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Zeitung
Monattbellagr: „gulöaer GeschichtrbMel".
Zuldaer
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3.&5toÄ*- wochendeilage: .^llusttiette §0mtagszeitung
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Druck und Verlag Me Luldaer Actiendruckerck in Zulda (Harmonie). Lernspreche? «r. 9.
9
Zlll-a, Dienstag, den 15. März 1904.
31. Jahrgang.
Kellewr». *#> «uzei,enteil
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1 Zweites Zlatt i
SkßllMM aef bas 2. (Quartal 1904 -er ,Auldaer Zeitung^ werden fort- wShre.rd von allen Postaustalte«, Land- -rieidoten Zeitungstr.rgern und von unserer Expedition (Harmonie) entgegen« genommen.
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«em em 14. Januar ItOl erklärte der Staats- Mär. Graf PosadowSkh, daß er bei Rund- Nfcto de» preußischen Münsters der Justiz G Nit Berbiindeten Rettern« cen rnitgetestt und
| ihnen die Erwägung anheimgesteüt habe, ob nach den dortigen Verhältnissen ein ähnliches Vorgehen angezeigt erscheine. Es dürste vielleicht angebracht sein, wenn die obige Verfügung des preußischen Justizministers den Staatsanwälten erneut zur Kenntnis gebracht würde.
Weiterhin läßt sich nickt leugnen, daß unsere Richter in Sachen des Gewerberechts, in besten Bereich ja vornehmlich die ganze Arbeiterschutz- gesrtzgebung fällt, bezüglich der letzteren nicht immer die scharfe Austastung der Strafbarkeit von Verstößen der Unternehmer entwickeln, wie hinsichtlich der übrigen Strafrechtspflege. Die Folge ist dann die, bay bei den Arbeitern nur zu leicht das Gefühl auskommt, daß Verfehlungen der Unternehmer und anderer Klaffen nicht so schwer bestraft werden, wie umgekehrt solche der Arbeiter. Ein solches Gefühl vermeintlicher I Klassenjustiz erzeugt Mißstimmung, von der dann in erster Linie die Sozialdemokratie profitiert.
Erne weitere schädliche Folge einer zu mllden Rechtsprechung bezüglich der Verfehlungen gegen die Ardeiterschutzgesetze ist die, daß dadurch die Achtung, die auch seitens der Unternehmer vor der Arbeiterschutzgesetzgebung empfunden weroen sollte, geschwächt wird. Dadurch leidet nicht nur diese, sondern auch das Ansehen der zu ihrer Ueberwachung bestimmten Beamten, der Gewerbe- inspekroren. Angesichts deren segensreichen, auch dem sozialen Frieden dienenden Tätigkeit Haden wir jedoch alle Veranlaffung, mit allen Müteln ihre Stellung zu stärken.
*U«b was hat Deine Berufung ins Ministerium mit diesem LebenSglück zu tun?"
»Sehr viel. Ich habe Gerda bisher nur an Nitter Orten sehen können, denn ihr Vater, der Geheinnrnt Renbelf, ist einer der unzugänglichsten
„Du — die Sache ist für mich gar nicht spaßhaft. ES handelt sich um das Glück meines Lebens.»
gegenüber fei darauf hingewiesen, daß schon im Jahre 1898 der preußische Justizminifler den Staatsanwälten empfohlen hat, sich in anhängig
Straffachen mit den Fabrikinspektoren — ... v„ twu# lu..at ,UUjl, tUiU wS Benehmen zu setzen, und ihnen vorgeschrteben es etwas schwermütig von den Lippen des Re- ^Slrchen Verurteilungen den Gewerbe- gierungsastestors. „Und wer weiß, ob dieser be- nufsichtSbeaMten Mitteilungen zu machen. Wenn1 ~ — -
bw Staatsanwaltschaft die Erhebung der öffent- uchen Anklage oder bas Gericht die Eröffnung drS Haupeverfahrens ablehne oder Freisprechung «folge, so solle hiervon ebenfalls unter Dar- I«gnn0 ber ©rfinbe ober unter Uebersendung tm« Abschrift beS GenchtSbeschluffes unoerzüa- llch bei GewnbeauffichtSbeamten Mittelluna gemacht und in ben letztnen Fällen angegeben *>etb«w, ob ein Rechtsmittel eingelegt ob« aus
„Unb Du meinst, man würde das nicht lesen? schrie der unglückliche Affeffor in Heller Bef zweiflung. „Dann kann ich nur gleich hingehend | mich toischießen. Denn mit meiner Hoffnung l auf Gerda, mit mein« Karriere, mit mein« ganzen Zukunft ist es nun selbstverständlich vorbei."
