Zeitung
31. Jahrgang
®rud und Verlag der 8«lda«rSrtte»druck-rri in Hulda (harmonic;. Fernsprecher Nr. .
Die He» fpaltige petitzeiie ober deren Bannt !'> Psz. BekiamendiepeNtzei!« 26 pfg.; bei wieder, tolnngtn wird tntfpr. Babati gewährt.
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[:] Geldverschwendung oder Urach?
In den Ansiedlungsprovinzen sind bctannt* Kch die Bodenpreise gewaltig gestiegen, seitdem »je Ansiedelungskommission mit ihrem unerschöpf- lichep Geldsacke dort wirkt. In ihrem letzten Berichte gibt die Kommission selbst alS einen der Gründe die polnische Konkurenz an. Die Unfiedelungstatigkeit der Polen, namentlich der Bank Ziemski, die der Ansi-delungSkomwt,fion Len Grund und Boden streitig zu machen sucht, muß natürlich die Preise steigern. Jeder verkauft gerne so teuer wie möglich, und wer mtrcv- aus kausen will, muß den anderen Kauslusttgen rtn Preise überbieten. t ,
Nun aber soll nach dem neuen Ansiedelungs- aesetze die Ansiedelung von Polen untersagt werden. Das Gesetz spricht das zwar nicht mrt dürren Worten aus, aber das tst zugestandener Maßen seine Absicht. Die Folge wird also die Lahmlegung der Bank Ziemski und der sonstigen ParzellierungstStigkeit der Polen sein. Der Minister LeS Inneren hat, um das Gesetz gegen den Vorwmf der Verfaffungswürdigkeit zu schützen, im Herrenhause betont, daß es Deutsche so gut wie Polen träfe, wenn sie den Zwecken des Anfiedlungs- gesetzes von 1886 entgegenwirkten. Also sind auch deutsche Banken und Private, die die Parzellierung oder „Güterschlächterei" betreiben in Gefahr, lahmgelegt zu werden, sobald sie auch mit polnischen Ansiedlern Geschäfte machen wollen.
Auf jeden Fall wird die Ansiedlungskom- misston eine empfindliche Konkurrenz los. Die nÄhste Folge wird sein, daß sie künftig die Güter, die ihr angeboten werden, billiger erwerbe» kann, als bisher. Das mag für sie und die Staatskasse recht angenehm sein; nicht minder für die künftigen deutschen Ansiedler. Aber wie wird es den Grundbesitzern in den Anfiedlungs- provinzen überhaupt dabei ergehen? Seit achtzehn Jahren sind die Bodenpreise fortgesetzt in die Höhe getrieben ww.den. Bleibt nur die Avsted- mnas Kommission als einziger großer und ständiger Käufer übrig, dann werden natürlich nicht allein »ie künftigen Verkäufer von Gütern niedrigere Brrsie erhalten, sondern die Güter werden allgemein im Werte sinken. Wer heute ein Gut im Werte lvon 300,000 Mk. besitzt, hat nächstes Jahr oder in zwn Jahren vielleicht nur mehr ein Gut im Werte von 250,000 oder 200,000 Mark. Dementsprechend sinkt sein persönlicher Kredit und die Beleihungsfähigkeit des Gutes.
