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eitung

Fuldaer

m»nakbiilag-: „gulöatr Seschichkblätter"

31. Jahrgang

ßulda, Montag, den 14. März 1904

Ji. 60.

Druck und Verlag l<f Zuldaer Actieudnrckei« in Zulda (Harmonie) Fernsprecher Rr. t.

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rchrisüeiter:Jos.va««.

, ULK», wochenbeiiage: „Illustrierte Sonntagszeitung"

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Berlin, den 11. März 1904.

* Zn der Aufhebung des § S des Jesuiteugesetzes schreibt die.Nordde utsche Allgemeine Zeitung' in ihrer Sonntags nummer: „®ie Aufhebung hat unmittelbar nach Bekanntwerden des Bundesratsbefchlusses einer Anzahl Blätter zu mehr ode» minder lebhaften Betrachtungen Anlaß gegeben. Es ist zu hoffen, daß mit der Zeit eine ruhigere Auffassung Platz greift, zumal wenn erst die volle Erkenntnis dessen zum Durchbruch gelangt sein wird, um waS es stch eigentlich handelt. Die Mehrheit des Reichstags hat sich wiederholt zu gunsten der Aufhebung dieser Bestimmung ausgesprochen, und am 1. Februar 1899 gelangte ein von den Konservativen und der Freisinnigen Vereinigung gestellter Antrag zur Annahme, wobei nur ein kleiner Teil dec Nationalllberalen in ablehnendem Sinne stimmte. Nun ist der erforderliche Be­schluß des Bandesrates ergangen und das Ge­setz, am 8. d. Mts. vom Kaiser vollzogen, gestern amtlich bekannt gegeben worden. Durch diese Entschließung wird ein Ausnahmerecht be­seitigt, das, wie die .Frankfurter Zeitung' her­vorhebt, sonst nur für entlassene Sträflinge be­steht. Win» in diesem Zusammenhangs von einer Zusicherung die Rede ist. die der Reichs­kanzler dem Zentrum gegeben habe, so fleht dem di« Tatsache gegenüber, daß der leitende Staats­mann die oben erwähnte Zusicherung nicht einer einzelnen Partei, sondern dem Reichstage gemacht hat, dessen weit überwiegende Mehrheit die Aufhebung des Paragraphen beantragt hatte. Auf der gleichen Höhe objektiver Wahrheit be­wegen stch Ausführungen, die dem Grafen v. Bülow Liebedieneret gegenüber dem Zentrum vorwerfen. Mit demselben Recht kör nte man doch offenbar von einer Liebedienerei des Reichstages gegen­über dem Zentrum sprechen. Ei freulicherweise fehlt es auch in der Presse nicht an Aeuße- ruxgen, die zu dem Geschehnis von vornherein nüchtern und besonnen Stellung nehmen." Das oderoffiziöse Blatt zitiert dann die Aeußerungen der .Kreuzztg.', der .Deutschen Tagrsztg', der .Konsero. Korresp.' und der ,Berl. Volksztg.'. Die .Konsero. Korresp.' schreibt u. A. folgendes: „In der konservativen Partei sind be­kanntlich die Ansichten über die Aufhebung und den Wert des § 2 des Jrsuitengesetzes geteilt; es ist aus dieser Angelegenheit niemals eine Partrifrags gemacht worden. Die Be­de u t u n g des erwähnten Paragraphen, in welchem eS fich ausschließlich um die Möglichkeit der Auf- «nthaltsbeschränkung reichsangedöriger Jesuiten handelt, — da ja die Möglichkeit, ausländische Jesuiten auSzuwrisen trotz des Wegfalls des § 2 des fraglichen Gesetzes nach wie vor bestehen bleibt — ist eine rein politische. Es hteße doch die evangelische Kirche beleidigen, wenn man behaupten wollte, sie habe sich vor den Jesuiten zu sülchten, die nicht einmal Nieder­lassungen K- ünden dürfen. Sehr bedauerlich ist es, daß besonders von liberaler Seite — auch

Zwei Erbinnen.

