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Hulda, Samstag, den 12. März 1904.

31. Jahrgang.

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Drittes Blatt

besagen 35,000 Russen seien in Liaujang und Hait- schong stark verschanzt, wo eine Schlacht bevorstehe. Mehrere kleine Gefechte hätten schon stattgesunden, in­folge deren die Russen fich mit Verlusten zurückziehen muhten. Die beiden letzten Nachrichten bedürfen noch der Bestätigung.

In Südwestafrika hatte Hauptmann Puder mit je einer Kompapnie Schutziruvpe und Eeebataillon am 4. März südlich von Klein-Barmen ein Gefecht mit den bereits von Hygas geschlagenen HereroS. Der Feind wurde nach Westen zurückgeworfen und, soweit es der Pferdemangel zuiieß, verfolgt. Dir Teutsch-n hatten 5 Tote. Ebenfalls cm 4 März traf Oberst Dürr mit dem Stabe und dem BerstärkungS- transport in Okshandja ein.

immer mit ihrem alten Erfurter Programm hau- fieren, das, wie die Sozialdemokraten selbst zu- gestehen, vor der wissenschaftlichen Kritik nicht im mindesten bestehen kann?

Herr David hofft in Zukunft namentlich auch die Intelligenz für die Sozialdemokratie zu ge­winnen. Wie verträgt fich das aber mit der Abneigung, die, wie auch die Parteitage immer wieder zeigen, gerade in der Sozialdemokratie gegen die Akademiker sich vielfach bemerkbar macht? Schon jetzt find vielen Sozialdemokraten der Akademiker m der Partei schon zu viel.

Die Reoifionisten, in deren Namen David spricht, erweisen sich wieder einmal als große Idealisten, deren Traumgebilde erbarmungslos zerschellt werden an den Klippen der nackten Wirklichkeit. Die vielen Mängel, die der Sozial­demokratie anhaften, und die immer zum Aus­druck kommen, beweisen, daß die Sozialdemo­kratie nimmer die hohe Mission einer Kultur­bewegung wird erfüllen können, die die Revisio­nisten ihr so gerne zuweisen möchten, und in der die Wissenschaft ihre Führerin fein sollte. Die bisherige Bihandlung der Wissenschaft durch die Sozialdemokratie Hot genügend dargetan, daß die Wiffenschaft der Sozialdemokratie nur dann willkommen ist, wenn sie ihr Vorspanndienste leisten kann; vermag sie diesen Zweck nicht zu erfüll« n, dann wird ihr schroff die Tür gewiesen.

mondsbciiagt: „guiöaer GeschichtrbMer"

Suzei-eu: die et«- spakttge petitzetle ob« bete« Baum IS pfg. Reklamen die Petitzetle 25 Pfg.; bei Wieder­holungen wird entspr. Rabatt gewährt.

druck und Verlag bet fiulbaerActtendrmkerei in Zulda (Harmonie).

Kernsprecher Nr. 9.

Römischer wochcnbries.

[**] Rom, 10. März 1304.

Der so großartig geplante „nationale Pil'gerzug" der verabschiedeten und zur Dis­position gestellten italienischen Offiziere zum Grabe des ermordeten Königs Humbert im Pantheon ist zu Waffer geworden und zwar unter ganz besonderen bemerkenswerten Umständen. Der Kriegsminister selbst halte anfangs diese Pilgerzüge sehr empfohlen und unterstützt. Sr rechnete auf eine Beteiligung, welche nach Tausenden zählte: aber — kaum hundert Offiziere haben sich gemeldet als bereit, an dieser patrio­tischen Demonstration mehr oder weniger anti- katholischen Beigeschmacks teilzunehmen. Wie das moderne Italien das Nationaldenkmal Viktor Emanuels II. auf dem kapitolinischen Hügel als Gegenstück zur Peterskuppel errichten will, so will man diese patriotischen „Pilgerzüge" den katholischen Pilgerfahrten zum Vatikan und den christlichen Stätten Roms entgegenstelleu! Als der Kriegsminister nun diese schwache Be­teiligung erfuhr, erließ er ein Verbot der ganzen Pilgerei,welche nunmehr also ganzunterbleibenwird.