Die Polerpolitik ist somit auf dem besten Wege, zu allem anderen auch noch einen Güter- krach in Posen und Westprevßen herbeizuführen Daß das keine leere Phantasie ist, beweisen die Notschreie, die bereits aus den Reihen der bedrohten Landwirte ertönen. Als zuerst von polnischer Seite auf die Folgen des neuen Gesetzes aufmerksam gemacht wurde, glaubte die hakatistische Pikffr das in den Wind schlagen zu können; Die ganze Erde mag zu Grunde gehen, wenn wir nur die Polen unterkriegen. Jetzt aber kommen schon Proteste aus deutschen Rreven. In den ,Pos. Reust. Nachr/ erhebt ein Mitglied
des Bundes lebhaft Eimpruch gegen das Gesetz, das die Landwirte auf Gnade und Ungnade der AnsiedlungSkommisfion ausliefere, indem es jede Konkurrenz ausschalte. Der Staat habe durch die Ansiedlung die jetzigen Bodenpreise geschaffen und dürfe diese jetzt nicht auf Kosten unschuldiger Besitzer wieder beseitigen. „Wenn dieser Gesetz zu Stande käme, würde jener patriotisch denkenoe deutsche Besitzer der Dumme sein, der nicht vorher in den Tagen der guten Preise an die Parzellierungsbanken sein Besitztum losgeschlagen hat."
Zu den unzufriedenen Polen werden also die unzufriedenen Deutschen kommen, die nicht „zur Förderung des Deuffchtums" rechtzeitig verkauft haben und nun auf einmal weit ärmer sind, als sie bisher gewesen waren, vielleicht ruiniert werden, weil ihr Kredit sinkt. Dem Güterkrach könnte die Ansiedlungskommisfion nur dadurch Vorbeugen, daß sie alle Güter ankaufte, die sonst von polnischen und deutschen Parzellierungsbanken und Parzellierern angekaust worden wären, und dafür die bisherigen Preise fre willig weiterzahlte, wiewohl sie die Güter weit billiger haben könnte. Das wäre dann aber doch eine ungeheuerliche Verschwendung von Staatsgebühren. Den Haka- tistkn ist allerdings zuzutrauen, daß sie, wenn der Krach droht, auch diese Verschwendung fordern. Und der Regierung ist nach ihrem btsherigen Verhalten zuzutrauen, daß sie auf dieses Fiasko ihrer Polenpolitik mit einer neuen Torheit nach den „Ideen" der Hakalisten antworten würde. Ob der Geldbeutel das aber schließlich aushielt?
Berlin, den 7. März 1904.
* Die Mittelmeerfahrl des Kaisers und die damit verknüpften Besuchs italienischer Küsten- stadte find nunmehr, wie man aus Rom meldet, offiziell angekündigt. Der Kaiser wird am 24. März an Bord des „König Albert" in Neapel eintreffen und sich dann an Bord der kaiserlichen Jacht „Hohenzollern", die sich bereits auf der Fahrt nach Neapel befindet, begeben. In Sizilien, das Kaiser Wilhelm gleichfalls besuchen wird, werden Vorbereitungen für eine würdige Begrüßung des Monarchen getroffen.
* Zum Tode des Feldmarschalls Graf Waldersee veröffentlicht das .Armeeoerord- nungsblattt einen Armeebefehl desKaisers, in dem es heißt: „Gottes Fügung hat mir, dem Hcere und dem Vaterlands durch den Tod des Grafen Waldersee einen schweren Verlust auferlegt. Mit aufrichtigem Schmerz beklage ich das Hinfcheiden des in so vielen, besonders wichtigen Stellungen rühmlichst bewährten Mannes. Er war mir ein persönlich nahestehender Freund. Ich verliere in ihm einen verehrten Lehrer, dem ich meine Ausbildung auf dem Gebiete der Strategie und Taktik verdanke." — Der Kaiser hat die Ab
sicht, sich zur Teilnahme an der Trauerfeier für den Grafen Waldersee nach Hrnnover zu begeben, wegen einer starken Erkältung aufgeben müffen. Der Kaiser wird durch den Kron- irinzen vertreten fein, falls der Kronprinz, )er ebenfalls stark erkältet ist, bis dahin wieder- hergeflellt ist; wenn nicht, würde Prinz Eitel Friedrich die Vertretung des Kaisers übernehmen. — Ein Armeebefehl ordnet anläßlich des Ablebens des Grafen Waldersee eine achttägige Armeetrauer an.