Auch der Doktor konnte seine Bestürzung nicht verbergen.
„Es ist der unglücklichste Zufall von b« Welt. Aber das Unbeil muß sich doch noch ab» wenden lassen. Natürlich nehme ich alles auf mich. Wenn Du willst, werde ich selbst den Geheimrat darüber aufllären, daß es sich um eine Verwechslung handelt, an der Du ganz unschuldig bist."
„Der schlechte Eindruck wird dadurch nicht mehr ausgelöscht werden. Es ist vorbei. Ich bin ein verlorener Mann."
„So fahre doch wenigstens auf der Stelle ins Minifi«ium und sieh zu, das unselige Manu» skript zurück zu «halten, ehe es gelesen worden ist."
»Ich , habe keine Hoffnung mehr. Ab« ich kann es ja in Goltesnamen versuchen."
Und gebrochen wunkre er hinweg.
Mit den Empfindungen eines armen Sünders, der sein Todesurteil in Empfang nehmen soll, betrat er eine Viertelstunde später das Arbeitszimmer des Geheimrats, der ihn sogleich nach erfolgter Meldung vorgelassen hatte.
„Vortefflich, daß Sie aus eigenem Antrieb kommen, mein lieber He« Assessor!" hörte « sich mit einer Freundlichkeit angeredet, die nur grausamste Ironie sein konnte. „Exzellenz hat den Wunsch geäußert. Sie so bald als möglich zu sprechen. Ich denke, daß ich Sie sogleich dem Herrn Minister vorstellen kann. Bitte, wollen Sie mich begleiten."
„Herr Geheimrat," stotterte der Unglückliche, „das Schriftstück, das ich Ihnen vorhin übergab, es war nur versehentlich in meine Tasche g«aten — ich “
„Wir haben ungefähr dieselbe Figur, und Du mußt mir mit Deinem Frack aushelfen. In einer Stunde bringe ich ihn Dir zurück."
„Mit dem größten Vergnügen! — Da hängt er Über der Stuhllehne. Ich habe ihn mir glücklicherweise erst vor vier Wochen bauen laffen. Und ich will nicht hoffen, daß man mir ihn etwa gestern ebenfalls hinterrücks mit Sauce begossen hat."
„Sie wollten stch die Ueberreichung der kleinen Denk|chrift für später aufsparen?" lächelle ber plötzlich so ganz verwandelte alte Herr. „9hm, ich meine, daß Sie dann keinen Anlaß haben, das Versehen zu bedauern. Ich habe den Aufsatz gelesen und habe es für meine Pflicht gehalten, ihn unverzüglich Sein« Exzellenz vorzulegen. Junge Leute mit so klarem Blick und so gesundem Urteil können wir eben brauchen. Ich werbe j mich freuen, lieber Herr Kollege, wenn Sie mir Gelegenhett geben. Sie auch auß«dienstlich näher kennen zu lernen.»
Was ihm noch weiter geschah, «lebte Heinz Lewald wie im Traume. Als er nach Verlauf einer halben Stunde die Treppe hinabstieg, I konnte er nur schwer d« Versuchung wid«stehen, I aus vollem Halse zu lachen. Der Minister hatte ihn mit beinahe väterlicher Leutseligkeit empfangen, hatte ihm ebenfalls ein paar sehr freundliche I Worte über sein treffendes Urteil und seine stilistischen Fähigkeiten gesagt und fich dann des längeren über die in dem Aufsatz gerügten Mißstände mit ihm unterhalten.
