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31. Jahrgang

Hulda, Montag, den 21, März 1904

L

I« Lbzeordnelenhause ftanb am Sams-

2e

f] Der vierte Tag -er Uultur-ebatte im preußischen Abgeor-netenhause.

Die Debatte bsschränkte sich jedoch nicht, wie es programmäßig gewesen märe, auf die oder- schlestschen Schuloerhältniffe, sondern gestaltete fick zu der üblichen Potandebatte. Drei An- stchten würben verfochten, die hakatistische, die großvolnische und die des Zentrums.

Den Hakalismus vertraten der sreckonser- vstive Abg. v. Zedlitz und der konservative

heranziehr und für sich aus nutzt. Die Regierung z-gte auch noch nicht einmal besondere Neigung, oem unnalürlichm Zustande adzuhelftn.

nifle einss zart-n jugendlichen Gr ficht chens und einen Brie^, den sie sofort zu lesen begann.

Aber wie eine schwere Wolle oft plötzlich die Sonne verdunkelt, so ie te sich der Schaken e neS großen Schrecke.,» über ihre lächelnde Miene.

Wieder und wieder la» Dcrolice die mit unffcherer Hand geschriebenen Zerlen, und ihre Augen tffneien sich weit vor Angst m-d Staunen. Ein scharfer Ausruf der Enttäuschung entfuhr ihren bebenden Lippen — dann barg sie daS verhängnisvolle Sch erben in ihrer Tasche, flog nach ihrem Zimmer, ergriff den ersten Hut. der ihr in die Hand fiel, ein breitrandiger mit zartfarbigen Straußenfedern geschmückter Strohhut, rief emem vo beigehenken Diener zu, er möge ihrem Ba er bei seinem Eintreff n sagen, daß fie sehr bald wieder zu.ückkäme — und eilte an das Wasser hin­unter, um in ein Boot zu springen. In aller Hast rüder e sie nach der Billa hinüber, f(tritt über den Ra enplatz — rn ihrer schimmernden Seide, mit den vl'tzenden Diamanten und wallenden Federn; wie eine Feenkön gin anzusehen — und machte erst an dem langen Fenster des grühstückSzmmeis Halt, wo sie Herrn Doktor Wilson im Gespräch mit einer unsicht­baren Person drinnen bemerken konnte.

Eine Miet»kutsche stand vor der Stalltür; der kleine Lonvwagen tet Rektors hielt an dem vorder:, Eingang. Trotzdem mochte Dcralice sich keine Sorgen darüber, ob sie vielleicht eine wichtige Unterredung störe, sondern klopfte leicht an die Scheibe und wink e dem Doktor unverzüglich her-uszukommen. Was fie zu sagen halte, erlitt keinen Auftaub.

Dok or W-lson zögerte e nen Aug'nblick, vielleicht um sich bei ‘einen Besuchern zu entschuldigen dann öffnete er die Glastür und traf he au». Er sah un- genöhnlich erregt aus, aber Loralice bem rkie nichts davon; fie k nute en nichts andere» denken, _U an die Sache, d e sie hergesührt hatte.

„0 Doktor W.lso", leie» Sie dieses schreckliche Ding. Vielleicht —" mit ein m Beben der Stimme,

