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»Ä'JÄk wochenb-!iage:„Illustrierte Sonntagrzeitung"
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monatsbeilage: „ZulLaer Seschichtrblätter".
L«rei-e«: Vie ei» spattige petrtzeile oder deren »au« sS psg. »eklamen die Petitjekle 25 Pfg.; bei Wiederholungen wird rulfpr. Rabatt gewöhn.
Druck und Verlag de» Kuldaer Actiendruckerei in Zukda (harmonier. Kerusprecher Nr. 9.
J£ 5S.
Zuldü, Samstag, den 12. März 1904.
31. Jahrgang.
Deutscher Reich.
Berlin, den 11. März 1904.
* Das Gesetz brireffenb die Aufhebung »es K 2 des Gesetzes über den Orden der Gesellschafl Jesu vom 4. Juli 1872 wird heute nn .Reichsanzeiger' veröffentlicht. Er lautet: „Wir Wilhelm, von Gortes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen rc. verordnen im Namen des Reichs, nach erfolgter Zustimmung Les Bundesrats und des Reichstags, was folgt: $ 1. Der tz 2 des Gesetzes, betreffend den Orden der Gesellschaft JJu, vom 4 Juli 1872 iReichsgeletzblatt Sette 253) wird aufgehoben. H 2. Das gegenwärtige Gesetz tritt mit dem läge seiner Verkündigung in Kraft. Urkund sich unter Unserer Höchsteigenhändizen Unterschrift und beigedrucktem Kaiserlichen Jnstegel. Gegeben Berlin im Schloß, den 8. März 1904. Wilhelm. Graf von Bülow." Die ,Rord- deutsche Allgemeine Zeitung schreibt zu dem Gesetze: „Die Aushebung des § 2 des Jesuitengesetzes hat mehreren Blättern zu Er- Hrterungen Anlaß gegeben, die durch offenkan- d ge Hebettteibungen über die Schwäche der logischen und geschichtlichen Beweissührung hin- rvegzutäuschen suchen. Es ist bekannt, daß es sich um die Erfüllung eines Wunsches handelt, dem der Reichstag mit erdrückender, ave Parteien von der rechten bis zur äußersten Linken umfassender Mehrheit Ausdruck gegeben hat. Wiederholt ist in diesem Zusammenhänge auf die Kundgebungen hervorragender Parlamentarier verschiedener Parteien B^,ug genommen worden. Mi: Rücksicht auf die Uebertreibungen, wie sie in manchen Preßorgänen, u. a. im Hannoverschen Kurier, zu lesen find, erscheint es nicht uNLngehracht, die Worte auch cn dieser Stelle zu wiederholen, die kein anderer als der große nalionalliberale Führer Rudolf v. B e nn i g s e n am 17. Juni 1896 bei Besprechung einer Interpellation über die Jesuitengesetze im Reichstage gesprochen hat." Das Blatt glbt dann die be- rannten Aeußerungen des Abgeordneten v. Bennigsen wieder und knüpft daran noch einige Bemerkungen des Abgeordneten Grafen Li m bürg - Stirum in der Reichstagssitzung vom 29. Jan. 1899 und des Abgeordneten v. Kardorff in der Sitzung vom 5. Juni 1903. die sich gleichfalls für die Aushebung des § 2 aussprachen. — In dem geängstigten Thüringen rüstet man bereits, um das Land regen den Einbruch -er Jesuiten zu schützen. Zn sämtlichen acht chSringff'chen Staaten sollen die altern Landesgesetze gegen den Jesuitenorden wieder in Kraft gefetzt werden. Auch die Parteien des Anhal- tifchen Landtags bereiten die Anbringung eines Landesgesetzes an Stelle des aufgehobenen 8 2 des Reichsgesetzcs gegen die Jesuiten nor
§ Ein dr'ut cher Nutionalfchatz für die Ostmark soll geschaffen werden. Der Plan findet, wie berichtet wird, so viel Anklang, daß die Bildung eines Ausschusses zur Entwerfung eines Orgauisalions - Planes und zur Errichtung von Sammelftellen i s Auge gefaßt werden kann. Durch eine alljährliche Groschen Sammlung im ganzen Deutschen Reich- hofft man ein größeres Kapital zusammeozubringen, aus dem deutschen Handwerkern und kleineren Gewerbetreibenden in der Ostmark Darlehen zu mäßigem Zinsfüße gewährt werden sollen, baniit sie sich gegen die »olnische Konkurrenz behaupten oder überhaupt erst selbständig machen körnen. Tüchtigen, aber unbemittelten oder wirtfchafttich schwachen deutschen Handwerkern und Gewerbetreibenden, deren