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Monakbellage: „SuIÖUCt Geschichtsblätter". ‘sÄeSStta?"

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tbchlluuM mif das 2. Quartal 1904 »er ,A«ldaer Zeitung* werde« fort- »oährerd vo« alle« Postaustalte«, Laad» hriesboteu, Zeit««gSträgern ««d vo« un­serer Expedition (Harmonie) entgege«- zenommeu.

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Unpolittsche Zeitläuse.

(Nachdruck verboten.)

(0 Berlin, 17. März 1904.

Alle Welt redet von dem aufgehobenen § 2. Aber ich will beileibe nicht politische Zeitläufe schreiben, sondern nur einige unpolitische Gefühle ausdrücken. Zunächst mein lebhaftes Bedauern, daß ich nicht auch ein Jesuit geworden bin. Hoffentlich nehmen Frau und Kinder mir diesen nachträglichen und tatsächlich ungefährlichen Wunsch nicht Übel. Er entspringt eigentlich dem blaffen Neide. Denn aus den fürchterlichen Angstrufen, die rings umher erschallen, ersehe ich, daß die ganze protestantische und jüdische Welt vor den Jesuiten einen ungeheurenRespeki hat. Sie hallen offenbar alle Jesuiten für Geistesriesen, welche Übermenschliches leisten können; und angesichts der bloßen Tatsache, daß ein Jesuit, ein einzel­ner Jesuit in Deutschland herumgehen kann wie ein gewöhnlicher Staatsbürger, fühlen sie sich so heillos erschreckt, wie etwa die Besucher eines Zoologischen Gartens bei der Nachricht, daß der König der Tiere zu einem Heinen Spaziergangs seinen Käfig verlaffen habe. Das verzweifelte Angstgeschrei im deutschen Kulturkämpfertum ist eine großartige Huldigung vor den Jesuiten. Wir Katholiken kennen die Jesuiten und lieben sie, chren sie und schätzen sie sehr hoch; aber die Gegner find uns in der Hochschätzung der Väter der Gesellschaft Jesu noch weit über. Vor dem seligen Windthorst haben fie bekanntlich auch einen riesigen Respekt gehabt, aber aus dem gegenwärtigen Schlottern' ihres Gebeines kann man doch sehen, daß sie vor dem ersten besten Jesuiten noch viel mehr Respekt haben.

Ran kann Mitleid haben mit diesen Angst­meiern, bei denen nichts groß und stark ist, als bloß die Zunge. Man kann aber, wenn man gut gelaunt ist, auch über die Gespensterfurcht dieser vermeintlich „aufgeklärten" Leute lachen. In Anbetracht, daß jetzt die unwürdige und ?ranssme Verfolgung der Personen ein Ende at, kann man das Ding von der komischen Seite nehmen und über den antijesuitischen Ver­folgungs-Wahnsinn seine Späße machen.

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Iwei Erbinnen.

Von Klara Rheinau.

------- (Nachdruck verboten.)

St erhielt denn Fräulein Förster trieb r einmal freundliche Marschordre, und die kleine Gesell chafk terl'eß Paris, um sich nach Bremen zu begeben. Hier »erbrochle Elly in einem riesigen Hotel einen traurigen Gönn taz, den ersten Tag ifcer Rückkehr nach Deutich- land, die fie in Begleitung Reginalds anzutreten gehofft halte!

Der unaufhörliche Schmerz EllyS, den ihr die Untreue Reginalds bereitete, hat e ihre Selbstbe­herrschung fo weit übe, toältigf, daß die Einbildung .«er die Vernunft zu deh rrschen begann und sie von Äer beständigen Angst gefoltert war, ihm hier, in keinen« Vaterland, vielleicht an der Seite seiner zu- Nnstigen Gattin zu begegnen. Diese Furcht quälte fie « den nächsten zwei Tagen 'N pter Straße, bei jeder Sehenswürdigkeit, die fie mit den Hendersons «»fiuchle. Sie stahl den letzten Rest von Farbe aus chren Wangen und verlieh ihren dunkeln, traurigen MUgen einen solchen Ausdruck anftstvo..er Erwartung daß »er(per Vorübergehende halb bewunderns das tzlnge Madch-n betrachtete. Diese ftemden Blicke deuteten ihr deutlich, was itre zunehmende Schwäche B flüstern begar n. Ihre Mutter war in jungen hren gestorben, und ein tiefer Kummer, der an em Herzen ragte, halte ihr frühe» Ende herbei- «esührt, wie ihre Vater einst anbeutete. Konnte der «lgistige nickt auch fie ftühzeitig zu sich rufen wollen?