Abg. v. Hey de brand. Ersterer stmmte in der Verurteilung der großpotmfchen Agitation dem Abg. Glowatzki zu, wollte ober die jetzige Schulpolitik von jeder Schuld an Len Zuständen in Oberschltsien freisprechen, ja er verlangte noch weitere Zurückdrünamrg der polnischen Sprache im Beicht- und Kommuntonunrerrichte. Auch forderte er für die obelfchlefischen Lehrer die Ostmarken-Zulagen und überhaupt bessere Besoldung, da täte Aufgabe besonders schwierig sei und man auf ihr« treue Mitarbeit an der deutsch-nationalen Sache rechnen müsse. So ent­schiede., der Abg o. Heyd «brand stch gegen die großpolnische Agitation au-sprach, gab et doch zu daß es in dies-r gewisse berechtigte Momente gebe, und daß in der Zeit b<-3 Kulturkampf.» das oberschlesische Volk in seiner Sprach« und Religio?! sich bedroht gefühlt baie. Ec gab sogar zu. daß di« wirtschaftlichen Verhältnisse Ober- schdsiens — kolossaler Großgrundbesitz und ein epflenzunfätzigeL Landproletariat einerseits, riesen­hafte Großbetriebe und eine Bevölkerung, die von ihrer Hände Arbeit kaü-rr lebe« kann, andererseits — die radikale Strömung vtrur sachr hätten. Er wolle? dir gutpreußischen El« tnenie, die sich in Oberfchlesim immer noch fänden, nicht zurückgestoßen sehen, aber die Schulpolitik der Regierung hielt er doch für richtig.

DerZrntrumsredner Abgeordnete Dr. Por sch konnte der Regierung den Vorwurf nicht er­sparen, daß sie die Zustände in Oberschlefien selbst verschuldet habe. Hätte fie auf die od-r- schlesischm Zenlrumsübgeordneten gehört, so hätte sie die schweren Fehler nicht gemacht und die großpolnisch« Agitation hätte in Oberschlefien keinen Boden gefunden. So entschiede» er diese für das Zentrum besonders unangenehme Agi­tation verurte'lte, für die R chte des oberschlefi« sch«, Bolle- in Bezug auf feine Sprache trat er natürlich doch ein. Eine längere Lusein- a»drr etzung halte er außerdem mit dem KaltuL- minifter über den oderschtasischen katholischen Schulmann Bogedatn. Der Minister kam näm­lich zurück auf eine Rede, die Dr. Porsch vor; einem Jahre zur Verteidigung Bogedains ge­halten hatte und modifiziert« einigermaßen fein früheres Urteil über ihn.

mehr Gelächter war das Echo. Auch einem Ordnungsruf entging er nicht. Zwar wurde ihm dieser auf Grund eines Mißverständnisses zu test, aber Vizepräsident Dr. Krause hielt ihn nach Einsicht des Stenogramms am Schluß dec Rede doch aufrecht, denn wa3 Korsanty über den deut» säen Parlawentans-nus gesagt hatte, schien ihm auch in der Form, wie es tatsächlich gesagt wor­den war, des OrdvunMufes würdig. Im Ab­geordnetenhouse Hal Pan Korsin y entschieden kein Glück. Gleich feine erste Rede mißlang; die heurige mißlang nicht minder. Es scheint, als ob fein Ideen von at und seine Beredsamkeit sich bereits mit feimr ersten Reichstogsrede er­schöpft hätten.

Dem großpolnischen Agitator trat ruhig, aber frEfdg und entschieden der Zentiumsabgeordretr Fatrin entgegen. Vor allem aber betonte auch er, daß die oberschl fische Bevölkerung verbittert und der radikal polnischen Agitation zugänglich gemacht worden sri, weil man die Warnung des ZrutrumS vor einer Versitzung ihrer Rechte und Wünsche in bezug auf dir Sprache und Sitte unbeachtet gelassen hab«. Die Regierung und der Hak ttsmuS hätten das Großwerden der radikalpolnischen Agitation verschuldet, hinter der als lachender Dritter bereits die Sozialdemo­kratie stete.

Daß alle Warnungen und all« schlimmen Er- sihrnrg-n nichts nützen, bewies roL’berum der Kultusminister Dr. Studt, der „unrnwegt" das herrschende Schulsystem verteidigte und jedes Entaegenkommrn adlehnte.