nationale Zuverlässigkeit erprobt ist, sollen langfristige Kredite zu niedrigem Zinsfüße, nöligen- .'aüs auch zinslos gegeben werden. Auf die gleiche Weife soll der Abwanderung Alteingeseffener deutscher Handwerker, die von dem Pol-ntum verdrängt werden, vorgebeugt werden. Es ist, wie die «Ostdeutsche Rundschau' schreibt, jetzt schon so weit, daß die Anstedelungs - Kommission und Widere Behörden gr. ße Aufträge durch polnische Gewerbetreibende auSsühren lassen müssen, weil an den beiressenden Orten deutsche Handwerker entweder überhaupt nicht vorhanden, oder weil sie nicht leistungsfähig genug sind, da ihreKund- schaft mehr und mehr zulammenschmiizt. — Gegen die Schaff'ina eines deutschen Narionalschatzes durch eine Groschen-Sammlung ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Em solches Mittel zur Förderung des Deutschtums verstößt doch nicht gegen Gesetz" und Verfassung, wie andere Maßnahmen der Polevpolitik. Nur fürchten wir, daß der Schatz nicht besonders groß werden wird. Viele,
die ihr Deutschtum immer im Munde führen, werden bet der Groschen-Sammlung richt allzu tief in die Tasche greifen. Sie überlassen die Opfer für das Deutschtum lieber der Staatskasse, d. h. der Gesamtheit der Steuerzahle'', und suchen womöglich dabei noch etwos für sich'und ihr Deutschtum zu erhaschen.
* Mit dem neuen Anfiedelungsgefetze ist der Ost mark en verein nicht zufrieden. Er hätte gewünscht, baß die Bestimmung des § 15 b nicht auf den Geltungsbereich der Anstedelungs- kommisfion beschränkt, also den Polen im ganzen Staate, insbesondere auch in Oberschlefien die Anstedelungsmöglichkeit genommen worden wäre. Zweitens fürchtet er, daß die Anfiedelungskom- Mission die Bestimmung mißbräuchlich auch gegen private deutsche Ansiedelungen handhaben und die deutsche „Landdank" sowie deutsche Be- stedelungsgenossensa,asten lahm legen könnte.
Die »Freisinnige Zeitung', die sich finanziell immer recht ungünstig gestunden hat, soll umgestaltet und erweitert werden. Der Verlag geht auf eine neugegründete „Verlags« anstatt Deutsche Presse, Gesellschaft mit beschränkter Haftung- über. Auch der Titel der Zeitung wird geändert werden; sie wird in Zukunft heißen: ,Freie Deutsche P eff?, Freisinnige Zeitung'. Die politische Richtung ebenso wie die enge Beziehung des Blattes zur Freisinnigen VolkSpartei soll durchaus unverändert bleiben. Leiter der,Freis. Ztg ' war bekanntlich bisher dec Abgeordnete Richter. Jetzt soll, roh es heißt, dir Chefredaktion in die Hände des Abgeordneten Müller Sagan gelegt werden, der jedoch durchaus der Richter'schen Richtung angehört, und journalistisch tchon vsil tm Sinne und in Gemeinschaft mit Richter tätig gewesen ist. Er war bis jetzt insbesondere bekannt als Mitarbeiter der ,Röntgeb. Hartungschen Ztg.'.
V Berti«, 11. Mä-z 1934 Der Kaiser ist um 11'/, Uhr abends nach Bremerhaven adgereist, von wo er morgen die Mittelmeerfahrt antritt. Zur Verabschiedung waren der Kronprinz und Graf Bülow erschienen. — Die Mitteilung, daß demnächst eine Diätenvorlage an den Reichstag gelangen werde, wird von der ,Nat. Lid. Korr.' aufrecht erhalten, allerdings in einer etwa? unsicher» Sprache. — Ter Dr phil. Ernst Bollert, Mttinyaber der bekannten Weidmann'ichen Buchhandlung in Berlin, ist an Stelle Theodor Mommsens zum Kurator der königlichen Bibliothek ernannt worden. ES ist das erste Mal, daß einem Buchhändler solche Stelle übertragen worden ist. Erft vor einiger Zeit hat, wie wir meldeten, die Universität Halle Herrn Bollert wegen der Herausgabe seiner pädagogischen Werke den Titel eines Ehrendoktors der Philosophie verlieben. — Der .ReichS- anzeiger' meldet, daß der Dekan und Pfarrer Franz Scharmer in Danzig zum Ehrendomherrn bei der Kmhedralltrchr des Bistums Kulm in Prlplin ernannt worden ist.