* Die Novelle zum Reichsstempelgesetz st dem Bundesrat vorgelegt worden, und die Einbringung beim Reichstage dürfte wohl demnächst erfolgen. Die Vorlage verfolgt in der Hauptsache den Zweck, den Arbitageverkehr wieder mehr zu beleben. Es soll nach der .Deutschen Tageszeitung' beabsichtigt sein, für ausländische Wertpapiere fakultativ eine Art Steuecabfindung einzuführen, wonach die Wert- lapiere der betreffenden Kategorie einer stück- veisen Abstempelung bei hnr Einführung in den inländischen Verkehr nicht mehr unterliegen würden. Eme Ermäßigung deS Steuersatzes ür Wertpapiere ist nicht geplant. Anlangend den Anschaffungsstempel soll abgesehen von einigen weiteren Erleichterungen für den Arbitageverkehr nur noch für den Verkehr in Re chs- und Staatsanleihen einschließlich der Schatz- anweisuvgen aus finanzpolitischen Erwägungen eine Ermäßigung der Abgabe geplant sein, von der man hofft, daß sie in ihrem Endaffekt keinen Ausfall an dem Ertrage der Abgabe, wohl aber eine Besserung und Festigung der Kurse unserer erstklassigen Wertpapiere zur Folge haben werde.
*» Die Vertrauensmänner der sozialdemokratischen Partei für Berlin und Umgegend haben von den üblichen März-Ver- famtnlmtgcn am Jahrestage der Berliner Re- volutions - Kämpfe in diesem Jahre Abstand zu nehmen beschlossen. Außer den Partei-Versammlungen, die zufällig für den 18. d.M. einberufen sind, wird über andere Themata als die Bedeutung des 18. März gesprochen werden. Die Massen - Wallfahrt zu den Gräbern der Märzgefallenen, sowie die Kranzniederlegung durch Abordnungen der einzelnen Organisationen, Gewerkschaften ec. bleibt von dem Beschlüsse unberührt. Die März-Versammlungen hatten schon in den letzten Jahren nur geringen Besuch aufzuweisen.
• Die Milltoueuuutrrschlagnugr« bsö Prokuristen Johannes Reinhardt haben unter der Kundscha/t deS alten Bankhauses Brendel u. Co eine wahre 58ar.it hervorgerufen. Die Geschäftsräume in der Französischen Straße wurden von Leuten, die ihre Depots zurückhaben wollten, geradezu bestürmt. Heute vormittag erschienen noch gegen 150 P.rsonen, Männer und Frauen, meist Angehörige des Mittelstandes aus Berlin und den Vororten. Seit S'.a. Uhr jedoch hing an der Tür ein Zettel mit der Aufschrift .geschlossen". Unverrichteter Sache mußten die Enttäuschten uwtehren. Dabei spielten sich ergreifende Szenen ab. Eine Frau brach ohnmächtig auf der Tieppe zusammen. Ten Leuten, die noch Ein- tritt erhielten, wurde mitgeteilt, daß. am Dienstag in den Geschäftsräumen eine Gläubigerversammlung statt- finden werde. Reinhardt stellte sich heute Abend der Polizei.__
öl. Sitzung vom 7. März 1904.
Eröffnung: l1/- Uhr.
Die Beratung des MilttäretatS wird rorl- gesetzt beim Titel »Gehalt deS Staatsfekre- tätS".
Abg. Dasbach (Zentrum) brachte zur Sprache, daß in Thorn ein für Katholiken anstößiges Theaterstück von Offizieren aufgeführt worden sei und daß eine Bekämpfung des Tucllunweseus durch kgl. Verordnungen notwendig sei. _
Abg. Bebel (Sozd.) trat hierauf gegen dre Rede des Kr'egsministers am Freitag aus. Bon aktuellem Jntereffe war nur die Erörterung des Freispruchs des Prinzen Arenberg. Es sei erstaunlich, daß ein Geisteskranker habe Offizier werden können. Daran knüpft Bebel deftige Angriffe gegen das Junkertum. Er pries das Proletariat als Schirmer des Vaterlandes und versicherte, wenn ein Feind uns überfalle, werde dre Sozialdemokratie bis zum letzten Man« zur Flinte greifen.