In bett stillen Stunden der Nacht dachte fie über diese Möglit keil nach und fing an einjusehen, daß fie ihren güt'gen Freunden nicht länger zur ÜLft fallen dürfe. Wenn ihre Tage gezählt waren, konnte fie riklleicht doch bei ihrer mütterlichen Freundin ober

Stilfra, Samstag, den 19. März 1904.

31. Jahrgang.

Ich möchte auch noch die gemütliche Stim­mung durch einen ernsten Gedanken fördern So lange tz 2 bestand, konnte bekanntlich jede- Mit- glieo der Gesellschaft Jesu oder eines „verwandten" Ordens nach dem Belieben der Polizei aus seinem Aufenthaltsort verwiesen werden. Ging er in einen anderen Ort, so konnte die Polizei ihn ebenfalls auSweisen, ehe er nur ein Wort gesagt oder eine Hsnd gerührt hatte. Auch den harm­losesten Jesuiten konnte man so nach Belieben durch ganz Deutschland Hetzen, und wenn er da­durch noch nicht mürbe genug wurde, um sich über die Grenze in einen zivilisierten Staat zu retten, so konnte man chm zum Ueberfluß noch einen Zwangsaufenthalt auf eine abgelegene Insel oder in einem wel fremden Hardedorf an- weisen. Gegen all diese polizeilichen Verfügungen, die dem unbestraften Manne das Leden im Vater­londe unmöglich machen sollten, gab es gar kein Rechtsmittel. Kein Richter hatte vorher ober nachher ein Wort mitzuredrn. Das war ein grausiger Hohn auf jeden Begriff von Rechts­staat. Es war ein Frevel an den unveräußer­lichen Menschenrechten Da er nun beseitigt ist, wenigstens so weit es die Freizügigkeit und das Wohnrecht der Einzelpersonen betrifft, so können wir bei dieser Gelegenheit uns klar machen, wie wertvoll für uns gewöhnliche Staatsbürger der Rechtsschutz ist, den uns die Gesetze und die Gerichte gewähren.

Auch der kleine Mann, der unbemittelte Mann, dar Dienstmädchen und der Tagelöhner rc haben ihre Rechte und ihre Reichssicherheit. So lange sie nicht gegen die Gesetze des Landes verstoßen, kann ihnen niemand etwas anhaben, auch die Polizei unb die sonstigen Machthaber nicht. Sie müffen ihre Steuern bezahlen, aber auch nur die gesetzlich berechtigten Steuern; wenn man ihnen mehr abfordert, können fie sich mit Einspruch und Klage ihr Recht ve, schaffen. Sie müffen sich der geltenden Ordnung fügen; aber wenn ihnen wegen angeblicher Verletzung der Vorschriften eine Strafe auserlegt wird, so können sie richterliche Entscheidung beantragen. Gegen die Willkür der Verwaltung gibt es eine hoch ausgebildete Verwaltungsgerichtsbar- keil, unb gegen die Beschuldigung einer straf­baren Handlung kann man sich im strafrecht­lichen Verfahren vor unabhängigen Schöffen, Geschworenen ober rechtsgelehrten Richtern ver­teidigen.

Dieser Rechtsschutz ward erst nur nach der politischen Seite entwickelt. Die wirtschaftliche Abhängigkeit der kleinen Leute, namentlich der mittellosen Arbeiter, blieb damals noch bestehen. Es hieß noch: Geld regiert die Welt, unb wer keinen Mangel an Geld hatte, geriet vielfach in die Willkür des Kapitals. Auch in diesem Paukte haben wir bedeutende Fortschritte gemacht. Es sind zahireiche Gesetze erlassen zum Ärbeiter- schutz, unb es sind ebenfalls viele Gesetze erloffen und werden auch weiter verbreitet für das Arbeiter- recht. Der wirtschaftlich Schwache ist nicht mehr der Gnade des wirtschaftlich Starken überliefert, sondern er kann unter dem Schutze der Gesetze und der Gewerbegerichte rc. sein Recht erstreiten, darf sich auch zur Wahrung seiner Interessen

wenigstens in deren Nähe ivre letzte Lebenszeit zu- bringen. Mit Herrn Hendersons Zustimmung wollte fie gleich am nächsten Tage an Fräulein Oswald schreiben und ihr Anliegen Vorbringen.