Bon Klara Rheinau.

20 ----- (Nachdruck verboten.)

„Du ihr gerade so lieb, wie Reginald?" wiede halte sie lächelnd. „D Du liebes, altes, kurzfichttgeS Geschöpf, ft Du denn n e aur findig machen, wa- um Fräulein •rem so sehr besorgt um den „armen Herrn Raven- stei»" ist? O wie schrecklich, schrecklich einfältig Ihr gejche dte« Männer doch seid!"

„Pu—uh!" Offenen Mundes stand der To'tor bei dem neuen Lichte, daß ihm jetzt aufging. .Du willst M nicht sagen," rief er au«, „daß jene Beiden sich m »inender verliebt haben? Und ich hatte ja nie eine «ttfernte Ahnung davon. Wie kam es nur, daß ich gar nicht- bemerkte?"

„Weil Dein Geist fich stets mit dem Studium von Vögel« und Reptilien beschäftigt, mein Lieber," ent- gegnrte feine Gattin in gönnerhaftem To«. „Nur wir «men, unwissenden, ungelehrten Leute haben unsere Nngr« offen, um zu sehe«, wa» um unS her vergeht." Mmhilde?»'st ®einer ®“$e ow$ 8ani sicher, . ich in solchen Dingen jemal» geirrt?" ft^t« Fran Wilso» etwa» streng — und ihr Gatte teeilte stch, fie in diesem Punkte für unfehlbar zu er» ■fieren.

»Aber die» ändert ja all »", bemertte Dr. Wilson Mtt vergnügte« Schn unzeln. .Ich be6e mich föim Uch Wie ein Tyrann gegen da» arme Paar benommen m» m«ß wette Behandlung jetzt gründlich ändern. Mtt scheint nun, daß ei» Plauderstündchen mit Fräu- leta Dorsli« eine beruhigende Wirkung auf meinen Patienten aurüben wird. Gratulieren darf ich ihm

unter Zuhilfenahme der Agitationsorgane des Evangelischen Bundes — parteipolitische Ausbeulung mit der vom Bundesrat beschlossenen Maßregel getrieben wird. Gerade die hervor­ragendsten Liberalen haben die Aufhebung des § 2 des Jesuilergesetzes als ganz unbe- den kl ich, ja die Bestimmungen dieses Para­graphen als gegen die liberalen Grund­sätze verstoßend bezeichnet. Auf diese Grund­sätze pflegt sich sogar die Linke ganz mit Unrech» zu berufen, wenn es g'lt, Abwehrmaßregeln gegen die sozialdemokratrfche Gefahr zu treffen. Es ist heute den Liberalen, die ihr „treu evangelisches Herz" immer dann entdecken, wenn eS gilt, kon­fessionellen Hader zu Gunsten der liberalen Propaganda zu schüren, sehr peinlich, an die Stellungnahme der bedeutendsten Führer zu Gunsten der Aufhebung des zweiten Jesuiten- Paragraphen erinnert zu werden. Sie haben darum die schöne Ausrede gefunden: „Die Zeiten ändern sich" — aber fie vergessen den logischen Schlußsatz hinzuzufügen: und die nationalliberalen Grundsätze mit ihnen. Nur mit dieser Ergänzung hat die Bezugnahme auf veränderte Zeiten einen Sinn. Vielleicht tragen nun aber die Liberalen diesen veränderten Zeiten auch der Sozialdemokratie gegenüber Rechnung."