Abg. Liebermann von Sonueuberg (Ants), der auch die Zulaffang Arenbergs zur Armee unbegrerflrch fand, wollte dem Abg. Bebel seine Beteuerung von der Vaterlandsliebe der Sozialdemokratie nicht recht glauben und fand darin einen Kompagnon in der Person deS . .
Kriegsministers v. Einem. Dieser kam auch noch auf den Fall Arenberg zu sprechen. Er versicherte, daß die Militärverwaltung keinen Anlaß gehabt habe, den Prinzen vom Offizierstande zurückzuweisen. handle sich keineswegs um einen typischen Fall. Durch ärztliche Gutachten sei festgestellt, daß der Pirn» iu enen Personen gehöre, die auf der Grenze von Geistes- gesundheit und Gersteskrankheit ständen und bei denen man erst, wenn ein Verbrechen geschehen sei, aufmerksam werde, daß sie geistig nicht gesund waren Dem Abg. Dasbach erwiderte der Minister, daß Remedur eintreten solle, wenn in Thorn wirklich eine Verletzung der Gefühle der Katholiken durch Offiziere vorgekommen sei. , .
Nach dem Kriegsminister sprach der bayemche General v. Endres. Er führte aus, daß tn Bayern die Soldatenmißhandlungen nur noch selten vorkommen. ..
Aba. Vogt (wirtsch. Vgg.) trat noch für eine bessere Löhrung der Soldaten ein.
Hierauf vertagt sich das Haus.
Dienstag 1 Uhr Fortsetzung.
Schluß W Uhr.
AbgeordneteuhanS.
35. Sitzung vom 7. März 1904.
Eröffnung: 11'/. Uhr.
Fortsetzung der 2 Beratung des Eisenbahnetats bei der Diskussion über die Anträge der Bbgg. Graf Prasch ma(Ztr) und Richth ofen (kons.)betr. die Ermäßigung der Zuckertarise und deS Abg. Stupp (Ztr.) betr. Ermäßigungen für Zuckerrüben, Schnitzel, Melaffe und Mslaffefulter.
Nach einer länger en Debatte wurden die beiden Anträge einer Kommission von 21 Mitgliedern überwiesen, während die Anträge, worin Tarifeileichternngen für die Oderumschlagstellen gefordert werden, an die Budgetkommisfion verwiesen wurden. Dann begann die allgemeine Besprechung zum Eisenbahnetat, die vom
Zwei Kr binnen.
Bon Klara Rheinau.
1» ------ (Nachdruck verboten.)
Um die Mittagszeit kehrte Reginald kothbespritzt »on seiner Arbeit heim. Nachdem er seine Kle.der gewechselt hatte, setzte er sich an den Schreibtisch in seinem Zimmer, um seinen zweiten wöchentlichen thief »n Elly abzufassen. Heute fiel ihm diese Aw gäbe dvppett schwer, denn wieder mußte er von einem neuen Aufschub melden. Zweimal begann er seine Epistel, zerriß aber jedesmal die unvollendete Seite in kleine Stücke. Dann schrieb er die Adreffe auf die Briefhülle und begann zum brüten mal. Aber kaum hatte er die «firn Worte „Meine liebe" geschrieben, als er hin- unter gerufen wurde, um mit dem Verwalter von Westfeld zu sprechen.
Er eilte hinaus, die Türe weit offen lassend, so daß seine Schwester, die eben über den Vorplatz ging, seine beschmutzten Kleider gerade vor Augen hatte.
„Unordentlicher Mann!" murmelte sie vor sich hin «ib betrat ba» Gemach in bet Absicht, Ordnung zu schaffen. Ihr erster Blick fiel auf die weiße Briefhülle mit der Adresse:
„Fräulein Förster.
