31. Jahrgang.
M-a, Donnerstag, den 10. März 1904.
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> erstes Blatt
nicht mehr durch die Polizei von Ort zu Ort getrieben oder au einem Or»e festgehalten werden können, wenn es ihr so belieben sollte. Mit dem § 2 selbst fällt auch die zu seiner Ausführung erlaffene Verordnung des Bundesrats. Kann somit fortan jeder deutsche Jesuit ungestört im Deutschen Vaterlande wohnen, wo er will, so ist dem Jesuitenorden doch keineswegs, wie die Gegner behaupten, der „Ein- zug in daS Deutsche Reich" wieder gestattet und werden nächstens an allen Ecken und Enden Jesuiten-Niederlaflungen auftauchen. Nieder- lassungen und Ordenstätigkett ’inb nach wie vor verboten; denn der 8 1 bleibt bestehen. Wenn 3 Jesuiten in demselben Hause wohnen, kann man das für eine verbotene Niederlassung erklären und sie durch die Polizei auseinandertreiben lassen. Und was alles unter verbotener „Ordenstätigkeit" begriffen werden kann, dafür haben wir ja noch aus den letzten Jahren eine Reihe von Beispielen. Ein Vortrag über ein soziales oder apologetisch-religiöses Thema kann unter Berufung auf den § 1 unter» sagt werden. Also die „frei" im Lande lebenden Jesuiten dürfen nach wie vor ihre Berufstätigkeit nicht ausüben.
Und überdies bleiben nach Aufhebung des § 2 alle landesgesetzlichen Bestimmungen über den Jesuitenorden unverändert fortbestehen. In verfchiedenen Bundesstaaten ist der Jesuitenorden durch Gesetz ausdrücklich ausgeschloflen. In anderen wär? seine Zulassung jedenfalls von he* Genehmigung öer megrerung abhän^z. Man könnte also das ganze Jesuitengesetz aufheben und doch bliebe in der Praxis im Wesentlichen alles beim Alten, wieviel mehr, wenn blos der § 2 aufgehoben wird. Die Gesetzessammlung des Deutschen Reiches wird dadurch blos von einem häßlichen Flecken gereinigt. Ein „neuer Abschnitt der Weltgeschichte" datiert von dem 8. März 190* nicht und zu irgendwelcher Aufregung liegt nicht der mindeste Anlaß vor. Wir sind auch überzeugt, daß die öffentliche Meinung das „Furchtbare", nachdem eS einmal geschehen ist, sehr gleichgiltig aufnehmen wird. Es wird dem Evangelischen Bunde nicht gelingen, einen Entrüstungssturm zu erregen. Der Bundesrat hätte „ohne Gefahr" auch schon früher seinen Beschluß faffen können.
Daß nun ein Teil der Presse sein Zetergeschrei über „schwächliche Nachgiebigkeit der Regierung gegen das Zentrum" usw. wieder erheben wird, versteht sich von selbst. Was es mit dieser „Nachgiebigkeit" auf sich hat, erhellt erstens aus der von uns dargelegten praktischen Bedeutung des Bundesratsbeschluffes und zweitens daraus, daß es ein konservativ-freisinniger Antrag war, dem der Bundesrat seine Zustimmung gegeben hat. Die Aufhebung des § 2 im Bundesrate durchzusetzen, war der Rerchskanzler vor allem sich selbst schuldig. Es freut uns zu sehen, daß er dort noch etwas mehr Einfluß hat als der Evangelische Bund.
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j. woch-Miiagk: „Illustrierte Soitntagsjcttung
entgegnete Frau Wilson, nicht weniger bestürzt, wenn auch wohl in anderem Sinne.
„ES tut mir so leid", fuhr Doralic« fort, die Augen voll Tränen, „sür ihn und für uns alle. Ich hätte ihn heute so sehr — sehr gern gesprochen."
„Vielleicht werden wir ihn, wer weiß wie lange, nicht sprechen", war Frau Wilsons kalter Trost. „Robert hält entschieden darauf, daß seine Kranken ruhig gehalten werden."