55 Sitzung vom 11. Minz 1904.
Eröffnung 11,4 Uhr.
Bor Eintritt in die Tagesordnung gibt
G r’■ ilmajor »< Andres eine Erklärung zu fünften drs Abg. Müller-Memtugen, d. ’ er in der Sitzung vom Donnerstag wegen seiner Arußerungeu -bet sie Bi oung der preußischen Offiziere so scharf anzegnffeu Hane. Rach dieser Erklärung steht in dem inzwischen erschienenen amtlichen Stenogramm des Arg. L'.üller, daß er nur von der Bor bildung gesprochen habe und gesagt habe, die bayerischen Offizi-re tältezi eine bessere Vorbildung, weil ste eine Gymnasialstufe mehr ahscl vier;en als die preußischen Offiziere. Merkwürdigerweise hat die Rede des Lbg. Muller- Meiningen aber auf alle, die sie hörten, den Eindruck gemacht, daß er schlechthin von der Bildung gesp^ ochen habe. Ob Herr Müller bei der Dmchstcht seines Stenogramms eine präzis, re Form gewählt hat, muß dahin gestellt bleiben. Herr t«. EndreS hielt aber seine Behauptungen im übrigen aufrecht. Die scharfe Beurteilung, bti der Abg. Müller wegen seiner Rede begegnet war, läßt es begreiflich erscheinen, daß er die Erklärung des Generalmajors mit Befriedigung acceptierle.
Hierauf setzte das Haus die Beratung des Mili- tärelais fort.
Adg. Dasbach (Ztr.) kam nochmals auf die Sol- dalenmißhaudlungen zurück, um gegen die Auffassung des KnegSmimsters -u protestieren, daß eine Ohrfeige nicht unter den Begriff der Mißhandlung fiele. Unbedingt notwendig sei eine strengere Dienstausficht durch die Vorgesetzten und eine strengere Bestrafung für Cie Verletzung dieser Aufsicht, wie sie der Kommissionsbeschluß fordere.
Obwohl noch die Bbgg v. Kardorff (Rp.), Schrader (fc. Vgg), Meist (Soz), Barbeck (freis. Vp.) und Stadthagen (Soz.) zu diesem Thema sprachen, wurden neue' Gesicht, punkte nicht mehr zutage gefördert.
Die Resolution der Kommission wurde einstmmig unter Ablehnung' der Anträge Ablaß (fr. Bp.) und Auer (Soz) angenommen.
Die Frage der Aufbesserung der Oberleutnants, welche bisher schon so viel von sich reden gemacht hat, wurde glatt ohne Debatte nach dem K»m- mtsstonSbeschluß erledigt.
Mehrere Abgeordnete, darunter der Abg. Gröber (Zentrum), treten für eine Rufbefferung der Zahlmeister ein.
Eme längere D-batte knüpfte sich schließlich noch an das Kapitel »Mannschaften".
Abg Größer (Zentrum) befürwortete einen Antrag, durch -reichen tm Gegensatz zu dem Beschluffe der Kommission. welche die von der Regierung aefor- berten üittcroffistetstellen gestrichen hatte, nur 182 neue Stellen streichen will, wodurch eine Minderausgabe von rund einer halben Million herbeigeführt werden würde. $r erklärte, daß für die Einbringung dieses Komprom'.ßantrages die Absicht ausschlaggebend gewesen sei, nichrS zu versäumen, was zu einer Ber- minberung der Soidatenmtßhar.dlungen führen könne. Weiter b gründete er eine vom Zentrum eingebrachle Resolution, welche eine Erhöhung der Entschädigung für Eir q lartierungslasten und eine größere Berücksichtigung der Bedürfniffe der Landwirtschaft bei Ansehung der Rtterveiibungen fordert.