* Eine Auflösung de- Reichstages hatte der »Vorwärts' vor einigen Tagen als bevorstehend angekündigt. Wir haben von dieser Sensations­meldung des sozialdemokratischen Blatte? wegen ihrer inneren Unwahrscheinlichkeit keine Notiz ge­nommen. Ebenso hat die ,Nordd Allgem. Ztg.' es nicht für der Mühe wert geholten, ein Wort darauf zu erwidern. Der .Vorwärts' hat nun gefunden, daß das Schweigen des oberofsiziösen Blattes eine „Tatsache von besonderer Wichtig­keit" sei. Darauf schreibt nun die ,Nordd. All- gem. Ztg.' in den Rückblicken ihrer Sonntags- Nummer: „Wenn der »Vorwärts' die Geduld gehabt hätte, bis zum Erscheinen der vorliegen­den Rückblicke zu warten, so hätte er gefunden, was er so schmerzlich vermißt. Wir hatten be­reits die Absicht, dem »Vorwärts' den Rat zu geben, sich ein besonderes Archir fach mit der Auf­schrift : „Eigene Erfindungen nach Art des Kaiser- schloffes auf Pichelswerder" onzulegen. Ein zu­künftiger Geschichtsforscher könnte aus den dort aufgespeicherten Belegen manchen Beitrag zur Beurteilung der von der Sozialdemokratie ge­predigten Abart »ethischer Kultur" herausholen." Wie in Reichstags-Kreisen erzählt wird, soll der Reichskanzler geäußert haben: Die Meldung des .Vorwärts' ist für ein Regierungs - Dementi zu dumm!

% Es bestätigt sich, daß zur Bewältigung des Aufstandes in Deutsch Südwestafrika eine Truppe »Verstärkung von etwa 1000 Mann cefotbert werden soll.

* Bedenkliche Grundsätze entwickelt ein Teil der „nationalen" Presse anoestchts der aus Südwestafrika bekommenen Mitteilung, daß der Gouverneur Leutwein fich für ermächtigt halte, mit den aufständischen Hereros Frie­densoerhandlungen zum Schein zu eröffnen. Schon diese Mttteilung an sich vermag peinlich zu wirken. Wenn z. B. die Hereros, von der Ausstch'slostukeit ihrer Erhebung überzeugt, um

wohl noch nicht, aher doch em wenig auf den Zr^n füllen, nicht wahr?"

„Ganz enttchieden nicht", verfitzte Frau Wilson, denn fi- wußte, wie anßerordenttich dämlich diese Prozedur vermutlich amf-ll-nwürde. „Schweigenoch eine kleine Weile; ich glaube nicht, daß Du lange zu warte« toben w rst."

Mit folgsamem Nicke« entfernte fich der Do'tor in vortre fl chsier Saune und überli-ß t» seiner grau, ihre junge Nachbarin von Westfeld zu begrüßen.

Des jungen Mädch-nS Mienen waren so umwölkt, daß Frau Dr. Wilfon schlimme Nachrichten darin?u lesen klaubte

„Ist Fräulein Basting kränker geworden?" fragte fie besorgt und fühlte sich erleichtert bei ihrer rasche«, wenn auch etw» g'eichgiltigen Antwort:

„O ntin, danke. El geht ihr b-sser, sogt man mir. Man berichtete mir gestern avend, fie tobe ganz vernürfiig gesprochen — etwas über d-n Unfall gefragt, glaube ich." —

„Die Ae-mste l" sprach Fran Wilson bedauernd. „Reginald sagte, fie werde ihr ganze» Leben schrecklich entstellt bleiben. Sie habe« die Kranke noch nicht gesehen?"

„Nein", erwiderte Doral'ce mit einem lebhaften Sopffchüttel«. „Und halte« fie mich nicht für ganz veradschennngkwürd-g, wen« ich sage, ich möchte e» überhaupt nicht! Sie hat drei Wärterinnen und drei Serzte gehabt, und fie hätte die doppelte Zahl habe.-, können, wenn el nötig gewesen wäre, und natürlich bin ich in einer Art auch ganz froh, daß e» ihr bf ff r geht. Iber ich habe nicht da» geringste Verlangen, fie jemal» Bieter zu sehen oder zu sprechen."

