiken benachteiligt werden. Nach der Schnlstatistik von 1901 gab e8 evangelisch öffentliche Schulen mit weniger alS 20.Kindern 600 und katholische nur 8.
Abg. Ernst (freif. Bp) gab zu, daß auf dem Gebiete der geistlichen Kreisschulinspektion eine schreiende Ungleichheit zu ungunsten der Katholiken bestehe, meinte aber, man solle diese Ungleichheit dadurch beseitigen, daß man die geistliche Schulaufsicht überhaupt beseitige.
Auch Abg. Freiherr v. Zedlitz (fit) erklärte sich gegen die geistliche Schulaufsicht; dagegen forderte et, daß auch in den Fortbildungsschulen der Religionsunterricht eingeführt werden soll. Die Schulverhättnrfle in den gemischtsprachigen Gebitten bezeichnet er alS skandalös; zahlreiche eingeborene deutsche Bewohner feien wegen der völlig unzureichenden Beschulung ihrer Staber abgewandert.
Kultusminister Stadt erwiberte, davon sei ihn» nichts bekannt; leibet habe für die Vermehrung der Schulen noch nicht mehr getan werden können, rorl eS vielfach an den nötigen Lehrkräften fehle. Dem Ab«. Dittrich erwidette er, von einer un zleichen Berücksichtigung der Katholiken in der Schulinfpektion könne keine Rede fein; soweit es mit den Interessen der Schule und des Staats zu vereinbaren sei, werde die NnteiichtS» Verwaltung katholische Geistliche alS KreiSschnlinspektor« anfiellen. Die Verhältnisse in den gemischtsprachigen Bezirken erforderten ollerdtags eine besondere Behänd» Handlung. Redner bestritt auch, daß bei der EirichtunU von Konfesfionsschulen die Katholiken benachteilat würden, allerdings fei die Unterrichtsverwaltung iu dieser Frage von den Selbstverwaltungskö'pern abhängig. sie hoffe aber, daß durch das SchuldotatiouS- gesetz ben Sckuloussichtsbehörden ein größerer Einfluß auf bie Entschließungen der Selistverwaltungsorgane eingeräumt werde.
Abg. Wolgast (fr. Bp.) trat für hie Simultan- schulen und für bie Beseitigung bet geistlichen Schulaufsicht ein; bie Schule habe nicht den Zweck, für den Himmel vorzubilden, sondern für bas Leben.
Abg. Hackenberg inilb.) forberte gleichfalls bie Einführung der Fach aufsicht. Durch das bisherige falsche System sei nur daS Zusammenwirken von Schule und Kirche, die bei Erziehung der Jugend stch ergänzen müßten, gestört worden.
Abg. v. Pappeuheim (ton;.) forderte einen wertere« Ausbon des Systems bei geistlichen Schulaufsicht: aB Aiquivalent müsse allerdings eine bessere Fach«ch- bildung der geistlichen Echultaspektoren gefordert werden.
Nach einer AnSetaanderfetzung zwischen dem Abg. Stychel (Pole) unb bem Kultusminister Studt würbe bie Weiter beratung auf Dienstag vertagt.