Abg. Graf Oriol« (nartb.) trat für unverkürz'e Bewilligurg der Regierungsvorlage ein.
ftiiegSmimflet v. Einem erklärte, er werbe, wenn die Regierungsforderung nicht angenommen werde, sich auch mit dem ZentrumSanrrage zufrieden geben.
Abg. Dr Herm'S (freis. Bp.) ist gegen die Vermehrung der Unteroffiziere.
Hierauf vertagt sich das HanS.
Morgen Fortsetzung.
Schloß 6»/. Uhr.
Abgeordnetenhaus.
89. Sitzung vom II März 1904.
Eröffnung 11'/« Uhr.
In der ocn der Verfassung vorgeschriebenen Weise erfo gt die Bereidigutig derjenigen Mitglieder, tie den verfassungsmäßigen Eid noch nicht geleistet haben.
Darauf folgt die Fortsetzung der 2. Beratung deS Etats der Eisenbahnvelwaktung, und zwar des Lxtraordinariums, Titel 98 Eine Reihe von Abge- ordnelen brachten die lokalen Wünsche ihrer Wahlkreise vor.
Das Sxiraordir-arium für die Bauten wird bewilligt.
Abg. v. Savigny (Ztr.) führt aus: Ohne dem Minister Mißtrauen entgegenzubringen, wünsche das Zentrum, daß in Zukunft wenigstens ein Nachweis Uber die Verwendung des Dispositionsfonds zum Erwerb von Gmnd und Boden alljährlich dem Abgeord- netenhause gegeben werde.
Das Kapitel wird hierauf bewilligt und somit der Etat erledigt.
Minister Budde dankt filr imS Vertrau-» und die Anerkennung, die feiner Bei waltmia-»krallt fei. Dann bittet er um die Ermächtigung — da der Etat biS 1. April nicht fertig werde — mit der Ausführung desselben soweit vorzugehen, wie cs zur Aufrechterhaltung eines gesicherten Betriebes notwendig sei.
Die Ermächtigung wird erteilt
Es folgt die I. Beratung teS Gefetzentwurss betr. Erweiterung des Stadtkreises Bonn.
Nach kurzer Debatte wurde die Vorlage der verstärkten Gemeindekommisston überwiesen.
Es folgt die Beratung deS Etats deS Ministerium s des Innern.
Die Einnahmen wurden nach kurzer Erörterung bewilligt.
Beim Titel , Minister gehalt" klagt
Abg. Kirsch lZtw), daß die diesjährigen Wahlen zum Abg-ordnetenhause 4 Monate nach den Roichsta.s- wahlen erfolgt feün. Der A-'ifchenraum dürfe höchstens 4 Wochen betrogen. Weiler kritisiert Redner, daß die Einsicht und Astschrif nähme der Wählerlisten bei den Gen eindewahlen beschränkt werde aus die zur Einsicht kommender, Personen. Ferner wünscht Redner Auskunft über den Stand des WohnungSgefttzes. Die Baukosten rnNßlen den Bedürfmffen entsprechend und nicht zu hock sein. Schließlich tritt Redner für eine einheitliche Verwaltung der Strafanstalten ein, und .zwar für eine Verwaltung der Zuchthäuser durch dcn Minister des Innern und der ankeren Strasanstaiteu k. ck> den Justizm nister.
°-,l. ister Freiherr v. HaMmerftein erwidert: Die Verspätung der Wahlen zum Abgeordnetenhaufe sei im Interesse der Parteien erfolgt, um zu große Aufregung zu vermeiden. Beirr ffend Einsichtnahme in die Wählerlisten erklärter, ihm seren Entscheidungen, die mit dem! Erlasse in Widerspruch ständen, nicht bekannt. Bei dem Wohnungsgesetze handle es sich um e'nen Borentwurf, der je nach den eingeholten Gutachten umgearbeitet weisen würde. Den Dualismus in der Strasoerwaltung zu beseitigen wäre verfehlt. Die ganze Einrichtung sei. «uf der Erwägung aufge- baut, daß die Gefangenen wieder in die minschuche Gesellschaft zurückkehien müßten. Man müsse scheiden zwischen Dem Ressort der Strafvollstreckung und den darüber hinauso«henden Fun'tionen.