Und der Doktor sagte genau dasselbe, als er eine Stunde später mit den neuesten Nachrichten von seinem Pattenten herunter kam. „Nach einer solchen Erschütterung, wie diese war, bedarf er mehrere Tage lang der äußersten Ruhe", lautete sein Ausspruch. „Die ganze Ausdehnung des angerichteten Unheil» läßt sich noch gar nicht übersehen. Pott und ich werden die Pflege übernehmen, und die Damen müssen ihn uns überlassen, bis das Schlimmste vorüber ist." '
Dagegen gab eS kein Auflehnen. Doralice mußte sich folgsam entkernen und die neuen Sorgen dieses ereigniSvollen Tages mit nach Westfeld zurücknehmen. Erst am nächstfolgenden ab-nd erhielt Frau Wifton die Erlaubnis, einen Blick in das Krankenzimmer zu werken. Zam erstenmal seit seinem Unfall hatte der Schlaf den Kranke» überwältigt. Aber eS war keine erquickende Ruhe, deren er sich erfreute, denn feine Lippen bewegten sich unbehaglich unter dem Einfluß eines quälenden Traumes.
Mehrmals murmelte er einige Worte vor sich hin und Frau Wilson lauschte gespannt, bis sie zuletzt deutlich hörte: „Wir können nicht heiraten — noch immer nicht. Ich hätte eS nicht versprechen sollen --o wäre ich doch mein eigener Herr!"
Sine unruhige Bewegung erweckte den Schlasenden zu neuen LeidenSstunde«, und seine Schwester hatte kaum Zett, unbemerkt davonznschleichen. Aber das, was sie gehört hatte, genügte, um von neuem ihren Berdacht wachzurufen. Sie war überzeugt, daß das Gespenst ein.» alten Liebesgeschichte sich zwischen ihren
ver 8 2 der ZeMengchtzer wird nunmehr endlich and der WeU ge- schufst. Der Bundesrat hat, we wir schon gestern nachmittag durch Extrablatt unseren Leiern mitteilen konnten, am Dienstag in einer autze.- ordentlichen Sitzung dem vom Reichstage ve- schloffenen Gesetzentwurf wegen Aushebung des Paragraphen 2 seine Zustimmung erteilt. Graf Bülow hat also das Versprechen, das er am 5 Febr. v. Js. im Reichstage gab, nach etwas mehr alS Jahresfrist eingelöst. Zwar hatte er damals nur angelündigt, daß die preußischen Stimmen im Bur.vesrate für die Aufhebung ab- aeaeben werden würden, allein niemand hat daS anders aufgefaßt und er felbst hat es sicher auch nicht anders gemeint, als daß er im Bundesrate seinen ganzen Einfluß für die Aushebung emsetzen werde und seines Erfolges sicher sein dürfe. Hätte er das nicht sagen wollen, so hätte er gewiß geschwiegen.
Daß die Entscheidung sich so lange hrngezogen hat, haben wir bekanntlich dem Evangelischen Bunde zu „verdanken". Für ihn ist der Bundesratsbeschluß eine ebenso große wie unangenehme Äeberraschung. Er brachte alsbald nach der Ankündigung des Reichskanzlers eine gehässige und verlogene Agitation m Gang und mußte hei Leuten, die die Mache nicht durchschauten, den Eindruck zu erwecken, als sei das ganze protestantische Deutschland in großer Aufregung. Alle Synoden und sonstigen Kirchenvertretungen, schließlich auch die preußische Generaliynode wurden mobil gemacht. Der Evangelische Oberkirchenrat liefe sich zu einer Eingabe gegen die Aufhebung des § 2 an den König bestimmen. Me geräuschvolle „Bewegung" schüchterte eine Reihe von Bundesregierungen so ein, daß sie öffentlich erllärten, gegen die Aufhebung stimmen zu wollen. Bald konnte der Evangelische Bund triumphierend verkündigen, daß die Mehrheit des Bundesrats den Reichskanzler im Stich lassen «erde und deshalb die Entscheidung einstweilen aufgehoben sei. Dies „Aufgesckoben" wurde zuversichtlich als „aufgehoben" ausgelegt. Um die Siegeszuversicht der Jesuitengegner zu starken, wurde auch fleißig verbreitet, der Kaiser fei für die Aufrechterhaltung des § 2. Es wurden sogar Geschichten von scharfen Auseinandersetzungkn zwischen ihm und dem Grafen Bülow über diese Frage erfunden, und einige Heißsporne stießen schon den Ruf aus: Fort mit Bülow, wenn er die Aufhebung des § 2 durchsetzen will.
Was an der Behauptung, das ganze protestantische Deutschland erhebe einmütigen Protest, wahres sei, konnte man schon daraus abnehmen, daß es der konservative Äbg. Graf Li m bürg - Stirum und der freisinnige Abg. Rickert gewesen waren, auf deren Antrag der Reichstag
Zwei Krbinnen.