Dadurch, daß nun auch die Kommission für biblische Studien das Recht erhalten hat, akademische Grade in der Exegese zu ver­leihen, hat die Zahl der mit ähnlichen Rechten ausgestatteten römischen Institutionen sich auf sieben erhöht. Es sind dies: die päpstliche Gregorianische Universilät, die Lehranstalt von S. Äpollinar, das Dominikanerkollegium de- hl. Thomas von Aquino, daS Kollegium der Propa, gande, das vatikanische Seminar sowie eine päpstliche Kommission, welche vor 1870 an der jetzt königlichen Nniversität der Sopienza bestand.

Endlich will Italien sich ein neues einheit­liches Jagdgesetz zulegen. Bisher hotte fast jede Provinz noch eigene Schonzeiten und Sonder­bestimmungen, was natürlich zu den größten Un- zuträglichkeiten Veranlaffung gab. Nunmehr ist der erste Schritt in dieser Angelegenheit geschehen. Eine Königs. Jagd-Kommission wurde ernannt, welche das neue Gesetz aus arbeiten soll. Merk­würdig ist es übrigens, daß in ganz Italien der Vogelfang mit Netzen erlaubt ist, daß dagegen das Fangen der Krammetsvögel mit Schlingen streng bestraft wird; dieselben dürfen nur geschoßen werden. Man beabsichtigt auch besondere Bestimmungen gegen das Ausnehme« der Vogelnester einzuführen und den Sperlinge« eine Schonzeit zu gewähren; letztere werde« hier maffenhast verspeist.

Auf eine originelle, aber allzu gefährliche Idee kam eine vorgestern hier abgehaltene Volksver­sammlung, welche Über die Mittel und Wege be­raten wollte, wie man den hohen Mietspreis«» in Rom entgegenarbeiten könne. Man beschloß einfach, an die Einwohnerschaft der HauptflM einen Aufruf zu erlaffen mit der Aufforderung, — keine Mietspreise zu zahlen! Der Anschlag deS betreffenden Manifestes wurde selbst­verständlich von der Polizeibehörde verboten.

Der hl. Vater empfing während der letzten Tage zahlreiche Persönlichkeiten, sowie französische, belgische urd awkrikmische Pilger. An den grego­rianischen Melodien - Forscher Dom Joseph Pothier, Abt von St. Wandrille (Soleömech richtete der Papst ein Breve, in welchem er fit hervorragende Leistungen auf dem Gebiete des traditionellen Geianges der Kirche feinen Dank «iS spricht.

daß kS unbegreiflich fei, wie man eine so Veranlagte Persönlchkeit für den OifizierSposten für qualifiziert habe erachten rönnen. W-nn die Sozialdemokraten aber allgemein auf die fiulichen Zustände in der Ar­mee binwiese», so war n cht ohne Berechtigung dar, was der Abg. Stöcker ausführte, daß rämlich die So. zialdemvkratie durch ihre sittliche Auffassung gerade den Boden vorbereite für solche Exzesse, wie sie leider hier und da beim Militär zu beklagen gewesen find.

Zm Abgeordnetenhaus hat beim Etat der Eisenbahnverwaltung zurächst eine große Debatte über Tarifresorm und verwandte« eingesetzt. Ein freifinnger Antrag verlangte Beseitigung der Rückfahrkarte und Herabsetzung des Preises der einfachen Fahrkarte aus die Hälfte dec Rückfabrkaetenpreise. Ein freikorser- vrtiver Antrag wollte diese Aenderung nur für Per­sonenzüge, für Schnellzüge aber einen Zuschlag. Wei­tere Anträge betrafen die Herabsetzung der Güter­tarife für den Ausbau des Eisenbahnnetzes. Gegen eine Herabsetzung der Gütertarife sprachen fich sowohl der Etsenbahnminister wie der Finanzminister aus. Alle Anträge gingen an die Bndgetkommission.