Abg. v. CzarlinSki (Pole) hält der Regierung vor, sie sei unter die Hatakisten gegangen ; sie laufe Sturm gegen Verfassung und Recht. Das neue An- siedelunzsgesetz sei das erbärmlichste Armutszeugnis der Regierung und sie bediene sich nichtswürdiger Mitte! gegen die Polen.
Präsident v. Kröcher ruft den Redner zur O»d- nung.
Abg. v. CzarlmSki sucht sich zu rechtfertigen und ruft daran gehindert aus, es gelie anscheinend noch heute das, was einst Oxenstierna gesagt habe: daß die Welt mit wenig Verstand regierl werde.
Präsident v. Kröcher ruft den Redner nochmals zur Ordnung und droht mit Wortentzsihur g.
Abg. v. CzarlinSki kritisiert hierauf daS Verbot an die Beamten, polnischen Banlen und Genofsen- schastkn Gelder zu le hen. Das Bestreben, die polnischen OrtSnamen in deutsche umzuzvandeln, bezeichnet er als „unfinnig* und .sprachwidrig", und meint, die Mahnung des Ministers, die Polen sollten zufrieden fein, daß sie Preußen wären, fei nichts wie eine belanglose Lusterschütterung. Die Polen feien und blieben Polen.
Minister Frhr. v. Hammerstein bestreitet, daß die Regierung unter die Hakotisten gegangen sei. Wenn er Ausrahmegeiktze gegen die Polen anzuwenden fick bereit erklärt habe, habe er damit nicht? ver- faflungswidrigeS ausgesprochrn. Denn wenn eine
Sache Ge etz gewotten fei, so sei sie nicht mehr ver* foffungswidrrg, (Widersoruch.) Der Mnister verteidigt das Vorgehin der Regierung, die Onsnamev zu verdeulfchen, und versichert den Polen entgegenkommende Behandlung, wenn sie sich der deutsche« Sprache in öffentl chen Angelegenheiten bedienten.
Abg. Di v. Hkydrbraud (kons) stimmt dem Minister zu. Er warnt, ein WohnungSgesetz in überstürzter Weise vorzulegen und wünscht, daß der Landtag srüstr embetufen werde.
Minister Frhr. v. Hammerstei« verspricht, dir fiühcre Einberufung des Landtags im nächsten Jahre zu erwägen.
Hierauf vertagt sich das HauS.
Weiterberatung: Samstag 11 tthr.
Schluß 4 Uhr
wcimarischer Landtag.
X Weimar, 11. März 1 04.
Zu Beginn der heutigen Psinarfitzung wurde eine R.gie.ungsvorlage angelündipt, wonach die Fekda- b a h n schon vom 1. April ds. Js. an in den Besitz P.eußens übergehen soll.
Sodann richtete der nationalliberale Abg Dr. Nppelius Eisenach an die R gierung dir Anfragü, ob dieselbe im Bundesrat für die A u f h e b u n g d e s 8 2 des Jesuitengesetze? gestimmt habe und bejahenden Falles, aus welchen Gründen
Staatsmimfler Roihe gab sofort die Erklärung ab, daß die weimarische Regierung n cht für, sondern gegen die Bush bung des § 2 gestimmt habe.
Hierauf n uifcen die S usgabekapitel Nr. XXXII— XXXIV des HauptvoranschlagS für die Jahre 1905.- 907 in zweiter Lesung behandelt. Uebei Kapitel XXIII, welches von dem Aufwande für Kirchen, Schulen und Bildungsanstalten handelt, referierte der Landtagspräfident t>. Roteuhau. Wie wir schon meldeten, enthält dieses Ausgobekapitel eine Gleich», stellung der katholischen Geistlichen deS Großhetzögtums bezüglich des Gehaltes mit denjenigen des preußischen Ante-.ls d-r Tikzese Fulda.
Abg. Dr. Kiel befürwortete diese Position, indem er darauf kinwies, daß eine solche Gle chstellung nur im Interesse des Landes liegen könne, da icmn nicht mehr die lalholischen Pfarrfiellen im Großherzoglum als Stellen zweitrn Ranges angesehen werden lönnlen. Bom Landtag setzte er um so mehr voraus, daß er einstimmig zu die'er Vorlage feine Zustimmung geben werde, als eS ja eine rühmenswerte Tradition des wetmarischen Landtags sei, daß er stets praktische Toleranz und Parität geübt habe. Der Landtag nahm einstimmig diese Position an.