Bon Klara Rheinau.
16 ----- (Nachdruck verboten.)
IFortsetzung aus dem zwetten Blatt.)
„Was ist passiert?" rief Doralice. Schmitten, ihr »gerier Verwalter trat vor, um ihr zu antworten.
„Etwas recht Schlimmes, Fräulein Gram", sagte rr rrnst. „Herr Ravenstein saß in diesem Wagen und Fräulein Basfing saß bei ihm. Im Hanse erzählten sie mir, daß Herr Ravenstein hierher gekommen sei, mn aus Sie zu warten. Da Sir aber lange auS- bliebe» und er noch NStiges auf der Post in Darsmn zu besorgen hatte, ließ er einspannen, um hinüber- zusahren. Gerade im letzten Augenblicke kam Fräulein Basstnq herunter und fragte, ob sie mitfahren könne, da sie auch dort zu tun habe. Ich stand hier nebenan auf dem Felde und sah sie daher kommen. Plötzlich scheute da» Pferd beim Anblicke einiger Kinder, die Aehrenbündel auf dem Kopfe trugen, und ging in rasendem Tempo durch. Herr Ravenstein hatte die Zügel fest gefaßt, und ich konnte sehen, wie «t Fräulein Basfing, die herauSspringen wollte, auf dfrem Sitze zurückhrelt; eS wäre wahrscheinlich alles gut abgegangen, wenn nicht das Frauenzimmer E, als sie über die Brücke fuhren, wie toll geil und sich an den s-ügrl festgeklammert hätte.
war da» Unglück geschehen, der Wagen stürzte himmter und ein Wunder ist'», daß sie nicht beide den Hals brachen."
„Wer - wer von ihnen - ist verletzt?" stammelte Doralice. „Wo sind sie?
„Ich ließ einen Waaen vom Felde kommen und Fräulein Basfing nach Westfeld zucttckfahren. Dann jchickte ich nach Herrn Pott, der schon bei ibr ist. Sie sprach kein Wort, eS scheint sehr schlimm mit ihr stehen."
„Und — Herr Ravenstein?"
sich wiederholt mit großer Mehrheit fir die Aufhebung des § 2 auSge- prochen hatte. Sogar die Führer der Na- tionalliberaleu, die Abgg. v. Bennigsen und v. Marquardsen, hatten schon vor Jahren den § 2 als gehässig und »»gerecht vermrreilt und sich sür die Aufhebung auS- gesprochen. Es lag ja auf der Hand, daß die protestantischen Abgeordneten, die mehrfach für die Aufhebung gestimmt hatten, nun nicht auf einmal anderen Sinnes geworden waren, nachdem der Reichskanzler erklärt hatte, daß er ihrem Verlangen Folge geben werde. Und daß diese Abgeordneten wußten, daß die große Mehrheit der Wähler hinter ihnen stehe oder sich wenigstens wegen der Sache nicht aufrege, war auch klar. Ein deutliches Zeichen für die wahre Stimmung de8 protestantischen Volkes war sodann die Entschiedenhett, mit der das leitende Blatt der Konservativen, die .Kreuzzeitung', trotz der gehässigen Angriffe des Evangelischen Bundes an dem Reichstags- beschluffe festhielt und den Hetzern entgegentrat. Endlich erwiesen dann die Reichstagswahlen, daß hinter den Schreiern kein Volk stehe. Die Parteien, die mit der Erregung der Jesuitenfurcht Gechäfte zu machen gedacht hatten, fielen gänzlich ab. Die „antiultramontane Wahlver- einigung" und die „Jungliberalen" konnten nirgends greifbare Erfolge vorzeigen. Es verhielt sich eben, wie von unserer Seile stets behauptet worden war: in der Hauptsache bestand das Korps der Jesuitenfeinde und Aufgeregten aus protestantischen Pastoren, hinter denen allenfalls noch ihr Presbyterium und sonst £n Häuflein oerännfHMer Seelen stand. Der großen Masse des protestantischen Volkes war der § 2 des JesuitengesetzeS höchst gleichgiltig. .