Das Herrenhaus hat das Wildschongesetz ange­nommen und eine allgemeine Debatte über das neue Ansiel lungsgesetz veranstaltet. Diese beschäftigte üch lediglich mit der Brflimmung, die den Pole» die An­siedlung versagen will. Die Bestimmung verstößt be­kanntlich gegen die Verfass arg Die Regierung natür­lich war der Auffassung, daß die Vorlage durchaus zulässig sei. Freilich, diese Ausnahmegesetze gegen die Polen sind wir ja schon sehr gewöhnt.

Ja Oesterreich ist am Dienstag der Reichsrat wieder zusammer getreten. Ministerpräsident von Körber begrüßte ihn mit der nochmaligen Mahnung, nun endlich positive Arbeit zu leisten, und gab deut­lich zu verstehen, daß voraussichtlich, wenn die Ob­struktion fortdauere, „Veränderungen" eintreten und -S mit dem Reichsrate zu Ende gehen würde. Gleich darauf g'ng aber der Lärm schon wieder los und die Tschechen brachten eine Menge „Dringlichkeit ar,träge" .in. So wird wohl nächstens wieder der Paragraph 14 in Tätigkeit treten.

• J.t Belgien spielt sich augenblicklich ein höchst unangenehmer Prozeß ab. Die Tochter des Königs, Prinzessin Stephanie, die stühere Kronprinzessin von Oksterreich, erhebt Anspruch auf den ihr zukommenden Anteil vom Vermögen ihrer verstorbenen Mutter, während der König unter Berufung daraus, daß der Khkvertrag mit her Verstorbenen nach österreichischem Recht abgeschlossen sei, sie vom Erbrecht ausschließen will. Da er auch die Schwester der Prinzessin Stephanie, seine Tochter Luise von Koburg enterben will,' haben deren Gläubiger ebenfalls K,age gegen den König erhoben. In den Gerichtsverhandlungen, die in Brüssel geführt werden, kamen mancherlei für den König toenig schmeichelhafte Dinge zur Sprache. So abgebrüht Leopold gegen so etwas auch ist, fein ohnehin nicht beneidenswertes Ansehen in der öffent­lichen Meinung wächst dadurch jedenfalls nicht und auch bei seinen „Kollegen" auf den Thronen vermehrt fich die Achtung vor diesem eigenartigen Vertreter des monarchischen Prinzip) nicht.______________

«e In Frankreich wird gegenwärtig ein erbitterter Kampf um das reue Schulgesetz geführt, da- die Kon­gregationen von jedem, auch dem Elementarunterrichte ausschließen soll. CombeS, der 'ür alles andere blind und taub ist, sucht den „Block" in der Kammer »u« somarenzuhalten, indem er immer wieder von der Ge- sadr redet, die der Republik von den „klerikalen" drohe. DaS Gesetz, das den Gemeinden, die dann für Schule und Lehrer sorgen müßten, gewaltige Kosten verursachen würde, erregt auch in de» Kreisen guter Republikaner schwere Bedenken. Die Erzbischöfe von Lyon, Paris, RenneS und Toulouse sind infolge ihrer Zuschriften an Loubet, die fich gegen den Ge­setzentwurf über die Unterdrückung der Kongregationen richteten, wegen AmtSmißbrauch« vor den Staatsrat geladen worden. Der Erzbischof von Lyon hat bereits erklärt, daß >r fich dem Staatsrat nickt stellen werde. — Der Kaffattonkhof hat der Revision der Urteils gegen Dreyfus stsitgegeben und eine neue ergänzende Untersuchung angeordnet, die er selbst vornehmen wird.