„Sie werden mir, wie ich hoffe, nach Kräften bei ihr« Beseitigung behilflich sein." Mit diesen verheißungsvollen Worten hatte « den halb be- I täubten Assessor entlassen, d« natürlich schon längst nicht mehr daran gedacht hatte, die Ver- fafferschast des Artikels zu leugnen. Unten vor dem Portal des Ministeriums stieß er auf den Freund, der ihm gefolgt war, um zu verhindern, daß er in seiner ersten Verzweiflung irgend eine Dummheit beginge. Heinz schleifte ihn in die nächste Weinstube, und bis der Kellner die bestellte Flasche Heidfieck brachte, hatte « ihm alles «zählt. Mit einem etwas sarkastischen Lächeln füllte der Doktor die Gläser.
„Prosit, mein Junge! Auf das bewußte Lebensglück! Meinen Artikel, b« für mich ja nun doch oraloren ist, mache ich Dir hiermit in all« Form zum Geschenk. Meinen Rock ab« werde ich künftig nut mit einer Empfindung heilig« Ehrfurcht betrachten körnen, denn am Ende ist doch er allein eS gewesen, der Deine Rarritte gemacht hat."
„Nein, « ist tadellos. Und dem Himmel sei Dank — er scheint wirklich zu paffen."
„Wie angegossen! Aber was bedeutet denn eigentlich dies« festliche Auszug? Du gehst doch nicht am Ende gar auf Freiersfüßen?"
„So weit ist es leider noch lange nicht," kam
I Menschen dieses Erdenballs. Für junge Leute, zu denen er nicht in irgend welchen amtlichen Beziehungen steht, ist sein Haus so gut wie verschlossen. Und wenn ich jetzt, wie es leider das wahrscheinlichste ist, an irgend eine Provinzregierung komme, werde ich abreisen müssen, ohne eine Verbindung mit der Familie Randolf angeknüpft zu haben. Du begreifst, was das bedeutet. Im Mmisterium ab« würde er mein unmittelbarer Vorgesetzter sein. Ich dürste ihm meinen Besuch machen, könnte mir sein persönliches Wohlwollen erringen. —"
„Und so weiter, bis das Vttdttben — par- pon! — die Verlobung da wäre. Na — und stehen denn die Aussichten für Deine Berufung so schlecht?"
„Man hat mich aufgeforbert, meinen Lebenslauf nebst einem motivierten Gesuch einzureichen I und mich bei der Gelegenheit persönlich vorzustellen. Aber bamit ist noch gar nichts gesagt. — Uebrigens — kannst Tu mir nicht einen großen Briefumschlag geben? Ich sehe eben, daß das Kouvert, in das ich die Schriftstücke gesteckt habe, ein wenig zerknittert ist."
„Hier, mein Lieb«! — Bei einem Federfuchser ist dergleichen immer vorhanden Und nun mache, daß Du fortkommst! Eros fei Dein Beschützer!"
Heinz, der den Umschlag mit den wichtigen Papieren in einer der Fracktaschen verborgen hatte, dankte mit etwas gedrückt« Miene für den freundlichen Wunsch und verschwand. Es mochte reichlich eine Stunde verflossen fein, als er wieder an der Tür des Freundes pochte. Viel vergnügter und zuversichtlicher als vorhin ab« sah er gerade nicht aus, und tief aufschluchzend ließ er sich in einen Sessel fallen.
„Na, was ist denn los?" fragte b« Doktor teilnehmend. „Der Minister hat Dich doch nicht hinausgeworfen?"
UR. Kartiere.
Humoreske von Reinhold Ortmann.
------- (Nachdruck Verbote».)
Als der RegierungS - Affeffor Heinz Lewald seinen Frack vom Haken nahm, um mit der Anlegung dieses feierlichen Kleidungsstückes seine Toilette zu beenden, machte er eine furchtbare Entdeckung. Von der Schulter bis zu den Sohl-n hinab zogen sich zwei leicht geschlängelte weißliche Streifen, die allem Anschein nach von einer fettigen Substanz herrührten, da der Versuch, sie | mit der Kleiderbürste zu entfernen, ein nur noch stärkeres Hervortreten zur Folge hatte.
„Ein Esel von einem Lohndiener muß mich I auf dem gestrigen Balle mit Bratensauce begossen haben," dachte der Assessor, und voll verzweifel-! ten Ingrimms fügte er in der Stille seines Her-1 zens hinzu: „Was um des Himmels willen soll ich nun anfangen? Es wäre ohnedies die höchste Zeit gewesen, ins Ministerium zu fahren."