Rach tiv.jgen persönlichen Auseinandec- fttzungen zwi chen den Abaa. K'rfanty und Fattin wurde das Gehalt deS Mmisters dewilltgt. — Bei dem Kapitel „Evangelisch? Konsistorien" ent­wickelte sich eine längere Debatte über eine Ra bine'Sordr« aus bcm 18 Jahrhundert, auf gründ deren die protestantische Kircheng! meinde in Swinemünde alle Hausbesitzer, auch die katholi­schen und jüdnchen, zu ihren Kirchenlasten heran« ziehen kann, und nachdem sie eine groß: Erb- chast gemocht hat, unter Freilassung der pro» testar tischen nur mehr di« wchtorotefta-tischen

Zwei Binnen.

Bon Klara Rheinau.

—— (Nachdruck verboten.)

Ohne eine Minute zu verlieren, suchte fie daS kleine Kabinet auf, da» an Frau ‘>rom8 Stcrbezimmer anstietz. Hier stand daS alte Pult, mit seinen v eien Scktöff-rn um» Mess ngbetalägen. Bon dem obe ea Fache hing der kleine Schlüssel herab, den Arthur Krams Mutter bis zu ihrem Tode um den Hals ge­tragen hat e. Dieftr Umstand brachte Doratice auf die Vermutung, daß die gehe men Fächer de» eiten Möbel« irgend welche P-ivatsachen ihres Vaters ent­halte« müßten. Aber er hatte ihr getchriebeo, daß er nicht das Geringste zurückgelaffen habe, was von Wert für ihn fei. Bon ihrem Rechte Gebrauch machend, erbrach Doral ce nun die große» Siegel, di« der vor- fÄchtige T-ftamentSvollstrecker a-geegt hatte, öffnete daS Pult und f nd rach kurzem Suchen das Leder­et« mit den Jun» len, deren wunderbare Schönheit sie in wahre» Entzücken verhetzte. Mit diesem neuen Zeichen ihre* Rerchtams ge cumückt, wollte sie eben meaetle«, ohne die eieren andern Schubladen - uch nur geöffa tt j» Haren a!s ihr der Gedenke kam, es könnten vielleicht noch andere Schätze hier verborgen fein.

Aber d*e schwach duftenden, mit Cedernholz ein« gelegte« kehältviffe waren alle leer. Nur das mittlere, einem kleinen Äckrä: kch-n ähnliche Fach blieb noch zu durch «chen. Mit einiger Schwierigkeit öffnete Dora- Ike die zier ichen Schredktürin, und vor hren Lugen lag en kleines Laketchen, das fcie Au'schrist trug: „Con m-iner Tochter."

.Etwa» von PapaS einzig r Schmeffer." sagte Doralice weich. .Ich weiß, b n fie früh gefiorb n in " Eie öffne e den Umschlag und fand darin -ine Blum-, ein zerbrcchrn.es Me.ai on mtt dem vetdl ch,neu Bild-

** General Gouverncitr Leutwein telegr»* phiert aus rüdtvestasrika: Major v. G-asenopp' der Kompagnie vorausrrlend, stieß am 13. März mit einem Stabe von zahlreichen Offizieren und38 Be­rittenen auf die Nachhut Les Femdes, der unerwartet Verstärkung erhielt, sodaß Major Glasirapp ge­zwungen wurde, zmückjUgehen. 7 Cfffyiete nn- LS Marn» find gefalle», 3 Offiziere unb 2 3)1 unn verwundet. Msjorv.Glasen«»» erhielt einen Streifschuß am Hinter köpf. Die Anzahl der Toten, di« etwa die Hälfte der beim Major v. (Stafette p» befindlichen Truppenah­teilung zu betragen scheint, und von denen nicht weniger als sieben Offiziere waren, läßt »- kennen, daß die kleine Schar gegen eine g$» wallige Uedermacht gut bewaffneter und gut schitßender Herero zu kämpfen hatte und in Gefahr war, gänzlich ausaerieöen zu w.rden. — Owikokorero liegt etwa 70 Kilometer nordöstlich von Okahandja, es liegt an dem Wege, der »en dem im Telegramme genannten Okandjesu nord­westwärts führt.