Es lag ja m der Tat auch kein Grund vor, sich darüber aufzuregen. Denn was besagt er? Ausländische Mitglieder des Jesuitenordens können aus dem Deutschen Reiche aus- gewiesen, intändischen kann der Ausenthalt in bestimmten Orten oder Bezirken angewiesen oder untersagt werden. Ausländer können bekanntlich jederzeit ausgewiesen werden, wenn sie sich „lästig" gemacht haben, sie brauchen dazu nicht Jesuiten zu sein. Wenn also der § 2 aufgehoben wird, bleibt in dieser Beziehung alles beim Alten. Die Bestimmung gegen die inländischen Jesuiten ist ein Ausnahmegesetz so gehässiger und freiheitswidriger Art, wie es nicht einmal für die Sozialdemokraten besteht. Die einfache Gerechtigkeit gebot, Jesuiten, die sich nichts haben zu Schulden kommen laffen, nicht schlechter zu behandel» als Sozialdemokraten und Anarchisten. Da von der Beflimmung des § 2 für sich allein seit Jahren kein Gebrauch gemacht worden ist, so ändert sich in der Praxis an der Lage der deutschen Jesuiten mit seiner Aufhebung fo gut wie nichts.
Es ist nur erreicht, daß die Jesuiten nicht mehr vogelfrei sind im Deutschen Reiche und
„Er kam am besten weg, Fräulein Gram, ober da» will nicht viel heißen."
Doralice atmete dennoch erleichtert auf, und Schmitten erzählte weiter:
„Glücklicherweise kam gerade Herr Dr. Wilson mH feinem Landauer vorüoer. Er hals uns Herrn Ravenstein ttt d?n Wagen tragen und fuhr ihn sofort nach Hause." , ..
„Dann muß ich sofort »ach der Billa", erklärte Fräulein Gram augenblicklich; „best-llen Sie zu Hause, daß man mich heute abend dort abholt. Mit dem Pferde machen Sie, waS Jbnen am besten, am barmherzigsten scheint. Sagen Sie auch, daß man Herr« Pott alles zur Verfügung stellt, was er für Fräulein Basfing braucht. Gehen Sie jetzt gleich nach Hause zurück?"
„Noch nicht gleich, Fräulein. Herr Ravenstein, der nicht ganz da« Bewußtsein verloren hat, vertraute mir seine Briefe an. Ich versprach chm, auf den Postboten zu warte« und sie ihm mitzuzeben. Er wird bald hier vorüberkommen."
„Dann geben Sie ja acht, daß Sie ihn nicht verfehlen", sagte Doralice, „denn dies würde Herrn Ravenstein sehr unangenehm sein" — und ohne noch einen Augenblick weiter zu verlieren, eilte sie aus einem Wiesenpfade nach der B lla. Hier traf sie Frau Wilson in größter Bestürzung, halb weivend vor Angst um den geliebten Bruder, im Garten auf und ab schreitend. Man hatte ste auS seinem Zimmer verbannt, während der Doktor mtt geschickter Hand Reginalds doppelten Arwbruch einrichtete. Die beiden Damen hörten draußen daS schmerzliche Stöhnen des halb bewußtlosen Patienten, und während Doralice totenbleich wurde, brach Frau Wilson in lautes Schluchzen aus.
„O wäre ich doch früher nach Hause gtbmmeu und hätte ihn oder wenigstens diese unglückselige Basfing znrückgehaltenl" flüsterte Doralice ganz schuld- bewufit und in großer Bestürzung.
„Oder hätte er überhaupt nicht nach Dars um gewollt! Wa» konnte er nur dort zu tun haben?"
Berlin, den 9. März 1904.
* Der Lloyddampfer „König Ulbert*', auf welchem der Kaiser feine Mittelmeerfahrt unternimmt, wird, wenn nichts dazwischen kommt, Ende der Woche auS Bremerhaven auslaufen. Der erste Ort, der auf der Reise berührt wird, ist der spanische Hafen Digo. Dort findet ein Aufenthalt vom Morgen bis zum Nachmittag statt. Der Dampfer geht bann weiter nach Gibraltar, Port Mahon auf den Belearen und wird wenige Tage vor dem Ende des Monats in Neapel erwartet. Zusammenkünfte mit Staats- oberhäuptern werden von feiten des Kaisers nicht geplant, doch würde für ihn kein Anlaß vorliegen, sich ungezwungm ergebenden Begegnungen — man spricht vom Präsidenten Loubet bei dessen italienischem Besuch oder vorn König von Spanien — geflissentlich aus dem Wege zu gehen.