„Aber Hebe» F> äuleml' — rief Frau Wilso« ganz entsetzt über diese lieblose Rede. ,

„Stein, ei ist wirklich so, den« —" platzte Doro-

Frieden bitten sollten, weshalb sollten dann Scheinverhandlungen geführt werden? DaS könnte ja auf den Gedanken führen, man wolle die Hereros in Sicherheit wiegen, um ihrer um so leichter habhaft werden und fie dann exemplarisch strafen zu kömnn. Das aber sähe doch dem Legen eines Hinterhaltes ver­zweifelt ähnlich. Und „nationale" Blätter em­pfehlen geradezu dieses hinterhältige Verfahren: die Schuldigen heranzulocken und dann zu er- s hießen. Wie läßt fich dos mit der gerühmten deutschen Treue vereinbaren?

parlamentarische Nachrichte«.

§ Wegen Beschkußunfähigkeit mußte am Samstag der Reichstag wieder einmal feine Beratungen abbrechen, uno doch hätte jeder, der ihn in den letzten Wochen gesehen und sein Auge an die 40, 50, oder höchstens 60 Stamm­gäste gewöhnt hatte, sagen müssen: „Das Haus ist gut besetzt!" Es hatten sich bnimal so viel Reichsboten eingefunden, als sonst üblich ist. Freilich, wenn Auszählung nötig werden sollte, das sah auch das verwöhnteste und entwöhnteste Auge mit Notwendigkeit — dann war das Ver­hängnis da. Und daß es dazu leicht kommen könne, wußte man. Für den Antrag Oriola auf Bewilligung sämtlicher geforderten Unteroffiziere würden die Recyte, die Na- ttoi alliberalen und die freisinnige Vereinigung stimmen; die hatten ja an sich keine Mehrheit, aber da die anderen Parteien, namentlich die Sozialdemokraten regelmäßig spärlicher vertreten waren, konnte die Abstimmung leicht zweifelhaft bleiben Zunächst ging ja nun alles gut. Etwa zwei Stunden unterhielt man sich darüber, ob es besser sei, den Antrag Oriola anzunehmen, oder den Zentrumsantrag, der nur dieffür Truppenteile mit zweijähriger Dienstzeit geforderten Unteroffi­ziere bewilligen will, oder den Kommiffionsan- trag, der die Ablehnung aller Mehrforderungen empfiehlt. Dabei fiel auch einiges wieder für die Sozialdemokraten ab, ja man kam noch auf allerlei andere ziemlich weit vom Thema ab liegende Dinge. Es blieb nicht bei den Soldaten­mißhandlungen, zu deren Bekämpfung das Zen­trum die meisten Unteroffiziere bewilligen will, Graf Kanitz brachte es sogar fertig, bei dieser Gelegenheit richt blos die" Ausgabe für die Weltausstellung in St. Louis heranzu­ziehen, sondern auch die sofortige Inkraftsetzung des Zolltarifs zu fordern, und Bebel, der wieder etwas von seiner militärischen Weisheit zum besten gab, redete von den Volksschulen, in denen nur ein Lehrer auf mehr als 80 Kinder kommt. Wir waren daraus vorbereitet, daß auch ein bischen auf die vo-nt-6vs-Politik des Zen­trums werde gestichelt werden. Es war ja so verführerisch, den Zentrumsantrag mit dem § 2 des Jesuitengesetzes in Zusammenhang zu bringen. Und richtigI Graf Kanitz machte eine leise Anspielung, Abg. Schrader folgte dem Beispiele, aber Genoffe Ledebour wurde deutlicher. Ec meinte, für die Aushebung des ganzen Jesuitengesetzes hätte die Regierung vom Zentrum alle Uwerosfiziere haben können Na, er muß es ja wissen. Ganz aus dem Rahmen der Debatte fiel ein Plaidoyer des

I ce heraus, ergi ff lyre Freundin am Arme und zog fie auf eine Gartenbank neben fich nieder — „ich konnte fie nie leid?«! Ich weiß auch j tzt, ich weißes seit dem T-rge, an dem der Unfall vorkam, warum sie mich so behandelte, mir einen Augenblick schmeichelte und mich den nächst'« wieder radelte und mir stets mit solcher Freude in ihrer widerwärtige« gfat'en Art zu zeigen suchte, daß in viel zu ungebildet sei für oie englische Gesellschaft. Ihr war alles bekannt über wich, was ich leider nicht wußte, md fie dachte ein gut 8 Gesbäft mit mir zu machen, was ihr aber nie, nie gelingen soll!"