St. Marien Haus
Brüssel Prinzenstraße" — nnb ix einem Augenblicke wurde ihr klar, daß dies die Schreiberin von Reginalds postlagernd«, Briefen MU.
Einige Sekunden betrachtete sie die Adresse, die sie sich fest in ihrem Gevächtn sie einprägte. Dann warf sie einen forschenden Blick auf die zerrissenen Bogen und in den gerade begonnenen B itf.
„In sehr unbehaglicher Stimmung suchte sie da» Speisezimmer auf, entschlossen, ihren Bruder em
nachmittag zu einer Spazierfahrt zu bereden und bei dieser Gelegenheit volle Aufklärung von ihm zu verlangen. Aber dieser Plan sollte ihr gänzlich durchkreuzt werden.
Oben in seinem Zimmer Hörle sie ihren Bruder Herumtasten, und als er sehr bald herunterkam — in den wenigen Minuten hatte er ein paar Zeilen an Elly aufs Papier geworfen — rief er nur an der Türe seiner Schwester zu, sie möge mit dem Essen nicht auf ihn warten. Seine Anwesenheit in Westfeld sei düngend nötig, um mit Major Roller, der berettr an gekommen sei, gewisse Wassergrenzen festzustellen. Wahrscheinlich werde er auch noch nach Darsum hinüber gehen, zum Abendessen aber wieder zu Hause fetIt„«lfo bis dahin lebe wohl", sagte Frau Wilson, deren Miene sich bei der Erwähnung Darsum» verdüstert hatte. Reginald sollte und mußte ihr diese» Geheimnis erklären, ehe es viele Stuvden älter war, und sie würde vermutlich ihren W llen durchgesetzt haben, hätten ihr nicht die nächsten Stunden eine schwere Sorge gebracht, die für eine Zeitlang die kleinere Unruhe gänzlich in den Hmtergrund drängte.
Inzwischen kehrte Doral ee noch immer in hiiterft-r Sttmmung vor ihrem Morgenritt zurück. Sobald sie da» Hau- betreten hatte, begann sie eine Reihe von Fragen: „War Herr Ravenstein biet gewesen? Hatten die Diener ibn ae-ehen? Hatte Schmitten nicht gesagt, ob er diesen nachmittag käme?"
Als sie von Ravenstein» Verabredung mit M-ior Roller hörte, betrat sie rasch da» kühle Bibliothrk- z-mmer, in das sich Fräulein Basfiag zurückg-zogeo hatte, und kündigte dreier an, daß sie sich ebenfalls bei dem Zusammentreffen eftfinden werde. „Bitte, klingeln Sie", fuhr sie fort, „und geben Sie Auftrag, daß man rasch etwa- zu essen hierher bringe."
Fräulein Basfing legte da- Buch bei Seite, in de« sie gelesen hatte, und heftete ihre harten graeen Augen auf die junge Herrin deg Hause».
„D«» Frühstück wird zur passenden Zest am
passenden Oct bereit sein", sagte sie kalt. „Ich wünschte, Sie würden nickt vergessen, daß in einem Haushalte wie in diesem Ordnung und Pünktlichkeit vor allen Dingen notwendig find. Gute Dienstboten erwarten dies."
„Dann werden gute Dienstboien sich in meinem Hanse anders gewöhnen müssen," entgegnete Doralice kurz. „Bitte, klingeln Sie."
„Sogleich," sagte Fräulein Bassing ruhig. „Aber darf ich zuerst noch etwas mit Ihnen besprechen?"
„O gewiß, wenn es nicht zu lange bauert." Unb ihr Filzhütchen auf ben Tisch werfend, setzte sie fich nieder, während des ernsten Teiles der nun folgenden Unterredung ungeduldig mit den Knöpfen ihres Reit- kleideS spielend.