]:[ Herr v. Golubew, der Nachfolger des Hrrrn v. Timiviaskw, als russischer Kommissar für die dextfch rnsfische« Handelsvertra«-- vethandlnuge«, ist von Petersburg, wohin er vor etwa vier Wochen adgereist war, mit neuen Weisungen nach Berlin zurfickgekehrt.

\ Die Reichstagsersatzwahl in Zscho- pan-Marienberg tat den Sozialdemo« traten eine kleine Enttäuschung gebracht Der verstorbene sozialdemckr. Abgeordnete ÄoftnoN war am 16. Juni v. Js. gleich im ersten W'chl< gange mit 13616 Stimmen gewählt worden. Sein Gegner, der Kon promißkandidat Dr. Jenke, hatte 9876 Stimmen erhalten; Rosenow hatte also mit einer Mehrheit von mehr als 3700 Stimmen gesiegt. Jetzt hat der sozialdemokratische Kandidat Pmkau 10156, der Antisemit Zimmer-- mann 5986, der Konservative Schanz 431< Stimmen erhalten, und es ist Stichwahl zwischen Pst kau und Zimmermann erforderlich. Somit sind die Soziaisemokraten erstens in bi« Siichwühl gedrängt worden, zweitens haben ße 3460 Stimmen gegen den 16. Juni verloBesi- während ihre Gegner 426 gewonnen hab«. Dieser Zuwachs der gegnerischen Stimmen ist ja nicht groß unb wird den Sozialdemokrat«» wegen der Stichwahl keine Besorgnis «vstsß«. Aber daß fast 3500 sozialdemokratssche Wähler diesmal nicht an die Wahlurne zu bringen waren, ist ein entschiedener Mißerfolg für die groß­sprecherische Partei.

(?) Der Reichstag ist am Samstag rn die Osterferien gegangen, nachdem ec feit dem 3. Tezemder v. Js. getagt und in 62 Sitzungen weder der Etat noch irgend einen größeren Er- f etzentwul s erledigt hat. Außer zwei Nachtrags- etats wurden nur ein paar kleine Gesetzentwürfe verabschiedet, die weiter gar kein« Arbeit machten, wie die Gesetzentwürfe betreffend VerlängeruLW des Handelsprovisoriums mit England, Vsv- längerang des Gesches über die Friedenspräseuz- stärke, Aenderung der ReichSfchuldenordnmrg und Rechtsstellung des herzoglich-holsteinischen Kürstenhousks. Es wird nun wohl nahezu Pfingsten werden, ehe der Etat fertig wird.

„uUaS daS M-IkNtttdigftt dabei ist", unter­brach fie der Toktor, ,bie betreffende junge Dame befindet fich im Augenblick in meinem Haus«. To- Beste, waS Sie tun können, Fräulcm Gram, ist, hin- kinzvgehen unb mit ihr zu sprechen."

Feiges Zögern lag nicht in Torttice« unic- schrvckenec Natur. Sir schöpfte tief Atem, als ob (U im Begriff sei, fich in ein kaltes Bad zu stürzen imi betrat dann, ohne eine E lbe, hoch anfgerichtet das Zimmer.

Bei ihrem Eintreten erhsLen sich zwer Hrrree unb ein junges Mädchen, dessen außerordentlich bleiD. liebliche Züae itr sogleich bekannt vorkamen — ei waren jene deS Badn.ff-.s in dem zerbrochenen Me­daillon.

„Frävlein Doral'ce Gram — Fräulein Evtz Förster", stellte Dr. Wilson vor. Tann bst er feine Nachbar n, Platz zu nehmen, und sank selbst auf einen Sttchl nieder, als ob ihm diese mussten BtrwÄke» Im'gen doch etwas zuviel seien.