Auf dem ostasiatischen Kriegsschauplätze scheinen in den letzten Tagen größere Ereignisse nicht vorgekomwen zu sein. Der Angriff der Japaner auf Port Arthur wurde nicht erneuert. Dageaen haben am Sonntag japanisch» Kriegsschiffe eine Stunde lang Wladiwostok bombardiert. Eine ernsthafte Beschädigung wurde nach russischer Meldung nicht angerichtet; fünf Matrosen wurden leicht verwundet, eine grau getötet. Vielleicht bezweckten die Japaner nur zu ermitteln, ob das russische Geschwader sich im Hafen befinde. Da die Russen dar Bombardement nicht erwiderten, ist man über diese Frage rach wie vor im Ungewissen. Rach einer Meldung soll da» Geschwader am 29. Februar Wladiwostok verlassen habe» usb in den nördlichen Gwässem kreuzen. Am Montag erschien da» japanische Geschwader wieder vor Wladiwostok. Zu Lande find nennenswerte Gefechte immer noch nicht vsrgefallen. Man ist beiderseits mit de» Auf­märsche, bezv der Befestigung seiner Stellung be- schäfttgt. Die koreanische Bevölkerung leigt fich den Japanern gegenüber sehr freundlich. Die Japaner sind nach einer kurzen Pause weiter zu« Angriff gegen Bort Arthur übergegangen. Rach einer Meldung des Bureaus Reuter aus Tokio haben ihre Kri gSschiffe in der Rächt zum Mistwoch die Forts von Talienwan beschossen und sodann Port Arthur angegriffen AuS Petersburg wird gemeldet, daß nach einer Depesche avS Port Arthur die japanische Flotte in der Nacht zum Mittwoch um 12 Uhr vor dem Hafen er­schienen sei und mit Unterbrechung bi» 8 Uhr morgens die Festung beschossen habe 33eitere Meldungen

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verantwortlicher

(•) Die Sozialdemokratie als Partei der Wissenschaft.

„Das ganze arbeitende Volk im weitesten Sinne des Wortes in die Bewegung der in­dustriellen Arbeitermaffe hineinzuziehen, ist die Aufgabe, vor deren Lösung die Partei sich heute gestellt steht." Das ist nach einem Aufsatz des sozialdemokratischen Reichstags - Abgeordneten David in der Märznummer der.Sozialistischen Monatshefte' zugleich der Kernpunkt der Frage, wie die Sozialdemokratie endgültig zur „Erobe­rung der politischen Macht" gelangt. Zwei Volksbestandteile find da in erster Linie zu ge­winnen, einmal die werktätige Maffe der Land­bebauer, die Landarbeiter und kleinen Bauern, sodann die geistige Berufsarbeiterschaft, „die technisch, wissenschaftlich und künstlerisch ge- schulteJntelligenz". Bezüglich der letzteren schreibt David:

„Wollen wir die geistige Beruftarbeiterschasi ge­winnen, so ist eine Grürdbed'LUng dafür, daß unsere theoretische Betätigung vor btm Rickterstuhl wissen­schaftlicher Kritik ^standhaft DeS ist nur möglich, wenn wir bei unserer Slrtiit in engster Fühlung mit der fortschreitenden wissenschaftlichen Forschung bleiben. Jeder Zurückbleiben hinter der wissenschaftlichen Front entfremdet uns die besten Köpfe, unterbindet bett Zustrom vo-MnHängern aus den Reihen jener Ar­beiterschaft. Darum ist jedem Versuch, ein geistigeS Papsttum zu etablieren, jeder Tendenz zu dogmatischer Erstarrung der Krsieg zu erklären."

David weist damit der sozialdemokratischen Partei die Aufgabe zu, die vornehmlichste Partei der Wissenschaft zu sein, die ihre programmati­schen Forderungen der Erkenntnis unserer ver­gangenen und jetzigen wirtschaftlichen Entwicke­lung entnimmt und ihnen dadurch eine wissen­schaftliche Begründung zu teil werden läßt. Auf ihre Wissenschaftlichkeit hat die sozialdemokratische Partei fich bisher nicht wenig zu gute getan. Aber das hohe Lied, das Herr David von der Sozialdemokratie als Partei der Wissenschaft fingt, ist nur ein schöner Traum und frommer Wunsch. In der Praxis besehen, ist die Göttin Wissenschaft nicht viel mehr, als eine zur Dienerin der sozialdemokratischen Tak­tik degradierte Magd. Das trat so recht im Jahre 1901 bei Gelegenheit der Bernstein- debatte auf dem sozialdemokratischen Parteitage zu Lübeck zu Tage. Die im Besitze des „Sozia­lismus als der alleinigen Wissenschaft" befind­liche sozialdemokratische Partei zeigte hier eine reine Furcht vor der Wissenschaft, eine direkte Ablehnung gegen die von David so warm empfohlene, fortschreitende, wissenschaftliche For­schung. Der „Zehn-Gebote"-Hoffmonn bezeich­nete Bernsteins wissenschaftliche Forschungen als Haarspaltereien, auf die fich einzulaffen er keine Zeit habe. (Prot. S. 138.)