Mit diesen Plänen beschäftigt, ging fie am Mitt­woch morgen, es war der 1. September, hinunter und sand Hrrrn Henderson Und seine Frau in ihrem Zimmer, eine Mitteilung studierend, die fie gerade von Frau Lindemann erhalten.

„Hatte in eigener Angelegenheit nach Brüssel zu schreiben,* erklärte der Herr, Elly in einiger Ent­fernung einen Stuhl anweisend, und hier ist auch ei t Brief für Sie, Fräulein Förster, der dem meinigen beigelegen. Jene Lehrerin kannte seitbrr unsere Adreffe nicht, konnte ihn also auch nicht früher befördern." Tann ging er wieder zurjick, um in halblautem Tone mit seiner Frau zu beratschlagen, wann er am besten Fräulein Oswald persönlich aufsuchen würde, um über ihren srühern Schützling mit ihr zu sprechen. Aber diese wohlwollende Beratung wurde plötzlich unter­brochen. Elly eilte mit geröteten Wangen herbei und reichte ihnen ihren Brief.

„Lesen Sie," bat fie, .und sagen Sie mir. was ich tun wll. Sie find beide so gut, wollen Sie für mich denken, denn ich selbst kann rs jetzt nicht. ES ist ganz wunderbar," fugte fie an allen Gliedern zitternd, bet, „Bag dieses aerace sitzt kommt. Aber ich möchte sehr gern bet meinen Verwandten sein, obschon ich dieselben nie gesehen, und obschon ich —" Tränen durchst-ömten wieder ihr bleicher Gefichtchen — „vielleicht nur hingche — um zu sterben."

12. Kapitel.

RIar und sonnig laste der zweite September über Westfeld. Doral ce befand sich in unbeschreiblicher, Haid fteudiger, halb angstvoller Erregung, denn in winigen Stunden durste fie ihren Vater und Verlobten erwarten.

Was würde Alex fegen zu ollem, bai sie chm

mit seinen Genoffen vereinigen. Reden dem Koalitionsrecht, das die Schwachen in ihrer Masse stark macht, ist die Freizügigkeit ein wesent­liches Hilfs- und Schutzmittel für den kleinen Mann. Er kann dorthin gehen, wo er seine Arbeitskraft am besten verwerten zu können glaubt, und so lange er nicht wegen eines Ver­brechens bestraft ist, kann niemand ihn auS dem erwählten Wohnsitz vertreiben.

Wer das Gesetz beobachtet, ist frei, und wenn ihn jemand in seinen Rechten kränken will, so kann er den Richter zu Hilfe rufen. Diese allgemeine Rechtssicherheit für Niedrig und Hoch ist ein großer Fortschritt, und wenn man be­trachtet, waS sich früher die kleinen Leute alles gefallen laffen mußten, so darf man auf die jetzige Ordnung wegen ihrer noch bestehenden Mängel nicht allzu wild schimpfen, sondern muß dankbar anerkennen, daß Menschenrecht und Menschenwürde jetzt schon viel beffer gewahrt und gesichert ist. Auf diesem Wege der Freiheit und Rechtssicherheit würden wir auch noch fort­während recht schöne Fortschritte machen können, wenn nicht die Tollheiten und Bosheiten der Umsturzpartei abschreckend und lähmend wirkten. Die größten Feinde des Fortschritts find die Sozialdemokraten.

Schiller sagt, vor dem freien Manne brauche man nicht zu zittern, wohl aber vor dem Sklaven, der die Kette gebrochen habe. Das soll heißen: dieser Sklave ist an den vernünftigen Gebrauch seiner Freiheit noch nicht gewöhnt, er wird seine Kraft maßlos, brutal spielen laffen und Unheil anrichten. Wenn der Christ sich feiner Freiheit und seiner Rechtsficherheit erfreut, so wird er in seinem Glauben und seinem Gewiffen auch die rechte Anleitung zum vernünftigen Gebrauch finden. Die Hauptsache ist, daß ec sich an den Grundsatz lall: Was du nickt willst usw., das füg' auch keinem andern zu! Wer fein R-cht betätigen und wahren will, muß auch das Recht des andern respektieren und schonen.

Vernünftig ist es, zur Verteidigung seines guten Rechtes von der gesetzlichen Selbsthilfe und von den vorgeschriebenen Rechtsmitteln Gebrauch zu machen. Aber unvernünftig und verderblich ist es, um einer Kleinigkeit willen einen ge­waltigen Kampf anzufangen. Wenn man einen Streit beginnen will, so muß der Gegenstand die voraussichtlichen Mühen und Kosten, und Ge­fahren lohnen, Man muß nicht kämpfen um des Kampfes willen und nicht prozessieren aus bloßer Rechthaberei, sondern nur aus fachlicher Not­wendigkeit, um etwas zu verteidigen oder etwas zu erreichen, was der Mühe wert ist und was »ach menschlicher Berechnung auch erreicht werden kann.