Linige Sekunden lang saßen die beiden 8«« wandt e« fich schweigend gegenüber. Daun bet West- silds ebgesetzie Königin derflnZne die jrwelenfunkelnde Hand: .Ich glaube, -ch habe mir Ihre Rechte angemaßt, Kusine Elly^, tagte fie, und ihre Stimme klang ein wenig harr' r als gewöhnlich, „aber es geschah ganz öhnnngskoS. Ich hoffe —" ihr Ten wurde rtwas weicher, als fie die zarte, snmwige Gefialt EUys leicht erbeben sah — „ich hoffe, fie w rden sich in W.stfeld glücklich suhle»! Ä?aS mich betrifft, so lebte ich in meine cizeul- tiche Heimat zurück und mein Hierherkommen wird fi« nicht geschädigt hab-n."

Tie süfe, traurige Stimme, die ihr antwortete, bttührte sie eigentümlich Elly erblick» in diesem hochs- herzigen Mä den nur Jene, die ihr geraubt, was fern Reichtum je ihr < regen konnte.

(FortsetzMg folgt.)

Berlin, den 19. März 1904.

% Die Stellung der Parteien zur Kirchenpolitik. Einrge Zeitungen wollen aus der gestrigen Rede des Avgeordnetrn Dr. Fried­berg entnehmen, daß eine vollkommen« lieber» einstlmmung besteh« zwischen der k o n fe r o a 11 o e n, der sreikonfervatioen und der national- liberalen Partei hinsichtlich ihrer Stellung zu der Knchenpoiürk der Reichsrigierung unb der preußischen Regierung. Dazu schreibt di? Kreuz- ztg.': ^Auch uns scheint der Abg. Dr. Friedberg der Meinung zu sein, als ob zwischen der pro­grammatischen Rede des konserva-ioen Abgeord- neten o. Htyrenbrand und den Reden der nationalliberalrn Abgeordneten Hackenberg und v. Cynern kein wesentlicher Urtterschied besteh«. Wir oerroetfe« demgegenüber auf das Steno- gramm der Red« hes Herrn v. Hrtz -ebrand. Man wird sich daraus überzeugen, daß der kon­servative Fraktwnsredntr über di« einzelnen, bet katholischen Kirche gemachten Konzessionen doch aang anders urteilte al- der nationalllbrrale Rebner, und dcß seine Warnungkn sich vielmehr auf eine solche Häufung von gesetzlichen und Velw.ltangsmaßcegeln gründeten, die in der evangelischen Be-ö kerung Err-ganz und Be­fürchtungen für Vie Zukunft hervorgerufea haben. Der konservative Redner hat weder dr« Auf­hebung des § 2 noch die Zulassung der Marianischen Kongregationen grund otzlich br- kä« pft, sich vielmehr etwa innerhalb der Tendenz gehalten, die heute von bet .Rational Zeitung' in folgenden Sätzen zulreffmd geschildert wird: „„Nicht -i« Aufhebung des § 2 und nicht die Erlass« über religiöse SchÜtervrrbindungen an stch sind es, di« den ganzen Kultusdebatten den Stempel auf drucken. Es ist vielmehr das Empfinden, daß diejenige Partei, di« als di« am wenigsten selbstlose, als die in nationaler Be­ziehung am wenigsten zuverlässige betrachtet wird, mit allen ihren Wünschen und Forderungen seitens der Regierung auf größer« Rücksicht rechnen kann, als solche Parteien, von denen jene Vorbehalte nicht gelten und die fich selbstlos m den Dienst des Vaterlandes stellen."" Die Reden btr Herren v. Eynern und Dr. Fried­berg allein stellten sich in scharfe Opposition gegen das bereits Geschehene und atmeten einen starken kaltui kämpferischen Geist. Somit durfte der Reichskanzler mit Recht gegenüber der Leufiemng, er befinde fich in einer splendid iiotation, auf den großen Unterschied zwischen den Reden des Abg. v. H ydebrand unb der Abgg. 0. Etznern unb Fwdberg hin weisen. Hält stch der R-ichZkanzler an feine Ver­sprechungen für die Zukunft uebunben, so wird es seiner Politik auch gegen vaS Zentrum nicht an Freunden fehlen."

das sie vergeblich zu unterdrücken suchte, „vielleicht bin ich gar nicht die licht ge Ei bin von Westfeld."