Am Abend des 7. März ist in Berlin der Geh. Oberregierungsrat und Vortragende Rat im Kultusministerium, Dr. Otto Meinertz, im eben begonnenen 66. Lebensjahre gestorben Der,Reichsanz.' widmet ihm einen Nachruf, worin es heißt: „In allen seinen Stellungen hat der Verewigte in treuester und gewissenhafter Arnts- suyrung, namentlich auf dem Gebiete des höheren Schulwesens, segensreich gewirkt. Feinsinnig P seiner wissenschaftlichen Bildung, wähl.hastig itt seinem ganzen Wesen, von tiefer religiöser Uefcet j zeugung und stets unbefangen sachlich in seinein Urteil, hat er der Unterrichts - Verwaltung die besten Dienste geleistet, denen es auch nicht an äußerer Anerkennung gefehlt hat. Dabei machte den bewährten Beamten die gleichmäßige, freundlich entgegenkommende Liebenswürdigkeit in den Formen des persönlichen Verkehrs allen, mit denen er dienstliche Beziehungen zu pflegen hatte, namentlich seinen Amtsgenossen und Untergebenen, in besonderem Maße lieb und wert. Sein Andenken wird in hohen Ehren bleiben."
** In einzelnen auswärtigen Zeitungen wird einer Mitteilung Raum gegeben, wonach der Minister des Innern, Freiherr v. Ha»mer- stei», ein Abschieds-Gesuch eingereicht habe. Die,Nordd. Allgem Ztg/ erklärt diese Mitteilung für vollständig unbegründet.
** Der Evangelische Bund hat durch die Pfarreien die Agitation gegen die ,Kreuzztg. nun auch in dieGemeinde-Kirchenräte und Synoden hineingetragen. Die.Deutsch-evangel. Korresp.' bringt eine Kundgebung des Berliner Pfarrver- ein§7 ein Rundschreiben an die Berliner Kirchen- ältesten, in dem der Evangelische Bund über schwänglich gelobt, die.Kreuzztg/ mit den üblichen Verleumdungen bedacht wird. Die ,Kreuz?tg/ macht sich zwar aus den bündlerischen Angriffen nicht viel, aber fie befürchtet, daß eine Spaltung der Positiven die Folge sein wird, wenn man
Brüder unb Doralice drängte, und ihre Gedanken beschäftigten sich fortwährend mit der Frage, wie fie ihn « L X- • lUUiu --—-C.
au» uit,ett, nau# .^rer.vgung g*...—v,gen Fesseln befreien könne. Schließlich faßte fie den un- srligen Entschluß, ein wenig Vorsehung »n spielen und die Hindernisse aus seinem Wege zu räumen, einerlei, welcher Mittel sie dazu bedürfen würde.
In Westfeld lag unterdessen Fräulein Basfing zwischen Leben ünd Tod, und eine Woche lang erschien eS sehr unwahrscheinlich, daß fie wieder genesen werde.
An ärztlichem Beistände und sorgfältiger Pflege fehlte eS ihr nicht.
„Sparen Sie an nichts, was ihr dienlich sein könnte", hatte Doralice am ersten Tage angeordnet „Aber verlangen Sie nicht, daß ich fie sehe. Bei Kranken bin ich richt am Platze" und Herr Pott schüttelte den Kopf über dies unfreundliche Ende einer höchst freigebigen Rede.
Tag für Tag sand sich Doralice in der Billa ei«; fie war in so gedrückter Siimmurg, so ängstlich wegen ReginalbS langsamer Wiedcroenesnng, so ungeduldig, chn zu feben, daß Fran Wilson zuversichtlich darauf rechnete, chre erste Begegnung werde mit der so sehn- lichst gewünschten Verlobung enden — wenn nur ein Hindernis beseitigt wäre!
Etwa acht Tage nach seinem Unfall saß fie bei ihrem Bruder, nach des Doktor» Anweisung ängstlich bemüht, nur heitere, angenehme Dinge zur Sprache zu bringen. Endlich wagte fie sich auch an da» Thema, das ihr am aufbeilerndsten schien:
„Fräulein Gram sehnt fich ganz außerordentlich danach, Dich wiederzusehen, Reginald", begann fie.
Der Kranke seufzte tief auf. „Sie kann fich nicht mehr danach sehen, als ich selbst. Hat fie Nachricht von ihrem Vater erhalten?"
„Ja, ich glaube, gerade darüber wollte fie mit Dir sprechen Er wird in der allernächsten Zeit hi« einttefien."
(Fortsetzung folgt.)