Eine Erkundigung bei seiner sachverständigen Wirtin brachte idm die ■ niederschmetternde Ge- j wißheit, daß nur ein Reimgungs - Institut das entweihte Kleidungsstück in seinen vorigen Zu-' stand würde zurückversetzen können. Un da dieser Weg für den Augenblick nicht gangbar war, mußte es der Affeffor wohl oder übel mit einem andern Auskunftsmittel versuchen. Er schlüpfte eilig in | Gehrock und Ueberzieh«, um sich unten in eine Droschke zu werfen und zu feinem Freunde, dem Dr. Paul Hartwig, zu fahren.
Der junge Tagesfchriftstell« saß noch mit etwas übernächtigem Gesichte beim Frühstück, als der Assessor blaß vor Aufregung in fein Zimmer trat. Mit wenigen Worten war der Zweck des frühen Besuches «klärt.
Foulard - Seide I
— Zollfrei I — Muster an Jedermann | — Seidenfabrikt. Henne berg, Zürich.
von den Geldstrafen, die insgesamt 5939 Personen betrafen, waren nur 4, die den Betrag von 200 Mark überstiegen. Nicht weniger als 4845 Personen oder 81 Prozent der Gesamtzahl erhielten die geringe Strafe von 8—10 Mk.; 613 Urteile verhängten Strafen von ttwa 10—20 Mk., 395 Strafen von über 20 - 30 Mk., 88 Strafe« von über 50—100 Mk. und 14 Strafen von »brr 100 -200 Mk.
Dabei muß bemerkt werden, daß gegenüber ben 6621 tatsächlichen Bestrafungen im Jahre 1902 45511 Zuwiderhanblungen festgestellt wurde«. Und gegenüber ber Höhe ber verhängten Strafen muß man sich vergegenwärtigen, daß sie öfters liebertretungen betrafen, die schwere Gefahren für Leben unb Gesundheit der Arbeiter herbeisühren konnten. Seiber läßt die Denkschrift praktische Vorfchläge, wie in Zukunft hier SBanbel geschaffen werben soll, vermiffen. Dem-
„Jch habe ihn gar nicht zu Gesicht bekommen. Man wies mich an ben Geheimrat Randolf--»
„An Deinen künftigen Schwiegervater? Was konntest Du Dir denn befferes wünschen?"
„Ach, es hat sich was mit Schwiegervater! Der Mann behandelte mich so eisig, als ob er eine Ahnung von meinen vermessenen Wünschen unb Hoffnungen hätte. Seine Exzellenz sei beschäftigt, unb im übrigen sei augenblicklich kaum I ein Bedürfnis für die Berufung neuer Hilfsarbeiter vorhanden. Es war ein abschlägiger Bescheid in aller Form."
„Armer Heinz! Versuche es zu tragen wie ein Mann! Ich hatte Dein langes Ausbleiben schon für ein günstiges Zeichen genommen. Aber ich gestehe, daß ich mit einiger Ungeduld auf Deine Rückkehr gewartet habe. Denn Du hast in meinem Frack das Manuskript eines Artikels mitgenommen, der noch heute vormittag in die Redaktion ber .Tageszeitung' muß. Ich wollte ihn auf dem gestrigen Souper beim Verleger dem Chefredakteur übergeben, habe es aber leider vergessen. Es wird Dich übrigens interessieren, den Aufsatz zu lesen. Denn Du hast an der Autorschaft eigentlich größeren Anteil als ich."
„Ich? — Inwiefern?"
„Ich habe nur beinahe wörtlich nieber» geschrieben, was Du mir vor einigen Tagen über gewisse Mißstände im Ressort Deines Ministers erzähltest. Die Sache wird Aufsehen machen, wie ich hoffe."
„Aber das lag durchaus nicht in meinen Wünschen. Die Ansichten, die ich Dir gegenüber im vertraulichen Gespräch entwickelte, waren keineswegs für die Oeffentlichkeit bestimmt."
„Ach, sei doch nicht so ängstlich. Von mir wird natürlich niemand «fahren, ans welcher Quelle ich meine Weisheit geschöpft habe. Und zu Deiner Beruhigung kann ich dir schärfsten Stellen ja noch ein wenig mildern. ,Gib nur her! Der Umschlag mit dem Manuskript muß in der Brusttasche stecken."