Fräulein Bassing begann in nervöser Erregung zu sprechen, denn nun stand eine Krisis bevor, aus die fie große Hoffnungen gesetzt hatte: „Ich hoffe, Sie erkennen an, Fräulein Gram, daß mein Amt hier bei Ihnen kein leichtes war. Jetzt, da ich dessen Ende herannahen sehe" — Doraliee blickte auf, errötete, widersprach aber nicht — „muß ich Sie daran erinnern, wie sehr ich mich bemüht habe (DoralicevS hübscher Mund verzog sich zu einem spöttischen Lächeln), Ihre Manier,n und Ihre Sprechweise in einer Weise zu leiten, daß Sie sich mit Ehren in Ihren Kreisen bewegen konnten."
„Ich danke Ihnen sehr, daß Sie e- getan haben unb mich so sreundlich baran erinnern," brauste Doralice auf — benn Fräulein Bass ng's beftänbiae „Leitung" hatte sie den ganzen Sommer über unbeschreiblich belästigt. „Entichuldigen Sie, wenn ich Sie meinerseits baran erinnere, baß Ihre Dienstleistungen außer- ordentlich gut bezahlt würben. Wenn Papa herüber kommt, unb — anbere Einrichtungen getroffen sein werben, werbe ich zweifellos im Stanbe sein, Eie zu entlaßen."
Frätüein Bassing verfärbte fich. Sie hatte vorher noch anderes zu regeln, deshalb such'e fie fich jetzt mit Gewalt zu beherrschen.
„Ich glaube", sagte fie, wir müssen noch eine Angelegenheit ordnen, ehe ich — entlassen werde, wie Sie sagen. Mein Grhalt, dessen fie gütigst erwähnten, mcg vielleicht ungewöhnlich hoch scheinen im Vergleich za den Pflichten, die ich zu erfüllen habe. Aber ich muß Ihnen deutlich sagen, daß dieses Gehalt, das ich fünsunvzwanzig Jahre lang von Frau Gram, seit sünf Monaten von Ihnen empfing, zugleich eine Bezahlung für Wichtigeres war, al» e» die Dienste einer Gesellschafterin find."
„Ran?" fragte Doralice, als Fräulein Basfing inne hielt, um tief Arem zu schöpfen.
„Für die Bewahrung von Fra« Gram» Geheimnis, das auch da« Ihrige ist." _
„Mein Geheimnis?" rief Doralice, ihre« Stuhl heftig zmückstnßend, al» ob fie fürchte, die Sprecherin habe plötzlich ben Verstaub verlortn. „Welch abgeschmackte Erzählung 'st dies? Ich habe kein Geheimnis, sür besten Bewahrung Sie bezahlt werden müßten."
„Eine kleine Aufklärung, und Sie werde» and«» denken," war die zuversichtliche Entgegnung.
Mann — ich kann eben so gut sagen, ein Ehcmatm — würde sicher wünschen, die bekiffende Sache geheim zu halten; ich fege, e» wäre am besten, sie bet» Gatten selbst rorzuemhalten. Meiner Ansicht nach besteht keine Notwen.bigkttt sür Sie, einem Manne, der viöleicht auf seine eigene Familie stolz ist, gleichsam die Waffe der Geringschätzung sür die Ihrige in die Hand iu geben." , ,
„Geringschätzung sür meine Familie?" wiederholte Doralice fich erhebend und mit verschränken Armen stolz und trotzig vor Fräu ein Basfing hintreteud „Bitte, Fräulein Basfing, wa» können Sie mir ober meinem — meinem Gatten ober sonst Jemanden sagen, worüber wk Gram» un» zu schäme» hätte»?
„Nun", begann Fräulein Bassing laugsam, könnte Ihnen Jagen, daß die Mutter d« Gram» em aewühuliche» Landwädchen war, tu einer
boten und in Armm ausgewachsen, die Tochter eines