Ebenso wurde hierauf nach einer Befürwortung von feiten deS Abg. Dr. Kiel der Regierungsamrag auf Erhebung der seitherigen Knratie Jenazueiner Pfarrei vvmLandtage fast einstimmig angenommen.
Beim Kapitel über die B o l t s s ch u l k a s s e verbreitet sich Abg. Dr. Kiel sodann eingehend über die katholischen Konfessionsschulen in Eisenach, Weimar, Jena und Apolda. Redner führte ans, daß hier dringend Abhilfe geschaffen werben müsse, Ww müßten uns mit der Tatsache alfinden, daß eine permanente Verschiebung der religiösen Bekenntnisse auf den vcrsch'.edenen Gedietsteilen des deutschen Reiches statt habe. Da wo früher nur Katholiken gewohnt hätten, we hnte heute auch ein ganz bedeutender Prozentsatz Protestanten. So sei um das Jahr V20 in Bonn ein g mifser HokzhSudler Streck aus Nordheim in der Rhön der v reite Protestant gewesen, welcher sich dort ansässig gemacht habe. Heute zähle aber Bonn unter 50('00 Emwchuet n über 110'0 Protesta: ten, also über *J) Prozent. Andererseits könnten wir auch unsere thüringischen Lande nicht rrit einer chinesischen Mauer umgü-ten. Ten Tatsachen müsse nun aber Reck nun g getragen weiden und Staat wie Gemeinde müsse den neuen Steuerzahlern in allem, vorab euch im Wichtigsten, auf dem Gebiete der ©(tute e-er echt werden. Der Theorie nach habe d. s Volkeschulgesctz von 1874 j, Konsessionsschulcn schaffen wollen, intern es die sittliche religiöse Erziihmtg obenanstektt gemäß § 1 und in § 2 an erster Stelle als den vornehmfien Unterrichtsgegenstand, Religions undSittenlkhrenenne. Tatsächr'ch würde diese jtonfffstonsschulc aber zu einer Srmullanschule durch den Artikel 25 ter Ausführungsverordnungen gemacht, da dieser Paragraph bestimme, oaß konfessionelle Ableilungen erst dann zu schaffe« seien, wenn die Kouf-sstonen ziemlich gleich verteilt seien. Tas sei ein Mißstand und habe wohl nur darin feinen Grund, doß man 1874 die heutige Entwickelung mcht voraus gesehen unddiedamalsherrichendenZustände im Auge gehabt hätte. Auf keinen Fall lönue aber ein geregeltes Staatswesen Zu stände gutheißen, wie sie jetzt herrschten, da in Eisenach nicht weniger als 130 tatst. Kinder, m Wei «or ca. 80, in Jena 90 und t« Apolda 90 auf Kosten von tm Ausland zusammen- gebettelten Geldes unterrichtet werden müßten. Es fei dringend notwendig, daß hier auf dem Wege der Gesetzgebung Hilfe geschaffen würde, zumal un8 Preußen hierin schon lange vorausgeganzen fei. In Preußen würde schon 30 andersgläubigen ftu-bern ein Lehrer von der Konfession dieser fcinber angestellt. Eine gesetzliche Regelung sei um so notwendiger, alS die Gemeindevertretungen der genannten Städte in unbegreiflicher Weise bis jetzt sich geweigert hätten, auch uns einen Teil zur Unterhaltung btefer Konfes- sionsschulen beijutragen. Diese Städte sollten sich an Geisa ein Muster nehmen. Diese Stadt Hal schon lange eine jüdische Konfessionsschule unterhalten und trenn statt 15 evangelische Kinder aus Ge>fa nnt 40- 50 Kinder da wären, wäre es gewiß, daß die @e* memde trotz ihrer bedt äugten Lage nicht anstehen würde, wenigstens einen Zuschuß zn der evangelischen Konfessionsschule zu leisten.
Luch sei et übe:zeugt, doß der Landtag nach Würdigung der obwaltenden Verhältnisse seine Zustimmung einem dahinlautenden Gesetzentwurf nicht vor enthalten würde.
(Es steht zu hoffen, daß diese Anregung eine Besserung der mehr a!6 mißlichen Lage der Kon- fksfionsschulen im Großherzogtum anbahnen roiro. Anm. des Berichterstatters.)