„Ich wünsche, daß endlich Ruhe herrsche, und die Beschlüsse de- Parteitages respektiert wetten. (Sehr gut.) Wenn ich so burschikos wie Auer sprechen wollt-, dann würde ich sagen: „Lieber Ede, nun ar­beite mir einmal mit und laß die Quengeleien, die uns nur die Agitation erschweren und nicht vorwärt«, sondern rückwärts bringen."

Der Delegierte für Apolda, Leutert, wandte sich scharf gegen die Theoretiker, „die die Wissenschaft nur zum Zwecke der Wiffenschaft betreiben."

Wer dar will, ter mbß auf der Umvetfitöt weiter studieren; wenn sie bei nn» find, so müssen sie die Wissenschaft studieren, um sie in die Proxi» zu über­tragen. Kritck, Antikrftik, Eelbfikruik find schöne Dinge, aber wir find dadurch in eine kritische Situation gekommen. (Prot 6. 170).

So verfuhr die Partei der Wiffenschaft in Lübeck mit der wissenschaftlichen Kritik. Soweit dieselbe der Sozialdemokratie als Kritik an bet bürgerlichen Gesellschaft nützen kann, ist ste ihr willkommen, erfaßt sie jedoch die Sozialdemo­kratie selbst, so erhält sie schleunigst einen Maul­korb. Und wird nicht noch jedes Jahr auf den sozialdemokratischen Parteitagen durch die Reso­lutionen d te die Revisionisten abschlachten sollen, der w ssin schaftlichen Kritik innerhalb der So­zialdemokratie dieser Maulkorb erneuert? Und wesbulb geht die Partei der Wissenschaft noch

wochen-Rundschau.

O Fulda, 12. März 1904.

Ter Bundesrat hat am DienSta, dem vom richstaze beschlossenen Gesetzentwurf betrtffenb dir Aufhebung deS § 2 der Jesuitenaesetzes «gestimmt. Dieser Paragraph gab der Regierung ne Befugnis, den Jesuiten, auch wenn sie Inländer sind, den Aufenthalt an bestimmten Orten zu ver­sag n — ein Amnahmerecht, das forst nur für ent­lassene Sträflinge besteht. Bekanntlich hatte der Reichskanzler schon vor JabreSstist erklärt, daß die preußischen Stimmen im Bundesräte für die Aus­hebung des Paragraphen stimmen wurden. DaS gab dann dem Evangelischen Bunde einen willkommenen Anlaß, eine „große" Bewegung in’5 Werk zu setzen. Mit seiner wüsten Hetze hatte ec es bann auch unglück­licherweise dahin getracht, daß die meisten br kleinen LurbrLstaalen sich einschüchtern ließen und die Ent­scheidung im Bmrbrsrate einstweilen verschoben vurde. ■ den Evangelischen Bund wird daher die etzige Entscheidung eine große Enttäuschung sein, 6er Reichitagsbeschluß, der fich für die Aushebung »e« § 2 aussprach, war bekanntlich nicht vom Zentrum veranlaßt, sondern eS lag ihm ein von konservativer und freisinniger Seite ge- stelltec Antrag zu gründe. Ja sogar der Führer der kururkämpsertschect Nationalliberalen, der »erstorbene Abgeordnete von Bennigsen, ist im Jahre 1896 tat Reichstage öffentlich für die B.seiti- gtmg deS 2 des JesuitmgesetzeS eingetreten, indem er frnäde: „Ich glaube auch namens meiner Arerrnde sagen zu können, daß wir Vorschriften gegenüber, welche nun bereits seit mehr als zwanzig Jahren gar nicht praktisch geworden sind und in ihremZn halte nach alle,»inciwaS Verlebendes ttitb Gehässiges für große Teile in unserem SSaler« l<wde haben, daß wir, wenn eine solche Anregung an MS kommt, der Prüfung, ob dieser Teil des Ge- ichetz aufgehoben werden soll, uns jedenfalls nicht wtziehes werden, und daß ich es sehr wohl für möglich ans he, baß barüber eine Verständigung mit der Mehrheit des Reichstages und den verbündeten A^ierwrznt herbeigeführt wirb."