„Ihr war alles bekannt über Sie. waS Sie nicht wußten? Und sie versuchte ein Geschäft — ei, mein liebes graule n Gram" — rief die e> staunte Zuhörerin dieser unverständliche« Worte — „waS meinen Sie damit?"

„Ich meine," entgegnete Doralice, fich gerade auf­richtend und sehr rasch sprechend, „daß ich, obschon ich natürlich selbst und Frau Orant» Enkelin bin, und der ganze Besitz da drüben mir gehört, doch gleichsam wie eine Art — lebendiger Betrug herumgehe. Wenigsten» würden die hochnäsigen Herrschaften hier so sagen!"

„Ein Betrug--l"

„Ja", — antwortete Doralice mit aller Hast, um eine Unterbrechung zu verhüten — „beim meine Mutter war nur ein einfache» Dorsmädchen; Sie hatten vielleicht von ihr gehört: Dora Stirling Ich hme meine Großmutter ausgesucht, fie ist ein gute», alte« Geschöpf und wohnt in einem entsetz'ich«« Loch Und so bin tch also die Enkelin und Nüüte von Männern, deren Verwandtschaft mich vermutlich au« jeder besseren Gesellschaft hier au»schließen würde. So, nun wisse« Sie alle»!"

Zwei große heiße Ttopsen rollten Über ihre

freisinnigen Abg. Kopsch gegen die Militär- musiker, die mit ihrer Uniform illoyale Reklame und den Zioilmustkern unlautete Konkurrenz machen. Major Sxt v. Arnim konnte mttteile», daß eine Kabinntsordre gegen marktfchreieiische und gefch„rack!ose Rekiame der Militärmufiker ergangen sei. lieber die Resolution Gröoer wegen Erhöhung der Entschädigung für Einquartierungs­lasten k»m es zu keiner Erörterung, da fie auf Wunsch deS Kriegs Ministers an die Budgetkom- mi'fion verwiesen wurde, wo sie bei Beratung der Servisoorloge besprochen werden soll. Uebr igeur war trotz der „starken" Besetzung deS Hauses gar keine Stimmung für das Anhören von Reden. Die Unterhaltung ging fortgesetzt so laut vor sich, daß man die Reden nur schwer verstehen konnte. Als es zur Abstimmung über den Antrag Oriola kam, äugelte, zählte und sann das Bureau sehr lange hin und her, ohne fittz darüber klar und einig werden zu können, ob die Mehrheit stehe oder sitze Dann verlangte es die Gegenprobe, äugelte, zählte, sann und tuschelte wieder eine Weile und kam zu dem Ergebnis» daß es auch jetzt noch nicht wisse, wo die Mehr­heit fei, daß also ausgezädlt werden müsse. Nu« war es Zeit, daß der Bureaudirektor die Tages­ordnung für die nächste Sitzung bereit halte. Der „Hammelsprung" ergab die Anwesenheit von 152 Mitgliedern, 47 wenioer, als notwendig gewesen wären. 74 stimmten für, 78 gegen den Antrag; kein Wunder, daß Präsident und Schrift­führer nicht hatten zu entscheiden gewagt, wo die Mehrheit sei. Wiewohl es noch nicht ganz */»4> Uhr war, hielt es der Präsident doch für zwecklos, für den Samstag noch eine zweite Sitzung an- zuberaumen. Am Montag wird daS Haus wohl auch noch nicht beschlußfähig fein, und man kann nur wünschen, daß sich dann Mehrhett mb Mind-rheit durch das bloße Auge deutlicher unterscheiden lassen als am Samstag.