Ein gefährliches Ding ist im Sinzelleben die Prozeßtuckt unb im genossenschaftlichen Leben die Streik lüft. Welch' ein Unheil ist schon angerichtet worden durch diese krankhaften Auswüchse des RechtSsinneS unb der Selbsthilfe! Wer etwas „durchsetzen" will, arbeitet sich leicht in die Ueberzeugung hinein, daß er dazu im­stande ist, daß sein Prozeß oder sein Lohn­kampf die schönsten Aussichten habe, daß die Partie „gar nicht verloren gehen" kann! In

dem Eigensinn und der Begehrlichkeit täuscht er sich selbst über die Stärke des Gegners und über feine eigenen Mittel; er hört nicht auf die warnenden Stimmen, dagegen schwört er auf alle, die ihm zureden. Wenn nun der Tanz erst lei gegangen, so macht die steigende Kampflust ihn vollständig taub und blind. „Nachgeden? Nie und nimmer! Lieber mit Ehren untergehen!" das find die geschwollenen Redensarten, mit denen der Verblendete sich und dir ©einigen immer tiefer in's Verderben hineinredet.

Also Vorsicht im Gebrauch der Rechts­und Kampfmittel, die uns der moderne Staat gibt. Je mehr Freiheit, desto mehr Vernr nft und Selbstbeherrschung istnütig. Je folgen­schwerer die Entschließungen des einzelnen find, desto mehr muß er sich daran gewöhnen, nüchtern 8« überlegen unb sich bei verständigen und erfahrenen Leuten Rat zu holen

Der kluge Bürg erkann sein Glück schmieden, der unkluge kann auch sein Unglück schmreden.

Deutsches Reich.

Berlin, den 18. März 1904

* Im oldeuburgische» Landtage ist dieser Tage der Fall Biermann zur Sprache gekommen, und dabei hat der Justizmtnrfler Ruhstrat nach vorliegenden Berichten u. a. geäußert, er „kenne kein Preßvergehen" und ferner: jeder, dem das Gericht eine Ges 2 n g- nisstrase auserlege, werde eben damit als ehrlos charakterisiert. Das ist rmrwch ein starkes Stück, zumal von einem Juftizmimster. Er wollte mit seinen Aeußerungen die Meinung begründen, daß Preßvergehen nicht müder zu beurteilen feien, als andere; der Minister schert also die mit dem Gesetz in Konflikt geratenen Redakteure mit gemeinen Verbrechern über einen Kamm. Mit dieser Meinung wird der Herr Ruhstrat, wie die .Franks. Ztg/ mit Recht her- vorhebt, so ziemlich allein dastehen. Alle ern- sichtigen Juristen sind darüber nicht mehr im Zweifel, daß die Preßvergehen im allgemeinen, also mit Ausnahme besonders böswilliger Fälle, von besonderer Art sind unb, wenn Frer« heitsentziehung in Frage kommt, überhaupt nur mit Festungshaft bestraft werden dürsten. Darüber kann man eigentlich gar nicht mehr diskutieren, nut Herr Ruhstrat hat noch An­sichten aus der Zeit von anno dazumal. Er sollte einmal das Preßgesetz gehörig durchnehmkn, bann würde er vielleicht über PreßvergehR; Klarheit bekommen. Noch erstaunlicher — bei einem Justizminister — ist die Aeußerung, daß Gefängnisstrafe ehrlos mache. Wir führen da nur ein Beispiel an: Wer eine Majestätsbe- leidigung begeht, kann mit Festung b straft werden; wer einen Schutzmann beleidigt, nur mit Gefängnis. Nach Ruhstrat wäre es also ehrlos, einen S hutzmann, aber unter Umständen nicht ehrlos, MajestätkN zu beleidigen, woraus sich ergeben würde, daß dre Ehre des Schutz­manns höher stehe, als die eines Fürsten. Bei vielen Urteilen hat der Verurteilte die Wahl zwischen Geldstrafe und Gefängnis, also die