Trotzdem wird nun in bat nächsten Tagen ein »rsßrr Lärm in bet katholikerifemdlichen Presse ent» pkhkn über die „Nachgiebigkeit" der Regierung gegen das Zentrum Das Zentrum aber muß grund- fatzuch auf der Aushebung des ganzen Jesuiten- Gesetzes bestehen. So dankbar auch das jetzige Zuge- Ksdais anzuerkennen ist, so kann doch dir Fordr- nwg, daß daS ganze Gesetz fallen muß, natürlich niemals auf gegeben werden. Als Probe, »ie iwau anf gegnerischer Seite die Sache ausschlachtet, zeben tote aus nächster Nähe folgenden Erguß der in Kassel erscheinenden ,H-ss Post' wieder. Diese- würdige Blatt macht zu b-r ersten Meldung über den LuadrSratSbeschluß solgende Bemerkung: „Die letzte Hchrauke ist gefallen, der Jesmtenorben time unge­hindert seinen Einzug in Deutschland halten. Es »ird ei» Sieges- unb Triumphzug sein, auch »e»n eS nicht ausgesprochen werben sollte. DaS Leutrum steht auf bem Gipfel seiner «acht. Die verbündeten Regierungen ober doch wenigsten» Preußen, das jedenfalls den Ausschlag bei «» entscheidenden Abstimmung gegeben hat und an

Widerstand bisher die Aufhebung deS Jesuiten- ZeietzeS gescheitert, ist gebemütigt vor aller « lD-on ber Kampf um das Jesusteugesetz war, fr gering seine paktische Bedeutung noch sein mag, ««e Prinzipienfrage. Die Kraftprobe hat daS Zen-

siegreich bestanden. An dieser Tatsache ist leider nichts wehr zu ändern."

.. Biel ruhiger betrachtet die .Frankfurter Zeitung' e>e Sache, indem sie darauf hinweist, daß § 1 des Msuitengesktze» noch bestehen bleibt, wonach die LrLenStStigkett ber S-hüten unterlagt bleibt. Dann swrt das demokratische Frankfurter Blatt fort: •yrtdje halbe Arbeit ist politisch sehr unzweckmäßig, «an kommt den Wünschen der Ultramontanen ent- Wn, versagt ihnen aber doch soviel, daß sie nach wie vor al» die Bedrückten fich hinstellen können.

tsßrde viel klüger fein, daS ganze Swmgefefc zu beseitigen, zumal eS zweifellos 'tue Ungerechtigkeit bedeutet und praktisch *"kvUgrloS ist. ES scheint aber, daß für eine Weiche Befestigung deS Jesuitengesetzes die kleineren ^«d«»staaten verläufig absolut mchi zu haben

Wld es mag schon manchen K mpf gekostet daß sie der Aushebung deS § 2 zustimmten " „ . v* Ech ist ber Zeitpunkt nicht mehr fern, wo SJU US Hetzer, da» „zweifellos ei e llnge- tilgtet# bedeutet", beseitigt wirb.

S iftgegentoärtigmitberBeratung drt MtliÄretat, beschäftigt. Wie r» immer bei der

Fall zu sein pflegt, nehmen die sozlatdewoftat'schen Erörterungen einen breiten llsttm in der Diskussion ein. Freilich das meiste von Mrjewgen, waS sie vorbrachlen, war nicht mehr neu :«« dir Sozialdemokratie benutzt die Etatsbespreckuma um Besserungen in de. Miiitä-Verwaltung ksrdttMführen, als vermöge ihrer Agitation im Reichs FF Pir die jozwlistischeu Ideen im Lande Propaganda * Sachen. Dar einzige neue, waS die SoMdemo- zur Sprache brachten, war der Fall Arenberg. Sber Freisprechung des Prinzen nesmen sie baten Wwß, dagegen marterten sie und nicht mit th -cht,

uföaer W Zeitung

ristleitrnZos^ama

wochenb-iiage:„AustrierteSonntagszeitung"