56. Sitzung vom 12. März 1904.

Eröffnung l1/« Uhr.

Die Beratung des Militäretats wirb foot- gesetzt beim Kapitel „Geldverpflegung der Truppen".

Hierzu liegen Resolutionen vor: 1. eine ber fie«» Mission betr. Nichtansetzung von Truppenübung« während der Erntezeit; 2. eine d-s Abg. Gröber (Zentrum), betr. Erhöhung der Entschädigung für Einquartierungslasten und betr. Berücksichtigung bet Landwirtschaft bei Ansetzung der Reserveübunge«. — Ferner beantragt Abg. Dr. Spahn (Zentrum), eine nur beschrä kte Vermehrung der Unterosfizier- fteCen für die Truppenteile mit zweijähriger Dienst zett.

Abg. Graf Kanitz (kons.) ist durch diesen Antrag nach der — unter Führung des Zentrums — von bet Kommission beschlossenen Ablehnung der Regierungs­vorlage überrascht und kann nicht auf den Bode« dieser Vereinbarung treten. Vielmehr hält er die Be­willigung der vollen Regierungsforderung für nötig.

Abg. Ledebour (Lyz) erklärt, seine politische« Freunde würben für die Resolution Gröber, aber gegen den Antrag Spahn stimmen. Tatsächlich fei ja auch die durch den Antrag Spahn erfolgte Ver­mehrung der Unteroffizierstellen so geringfügig, daß dadurch ein Einfluß auf die Mißhandlungsfrage nicht ausgeübt werde. Nach dem Grundsatz vo ut dw

Stangen. Ehe Frau W-lson fich nur so weil sammel« konnte, um zu fragen und zu beruhigen, brach Doralice in einen Strom vo« Dänen aus, schmiegte fich w ihrer Freundin Schalter an und schluchzte laut: „Und e» würde mir ja nicht» daran liegen — nicht halb f» viel — aber — ich muß e» «ich einem Nndom sagen! Jemand, de« ich so liebe. Und würde e» ihm — einen U ter — Unterschied machen, wen« «ech er mich liebt? O, meinen Sie?"

Eosort hatte Frau Wilson» lebhafter Seist die Sachlage erfaßt und zu ihren Gunsten gedeutet. Doralice«» niedere Herkunft von wüttirsicher Sette war allerdings nicht ihre Schuld, aber für ihre« 8ata doch sicher ei« Grund mehr, eine angesehene Heirat sein« Tochter zu wünschen and bei ihrer Wahl die ungleichen Bermögensverhältnisse zu übersehe«. Roch war die peuliche Sache em Geheimnis, und Fra» Wilson wollte schon alles so einrichten, daß sie et auch bleiben würde. T-otz alledem war Dmali»' eine wünschenswerte Partie für ihre« Bruder. So zögerte sie denn auch keinen Auqenbl ck, sondern schlang ihre» Arm um da» erregte junge Mädchen und antwortete mtt Wärme:

„Haven Sie nur keine Angst, Liebling, alle» sogleich zu sagen. Ich kenne meinen Bruder gut genug, um zu wissen, daß diese Nachricht durchaus lerne» Unterfaieb in feinen Gefühlen für Sie machen wird» wen« er fie liebt, wie ich nicht bezweifle."

Mit einer heftigen Bewegung, die ihre freundliche Trösterin bald aus dem Gleichgew cht brachte, machte Doralice fich lo»:

„Kein Unterschied für Ihren Bruder," rief fle aus, „wenn er mich liebt! Allmächttgrr Himmel, Fr« Wilson, Eie glauben doch nicht, daß ich ihn metidfc al» ich von Jemand sprach, den ich — de« ich liebte?

(Fortsetzung folgt)