Der Brief, den sie ihm entpegenhielt, trug auf der Außenseite von grau GramS Hand die Worte: „Bon Elly."'

„Antwerpen, März 1c5.

Ich schreibe Dir, teuere Mutter, so lange ich noch dazu im Stande bin, denn immer mehr schwindet mir b:e Hoffnung. Dich wi derzuseheu. Sechs lange Monate wagt, ich keinen Br es an Dich zu richten, ire l Du mir de» letzten ungeöffn t zurückiandest aber ich hoffe, daß Dein Groll gegen mich fich jetzt ge- mindert hat. Ich weid, dag ich Dich durch meine Hei' at furchtbar beleidigte, und ich flehe Dich an, vergib wir jene unüberlrg e Handlung, die ich aber nur bereue, weil sie mich Dir entfremdet $ar, glaub' mir, liebe Mutter, nur allein deswegen. Wenn ich ein langes Leben vor mit hätte so könnte ich mir feimn bessern Gatten wünschen, al-Paul es ist. Aber meine Tage sind gezählt, ich fühle deutlich, daß ich ihn bald verlassen werde, ihn unu meine kleine Tochter. Wenn ich mein Kind einmal lu Deinen Armen sehen könnte, o welche Sorge wäre mir -amit vom Herzen genommen! Wir haben unfern Liebling nach Dir Doralice gen nnt, unb ich bitte Dch inni?, wende brm armen, unschuldigen Geschöpfchen einen Teil Deiner Liebe zu, wenn ich nicht mehr bin. Ge­liebte Mutter, lebe wohl!

Seine Slly "

„Wann und wo fanden Sie die»?" nregte Dr. Wilson und Doral ce erzählte es ihm. „Dann e'sutaen toir bet'e ja fast gleichzeffig de er­staunliche Neuigkeit", soate er, „eine merkwürdigere Bermickelung ist mir noch nie voigekomn en!*

^Berm llttung?^ wiedahvtte Doral c: ftuurig. „E>, d-s ist doÄ alles rut zu einfach, fe« war nicht ilir;* Sohnes K ud, dem Großrran-a Gram ihre Reichtümer zadachte, sondern fcas ihrer Tochter I unb —"

Obschon er nickt von Oderfchlefien in den Landtag gewühlt ist. btelt fich der Abg. Kor- fanty alS Pole utb Oberschlefier doch für ver- pfl chtet, sich Oberschlesieas vom grotzpoin.fchen Standpunkte aus anzunehmen. Er tat das in einer Weife, daß nachher der Kultusminister Dr. Studt di« Ansicht der großen Mehrheit des Hauses richng wiedergab, wenn er meinte, die polnische Fraktion habe an Henn Korftn'y -------------- .keine beneidenswerte Eroberung fle- tag noch Oderfchlesien auf der Tagesordnung, macht. In einer ganz wirren, dn posttwnsloskn, -■ - ' ..... -* ' *■ A -1- -• von einem zum andern sprmoenden Red« ohne

irgendwelche höheren Gefichttpunkie, nur mtt fragmentarischen Kleinißkeven sich deschäftiaend, suchte er di« wir: schäft ltchen, sozial- n und natto- nalen Zustände Oberschlesiens za schiloern, ver­teidigte di« großpolnische Agitation und griff vor allem wieder das Zentrum an. Bald brachte er feine Gedanken langsam, stockend, mühsam nach dem Ausdruck suchend uud kaum verftä» blich vor, bald rief er mit gehobener Stimme triviale Tiraden in den Saal. Widerspruch und noch