Der Affeffor brachte das Kuvert richtig zu । Tage und reichte es mit müder Bewegung dem Freunde. D« aber schüttelte, nachdem er ben Inhalt herausgezogen, ben Kopf.
„DaS ist nicht das rechte. Es ist ja Dein j Gesuch. Der Geheimrat hat eS also garnicht in | Empfang genommen?"
Wie entgeistert starrte Heinz den Fragenben an.
„Mein — Ge—such?" stottttte «. „Barm-1 bergiger Gott! Dann — bann — habe ich dem Rat Deinen Artikel gegeben."
»Donnerwett« — bas wäre nicht Übel! — Die Umschläge waren allerdings ganz gleich. Ab« « muß doch ben Irrtum gleich bemerkt haben, unb « wird das Manuskript sich«lich I nicht lesen."
„Hatte der Artikel eine Ueberschrift?"
„Jawohl. Sie laxttie: „Mn offener Wort I en den Herrn Mimst« " t
glückende Tag mir jemals erscheint. Wenn ich mich in mein« Hoffnung getäuscht habe, wenn meine Berufung als Hilfsarbeiter in bas Ministerium nicht «folgt, so ist eben alles verloren."
„Gott — wie elegisch! — Es ist doch nicht indiskret zu fragen, ob es noch immer das kleine tfrfiulein Randolf ist, dem Dein heißes Sehnen
undZtrafjustiz.
Wiederholt ist in ben letzten Jahren nicht nur von den Gewerbeaufsichtsbeamten selbst und den Arbeiterorganisationen, sondern auch im Parlament darüber geklagt worden, daß die von ben Gerichten wegen Uebertretung ber Arbeiterschutz- bestimmungen verhängten Strafen im großen und ganzen nicht genügen, um eine ausreichende Sühne für schwere Verfehlungen gegen ben Arbeiterschutz zu bilden. Die gninge Ahndung hat zur Folge, daß mw'che Unternehmer die Schutzbestimmungen «chfichMck nicht beachten, weil z. 8. ber geschäftliche Nutzen, ber durch eine über die gesetzliche Dan« hinausgehende Beschäftigung von jagend- j kicheu Arbeitern ober Arbeiterinnen erzielt wird, den Nachteil einer eventuellen Bestrafung bei weitem überwiegt. Wie gering die Strafen find, und welche Verfehlungen sie betreffen, zeigt eine dem vorgelegte „Uebeisicht über bie
zur MffWs der Gewerbeaufsichtsbeamten ae- langten rechtskräftigen Bestrafungen aus dem Jahre 1902 wegen Zuwiderhandlungen gegen bie Arbeiterschutzbestimmungen ber Gewerbeordnung
Nach der zusammeufaffendeu Tabelle 1 dieser lieberficht (6. 880) betrafen die Berstöße hauptsächlich folgende Bestimmungen bet Gewerbeordnung: Beschäftigung an Sonn- und Festtagen (in 774 Fällen), Bestimmungen des BundeSrateS betr. Unfallverhütung, hygienische Beschaffenheit der Betriebsräume -c. (927), Beschäftigung Jugendlicher (339), Anzeige über die Beschäftigung, AuShang des Verzeichnisses und der Bestimmungen noch §§ 138 G.-O. (359), Bestimmungen üb« die Beschäftigung von Arbeiterinnen in Fabriken in bezug aus die ArbeitSvauer (203), Vorschriften über Arbeitsbücher (2125), über den Besuch der Fortbildungsschule (181). Die Berstöße verteilen stch nach Tabelle 2 (Seite 480) auf die einzelnen Gewerbegruppen folgendermaßen : An der Spitze steht btt Industrie der Nahrungsmittel und Genußmiltel (1532 Fälle rechtskräftiger Berurteilungen), eS folgen Bekleidungs- und ReiutguugSgewerbe (718), Industrie der Steine und Erden (KOS), BeherbergungS- und SrquickungS Gewerbe (608), Metallverarbeitung (475), Baugewerbe (352), Industrie der Holz- und Schnittstoffe (344), Textilindustrie (297) K.