miljuteiten hatte? Wie würde ihr ernster Vater ihr eigenmächtiges Vorgehen aufnehmen? Würde sie, allen bösen Zungen und läckerticken Vorurteilen zum Trotz, hier bleiben und an ihres Al-x Seite sich idres schönen Besitztums erfreuen, oder feige und mutlos nach dem freiem Lande ihrer Kindheit flüchten? Dies waren Fragen, die fie den langen Vorm ttag über eifrig be­schäftigten. Und wie ein Sehnen kam es über pe, nach ihrer ersten Heimat, nach der Mutter, deren ängstliche Besorgnis, ihre Töchter zu Damen zu erziehen, fie manchmal halb lächerlich gefunden, bx sie aber jetzt ganz verstehen konnte. Sie fragte fich gerude. wann und wo ihr Wiedersehen mit der Mutter wohl statt­finden werde, als Dr. Pott nach seinem täglichen Be,ucke bei Fräulein Basstr g bei ihr vor sprach.

„Unsere Kranke drängt ganz verzweifelnd daraus, von hier wegzukommen," sagte er. „Ich glaube, Fräulein Gram, entschuldigen Sie meine Freiheit, es kommt daher, weil Sie nie nach ihr sehen. I tzt, da Herr Gram und — ein Freund, nicht wahr? — bald hier eintreffen werden, fürstet fie, ihnen im Wege zu fein."

Nicht für ihr Leben hätte Doral ce einen leichten Sarkasmus in ihrer Antwort unterdrücken können.

„Wenn Fräulein Bosfing fich nicht außerordentlich verändert bot, Herr Doktor, so ist e- sehr unwahr­scheinlich, daß fie auf meine Gefühle oder mein Be­hagen irgend welche Ruckfiwt nähme. Wenn Ppa hier ist, werde ich fie vielleicht einnal besuchen, aber vorher nicht. Bitte, geben Sie ihr zu verstehen, daß Zimmer und Bedienung ganz zu ih-rr Verfügung find, vir fie zum Reisen kräftig genug ist "

„Ich versichere Ihnen, Fräulein Gram, fie bleibt nur ollem derweg-n hier, weil ich ihr noch nicht er­laubt habe, wegzugehen. AuS freiem Willen würde sie ihre schweren Berpflichtungen gegen Sie nicht noch vermehre-'."

.Dann sorgen Sie, daß fie dieselben nicht alr Bttpflichtnngen empfinden," antwortete Doralice rasch.

„Ich würde für jeden Denstdote» des Hauses ganz das Gleiche tun. Aber je eher fie im Stande >st, Westfeld den Röcken zn kehren, l esto angenehmer wird es für uns beide feto, Herr Doktor."

Schon die bloße Erwähnung der Basfing brachte DoralicenS Blut in Wallung. Heute aber hatten fie des DoktorS Worte noch besonders unangenehm berührt, und vor ihren inneren Muten stier lebhaft jene häß­liche halbe Stunde au°, als die Gesellschafterin ihren längst berechneten Streich ausführe und die ganze Bosheit ihrer Charakters mverhüllt zeigte. .Ein ehr fache- Landwädchen mag mttoe Mutter gewesen fein", sagte Doralice für fich, vor einem großen Spiegel fich zur voll-n Höhe aufrichtend. „Ab-r Gott fei Dank, auch ein ehrlicher!" Ich denke, Alex wird sich ihretwegen nicht von mir abwe»den; ich will ihm vertrauen. „Aber —" der Gedanke mhr ihr durch den Sinn, beim Anblick ihre- Spiegelbilder,— „so soll er wich nicht hier finden. Was ich auch sonst fein möge, ich bin eine Erbin und sollte auch wie eine solche auSsehrn." Damit lief fie die Treppe hinauf, um ihr einfacher Mvrgenkleid mit einer reichen Toilette zu vertauschen.

Die Dienste einer Jungfer hatte fie von Anfang an verschmäht, und so wählte fie denn jetzt oü-ie die eleganteste ihrer Roben auS schtorneruder Seide, reich mit kostbaren Spitzen besetzt. Aber feilst dies genügte ihren Ansprüchen noch nicht. Sie prohierieeto Schmuck­stück nach dem andern und legte eS b-i Seite, bW plötzlich ein vliicklicher Gedanke fie erfreut in die Hände klatschen ließ.

„Meine Diamanten!" rief fie auS. „Jetzt ist die richtige Z'it dafür. Für wen frllte ich fie zum erst« Mal ane^ui, wenn nickt für Alex? Urb Papa er­laubte wir ausdrücklich, sein alter Pult zu rffne«. Daß ich dies tut dir sitzt ganz vergessen kvintef"

(Fortsetzung folgt.)